63. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. Preis 10 Pf. (15 Heller.)

Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.

Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.

Immer tiefer sank der Koloß in die glühend heiße, weiche Masse, deren Feuerwellen über dem Fahrzeug zusammenzuschlagen drohten.

Druck- und Verlags-Gesellschaft
Berlin

Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.

1. Kapitel.
Die Welt in Gefahr.

„Halt, wer da! Antwort — oder ich schieße!“

Diesen Worten folgte das scharfe Knacken eines Revolverhahns. Sonst umgab Dunkelheit diese nächtliche Szene.

„Schießen Sie nicht,“ tönte eine sonore Stimme. „Ich komme zwar zu ungewöhnlicher Stunde, aber ich bin kein Dieb, kein Mörder.“

Im nächsten Moment blitzte das helle Licht einer elektrischen Lampe auf.

Das blendende Licht beleuchtete ein geräumiges, sehr behaglich eingerichtetes Zimmer, an welches ein großes Schlafzimmer stieß.

Der Vorhang, welcher dies Gemach von dem Zimmer trennte, war zurückgeschoben.

Dort stand ein Mann in mittleren Jahren, der in aller Hast einen Schlafrock angezogen zu haben schien.

Er war wohl offenbar aus dem Bett gesprungen, seine bloßen Füße steckten in Pantoffeln und in der rechten Hand hielt der Mann einen scharfgeladenen Armeerevolver.

Die Unruhe dieses Herrn war erklärlich, denn das Geräusch eines zerbrochenen Fensters weckte ihn aus dem besten Schlummer.

Der Fensterladen vor der großen Spiegelglasscheibe war emporgehoben und die Scheibe selbst durch einen anscheinend mit großer Wucht geführten Schlag zertrümmert.

Das elektrische Licht aber hatte nicht der Bewohner dieser Räume entflammen lassen, sondern ein Eindringling, der zur Mitternachtsstunde durch das zerbrochene Fenster hereingekommen sein mußte.

Da stand dieser Mann, dessen athletische Gestalt durch einen grauen Mantel in militärischem Schnitt verhüllt wurde.

Er stand hoch aufgerichtet, in der Linken die elektrische Lampe haltend, eine blaue Mütze mit breitem, goldenem Streifen bedeckte seinen Kopf, während eine schwarze Halbmaske das energische, kühn geschnittene Antlitz bedeckte.

„Da bin ich,“ sprach er zu dem schier fassungslosen Bewohner dieser Räume. „Sie haben mich gerufen. Ich habe den geheimnisvollen Hilferuf in einer der größten Zeitungen des Kontinents gelesen. Ich habe die Bedeutung desselben verstanden. Daß ich zur Nachtzeit hierherkommen mußte, ist freilich ungewöhnlich, aber ich kann nicht anders. Kapitän Mors steht vor Ihnen!“

Gleichzeitig hatte der rätselhafte Besucher ein großes Zeitungsblatt unter seinem Mantel hervorgezogen.

„Dieses Inserat stammt von Ihnen, nicht wahr?“ fuhr er fort, während der so jäh aufgeweckte Mann vor ihm noch immer nicht wußte, ob er wachte oder träumte. „Hier lesen Sie, das ist das Inserat, in welchem ich, Kapitän Mors, aufgefordert werde, die Welt und deren Bewohner vor einer Katastrophe zu bewahren. Und zwar vor einer Katastrophe, wie sie die Weltgeschichte noch nicht kennen soll. Diese Worte hier sind nur für mich berechnet. Anderen würde dies Inserat als die Eingabe eines Wahnwitzigen erscheinen. Aber Sie haben Ihre Gründe gehabt, dieses Inserat so geheim zu halten. Ich bin dem Rufe gefolgt. Sprechen Sie. Wie kann ich Ihnen helfen?“

Der Aufgeweckte ließ den Revolver sinken.

Sein Gesicht war ungemein geistvoll und verriet den Denker, zugleich aber auch den Mann, der, wenn er wollte, auch recht energisch aufzutreten vermochte.

„Sie sind Ingenieur Reymond,“ fuhr Kapitän Mors fort. „Sie haben gewußt, daß ich mich stets über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem Laufenden halte, daß ich alle großen Zeitungen genau lese. Nun sagen Sie mir alles, denn ich habe Zeit, so lange die Dunkelheit dauert. Beim ersten Morgengrauen muß ich den Rückweg antreten.“

„Aber um Himmels willen, wie sind Sie nur hier hereingekommen?“ fragte der Ingenieur, als er sah, daß sich Kapitän Mors ruhig in einem Sessel niederließ. „Dieses turmartige Gebäude ist ja sechs Stock hoch. Da vermöchte nicht einmal eine Katze hinaufzugelangen.“

„Je höher, desto besser,“ erwiderte der Luftpirat mit eisiger Ruhe. „Im übrigen gibt es für mich wenig Hindernisse. Doch zur Sache. Ich nehme an, daß die Angelegenheit, die mich hierher geführt hat, eilig ist und daß es sich in der Tat um das Schicksal der ganzen Welt handelt.“

Ingenieur Reymond war gewiß kein Feigling, er gewann bald seine Selbstbeherrschung wieder.

Er betrachtete den berühmten Mann, von dem die Welt so viel erzählte, mit einem Gemisch von heimlichem Grauen und Bewunderung.

Rasch war eine Lampe entzündet und der Ingenieur nahm seinem unheimlichen Besucher gegenüber Platz.

„Ich will mich kurz fassen,“ begann er. „Genug, ich bin der technische Leiter eines riesigen Etablissements, welches Maschinenteile liefert. Dort erschienen vor einiger Zeit ein paar Männer, die ich für Amerikaner halte. Sie machten verschiedene Bestellungen und sprachen hauptsächlich mit dem zweiten Leiter der Fabrik, ich hatte zu jener Zeit eine andere, sehr wichtige Arbeit vor und achtete wenig auf die Fremdlinge. Erst durch einen Zufall wurde mein Verdacht rege, nämlich, als ich von meinem Kollegen erfuhr, daß an die fremden Herren Maschinenteile abgeliefert wären, über deren Verwendung man sich gar keinen Begriff machen könnte. Unglücklicherweise war der Auftrag schon ausgeführt und der Rest der Bestellung abgeliefert, ohne daß ich es zu verhindern vermochte. Nun, ich will wenig Worte machen, Kapitän Mors. Jene Fremden, die übrigens über bedeutende Summen verfügten, haben zweifellos einige Weltenfahrzeuge hergestellt, welche möglicherweise dem wunderbaren Fahrzeug ähneln, mit welchem Sie durch die Weltenräume kreuzen.“

„Ihre Ausführungen setzen mich in einige Verwunderung,“ erwiderte Mors, nachdem er einen Augenblick nachgesonnen. „Indessen lassen sich ja wenige Geheimnisse bewahren, und so mag es schon sein, daß hier und da etwas von meinem Weltenfahrzeug bekannt wurde, ganz so, wie ja auch mein Luftschiff von vielen gesehen, betrachtet, von einigen sogar photographiert wurde. Aber das alles überzeugt mich noch nicht, ob der Welt auch wirklich Gefahr droht. Angenommen, jene Fremden hätten in der Tat einige Weltenfahrzeuge hergerichtet, was könnte das der Erde für Schaden bringen?“

„Jetzt kommt die Hauptsache,“ erwiderte Ingenieur Reymond. „Deshalb habe ich ja auch meinen Hilferuf in der Zeitung erlassen. Nachdem ich Verdacht geschöpft, spürte ich den Fremden nach und es gelang mir eines Abends durch List, über die ich hier nicht näher sprechen will, die Fremden zu belauschen. Genug, ich verbarg mich in ihrer Nähe und hörte ihren Gesprächen zu, die mich mit Entsetzen erfüllten. Diese gefährlichen Männer wollen eine geradezu grauenvolle Katastrophe herbeiführen und sich dadurch zu Herren der Erde machen. Der eine dieser Unmenschen meinte, die Erde sei viel zu stark bevölkert und es würde gar nicht schaden, wenn die Hälfte der Menschheit vernichtet würde. Hierauf wollte er mit seinem Kumpan eine Tyrannenherrschaft über das Weltall ausüben.“

„So, so,“ meinte Mors. „Darüber möchte ich noch einige Fragen stellen. Zunächst, war es Ihnen, mein Herr, denn nicht möglich, diese gefährlichen Menschen verhaften zu lassen?“

„Nein,“ erwiderte Reymond. „Ich war allein, ein unglücklicher Zufall wollte es, daß sie mich entdeckten. Sie verfolgten mich sofort und hätten sie mich eingeholt, so wäre ich zweifellos ermordet worden. So aber stürzte ich mich in den Fluß und da ich ein ausgezeichneter Schwimmer bin, hielt ich mich lange genug unter Wasser, während sie überall herumsuchten. Sie glaubten, ich sei ertrunken. Glücklicherweise haben sie mich nicht erkannt, denn sonst gehörte ich längst zu den Toten. Wenn sie aber jenes Inserat in der Zeitung gelesen haben, kommen sie auf die Spur. Deshalb habe ich auch, um mich zu schützen, Vorsichtsmaßregeln getroffen und wohne hier in diesem unzugänglichen Gebäude, hoffend, daß ich von Ihnen eine Nachricht erhalten würde. Statt dessen kommen Sie selbst und das ist umso besser.“

Mors überlegte noch einen Augenblick.

„Herr Reymond,“ sprach er dann in seiner gewinnenden Art und Weise. „Ich glaube bestimmt, daß jene Unholde das Inserat gelesen haben und daß sie Ihnen möglicherweise nach dem Leben trachten. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Wollen Sie mit mir gehen? Wollen Sie meine Heimat aufsuchen, die geheimnisvolle Insel, die ich bewohne, den Ort, wo Ihnen kein Mörder nahen dürfte? Dort sind Sie sicher.“

„Nein, das kann ich nicht,“ entgegnete Reymond. „Ich möchte hier in Frankreich bleiben, bei meinen Instrumenten, bei meinen Büchern.“

„Aber dann kann ich Sie nicht schützen,“ erwiderte Mors, „und ich fürchte, daß Sie alsdann dem Verderben verfallen.“

„Nun, ich lasse es darauf ankommen,“ erwiderte Reymond. „Ich glaube, hier bin ich sicher.“

„So wenig sicher wie vor mir,“ erwiderte der Luftpirat. „Sie sehen ja, daß auch ich hier eingedrungen bin, und diese Unholde könnten das gleiche tun. Also ich biete Ihnen nochmals Schutz in meiner geheimnisvollen Heimat an. Wollen Sie?“

„Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Anerbieten, aber ich kann nicht. Ich hänge zu sehr an Frankreich. Hoffentlich haben jene Unholde auch anderes zu tun, als sich mit mir zu beschäftigen. Doch nun zur Hauptsache. Das, was ich Ihnen sagen will, betrifft die Katastrophe, die den Bewohnern der Erde droht.“

„Ganz recht, das interessiert mich,“ erwiderte Mors. „Angenommen, jene Menschen hätten einige Weltenfahrzeuge erbaut, so genügt das nicht, um die Bewohner der Erde zu vernichten, dazu gehören noch kolossale Zerstörungsmittel von einer Furchtbarkeit, gegen die unsere irdischen Sprengstoffe als Kinderspielzeug erscheinen.“

Reymond war aufgestanden.

„Das ist es ja, Kapitän Mors,“ sprach er mit furchtbarem Ernst und mit gedämpfter Stimme. „Die Unholde wollen sich einen furchtbaren, zerstörenden Stoff verschaffen, den sie mittelst ihrer Weltenfahrzeuge holen wollen und zwar aus ungeheurer Ferne. Haben sie diesen Stoff, der von geradezu vernichtender Wirkung sein muß, so verwandeln sie ihre Weltenfahrzeuge in Zerstörungsmaschinen und dann wird die Erde von einem Schicksal betroffen, wie es in der ganzen Weltgeschichte noch nicht dagewesen ist. Jene unheimlichen Männer müssen große Kenntnisse in der Mathematik, Astronomie und der Physik besitzen. Wunderbare Kenntnisse, die sie allerdings zu Verbrechen anwenden wollen.“

„Woher gedenken jene Elenden den Zerstörungsstoff zu holen?“ fragte Mors, jedes Wort betonend.

„Vom Planeten Saturn,“ lautete die Antwort. „Von jenem mächtigen Weltkörper, der seltsamerweise das einzige Gestirn ist, das von Ringen umgeben wird, und diese Ringe, die den Riesenkörper des Planeten umkreisen, bergen nach genauen wissenschaftlichen Beobachtungen eine Materie, die so fürchterlich wirkt, daß sie imstande ist, die ganze Erde in Trümmer zu zerspalten. Diesen furchtbaren Stoff wollen jene Unmenschen holen und damit zur Erde zurückkehren.“

„Ich verstehe,“ versetzte Mors mit großer Ruhe. „Sie wünschen, daß ich mit meinem Weltenfahrzeug dies Vorhaben vereitle? Wenn jene Unholde mit dem Zerstörungsstoff zurückkehren, ist es zu spät. Sie würden zuerst mich und meine Fahrzeuge vernichten. Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, Herr Reymond, und ich erneuere zum dritten Male mein Anerbieten, mit mir nach meiner fernen Insel zu reisen.“

„Nein, ich bleibe in Frankreich,“ erwiderte Reymond. „Ich habe jetzt meine Pflicht getan und das Schicksal der Erde in Ihre Hände gelegt.“

„Aber Sie sind verloren, Herr Reymond,“ sprach Mors, indem er sich langsam erhob. „Ich fürcht das Schlimmste.“

Es war umsonst. Reymond gab nicht nach, er hing zu sehr an seiner schönen, sonnigen Heimat. In dieser Beziehung war er ein Starrkopf.

Er gab Mors noch verschiedene Informationen, aus denen der Luftpirat den Ort entnehmen konnte, an welchem die Weltenfahrzeuge erbaut wurden.

„Ich schulde Ihnen wirklich außerordentlichen Dank,“ erwiderte der Luftpirat. „Ich habe Ihnen sogar das Fenster zerbrochen und Sie in ihrem Schlaf gestört. Sprechen Sie, Herr Reymond, kann ich Sie nicht in irgend einer Weise für diese wichtigen Mitteilungen belohnen?“

„Nein,“ erwiderte der Franzose. „Ich bin selbst sehr vermögend und bedarf nichts. Ich habe jene Pflicht erfüllt, welche das Gebot der Menschenliebe vorschreibt und bin überzeugt, daß Sie alles aufbieten werden, um das Furchtbare zu verhindern. Damit bin ich reich belohnt, das genügt vollkommen.“

„Nun denn, so muß ich handeln,“ rief der Luftpirat. „Ich darf keine Zeit verlieren. Hier ist vielleicht jede Minute kostbar. Leben Sie wohl, mein Herr, ich ruhe und raste nicht, bis ich das Furchtbare verhindert habe. Gelingt es mir nicht, dann habe ich meinen Untergang gefunden.“

Er sprach diese Worte mit finsterem Entschluß und schwang sich auf das Fensterbrett.

Außerhalb befand sich eine kleine Brüstung, da glaubte der Ingenieur trotz der Dunkelheit zu sehen, daß sich dort etwas Schattenhaftes bewegte.

Er hörte auch ein leises Sausen und Summen, dann schien es, als ob Kapitän Mors in die Nacht hinausspränge.

Er hörte einen leichten Aufprall, aber unmittelbar am Fenster, dann folgte ein Rauschen und Schwirren und da sah Reymond, als ob durch die Finsternis etwas Schwarzes, Schattenhaftes von dannen huschte.

Vorsichtig ließ er den Fensterladen wieder herab, aber er fand in dieser Nacht keine Ruhe.

Wohl aber fand er sie vierundzwanzig Stunden später, und zwar für immer, denn da wurde der Ingenieur Reymond, dieser wackere, von allen geschätzte Mann, auf unerklärliche Weise ermordet aufgefunden.

Der Luftpirat hatte es geahnt, aber Reymond die Warnung des seltsamen Mannes mißachtet. Er war zurückgeblieben, er hatte den Schutz, den ihm Mors anbot, verschmäht. Der wackere Mann mußte seine Menschenliebe mit seinem Leben bezahlen.

2. Kapitel.
Zu spät gekommen.

Kapitän Mors hatte mit einer kleinen Flugmaschine, die sich auf dem lenkbaren Luftschiff befand, den Franzosen besucht.

Das Luftschiff selbst lag auf einer der Felseninseln, an der französischen Küste und in der nächsten Nacht befand sich Mors bereits auf dem Rückwege.

Nach glücklicher Fahrt gelangte er auf seiner Insel an, da war es sein erstes, das Weltenfahrzeug zu inspizieren.

Der „Meteor“ war jeden Augenblick zu seinem Flug in den Weltenraum bereit und Mors säumte nicht, das Fahrzeug mit einer ausgewählten Mannschaft zu besteigen.

Auch der Professor nahm daran teil, obwohl ihn Mors vor den Gefahren der bevorstehenden Reise warnte.

„Diesmal werden wir uns der Wissenschaft wenig widmen können, Professor,“ sprach Mors zu seinem gelehrten Freunde. „Diesmal gilt es eine entsetzliche Katastrophe zu verhindern. Es wäre besser, Sie blieben hier. Ich glaube, es kommt zu den furchtbarsten Abenteuern, zu gefährlichen Kämpfen. Es geht auf Tod und Leben.“

Der Professor war aber nicht zu halten.

Er wußte ja, daß möglicherweise der Saturn besucht wurde. Mors sprach ja die Vermutung aus, daß jene Unheimlichen bereits die Reise nach dem fernen Weltkörper angetreten haben könnten.

„Wie, eine solche Gelegenheit sollte ich verpassen,“ rief Professor van Halen enthusiasmiert, „nimmermehr, der Saturn birgt ja die größten Rätsel, ich bebe förmlich bei dem Gedanken, diesen wunderbaren Weltkörper in der Nähe zu sehen. Nehmen Sie mich mit, Kapitän, ich bitte Sie darum. Sie machen mich unglücklich, wenn Sie mich zurücklassen.“

Mors gab nach, aber er war diesmal ernst und düster wie nie zuvor.

Er nahm nur Terror mit und hinterließ Star und Herbert genaueste Instruktionen für den Fall, daß er von der abenteuerlichen Fahrt nicht mehr wiederkehren sollte.

Diese Instruktionen betrafen das Schicksal der Insel mit allem, was sich darauf befand. Es war kein Zweifel, wenn Mors zu Grunde ging, so würde auch sein ganzes Werk vernichtet.

Inzwischen hatte der Luftpirat die Kunde von Reymonds Tod erfahren.

„Ich habe ihn gewarnt,“ sprach er, als er die Nachricht las. „Aber der Unglückliche wollte ja nicht hören. Nun, vielleicht kann ich ihn wenigstens rächen.“

Nach den Angaben des Ingenieurs befand sich der Ort, an dem die geheimnisvollen Amerikaner ihre Weltenfahrzeuge erbaut hatten, irgendwo im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas.

Dorthin waren die Maschinenteile geschickt worden und Reymond, der sich um diese Angelegenheiten sehr bekümmert, hatte Mors noch Winke gegeben, welche die Nachforschungen des Luftpiraten erleichterten.

Diesmal wendete sich das Weltenfahrzeug nicht nach dem Weltenraum, sondern durchschoß mit Blitzesschnelligkeit die Luftzonen über der Südsee und wendete sich nach den südkalifornischen Landschaften.

Ein Zufall unterstützte Mors, der sein wunderbares Fahrzeug in den wilden Gebirgen der Sierra Nevada landen ließ und von dort aus einige Späher aussandte.

Bald erhielt er die Nachricht, daß an der Grenze des Staates Sonora, der schon zu Mexiko gehörte, merkwürdige Dinge beobachtet worden seien, die auf eine sonderbare Arbeit schließen ließen.

Wenige Tage später wurde der Verdacht bestätigt, dort hatten die geheimnisvollen Amerikaner gearbeitet, dort hatten sie ihre Weltenfahrzeuge, zu denen sie sich die Materialien in verschiedenen Ländern bestellt, zusammengesetzt.

Ob die Pläne zu diesen wunderbaren Fahrzeugen von ihnen selbst ausgesonnen worden waren, ob sie einiges über Mors’ Weltenfahrzeug durch Verrat vernommen, blieb in Dunkel gehüllt. Genug, die Geheimnisvollen hatten derartige Fahrzeuge zusammengestellt, montiert und für die Fahrt in den Weltenraum bereit gemacht.

In der nächsten Nacht befand sich Mors mit seiner ganzen Mannschaft wieder im „Meteor“, der ihn mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit nach der bezeichneten Gegend brachte.

Das war eine Einöde, die selten oder nie von Menschen betreten wurde. Dort hatten die Unheimlichen mit Muße arbeiten können.

Als der Morgen graute, war Mors an Ort und Stelle, fest entschlossen, alles, was er an Zerstörungsmaschinen besaß, zur Vernichtung dieser gefährlichen Menschen und ihrer Werke aufzubieten.

Schon sah er in der Einöde große Wellblechhallen, die zum Schutz gegen die Witterung gedient hatten.

Regen gab es hier selten, deshalb dienten diese Wellblechhallen wohl nur als Schutz gegen die glühende Sonne.

Der „Meteor“ erhob sich über diesen Hallen, alles war bereit, um das Zerstörungswerk auszuüben.

Der Luftpirat aber ballte grimmig die Fäuste, denn er sah von oben in leere Räume. Die drei großen Hallen bargen nichts mehr als einige Gerätschaften und Werkzeuge. Die Flugmaschinen aber, die man drin montiert, die waren verschwunden.

Mors ließ den „Meteor“ zu Boden sinken und verließ mit einigen Indern das Weltenfahrzeug.

Plötzlich begannen einige der Inder zu rennen und zu laufen und sausten wie Antilopen hinter einer Gestalt her, die mit wilden Sprüngen zu entkommen suchte.

Bald darauf vernahm Mors lautes Gekreisch, die Inder kehrten zurück und führten in ihrer Mitte einen Mischling, einen sogenannten Mulatten.

Der Mann war halbtot vor Angst und glaubte, daß es ihm an den Kragen ginge. Beim Anblick des Luftpiraten schnappte er beinahe über und flehte mit jämmerlicher Stimme, ihm das Leben zu schenken.

Mors beruhigte den Zitternden. Es stellte sich heraus, daß der Mulatte zu den Arbeitern gehörte, die an dieser Stätte für die Fremdlinge tätig gewesen waren.

Die Unheimlichen hatten die Arbeiter reichlich belohnt und sie dann entlassen. Der Mulatte aber war dem Trunke ergeben und hatte sich zur Feier, daß die Arbeit beendigt, so bezecht, daß er in einer Felsenspalte zurückblieb.

Als er erwachte, fand er sich allein und war gerade im Begriff gewesen, den Weg nach der nächsten Ansiedlung zu suchen.

„Wo sind die Leute, die hier gearbeitet haben?“ fragte Mors hastig.

„Sie haben drei wunderbare Maschinen gebaut,“ erwiderte der Mulatte zaghaft. „Damit sind sie in den Himmel hineingeflogen.“

„Also zu spät gekommen,“ erwiderte Mors. „Aber der Vorsprung kann nicht allzugroß sein. Ich muß ihnen nach. Ich muß das Schreckliche verhindern! Freilich, es wird im Weltenraum zum Kampf auf Tod und Leben kommen.“

Dem Mulatten wurden noch einige Fragen vorgelegt, und Mors entnahm daraus, daß jene unheimlichen Amerikaner einen Vorsprung von sechsunddreißig bis vierzig Stunden besitzen müßten.

Mors gab dem Erschrockenen noch einige Goldstücke und bestieg mit seinen Mannschaften das Weltenfahrzeug, welches der Mulatte dumm und blöde anstarrte.

Seinen Aussagen nach hatten die Weltenfahrzeuge der Amerikaner ein anderes Aussehen besessen, als der „Meteor“; sie waren etwas kleiner, aber auch mit flüssiger Luft und mit Riesenmagneten ausgerüstet.

Mors gab den Befehl zur Abfahrt, die Türen schlossen sich, der „Meteor“ hob sich.

Dann hörte man das eigentümliche Surren, welches die Tätigkeit des Riesenmagneten verkündete. Der „Meteor“ hob sich, und schoß mit furchtbarer Geschwindigkeit in die Lüfte, den Augen des nachschauenden Mulatten im Nu entschwindend.


Mors hatte den Professor und Terror von allem, was er erfahren, in Kenntnis gesetzt.

„Es handelt sich darum, die Erde vor einer Katastrophe zu schützen,“ sprach er kalt. „Wir haben es mit drei Gegnern zu tun und wenn dieselben auch etwas kleiner sind, als unser Fahrzeug, so könnten sie doch durch ihre Ueberzahl einen Vorteil gewinnen. Es handelt sich also darum, daß wir nicht allein diese drei Weltenfahrzeuge einholen, sondern sie einzeln vernichten, vor allen Dingen aber verhindern, daß sie vor uns nach dem Planeten Saturn kommen. Erreichen sie diesen Planeten vor uns und gelingt es ihnen, sich des zerstörenden Stoffes, der in den Ringen zu finden ist, zu bemächtigen, so ist die letzte Hoffnung geschwunden. Jene Schurken sind Verbrecher, obgleich sehr gebildete Verbrecher. Sie werden ihre Wissenschaft und ihre Kenntnisse zum Unheilstiften anwenden. Zunächst würden sie uns vernichten und dann nach der Erde zurückkehren, um daselbst ein Blutbad anzurichten, gegen welches die fürchterlichsten Kriege der Weltgeschichte als Spielerei erscheinen. So steht es. Wir haben auf keine Schonung zu rechnen. So wenig wie wir solche selbst ausüben werden. Vorerst bleibt uns nichts übrig, als die ganze Schnelligkeit des „Meteor“ zu benutzen und Ausguck nach den drei Weltenfahrzeugen zu halten.“

Letzteres übernahm der Professor, der ja am Fernrohr die größte Uebung besaß. Mors und Terror teilten sich in die Handhabung der Maschinen.

Noch nie hatte der „Meteor“ so schnell die Luftzone der Erde durchschnitten wie dieses Mal. Noch nie war er mit so furchtbarer Schnelligkeit in den Weltenraum hinausgefahren.

Mors schien die Gefahren, die der Weltenraum barg, diesmal gar nicht zu beachten. Er kümmerte sich nicht einmal darum, daß er bei dieser Gelegenheit eine Meteorsteinzone streifte.

Terror war gewiß ein Mann von Eisen, aber ihm grauste beinahe, als er sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit Mors diesmal das Fahrzeug handhabte.

Bei einem Zusammenstoß wäre das Weltenfahrzeug in Atome zermalmt worden, aber Mors pochte auf sein Glück, welches ihm schon so oft in den gefährlichsten Tagen seines Lebens beigestanden.

Er trotzte den Gefahren, er steigerte die Schnelligkeit des „Meteor“ bis ins Unglaublichste.

Selbst der Professor beobachtete manchmal kopfschüttelnd die Instrumente, welche die Schnelligkeit des Fahrzeuges anzeigten.

„Kapitän,“ sprach er zu dem Luftpiraten. „Wir fahren mit einer geradezu entsetzlichen Geschwindigkeit. Stoßen wir bei dieser Gelegenheit mit einem Weltkörper zusammen, so werden von unserem „Meteor“ nicht einmal Atome übrig bleiben.“

„So ist es,“ versetzte Mors. „Aber es handelt sich hier um das Geschick von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das Schicksal herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben wir, so geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das ewige Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten wir sie, so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß uns dankbar sein. Vorwärts!“

Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit, und da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber begab sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die Tiefen des Himmelsraumes zu durchsuchen.

Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten noch immer einen großen Vorsprung besitzen.

Inzwischen wurde nichts verabsäumt.

Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden Moment benutzt werden konnten. Die Leute waren immer auf ihren Posten.

Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten Saturn trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet zwölfhundert Millionen Kilometer.

Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn sein „Meteor“ durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des Blitzes.

Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man schärfste Umschau halten mußte.

In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars ein ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert worden.

Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den Raum und wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet.

Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug teilweise begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort war also große Vorsicht geboten.

Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier, wo die Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag und Nacht reden konnte.

Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des „Meteor“ war im Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken.

Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände, denen gegenüber man die Schnelligkeit abmaß.

Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich Zeiger mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten Kilometertausende verzeichneten.

Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu stehen und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen.

Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein.

Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als man ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr. Hier mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges.

3. Kapitel.
Der erste Kampf mit den Gegnern.

Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte.

Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel, welche aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte.

Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr.

„Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,“ hörte er die Stimme des Professors. „Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er sich in der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.“

Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum.

Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier.

Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die massive Glasscheibe schützte das Innere des „Meteor“ vor der Kälte des Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im luftleeren Raum herrschen.

Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich der „Meteor“ stark genähert hatte.

Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber nicht rund oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und glich einem Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den Weltenraum dahinsauste.

Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt den riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser fürchterlichen Katastrophe.

Der Astroid schien eine Lufthülle zu besitzen, wenigstens gewahrte man einen nebelartigen Schimmer an den Rändern und Vorsprüngen.

Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper, dann suchte er nach dem Feinde.

Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors heftete seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne.

„Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,“ sprach der Luftpirat. „Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte allerdings das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir haben ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein Werk, welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel, das ist ein Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.“

Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden und schien Schutz gesucht zu haben.

Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich um, möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen Welt verborgen.

Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt und warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle des Luftpiraten.

Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum, in welchem Terror weilte.

„Wir halten auf den Astroiden zu,“ lautete das Kommando. „Die Mannschaften haben alles für einen Kampf fertig zu machen. Sowie wir in die Luftzone des Weltenkörpers kommen, wird das Fahrzeug dort angegriffen.“

Terror gehorchte auf der Stelle.

Der „Meteor“ beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann mit fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu.

Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast undurchsichtig wie Glas diese unbekannte Welt umgab.

Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu entsetzliche Stein- und Sandwüste erschien.

Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen zu machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er jetzt schon mit bloßen Augen gewahren konnte.

Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte.

Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und mochte vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der Dunsthülle schweben.

Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das Fahrzeug während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem abzuhelfen versuchte.

Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte sehr leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht kamen.

Weiter sauste der „Meteor“, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen von dem Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe.

Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den Befehl zum Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung von fünfhundert Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten.

Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben.

Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges bildeten, dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß seine Vermutungen völlig zutrafen.

Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu sein.

Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand, als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte.

„Sie bereiten sich zum Kampfe vor,“ murmelte Mors. „Sie besitzen sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die Entscheidung fallen.“

Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe zum Atmen geeignet war.

Einer der Inder unternahm den Versuch, indem er sich mit einem Glashelm versehen in einen luftleeren Raum begab.

Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück.

„Kapitän,“ meldete er, „die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist etwas dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge. Dies kann uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben, daß wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die Zerstörungsmaschinen verdecken, geöffnet werden.“

Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige freundliche Worte.

Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu.

Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon frühzeitig bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den Kampf aufnehmen.

Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen.

Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners.

Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten des feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte.

Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und genau auf die Bordwand des „Meteor“ zufliegen.

Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit, sodaß die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten.

Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das war alles.

„Der „Meteor“ widersteht,“ sprach Mors, als er flüchtig die Wände seines Wunderwerkes prüfte. „Das feindliche Geschoß kann die Metallwand nicht durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.“

Auf dem „Meteor“ befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen.

Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die auf fahrbaren Lafetten ruhten, andere wie kleine Geschütze.

Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im äußersten Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden aber als gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten.

Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen Maschinen in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen.

Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den „Meteor“ kreiste.

Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der Schüsse, die ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis erweckten.

Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die Wand des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge erhielt und hin- und herschwankte.

Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen, sie genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert.

Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig.

Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges zum Ziel und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen, welche die Riesenmagneten in Tätigkeit setzten.

Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem Lenkraum.

Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem Feinde abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor Verletzungen gesichert.

Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche.

Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen.

Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im Weltenfahrzeug befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem „Meteor“ wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten.

„Kapitän,“ schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine Schießscharte die Bewegungen des Feindes beobachtete, „aufgepaßt, Kapitän, sie wollen rammen!“

„Ich sehe es, mein Getreuer,“ erwiderte Mors, indem er das Glas absetzte. „Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die Amerikaner dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.“

Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder.

„Zieht diese Maschinen zurück,“ befahl er, auf die gewehrähnlichen Zerstörungsmaschinen deutend. „Jetzt werden die anderen verwendet. Aber erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich gehe nach dem Lenkraum, denn ich muß meinen „Meteor“ in dieser entscheidenden Stunde selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando über Euch übernehmen.“

Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der alle Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte.

„Brav gemacht,“ sprach Mors anerkennend. „Nun will ich Dich ablösen. Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern übernimm den Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er will uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.“

Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem Beobachtungsraum hinüber.

Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten bewegte und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite.

Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit.

Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er seinen Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte.

Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts.

Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste. Es schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den „Meteor“ in der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in zwei Teile schneiden.

Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes. Er besaß keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem Gegner ebenbürtig machten.

Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von Zaubergewalt bewegt, schnellte sich der „Meteor“ in die Höhe.

Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste mit furchtbarer Gewalt unter dem „Meteor“ hinweg.

Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre der Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden.

Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung.

Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal vermittelte. Es war das Zeichen zum neuen Feuern.

Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug von einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben.

Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze, scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich selber.

Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten über, er drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch an einer einzigen Lenkstange.

Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens.

Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen.

Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen, jetzt wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit furchtbarer Gewalt nach unten.

Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in die Steinwildnis des Asteroiden.

4. Kapitel.
Neue Verfolgung.

Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen.

Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind seinen furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger im Kampf geblieben.

Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in der Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke zerschellen.

Terror kam in den Lenkraum gestürzt.

„Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,“ rief er triumphierend. „Der fügt uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des Fahrzeuges.“

„Gut, wir wollen hinunter,“ erwiderte Mors. „Ich will sehen, was wir noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.“

„Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,“ erwiderte Terror. „Der Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen hinunter!“

Wenige Minuten später senkte sich der „Meteor“ langsam und allmählich auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab.

Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten Feindes.

Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar.

Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch und dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von Menschen.

Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des Weltenfahrzeuges nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren buchstäblich in Stücke zerrissen.

Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von zwei Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich Brutalität und Grausamkeit.

Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern bestanden zu haben.

Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges, und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend kräftigen, muskulösen Schwarzen zu tun gehabt.

Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise zu sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges durchaus nicht ungefährlich.

Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die gefährliche Stelle verließen.

Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente oder Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere lagen.

Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern wieder nach dem „Meteor“ zurück, der sich kurz darauf stolz in die Lüfte erhob.

Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen? Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden einen anderen Ankerplatz gefunden?

Mors faßte einen schnellen Entschluß.

Er gab Terror den Befehl, daß der „Meteor“ den Asteroiden umkreisen sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte.

Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare für Mors völlig genügend.

Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte, mit hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern der Erde aufzuwerfen gedachten.

Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und sich zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen.

Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals mißbrauchte, während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung eines grauenvollen Verbrechens benutzen wollten.

Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt um den Asteroiden.

Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters.

„Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,“ sprach er, „aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht haben sich die Feinde anderweitig verborgen.“

„Nein,“ erwiderte Mors. „Sie sind weiter gefahren. Die beiden Fahrzeuge haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir bekämpften, zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in demselben guten Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte, wie ich aus den Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen werden. Den einen Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden anderen aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen die Fahrt nach dem Planeten Saturn fortsetzen.“

„Meinetwegen bis ans Ende der Welt,“ erwiderte Terror. „Mir ist es gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.“

„Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der Welt,“ erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. „Ein Ende gibt es nicht, sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit unseres „Meteor“ aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit Blitzgeschwindigkeit dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt kommen, denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja verhältnismäßig nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit seinen Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung verschafft.“

Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der „Meteor“ den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit in das Reich der Weltenkörper.

Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß seine ungeheure Anziehungskraft dem „Meteor“ keinen Schaden zufügen konnte.

Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu statten gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie befanden sich auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen, um jeden Preis.

Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des Weltenfahrzeuges, jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren mehr, das war ein Lauf mit dem Tode.

Vor dem „Meteor“ lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen.

Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge ins Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt, die den Giganten umschwebten.

Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen ab und zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten bezogen.

„Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,“ setzte Mors hinzu, als er seine Bedenken geäußert. „Jetzt fragt es sich nur, wo wir landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern zu tun, die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen. Es wird ein Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens von den Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen, verschont bleiben. Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der mir schon oft die größten Dienste leistete.“

„Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,“ entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. „Nach den Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt hat, zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der Saturn in einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet. Seine Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen Wassers, die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse, die allerdings noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal die Tragfähigkeit des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel landen, müßten wir mit unserem „Meteor“ ins Bodenlose versinken. Dagegen sind die Monde sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich auch bei ihnen noch manche Verschiedenheit von dem irdischen Mond vorhanden sein dürfte. Es ist auch möglich, daß auf den Ringen gelandet werden kann, wenn diese, wie einige Beobachter behaupten, aus einer Unmenge neben einander dahinrollender winziger Weltkörper bestehen. Aber das müßte man erst untersuchen.“

„Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,“ erwiderte Mors. „Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen Kriegszug beginnen.“

Weiter sauste der „Meteor“, während sich der Planet von Stunde zu Stunde vergrößerte.

Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen Firmament, während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel drehten, einen geradezu märchenhaften Anblick darboten.

Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben und darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer zwei oder auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden.

Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen dieser Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet. Dorthin schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit dem Fernrohr nach den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte.

Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors schwere Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den Ringen angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen Stoffes zu beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und darauf konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen.

Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden, die mit ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder darboten.

Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn die Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend.

Immer schneller sauste der „Meteor“, sodaß sich die Zeiger der Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor schon an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte.

Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer wollte Mors die Schnelligkeit des „Meteor“ nicht mindern. Noch immer war der Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt mit geradezu unglaublicher Schnelligkeit näherte.

Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da griff Mors nach den Hebeln, welche den Magneten regierten.

Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das gewaltige Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden, als ob der „Meteor“ plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die sich von allen Seiten an ihn schmiegte.

Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren rasenden Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie die Zeiger einer Uhr. Der „Meteor“ aber schwebte in der Nähe des kleinsten der acht Monde, die mit der Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz vorschrieb, den Giganten umkreisten.

5. Kapitel.
Ein Kampf ohne gleichen.

„Meine Vermutungen haben sich bestätigt,“ rief der Professor, der schon seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. „Der Mond, dem wir uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Das ist eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben wohl schon seit Jahrtausenden erloschen.“

Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde bot in der Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige Gebirgszüge, aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein Ueberrest von Wasser.

Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr leicht möglich sein, daß man auf den anderen Trabanten Lebensbedingungen entdeckte.

Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten oder die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von ganz anderen Dingen in Anspruch genommen.

„Da sind sie,“ rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen schienen. „Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die von uns Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.“

Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe am Vorderteil des Weltenfahrzeuges.

Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte des Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, daß die höchsten Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten.

Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge deutlich erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die Fahrzeuge der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen Landungsplatz gesucht hatten.

Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond gelandet und erst beim Erblicken von Mors’ Fahrzeug wieder emporgestiegen.

Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und schneller. Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender Geschwindigkeit die Räume durchfuhren.

Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um noch Signale zu wechseln.

Deutlich sah man vom „Meteor“ aus blinkende Lichtstreifen in verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün.

Hierauf trennten sich die beiden Kolosse.

Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein paar ungeheure Halbkreise.

Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner.

„Sie haben uns bemerkt,“ sprach er nach kurzem Besinnen, „und denken gar nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich zum Angriff und wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und von links, um uns alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. Sie wollen das Manöver des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. Vorwärts, es gilt!“