„Weißt du, Paul, ich lese jetzt in der Zeitung so viele Heiratsanzeigen!”

„Ja”, sagte Paul gleichgültig, „eine Folge des Krieges.”

„Die jungen Leute sind gescheit”, fuhr Frau Bernheim fort, „sie heiraten schnell, das ist gesund und garantiert ein langes Leben.”

Sie schwieg und erwartete eine Äußerung von ihrem Sohn.

Aber Paul schien nachzudenken, er hörte die Uhr ticken, die einzige, die noch in diesem Hause ging, und den zarten Wind, der in dem vorjährigen, liegengebliebenen Laub des Gartens raschelte. Frau Bernheim ergriff das Lorgnon, und erst das Geräusch, mit dem es aufklappte, rief Paul wieder in diese Stunde.

Frau Bernheim sah ein paar Minuten lang durch das Lorgnon auf Paul. Er wußte, daß es die Vorbereitung seiner Mutter zu einem „ernsten Thema” war, und wartete.

„Nun bist du dreißig Jahre alt, Paul”, sagte Frau Bernheim.

Die Erwähnung seiner dreißig Jahre berührte ihn schmerzlich, als wären sie ein körperliches Gebrechen. Da waren nun freilich diese dreißig Jahre, und er hatte es zu nichts gebracht. Es war, als wenn sich die drei Jahrzehnte, Jahr für Jahr, Monat für Monat, Tag für Tag, neben ihm aufgehäuft hätten, ein Berg aus Zeit, und er selbst wäre tatenlos, klein und ohne Alter danebengestanden.

„Hast du nie ans Heiraten gedacht?” fragte die Mutter, etwas strenge, das Lorgnon immer noch vor den Augen.

„Wo gibt es Frauen?” sagte Paul.