KOSINSKY
Was soll der fürchten, der den Tod nicht fürchtet?
MOOR
Brav! Unvergleichlich! Du hast dich wacker in den Schulen gehalten, du hast deinen Seneka meisterlich auswendig gelernt. — Aber lieber Freund, mit dergleichen Sentenzen wirst du die leidende Natur nicht beschwätzen, damit wirst du die Pfeile des Schmerzens nimmermehr stumpf machen. — Besinne dich recht, mein Sohn! Er nimmt seine Hand. Denk, ich rate dir als ein Vater — lern erst die Tiefe des Abgrunds kennen, eh du hineinspringst! Wenn du noch in der Welt eine einzige Freude zu erhaschen weißt — es könnten Augenblicke kommen, wo du — aufwachst — und dann: — möcht es zu spät sein. Du trittst hier gleichsam aus dem Kreise der Menschheit — entweder mußt du ein höherer Mensch sein, oder du bist ein Teufel — Noch einmal, mein Sohn! wenn dir noch ein Funken von Hoffnung irgend anderswo glimmt, so verlaß diesen schröcklichen Bund, den nur Verzweiflung eingeht, wenn ihn nicht eine höhere Weisheit gestiftet hat — man kann sich täuschen — Glaube mir, man kann das für Stärke des Geistes halten, was doch am Ende Verzweiflung ist — Glaube mir, mir! und mache dich eilig hinweg.
KOSINSKY
Nein! ich fliehe jetzt nicht mehr. Wenn dich meine Bitten nicht rühren, so höre die Geschichte meines Unglücks. — Du wirst mir dann selbst den Dolch in die Hände zwingen, du wirst — lagert euch hier auf dem Boden, und hört mir aufmerksam zu!
MOOR
Ich will sie hören.
KOSINSKY
Wisset also, ich bin ein böhmischer Edelmann, und wurde durch den frühen Tod meines Vaters Herr eines ansehnlichen Ritterguts. Die Gegend war paradisisch — denn sie enthielt einen Engel — ein Mädgen geschmückt mit allen Reizen der blühenden Jugend, und keusch wie das Licht des Himmels. Doch, wem sag ich das? Es schallt an euren Ohren vorüber — ihr habt niemals geliebt, seid niemals geliebt worden —