BENVOLIO
Was witterst du?
MERCUTIO
[Neue Jagd, neue Jagd!—] Kein Häschen, mein Herr; außer vielleicht
einer Häsin, mein Herr, in einer Fastenspeise, die schon etwas
schal und schimmelig-grau geworden ist, bevor sie vernascht wurde.
(Singt.) Ein Has', ergraut,
Und ein Has', ergraut,
Welch sehr gute Fastenspeis';
Doch ein Has', der ergraut,
Ist zu viel zugetraut,
Wenns ergraut eh' ichs verspeis.
{Es ist sicher kein Zufall, daß das Wort "hoar" (ergraut) genauso klingt wie "whore" (Hure) und daß die sprichwörtliche Vermehrungsfreudigkeit der Hasen auch eine Interpretation von "hare" (Hase) als Hure nahelegt. So lautet die erste Zeile wörtlich "Ein alter Hase, (der) ergraut (ist)", doch der Zuhörer versteht "Eine alte Hure".}
Romeo, kommt nach Eures Vaters Hause, wir wollen zu Mittag da essen.
ROMEO
Ich komme euch nach.
MERCUTIO
Lebt wohl, alte Schöne! Lebt wohl,
(Singt.)
o Schöne—Schöne—Schöne!
(Benvolio und Mercutio gehen ab.)
WÄRTERIN Sagt mir doch, was war das für ein unverschämter Gesell, der nichts als Schelmstücke im Kopfe hatte?
ROMEO Jemand, der sich selbst gern reden hört, meine gute Frau, und der in einer Minute mehr spricht, als er in einem Monate verantworten kann.
WÄRTERIN Ja, und wenn er auf mich was zu sagen hat, so will ich ihn bei den Ohren kriegen, und wäre er auch noch vierschrötiger, als er ist, und zwanzig solcher Hasenfüße obendrein; und kann ichs nicht, so könnens andre. So 'n Lausekerl! Ich bin keine von seinen Kreaturen, ich bin keine von seinen Karnuten. (Zu Peter.) Und du mußt auch dabeistehen und leiden, daß jeder Schuft sich nach Belieben über mich hermacht!