„Ich finde”, sagte Mister Frisch, „aber trinken Sie nur, Mister Singer! Ich finde meinen leiblichen Vetter, den Berkovitsch aus Kowno. Den Sohn meines Onkels. Und wir küssen uns. Und wir reden. Und plötzlich sagt Berkovitsch: «Kennst du hier einen alten Mann namens Mendel Singer!»”

Frisch wartete wieder. Aber Mendel Singer rührte sich nicht. Er nahm zur Kenntnis, daß ein gewisser Berkovitsch nach einem alten Mendel Singer gefragt hatte.

„Ja”, sagte Frisch, „ich erwiderte ihm, daß ich einen Mendel Singer aus Zuchnow kenne. «Das ist er», sagte Berkovitsch. «Unser Kapellmeister ist ein großer Komponist, noch jung und ein Genie, von ihm kommen die meisten Musikstücke, die wir spielen. Er heißt Alexej Kossak und ist auch aus Zuchnow.»”

„Kossak?”, wiederholte Mendel. „Meine Frau ist eine geborene Kossak. Es ist ein Verwandter!”

„Ja”, sagte Frisch, „und es scheint, daß dieser Kossak Sie sucht. Er will Ihnen wahrscheinlich etwas mitteilen. Und ich soll Sie fragen, ob Sie es hören wollen. Entweder Sie gehen zu ihm ins Hotel, oder ich schreibe Berkovitsch Ihre Adresse.”

Es wurde Mendel leicht und gleichzeitig schwer zumute. Er trank das Himbeerwasser, lehnte sich zurück und sagte: „Ich danke Ihnen, Mister Frisch. Aber es ist nicht so wichtig. Dieser Kossak wird mir alle traurigen Sachen erzählen, die ich schon weiß. Und außerdem — ich will Ihnen die Wahrheit sagen: Ich habe schon daran gedacht, mich mit Ihnen zu beraten. Ihr Bruder hat doch eine Schiffskartenagentur? Ich will nach Haus, nach Zuchnow. Es ist nicht mehr Rußland, die Welt hat sich verändert. Was kostet eine Schiffskarte heute? Und was für Papiere muß ich haben? Reden Sie mit Ihrem Bruder, aber sagen Sie niemandem etwas.”

„Ich werde mich erkundigen”, erwiderte Frisch. „Aber Sie haben bestimmt nicht soviel Geld. Und in Ihrem Alter! Vielleicht sagt Ihnen dieser Kossak etwas! Vielleicht nimmt er Sie mit! Er bleibt nur kurze Zeit in New York! Soll ich dem Berkovitsch Ihre Adresse geben? Denn, wie ich Sie kenne, Sie gehen nicht ins Hotel!”

„Nein”, sagte Mendel, „ich werde nicht hingehen. Schreiben Sie ihm, wenn Sie wollen.”

Er erhob sich.

Frisch drückte ihn wieder in den Sessel. „Einen Moment”, sagte er, „Mister Singer, ich habe das Programm mitgenommen. Da ist ein Bild dieses Kossak.” Und er zog aus der Brusttasche ein großes Programm, entfaltete es und hielt es Mendel vor die Augen.