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Was nützt, ach! langes sittenkluges Streiten,
Das man aus »gut« und »böse« preßt mit Müh';
Was dummer Fleiß, zu höh'n die Energie
Und zu transcendentaler Ruh' zu leiten,

Daß jede Leidenschaft sich lasse reiten
Von der Vernunft in Allsuprematie:
Ist das nicht seltsam eitle Theorie,
Wenn Deutschland trotz so viel Spitzfindigkeiten

Dem rohen Schwert erliegt? Erröthen sollen
Die hohen Schulen! Müssen wir nicht sagen:
Mehr wußten wenig Regeln, starkes Wollen
Durch schlichte Alpenhirten auszuführen
Für's Menschenwohl in diesen Unglückstagen,
Als alles stolze Metaphysiciren?

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Auf die schließliche Unterwerfung der Tiroler.

Ist einer guten Sache galt ihr Schlagen;
Wie hätten bei der Throne Niederfahrt
Sonst sie, die armen Schäfer, sich bewahrt
Begeisternd hohen Sinn und kräftig Wagen?

Auch hat ihr Kampf für's Gute frucht getragen:
Weckt nicht ihr Ruhm, die große Denkungsart
Auch uns den Muth, mit Rechtsgefühl gepaart,
Der nicht zu kaufen ist, nicht zu zernagen?

Schlaft, Kämpfer! Unter euren Bergen ruht!
Dem strengsten Richter kann es nicht entgehen:
Nie kannte euer Herz das Retiriren.
Und bricht in höchster Pein und Rachewuth
Europa los, so sollt ihr auferstehen,
Ganz über euern Feind zu triumphiren!