Aemilia.
Ihr sollt mir gewiß keine Lobrede schreiben!
Jago.
Ich rathe euch nicht, daß ihr mich dazu bestellet.
Desdemona.
Was würdest du von mir schreiben, wenn du mich loben müßtest?
Jago. O Gnädige Frau, sezt mich nicht in Versuchung; ich bin nichts, oder ich bin ein Criticus.
Desdemona. Kommt, eine kleine Probe—Dort ist jemand in die Bay eingelauffen. —
Jago.
Ja, Gnädige Frau.
Desdemona. Ich bin nicht aufgeräumt; ich belüge das was ich bin, indem ich was anders scheine;—Komm, was wolltest du zu meinem Ruhm sagen?
Jago. Ich bin würklich daran; aber, in der That, meine Erfindung geht so ungern von meinem Hirnkasten ab, wie Vogel-Leim von einem Frieß-Rok— doch meine Muse arbeitet, und nun ist sie entbunden—Ein jeder Mund bekennt und spricht, sie ist so weis' als schön, Doch eines zehrt das andre auf, das muß man auch gestehn.
Desdemona.
Vortreflich; aber wie, wenn sie schön und albern wäre?
Jago.
Albern? Gut, die blödste Schöne hatte stets so viel Verstand
Daß sie, wo nicht einen Mann, mindstens einen Erben fand.