Bei den angenommenen Verhältnissen kann die ganze Batterie so lange geladen werden, bis die Spannung pro Zelle 15060 = 2,5 Volt beträgt. Will man bis zu 2,7 Volt laden, so müssen einige Zellen abgeschaltet werden (s. [Zellenschalter]).

Wenn eine Dynamo vorhanden ist, die nur die für den normalen Betrieb nötige Spannung (z. B. 110 Volt) liefern kann, so wird in vielen Fällen eine Zusatzdynamo verwendet, die mit der Hauptmaschine in Reihe geschaltet wird und die fehlende Spannung liefert. Meistens wird die Zusatzdynamo durch einen Elektromotor angetrieben, dem Strom aus dem Netze zugeführt wird.

Wenn eine Zusatzmaschine nicht vorhanden ist und die Hauptmaschine nur die für die Speisung der Lampen und Motoren nötige Spannung liefert, so kann man die Batterie in zwei Hälften laden (s. [S. 88]). Hierbei muß eventuell ein Teil der Maschinenspannung in einem Vorschaltwiderstand getötet werden, dessen Größe man allmählich verringert. Sobald die Ladung der Batterie beendigt ist, werden die beiden Gruppen wieder hintereinander geschaltet.

Die Ladung in zwei Hälften ist mit größeren Energieverlusten verbunden. Besteht z. B. die Batterie bei 110 Volt Netzspannung aus 62 Zellen, und rechnen wir als mittlere Ladespannung 2,2 Volt, so müssen durchschnittlich (110 - 31 . 2,2) Volt = 41,8 Volt erdrosselt werden, so daß 38% der von der Dynamo abgegebenen Energie im Vorschaltwiderstand in Wärme umgesetzt werden. Die Ladung mit Zusatzmaschine wird daher vorgezogen.

Die Zusatzmaschine erhalte Strom von der Hauptmaschine. Rechnen wir den Wirkungsgrad des Antriebsmotors und den der Zusatzmaschine zu 85%, so ist der Wirkungsgrad des Aggregates gleich 0,85 . 0,85 = 0,7225. Der Energieverlust beträgt also bei unseren Annahmen 2734% der dem Aggregate zugeführten Energie.

Eine Schaltung, die fast die ganze Netzspannung auszunutzen gestattet, hat Micka angegeben. Angenommen, es sollen bei 110 Volt Netzspannung 63 Zellen geladen werden. Aus diesen werden drei gleich große Gruppen gebildet, die wir mit I, II, III bezeichnen wollen. Die Zellen jeder Gruppe werden in Reihe und die beiden Gruppen II und III parallel geschaltet. Diese Doppelbatterie wird mit I in Serie geschaltet, so daß die für 42 Zellen erforderliche Spannung vorhanden sein muß. Gruppe I erhält also den vollen Ladestrom J, während II und ebenso III mit dem Strome J2 geladen werden. Mithin sind die Zellen der ersten Gruppe früher geladen als die anderen. Nach Abschaltung von I werden II und III hintereinander geschaltet. Es ist auch hier die Vorschaltung eines Widerstandes nötig. Man kann auch in drei Zeitabschnitten laden, indem man z. B. zuerst unter Vorschaltung eines Widerstandes Gruppe I und II in Serie lädt, dann I und III und zuletzt II und III. (Siehe E. T. Z. 1908, S. 943).

d) Ladung mittels der Thermosäule. Die Verwendung der Thermosäule für die Ladung von Akkumulatoren ist besonders am Platze, wenn es sich um eine kleinere Anzahl von Zellen handelt. Das Verfahren ist höchst einfach, billig und mühelos: ein Vorschaltwiderstand ist überflüssig; die Einschaltung eines Ampermeters ist nicht erforderlich, einer Beaufsichtigung bedarf die Ladung nicht, man kann die Ladung auch während der Nacht fortsetzen; der Gasverbrauch beträgt pro Stunde 15 bis 16 Kubikmeter (für etwa 2 Pfg.); da endlich mit geringer Stromdichte geladen wird, so ist die chemische Umwandlung eine gründliche.

Die Gülchersche Thermosäule besteht aus 66 hintereinander geschalteten Elementen. Die elektromotorische Kraft ist am Abend etwas höher als am Tage, da die Gaswerke am Tage den Gasdruck auf einer etwas geringeren Höhe halten. Es ist jedoch nicht nötig, einen Gasdruckregulator, dessen Verwendung vielfach empfohlen wird, einzuschalten. Nach dem Anzünden der Gasflämmchen, das nicht sofort nach Öffnung des Gashahnes, sondern erst etwa 14 Minute später geschehen darf, steigt die elektromotorische Kraft zuerst schnell, dann langsam und erreicht in etwa 20 Minuten ihren Endwert von ca. 3,7 Volt (am Abend). Der innere Widerstand der Säule beträgt rund 0,7 Ohm. Man verbindet die Akkumulatoren erst einige Minuten nach dem Anzünden der Gasflammen mit den Polen der Thermosäule (+ mit +, - mit -), weil sonst der Akkumulator noch eine Zeitlang Strom abgibt. Wenn man sich vergewissern will, ob der Akkumulator auch wirklich Strom aufnimmt, so schaltet man ein Ampermeter ein[82]. Bei Beginn der Ladung gibt die Thermosäule einen Strom von rund 2 Amper ab, später geht die Stromstärke etwas zurück.

Sind mehrere Zellen zu laden, so muß man diese parallel schalten, da die Spannung der Thermosäule schon für die Ladung von zwei in Reihe geschalteten Zellen zu klein ist. Es sei an dieser Stelle die Bemerkung eingeschoben, daß man bei der Parallelschaltung der Zellen keine Gewißheit hat, daß alle Zellen Strom aufnehmen[83]. Ist bei einer Zelle Sulfatierung erfolgt (s. [S. 112]), ihr Widerstand also sehr groß, oder ist ein Kontakt mangelhaft, oder ein Verbindungsdraht durchgebrochen o. dgl., so nimmt die Zelle keinen oder doch nur einen ganz schwachen Strom auf. Um sich zu vergewissern, ob in alle Elemente Strom fließt, verbinde man für einen Augenblick jede Zelle einzeln mit der Thermosäule (Einschaltung eines Ampermeters). Gegen Ende der Ladung sieht man zu, ob sich in jeder Zelle an beiden Elektroden Gase entwickeln.

Nach Beendigung der Ladung schaltet man zuerst den Akkumulator ab, dann bläst man die Gasflämmchen aus und dreht den Gashahn zu. Wenn man das Ausblasen unterläßt, erfolgt meistens eine Explosion, die der Thermosäule schaden kann.