Juliette.
Amme?

Amme. Euer Gnaden Frau Mutter ist im Begriff heraufzukommen: Der Tag bricht an, nehmt euch in Acht, seht euch vor—

(ab.)

Juliette.
So muß ich dann von meinem Leben scheiden? —

Romeo.
Lebe wohl, lebe wohl; noch einen Kuß, und ich will gehen.

(Romeo steigt aus dem Fenster herab.)

Juliette.
Und gehst du dann so? O mein Liebster, mein Herr, mein Gemahl, mein
Freund! Ich muß alle Tage Nachricht von dir haben, alle Stunden,
denn in einer Minute ohne dich sind viele Tage. Ach! nach dieser
Rechnung werd' ich alt seyn, eh ich meinen Romeo wieder sehe.

Romeo. Lebe wohl, meine Liebe: ich will keine Gelegenheit versäumen, wodurch ich dir meinen Gruß übermachen kan.

Juliette.
Ach, denkst du, wir werden uns jemals wieder sehen?

Romeo.
Zweifle nicht; es wird eine Zeit kommen, wo alle diese
Wiederwärtigkeiten uns zum Stoff angenehmer Gespräche dienen werden.