MOOR
Sagst du das? Nicht wahr, das Leben einer Heiligen um das Leben der Schelme, es ist ungleicher Tausch? — O ich sage euch, wenn jeder unter euch aufs Blutgerüste ging, und sich ein Stück Fleisch nach dem andern mit glühender Zange abzwicken lies, daß die Marter eilf Sommertäge dauerte, es wiege diese Tränen nicht auf. Mit bitterem Gelächter. Die Narben, die böhmischen Wälder! Ja ja! Dies mußte freilich bezahlt werden.
SCHWARZ
Sei ruhig, Hauptmann! Komm mit uns, der Anblick ist nicht für dich. Führe uns weiter!
R. MOOR
Halt — noch ein Wort eh wir weiter gehn — Merket auf ihr schadenfrohe Schergen313 meines barbarischen Winks — Ich höre von diesem Nun an auf euer Hauptmann zu sein — Mit Scham und Grauen leg ich hier diesen blutigen Stab nieder worunter zu freveln ihr euch berechtiget wähntet, und mit Werken der Finsternis dies himmlische Licht zu besudeln — Gehet hin zur Rechten und Linken — Wir wollen ewig niemals gemeine Sache machen.
RÄUBER
Ha Mutloser! Wo sind deine hochfliegende Plane? Sinds Seifenblasen gewesen, die beim Hauch314 eines Weibes zerplatzen?
R. MOOR
O über mich Narren, der ich wähnete die Welt durch Greuel zu verschönern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten. Ich nannte es Rache und Recht — Ich maßte mich an, o Vorsicht315 die Scharten deines Schwerts auszuwetzen und deine Parteilichkeiten gut zu machen — aber — O eitle Kinderei — da steh ich am Rand eines entsetzlichen Lebens, und erfahre nun mit Zähnklappern und Heulen, daß zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grund richten würden. Gnade — Gnade dem Knaben, der Dir vorgreifen wollte — Dein eigen allein ist die Rache. Du bedarfst nicht des Menschen Hand. Freilich stehts nun in meiner Macht nicht mehr die Vergangenheit einzuholen — schon bleibt verdorben, was verdorben ist — was ich gestürzt habe steht ewig niemals mehr auf — Aber noch blieb mir etwas übrig, womit ich die beleidigte Gesetze versöhnen, und die mißhandelte Ordnung wiederum heilen kann. Sie bedarf eines Opfers — Eines Opfers, das ihre unverletzbare Majestät vor der ganzen Menschheit entfaltet — dieses Opfer bin ich selbst. Ich selbst muß für sie des Todes sterben.