Doch dieser Übermensch ist zugleich ein salto-mortale der entfesselten, in Orgien schwelgenden Vernunft, ein Rausch-Delirium der aus den Fugen geratenen, in tausend Stücke zersplitterten Seele, ein überwältigendes Finale, in dem sich ein üppiges Leben in spasmatischen Zuckungen austobt.

Mit der feuersprühenden Begeisterung und der hellseherischen Sehnsucht in den Augen, die nicht von dieser Welt sind, mit dem fatalistischen Stigma eines, der geopfert werden soll auf der Stirne, mit in die Feme gestreckten Händen steht Zarathustra auf seinem Berge, vor seinen verzückten Blicken schwindet heute und gestern und morgen, alles hinter ihm stürzt verschmelzend zusammen und das vor ihm wird zur Ewigkeit, in der sich alle Wiedergeburt und Wiederkunft vollziehen werde:

„Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, dem Ring der Wiederkunft?

Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!”

VIII

Wie bei Chopin das H-moll Scherzo, so spiegelt Also sprach Zarathustra die innerste Seele Nietzsches in den wunderbarsten Farben, von denen sich der Menschensinn nicht träumen ließ, wieder.

Was Nietzsche hier liefert, ist ein Stück Autobiographie, in der er seine großen Freund– und Feindschaften, seine rastlosen Kämpfe, sein Hoffen und Sehnen, seine Krankheiten und Genesungen niederlegt.

Und das ist es eben, was das Werk der wenigen Anzahl von Intelligenzen, die es zu genießen verstehen, so unendlich teuer macht.

Für „uns” Spätgeborene, die wir an „Wahrheit” zu glauben aufgehört haben, für die der ganze Schluß unserer Weisheit in der totalen Bankerotterklärung unseres Wissens besteht, mag wohl der erkenntnistheoretische Teil in Nietzsches Werken vom geringsten Werte sein. —