Rosalinde.
Sie sagen, Ihr wärt ein melancholischer Gesell.

Jacques.
Das bin ich; ich mag es lieber sein als lachen.

Rosalinde.
Die eins von beiden aufs äußerste treiben, sind abscheuliche
Burschen und geben sich jedem Tadel preis, ärger als Trunkenbolde.

Jacques.
Ei, es ist doch hübsch, traurig zu sein und nichts zu sagen.

Rosalinde.
Ei, so ist es auch hübsch, ein Türpfosten zu sein.

Jacques. Ich habe weder des Gelehrten Melancholie, die Nacheifrung ist, noch des Musikers, die phantastisch ist, noch des Hofmanns, die hoffärtig ist, noch des Soldaten, die ehrgeizig ist, noch des Juristen, die politisch ist, noch der Frauen, die zimperlich ist; noch des Liebhabers, die das alles zusammen ist, sondern es ist eine Melancholie nach meiner Weise, aus mancherlei Ingredienzien bereitet, von mancherlei Gegenständen abgezogen, und wirklich die gesamte Betrachtung meiner Reisen, deren öftere Überlegung mich in eine höchst launische Betrübnis einhüllt.

Rosalinde. Ein Reisender? Meiner Treu, Ihr habt große Ursache, betrübt zu sein; ich fürchte, Ihr habt Eure eignen Länder verkauft, um andrer Leute ihre zu sehn. Viel gesehn haben und nichts besitzen, das kommt auf reiche Augen und arme Hände hinaus.

Jacques.
Nun, ich habe Erfahrung gewonnen.

(Orlando tritt auf.)

Rosalinde.
Und Eure Erfahrung macht Euch traurig. Ich möchte lieber einen
Narren halten, der mich lustig machte, als Erfahrung, die mich
traurig machte. Und noch obendrein darum zu reisen?