Amme.
Geh, Mädchen, und suche zu deinen guten Tagen auch glükliche Nächte.
(Sie gehen ab.)

Fünfte Scene.
(Eine Strasse vor Capulets Haus.)
(Romeo, Mercutio, Benvolio mit fünf oder sechs andern Masken,
Fakel-Trägern und Trummeln.)

Romeo. Wie, soll diese Rede unsre Entschuldigung machen, oder wollen wir ohne Apologie auftreten?

Benvolio. Diese Weitläufigkeiten sind nicht mehr Mode. Wir brauchen keinen Cupido, mit einer Schärpe von Flittergold und einem gemahlten Tartar-Bogen von Schindeln, der die armen Mädchen, wie ein Vögel- Schrek die Krähen, zu fürchten macht. Sie mögen von uns halten was sie wollen, wenn wir ihnen nicht gefallen, oder sie uns nicht, so gehen wir wieder.

Romeo.
Gebt mir eine Fakel; ich bin nicht im Humor, Sprünge zu machen.

Mercutio.
Nicht doch, mein lieber Romeo, ihr müßt eins tanzen.

Romeo.
Ich gewiß nicht, das glaubt mir; ihr habt Tanzschuhe mit dünnen
Solen, ich habe eine Seele von Bley,* die mich so zu Boden zieht,
daß ich nicht von der Stelle kommen kan.

{ed.-* Wortspiel mit Sole, und Soul, welche fast gleich ausgesprochen werden. }

Mercutio. Ihr seyd ein Liebhaber; borgt dem Cupido seine Flügel ab, und schwingt euch damit empor.**

{ed.-** In dieser Rede, der Antwort des Romeo, und etlichen folgenden Zeilen, die man gänzlich weglassen mußte, dreht sich alles um Wortspiele mit (Bound) und (bound, soar) und(sore), und ein paar eben so frostige Antithesen herum. Alles dieses armselige Zeug findet sich, wie Pope bemerkt, nicht in der ersten Ausgabe dieses Stüks von 1597.}