Man sagt hier manchmal, daß ein Krieg kommen wird. Sollte er wirklich kommen, so müßt Ihr darauf vorbereitet sein, daß ich sterbe, so wie ich darauf vorbereitet bin, denn ich bin ein Soldat.

Für diesen Fall umarme ich Euch ein für allemal und für immer. Aber seid nicht traurig, vielleicht bleibe ich am Leben.

Euer Sohn Jonas”

Mendel Singer legte die Brille ab, sah, daß Deborah weinte, und ergriff nach langen Jahren zum erste Mal wieder ihre beiden Hände. Er zog ihre Hände vom verweinten Angesicht und sagte beinahe feierlich: „Nun, Deborah, der Herr hat uns geholfen. Nimm den Schal, geh hinunter, und bring eine Flasche Met.”

Sie saßen am Tisch und tranken den Met aus Teegläsern, sahen sich an und dachten das gleiche. „Der Rabbi hat recht”, sagte Deborah. Deutlich diktierte ihr die Erinnerung die Worte, die lange in ihr geschlafen hatten: „Der Schmerz wird ihn weise machen, die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark.”

„Das hast du mir nie gesagt”, meinte Mendel.

„Ich hatte es vergessen.”

„Mit Jonas hätte man auch nach Kluczysk fahren müssen. Die Pferde liebt er mehr als uns.”

„Er ist noch jung”, tröstete Deborah. „Vielleicht ist es gut, daß er die Pferde liebt.” Und weil sie keine Gelegenheit, boshaft zu sein, vorübergehen ließ, sagte sie noch: „Von dir hat er die Liebe zu den Pferden nicht.”

„Nein”, sagte Mendel und lächelte friedfertig.