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MITTELNIEDERDEUTSCHES
HANDWÖRTERBUCH

VON
AUGUST LÜBBEN.

NACH DEM TODE DES VERFASSERS VOLLENDET VON
CHRISTOPH WALTHER.

NORDEN und LEIPZIG.

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG.

1888.

WÖRTERBÜCHER.

HERAUSGEGEBEN
VOM
VEREIN FÜR NIEDERDEUTSCHE SPRACHFORSCHUNG.

BAND II.

NORDEN und LEIPZIG.

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG.

1888.

Druck von Diedr. Soltau in Norden.

Vorwort zur ersten Hälfte (A – nagellôs).

Als das grosse Mittelniederdeutsche Wörterbuch von Schiller und Lübben bereits bald nach seiner Vollendung (1881) vergriffen war, wurde aus den Kreisen des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung der Wunsch laut, vorerst statt einer neuen Ausgabe ein Handwörterbuch ohne Belegstellen zu veröffentlichen, um möglichst rasch dem Mangel abzuhelfen und um auch solchen, denen das sechsbändige Wörterbuch zu teuer sein möchte, das Studium des Mittelniederdeutschen zu erleichtern. Mit derselben Energie, welche Lübben nach Schiller's Tode (4. Aug. 1873) den grössten Teil des Hauptwerkes (vom Artikel gân ab) in verhältnismässig kurzer Zeit vollenden liess, begann und verfolgte er die neue Aufgabe. Es war ihm aber nicht beschieden, den vollständigen Druck seiner Arbeit beschaffen zu können: als das Werk bis zum dreizehnten Bogen gedruckt vorlag, starb er am 15. März 1884. Der zeitige Verleger hat dann auf Wunsch des Vereinsvorstandes die weitere Herausgabe des Werkes mir anvertraut. Im Nachlasse Lübben's fand sich dasselbe, bis zum Schlusse des Buchstabens U ausgearbeitet, vor. Ich habe versucht, die Ausgabe nach den Grundsätzen, wie ich sie aus den ersten zwölf Bögen zu entnehmen vermochte, fortzuführen. Als wichtigste Abweichung vom Hauptwerk stellte sich die Bezeichnung des langen e, einerlei welches Ursprungs, und zwar sowohl in offenen wie geschlossenen Silben, durch ê heraus. Aus dieser Wahl des Zeichens ergab sich mir die Notwendigkeit, tonlanges e in geschlossener Silbe durch ein anderes Merkmal zu unterscheiden: ich habe, nach Nerger's Vorgang in seiner auf diesem Gebiete epochemachenden Grammatik des meklenburgischen Dialektes, ē gewählt. Dieselbe Art der Bezeichnung habe ich einige Male verwandt, um o, ô und ō aus einander zu halten.

Das Handwörterbuch ist im ganzen freilich ein Auszug aus dem grossen Wörterbuche; wer beide vergleicht, wird aber bald erkennen, dass die neue Arbeit vielfältig vermehrt und berichtigt ist. Lübben hat nämlich mit unausgesetztem Fleisse und, wie manche Artikel kundtun, bis zuletzt die Sprachquellen excerpiert und sein Handexemplar des Mittelniederdeutschen Wörterbuches so mit zahlreichen Nachträgen und Verbesserungen versehen. Diese Arbeit ist dem neuen Werke zu gute gekommen. Ich glaubte nicht gegen die dem Meister schuldige Pietät zu verstossen, wenn ich in Bezug auf meine lexikalischen Sammlungen ein gleiches Verfahren und auch dann beobachtete, wann sich dabei für ein bereits aufgenommenes Wort eine Berichtigung, wenigstens nach meiner Ueberzeugung, ergab, da ein etwaiger Irrtum durch Vergleichung eines solchen Artikels mit dem entsprechenden im grossen Wörterbuche auch als mein alleiniges Eigentum erkannt werden muss; und andererseits glaubte ich, im Interesse der mittelniederdeutschen Philologie und im Sinne des verstorbenen Freundes zu handeln, wenn ich nach meinen Kräften mich bestrebte, den gewaltigen lexikalischen Bau, den er aufgeführt hat, zu bauen und zu bessern, wo es mir Not schien. Allerdings hat sich auf diese Weise der Abschluss des ersten Halbbandes weit länger hingezogen, als ursprünglich beabsichtigt war. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, den zweiten im Laufe dieses Jahres rascher fertigzustellen.

HAMBURG, Februar 1885.

Vorwort zur zweiten Hälfte (nagelmâch – Z).

Die Herausgabe des Mittelniederdeutschen Handwörterbuches hat mehr Zeit erfordert, als ich anfänglich erwartet hatte. Die Nachprüfung der Artikel desselben führte zu erneuter Einsicht der Quellen. Es ergab sich bald, dass aus einigen bereits, aber nicht erschöpfend ausgezogenen, aus anderen Schiller und Lübben teilweise oder gänzlich unzugänglichen, zumal den jüngst veröffentlichten Sprachdenkmälern sich noch manches neue Wort und für die schon verzeichneten oft Gewisseres über Form, Flexion und Bedeutung gewinnen liess. Da der Druck des Buches seinen stetigen Fortgang nehmen musste, so war weder eine vollständige, noch eine gleichmässige Durchsicht und Excerpierung möglich. Gar vieles fand sich erst, wenn es zu spät und der betreffende Artikel bereits durch den Druck abgeschlossen war. Je mehr die Herausgabe vorrückte, desto mehr wuchs die Zahl der Excerpte an. Gute Dienste leisteten, besonders auch durch Zeitersparung, die mit Glossar versehenen Ausgaben. Ausserdem bin ich Herrn Dr. F. Jostes zu Dank verpflichtet für die Hülfe, welche er durch Mitteilung seiner neueren Publicationen und eines von ihm angelegten Glossars zu mehreren noch unedierten Schriften der erbaulichen Litteratur freiwillig leistete. Mittelalterliche Glossen habe ich in etwas grösserer Anzahl aufgenommen, als der Verfasser des Wörterbuchs ursprünglich beabsichtigt hatte. Manchen Nachtrag boten noch Diefenbach's Glossaria latino-germanica; ein ziemlich umfangreiches, durch Interpretation und seltene Ausdrücke ausgezeichnetes deutsch-lateinisches Vocabular des fünfzehnten Jahrhunderts, welches im Besitze der Hamburger Stadtbibliothek ist, habe ich von M an vollständig verwertet.

Die auf diese Weise möglich und nötig gewordenen Zusätze und Veränderungen haben auf Plan und Einrichtung des Wörterbuchs keinen Einfluss geübt; höchstens den, dass ich, um den Band die zu einer bequemen Handhabung unumgängliche Grenze des Umfanges nicht überschreiten zu lassen, auf Raumersparnis bedacht sein musste. Hierzu ward ich auch durch eine anderweitige Vermehrung der Artikel genötigt. Um die Brauchbarkeit des Buches zu steigern, habe ich nämlich häufiger, als der Verfasser, Nebenformen eines Wortes als eigene Artikel, mit Verweisung auf die Hauptform, angesetzt. So suchte ich mir denn Platz zu schaffen dadurch, dass ich Zusammensetzungen desselben Bestimmungswortes entweder zu einem Artikel (diesem ersten Compositionsgliede) oder (mit Berücksichtigung der Grundwörter) zu wenigen Artikeln vereinigte, wo nur der bequemen Auffindbarkeit der Wörter kein Eintrag zu geschehen schien, und dass ich manche bloss im speciellen Niederländischen gangbare, dem eigentlichen Niederdeutschen aber fremde Ausdrücke, welchen Lübben Aufnahme gegönnt hatte, ausschied.

Abweichend vom Grossen Wörterbuche, hat der Verfasser Zusammensetzung eines Wortes durch einen Bindestrich zwischen den Bestandteilen angedeutet, dies jedoch nicht auf die suffixartigen Compositionsglieder dôm, heit, schap, bar, haftich, lîk, sam etc. ausgedehnt und es gleichfalls unterlassen, wenn die Teile durch Contraction oder Assimilation enger verwachsen sind. Bei den Präfixen ist er nicht einheitlich verfahren. Während er die unbetonten (be, ent, er, ge) mit Bindestrich versieht, hat er bei anderen, wie es scheint, diesen nur setzen wollen, wenn sie den Ton haben und in Verbalcompositionen vom Grundworte trennbar sind. Ich habe diese Weise durchzuführen versucht, bin aber nicht selten über die Richtigkeit meiner Entscheidung unsicher geblieben, teils weil dies Gebiet der Grammatik überhaupt noch sehr der Untersuchung bedarf, teils weil sich nicht immer beweisende Textstellen auffinden liessen. Auch wird ein Unterschied nach der Zeit zu machen sein: in der älteren ist die Bindung lockerer, der jüngeren dient losere und festere Verbindung zur Entwickelung verschiedener Bedeutungen. Bei einigen Verbalzusammensetzungen, z. B. mit over und under, galt wohl, wie zum Teil noch heutzutage, Trenn- und Untrennbarkeit ohne Begriffsunterscheidung neben einander.

Die Ordnung der Artikel ist alphabetisch, jedoch mit der Einschränkung, dass die Wörter, welche mit F anlauten, unter V, die mit C und Tz (hd. Z) unter S gebracht sind. Bei in- und auslautendem f ist der Verfasser nicht consequent verfahren, weshalb ich mich berechtigt erachtet habe, hier zur Bequemlichkeit des Publicums für die zweite Hälfte des Werkes die alphabetische Trennung von f und v durchzuführen. Doppelconsonanz im Auslaut hat der Verfasser, der bessern Orthographie des Mittelalters folgend, nicht angewendet, allein bei k, wegen der Schreibung ck, häufig davon eine Ausnahme gemacht, so dass man die Wörter bald unter –ck, bald unter –k zu suchen hat. Ich habe nach Analogie der übrigen Consonanten die Vereinfachung zu k festgehalten und danach die in Betracht kommenden Wörter alphabetisch eingeordnet. Für die Schreibung der auf Medien oder Spiranten ausgehenden Wörter sind, wie schon im Grossen Wörterbuche, die aus der mittelniederdeutschen Grammatik bekannten Auslautsregeln beobachtet worden. Für sc oder sk ist, ausser wo diese Consonantenverbindung in- oder auslautend durch Contraction entstanden war, stets sch gesetzt worden. Richtiger wäre vielleicht gewesen, wenigstens auch mit anlautendem scr eine Ausnahme zu machen. Die Scheidung von g und gh ist gleichfalls nicht versucht worden. Im Inlaut sie zu machen, wäre zur Unterscheidung verschieden lautender Wörter eigentlich notwendig gewesen. Von den Vocalen sind die beiden ô (got. au und o) und die beiden ê, resp. ei (as. ê und io) nicht getrennt, sondern orthographisch gleich behandelt worden.

Bei der Ansetzung der Artikel ist durchweg die allgemein-niederdeutsche Sprachform, wie die Sprache der Hansen oder Osterlinge sie vom dreizehnten bis sechszehnten Jahrhunderte bot, bevorzugt worden. Stand die Wahl zwischen mehreren Formen frei, so ward die am längsten herrschende und am weitesten verbreitete und möglichst eine aus der mittleren Zeit vorangestellt. Dialektische Formen hat der Verfasser meist beigefügt, sind von mir jedoch oft wegen Raumersparung im Hauptartikel ausgelassen worden, wenn ihnen aus dem oben angegebenen Grunde ein eigener Platz in der alphabetischen Reihenfolge zuteil ward. Solche mundartliche Abweichungen, deren Kenntnis aus der mndd. Lautlehre vorausgesetzt werden konnte, wie z. B. wenn û statt ô (mhd. uo), î statt ê (mhd. ie) und a statt o in offener Silbe steht, sind nicht immer verzeichnet worden. Seltenere Nebenformen sind hinter die gewöhnlicheren Formen und in Klammer gesetzt. Steht aber die erste Form eines Artikels in Klammer, so ist diese als gemein-niederdeutsch anzusetzen, nur nicht zu belegen.

In der Bezeichnung der Vokallänge ist Lübben im grossen Wörterbuche dem Vorschlage von Jacob Grimm, Grammatik I3, 252, gefolgt, sich derselben nur in geschlossenen Silben und vor Consonantverbindung in offenen Silben zu bedienen. Im Handwörterbuche ist er für e von dieser Regel abgewichen und hat jedes lange e, auch in offener Silbe, mit Circumflex oder Dach versehen. Darin hat er recht gethan. Es ist zu bedauern, dass er nicht weiter gegangen und dasselbe Verfahren ebenfalls bei den übrigen Vocalen oder mindestens bei a und o angewandt hat. Denn die kurzen und langen Vocale sind im Niederdeutschen, wie noch im modernen, so schon im mittelalterlichen nicht bloss quantitativ, sondern auch qualitativ verschieden. Ich habe ein paar Male auch in offener Silbe die langen Vocale a und o mit Circumflex versehen, um zwei gleichgeschriebene Wörter zu unterscheiden. Und ebenso habe ich bisweilen die Tonlängung in geschlossener Silbe durch ā, ē, ō angedeutet. Zuweilen bin ich unsicher gewesen, ob ich e, ē oder ê ansetzen sollte, und nicht immer mag ich das Richtige getroffen haben. Die Endung el in Fremdwörtern, wie padderel, tassel, fardel etc., habe ich nach des Verfassers Vorgang (s. z. B. kordêl) êl geschrieben, doch ist mir nachträglich wahrscheinlicher geworden, dass man ēl zu schreiben und zu sprechen hat. Ebenso habe ich nach seinem Beispiele die fremdländischen Endungen ie (z. B. olie, passie, familie, vitalie) und îe (z. B. ogelie, paperie, faselerie) nicht geschieden.

Der Verfasser war, wie er mehrfach kundgegeben hat, davon überzeugt, dass die mittelniederdeutsche Sprache keinen Umlaut gekannt habe, mit Ausnahme des von a und â, wo die Schreibung e freilich keinen Zweifel zulässt. Demgemäss ist er sowohl im Grossen, wie im Hand-Wörterbuch verfahren. Schiller war, wie wir durch K. Schröder's Mitteilung in der Germania 19, 120 wissen, entgegengesetzter Ansicht. Obwohl ich gleich Schiller und Schröder der Meinung bin, dass bereits im Mittelniederdeutschen der Umlaut auch andere Vocale ausser a ergriffen hat, so durfte ich doch einmal bei Herausgabe von Lübben's Arbeit diese Meinung nicht zur Geltung kommen lassen, und andererseits liegt die Frage noch gar nicht so spruchreif, dass man für jeden einzelnen Fall sicher den Umlaut zu behaupten oder zu leugnen vermöchte. Ist doch seit nicht gar langer Zeit überall erst die Untersuchung über den Umlaut und andere Fragen der mndd. Lautlehre möglich geworden. Früher hinderte der Mangel an Ausgaben der Sprachquellen, besonders an genauen, gewissenhaften. Es ist das Verdienst von Juristen und Historikern, wie Homeyer, Wehrmann u. a., zuerst die Notwendigkeit getreuer Wiedergabe der handschriftlichen Vorlagen erkannt zu haben. Ihnen sind jüngere Editoren, wie z. B. Hänselmann, Koppmann und überhaupt die Waitz'ische historische Schule gefolgt, so dass in ihren Publicationen jetzt schon ein umfangreiches Material für das Studium der Sprache vorliegt. Auf der Thätigkeit der Philologen ruhte dagegen lange wie ein die Entwickelung hemmender Meltau eine aus unzulänglicher Kenntnis des Mittelniederdeutschen abgezogene Normalorthographie und eine Geringschätzung der Weise, in welcher das Mittelalter selbst meinte am füglichsten die Laute des Niederdeutschen darstellen zu können. Das scheint anders werden zu wollen: es mehren sich die lauteren Textausgaben von guten Handschriften und alten Drucken auch aus der schönwissenschaftlichen Litteratur. Meines Bedünkens kann auf diesem Wege fürs erste nicht leicht zu viel geschehen, selbst wenn der ästhetische Wert oder der geistige Gehalt der Dichtungen nur gering sein sollte. Die Folge würde sein, dass die Erforschung der Lautlehre und Grammatik neuen Aufschwung nehmen kann. Man wird sich betreffs jener die Frage vorlegen müssen, ob wir mit Recht ferner die Consonantzeichen f, gh, y, sc, ssch, z, tz und die Vokalbezeichnungen ø und u̸ (NB. nicht a̸, denn dafür hatte man ein e), ij oder y, die Haken oben oder unter den Vocalen, die Stapelung von Vocalen über einander oder ihre Gesellung auf der Linie neben einander einfach ignorieren dürfen, als wären sie bedeutungslose Variationen oder Schnörkeleien müssiger Kalligraphen, und ob wir nicht vielmehr darin den Ausdruck von Lautschattierungen zu erblicken haben. Mit Hülfe der besseren Handschriften wird man die Bedeutung und die Regel dieser mittelalterlichen Orthographie wohl entdecken können. Dann wird es an der Zeit sein, an die Stelle der hergebrachten, zwar bequemen, aber die Sprache mangelhaft und teilweise unrichtig darstellenden Normalschreibung eine neue zu setzen, welche möglichst der mittelalterlichen Schreibweise anzunähern wäre, so dass man z. B. etwa auf den Circumflex, ausser in grammatischen Untersuchungen, Verzicht leisten dürfte.

Dass die Texte, wie bisher nach der alten, so nach einer solchen lautgemässeren Orthographie ohne Rücksicht auf zeitliche und örtliche und individuelle Dialekteigentümlichkeit dann zurecht gestutzt und uniformiert würden, ist nicht zu wünschen und auch wohl nicht zu erwarten. Hingegen ein Wörterbuch kann ohne solche geregelte Orthographie nicht fertig werden; ohne die jetzt geltende wären auch das Mittelniederdeutsche Wörterbuch und das Mittelniederdeutsche Handwörterbuch wahrscheinlich nicht zu Stande gekommen. Daher war mir auch vorgeschrieben, das letztere Werk in der vom Verfasser eingeschlagenen Bahn zu Ende zu führen. Trotz aller angewandten Mühe mag jedoch die Arbeit hie und da Consequenz und Gleichmässigkeit vermissen lassen, was ich für Lübben mit seiner längeren Krankheit, welche in seinen Tod endete, für mich mit der Schwierigkeit zu entschuldigen bitte, welche mit solcher Aufgabe, das Werk eines Andern herauszugeben und zu vollenden, verknüpft ist.

HAMBURG, August 1888.

C. H. F. Walther.

A

a, als Buchstabe fem.

a, interj. ach!

â (aha, ahe), f. Wasser, Gewässer, Strom, Bach, feuchte Niederung.

-â, emphatisch bei Ausrufungen an Partikeln etc. angehängt.

abbadisse, -dische, abdisse, Äbtissin.

abbedie, abdie, Abtei.

abbesate (= ambasiate). Abgesandter.

abbeteke, Apotheke; abbeteker, Apotheker.

abbet, Abt.

abebôk, Abecedarium.

abel, geschickt, passend, tauglich.

abêle (aweele), Pappel (= alber, populus alba;) auch glossiert als abies; als Pflanze: hippia major s. rubra.

abelheit, Geschicklichkeit, Tauglichkeit.

abelike, adv. auf geschickte Weise.

abisse, f. Abgrund, ἄβυσσος.

aborge = ane borge?

abraham, (Mantel)sack; (Geld-beutel; Sackgasse).

abûs, n. Sache die Befremden, Aufsehen erregt.

abuwich u. anbuwich, baufällig.

abuwinge, ungebautes Land.

ach, interj. ach der schande! ach der wedage!

acht, achte, acht; de achte dach, die Octave eines Festes; de achte dage, die ganze Woche nach einem Feste.

acht, achte, f. Acht, Verfestung des Königs; achtbrêf, Schreiben, das die Acht öffentlich verkündigt.

acht, achte, f. 1. Acht, Aufmerksamkeit, Sorgfalt. 2. Art u. Weise, ratio. 3. Ansehen, Achtung. 4. Rang, Stand, Stellung im Leben. 5. die in gleicher Stellung stehenden, Genossenschaft. mine acht, Leute meines Ranges u. Standes. 6. Beratung, bes. der Genossenschaft, der Urteilsfinder, Freunde; acht bidden, um Beratung (mit Freunden, Rechtsbeiständen) bitten; an ene achte gân, sich mit seinen Freunden etc. beraten; concret. die Achtsleute. 7. Beschluss der Genossenschaft, Urteil, Weistum. 8. Gerichtsversammlung, placitum. 9. der Bezirk des Gerichtes, der Genossenschaft. 10. Bedenkzeit, Rechtsfrist, spatium deliberandi; überh. Frist.

acht(-, ach-, ac)bar, ansehnlich, herrlich, bes. als Titelbezeichnung grosser Herren. – acbar maken, autenticare, eine Urkunde als authentisch bezeichnen.

achtbarheit, Ansehen; ceremonielle Weise.

achtbarlik, ansehnlich, achtungswert; -liken, adv. honorabiliter.

achtede, der achte. de achtede (oder achte-) dach, die Octave eines Festes.

achtegede, achtzehnte.

achtehalve, sieben und ein halb.

achtelink, eine kleine Münze, 5½ Pf. (= kortelink).

achten, sw. v. 1. rechnen, zählen, die Zahl überschlagen, schätzen, taxieren. 2. berücksichtigen. 3. aufmerksam auf etwas sein, achten, besorgen. 4. beraten. 5. erachten, glauben.

achtendêl, Achtel einer Tonne.

achtentich, achtzig.

achter, m. Abschätzer, Taxierer.

achter (achtere) u. echter, m. der in der Acht befindliche, proscriptus.

achter, präp. mit Dat. u. Acc. 1. hinter; -längs, durch-hin, achter (den) straten, per vias; achter lande, per terram; de achter lande lopet, erraticus; adv. achter landes. 2. zeitlich: nach.

achter, adv. 1. hinten; van achter to, von hinten her; achter af, hinterwärts, zurück. 2. zeitlich: später, nachher. 3. modal: to achter, a retro; to a. bringen, zurück (nicht vorwärts) bringen (bildlich); to a. gân, zurückgehen (weniger Einnahme, Gewinn etc. haben); mit Gen. verlustig gehen; to a. komen, Abnahme erleiden, verlieren; to a. sîn, im Rückstande sein, frz. être en arrière; mit Gen. oder mit an: Forderungen an jemand haben.

achter, adj. hinter; Comp. achter u. echter; Superl. achterste u. echterste.

achterbakes, adv. hinter-rücks.

achterbliven, unterbleiben; a. laten sein lassen.

achter-bort, f. Nachgeburt.

achterdeken, subdecanus.

achterdêl, Hinterteil; bildlich (Ggs. zu vordêl): Nachteil, Schaden.

achterdenken, Hintergedanke.

achterebbe, die letzte Zeit der Ebbe.

achtergerede, Schwanzriemen der Pferde (postela).

achterhalves, hinterrücks (von der Hinterseite her).

achterhode, f. Nachhut.

achterhol, n. After.

achterholt, m. u. n. Hinterhalt.

achterhoren, verleumdet werden.

achterklap, üble Nachrede, Verleumdung.

achterklappen, afterreden, verleumden.

achterklapperie u. achterklappinge, Verleumdung.

achterklapper, Verleumder.

achterkolsen, verleumden.

achterkolser, Verleumder.

achterkopen, verleumden.

achterkoper, Verleumder.

achterkosen, afterreden, verleumden.

achterkoser, Verleumder.

achterkoserie u. achterkosinge, Afterrede, Verleumdung.

achter-laten, hinter-, zurücklassen; versäumen, unterlassen, übergehen.

achterlatenisse u. achterlatinge, Versäumung, Sünde.

achterlogene, Verleumdung.

achtern u. echtern, sw. v. hintansetzen, entfernen; refl. zurückbleiben.

achterna, adv. hintennach, hinterher.

achterpart, Hinterteil.

achterport, Hinterpforte, After.

achterrât, späterer Rat.

achter-rêp, Hinterseil, Schwanzriemen (postela).

achter-sele, Hintersiele, Hinterriemen, postela; die schwerste Stelle im (vierspännigen) Zuge. in de a. komen, bildl.: zurückkommen, in seiner Nahrung Abnahme leiden.

achterspil, Ehebruch.

achtersprake, -spreke, Afterrede, Verleumdung.

achterspreken, afterreden, verleumden.

achterspreker, Verleumder.

achterstân, zurückstehen, rückständig sein.

achterstedich, rückständig.

achterstellich, zurückbleibend; rückständig.

achterstendich, rückständig.

achter-terden, umgesetzt für: achtertreden, zurücktreten.

achtertow, Hintertau (Ggs. vor-tow).

achter-ût, hinten-aus.

achtervlôt, die letzte Zeit der Flut.

achtervoget, Untervogt.

achtervolgen, nachfolgen, nachkommen; verfolgen, bes. im jurist. Sinne, eine Sache, Klage etc.; bei versessener Rente den Eigenthümer eines Hauses zum Verkauf treiben.

achterwaren, bewahren, beschirmen.

achterwascher, Hinterkläffer, Verleumder.

achterwech, Rückzug, Rückweg.

achterwegen bliven, unterbleiben; a. laten, unterlassen.

achterwert, -wart, -wort, hinterwärts, zurück.

achterwort, üble Nachrede.

achtesman, Plur. -lude, der zur Beratung gezogen wird, Teilnehmer einer Acht, Schöffe etc.

..achtich und -echtich, Adjectivendung, entw. von acht (Art oder Weise) oder = (h)aftich.

achtinge, f. (Rechnung) 1. Achtung, Aufmerksamkeit. 2. Wertschätzung. 3. Stand.

achtinge, Ächtung.

achtlos = echtlos.

achtwort, s. echtwort.

acker, m. auch n. beackertes Land.

ackeren, sw. v. ackern, ackertlant, Ackerland.

ackeren, n. Eichel; Eichelmast. s. auch eckeren.

ackerenval, Eichelnfall; Eichelmast.

ackerkrût, agrimonia.

ackerman, Plur. -lude, Ackersmann, Bauer; auch Benennung der Bachstelze, bes. in der Deminutivform: ackermänneken.

ackermome, Ackermuhme, d. i. die Frau, die in einer grösseren Wirthschaft auf das Vieh und die Mägde achtet. s. mome.

ackerpage, Ackerpferd.

ackerrecht, Ackerzins.

ackertrad, polygonum aviculare?

ackervent, s. vent.

ackerwerk, n. concr. alle Ländereien, die mit dem Pfluge bearbeitet werden.

ackét (aket), Nachstellung, Hinterlist, insidiae.

adebar (und edebar, edebere), m. Storch.

adebars-brôt, Geranium Robertianum; Iris Pseudacorus.

adebars-kasber (Storchkirsche), Ribes nigrum.

adebars-snavel, Storchschnabel; Geranium Robertianum.

adebars-nibbe, Delphinium consolida u. Geranium cicular.

adek(e), Attich, ebulus.

adel, ags. adul, Stollen (im Bergbau).

adel (âl), m. Geschwulst, Geschwür, bes. Fingergeschwür, panaritium.

adel (addel, eddel, iddel), ags. adele, zusammengeflossene garstige Feuchtigkeit, Jauche, Mistjauche.

adel, m. und n. Abstammung, bes. freie, edle Abstammung; coll. die Adlichen.

adel-arn, edler Aar, Adler.

adelbrêf, Urkunde, welche den freien Stand eines Menschen bezeugt.

adelbroder, echter Bruder.

adeldôm, adellicher, freier Stand.

adelik, adellich, herrlich, vortrefflich.

adelkint, ein Kind von freier Geburt.

adel-, (addel)pôl, Mistpfuhl, Mistpfütze.

adelsone, ehelicher Sohn, Ggs. kevessone.

adem, m. Athem.

ademen, athmen.

ademtocht, Athemzug.

ader, adder (edder), Natter, jede (giftige) Schlange.

ader(e), f. 1. Sehne, Flechse des thierischen Leibes, nervus; Peitsche aus Sehnen gemacht; Rippe in den Pflanzen. 2. Blutröhre, Ader. 3. Plur. das Innere, Eingeweide, Mutterleib. Vgl. inaderen.

ader(e), mhd. eter, Staken, Knüppel, woraus man die Zäune macht. s. eder.

aderen, sw. v. mit Sehnen (Adern) versehen, den Sattel aderen, beziehen und bepolstern; aus Sehnen machen, aderde repe, funes nervicei.

aderich, 1. schlangicht, viperinus. 2. sehnicht, nervosus.

aderkouwen, ârkouwen, wiederkäuen.

ader, (adder) -slange, (tautol. Zstzg.) Natter.

aderstrûk, Strauch oder Knüppel zu Zäunen.

ader-tûn, Zaun aus Adern, Gehegezaun. s. edertûn.

aderen-, aderlater, der zur Ader lässt.

aderensleger, der zur Ader lässt, Schröpfer, minutor.

adermonie, Agrimonia, Eupatoria.

aderwech, Schlangenweg, Schleichweg.

aderwort (Natterwurz), serpentina.

adich, Attich.

admâl = etmâl.

a-drotich, überdrüssig.

â-ducht (adoit), f. Wasserzucht, Abzucht des Wassers, aquaeductus, canalis s. auch agetucht.

advenant, na advenant, nach Verhältnis, frz. à l'advenant.

advente, f. Advent, die Adventszeit.

af, präp. ab, von, von-herunter.

af, ave, adv. ab, herunter, von – weg. af (ave) sîn oder wesen, abwesend sein; abgesetzt sein; abgethan, beendigt sein; los, ledig sein; af hebben, herunter, weg, abgeschafft haben; af unde an, hin und her (räumlich); dann und wann (zeitlich); af of an, ja oder nein (modal); af unde to, hin und zurück; ab und zu; ja oder nein. – Häufig = daraf (wie mede = darmede). Viele Verben werden mit af und dem Dativ verbunden, die nicht so sehr als Composita anzusehen sind, als vielmehr nur bezeichnen sollen, dass eine Thätigkeit zum Nachteil und Schaden oder Leidwesen der durch den Dativ angegebenen Person geschah.

af-asen, abfressen, bildl. rupfen, um sein Gut bringen (?).

af-baden, verlieren, einbüssen? niederlegen (ein Amt)?

af-bate, Abnutz, Nebennutz, unrechtmässiger Vorteil.

af-bede, Abbitte.

af-beholden, -halden, abgewinnen im Wege Rechtens.

af-beiden, abwarten.

af-beraden, ausberaten, abfinden, (Kinder) aussteuern.

af-bernen, abbrennen.

af-bersten, abbrechen.

af-bidden, ab-, erbitten.

af-binden, abbinden, ablegen.

af-biten, wegbeissen.

af-bloten, ab-blössen, (Holz) weghauen.

af-bodelen, -bolen, jem. wegen seiner Ansprüche abfinden (s. bodel, bôl).

af-boren, abheben, wegnehmen.

af-borgen, gegen Bürgschaft abnehmen.

af-borst, Abbruch.

af-bot, Abgebot, Abbestellung.

af-bouwen, beim Bebauen eines Landes einen andern benachteiligen.

af-breke, Abbruch.

af-breken, 1. intr. Abbruch erleiden, abnehmen, kleiner werden (auch unpers. mit Dativ). 2. trans. Abbruch thun, wegreissen, benehmen, abziehen (in der Bezahlung). Refl. sich zurückziehen, nicht länger leisten wollen.

af-breker, Wegnehmer, Räuber, der (den Armen etc.) Abbruch thut.

af-brekicheit, Abbruch, Abgang, (defectuositas).

af-brekinge, Benehmung, Beraubung.

af-brennen, ab-brennen (der Inf. lautet in guten mnd. Quellen stets af-bernen).

af-bringen, 1. wegnehmen. 2. verbringen, verschwenden.

af-bringer, Verbringer, Verschwender.

af-brôk, Abbruch, Schaden, Nachteil; Mangel (der Zahlung von Zinsen etc.)

afbrokich und afbroklich, zum Nachteil gereichend, schädlich.

af-busemen, aus dem buseme (s. d. W.) nehmen; aus der Zugehörigkeit zur Familie, und, auf Leibeigene bezogen, aus der Hörigkeit entfernen, herausnehmen.

af-buten, ab-tauschen.

af-buwede, Abbau, Bebauung einer Bergwerksgrube.

af-dank, Abdank, Niederlegung einer Stelle, (afdanken 1. jem. seines Amtes entlassen. 2. sein Amt niederlegen).

af-degedingen, -dedingen, 1. durch gerichtliche Entscheidung oder Vertrag (Verhandlung) von einem gewinnen oder erzwingen. 2. durch Unterhandlung abwehren, durch Abfindung zufrieden stellen. 3. refl. durch Vergleich von Feinden sich losmachen, kapitulieren.

af-dêl, Abteil, Anteil am Erbe.

af-dêlen, 1. im Wege Rechtens aberkennen. 2. abteilen, als Abfindung zuteilen. 3. verurteilen.

af-delinge, Abteilung; Entscheidung (= schedinge).

af-delligen, -delgen, vertilgen.

af-dênen, durch einen andern Dienst wieder vergelten.

af-dingen, am Preise, an der Schuld etc. etwas abziehen; refl. sich durch einen Vertrag (Unterhandlung) frei, los machen, = afdegedingen.

af-dôn, entfernen, wegschaffen, aufheben; schlachten, töten: refl. mit Gen. oder van. ablassen wovon; sik afdôn van den live, Selbstmord begehen.

af-dorschen, abdreschen, abprügeln.

af-dracht, 1. Entschädigung, Genugthuung. 2. Schaden, Nachteil. 3. besondere, auszeichnende Tracht.

af-dragen, -dregen, 1. ab-, wegtragen; entfernen; abwenden. 2. Abtrag machen, Entschädigung leisten, büssen wofür. 3. Abbruch thun.

af-drechtich, Abtrag thuend, nocivus.

af-dreger, der etwas wegträgt, Ggs. todreger.

af-drenken, ertränken.

af-drepen, ein Abkommen treffen, sich vergleichen.

af-dringen, abdringen, erzwingen; (vom rechten Wege) abbringen.

af-driven, abtreiben; wegtreiben, wegnehmen; auch im Wege Rechtens entziehen.

af-drogen, 1. abtrocknen. 2. austrocknen, das Wasser ablassen.

af-drouwen, 1. durch Drohung nehmen. 2. durch Drohung zum Abzuge bringen.

af-druppe, der unterste Teil des Daches, grunda.

af-dwagen, abwaschen.

af-dwingen, abzwingen, zur Zahlung nötigen.

afermund = overmund, Grosssprecherei, vorlauter Mund (afer, affer häufig = over).

aferwinnen, abgewinnen, benehmen.

af-eten, abessen, abfressen.

affersten = abfristen, (gebührende) Frist gewähren?

affe, Affe. Diese hochd. Form begegnet zuweilen auch mnd.

affen, äffen, höhnen, verspotten, gecken.

affenie = affenheit, fatuitas.

af-entlasten, verstärktes entlasten.

af-engen, abzwingen.

af-eren, abpflügen, durch Pflügen Land benehmen.

af-ermanen, abmahnen, abfordern, exigere.

af-eschen, abfordern, Auslieferung, Übergabe etc. verlangen.

af-evenen, eben, gerade machen, schlichten.

affetucht = avetucht, s. aducht u. ageducht.

af-frien, wegfreien, weg-heiraten.

af-gân, weggehen; aus dem Leben scheiden, sterben; abnehmen (vom Monde etc.); verloren gehen; abgehen, nicht zu Stande kommen; loskommen, sich der Anklage entledigen. – Mit Gen. (u. Acc.) verlassen, aufgeben, verzichten, sich entäussern. – Trans. gehend erreichen (auch bildlich: bekommen).

af-gank, Abgang, das Abgängig-werden.

af-gedinge, Loskaufung eines Unfreien, Freigebung.

af-gelden, abkaufen, bezahlen; refl. sich loskaufen.

af-gnagen, abnagen.

af-godesch, abgöttisch, Abgötter anbetend.

af-godie und af-goderie, Abgötterei.

af-got, Plur. af-gode, Abgott; fem, af-godinne.

af-graven, weg-graben.

af-gripen, weggreifen, gefangen nehmen.

af-grunt, -grunde (Genus wechselnd), Abgrund.

af-grundich, tief (wie ein Abgrund).

af-guden, jem. wegen seiner Ansprüche abfinden.

af-gunst, -gunsticheit, Ab-, Misgunst.

af-hagen, durch Setzung eines lebendigen Zaunes Land wegnehmen.

af-halven, abseits, s. halve.

af-handelen, durch Verhandlung bestimmmen, festsetzen.

af-handelinge, (endliche) Festsetzung, Abschluss der Unterhandlung.

af-hansen, mit harten Worten jem. schelten.

af-harden, -herden, abmahnen, Ggs. an-, toherden.

af-hardich (Ggs. vul-hardich), nicht ausdauernd, überdrüssig.

af-heimisch, aus der Heimat abwesend.

af-heimischeit, Abwesenheit aus der Heimat.

af-heldich, geneigt, abschüssig, proclivis.

af-heldicheit, Abhängigkeit, Abschüssigkeit, proclivitas.

af-henden, abhanden; van affhenden bringen, verloren gehen lassen, beiseite schaffen.

af-hendich, nicht vorhanden, nicht anwesend, verloren. a. maken, wegnehmen (Privilegien, Bullen etc.). a. werden, verloren gehen. Refl. sik a. maken, sich entfernen.

af-hoden, abweiden.

af-holden, im gerichtl. Sinn: abwehren, eine Beschuldigung von sich weisen.

af-holt, besonders aus der allgemeinen Holzmark ausgeschiedenes Gehölz; Abgang vom Holz, Fallholz.

af-horen, erhorchen.

afhoste (afhuste, afhorst, afhoster), Kleinzehnte, decima minuta; wahrscheinlich ein Blutzehnte (vom Jungvieh), syn. mit aftegede.

af-houw, Abhieb.

af-houwen, abhauen; bes. den Kopf abhauen, hinrichten durch Köpfen; bildl.: einstellen, aufhören mit etwas.

af-houwer, ein Schmiedewerkzeug?

af-huden, abhäuten.

af-huren, abheuern, abmieten.

af-jagen, abjagen (Raub, gestohlenes Gut etc.).

af-jeger, der geraubtes oder gestohlenes Gut dem Räuber oder Diebe abjagt.

af-kennen, sein Amt niederlegen, = af-kesen.

af-keren, weg-, abwenden, verhüten.

af-kerich, abwendig, nicht geneigt, feindselig.

af-keringe (afkerent, afkêr), 1. Abwendung, Abfall. 2. Widerwille, Aversion.

af-kesen, (den Dienst) aufsagen, das Amt niederlegen, abdanken; von Bauern: freiwillig abziehen von einem Hofe.

af-kesinge, Amtsniederlegung.