MACDUFF
Er hat nicht Kinder! All die süßen Kleinen?
Alle sagst du?—O Höllengeier!—Alle!
Was! All die holden Küchlein, samt der Mutter,
Mit einem wilden Griff?

MALCOLM
Ertragt es wie ein Mann!

MACDUFF
Das will ich auch;
Doch ebenso muß wie ein Mann ichs fühlen:
Vergessen kann ich nicht, daß das gewesen,
Was mir das Liebste war. Konnte der Himmel
Es anschaun und nicht helfen? Sündger Macduff,
Für dich sind sie erschlagen! Ich Verworfner!
Für ihre Sünden nicht, nein, für die meinen
Sind sie gewürgt.—Schenk ihnen Frieden, Gott!

MALCOLM
Dies wetze scharf dein Schwert, verwandle Gram
In Zorn, erschlaffe nicht dein Herz, entflamm es!

MACDUFF
Ich will das Weib nicht mit den Augen spielen
Und prahlen mit der Zung!—Doch, gütger Himmel,
Verkürze jeden Aufschub! Stirn an Stirn
Führ diesen Teufel Schottlands mir entgegen!
Stell ihn in meines Schwerts Bereich; entrinnt er,
Himmel, vergib ihm auch!

MALCOLM
So klingt es männlich!
Jetzt kommt zum König, fertig steht das Heer,
Es mangelt nur noch, daß wir Abschied nehmen.
Macbeth ist reif zur Ernte, und dort oben
Bereiten ewge Mächte schon das Messer.
Faßt frischen Mut; so lang ist keine Nacht,
Daß endlich nicht der helle Morgen lacht.

(Sie gehen ab.)

FÜNFTER AKT

ERSTE SZENE

(Dunsinan, Zimmer im Schloß)