Rosalinde.
So gibts auch keinen rechten Liebhaber im Walde, sonst würde jede
Minute ein Seufzen und jede Stunde ein Ächzen den trägen Fuß der
Zeit so gut anzeigen wie eine Glocke.
Orlando. Und warum nicht den schnellen Fuß der Zeit? Wäre das nicht ebenso passend gewesen?
Rosalinde. Mitnichten, mein Herr. Die Zeit reiset in verschiednem Schritt mit verschiednen Personen. Ich will Euch sagen, mit wem die Zeit den Paß geht, mit wem sie trabt, mit wem sie galoppiert und mit wem sie stillsteht.
Orlando.
Ich bitte dich, mit wem trabt sie?
Rosalinde. Ei, sie trabt hart mit einem jungen Mädchen zwischen der Verlobung und dem Hochzeitstage. Wenn auch nur acht Tage dazwischen hingehn, so ist der Trab der Zeit so hart, daß es ihr wie acht Jahre vorkommt.
Orlando.
Mit wem geht die Zeit den Paß?
Rosalinde. Mit einem Priester, dem es an Latein gebricht, und einem reichen Manne, der das Podagra nicht hat. Denn der eine schläft ruhig, weil er nicht studieren kann, und der andre lebt lustig, weil er keinen Schmerz fühlt; den einen drückt nicht die Last dürrer und auszehrender Gelehrsamkeit, der andre kennt die Last schweren mühseligen Mangels nicht. Mit diesen geht die Zeit den Paß.
Orlando.
Mit wem galoppiert sie?
Rosalinde. Mit dem Diebe zum Galgen; denn ginge er auch noch sosehr Schritt vor Schritt, so denkt er doch, daß er zu früh kommt.
Orlando.
Mit wem steht sie still?