Am Sonntag kehrten sie heim, mit Freikarten des Staates ausgerüstet. Schon reisten sie auf Kosten des Zaren. Viele ihresgleichen fuhren mit ihnen. Es war ein langsamer Zug. Sie saßen auf hölzernen Bänken unter Bauern. Die Bauern sangen und waren betrunken. Alle rauchten den schwarzen Tabak, in dessen Rauch noch eine ferne Erinnerung an Schweiß mitduftete. Alle erzählten einander Geschichten. Jonas und Schemarjah trennten sich nicht für einen Augenblick. Es war ihre erste Reise mit der Eisenbahn. Oft tauschten sie die Plätze. Jeder von ihnen wollte ein wenig am Fenster sitzen und in die Landschaft sehen. Ungeheuer weit erschien Schemarjah die Welt. Flach war sie in Jonas’ Augen, sie langweilte ihn. Der Zug fuhr glatt durch das flache Land wie ein Schlitten über Schnee. Die Felder lagen in den Fenstern. Die bunten Bäuerinnen winkten. Wo sie in Gruppen auf tauchten, antwortete ihnen im Waggon ein dröhnendes Geheul der Bauern. Schwarz, schüchtern und bekümmert saßen die zwei Juden unter ihnen, in die Ecke gedrängt vom Übermut der Trunkenen.
„Ich möchte ein Bauer sein”, sagte plötzlich Jonas.
„Ich nicht”, erwiderte Schemarjah.
„Ich möchte ein Bauer sein”, wiederholte Jonas, „ich möchte betrunken sein und mit den Mädchen da schlafen.”
„Ich will sein, was ich bin”, sagte Schemarjah, „ein Jude wie mein Vater Mendel Singer, kein Soldat und nüchtern.”
„Ich freue mich ein bißchen, daß ich Soldat werde”, sagte Jonas.
„Du wirst schon deine Freuden erleben! Ich möchte lieber ein reicher Mann sein und das Leben sehen.”
„Was ist das Leben?”
„Das Leben”, erklärte Schemarjah, „ist in großen Städten zu sehen. Die Bahnen fahren mitten durch die Straßen, alle Läden sind so groß wie bei uns die Gendarmerie-Kaserne, und die Schaufenster sind noch größer. Ich habe Ansichtskarten gesehen. Man braucht keine Tür, um in ein Geschäft zu treten, die Fenster reichen bis zu den Füßen.”
„He, warum seid ihr so betrübt?”, rief plötzlich ein Bauer aus der gegenüberliegenden Ecke.