SPIEGELBERG

Ja, ja! man muß niemand sein Recht vorenthalten, Italien weist auch seine Männer auf, und wenn Deutschland so fortmacht, wie es bereits auf dem Weg ist, und die Bibel vollends hinaus votiert140, wie es die glänzendsten Aspekten hat, so kann mit der Zeit auch noch aus Deutschland was Gutes kommen, — überhaupt aber, muß ich dir sagen, macht das Klima nicht sonderlich viel, das Genie kommt überall fort, und das übrige, Bruder — ein Holzapfel weißt du wohl wird im Paradies-Gärtlein selber ewig keine Ananas — aber daß ich dir weiter sage, — wo bin ich stehen geblieben?

RAZMANN

Bei den Kunstgriffen!

SPIEGELBERG

Ja recht, bei den Kunstgriffen. So ist dein erstes, wenn du in die Stadt kommst, du ziehst bei den Bettelvögten, Stadt-Patrollanten und Zuchtknechten Kundschaft ein, wer so am fleißigsten bei ihnen einspreche, die Ehre gebe, und diese Kunden suchst du auf — ferner nistest du dich in die Kaffeehäuser, Bordelle, Wirtshäuser ein, spähst, sondierst, wer am meisten über die wohlfeile Zeit, die fünf pro cent, über die einreißende Pest der Polizeiverbesserungen schreit, wer am meisten über die Regierung schimpft, oder wieder die Physiognomik eifert und dergl: Bruder! das ist die rechte Höhe! die Ehrlichkeit wackelt wie ein hohler Zahn, du darfst nur den Pelikan141 ansetzen, — oder besser und kürzer: du gehst und wirfst einen vollen Beutel auf die offene Straße, versteckst dich irgendwo, und merkst dir wohl, wer ihn aufhebt — eine Weile drauf jagst du hinterher, suchst, schreist, und fragst nur so im Vorbeigehen, haben der Herr nicht etwa einen Geldbeutel gefunden? Sagt er, ja? — nun so hats der Teufel gesehen; leugnet ers aber? der Herr verzeihen — ich wüßte mich nicht zu entsinnen, — ich bedaure, aufspringend. Bruder! Triumph Bruder! Lösch deine Laterne aus, schlauer Diogenes! — du hast deinen Mann gefunden.

RAZMANN

Du bist ein ausgelernter Prakticus.

SPIEGELBERG

Mein Gott! als ob ich noch jemals dran gezweifelt hätte — Nun du deinen Mann in dem Hamen142 hast, mußt dus auch fein schlau angreifen, daß du ihn hebst! — Siehst du, mein Sohn? das hab ich so gemacht: — So bald ich einmal die Fährte hatte, hängt’ ich mich meinem Kandidaten an wie eine Klette, saufte Brüderschaft mit ihm, und Notabene! Zechfrei mußt du ihn halten! da geht freilich ein schönes drauf, aber das achtest du nicht — — du gehst weiter, du führst ihn in Spiel-Kompagnien und bei liederlichen Menschern143 ein, verwickelst ihn in Schlägereien und schelmische Streiche, bis er an Saft und Kraft und Geld und Gewissen, und gutem Namen bankrut wird, denn incidenter144 muß ich dir sagen, du richtest nichts aus, wenn du nicht Leib und Seele verderbst — Glaube mir Bruder! das hab ich aus meiner starken Praxi wohl fünfzigmal abstrahiert145, wenn der ehrliche Mann einmal aus dem Nest gejagt ist, so ist der Teufel Meister — Der Schritt ist dann so leicht — o so leicht, als der Sprung von einer Hure zu einer Betschwester. — Horch doch! was für ein Knall war das?