ROSSE
Steht auf, Ihr Herrn, dem König ist nicht wohl.

LADY MACBETH
Bleibt sitzen, Herrn, der König ist oft so
Und wars von Jugend an—o steht nicht auf!
Schnell geht vorbei der Anfall, augenblicks
Ist er dann wohl. Beachtet Ihr ihn viel,
So reizt Ihr ihn, und länger währt das Übel.
Eßt, seht ihn gar nicht an.—Bist du ein Mann?

MACBETH
Ja, und ein kühner, der das wagt zu schauen,
Wovor der Teufel blaß wird.

LADY MACBETH
Schönes Zeug!
Das sind die wahren Bilder deiner Furcht;
Das ist der luftge Dolch, der, wie du sagtest,
Zu Duncan dich geführt!—Ha, dieses Zucken,
Dies Starrn, Nachäffung wahren Schrecks, sie paßten
Zu einem Weibermärchen am Kamin, Bestätigt von
Großmütterchen.—O schäm dich!
Was machst du für Gesichter, denn am Ende
Schaust du nur auf 'nen Stuhl.

MACBETH
Ich bitt dich, sieh, blick auf, schau an!—Was sagst du?
Ha, meinethalb! Wenn du kannst nicken, sprich auch!
Wenn Grab und Beingewölb uns wiederschickt,
Die wir begruben, sei der Schlund der Geier
Uns Totengruft!

(Der Geist geht fort.)

LADY MACBETH
Was! Ganz entmannt von Torheit!

MACBETH
So wahr ich leb, ich sah ihn!

LADY MACBETH
O der Schmach!

MACBETH
Blut ward auch sonst vergossen, schon vor alters,
Eh menschlich Recht den frommen Staat verklärte,
Ja, auch seitdem geschah so mancher Mord,
Zu schrecklich für das Ohr: da wars doch so,
Daß, war das Hirn heraus, der Mann auch starb,
Und damit gut. Doch heute stehn sie auf,
Mit zwanzig Todeswunden an den Köpfen,
Und stoßen uns von unsern Stühlen: Das
Ist wohl seltsamer noch als solch ein Mord.