PERSONEN:
König Eduard der Vierte
Eduard, Prinz von Wales, nachmals König Eduard der Fünfte
Söhne des Königs
George, Herzog von Clarence
Richard, Herzog von Gloster, nachmals König Richard der Dritte
Brüder des Königs
Eduard Plantagenet, ein junger Sohn des Clarence
Heinrich, Graf von Richmond, nachmals König Heinrich der Siebente
Kardinal Bourchier, Erzbischof von Canterbury
Thomas Rotherham, Erzbischof von York
John Morton, Bischof von Ely
Herzog von Buckingham
Herzog John von Norfolk
Graf Thomas von Surrey, sein Sohn
Graf Rivers, vormals Sir Anton Woodville,
Bruder der Gemahlin König Eduards
Marquis von Dorset und Lord Grey, ihre Söhne aus erster Ehe
Lord Scales, des Grafen Rivers ältester Sohn
Graf von Oxford
Sir William Brandon
Lord William Hastings
Lord Stanley
Lord Lovel
Sir Thomas Vaughan
Sir Richard Ratcliff
Sir William Catesby
Sir James Tyrrel
Sir James Blunt
Sir Walter Herbert
Sir Robert Brakenbury, Kommandant des Towers
Tressel und Berkeley, Edelleute im Gefolge der Prinzessin Anna
Christopher Urswick und Sir John, Priester
Zwei Bischöfe
Der Lord Mayor von London
Der Sheriff von Wiltshire
Elisabeth, Gemahlin König Eduards des Vierten
Margaretha, Witwe König Heinrichs des Sechsten
Herzogin von York, Mutter König Eduards des Vierten,
Clarences und Glosters
Anna, Witwe Eduards, des Prinzen von Wales,
Sohnes König Heinrich des Sechsten; nachmals mit Gloster vermählt
Margaretha Plantagenet, eine junge Tochter des Clarence
ERSTER AUFZUG
ERSTE SZENE
London. Eine Straße.
(Gloster tritt auf.)
Gloster.
Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens
Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks;
Die Wolken all, die unser Haus bedräut,
Sind in des Weltmeers tiefem Schoß begraben.
Nun zieren unsre Brauen Siegeskränze,
Die schart'gen Waffen hängen als Trophä'n;
Aus rauhem Feldlärm wurden muntre Feste,
Aus furchtbarn Märschen holde Tanzmusiken.
Der grimm'ge Krieg hat seine Stirn entrunzelt,
Und statt zu reiten das geharn'schte Roß,
Um drohnder Gegner Seelen zu erschrecken,
Hüpft er behend in einer Dame Zimmer
Nach üppigem Gefallen einer Laute.
Doch ich, zu Possenspielen nicht gemacht,
Noch um zu buhlen mit verliebten Spiegeln;
Ich, roh geprägt, entblößt von Liebesmajestät
Vor leicht sich dreh'nden Nymphen mich zu brüsten;
Ich, um dies schöne Ebenmaß verkürzt,
Von der Natur um Bildung falsch betrogen,
Entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt
In diese Welt des Atmens, halb kaum fertig
Gemacht, und zwar so lahm und ungeziemend,
Daß Hunde bellen, hink ich wo vorbei;
Ich nun, in dieser schlaffen Friedenszeit,
Weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben,
Als meinen Schatten in der Sonne spähn
Und meine eigne Mißgestalt erörtern;
Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter
Kann kürzen diese fein beredten Tage,
Bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden
Und feind den eitlen Freuden dieser Tage.
Anschläge macht' ich, schlimme Einleitungen,
Durch trunkne Weissagungen, Schriften, Träume,
Um meinen Bruder Clarence und den König
In Todfeindschaft einander zu verhetzen.
Und ist nur König Eduard treu und echt,
Wie ich verschmitzt, falsch und verräterisch,
So muß heut Clarence eng verhaftet werden,
Für eine Weissagung, die sagt, daß G
Den Erben Eduards nach dem Leben steh'.
Taucht unter, ihr Gedanken! Clarence kommt.
(Clarence kommt mit Wache und Brakenbury.)
Mein Bruder, guten Tag! Was soll die Wache
Bei Euer Gnaden?
Clarence.
Seine Majestät, Besorgt um meine Sicherheit, verordnet
Mir dies Geleit, mich nach dem Turm zu schaffen.