Olivia. O, mit eurer Erlaubniß, ich bitte euch—Ich sagt' euch ja, ihr möchtet mir nichts mehr von ihm sagen. Ihr könntet eine andre Sayte rühren, wo ich euch lieber hören wollte als Musik aus dem Himmel.

Viola.
Gnädige Frau—

Olivia. Mit Erlaubniß, wenn ich bitten darf. Ich schikte euch, nach der lezten zaubrischen Erscheinung, die ihr hier machtet, einen Ring nach. Es war ein Schritt, dessen Bedeutung ihr nicht mißverstehen konntet, und der mich vielleicht in euern Augen herabgesezt hat. Was konntet ihr davon denken? Habt ihr deßwegen so nachtheilig von meiner Ehre gedacht als ein unempfindliches Herz denken kan? Einem von euerm Verstand, ist genug gesagt; ein Cypern, nicht ein Busen dekt mein armes Herz. Und nun laßt hören, was ihr zu sagen habt.

Viola.
Ich bedaure euch.

Olivia.
Das ist eine Stuffe zur Liebe.

Viola.
Nicht allemal; wir bedauren oft sogar unsre Feinde.

Olivia.
Wie dann, so ist es Zeit wieder zu lächeln. O Welt, wie geneigt die
Armen sind stolz zu seyn! Wenn man ja zum Raube werden muß, so ist
es doch besser durch einen Löwen zu fallen als durch einen Wolf.

(Die Gloke schlägt.)

Die Gloke wirft mir vor daß ich die Zeit verderbe. Fürchtet euch nicht, guter junger Mensch, ich mache keine Ansprüche an euch; und doch wenn Verstand und Jugend bey euch zur Reiffe gekommen seyn werden, so wird eure Frau, allem Ansehen nach, einen feinen Mann haben: Hier ligt euer Weg, westwärts.

Viola. So wünsch' ich Euer Gnaden Vergnügen und guten Humor; habt ihr mir nichts an meinen Herrn aufzugeben, Madam?