30. DER GUTE KAMERAD
Ich hatt' einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt. 5
Eine Kugel kam geflogen;
Gilt's mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär's ein Stück von mir. 10
Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad':
"Kann dir die Hand nicht geben;
Bleib du im ew'gen Leben
Mein guter Kamerad!" 15
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31. TAILLEFER
Normannenherzog Wilhelm sprach einmal:
"Wer singet in meinem Hof und in meinem Saal?
Wer singet vom Morgen bis in die späte Nacht
So lieblich, daß mir das Herz im Leibe lacht?"
"Das ist der Taillefer, der so gerne singt 5
Im Hofe, wenn er das Rad am Brunnen schwingt,
Im Saale, wann er das Feuer schüret und facht,
Wann er abends sich legt und wann er morgens erwacht."
Der Herzog sprach: "Ich hab' einen guten Knecht,
Den Taillefer; der dienet mir fromm und recht, 10
Er treibt mein Rad und schüret mein Feuer gut
Und singet so hell; das höhet mir den Mut."
Da sprach der Taillefer: "Und wär' ich frei,
Viel besser wollt' ich dienen und singen dabei.
Wie wollt' ich dienen dem Herzog hoch zu Pferd! 15
Wie wollt' ich singen und klingen mit Schild und mit Schwert!"