Bruder Lorenz. Ihr gesteht doch, daß ihr die Gesinnungen der jungen Dame noch nicht wißt—Diese Sache geht nicht wie sie gehen soll; es gefällt mir gar nicht.
Paris. Sie überläßt sich einer ganz unmässigen Traurigkeit über Tybalts Tod, und das war die Ursache, warum ich ihr noch wenig von Liebe sagen konnte; denn Venus lächelt nicht in einem Trauer-Hause. Nun hält es ihr Vater für gefährlich, daß sie ihrem Kummer so viel Plaz geben solle, und beschleuniget unsre Vermählung, in der Absicht, dem Lauf ihrer Thränen dadurch Einhalt zu thun; allein und sich selbst überlassen, findet sie eine Art von Ergözung darinn, eine Traurigkeit zu nähren, von der nichts als die Gesellschaft sie zerstreuen kan. Begreift ihr nun die Ursache dieser Eilfertigkeit?
Bruder Lorenz (bey Seite.)
Ich wollt', ich wißte nicht, warum ihr Einhalt gethan werden muß—
Seht, Gnädiger Herr, hier kommt das Fräulein gegen meine Celle her.
(Juliette zu den Vorigen.)
Paris.
Willkommen, meine Liebe, meine Gebieterin, und mein Weib.
Juliette.
Das erste mag alsdann seyn, wenn das lezte seyn kan.
Paris.
Das wird, das muß nächsten Donnerstag seyn, meine Liebe.
Juliette.
Was seyn muß, das wird seyn.
Bruder Lorenz.
Das ist ein Text, über den kein Streit seyn kan.
Paris.
Kommt ihr, diesem Vater zu beichten?
Juliette.
Wenn ich diese Frage beantwortete, so würd' ich euch beichten.