MACDUFF
So hab ich meine Hoffnung denn verloren!

MALCOLM
Vielleicht da, wo ich meinen Zweifel fand.
Wie, in der Hast verließt Ihr Weib und Kind,
So teure Pfänder, mächtge Liebesknoten,
Selbst ohne Abschiednehmen? Ich ersuch Euch—
Mein Mißtraun spricht nicht so. Euch zu entehren,
Nur, mich zu sichern. Ihr könnt rein und treu sein,
Was ich von Euch auch denke.

MACDUFF
Blute, blute,
Du armes Vaterland! So lege festen Grund denn,
Tyrannei, Rechtmäßigkeit wagt nicht, dich anzugreifen!
Trage dein Leid, dein echter Herrscher zittert!
Prinz, lebe wohl! Nicht möcht ich sein der Schurke,
Den du mich achtest, für den weiten Raum,
Den der Tyrann in seinen Klauen hält,
Zusamt dem reichen Ost.

MALCOLM
Sei nicht beleidigt!
Nicht unbedingter Argwohn sprach aus mir.
Ich glaub es, unser Land erliegt dem Joch.
Es weint und blutet; jeder neue Tag
Schlägt neue Wunden ihm. Auch glaub ich wohl,
Daß Hände sich erhöben für mein Recht.
So bietet der huldreiche England mir
Manch wackres Tausend. Doch, bei alledem,
Wenn ich nun tret auf des Tyrannen Haupt,
Es trag auf meinem Schwert, wird größre Laster
Mein armes Land noch tragen als zuvor,
Mehr dulden und auf schlimmre Art als je,
Durch den, der folgen wird.

MACDUFF
Wer wäre dieser?

MALCOLM
Mich selber mein ich, in dem, wie ich weiß,
Die Keime aller Laster so geimpft sind,
Daß, brechen sie nun auf, der schwarze Macbeth
Rein scheint wie Schnee und er dem armen Staat
Lammartig dünkt, vergleicht er ihn mit meiner
Maßlosen Sündlichkeit.

MACDUFF
Nicht in Legionen
Der grausen Höll ist ein verruchtrer Teufel,
Der Macbeth überragt.

MALCOLM
Wohl ist er blutig,
Wollüstig, geizig, falsch, betrügerisch,
Jähzornig, tückisch; schmeckt nach jeder Sünde,
Die Namen hat. Doch völlig unstillbar
Treibt mich Begierde; eure Weiber, Töchter,
Jungfraun, Matronen könnten nicht ausfüllen
Den Abgrund meiner Lust; und mein Verlangen
Würd überspringen jede feste Schranke,
Die meine Willkür hemmte. Besser Macbeth,
Als daß ein solcher herrscht.

MACDUFF
Unmäßigkeit
Ist wohl auch Tyrannei und hat schon oft
Manchen beglückten Thron zu früh verwaist,
Viel Könige gestürzt. Allein deshalb
Zagt nicht, zu nehmen, was Eur Eigen ist!
Ihr mögt der Lust ein weites Feld gewähren
Und kalt erscheinen, mögt die Welt verblenden.
Der willgen Frauen gibts genug; unmöglich
Kann solch ein Geier in Euch sein, der alle
Verschlänge, die der Hoheit gern sich opfern,
Zeigt sie ein solch Gelüst.

MALCOLM
Daneben wuchert
In meinem tief verderbten Sinn der Geiz,
So unersättlich, daß, wär ich der König,
Räumt ich die Edeln weg um ihre Güter;
Dem raubt ich die Juwelen, dem das Haus;
Mehr haben wäre mir die Würzung nur,
Den Hunger mehr zu reizen; Netze strickt ich,
Mit bösem Streit den Redlichen zu fangen,
Um Reichtum ihn vernichtend.