Otto Pöhler, geborn den 20 August 1892 zu Braunschweig, erstes und einziges Kind des Schlachtermeisters, bekam zu rechter zeit Zähne und lernte zu rechter Zeit laufen und sprechen. Als er 5/4 Jahre alt war, führte ihn die Grossmutter vor die Tür und in die nächsten Strassen und nannte ihm dabei die Namen, welche auf den Haus- und Strassenschildern standen, auch hatten ihm Angehörigen mehrfach seinen Vornamen Otto aufgeschrieben. Als das Kind nun eine Zeitung in die Hände bekam, zeigte es den mehrfach in derselben gedruckten Namen Otto. Von da ab erklärte ihm die Grossmutter die Buchstaben und las ihm einzelne Worte vor; dabei ergab sich, dass das Kind ein ungeheures Gedächtnis für Buchstaben, Worte, und Zahlen hatte.
Als mir der kleine Otto zugeführt wurde, war er wie ich vorhin anführte 1 3/4 Jahre alt. Er tat sehr vertraut, kletterte sofort mehrfach auf meine Kniee, zeigte sich überhaupt sehr beweglich und unruhig. Als er einen neben dem Schreibtisch hängenden Wandkalender erblickte, las er unaufgefordert laut die auf demselben lateinisch gross gedruckte Anzeige: April 27 = "April zwei sieben. . . ."
Im Oktober, 1894, stellte ich den jungen Otto im Alter von 2 Jahren und 2 Monaten dem ärztlichen Landesverein vor. Als derselbe nach Beendigung meines über ihn gehaltenen Vortrags in den Sitzungssaal geführt wurde, zog einer der Ärzte den Börnerschen Medizinal-Kalender hervor mit der Aufforderung, die lateinische Aufschrift zu lesen. Er las fliessend: "Re—ichs Medizinal-Kalender. Begründet von Dĕr Pa—ul Börnēr. Eins acht neun vier." [c]
When Otto was 4 years old, Stumpf reported concerning him in the Vossiche Zeitung, of January 10, 1897, describing him as "not strongly yet not poorly developed, physically." The back of the skull was said to be conspicuous; the face, delicate; and the eyes, "wise and alive, taking on a remarkably concentrated expression in thinking." The general impression was that made by a merry, unspoiled youngster, seeing the world. His great passion was still for reading, and the most important things in the world to him were history, biography, and geography.
Er ist körperlich nicht stark, aber auch nicht schlecht entwickelt. Auf den ersten Blick fällt der lange Schädel und der starke Hinterkopf auf. In dem zierlichen Gesicht fesseln kluge, lebhafte Augen, die beim Nachsinnen einen merkwürdig ernsten konzentrierten Ausdruck annehmen. . . . Im ganzen macht er keineswegs den Eindruck eines ungesunden, abgematteten, sondern eines noch ganz frisch und lustig in die Welt schauenden Jungen. . . .
Seine grösste Leidenschaft ist noch immer das Lesen, und das Wichtigste in der Welt sind ihm historische, biographische und geographische Daten. Er kennt die Geburts- und Todesjahre vieler deutscher Kaiser, auch vieler Feldherren, Dichter, Philosophen, zumeist sogar auch Geburtstag und Geburtsort; ferner die Hauptstädte der meisten Staaten, die Flüsse, an denen sie liegen u. dergl. Er weiss Bescheid vom Anfang und Ende des dreissigjährigen und des siebenjährigen Krieges, von den Hauptschlachten dieser und anderer Kriege. Das alles hat er sich nach Aussage der Mutter ohne fremdes Zutun durch das emsige Studium eines "patriotischen Kalenders" und ähnlicher im Hause vorfindlicher Literatur, auch durch Entzifferung von Denkmalsinschriften in den Städten (wofür er besondere Leidenschaft hat) angeeignet. Als ihm auf zwei verschiedenen Blättern nacheinander 2 zwölfstellige Zahlen gezeigt wurden, die sich nur durch eine der mittleren Ziffern unterschieden, las er sie sogleich als Milliarden und konnte dann, ohne die Blätter wieder anzusehen, mit Sicherheit angeben, worin der Unterschied lag. [d]
Stumpf further said:
. . . Dr. Placzek u.a. die den Knaben früher beobachteten, den bestimmten Eindruck gewannen eines besonders geweckten, rasch und scharf denkenden und zugleich eines gutartigen, durchaus liebenswürdigen Kindes. An den Eltern und zumal an der Mutter hängt er mit der grössten Zärtlichkeit. [e]
When Berkhan saw Pöhler in July, 1907, the boy was an Obersekundaner in a gymnasium [f]. In April, 1909, aged 16 years 8 months, he appeared as an intelligent, wonderfully retentive, cultured young man, who oriented himself easily and who, although favored over and above his contemporaries, had kept a modest and lovable nature.
Jetzt, fast 17 Jahre alt, ist er ein intelligenter, mit einem bewunderungswerten Gedächtnis ausgestatteter, kenntnisreicher, sich auffallend leicht orientierender junger Mann, der, obgleich in seiner Weise vor der Mitwelt bevorzugt, sich ein bescheidenes, liebenswürdiges Wesen bewahrt hat. [g]