[2.] Säuseln; the ‘still small voice’ of I Kings xix, 12.
[3.] Wandelndes = fortwandelndes, ‘continuing.’
[4.] Abgrunds; the ‘pit’ of hell, where the imprisoned fathers are waiting to be released.
| 2 Wingolf[5]: The eighth song. Komm, goldne Zeit, die selten zu Sterblichen Heruntersteiget, lass dich erflehn, und komm Zu uns, wo dir es schon im Haine Weht, und herab von dem Quell schon tönet! Gedankenvoller, tief in Entzückungen Verloren, schwebt bei dir die Natur. Sie hat’s Getan! hat Seelen, die sich fühlen, Fliegen den Geniusflug, gebildet. Natur, dich hört’ ich im Unermesslichen Herwandeln, wie, mit Sphärengesangeston, Argo, von Dichtern nur vernommen, Strahlend im Meere der Lüfte wandelt. Aus allen goldnen Zeiten begleiten dich, Natur, die Dichter! Dichter des Altertums! Der späten Nachwelt Dichter! Segnend Sehn sie ihr heilig Geschlecht hervorgehn. |
[5.] The entire ode, dating from 1747 and consisting of eight ‘songs’ in Alcaic meter, was at first entitled An des Dichters Freunde. Wingolf, as it was finally called, is the Norse Gimle, the abode of the blest after Ragnarok. The seven preceding songs extol the various friends who, united in a new Bardenhain, are to usher in a new Golden Age.
| 3 An Fanny.[6] Wenn einst ich tot bin, wenn mein Gebein zu Staub Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun Lang über meines Lebens Schicksal, Brechend im Tode nun ausgeweint hast, 5 Und stillanbetend da, wo die Zukunft ist, Nicht mehr hinaufblickst, wenn mein ersungner Ruhm, Die Frucht von meiner Jünglingsträne,[7] Und von der Liebe zu dir, Messias, Nun auch verweht ist, oder von wenigen 10 In jene Welt hinüber gerettet ward; Wenn du alsdann auch, meine Fanny, Lange schon tot bist, und deines Auges Stillheitres Lächeln, und sein beseelter Blick Auch ist verloschen, wenn du, vom Volke nicht 15 Bemerket, deines ganzen Lebens Edlere Taten nunmehr getan hast, Des Nachruhms werter als ein unsterblich Lied, Ach, wenn du dann auch einen beglückteren[8] Als mich geliebt hast, lass den Stolz mir, 20 Einen beglückteren, doch nicht edleren! Dann wird ein Tag sein, den werd’ ich auferstehn! Dann wird ein Tag sein, den wirst du auferstehn! Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen, Die du einander, Natur, bestimmtest. 25 Dann wägt, die Wagschal’ in der gehobnen Hand, Gott Glück und Tugend gegen einander gleich; Was in der Dinge Lauf jetzt missklingt, Tönet in ewigen Harmonien! Wenn dann du dastehst jugendlich auferweckt, 30 Dann eil’ ich zu dir! säume nicht, bis mich erst Ein Seraph bei der Rechten fasse, Und mich, Unsterbliche, zu dir führe. Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt, Zu dir auch eilen! dann will ich tränenvoll, 35 Voll froher Tränen jenes Lebens Neben dir stehn, dich mit Namen nennen, Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit, Gehörst du ganz uns! Kommt, die das Lied nicht singt, Kommt unaussprechlich süsse Freuden! 40 So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist. Rinn, unterdes, o Leben! Sie kommt gewiss, Die Stunde, die uns nach der Zypresse ruft. Ihr andern, seid der schwermutsvollen Liebe geweiht, und umwölkt und dunkel! |
[6.] The ode dates from 1748. Fanny Schmidt was a young woman whose indifference to Klopstock’s devotion threw him back on the hope of a union in heaven.
[7.] Jünglingsträne; tears of high poetic aspiration.
[8.] Beglückteren, ‘more blest’ with this world’s goods.
| 4 Hermann und Thusnelda. Ha, dort kömmt er mit Schweiss, mit Römerblute,[9] Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! So schön war Hermann niemals! So hat’s ihm Nie von dem Auge geflammt! 5 Komm, ich bebe vor Lust! reich mir den Adler Und das triefende Schwert! Komm, atm’, und ruh’ hier Aus in meiner Umarmung, Von der zu schrecklichen Schlacht! Ruh’ hier, dass ich den Schweiss der Stirn abtrockne, 10 Und der Wange das Blut! Wie glüht die Wange! Hermann! Hermann! So hat dich Niemals Thusnelda geliebt! Selbst nicht, da du zuerst im Eichenschatten Mit dem bräunlichen Arm mich wilder fasstest! 15 Fliehend blieb ich, und sah dir Schon die Unsterblichkeit an, Die nun dein ist! Erzählt’s in allen Hainen, Dass Augustus nun bang mit seinen Göttern Nektar trinket! Dass Hermann, 20 Hermann unsterblicher ist! “Warum lockst du mein Haar? Liegt nicht der stumme Tote Vater vor uns? O hätt’ Augustus Seine Heere geführt, er Läge noch blutiger da.” 25 Lass dein sinkendes Haar mich, Hermann, heben, Dass es über dem Kranz in Locken drohe! Siegmar ist bei den Göttern! Folg’ du, und wein’ ihm nicht nach! |