(Geht ab.)

Zweyte Scene.
(Verwandelt sich in Timons Haus.)
(Flavius mit zween oder dreyen Bedienten.)

1. Bedienter. Hört ihr, guter Herr Verwalter, wo ist unser Herr? Sind wir verdorben, ist alles aus, ist nichts übrig?

Flavius. Ach, meine lieben Cameraden, was soll ich euch sagen? So wahr als ich wünsche, daß die wohlthätigen Götter sich meiner erinnern, ich bin so arm als ihr.

1. Bedienter.
Daß ein solches Haus gebrochen, ein so edler Herr gefallen seyn
soll! Alles hin! und nicht ein einziger Freund, der ihm in seinem
Unglük unter die Arme greiffe?

2. Bedienter.
Wie wir uns von einem Bekannten wegwenden, der in sein Grab gesenkt
worden, so schleichen seine Freunde von seinem begrabnen Glüksstand
alle hinweg, hinterlassen ihm ihre treulosen Schwüre und
Versprechungen; und er selbst, ein dem freyen Himmel preißgegebner
Bettler, mit einem Uebel das alle Welt von ihm scheucht, mit
Dürftigkeit behaftet, geht, bleibt, gleich der Verachtung, allein.—
Noch mehr von unsern Cameraden. (Es treten noch einige Bediente auf.)

Flavius.
Lauter zerbrochnes Geräthe eines zerstörten Hauses!

3. Bedienter. Doch tragen unsre Herzen noch Timons Liverey, das seh' ich in euer aller Gesicht. Wir sind noch alle Cameraden, die, da sie ihrem Herrn sonst nichts mehr dienen können, ihre Treu durch ihren Kummer zeigen. Unsre Barke ist lek, und wir armen Tropfen stehen auf dem sinkenden Verdek, und hören die Wellen dräuen; wir müssen alle in dem Meer der weiten Luft, jeder so gut er kan, seine Rettung suchen.

Flavius. Meine guten Cameraden, ich will das äusserste meines Vermögens mit euch theilen. Wo wir uns jemals wieder antreffen, wollen wir, um Timons willen, immer gute Freunde seyn, unsre Köpfe schütteln, und sagen: Wir haben bessere Tage gesehen. Jeder nehme seinen Antheil; nein, streket alle eure Hände aus—Kein Wort mehr —

(Er giebt ihnen Geld, sie umarmen einander und scheiden, der eine diesen, der andre einen andern Weg.)