Elisabeth.
Oh, du hast prophezeit, es käm' die Zeit,
Wo ich herbei dich wünscht', um mitzufluchen
Der bauch'gen Spinne, dem geschwollnen Molch.

Margaretha.
Da nannt' ich dich ein Scheinbild meines Glücks,
Da nannt' ich dich gemalte Königin;
Die Vorstellung nur dessen, was ich war;
Ein schmeichelnd Inhaltsblatt zu grausem Schauspiel;
So hoch erhoben, tief gestürzt zu werden;
Zwei holder Knaben bloß geäffte Mutter;
Ein Traum des, was du warst; ein bunt Panier,
Zum Ziel gestellt für jeden droh'nden Schuß;
Ein Schild der Würde, eine Blas', ein Hauch,
Kön'gin zum Spaß, die Bühne nur zu füllen.
Wo ist dein Gatte nun? wo deine Brüder?
Wo deine beiden Söhne? Was noch freut dich?
Wer kniet und sagt nun: Heil der Königin?
Wo sind die Pairs, die schmeichelnd sich dir bückten?
Wo die gedrängten Haufen, die dir folgten?
Geh all dies durch, und sieh, was bist du jetzt.
Statt glücklich Eh'weib, höchst bedrängte Witwe;
Statt frohe Mutter, jammernd bei dem Namen;
Statt angefleht, demütig Flehende;
Statt Königin, mit Not gekrönte Sklavin;
Statt daß du mich verhöhnt, verhöhnt von mir;
Statt allgefürchtet, einen fürchtend nun;
Statt allgebietend, nun gehorcht von keinem.
So bat des Rechtes Lauf sich umgewälzt
Und dich der Zeit zum rechten Raub gelassen;
Nur der Gedanke blieb dir, was du warst,
Auf daß dich's mehr noch foltre, was du bist.
Du maßtest meinen Platz dir an: und fällt
Nicht meiner Leiden richtig Maß dir zu?
Halb trägt dein stolzer Nacken nun mein Joch,
Und hier entzieh ich ihm das müde Haupt
Und lasse dessen Bürde ganz auf dir.
Leb wohl, Yorks Weib, des Unglücks Königin!
In Frankreich labt mir Englisch Weh den Sinn.

Elisabeth.
O du in Flüchen wohl Erfahrne, weile
Und lehre mich, zu fluchen meinen Feinden!

Margaretha.
Versag dir nachts den Schlaf, und faste tags;
Vergleiche totes Glück lebend'gem Weh;
Denk deine Knaben holder, als sie waren,
Und schnöder, als er ist, den, der sie schlug:
Mit dem Verlust muß sich der Abscheu mehren;
Dies überdenken, wird dich fluchen lehren.

Elisabeth.
O schärfe meine stumpfen Wort' an deinen!

Margaretha.
Dein Weh wird scharf sie machen, gleich den meinen.

(Ab.)

Herzogin.
Warum doch ist Bedrängnis reich an Worten?

Elisabeth.
Wind'ge Sachwalter ihrer Leidparteien!
Luft'ge Beerber unbewillter Freuden!
Des Elends arme hingehauchte Redner!
Gönnt ihnen Raum: obschon, was sie gewußt,
Auch sonst nicht hilft, doch lindert es die Brust.

Herzogin.
Ist das, so binde deine Zunge nicht:
Geh mit mir, und im Hauche bittrer Worte
Sei mein verdammter Sohn von uns erstickt,
Der deine beiden süßen Söhn' erstickte.