Kerkermeister. Ruft Claudio und Bernardin hieher; mit dem einen hab' ich Mitleiden; mit dem andren, der ein Mörder ist, nicht ein Jot, und wenn er mein Bruder wäre.
Sechste Scene.
(Claudio kommt herein.)
Kerkermeister.
Siehe hier, Claudio, dein Todesurtheil; es ist izt Mitternacht, und
bis morgen um acht Uhr must du unsterblich gemacht werden. Wo ist
Bernardin?
Claudio. So stark vom Schlaf gefesselt als ob er unschuldig wäre, und nichts zu befürchten hätte. Er wird nicht aufzuweken seyn.
Kerkermeister. Und was würd' es ihm auch helfen; er ist ein verhärteter Bube—Gut, begebt euch wieder weg und bereitet euch.
(Claudio geht ab.)
Still! was für ein Getöse ist das?—der Himmel stärke euch!—Ich komme—Hoffentlich ist es Begnadigung, oder doch einiger Aufschub für den wakern Claudio—Willkommen, Vater. (Der Herzog kommt herein.)
Herzog. Die besten und heilsamsten Geister der Nacht steigen auf euch herab, wakrer Kerkermeister! Wer klopfte seit einiger Zeit hier an?
Kerkermeister.
Niemand, seitdem die Nachtgloke geläutet worden.
Herzog.
Nicht Isabella?