Bernardin. Ich schwör euch aber, daß mich kein Mensch in der Welt überreden soll, heute zu sterben.

Herzog.
Aber ihr hört ja—

Bernardin.
Nicht ein Wort; wenn ihr mir etwas zu sagen habt, so kommt in mein
Gefängniß, denn heute soll mich niemand anders wo hin bringen.

(Er geht ab.)

Neunte Scene.
(Der Kerkermeister zu den Vorigen.)

Herzog.
Er ist ungeschikt zum Leben und zum Sterben: es ängstiget mein Herz!
aber es muß seyn—Geht ihm nach, ihr Leute, und führt ihn zu dem
Blok.

Kerkermeister.
Nun, mein Ehrwürdiger Herr, wie findet ihr den Gefangnen?

Herzog. Unbereitet und untüchtig zum Sterben; ihn in der Gemüthsfassung worinn er ist, in die andre Welt zu schiken, wäre verdammlich.

Kerkermeister. Diesen Morgen, Vater, starb hier im Gefängniß an einem hizigen Fieber ein gewisser Ragozin, ein sehr berüchtigter Räuber, ein Mann von Claudios Jahren; Bart und Haar völlig von der nemlichen Farbe; wie wenn wir diesen Ruchlosen gehen liessen, bis er sich besser anläßt, und den Statthalter mit Ragozins Haupt befriedigten, der dem Claudio ähnlicher sieht?

Herzog. O, diß ist ein Zufall, den uns der Himmel geschikt hat; nur hurtig zur Ausführung geschritten; die von Angelo bestimmte Stunde rükt heran; sorget davor, daß alles seinem Befehl so gemäß eingerichtet werde, daß er den Tausch nicht merken könne; indessen daß ich mich bemühen werde, diesen rohen Unglükseligen zum Tode willig zu machen.