[92] Comp. Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, Zweiter Jahrgang. Leipzig, 1853, p. 30–40; 61–73. [↑]

[93] Ich nehme diese auf kritischer Forschung, beruhenden Resultate über diese Secte vollständig an und werde nur noch einige Pünkte nachträglich beleuchten. [↑]

[94] Die Eigenthümlichkeiten der Essäer lassen sich nicht genügend aus dem Wesen der im Talmud vorkommenden ‏חסידים‎ oder ‏חסידים הראשנים‎ und der in der Makkabäerzeit auftretenden “Assidäer” erklären; man muss auch auf das nasiräische Wesen Rücksicht nehmen. Nasiräer gab es in der nachexilischen Zeit eine grosse Menge (Tosifta Nasir c. iv. Babli Berachot 48 a. 1 Makkab. ii, 49. Jos. Alterth. xviii, 6, 1). Aber sie trugen zugleich einen andern Charakter, als [[77]]die der biblischen Zeit: sie waren Nasiräer fürs ganze Leben ‏נזיר עולם‎ (Nasir 4 a). Die Mischna setzt das Vorhandensein solcher ohne Weiteres voraus, und das Magische an dem Nasiräerthum, das sich bei den biblischen Nasiräern an den Haarwuchs knüpfte, tritt immer mehr zurück, oder hat vielmehr gar keine Bedeutung mehr. ‏נזיר עולם הכביד שערו מיקל בשער‎ (das.). Hingegen tritt bei den lebenslänglichen Nasiräern das Levitische, die Hut vor Verunreinigung, immer mehr in den Vordergrund (das.). Die Essäer werden also solche Nasiräer gewesen sein, welche in ihrem Privatleben die höchste priesterliche Weihe darstellen wollten. Den Zusammenhang zwischen Nasiräern and Essäern deutet schon eine dunkle talmudische Stelle an, dass Jemand sich dadurch schon dem vollständigen Nasireat weiht, wenn er auch nur insofern Nasiräer sein will, um die Geheimnisse entehrender Familienverhältnisse bewahren zu können: ‏הריני נזיר אם לא אגלה משפחות הרי זו נזיר ולא יגלה משפחות‎ (Tosifta Nasir c. 1 b Kiduschim 71 a). Die Erklärung dieser Stelle durch den Essenismus hat schon Edeles (‏מהרש״א‎) in seinem Agadacommentar z. St. geahnt. Diesen Zusammenhang zwischen Nasiräerthum und Essenismus haben Epiphanius und die arabischen Schriftsteller Makrisi und Abulfarag’ geahnt; wenn auch Epiphanius die Ναζαραῖοι von den Ὀσσηνοί unterscheidet, so sind die Eigenheiten, die er von den Erstern berichtet, doch ganz essäisch. Ebenso hat Makrisi die Essäer in drei Secten zerspalten, in die Täufer (‏מנטהרון‎ = ἡμεροβαπτισταί), die Essäer (‏אסאניון‎) und in die Nasiräer (‏מתחשפון‎) (in de Sacy Chrestomathie Arabe Ausgabe von 1806, arabischer Theil 172 und tome ii, 218). Das arabische Makkabäerbuch bezeichnet die Essäer durch Chassidäer (c. xxv); in Josippon fehlen an der Stelle, wo er von den drei Secten spricht, gerade die Essäer (iv, 6, Breithaupt) Die Identität von Nasiräern, Essäern und Assidäern wird also von vielen Seiten bestätigt. Auch aus Josephus’ Angabe, die Essäer hätten eigne Bücher gehabt (jüd. Kr. ii, 8, 7), lässt sich ihre Identität mit den Assidäern erweisen. Im Talmud (Jeruschalmi Barachot, Ende) wird aus einem Buchs der Chassidäer der Satz mitgetheilt: “Verlässt du sie einen Tag, so verlässt sie dich zwei Tage”: ‏כתוב בספר חסידים אם תעובה יום יומים תעובך‎ [↑]

[95] Geschichte der Juden, vol. iv. Leipzig, 1856, p. 96–106; 518–528. [↑]

[96] Geschichte des Judenthums und seiner Secten, vol. 1. Leipzig, 1857, p. 207–215. [↑]

[97] Die Essäer waren die Baitusim, wie schon R. Asarja de’ Rossi vermuthet hat; es muss dies nur besser begründet werden, als von ihm geschehen ist. Ich bemerke zu dem Ende erstens, dass wie das vorgesetzte ‏בית‎ auch in den Benennungen Bet-Schammaj, Bet-Hillel Schule oder Fraction bedeutet, so Tosifta Kelim ii, 6 ‏בית הכותים‎, Chulin 6, a ‏בי כותאי‎ für die Sekte oder das Land der Cutim vorkommt; sodann dass Tosifta Succa, K. iii zweimal und Tosifta Menachot K. z. für Baitusim ‏בית סין‎ stehet: kann dies wohl etwas Anderes als Haus, Sekte der Essener bedeuten? Als ‏אסי‎ (Arzt) Sektenname wurde, konnte man den Essäer nicht gut mehr schlechthin ‏אסי‎ nennen, ohne undeutlich zu werden, man umschrieb ihn daher wohl als Einen vom ‏בית אסי‎, bildete danach auch mit Zugrundelegung der Form Essener, das nachgewiesene ‏בית סין‎ and zog dann Jenes zusammen, um den einzelnen Essäer zu bezeichnen, gab aber dieser Form den u-Laut, entweder nachdem man das syrische Wort ‏אסי‎ zuweilen nach syrischer Weise ôsseh, also dunkel ausgesprochen hatte, woher die Aussprache Ossener bei Epiphanius herrühren mag, oder was mir noch wahrscheinlicher ist, indem man dem Worte Peruschim conform Zedukim und Baitusim bildete. [↑]

[98] Nach allem diesen scheint es, dass ein Jude, welcher mit der unter den alexandrinischen Juden aufblühenden allegorischen Exegese und mit deren Erzeugerin, der griechischen Weisheit, bekannt geworden war, daneben aber auch Gelegenheit gefunden hatte, von ägyptischen Priestern Manches zu lernen, wie Pythagoras selbst, Platon und Herodot, den Plan gefasst und ausgeführt habe, eklektisch hieraus und aus dem Judenthume ein speculatives und asketisches System sowie nach demselben aus judäischen Asketen eine Sekte zu bilden. Dass es an Solchen nicht gefehlt habe, verbürgt das Vorkommen von Nasiräern, z. B. nach Tosifta Nasir K. iv unter Schimon dem Gerechten, ferner 1 Mack. iii, 49, und von ihrer 300 auf einmal unter Schimon ben Schatach nach Nasir jer. v, 3. Dass er aber nicht mit jüdischen Asketen in Ägypten diesen Versuch machte, geschah vielleicht, weil es damals dort noch an solchen Asketen fehlte, oder weil er selbst aus Judäa gebürtig sein mochte. [↑]

[99] Geschichte des Volkes Israel von Vollendung des Zweiten Tempels bis zur Einsetzung des Mackabäers Schimon zum hohen Priester und Fürsten, Zweiter Band. Nordhausen, 1857, p. 368–377; 387–409. [↑]

[100] Die jüdische Apokalyptik in ihrer geschichtlichen Entwickelung. Jena, 1857, p. 245–278. [↑]

[101] Geschichte der Juden, Dritter Band Zweite Auflage. Leipzig, 1863, p. 216–252. [↑]