Die Verflüssigung fester Körper in Flüssigkeiten nennt man lösen[9]. Ein fester Körper ist löslich[9], wenn er sich in der Flüssigkeit (dem Lösungsmittel), mit welcher man ihn in Berührung bringt, zu einer völlig homogenen flüssigen Mischung, der Lösung[9], verteilt.
Je nachdem sich ein Körper nicht oder nur langsam und in verhältnismässig geringer Menge, oder rasch und in grosser Menge löst, unterscheidet man unlösliche, schwer- und leichtlösliche Körper. In Wasser z. B. sind Kreide, Glas, Fett unlöslich, gebrannter Kalk, Gips, Weinstein[10] schwer, Chlorcalcium[11], Pottasche, Zucker leicht auflöslich. Pottasche, Chlorcalcium und manche andere Stoffe ziehen sogar Feuchtigkeit aus der Luft an und verwandeln sich infolgedessen[12] beim Liegen an der Luft von selbst in eine wässerige Lösung; man nennt sie zerfliesslich.[13]
Hat man von einem festen Körper so viel in der Flüssigkeit gelöst, als letztere davon zu lösen vermag, so ist die Lösung eine konzentrierte oder gesättigte, andernfalls eine verdünnte oder ungesättigte. Bei den meisten Körpern nimmt[14] die Löslichkeit im Verhältnis der Temperaturerhöhung zu. Bei 15° braucht 1 Teil Weinstein z. B. um sich zu lösen 220, bei 100° nur 15 Teile Wasser. Lässt man eine heiss gesättigte Lösung abkühlen, so scheidet[15] sich, und zwar[16] meistens in Krystallen, derjenige Teil des gelösten Stoffes aus, der sich bei der niedrigen Temperatur nicht mehr gelöst zu halten vermag.
Je grösser die Oberfläche eines Körpers, desto grösser ist seine Absorptionsfähigkeit für Gase. Dichte, feinporige Holzkohle absorbiert im frisch ausgeglühten Zustande von Ammoniakgas ihr 90faches, von Kohlensäuregas ihr 35faches, von Sauerstoffgas ihr 9faches und von Wasserstoffgas ihr 2faches Volumen. Fein verteiltes Platin (Platinmohr[17]) absorbiert viele Gase, vor allen aber Sauerstoff, von welchem es mehr als sein 200faches Volumen auf seiner Oberfläche verdichtet.
42.
Die Dichte der Stoffe wird nach dem Gewichte beurteilt, welches bestimmte Volumina derselben besitzen. Als Einheit[1] hat man für feste und flüssige Körper das Wasser in seinem dichtesten Zustande (von +4° C.), für die Gase die atmosphärische Luft bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck gewählt.
Die Zahlen, welche sich ergeben, wenn man die Gewichte ein und desselben Volumens, (nämlich je eines Kubikcentimeters) der festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck bestimmt und in Grammen ausdrückt, werden spezifisches Gewicht genannt.
Bei den festen und flüssigen Körpern besteht kein Unterschied zwischen den die Dichte und den das spez. Gew. angebenden Zahlen. Die Zahl 10,5 bezeichnet sowohl die Dichte wie das spez. Gew. des Silbers, je nachdem damit ausgedrückt werden soll, dass das Silber 10,5 mal schwerer sei als ein gleiches Volumen Wasser, oder dass. 1 ccm Silber 10,5 g wiege, wobei[2] es wichtig ist, zu wissen, dass 1 ccm Wasser von +4° = 1 g wiegt.
Bei den Gasen dagegen stimmen[3] die auf deren Dichte und spez. Gew. bezüglichen[4] Zahlen nicht überein, weil sich die Dichtigkeitswerte auf ein gleiches Volumen von Luft als Einheit, die spez. Gewichtszahlen dagegen auf das in Grammen von je 1 ccm, also auf 1 g Wasser als Einheit beziehen.
Die Dichte der Luft ist bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck = 1; das spez. Gew. der Luft dagegen, d. h. das Gewicht von je 1 ccm Luft von mittlerer[5] Zusammensetzung[6] bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck ist = 0,001293 g.