ROSSE
Teure Muhme,
Ich bitte, mäßigt Euch, denn Euer Gatte
Ist edel, klug, vorsichtig, kennt am besten
Der Tage Sturm. Nicht viel mehr darf ich sagen.
Doch harte Zeit ist, wenn Verräter wir
Sind unbewußt, wenn uns Gerüchte ängsten,
Aus Furcht nur, doch nicht wissend, was wir fürchten,
Getrieben auf empörtem, wildem Meer,
Nach allen Seiten hin.—So lebt denn wohl!
Nicht lang, und wieder frag ich vor bei Euch.
Was so tief sank, geht unter oder klimmt
Zur alten Höh empor. Mein Vetterchen,
Gott segne dich!
LADY MACDUFF
Hat einen Vater und ist vaterlos!
ROSSE
Ich bin so kindisch, daß ein längres Bleiben
Mich nur beschämen würd und Euch entmutgen:
Lebt wohl mit eins!
(Er geht ab.)
LADY MACDUFF
Nun, Freund, tot ist dein Vater!
Und was fängst du nun an? Wie willst du leben?
SOHN
Wie Vögel, Mutter.
LADY MACDUFF
Wie, von Würmern? Fliegen?
SOHN
Nein, was ich kriegen kann; so machen sie's.
LADY MACDUFF
Du armer Vogel würdest nicht das Netz,
Leimrute, Schling und Falle fürchten.
SOHN
Wie doch?
Für arme Vögel stellt man die nicht auf.—
Mein Vater ist nicht tot, was du auch sagst.