Herzog.
Er wird euch noch besser kennen lernen, wenn ich so lange lebe, ihm
Nachricht von euch geben zu können.

Lucio.
Ich fürchte euch nicht.

Herzog. O! ihr hoft, der Herzog werde nicht wieder kommen, oder ihr bildet euch ein ich sey ein Gegner, der euch nicht schaden könne; und in der That, ich werde euch wenig schaden, denn ihr werdet alles was ihr hier gesagt habt, wieder abschwören.

Lucio.
Erst will ich mich hängen lassen; du kennst mich nicht, Frater.
Doch nichts weiter hievon. Kanst du sagen, ob Claudio morgen
stirbt oder nicht?

Herzog.
Warum sollt' er sterben, mein Herr?

Lucio. In der That ist es hart, einem darum den Kopf zu nehmen, weil er die Hosen herunter gelassen hat; denn das ist doch zulezt alles, was er gethan hat. Ich wollte, der Herzog von dem wir reden, wäre wieder da; dieser unvermögende Statthalter wird das ganze Land durch Enthaltsamkeit entvölkern. Er leidet nicht, daß die Sperlinge in seinem Hause nisten, weil sie Liebhaber vom Paaren sind. Der Herzog würde Dinge, die im Finstern geschehen, auch im Finstern ausmachen; er würde sie gewiß nicht ans Licht ziehen. Ich wollt' er wäre wieder da! Leb' wohl, mein guter Frater; ich bitte um dein Gebet. Der Herzog, ich sag dir's noch einmal, macht sich nichts daraus, an einem Freytag von einer Schöpskeule zu essen; seine Zeit ist noch nicht vorbey; ich versichre dich, er würde eine Bettlerin schnäbeln, wenn sie gleich nach schwarz Brot und Knoblauch röche. Sag, ich hab' es gesagt, und gehab dich wohl.

(Lucio geht ab.)

Herzog. Weder Macht noch Hoheit kan dem Tadel entgehen, und die hinterrüks verwundende Verläumdung scheuet sich nicht, die weisseste Tugend anzugeifern.

Siebende Scene.
(Escalus, Kerkermeister, Kupplerin, und Stadtbediente.)

Escalus.
Geht, führt sie ins Gefängniß.