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From the ‘Farmer of Bohemia,’ Chapter 3: A bereaved husband expostulates with Death for taking away his wife.[5]
Ich bin genannt ein Ackermann; von Vogelweid’ ist mein Pflug.[6] Ich wohne im Böhmer Land. Gehässig, widerwärtig und widerstrebend soll ich Euch [o Tod] immer mehr sein, denn Ihr habt mir den zwölften Buchstaben,[7] meiner Freuden Hort, gar grausam aus dem Alphabet entrückt. Ihr habt meiner Wonne lichte Sommerblume mir aus des Herzens Anger auf ewig ausgerodet. Ihr habt meines Glückes Inbegriff, meine auserwählte Turteltaube, arglistig entfremdet; Ihr habt unwiederbringlichen Raub an mir getan. Erwägt es selber, ob ich nicht billig zürne, wüte und klage; bin ich doch von Euch freudenreichen Wesens beraubt, täglicher guter Lebtage verlustig gemacht, und aller wonnebringenden Freuden benommen. Froh und freudig war ich ehemals zu jeder Stunde; kurz und lustig war all meine Zeit Tag und Nacht in gleichem Mass, beide freudenreich, überschwenglich reich. Jedes Jahr war für mich ein gnadenreiches Jahr. Nun wird zu mir gesagt: Vorbei! bei trübem Getränk, bei dürrem Ast, betrübt, schwarz und zerstört, bleib’ und heul’ ohne Unterlass! Also treibt mich der Wind; ich schwimme durch des wilden Meeres Flut; die Wogen haben überhand genommen, mein Anker haftet nirgends. Darum will ich schreien ohne Ende: Tod, seid verflucht!
From the same, Chapter 12, in which Death makes reply.
Könntest du richtig messen, wägen, zählen oder aus dem Kopfe dichten, hieltest du nicht solche Rede. Du fluchst und bittest unvernünftig und ohne alle Notdurft. Was taugt solcher Unsinn? Wir haben früher gesagt: kunstreich, edel, ehrhaft, fruchtreich, artig,—alles, was lebet, muss von unsern Händen zu Ende kommen. Doch schwatzest du und klagst, all dein Glück sei an deinem frommen Weib gelegen. Soll nach deiner Meinung Glück an Weibern liegen, wollen wir dir wohl raten, dass du immer bei Glück bleibest. Warte nur, ob es dir nicht in Unglück gerät! Sage uns: Da du zuerst dein löblich Weib nahmst, fandst du sie fromm oder machtest du sie fromm? Hast du sie fromm gefunden, so suche vernünftiglich: du findest noch viele fromme Frauen auf Erden; von denen eine dir zur Ehefrau werden mag. Hast du sie aber fromm gemacht, so freue dich: du bist der lebendige Meister, der noch ein frommes Weib und eine Frau auferziehen kann. Ich sage dir noch mehr: je mehr dir Liebes wird, desto mehr Leides widerfährt dir. Hättest du dich des Lieben enthalten, würdest du jetzt des Leiden entbehren. Je mehr Liebes zu erfahren, desto mehr Leides in Entbehrung des Lieben. Lieb’, Weib, Kind, Schatz und alles irdisch Gut muss am Anfang etwas Freude und am Ende mehr Leides bringen. Alles irdische Lieb muss zu Leide werden: Leid ist Liebes Ende; der Freude End’ ist Trauer; nach Lust muss Unlust kommen; Willens Ende ist Unwillen. Zu solchem Ende laufen alle lebendigen Dinge. Lern’ es besser, willst du von Klugheit prahlen.
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From a sermon of Johann Geiler von Kaiserberg.[8]
Der Mensch, der Gott lieb hat und ihm anhängt allein darum, dass er ihm das Himmelreich gebe, der hat Gott nicht recht lieb. Warum? Darum: sein Gedanke an Gott ist nicht lauter; er denkt an sich selbst; er sucht seinen eignen Nutzen. Ich sage nicht, dass du das Himmelreich nicht begehren solltest, oder dass du Gott nicht darum bitten, ihm nicht darum dienen solltest. Nein, ich verwerfe das nicht; die Schrift ist voll davon, dass man Gott um das Himmelreich bitten sollte. Du sollst das Himmelreich begehren, sollst Gott darum bitten; aber du sollst nicht da stehen bleiben, dass du Gott allein darum dienest, und ihn allein darum liebhabest, damit er dir das Himmelreich gebe, und anders nicht. Das heisst nicht rechte Liebe; das ist Freundschaft um Freundschaft, wobei einer dem andern eine Freundlichkeit tut, damit er es ihm wiedervergelte; wie wenn du einem andern eine Wurst schenktest, damit er dir dagegen eine Seite Speck schenke. Du tust ihm eine Freundlichkeit; erwartetest du aber keine Freundlichkeit dagegen, du tätest ihm auch keine. Das heisst nicht rechte Liebe: es ist Freundschaft um Freundschaft. Aber das heisst rechte Liebe, dass einer einen lieb hat nicht um der Gabe willen, oder weil er etwas von ihm erwartet; sondern er hat ihn eben lieb; er gönnet ihm Gutes; er fördert seinen Nutzen; er wendet Schaden von ihm ab, wo er kann und mag, ohne dass er Wiedervergeltung erwartet. Der hat den andern recht lieb. Also tut der Mensch, der Gott recht lieb hat, allein um dessentwillen, weil er solch ein grosser Herr ist, dass er es würdig wäre; weil er der Höchste und das beste Gut ist.
[1.] Pfeiffer’s edition of Berthold von Regensburg, Vienna, 1862, vol. ii, page 174.
[2.] The ‘thing,’ as explained further on, is die Tugend.