Gloster.
Weswegen lebt' ich sonst in Christenlanden?

Buckingham.
Wißt denn, Eu'r Fehl ist, daß Ihr überlaßt
Den höchsten Sitz, den majestät'schen Thron,
Dies Eurer Ahnen szepterführend Amt,
Des Rangs Gebühr, den Anspruch der Geburt,
Den Erbruhm Eures königlichen Hauses,
An die Verderbnis eines falschen Sprößlings;
Weil bei so schläfriger Gedanken Milde,
Die wir hier wecken zu des Landes Wohl,
Dies edle Eiland seiner Glieder mangelt,
Entstellt sein Antlitz von der Schande Narben,
Sein Fürstenstamm geimpft mit schlechten Zweigen
Und fast verschlemmt im niederziehnden Sumpf
Der tiefsten nächtlichsten Vergessenheit.
Dies abzustellen, gehn wir dringend an
Eu'r gnädig Selbst, das höchste Regiment
Von diesem Eurem Land auf Euch zu laden,
Nicht als Protektor, Anwalt, Stellvertreter,
Noch dienender Verwalter fremden Guts,
Nein, als der Folge nach, von Glied zu Glied,
Eu'r Erbrecht, Euer Reich, Eu'r Eigentum.
Deshalb, gemeinsam mit der Bürgerschaft,
Die ehrerbietigst Euch ergeben ist,
Und auf ihr ungestümes Dringen komm ich,
Für dies Gesuch Eu'r Gnaden zu bewegen.

Gloster.
Ich weiß nicht, ob stillschweigend wegzugehn,
Ob bitterlich mit Reden Euch zu schelten,
Mehr meiner Stell' und Eurer Fassung ziemt.
Antwort' ich nicht, so dächtet Ihr vielleicht,
Verschwiegner Ehrgeiz will'ge stumm darein,
Der Oberherrschaft goldnes Joch zu tragen,
Das Ihr mir töricht auferlegen wollt.
Doch schelt ich Euch für dieses Eu'r Gesuch,
Durch Eure treue Liebe so gewürzt,
Dann, andrerseits, versehr ich meine Freunde.
Um jenes drum zu meiden und zu reden,
Und nicht in dies beim Reden zu verfallen,
Antwort ich Euch entschiednermaßen so.
Dankwert ist Eure Liebe; doch mein Wert,
Verdienstlos, scheut Eu'r allzu hoch Begehren.
Erst, wäre jede Hindrung weggeräumt,
Und wär' geebnet meine Bahn zum Thron,
Als heimgefallnem Rechte der Geburt:
Dennoch, so groß ist meine Geistesarmut,
So mächtig und so vielfach meine Mängel,
Daß ich mich eh' verbärge vor der Hoheit,
Als Kahn, der keine mächt'ge See verträgt,
Eh' ich von meiner Hoheit mich verbergen,
Von meines Ruhmes Dampf ersticken ließe.
Doch, Gott sei Dank! es tut nicht not um mich;
Und wär sagt; tät' vieles not mir, Euch zu helfen.
Der königliche Baum ließ Frucht uns nach,
Die 'durch der Zeiten leisen Gang gereift'
Wohl zieren wird den Sitz der Majestät,
Und des Regierung uns gewiß beglückt.
Auf ihn leg ich, was Ihr mir auferlegt,
Das Recht und Erbteil seiner guten Sterne,
Was Gott verhüte, daß ich's ihm entrisse.

Buckingham.
Mylord, dies zeigt Gewissen in Eu‘r Gnaden,
Doch seine Gründe sind gering und nichtig,
Wenn man jedweden Umstand wohl erwägt.
Ihr saget, Eduard ist Eu'r Bruderssohn;
Wir sagen's auch, doch nicht von Eduards Gattin.
Denn erst war er verlobt mit Lady Lucy,
Noch lebt des Eides Zeugin, Eure Mutter;
Und dann war ihm durch Vollmacht Bona, Schwester
Des Königes von Frankreich, angetraut.
Doch beide wurden sie hintangesetzt
Zugunsten einer armen Supplikantin,
Der abgehärmten Mutter vieler Söhne,
Der reizverfallnen und bedrängten Witwe,
Die, schon in ihrer Blühzeit Nachmittag,
Sein üppig Aug' erwarb als einen Raub
Und seines Sinnes höchsten Schwung verführte
Zu niederm Fall und schnöder Doppeleh'.
Aus diesem unrechtmäß'gen Bett erzeugt
Ward Eduard, Prinz aus Höflichkeit genannt.
Ich könnt' es bittrer führen zu Gemüt,
Nur daß, aus Achtung ein'ger, die noch leben,
Ich schonend meiner Zunge Schranken setze.
Drum, bester Herr, nehm' Euer fürstlich Selbst
Der Würde dargebornes Vorrecht an:
Wo nicht zu unserm und des Landes Segen,
Doch um Eu'r edles Haus hervorzuziehn
Aus der Verderbnis der verkehrten Zeit,
Zu erblicher und echter Folgereihe.

Mayor.
Tut, bester Herr, was Eure Bürger bitten.

Buckingham.
Weist, hoher Herr, nicht ab den Liebesantrag.

Catesby.
O macht sie froh, gewährt ihr bill‘ges Flehn!

Gloster.
Ach, warum diese Sorgen auf mich laden?
Ich tauge nicht für Rang und Majestät.
Ich bitt Euch, legt es mir nicht übel aus:
Ich kann und will Euch nicht willfährig sein.

Buckingham.
Wenn Ihr es weigert, Lieb' und Eifers halb,
Das Kind, den Bruderssohn, nicht zu entsetzen
Wie uns bekannt ist Eures Herzens Milde
Und Euer sanftes, weichliches Erbarmen,
Das wir in Euch für Anverwandte sehn,
Ja, gleichermaßen auch für alle Stände:
So wißt, ob Ihr uns willfahrt oder nicht,
Doch soll Eu'r Bruderssohn uns nie beherrschen;
Wir pflanzen jemand anders auf den Thron
Zum Schimpf und Umsturz Eures ganzen Hauses.
Und, so entschlossen, lassen wir Euch hier.—
Kommt, Bürger, länger wollen wir nicht bitten.

(Buckingham mit den Bürgern ab.)