D. Christian Tobias Ephraim Reinhards,

Königl. Preuß. bestätigten Heilarzts und Stadtphysici
in der Herzoglich-Fürstlich-Lobkowitzischen
Residenzstadt Sagan,

Satyrische Abhandlung
von den
Krankheiten
der
Frauenspersonen,
welche sie sich
durch ihren Putz und Anzug
zuziehen.

HORAT.

— — Ridendo dicere verum,

Quis vetat?

Glogau und Leipzig,

bey Christian Friedrich Günthern,
1756.


Sinngedichte.

Die große Klugheit mancher Weiber

Geht weit, weit über die Natur:

Verschönern sie nicht ihre Leiber?

Nein sie verderben solche nur.


Dem
Durchlauchtigsten Fürsten
und Herrn,
HERRN
Ferdinand Philipp,
Herzoge zu Sagan in Schlesien,
des H. R. R. Fürsten und Regierer des
Hauses Lobkowitz,
Gefürstetem Grafen zu Sternstein,

Herrn
der Herrschaften Chlumnitz, Gystebnitz,
Raudnitz an der Elbe, Mühlhausen,
Entzowan und Unterberzkowitz,

Erbherrn
der Herrschaften zu Bilin, Liebshausen,
und Miersowitz;

Sr. Kais. und Kön. Maj. hochbetrautem
wirklichen Kammerherrn,

Meinem gnädigsten Fürsten

und Herrn Herrn.


Durchlauchtigster Herzog,

Gnädigster Fürst

und Herr, Herr!

Schon längst haben Sich Ew. Durchlaucht vermöge Ihrer tiefen Einsicht in die Wissenschaften, den Namen eines klugen Fürstens erworben. Und schon längst ist Ihnen, wegen Ihrer besondern Mildthätigkeit, von Ihren getreuen Unterthanen der ruhmvolle Beyname eines gütigen Landesvaters beigelegt worden. Und ich habe mir die Freyheit angemaßt, der Nachwelt davon Nachricht zu geben.

Bloß diese vorzüglichen Fürstentugenden sind die eigentlichen Triebfedern gewesen, vermöge deren ich angetrieben worden bin, gegenwärtige Schrift zu den Füßen Ew. Durchlaucht zu legen, um Ihnen dadurch meine Unterthänigkeit und Ehrfurcht öffentlich bezeugen zu mögen.

Allein ich würde nur gar zu eitel scheinen, wenn ich mir einfallen lassen wollte, daß ich durch diese schlechte Bemühung meine Absicht vollkommen erreicht, und meiner Pflicht eine völlige Genüge geleistet hätte. Nein, ich sehe es vielmehr nur gar zu wohl ein, daß meine Arbeit viel zu geringe sey, als daß ich mich mit der Hoffnung schmeicheln sollte, daß solche von einem Fürsten eines gnädigen Anblicks gewürdiget werden könnte.

Aber eben diese Erkenntniß würde mich ganz gewiß strafbar machen, wenn die Großmuth, welche nur Ew. Durchlaucht eigen ist, nicht gewohnt wäre, meiner Kühnheit gnädigst Nachsicht zu ertheilen. So groß ist das Vertrauen, welches sich einzig auf eines gütigen Fürstens Gnade gründet, dessen Genuß ich vor das größte Glück halten, und für dessen Erlangung ich in heiligster Ehrfurcht, mit aller Unterthänigkeit ewig seyn werde

Ew. Durchlauchtigkeit

Sagan,
den 18. d. Christmonats
1755.

demüthigster
Knecht,
Christ. Tob. Ephr. Reinhard


Vorrede.

Da ich in mir einen innerlichen Beruf und ganz besondern Trieb verspüre, die Thorheiten des schönen Geschlechts, womit sie ihrem liebenswürdigen Körper nur gar zu vielen Schaden zufügen, zu erzählen, ihm solche als abgeschmackt vorzustellen, lächerlich zu machen, und ihm die Wahrheit in etwas ernsthafter, als ich sonst gewohnt bin, zu sagen; so kann ich ohne große Mühe gar wohl von selbst einsehen, daß ich das Unglück haben werde, mich ihrer Freundschaft vielleicht gänzlich verlustig zu machen. Allein ich bin gleichwohl so glücklich gewesen, in meinem Leben durch die Erfahrung so viel Einsicht zu überkommen, daß niemand die Wahrheit mit größerm Widerwillen anzuhören und zu vertragen gewohnt sey, als unsre Schönheiten. Aber würde ich mich nicht auf eine recht grobe Art an den schönsten Geschöpfen versündigen, wenn ich so unverschämt seyn wollte, diese weibliche Schwachheit allen Frauenspersonen ohne Unterschied zur Last zu legen. Ich weis, daß einige so viel Verstand besitzen, es gar wohl zu erkennen, daß ihnen annoch nur gar zu viele Menschheit anklebe. Mir selbst sind Beispiele solcher Schönen zur Genüge bekannt, welche die Wahrheit gar wohl anhören konnten, ohne darüber einen Verdruß bey sich spüren zu lassen, und ohne deswegen einen Haß auf diejenige Person zu werfen, die sich so aufrichtig gegen sie aufführte, ihnen, ohne zu heucheln, mit einer ungezwungenen Freymüthigkeit das Unanständige unter die Augen zu sagen. In Wahrheit, manche Schönen haben einen mehr als männlichen Geist: denn sie wissen es nicht nur mit einer Gelassenheit anzunehmen, wenn man ihnen diejenigen Schwachheiten, so sie an sich tragen, in ihrem wahren Wesen vorhält, sondern sie sind auch so verständig, den festen Entschluß zu fassen, im Ernste sich von solchen Schwachheiten loß zu machen, um andern keine Gelegenheit über sie zu spotten zu geben.

Da ich nun als ein Arzt sehr wohl weis, daß es meine Schuldigkeit sey, alle diejenigen Thorheiten mit einer Dreistigkeit zu sagen, wodurch dem menschlichen Geschlechte nur gar zu viele Gelegenheit, in Krankheiten zu verfallen, gegeben wird; so würden sich die Schönen an mir auf eine höchst unerlaubte Weise vergehen, wenn sie darum eine Bosheit gegen mich in ihrer Brust hegen wollten, weil ich so gewissenhaft gegen sie gehandelt hätte, sie für dem Schädlichen zu warnen, um ihren artigen Körper gesund erhalten zu mögen. Würde es nicht eine unverantwortliche Sünde seyn, wenn man wider einen Gesetzprediger darum in Grimm gerathen wollte, weil er unsers Seelenheils zum Besten, die Laster, welche doch nur Hindernisse der Seligkeit sind, bestraft, und als abscheulich vorgestellt hätte?

Ich bin also, bloß mein Gewissen frey zu machen, kraft meines tragenden Amts, mit mir einig geworden, aus lauter Liebe zu dem schönen Geschlechte, und ihrer schätzbaren Gesundheit zum besten, diejenigen Krankheiten abzuhandeln, welche sie sich durch ihren Ausputz und Anzug zuzuziehen pflegen. Die Schönen werden es sich also nicht zuwider seyn lassen, wenn ich von ihren Haupthaaren anfange, und an ihrer kleinen Zehe erst wieder das Ende mache. Sie werden es nicht übel nehmen, wenn ich bey Gelegenheit ihren Putz durch schalkhafte Einfälle und spöttische Ausdrücke bis zum Verlachen beschreiben werde. Genug, daß ich dieses alles ihrer schätzbaren Gesundheit wegen unternehme.

Doch ich muß den Schönen gleichwohl, ohne, daß mich jemand hierzu nöthiget, Rechenschaft geben, und ihnen den Bewegungsgrund eröffnen, welcher mich zu dieser Arbeit gereizet hat. Ich sehe mich nun von selbst verbunden, ihnen mein Bekenntniß abzulegen, und, ohne roth zu werden, zu gestehen, daß mich keine andre Ursache auf diese Gedanken gebracht, als weil ich gesehen und wahrgenommen habe, daß kein Geschlechte weniger mit seinem Körper zufrieden sey, als das weibliche, da ihnen doch das ewig weise Wesen aus ganz besonders weisen Absichten keinen bessern hätte zueignen können. Aber ob sich unsre Schönheiten nicht durch ihre Bemühung, ihrem Körper ein ander Ansehen zu geben, an ihrem Baumeister vergehen, will ich zwar eben so frey nicht sagen:

doch denken mag ichs wohl?

Ich glaube ganz gewiß, daß man sich auf allen höhern Schulen in allen Facultäten Raths erholen würde, um gewiß erfahren zu mögen, ob dasjenige Frauenzimmer nicht für ein Monstrum zu halten sey:

Denn nur ein Glied zu viel macht schon ein Monstrum aus,

welches an den Ohren mit Ohrgehängen, oder im Angesichte mit schwarzen Muschen, welche halbe und volle Monden vorstellen, gebohren worden wäre? Würden die Eltern solcher Kinder nicht alles drauf wenden, um diese Flecken aus dem Angesichte loß zu werden, und diese Ohrgehänge von den Ohren weg zu bringen? Und dennoch ist mancher Menschen Narrheit so groß, daß sie, um schöner zu scheinen, ihre Ohrläpchen mit einer zahlreichen Menge von Steinen beschweren, und fast alle himmlische Körper in ihr Angesicht kleben. Mich hat es schon lange gewundert, warum das artigste Geschlecht nicht längstens auf den seltsamen Einfall gerathen ist, sich, statt der ganz und halbmondförmigen Schminkpflästerchen, den ganzen Thierkrais, oder nur einige davon, als den Drachen, den Scorpion, den Löwen in das Angesichte zu setzen, und ihre Ohrläpchen statt der steinernen Ohrgehänge lieber mit einem ganzen Geläute von Schellen zu behängen. Denn durch diesen Putz würde man eine Schöne bald von weiten kommen hören, und ihr also durch Abnehmung des Huts und durch eine höfliche Verbeugung des Leibes, die schuldige Hochachtung zu erweisen, nicht so leichte vergessen können. In Wahrheit, dieser Zierath würde keine Schande vor unsre Schönheiten seyn. Trug doch ehedem der Hohepriester bey den Juden auch Schellen, ob er schon selbige nicht an seinen Ohrläpchen, sondern nur an dem Saume seines Rockes trug. Und also würden ja die Schönen was recht besonder vorzügliches für den Männern zum Voraus haben, und dieses darum, weil sie die Schönen wären. Doch an gehörigen Oertern werde ich mich deutlicher davon auszudrücken nicht viel bitten lassen. Ich werde also in meiner mir vorgenommnen Abhandlung von den Krankheiten der Schönen, denen sie vermöge ihres Putzes und Anzuges unterwürfig seyn müssen, nachfolgende Ordnung beobachten: Meine ganze Arbeit will ich vor das erste in zween Theile abtheilen, und diese zween Theile sollen aus drey Büchern bestehen. Der erste Theil wird nur ein einziges, und zwar das erste Buch in sich begreifen, welches alle diejenigen Krankheiten enthalten wird, welche von dem Putze des Kopfes überhaupt zu entstehen gewohnt sind, aber in eben diesem ersten Buche werde ich drey Abschnitte machen, davon der erste Abschnitt alle diejenigen Ungelegenheiten darthun soll, welche von dem Haarputze herkommen. Der andre Abschnitt wird diejenigen Verdrießlichkeiten erzählen, welche von der Verschönerung des Angesichts ihren Ursprung haben. Und endlich soll der dritte Abschnitt alles dasjenige Unheil zeigen, welches der Auszierung des Halses ihr Daseyn schuldig ist. Der andre Theil wird derjenigen Krankheiten Erwähnung machen, welche insgemein von dem Putze und der Bekleidung des Oberleibes, und des Unterleibes so wohl, als der Hände und Füße ihren wesentlichen Ursprung ableiten. Dieser andre Theil nun wird zwey Bücher, nämlich das andre und dritte Buch in sich fassen. Das andre Buch soll bloß diejenigen Krankheiten erklären, welche von dem Putze und Anzuge des Oberleibes so wohl als des Unterleibes abstammen. Und endlich wird dieses andre Buch in zween Abschnitte abgetheilt seyn, davon der erste Abschnitt diejenigen unangenehmen Empfindungen erwähnen wird, welche ihren Grund in der Bekleidung und Auszierung des Oberleibes haben. Der andre Abschnitt soll diejenigen Verdrüßlichkeiten der Reihe nach anführen, welche wegen des Anzuges, und des Ausputzes am Unterleibe zum Vorscheine kommen. Das dritte Buch wird überhaupt diejenigen Krankheiten abhandeln, welche dem Ausputze der Hände, und der Bekleidung der Füße ihre Erzeugung zu danken haben. Ich werde in diesem dritten Buche ebenfalls zween Abschnitte machen. Der erste Abschnitt wird diejenigen Krankheiten in sich fassen, welche von dem Putze und der Auszierung der Hände entstehen. Und zuletzt soll der andre Abschnitt von denjenigen Verdrüßlichkeiten reden, welche von der Bekleidung der Füße erzeugt werden. Jeder Abschnitt aber wird seine eigene und besondere Kapitel zählen. Im übrigen will ich mir meine ganze Arbeit also einzurichten angelegen seyn lassen, daß ich das Ernsthafte durch unerwartete Einfälle und scherzhafte Ausdrücke angenehm mache. Und endlich werde ich alle Sorgfalt anwenden, damit ich nicht etwa die Gesetze der Bescheidenheit übertreten, oder wohl gar ungezogen scheinen möge, und also, da ich an andern Laster bestrafe, selbst in Thorheiten verfalle, und wie manche Kirchenlehrer predige, und doch selbst verwerflich werde, dafür mich die Bescheidenheit in Gnaden behüten wolle! und vielleicht auch bewahren wird, es wäre denn, daß meine Menschheit stärker als mein Verstand und meine Weisheit geworden wäre. Und gesetzt, daß ich auch aus Schwachheit einen Fehler begienge; so würde man, wo nicht Religion, doch gleichwohl so viel Menschenliebe gegen mir zeigen, und mir eine oder ein paar menschliche Kleinigkeiten vergeben können, es müßte denn seyn, daß man sich recht theologisch gegen mir aufführen, und mir meine Menschlichkeiten nicht verzeihen wollte, darum weil ich selbst kein theologisches Gesichte, sondern gar wie Stax wäre, denn nur

Stax ist ein Mann nach neuster Art, und ein recht wunderbarer Christ,

Der lieber mit den Karten spielt, als in der alten Bibel liest,

Der lieber bey den Mägdchen sitzt, als auf der Kanzel steht und lehrt,

Der lieber trinkt, ißt, scherzt und küßt, als sitzt und andre Beichte hört.

Wie glücklich ist man nicht, wenn man wie dieser theure Lehrer lebt

Der als ein seltner Gottesmann sich selbst in dritten Himmel hebt,

Und der uns einen neuen Weg, zu einem bessern Himmel weist;

Dafür ihn die Nachkommenschaft schon gegenwärtig heilig preist.

Doch es muß einst in Ewigkeit gewiß sein glänzend heller Schein

So wie die lange Thomasnacht, in der kein Stern und Mond glänzt, seyn.

In Wahrheit, wenn man es aus diesem Bewegungsgrunde thun, und mir nicht erlassen will, so wird man zwar auf Seiten seiner Recht zu haben glauben; ich aber würde einem solchen dennoch diese Höflichkeit mit einer anständigen Großmuth verzeihen, und lieber keinen griechischen Namen führen, als auf gut deutsch unhöflich heißen wollen.

Doch es ist die höchste Zeit, von meiner Ausschweifung abzulassen, und mit mehrerer Ernsthaftigkeit die Hand an mein vorgesetztes Werk zu legen, um nicht ohne Noth überflüßig weitläuftig zu werden.


Innhalt.

[Der erste Abschnitt.]

Von den Ungelegenheiten, welche von dem Haarputze herkommen, hat fünf Kapitel, nämlich:

[Das 1 Kap.] von den Verdrießlichkeiten, welche von den Pudelköpfen zu entstehen gewohnt sind, §. 1.

[Das 2 Kap.] von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und Aufbrennen der Haare des Kopfs verursachen, §. 7.

[Das 3 Kap.] von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren, und Einpudern der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen, §. 14.

[Das 4 Kap.] von den üblen Zufällen, welche ihren Ursprung von dem Färben der Haare haben, §. 23.

[Das 5 Kap.] von den Beschwerungen, die von den Kopfzeugen entspringen, §. 29.

[Der zweyte Abschnitt.]

Von den Krankheiten, welche von der Verschönerung des Angesichts ihren Ursprung haben, begreift neun Kapitel in sich, als:

[Das 1 Kap.] von den Ungelegenheiten, welche von den Schminkfleckchen zu entstehen pflegen, §. 34.

[Das 2 Kap.] von den Beschwerlichkeiten, welche von der rothen Schminke des Angesichts erzeugt werden, §. 39.

[Das 3 Kap.] von den üblen Zufällen, welche von der blaßmachenden Schminke des Angesichts herkommen, §. 44.

[Das 4 Kap.] von den Unbequemlichkeiten, die von der Bemühung, der Haut eine Zärtlichkeit zu wege zu bringen, ihren wesentlichen Ursprung haben, §. 52.

[Das 5 Kap.] von den Ungelegenheiten, welche den Schönen zustoßen, wenn sie sich die Sommersprossen vertreiben, §. 56.

[Das 6 Kap.] von den unangenehmen Empfindungen, welche die Schönen leiden, indem sie sich eine hohe Stirne zu machen beschäftigen, §. 69.

[Das 7 Kap.] von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfärben der Augenbraunen entspinnt, §. 72.

[Das 8 Kap.] von den schädlichen Folgerungen, welche von dem Weißmachen der Zähne entstehen, §. 76.

[Das 9 Kap.] von den Unpäßlichkeiten, welche von dem Löcherstechen in die Ohrläppchen, zum Ohrgehängtragen, herkommen, §. 81.

[Der dritte Abschnitt.]

Von den Krankheiten, welche von der Auszierung des Halses ihren Ursprung haben, enthält fünf Kapitel, nämlich:

[Das 1 Kap.] von den Verdrießlichkeiten, die zu entstehen pflegen, weil das schöne Geschlecht den Hals entblößt zu tragen gewohnt ist, §. 86.

[Das 2 Kap.] von den Gefährlichkeiten, welche von der Zartmachung der Halshaut entstehen, §. 89.

[Das 3 Kap.] von dem Schaden, welcher sich äußert, wenn die Sommersprossen und Leberflecke des Halses mit äußerlichen und schädlichen Sachen vertrieben werden, §. 92.

[Das 4 Kap.] von dem Unheile, welches daher zu kommen pflegt, wenn sich das Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Kröpfe vertreiben läßt, §. 95.

[Das 5 Kap.] von den üblen Umständen, welche von der Weißmachung der Halshaut abstammen, §. 99.


Anakreontische Ode,
die fünf Sinne.

Weg Schnupftaback, weg Dose!

Nur der Geruch der Rose

Soll meine Nas' erfreun:

Wenn ich bey meinem Kinde

Den Duft der Ros' empfinde,

Möcht ich ein Naso seyn.

Erblick ich schöne Kinder,

So wünsch ich mir nicht minder

Dem Argus gleich zu seyn.

Schmeck ich den Saft der Trauben,

So wollt ich, könnt ihrs glauben?

Flugs lauter Zunge seyn.

Hör ich die Nachtigalle,

Wünsch ich bey ihrem Schalle

Nichts als nur Ohr zu seyn.

Laßt mich bey Scherz und Spielen

Mein Mägdchen Küsse fühlen

So bin ich das Gefühl:

Denn von dem Reiz der Küsse

Fühlt Herz, Mund, Händ und Füße,

Ja gar ein jedes Glied.


Sinngedichte,

auf einen Zänker.

Ein Zänker nahm sich jüngst ein Weib

Zu seinem Zeitvertreib,

Um junge Zänker zu erzeugen:

Doch ich will lieber schweigen.

Auf das Glück.

Warum schenkt denn das blinde Glück den Tummen so viel Geld?

Darum, weil sich der Kluge durch seinen Witz erhält.

Auf den Batill.

Seit dem Batill beweibet ist, liest er stets in der Bibel,

Er faßt, singt, beth und seufzt: O Herr, erlös' uns von dem Uebel!

An den Gargill.

Warum pflegt den Gargill am Kragen

Tafeln des Gesetz's zu tragen?

Darum, weil sie der theure Mann

So wie er soll nicht halten kann.

Auf den unbenabelten Adam.

Warlich es ist keine Fabel,

Adam hatte keinen Nabel

Aber doch Verstand genug:

Cain aber Seth und Abel,

Und wir Menschen haben Nabel,

Aber sind wir drum nicht klug?

An den Stax.

Gesetzt, es mangelte Herr Staxen im Gehirne

Was schadts hat er doch Geld genug,

Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,

So heißt der tümmste Ochse klug.

An den Mäv.

Wohin! wohin so schnell! ich geh, sprach Mäv im Lachen:

Den Kirchhof bucklicht, ihn, und auch mich reich zu machen.

Auf einen Schmausegern.

Soll dich Herr Schmausegern auf allen Straßen preisen,

So laß ihn nur fein oft an deiner Tafel speisen:

Denn füllst du ihm den Bauch, befeuchtst du ihm den Schlund,

So macht er deinen Ruhm geheimsten Oertern kund.

Auf die Weiber.

Heimlichkeiten sind bey Weibern, wie das Wasser in dem Siebe.

Welch ein Wunder! wenn in beyden das ihn Anvertraute bliebe.

Auf den Stax.

Wären Staxens Wissenschaften seinem losen Maule gleich,

O so wär er am Verstande, so wie am Vermögen reich.

Auf ein böses Weib.

Ein böses Weib ist ein abscheulich Ungeheuer

Sie ist vor einen Mann ein wahres Fegefeuer:

Denn wär sie eine Höll, ey welch ein Herzeleid!

So würde nie ein Mann von seiner Quaal befreyt.

Auf den Mops.

Mops läuft sehr gut, doch denkt er tumm,

So folgbar kann man sicher schlüßen,

Mops habe den Verstand in Füßen.

O tummer Mops, so kehr dich um!

Denn wirst du auf dem Kopfe stehn

Und nicht mehr auf den Füßen gehn.

Wirst du zwar klug zu denken wissen,

Doch schlechter gehn als auf den Füßen.

Auf die Gerechtigkeit.

Vor Gerichten geht es leider! welch ein Unglück gar zu schlecht,

Ständ das Recht auf einem Fuße, o so hätte mancher Recht!

An seine F * *

Wenn sich mein Weibchen krank befind

So ist sie ein recht gutes Kind:

Doch nähm sie Gott in Himmel ein

So würde sie weit besser seyn.

An die Thais.

Thais will noch Jungfer heißen, machts der Nachwelt offenbar;

So hieß Eva immer Eva, ob sie schon gefallen war.

An den Thraso.

Von Sagen hat man oft Gefahr

Von Sagen wird man viel betrogen:

Denn wären alle Sagen wahr

So hätte Thraso nie gelogen.

An den Stolp.

Warum hat Stolp, der zänksche Mann, ein böses Weib gefreyt?

Darum, weil sich durch öftern Zank die Liebe stets verneut.

Auf eine böse Frau.

Man lobt die Stachelnuß, wenn man den Kern genießt,

Und eine böse Frau, wenn sie gestorben ist.

An den Knoll.

Warum ist Knoll so sehre grob, und nebst der Grobheit stolz?

Sein Vater war ein Fleischerknecht und er sein krummes Holz.

Auf ein böses Weib.

Ein böses Weib und Wespennest muß man durchaus nicht stören

Sonst wird man nichts als Ungestüm, und lauter Brummen hören.


Das erste Buch,
von den
Krankheiten
des
schönen Geschlechts,

welche

ihr Daseyn überhaupt dem Putze des
Kopfes des Angesichts und des
Halses schuldig sind.


OVIDIUS.

Forma bonum fragile est, quantumque adcedit ad annos

Fit minor.


Sinngedichte.

Clorinde putzt ihr Haupt mit Locken Blumen Bändern,

Und sucht ihr Angesicht durch Schminke zu verändern:

Und warum thut sie das? Um schöner auszusehn,

Und sich in ihrem Putz, als wie der Pfau zu blehn.

Doch schmückte sie statt dem den innern Kopf mit Witze,

So wäre sie der Welt mehr als anitzo nütze,

So würde sie beliebt und weit gesünder seyn:

So aber findet sich bey ihr nur Krankheit ein.


Der erste Abschnitt.

Von

den Ungelegenheiten,
welche
von dem Haarputze
herkommen.

Das erste Kapitel.

Von den Verdrießlichkeiten, welche
von den Pudelköpfen zu entstehen
gewohnt sind.

§. 1.

Um meinem einmal in der Abhandlung, daß die meisten Krankheiten der Frauenzimmer ihren Grund in dem Körperbau dieses Geschlechts habe, gethanen Versprechen nicht zuwider zu handeln, will ich unverändert bey meinem gefaßten Vorsatze bleiben, und den Anfang von den Haaren machen. Es mag meine erste Beschäftigung also der sogenannte Pudelkopf seyn.

§. 2. Habe ich nicht wieder Recht, wenn ich sage, daß das schöne Geschlecht in seiner Tracht über die maßen veränderlich, und auf der Welt niemals mit seines Körpers Zustande vergnügt sey? Man wird mir wider meinen Satz keine Einwendung machen können, wenn ich meinen Lesern die Pudelköpfe entgegensetzen werde. Ist es nicht eine unläugbare Wahrheit, daß sich die Frauenspersonen durch die Pudelköpfe den Männern ähnlich zu machen bestreben? Und sieht eine Frauensperson in Betrachtung des Haupts in ihrem Pudelkopfe einem Manne nicht wie des Phädrus Larve einem Menschengesichte vollkommen gleich? Nur Schade, daß die Schönen nicht auch alle männlichen Verstand unter ihrem Pudelkopfe tragen. Es ist nun einmal schon ein großer Fehler der Weiber, daß sie alle Männer werden wollen: Aber es ist auch ein weit größeres Glück noch dabey, daß sie in Ansehung ihrer Pudelköpfe, zumal wenn sie kein Kopfzeug auf dem Haupte tragen, nur Männer zu seyn scheinen, in der That aber und in Ewigkeit nicht zu Mannsbildern werden können. Doch ich irre, die Schönen haben noch Hoffnung, in Mannspersonen verwandelt zu werden, aber erst vielleicht alsdenn, wenn die Schnecken Flügel bekommen werden. Doch wenn diese Veränderung mit den Weibsbildern vor sich gehen wird, das werden die Kalendermacher am besten zu bestimmen wissen.

§. 3. Doch wieder auf die Pudelköpfe zu kommen. Diese sind heut zu Tage der gewöhnliche Hauptputz unsrer Schönheiten, wie lange aber dieser wohl von ihnen wird beliebet werden, können sie itzo selbst so genau nicht wissen. Ein Pudelkopf ist also derjenige Haarputz, da die Haare des ganzen Kopfs kurz verschnitten, und in Locken, welche rings um den Kopf, der Breite nach, zuweilen aber auch der Länge nach herunter gelegt, mit Seitentouren, und forne über der Stirne mit einem Toupee versehen worden sind. Diese nun nenne ich die wahren Pudelköpfe, die falschen aber sind diejenigen, welche durch Kunst verfertiget werden, und deren sich unsre Schönen eben so wie die Mannspersonen sich der Perucken bedienen. Ich habe mich einsmals fast aus den Odem gelacht, da ich eine gewisse Frauensperson, welche die gütige Natur mit einem goldgelben Haare versehen halte, in einem künstlichen schwarzen Pudelkopfe sah, und gleichwohl an ihr rothe Augenbraunen erblickte. Doch hiervon werde ich mehr Gelegenheit zu reden haben, wenn ich von dem Haarfärben handeln werde. Diese wahren Pudelköpfe, welche ich mit gutem Rechte die natürlichen nennen könnte, sollen sich die Schönen bloß ihrer Bequemlichkeit wegen zu tragen, vorgenommen haben. Denn ehedem, als das Frauenvolk ihre Haare lang und in Zöpfe geflochten trug, mußte es freylich eine Last seyn, diese langen Haare auszukämmen und wieder einzuflechten. Aber um Verzeihung! ihr halbmännlichen Schönen, ich habe den Glauben, daß die Pudelköpfe itzo weit unbequemer sind, als der ehmahlige Haarputz der Frauenspersonen. Was für Ungelegenheiten macht nicht das Haarverschneiden, wie viele Beschwerlichkeiten verursacht nicht das Haaraufkrausen, wie viele Last wird nicht durch das Haaraufbrennen den Schönen aufgelegt, und wie viel Zeit und Geduld wird nicht erfordert, wenn die Haarlocken in Ordnung gelegt, mit Haarwachse u. Pomade eingesalbt und mit Puder überstreut werden? Zehnmal eher würden sie mit dem Auskemmen und Einflechten zu Stande kommen, als einmal mit einem solchem Pudelputze fertig werden. Ich kann mich also unmöglich überreden lassen, daß die Pudelköpfe der Bequemlichkeit wegen, wohl aber um dem Haupte ein besseres das ist, männlicheres Ansehen zu geben, erfunden seyn müsten. Doch ich habe die Ehre denen Schönen im Vertrauen zu sagen, daß sie sich durch diesen Haarputz sehr viele kränkliche Zufälle aufgebürdet haben: und tragen sie noch Zweifel an dem, was ich ihnen hiermit aus Offenherzigkeit in die Ohren gesagt habe; so werde ich mir angelegen seyn lassen, ihnen meine Worte so gleich zu beweisen, um sie von der Wahrheit meines Spruchs recht überzeugend überführen zu mögen. Aber nur Geduld!

§. 4. Da es bey den Schönen noch gewöhnlich war, die Haare zu binden und einzuflechten, konnten die Haare dem Haupte gar wohl denjenigen Nutzen erweisen, zu dem sie die Weisheit des Schöpfers bestimmt hatte. Man hat eben nicht nöthig, ein Gelehrter zu heißen, um es einzusehen, daß der Kopf darum hat mit Haaren versehen seyn müssen, um denselben vor der Kälte zu verwahren; Denn da bey dem Haarputze der Alten die Haare so gebunden wurden, daß solche die Haut des Kopfs näher berührten, und durch solche nähere Berührung der Haut den Kopf besser wider die Kälte, als die itzigen Pudelköpfe, verwahren konnten; so musten freylich die damaligen Schönen wenigern Krankheiten des Haupts unterworfen gewesen seyn, als itzo, da die Haare weiter von der Haut abstehen, und folglich den Kopf nicht so kräftig wider die Kälte sicher machen können. Denn da vermöge dieser Pudelköpfe die kalte Luft und die Macht der rauhen Wittrung die Haut des Kopfs mehr anfällt; so werden die Frauenspersonen auch nothwendig mehrern Krankheiten unterthänig seyn müssen. Es brauch keines weitläuftigen Beweises, daß die Kälte fähig und geschickt genug sey, die Schweißlöcher der Haut zu verschließen. Wenn sich nun aber diese Begebenheit an dem Kopfe zuträgt, so wird die unmerkliche Ausdünstung zurücke bleiben, Anhäufungen, und Stockungen an dem Kopfe erzeugen, und folglich tausend Gelegenheit zu solchen Krankheiten geben müssen, welche in der zurückgebliebenen heilsamen Ausdünstung ihren natürlichen Grund haben.

§. 5. Es werden also bloß aus dieser, und sonst keiner andern Ursache Kopfschmerzen von verschiedener Art, Wasserköpfe, Schwindel, Schlagflüße, Brausen der Ohren, Ohrenzwang, auslaufende und fließende Ohren, Entzündungen, Blödigkeit, ja gar Blindheit der Augen, Stockschnupfen, Zahnschmerzen, Geschwulste und Geschwüre am Zahnfleische, geschwollene Speichel- Hals- Schlund- und Ohrendrüsen, und wohl gar Verstopfungen, Vereyterungen und Verhärtung derselbigen zum Vorscheine kommen. Es werden geschwollene Hälse und Kröpfe, Entzündungen der Muskeln, welche an der Luftröhre, und an dem Schlunde befindlich sind, und folgbar verschiedene Arten der Bräune entstehen. In dem Angesichte aber wird, diese gehemmte Ausdünstung des Kopfs, Blätterchen (vari), verschiedene rosenartige Entzündungen, und andere Verdrießlichkeiten, deren ich nicht einmal Erwähnung zu thun fähig bin, theils aber auch nicht vor gut befinde, um meinen Lesern keinen Ekel erwecken zu mögen.

§. 6. Sehen sie also, meine Frauenzimmer, sehen sie nun bald den Schaden, und die Ungelegenheit ein, welche sie sich als feurige Kohlen, durch diese fälschlich eingebildete thörichte Bequemlichkeit, des heut zu Tage gemein gewordenen Haarputzes der Pudelköpfe, auf ihre Häupter gesammlet haben? wird nun nicht bald die Reue ihr Herz einnehmen, daß sie, wie Eva nach dem Apfel des verbotenen Baums so lüstern gewesen sind, in Ansehung ihres Kopfs den Mannspersonen ähnlich zu werden? Doch vielleicht wollen unsere Schönen lieber den Aerzten zum besten einen beständig kränklichen Körper haben, als ihrem Lieblinge, dem Pudelkopfe, den völligen Abschied unterschreiben, und lieber immer, wie die Hebräer in Egypten, unter dem Joche der Krankheiten wehklagen, als ihre eingewurzelte Einbildung, daß sie sich durch ihre Pudelköpfe schöner und reizender machen könnten, aus dem Kopfe lassen. Doch giebt es auch Frauenspersonen, oder damit ich nicht wider die Titulatur sündige, es giebt sage ich, vielmehr heilige Schwestern, welche nicht etwa, aus Vorsorge ihre Gesundheit zu erhalten, sondern nur bloß aus verstellter Demuth, mit einem beynahe heiligem Eifer wider die Pudelköpfe in Grimm gerathen, und dieselbigen, zumal wenn ihr Zorn die Oberhand über ihre Herzen erlangt hat, vor eine Eitelkeit, ja wohl gar vor eine Todsünde schelten. Und noch sind wieder andere Frauenspersonen, welche aus besondern, und ihnen selbst eignen Ursachen die Pudelköpfe verachten, und durchaus nicht zu tragen erlauben wollen. Consbruch entdecket uns in seiner Ode eine einzige Ursache, welche diese Art der Frauen bewegt, einen Abscheu vor den Pudelköpfen zu tragen, und hier ist sein Lied:

Die Moden sind Julchen zuwider:

Wie eitel! man putzet die Glieder,

Der Würmer Raub? Die fromme Frau?

Doch ihnen sollte sie entsagen?

Nein, Pudels mag sie nur nicht tragen:

Denn ihre Haare sind schon grau.

Doch dieses mag vor dieses Mal von den Pudelköpfen genug gesagt seyn: nunmehro will ich von den Beschwerlichkeiten handeln, welche das Frauenzimmer wegen des Aufkrausens und Aufbrennens der Haare leiden muß.

Das zweyte Kapitel.

Von den
Beschwerlichkeiten, welche das
Aufkrausen und Aufbrennen der Haare
des Kopfs verursachen.

§. 7.

Ich würde denjenigen Kopf, welcher weder aufgekrauset noch aufgebrannt worden wäre, eher vor einen Zodelkopf als vor einen Pudelkopf halten. Soll ich aber einen Pudelkopf nicht mit diesem Titel belegen, so wird er, wenn er anders seine gehörige Annehmlichkeit haben soll, aufgekrauset und aufgebrannt seyn müssen. Es wird also nothwendig meine Pflicht seyn, von den Beschwerlichkeiten zu schreiben, welche dem Kopfe durch das Aufkrausen und Aufbrennen zugefügt werden. Wer nun geputzt und schöne scheinen will, der muß es sich auch gefallen lassen, Ungelegenheiten zu leiden. Das schöne Geschlecht hat ohnedem das Unglück, daß allemal auf ihr genossenes und empfundenes Vergnügen tausend Unbequemlichkeiten und Schmerzen erfolgen: doch ich mag mich eben hiervon nicht deutlicher erklären, wer das Frauenzimmer nur ein wenig kennt, der wird meine Meynung ohne einen Dolmetscher schon verstehen können, es wäre denn, daß er nur einen Sinn, wie eine Auster hätte, oder nur dem Angesichte nach einen Menschen vorstellete, im Gehirn aber weniger Verstand als eine Gans besäße, denn

Gesetzt, es mangelte Markolfen im Gehirne,

Was schadts, hat er doch Geld genug:

Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,

So heißt der tümmste Ochse klug.

§. 8. Ich will nunmehr allen Scherz bey Seite setzen, und eine etwas ernsthaftere Gesichtsstellung annehmen, ob ich schon weis, daß mich ein ernsthaftes Wesen eben nicht zu kleiden gewohnt ist, so will ich mir doch Gewalt anthun, und mich zwingen, eben eine solche Mine zu machen, welche ich sonst nur bey dem Bette gefährlicher Kranken anzunehmen pflege. Es ist eine Erfahrung, die in der Empfindung ihren Grund hat, daß allemal eine unangenehme Empfindung entsteht, wenn die Haare aufgekrauset, und mit dem Pappiere umwickelt werden: Denn weil die Haare unter dieser Arbeit straff angezogen werden; so muß sich nothwendig davon an der Haut des Kopfs ein Schmerz zeigen, welcher, da er durch solche Reizung das Blut mehr gegen das Haupt lockt, Anlaß zu Kopfschmerzen zu geben fähig ist. Und dieses war die Ungelegenheit, welche von dem Aufkrausen und Einwickeln der Haare ihren Ursprung nimmt.

§. 9. Laßt uns nun auch den Schaden betrachten, welcher von dem Aufbrennen der Haare verursacht wird. Alle trockene Wärme ist vermögend, denen Körpern ihre Feuchtigkeit zu rauben, und solche trockner zu machen. Wenn diese Warheit ihre Richtigkeit hat, daran wohl in Ewigkeit kein Kluger zweifeln wird; so werden auch die Haare durch das Brennen nothwendig gar zu sehr ausgetrocknet werden müssen. Ich würde in allem Ernste auf einen solchen böse werden, welcher so unverschämt seyn und mir läugnen wollte, daß die Haare keine Röhrchen wären, welches doch mit mir die ganze gelehrte Welt als eine unumstößliche Wahrheit glaubt. Da nun die Haare in der That nichts anders als Röhrchen sind, durch welche die unmerkliche Ausdünstung wegzugehen pflegt; so muß dieser heilsame Abgang der auszuführenden Feuchtigkeiten nothwendig unterdrückt werden, wenn vermöge dieses heißen Eisens die Röhrchen der Haare so gebrannt werden, daß sie ihre Höhlung verlieren müssen. Daß aber auf diese Weise die Höhlung der Haarröhrchen wirklich zernichtet werde, beweiset die Sprödigkeit und gar zu große Trockenheit der Haare mehr als zu deutlich.

§. 10. Wird nicht ein Haarröhrchen anfangen auszutrocknen, wenn es seiner innern Feuchtigkeit beraubt wird, welche ehedem seine Höhlung einnahm und ausfüllete? Wenn aber ein Haarröhrchen seine Feuchtigkeit einbüßt; so muß es aufhören ernährt zu werden: bekommt es nun keine Feuchtigkeit mehr; so muß es trocken werden, schwinden, und endlich ausfallen. Daß sich aber diese Umstände mit den Haaren wirklich so zutragen, wird uns vermöge der Erfahrung zu einer Wahrheit. Und sehen wir nicht, daß Haare, welche oft aufgebrannt worden sind, ihre ordentliche Farbe verlieren? und verschwindet denn wohl die Farbe der Haare aus einer andern Ursache, als wegen der gar zu großen Trockenheit, welche ihr bloß durch das viele und öftere Aufbrennen zuwege gebracht wird? In Wahrheit, ich sehe keine andre Ursache, als die nur angeführte ein, es wäre denn, daß ich blödsinnig genug wäre, eine noch weit wichtigere entdecken zu können. Aber wäre dieses wohl eine Unmöglichkeit? Ohne Scherz! Menschheit trage ich in meinem Busen genug dazu, und folglich könnte ich auch wohl, wie alle Adamskinder, Schwachheiten unterwürfig seyn.

§. 11. Je trockner die Haare werden, je mehr müssen sie zum Ausfallen geneigt seyn, folglich werden diejenigen Leute, welche ihre Haare öfters haben aufbrennen lassen, vor den Jahren ihrer Haare verlustig, und zu Kahlköpfen werden müssen. Denn da es in der Natur seinen Grund hat, daß nichts ohne Feuchtigkeit zu wachsen im Stande sey; so wird es ohne Widerspruch seyn müssen; daß alles verdorren müsse, was keine Nahrung mehr erhält. Es ist ohne Scherz eine nicht geringe Unbequemlichkeit, wenn man seiner Haupthaare verlustig wird. Wie wird man also den Kopf genugsam wider die Kälte und rauhe Luft sicher zu stellen vermögend seyn?

§. 12. Aber das Ausfallen der Haare ist nicht die einzige Ungelegenheit, welche von dem Aufbrennen entsteht. Habe ich nicht schon Meldung gethan, daß die innere Höhlung der Haarröhrchen durch das Brenneisen gänzlich zusammen gedrückt würde, so, daß keine Ausdünstung mehr durch diese Haarröhrchen von statten gehen kann? Wenn aber die unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Haarröhrchen gehindert wird, so wird sich diejenige Feuchtigkeit, welche sonst natürlicher Weise ausdünsten sollte, in dem Kopfe anhäufen, stocken, und alle diejenige Krankheit hervorbringen, welche ich der Reihe nach im [5ten] Absatze erzählt habe, hier aber nochmals zu wiederholen vor überflüßig halte.

§. 13. Ich habe nur itzo im [10ten] Absatze gesagt, daß das viele Aufbrennen den Haaren, die ihr sonst eigne Schönheit der Farbe zu verändern und zu benehmen pflege. Werden also nicht die Haare verstellt werden müssen, wenn ihnen ihre natürliche Farbe benommen wird? O! wie ungestallt werden nicht die schwarzen Haare aussehen, wenn ihre Spitzen den Augen eine fuchsrothe Farbe darstellen werden? Doch bey den Haaren, die man einpudert, kann dieser Fehler gar leichte mit dem Puder bedeckt werden. Aber wenn man seine Haare, ohne solche einzupudern, zu tragen gewohnt ist; so wird es allerdings ein unangenehmes Ansehen verursachen, wenn die Haare von zweyerley Farbe am Kopfe sichtbar werden. Es ist wahr, diese verbrannten, ausgetrockneten und mißfärbigen Haare sind zwar, an und vor sich selbst betrachtet keine Krankheit; gleichwohl aber können sie als eine entfernte Ursache zu alle denjenigen Ungelegenheiten, deren ich im [12ten] und [5ten] Absatze gedacht habe, Anlaß geben, und welche allesammt in der verhinderten Ausdünstung ihren Grund haben.

Das dritte Kapitel.

Von den
Unbequemlichkeiten, welche von dem
Einpomadiren und Einpudern der Haare
des Kopfs her zu kommen pflegen.

§. 14.

Wer in seinem leben noch kein Frauenzimmer mit eingepuderten Haaren gesehen hat, der wird vermuthlich bey Erblickung eines mit Puder weiß gemachten Frauenkopfs auf die Gedanken gerathen, daß eine solche weiße Schönheit in einer Mühle gewesen seyn müßte: Ob aber das gepuderte Weibsbild in einer Wassermühle oder in einer Windmühle gewesen wäre, würde freylich noch eine unausgemachte Sache bleiben. Indessen ist es doch eine verlachenswürdige Thorheit, daß man, um seinem Kopfe eine besondere Zierde geben zu mögen, die Haare mit Mehle bestreuet, welches doch meinem Erachten nach lieber den Armen gegeben werden sollte. Doch ich werde gleichwohl mit meinem guten Rathe diese einmal eingeschlichene Mode nicht abzubringen im Stande seyn. Wird man also nicht von selbst, ohne große Schwierigkeit, den bündigen Schluß machen: daß ich die eingepuderten Frauenzimmerköpfe durchaus nicht vertragen könnte? Ich muß nur aufrichtig seyn, und es ohne Zwang gestehen, daß ich solchen Müllermäusen von ganzem Herzen gram sey, ohne eine andre Ursache als den Puder angeben zu können. Aber werden mich nicht meine Feinde deswegen verspotten, und eigensinnig nennen? Ob sie mir aber auch damit zu viel aufbürden, mögen meine Feinde selbst entscheiden, ich mag mich in dieser Sache darum nicht selber zum Richter aufwerfen, weil es meine eigne Person betrifft. Ich dächte nun bey mir selbst, daß der Eigensinn meine Leidenschaft eben nicht wäre: Es müßte denn seyn, daß ich gar zu wenige Kenntniß meiner selbst hätte, oder wohl gar für mich allzu viele Eigenliebe besäße, und dieses kann ich von mir noch viel weniger glauben.

§. 15. Ich will diese Kleinigkeit bey Seite setzen, und mir lieber meinen Vorsatz angelegener seyn lassen, das heißt: ich will lieber von den Ungelegenheiten handeln, welche sich unsre Schönen durch das Einpomadiren und Einpudern zuwege bringen, als meine unnöthige Critik über die weißgemachten Haare des Kopfs weiter fortsetzen, weil mir mein prophetischer Geist zum voraus saget, daß ich mir durch diese Beschäftigung weiter nichts als nur eitel Feindschaft auf meine Schultern laden würde. O wie leid würde es mir seyn, wenn mir die Schönen gehäßig und abgeneigt werden sollten! Ich würde nicht wissen, was ich vor Traurigkeit anfangen sollte, ja mein Leben würde mir nicht mehr lieb seyn, so ungerne als ich solches itzo einzubüßen wünsche, denn

Welches Würmchen stirbt wohl gerne?

§. 16. Die Haare werden aus keiner andern Absicht mit Pomade fett gemacht und eingesalbet, als bloß aus dieser Ursache, damit der Puder fester auf den Haaren sitzen bleiben soll, und der Wind den Puder nicht so bald aus den Haaren jagen könne. Es sey ferne von mir, daß ich so unhöflich seyn, und es leugnen sollte, daß das artigste Geschlecht auch aus Nebenabsichten die Haare zu salben gewohnt sey. O ich weis es gar zu wohl, daß man die Pomade wohlriechend zu machen suche. Es ist mir bekannt, daß man solche mit Rosenwasser auszuwaschen, und mit Rhodiseröle und andern wohlriechenden Oelen angenehm zu machen pflege, um, damit die Schönen ihren Lieblingen eine Nasenweide durch einen angenehmen Geruch machen können. Ich wollte flugs eine Wette setzen, daß ein von Wein und Liebe taumelnder Anakreon seiner wohlriechenden Phyllis zu Gefallen alle seinen Witz anwenden und singen würde:

Weg Schnupftaback, weg Dose!

Nur der Geruch der Rose

Soll meine Nas' erfreun:

Wenn ich bey meinem Kinde

Den Duft der Nas' empfinde,

Möcht ich ein Naso seyn.

Ey wie sinnreich ist der Dichter! er wünscht eine große Nase zu haben, um recht viel riechen zu mögen. Oder steht vielleicht gar Anakreon in den Gedanken, daß eine große Nase eine ganz besondere und reizende Schönheit sey, vermöge der man sich bey den Frauenspersonen annehmlich und recht beliebt zu machen fähig würde:

Allein, mein Herr, sie irren sich.

§. 17. Ich muß es nur immer heraus sagen, denn ich kann es ohnmöglich länger auf meinem Herzen behalten, daß das sogenannte Einsalben der Haare mit Pomade nur gar zu geschickt sey, den Frauenzimmern verschiedene Unbequemlichkeiten zuzufügen. Alle Aerzte stimmen mit mir darinnen einmüthig überein, daß Fettigkeiten, wenn sie auf die Haut eines lebendigen Körpers gesalbet werden, die Schweißlöcher zu verstopfen mächtig genug sind. Wenn nun dieses eine Wahrheit ist, daran ich im mindesten nicht zweifle; so wird auch ganz gewiß die unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Einpomadirung Schaden leiden, und folglich werden lauter solche Krankheiten hervorgebracht werden müssen, welche ihr Daseyn einzig und allein der verhinderten Ausdünstung schuldig sind, davon im [12ten] u. [5ten] Absatze nachgesehen werden kann.

§. 18. Aber ich kann die Schönen aufrichtig versichern, daß der Schade immer größer und ärger zu werden pflege, wenn der Puder darzu kommt. Denn die Verstopfung der Schweißlöcher wird dadurch viel stärker, und folglich werden auch die hiervon entstandenen Krankheiten weit hartnäckigter seyn. Man nehme nur Fett und ein zartes Mehl, wie der Puder ist, und vermische solches mit einander, streiche es hernach auf die Haut eines belebten Körpers, und lasse es eine Zeit lang auf derselben liegen, so wird man sehen, daß vermöge der natürlichen Wärme eine ordentliche Rinde erzeugt werden wird, dergleichen man auf den Köpfen solcher Personen anzutreffen pflegt, welche ihre Haare gepudert zu tragen gewohnt sind. Diese Rinde verstopft nicht nur die Schweißlöcher der Haut des Kopfs, und bringt alle diejenigen Ungelegenheiten zum Vorschein, derer ich im [17ten] [12ten] u. [5ten] Abschnitte Meldung gethan habe, sondern sie verursacht auch auf den Kopfe Schuppen, welche mit einem verdrießlichen Jucken und Grimmen den Kopf beunruhigen. Ja diese von Pomade und Puder zusammengesetzte Rinde ist eine rechte Freystadt derjenigen vielfüßigen Thierchen, welche man Läuse nennt. Diese Schuppen so wohl, als diese kleinen Thierchen machen durch das beschwerliche Jucken und Grimmen, daß man sich durch ein beständiges Kratzen davon zu befreyen sucht, aber damit gleichwohl nichts, als nur eine kleine Linderung erlangt. Durch dieses beständige Kratzen nun wird die Haut des Kopfs wund gemacht, daher viele garstige Grinde auf dem Kopfe entstehen, welche meistentheils einen stinkenden Geruch von sich geben, so, daß man vor solchen Leuten natürlicher Weise einen Abscheu bekommen muß. Sehen sie nun, was das Einpomadiren und Einpudern der Haare vor Ungelegenheiten nach sich zu ziehen im Stande ist?

§. 19. Bald hätte ich noch etwas vergessen. Der Puder und die Pomade benehmen auch den Haaren ihre natürliche Farbe, und verändern selbige nur gar zu sehr. Ich habe Leute gesehen, an deren Köpfen man wohl zehn Farben von Haaren wahrnehmen konnte, zumal, wenn sie ihre Haare nicht eingepudert hatten. Daß aber diese Vielfärbigkeit der Haare von dem Puder herrühren müsse, ist eine Möglichkeit. Bernhard Ramazzin behauptet im 23sten Kapitel seines Buches von den Krankheiten der Künstler, daß die weiße Stärke eine Säure und Schärfe bey sich führete, welche fähig wäre, die Leinwand zu zerfressen. Da nun der Puder aus weißer Stärke gemacht wird; so kann man die Mißfarbe der Haare dem Puder mit gutem Fug und Rechte zuschreiben. Ich hätte fast Lust, es selbst zu glauben, daß der Puder vermöge seiner Schärfe den Haaren die natürliche Farbe raubete, und ihnen viele andre Farben zuwege brächte. Ja ich wollte wohl gar schwören, daß der Puder die Haare wegfressen und ausfallend machen könnte. Alles dieses kann um desto eher geschehen, wenn dem Puder Gips beygemischt worden ist. Daß aber solche Haare eher ausfallen, welche gepudert werden, als andre, welche nicht mit Puder überstreut worden sind, ist eine Wahrheit, für welche ich selbst zum Märtyrer zu werden, mir kein Bedenken machen würde, wenn es die Nothwendigkeit der Sache erforderte: da aber diese Wahrheit ohnedem gewiß ist; so habe ich nicht Ursache, mich in diese Lebensgefahr zu begeben. Es wird also solchen Frauenspersonen eben so ergehen, wie denen, deren ich im [11] und [12ten] Abschnitte gedacht habe, und welche ihre Haare oft aufbrennen lassen.

§. 20. Ich glaube nunmehr ganz gewiß, daß aller Ausputz der Schönen nichts anders zur Absicht habe, als denen Theilen ihres liebenswürdigen Körpers eine ganz andre Gestalt und ein ganz ander Ansehen zu geben. Bestreuen wohl unsre Schönheiten ihre Haare aus einem andern Absehen mit Puder, als bloß die natürliche Farbe ihrer Haare zu verstecken? Weibsbilder, deren graue Haare eine ziemliche Zahl der Jahre verrathen, und welche sich erzürnen, wenn man sie alt nennt, pudern sich nur darum ein, damit man ihre grauen Köpfe nicht sehen möge, um sie vor jung zu halten. Von solchen beschneyeten Frauen kann man mit Herr Leßingen fragen:

Was wars, das uns entzückt gemacht?

Ein altes Weib in junger Tracht.

§. 21. Diejenigen Schönheiten, so ehedem Griechenland verehrte, Deutschland aber itzo verabscheuet, mögen es nur dem Erfinder des Puders noch im Grabe danken, daß er so besorgt vor sie gewesen ist, und vor sie ein so artiges Mittel ausfündig gemacht hat, vermöge dem sie ihren brennenden rothen Kopf verbergen können. Ich weis nicht ob ich irre, wenn ich die alten Griechen vor weit, vollkommnere Schönheitsverständige, als die Deutschen und Franzosen halte. Ich vor meine Person kann ihren Geschmack nicht tadeln, denn die Wahrheit zu sagen, so haben die rothköpfigten Frauenspersonen die schönste, zarteste und feinste Haut. Und Homer versichert uns, daß die größte Schönheit Griechenlands die schöne Helene, wegen welcher Troja in einen Steinhaufen verwandelt worden ist, einen rothen Kopf gehabt habe. Nunmehr werden sich die rothhaarigten Frauenspersonen etwas mehr, als sonst auf ihren Goldgelben Kopf einbilden, und sie haben Recht, wenn sie hochmüthig wegen desjenigen werden, welches das gelehrte Griechenland vor Zeiten als eine Schönheit gerühmt hat.

§. 22. Redete ich nicht vor kurzem von dem Einpudern? Je so will ich mich auch sogleich wieder aus meinem Irrgarten heraus machen, und ihnen nur noch etwas von dem Einpudern vorsagen. Ich mag eben meine Meynung niemanden aufdringen, welche ich von den eingepuderten Haaren habe. Doch ich will mein Geheimniß offenbaren: ich halte das Einpudern der Haare vor nichts anders, als vor eine Haarschminke, o eine wichtige Wahrheit, und ein großes Geheimniß! mit dieser Haarschminke bemüht sich das schöne Geschlechte den Kopf weiß zu machen. Aber um Verzeihung! unsre Schönheiten würden weit vernünftiger handeln, wenn sie sich angelegener seyn ließen, ihre Köpfe weißer zu machen: Doch manche Mannspersonen möchten sich auch um mehrere Weisheit bekümmern. Nunmehr, deucht mich, hätte ich genug von den weißen Köpfen geschrieben, es wird also die höchste Zeit seyn, daß ich auch der schwarzen Köpfe gedenke.