Sieben Jahre in Süd-Afrika
Zweiter Band.
Sieben Jahre in Süd-Afrika.
Erlebnisse, Forschungen und Jagden
auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872—1879)
Von
Dr. Emil Holub.
Mit 235 Original-Holzschnitten und vier Karten.
Zweiter Band.
Wien, 1881.
Alfred Hölder,
k. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler,
Rothenthurerstraße 15.
Alle Rechte vorbehalten.
Druck von Friedrich Jasper in Wien.
Inhalt.
Dritte Reise in das Innere von Süd-Afrika.
[I. Von den Diamantenfeldern an den Molapo.]
Aufbruch von Dutoitspan. — Uebergang über den Vaal. — Korannagräber im Hart-Riverthale. — Mamusa. — Wildgansjagd an Moffats Salzsee. — Ein Nest des Königskranichs. — Ein Löwenabenteuer Taylor’s. — Molema’s Town. — Barolongen-Hochzeit. — Beschwörungsmittel. — Eine Gerichtssitzung. — Kalte Tage. — Das Malmanithal. — Weltevreeden-Farm
[II. Von Jacobsdal nach Schoschong.]
Jacobsdal. — Zeerust. — Ankunft in Linokana. — Schieferlager. — Ernteerträgnisse. — Die Krokodile im Limpopo und seinen Nebenflüssen. — Erzlagerstätten im Bushveldt. — Damara-Emigranten. — Die Löwenfurth über den Marico. — Welsfang im Marico. — In Lebensgefahr. — Das Buffadderthal. — Ankunft in Schoschong
[III. Von Schoschong nach den großen Salzseen.]
Geschichte der letzten Kämpfe zwischen Sekhomo und Khama. — Erosions-Erscheinungen im Lualabette. — Die Maque-Ebene. — Frost. — Wilde Strauße am Wagen. — Jagdverbot des Königs Khama. — Eland-Antilopen. — Die ersten Palmen. — Wildpfade und Fall-Assagaie an den Nokane-Quellen. — Im Gebiete der großen Salzseen. — Die Tsitani- und Karri-Karri-Pfanne. — Am Tschaneng-Flusse. — Matabele am Wagen. — Die Salzlager am Nataspruit. — Jagd auf Zulu-Hartebeeste. — Auf dem Anstande auf Löwen. — Thierleben am Nataspruit
[IV. Vom Nataspruit nach Tamasetse.]
Die Salzlager im Nataspruit. — Ein Capitalschuß. — Von Löwen aufgeschreckt. — Das sandige Lachenplateau. — Strauße am Wagen. — Nachtreise bei Fackelschein. — Ein Löwenabenteuer. — Die Klamaklenjana-Quellen. — Vereitelte Elephantenjagd. — Begegnung mit Elephantenjägern. — Die Madenassana’s. — Gebräuche und Sitten derselben. — Der Yoruha-Weiher und die Tamafopa-Quellen. — Nächtliches Thierleben im Walde. — Eine verunglückte Löwenjagd. — Pit schläft auf dem Anstande
[V. Von Tamasetse zum Tschobeflusse.]
Henry’s Pan. — Leiden und Freuden der Elephantenjäger. — Eine Löwenjagd des jungen Schmitt. — Makalaka’s. — Ein muthiges Weib. — Nächtlicher Ueberfall durch einen Löwen. — Die südafrikanischen Löwenspecies. — Leben und Gewohnheiten des Löwen. — Seine Angriffsmethoden. — Ankunft in Panda ma Tenka. — Blockley. — Der Elfenbeinhandel mit Sepopo. — Elandstiere. — Aerztliche Praxis an Henri’s Pan. — Thier- und Pflanzenleben im Panda ma Tenka-Thale. — Bienenschwärme. — Westbeech’s Handelsstation. — Saddler’s Pan. — Der Händler Y. — Im Leschumo-Thale. — Gereizte Elephanten auf der Flucht durch den Wald. — Am Ufer des Tschobe
[VI. Im Tschobe- und Zambesithale.]
Das Thal des Tschobe und seine Vegetation. — Signalisierung meiner Ankunft. — Die ersten Boten aus dem Marutse-Reiche. — Landschaftsscenerie an den Stromschnellen des Tschobe. — Begegnung mit Masupia’s. — Mein Mulekau. — Geschichte der Matabele-Einfälle in das Reich Sekeletu’s. — Ein Masupia-Grab. — Thierleben am Tschobe. — Makumba. — Begegnung mit englischen Officieren in Impalera. — Die Hütten der Masupia. — Der Schlangenhalsvogel. — Meine erste Bootfahrt auf dem Zambesi. — Die Schilfrohrwälder an den Ufern des Zambesi und das Thierleben in denselben. — Letschwe- und Puku-Antilopen. — Krokodile und Flußpferde. — Ankunft in Alt-Schescheke. — Blockley’s Kraal
[VII. Der erste Besuch im Marutse-Reiche.]
Mein Empfang bei Sepopo. — Der Libeko. — Sepopo auf Schleichwegen. — Sepopo’s Residenz. — Geschichte des Marutse-Mabunda-Reiches. — Die Stämme des Reiches und ihre Wohnsitze. — Unterthanen-Verhältniß derselben. — Die Sesuto-Sprache. — Portugiesische Händler am Hofe Sepopo’s. — Sepopo ertheilt mir die Erlaubniß zur Bereisung seines Landes und beschreibt mir den einzuschlagenden Weg. — Der Bau von Neu-Schescheke. — Brand von Alt-Schescheke. — Culturstufe der Stämme des Reiches. — Der Aberglaube und seine Opfer. — Thronfolge. — Machtbefugnisse des Herrschers. — Das Bauwesen bei den Völkern des Reiches. — Dreifache Bauart der Hütten. — Das Innere des königlichen Gehöftes. — Der Kischitanz. — Sepopo’s Musikcapelle. — Die Musik-Instrumente bei den Marutse-Mabunda. — Kriegstrommeln. — Die Kischitänzer-Masken. — Rückfahrt nach Impalera. — Ankunft in Panda ma Tenka. — Ein Löwenabenteuer
[VIII. Ausflug zu den Victoriafällen.]
Ankunft in Panda ma Tenka. — Neue Enttäuschungen. — Theunissen verläßt mich. — Aufbruch nach den Fällen. — Jagd auf Orbecki-Gazellen. — Eine Giraffenherde. — Die Süßwassertümpel in der Umgebung der Victoriafälle. — Thier- und Pflanzenleben in denselben. — Ein schmerzenreicher Gang. — Der erste Anblick der Fälle. — Unser Skerm. — Charakteristik der Fälle. — Großartigkeit und Pracht derselben. — Höhe und Breite der Fälle. — Die Inseln an der Fallkante. — Höhe der Dunstsäulen. — Die Erscheinung der Fälle bei Sonnen-Auf- und Niedergang. — Die Abflußrinne des Zambesi unterhalb der Fälle. — Felsenbildungen — Vegetation und Thierleben an den Fällen. — Jagd auf Paviane. — Ein interessantes Löwenabenteuer. — Die Manansa’s. — Schicksale und Charakter derselben. — Ihre Sitten und Gebräuche. — Brautwerbung und eheliches Leben bei denselben. — Todtenbestattung. — Rückkehr nach Panda ma Tenka
[IX. Zweiter Besuch im Marutse-Reiche.]
Zweiter Aufbruch nach Impalera. — Die Krokodile im Zambesi und ihre Gefährlichkeit. — Begräbnißfeier bei den Masupia’s. — Sepopo und seine Frauen. — Reisepläne. — Baum- und Busch-Vegetation im Walde von Schescheke. — Einzug einer Karawane von Tributpflichtigen. — Die Marutse als Fischer. — Maschoku, der Scharfrichter Sepopo’s. — Schmiedewerkzeuge der Marutse. — Der prophetische Tanz der Masupia’s. — Besuch der Königinnen. — Der Fang des Krokodils. — Die Mankoë. — Die Verwaltung des Marutse-Mabunda-Reiches. — Die Beamten-Hierarchie. — Eine Elephantenjagd unter Sepopo’s Anführung. — Ausflüge in den Wald von Schescheke und Büffeljagden in demselben. — Eine interessante Löwenjagd. — Der Löwentanz der Marutse. — Die Maschukulumbe am Hofe Sepopo’s. — Moquai, des Königs Tochter. — Hochzeitsfeier bei den Marutse
[X. Den Zambesi aufwärts.]
Aufbruch von Schescheke. — Die Flottille der Königinnen. — Erstes Nachtlager. — Marutse-Typen. — Mankoë. — Fruchtbarkeit des Zambesi-Thales. — Die Stromschnellen am centralen Zambesi. — Die Mutschila-Aumsinga-Stromschnellen. — Schiffbruch in denselben. — Sioma von Löwen belagert. — Vom Fieber besinnungslos niedergeworfen. — Rückkehr nach Schescheke
[XI. Dritter Aufenthalt in Schescheke.]
Condolenzbesuche des Königs und der Häuptlinge. — Eine neue Unthat Sepopo’s. — Masarwa’s in Schescheke. — Ceremoniell bei den Mahlzeiten an Sepopo’s Hof. — Mein erster Ausflug. — Der Fischfang im Marutse-Reiche. — Sepopo erkrankt. — Wanderungen eines Arabers durch Süd-Afrika. — Unterthanen-Verhältniß im Marutse-Reiche. — Charakterzüge einzelner Stämme des Reiches. — Die Zukunft des Landes
[XII. Die Culturstufe der Völker im Marutse-Reiche.]
Religiöse Vorstellungen. — Lebensweise der Völker. — Ackerbau. — Erträgniß desselben. — Preis der Feldfrüchte. — Consum. — Kleidung der Männer und Frauen. — Die Stellung der Frau im Marutse-Reiche. — Erziehung der Kinder. — Ehe. — Todtenbestattung. — Grabdenkmäler. — Das Reisen im Lande. — Die Rechtspflege im Reiche. — Eine Hinrichtung. — Die Doctoren Sepopo’s. — Aberglauben. — Zaubermittel. — Menschenopfer. — Industrie-Erzeugnisse der Marutse. — Thongefäße. — Holzarbeiten. — Calebassen. — Flechtarbeiten. — Schneide-Werkzeuge. — Jagd- und Kriegswaffen. — Textil-Industrie. — Canoebau. — Tabakspfeifen und Schnupftabakdosen. — Toilette-Artikel. — Schmuckgegenstände
[XIII. Aufenthalt im Leschumo-Thale.]
Abfahrt von Schescheke. — Renitente Bootsleute. — Ein treffliches Schreckmittel. — Die Fauna im Leschumo-Thale. — Diamond’s Jagdausflüge. — Der Häuptling Moja. — Eine interessante Naturerscheinung. — Sepopo’s Häscher. — Kapella’s Flucht aus Schescheke. — Schwere Gewitter. — Gährung im Marutse-Reiche. — Sepopo’s Niedergang. — Aufbruch nach Panda ma Tenka
[XIV. Durch das Makalaka- und Westmatabele-Land.]
Aufbruch nach Süden. — Vlakvarks. — Lager an den Klamaklenjana-Quellen. — Der Händler Z. — Die Weiher von Tamasanka. — Die Sibanani-Lichtung. — Reiches Thierleben. — Die Mambaschlange. — Ein böses Gewissen. — Menon, der Chef der westlichen Makalaka. — Ein Spion. — Menon hält über Z. Gericht. — Langfingrigkeit und Unreinlichkeit der Makalaka. — Morulabäume. — Z. in Lebensgefahr. — Die Ruinen von Rocky-Schascha. — Pittoreske Landschaftsscenerie am Rhamakoban-Flusse. — Tati. — Goldgräber. — Die Familie Lotriet. — Matabele-Vorposten. — Geschichte des Matabele-Reiches. — Africa als Löwenjäger. — La Bengula’s Schwester. — Der Leopard im Schlafzimmer Pit Jacobs
[XV. Rückreise nach den Diamantenfeldern.]
Ankunft in Schoschong. — Khama läßt Z. verfolgen und verurtheilt ihn. — Aufregende Nachrichten aus der Colonie. — Aufbruch nach Süden. — Mochuri. — Der Krieg der Bakhatla’s gegen die Bakwena. — Ich erstehe zwei junge Löwen. — Ein Löwen-Abenteuer Van Viljoens. — Eberwald besucht mich. — Jouberts See. — Houmans Vley. — Ankunft in Kimberley
[XVI. Mein letzter Aufenthalt in den Diamantenfeldern.]
Wiederaufnahme der ärztlichen Praxis. — Mein neues Heim und kleiner Thiergarten in Bultfontein. — Ausstellung meiner Sammlungen im Varietiestheater zu Kimberley. — Ausflug nach der Farm Wessels. — Die Gravirungen der Buschmänner. — Hyänen- und Erdferkeljagden. — Meine Broschüre über die Eingebornenfrage. — Irrige Auffassung derselben in England. — Ernste Zeiten für die Colonie und Griqualand-West. — Mayor Lanyon und Colonel Warren. — Aufbruch nach der Küste
[XVII. Durch die Colonie zur Küste.]
Abreise von Bultfontein. — Straußenzucht auf der Farm Ottersport. — Straußenzucht im Allgemeinen. — Meine erste Vorlesung in Colesberg. — Cradock. — Ein Unfall bei diesem Orte. — Der Zulu-Krieg. — Die Ursachen der Mißerfolge in der Behandlung der südafrikanischen Eingebornen. — Meine Artikel über den Zulu-Krieg. — Kampfweise der Zulu. — Grahamstown. — Reiche paläontologische Funde. — Ankunft in Port Elizabeth. — Eine Löwenjagd. — Ausflüge in die Umgebung. — Meine marinen Sammlungen. — Meine Sammlungen in Gefahr. — Die letzten Tage auf afrikanischem Boden. — Heimfahrt nach Europa, Projecte für die Zukunft
Inhalt des Anhangs.
| [1)] | Die Roiwater-siekte |
| [2)] | Chirurgische Erfahrungen |
| [3 u. 4)] | Meine Behandlung des Fiebers |
| [5)] | Zwei Züge von Kindesliebe bei den Eingebornen |
| [6)] | Eine Löwenjagd Cowley’s |
| [7)] | Originaltext einer Stelle aus meiner Broschüre: A few words on the Native Question |
| [8)] | Die Dürre-Perioden in der Cap-Colonie |
| [9)] | Die Straußenzucht in Süd-Afrika |
| [10)] | Originaltext eines meiner Artikel über die Zulu’s |
| [11)] | Die Maschona |
| [12)] | Zweck und Ziel meiner nächsten Forschungsreise |
Karten.
| Specialkarte | [(Nr. 1)] | des von Dr. Holub bereisten centralen Theiles von Ost-Bamangwato und West-Matabele. |
| " | [(Nr. 2)] | Die Victoriafälle des Zambesi. |
| " | [(Nr. 3)] | Dr. Holubs Bootfahrten im centralen Laufe des Zambesi von der Malumba-Bucht bis zum Nambwe-Katarakt (Süd-Barotse). |
Verzeichniß der Illustrationen.
| [1.] | Titelbild zur dritten Reise in das Innere von Süd-Afrika |
| [2.] | Batlapinen auf der Bläßbockjagd |
| [3.] | Weiher bei Coetze’s Farm |
| [4.] | Gräber unter den Kameeldornbäumen bei Mamusa |
| [5.] | Wildgansschießen an Moffats Salzsee |
| [6.] | Tauschhandel bei Konana |
| [7.] | Rauchender Betschuana |
| [8.] | Felsenpartie bei Molema’s Town |
| [9.] | Pavianfelsen |
| [10.] | Bootfontein |
| [11.] | Newport-Farm |
| [12.] | Welsfang im Marico |
| [13.] | Im Sumpfe am Matebe-Flüßchen |
| [14.] | An der Löwenfurth im Marico |
| [15.] | Krokodile im Limpopo |
| [16.] | Kampfesscene auf den Bamangwato-Höhen |
| [17.] | Das Lualabett |
| [18.] | Straußenheerde am Wagen |
| [19.] | Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa’s |
| [20.] | Verfolgende Matabele |
| [21.] | Jagd auf Zulu-Hartebeeste |
| [22.] | Die Soa-Salzpfanne |
| [23.] | Im Baume |
| [24.] | Nachtreise bei Fackelschein |
| [25.] | Von Löwen aufgescheucht |
| [26.] | Pit, schläfst Du? |
| [27.] | Heimkehrende Elephantenjäger |
| [28.] | Ein muthiges Weib |
| [29.] | Unterricht im Elephantenjagen |
| [30.] | Nächtlicher Ueberfall durch einen Löwen |
| [31.] | Elephantenheerde auf der Flucht |
| [32.] | Bootfahrt im Zambesi |
| [33.] | Impalera |
| [34.] | Grab eines Masupia-Häuptlings |
| [35.] | Am Tschobe-Ufer |
| [36.] | Wildebene bei Blockley’s Kraal |
| [37.] | Nilpferdjagd |
| [38.] | Im Papyrusdickicht |
| [39.] | Empfang bei Sepopo |
| [40.] | Hafen von Schescheke |
| [41.] | Uebersiedlung nach Neu-Schescheke |
| [42.] | Musik-Instrumente der Marutse |
| [43.] | Kischitanz |
| [44.] | Kischitänzer-Maske |
| [45.] | Am Ufer des Zambesi |
| [46.] | Jagd auf Bushvaarks |
| [47.] | Zusammentreffen mit Giraffen |
| [48.] | Leben und Weben am Grunde der Süßwassertümpel |
| [49.] | Die Victoriafälle |
| [50.] | Der Löwe kommt |
| [51.] | Jagd auf Sporngänse |
| [52.] | König Sepopo |
| [53.] | Kaïka, König Sepopo’s Tochter |
| [54.] | Der prophetische Tanz der Masupia |
| [55.] | Besuch der Königinnen |
| [56.] | Meine Hütten in Neu- und Alt-Schescheke |
| [57.] | Krokodilangel |
| [58.] | Jagd auf Wasser-Antilopen |
| [59.] | Büffeljagd |
| [60.] | Löwenjagd bei Schescheke |
| [61.] | Maschukulumbe an Sepopo’s Hofe |
| [62.] | Sepopo’s Arzt |
| [63.] | Mabunda. Makololo |
| [64.] | Mankoë |
| [65.] | Marutse-Typen |
| [66.] | In den Manekango-Stromschnellen |
| [67.] | Mambari. Matonga |
| [68.] | Zambesi aufwärts |
| [69.] | Verlust meines Bootes |
| [70.] | Sioma von Löwen angegriffen |
| [71.] | Fischotterjagd am Tschobeflusse |
| [72.] | Masupia. Panda |
| [73.] | Das Speeren der Fische |
| [74.] | Gang durch Schescheke |
| [75.] | Ertränken arbeitsunfähiger Personen |
| [76.] | Sepopo’s Capellmeister |
| [77.] | Korb aus Bast und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda |
| [78.] | Schöpflöffel und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda |
| [79.] | Ein Marutse-Elephantenjäger |
| [80.] | Kalebassen für Honigbier und Korn bei den Marutse und Mabunda |
| [81.] | Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda |
| [82.] | Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia |
| [83.] | Scene am Zambesiufer in Schescheke |
| [84.] | Lager im Leschumo-Thale |
| [85.] | Wana Wena, der neue König der Marutse |
| [86.] | Ruinen von Rocky-Schascha |
| [87.] | Ruinen von Tati |
| [88.] | Begegnung mit einem Löwen am Tatiflusse |
| [89.] | Der Leopard im Hause Pit Jacobs |
| [90.] | Rückreise nach den Diamantenfeldern |
| [91.] | Koranna-Gehöfte bei Mamusa |
| [92.] | Platberg bei Rietfontein |
| [93.] | Fingoknabe |
| [94.] | Mein Haus in Bultfontein |
| [95.] | Felsen-Gravirungen der Buschmänner |
| [96.] | Grabstichel der Buschmänner |
| [97.] | Jagd auf Erdferkel |
| [98.] | Colonel Warren |
| [99.] | Bella |
| [100.] | Jacobsdaal im Jahre 1872 |
| [101.] | Unfall bei Cradock |
| [102.] | Kampfweise der Zulu |
| [103.] | Masarwadorf |
| [104.] | Fingodorf bei Port Elizabeth |
| [105.] | Mainstreet in Port Elizabeth |
| [106.] | Schlußvignette |
Errata.
[Anmerkung zur Transkription: Die Errata wurden im nachfolgenden Text korrigiert.]
| Seite | [3] | Zeile | 6 | von | oben | lies: | Weltevreeden statt Weltufrede. |
| " | [27] | " | 17 | " | " | " | " |
| " | [111] | " | 1 | " | unten | " | 98 statt 28 Fuß. |
| " | [127] | " | 1 | " | oben | " | Manansa statt Masarwa. |
| " | [141] | (Illustrations-Unterschrift) lies: Grab eines Masupia-Häuptlings statt Masupia-Grab. | |||||
| " | [202] | Zeile | 3 | von | oben | lies: | Brauneisenstein statt Braunstein. |
| " | [249] | (Illustrations-Unterschrift) lies: Kaïka statt Moquai. | |||||
| " | [253] | Zeile | 6 | von | oben | lies: | Merops Nubicus statt Herops Nubicus. |
| " | [299] | " | 16 | " | " | " | Thari- statt Luchs-. |
| " | [341] | " | 15 | " | unten | " | nach dem Worte Matschuku: Tabak einzuschalten. |
| " | [395] | " | 17 | " | oben | " | Anthiae thoracicae statt Carabi venatores. |
Dritte Reise in das Innere
von
Süd-Afrika.
I.
Von den Diamantenfeldern an den Molapo.
Aufbruch von Dutoitspan. — Uebergang über den Vaal. — Korannagräber im Hart-Riverthale. — Mamusa. — Wildgansjagd am Moffat’s Salzsee. — Ein Nest des Königskranichs. — Ein Löwenabenteuer Taylor’s. — Molema’s Town. — Barolongen-Hochzeit. — Beschwörungsmittel. — Eine Gerichtssitzung. — Kalte Tage. — Das Malmanithal. — Weltevreeden-Farm.
Batlapinen auf der Bläßbockjagd.
Nach fast dreijährigem Aufenthalte auf dem heißen Boden des schwarzen Erdtheils, der Ruhmes- aber auch schweren Leidensstätte so vieler von froher Begeisterung für ihren Beruf erfüllter Männer, stand ich nun an der Schwelle meiner eigentlichen Aufgabe. Die verschiedensten Gefühle durchwogten meine Seele, konnte und durfte ich hoffen, das ferne Ziel zu erreichen, um dessentwillen ich die Heimat und meine Lieben verlassen hatte, war ich den Schwierigkeiten der geplanten Reise auch gewachsen? — Die gesammelten Erfahrungen auf meinen zwei vorhergegangenen Uebungs- und Recognoscirungs-Touren schienen mir diese Frage zu bejahen, ich hatte die verschiedenen Tücken und Gefahren der afrikanischen Natur, die zahllosen widrigen und störenden Zufälligkeiten im Verkehre mit den Eingebornen, ihre Behandlungsweise, die Tragweite und den Werth treuer und verläßlicher Begleiter und Diener kennen gelernt, und nach diesen Erfahrungen mich nach besten Kräften auf diese, meine dritte Reise, welche eine Forschungsreise im eigentlichen Sinne werden sollte, vorbereitet; — doch wo und wann ließ sich in Afrika der Erfolg selbst der ausdauerndsten und energischesten Bestrebungen beschränkter Menschenkraft mit Zuversicht vorherbestimmen!
Aus dem Widerstreite aller dieser Gedanken und Gefühle tauchte zuletzt das Bild des atlantischen Oceans bei Loanda auf und belebte meinen Muth, stärkte mein Vertrauen; in so manchen schwierigen Fällen war mir das Glück als treuer Bundesgenosse beigestanden, vielleicht lächelte es mir auch diesmal und half mir das Unberechenbare, an dem Forschungsreisen in Afrika so reich sind, überwinden.
* *
*
Am 2. März 1875 verließ ich Dutoitspan und begab mich vorerst zu einem Freunde nach Bultfontein, um hier bis zum 6. zu verweilen und den Rest meiner Geschäfte zu besorgen. Im Plane meiner eben anzutretenden Reise lag es, Süd-Central-Afrika zu erforschen und da ich deshalb kaum nach der Capcolonie zurückzukehren glaubte, hatte ich diesmal bei meinem Scheiden aus den Diamantenfeldern mehr und wichtigeres zu besorgen, als dies bei den zwei vorhergegangenen Versuchsreisen der Fall war.
Von Bultfontein am 6. aufbrechend legte ich etwa 11 Meilen zurück und hielt bei einer von einer sandigen, schon von den Diamantenfeldern aus sichtbaren Bodenerhebung umschlossenen Regenlache die erste Rast. Wir schliefen in dem tiefsandigen, auf einige Meilen hin den nach dem Transvaal-Gebiete führenden Weg begleitenden Mimosengehölze, dessen Durchzug jedem Gefährte so widerlich wird.
Weiher bei Coetze’s Farm.
Am 7. passirte ich die beiden Farmen Rietfley und Keyle. Die erstere liegt auf einem stark salzhaltigen Grunde und unmittelbar vor dem auf einem nackten Felsenabhange liegenden unschönen Farmgebäude breitet sich einer der bekannten Salzseen aus. Zwischen dieser Farm und Keyle steht eine Lehmbaracke — eines der vielen Uebel jener Gegenden, eine Cantine. Der nächste Tagemarsch brachte uns an den Farmen Rietfontein und Pan-Place vorüber und wir schlugen unser Nachtlager auf Coetze’s Besitz auf. Auf den Grasebenen der ersten Farmen tummelten sich Springbockheerden, und als wir uns der zweiten, am Fuße des für Griqualand-West bedeutungsvollen und weithin sichtbaren Platberges gelegenen Farm näherten, erbeutete ich einiges Federwild, darunter ein Rebhuhn. Wir begegneten mehreren Haufen nothdürftig bekleideter Transvaal-Betschuana’s, die je von einem Weißen (Diamantengräber) angeführt, von diesem in ihrem Lande zum Diamantengraben geworben worden waren. Der mir interessanteste Punkt der bisherigen Reise war ein Sumpf an Coetze’s Farm. Ein rings von Schilf umsäumter, buchtenreicher und von kleinen Inseln bedeckter Weiher, der ein zahlreiches Wassergeflügel beherbergte, namentlich Wildenten, Bläßhühner und Taucher.
Als ich am Abend Mynheer Coetze besuchte und auf die vogelreichen Weiher zu sprechen kam, überraschte er mich mit der Antwort: »Ja, die Vögel brüten auch da und wir stören sie nicht, noch gestatten wir, daß dies Fremde thun, wir haben an den Thieren unsere Freude!« Mich erfreute diese Antwort sehr und ich hatte auch später Gelegenheit, öfters unter holländischen Farmern ähnlichen Gesinnungen zu begegnen.
Auf dem theilweise bewaldeten Gebiete dieses Farmers, das sich über Theile von Griqualand-West und des Oranje-Freistaates ausbreitet, findet sich unter anderem Hochwilde auch noch eine zahlreiche Heerde der gestreiften Gnu’s vor.
Zwei Tage später bewerkstelligten wir die recht mühselige Ueberfahrt über den Vaal bei Blignaut’s Pont. Einige Vogelbälge sowie zahlreiche Blattkäfer (Platycorynus) Arten wurden meine Beute an beiden Vaalufern. An der Ueberfuhr befand sich am diesseitigen Ufer ein Complex von windschiefen, allseitig gestützten Lehmhäuschen — ein Hotel darstellend — und am jenseitigen hie und da zerstreute Korannahütten, deren Bewohner Fährmannsdienste zu versehen hatten. Für die Ueberfahrt hatten wir an ihren Brodherrn 25 Shillinge zu bezahlen.
Nach einer in dem vom Regen stark aufgeweichten Boden beschwerlichen Fahrt gelangten wir am 10. in das dem Leser schon von früher her bekannte Transvaalstädtchen Christiana und zu der schon erwähnten Hallwaterfarm (fälschlich Monopotapa genannt), und erstanden von den hier weilenden Koranna’s (von Mamusa) unseren Bedarf an Kochsalz.
Am 12. schlug ich eine nördliche Richtung ein und passirte Strengfontein, Mynheer Webers Farm.[1] Auf der Weiterfahrt betrat ich ein schön begrastes Buschland, auf dessen Fläche ich mehrere Farmen gewahrte, und das von den Koranna’s, von Gassibone, von Mankuruana, sowie auch von der Transvaal-Regierung gleichzeitig beansprucht, factisch keinen Landesherrn besaß. Die Gehölze beherbergten Deuker, Hartebeest-Antilopen, gestreifte und schwarze Gnu’s, die Grasflächen Springbock- und Steenbock-Gazellen, Trappen und eine zahlreiche Vogelwelt kleinerer Art.
Wir zogen an einer kurz zuvor von den an den nahen Höhen umwohnenden Eingebornen eingeäscherte Farm (Drie- und Vierfontein genannt) vorbei und lagerten auf der etwas weiter ab liegenden Houmansvley. An der erstgenannten standen in der Nähe des Farmgebäudes einige Korannahütten, deren weibliche Insassen in ihrem Betragen im schroffsten Gegensatze zu zwei Batlapinenmädchen, die sich scheu zurückzogen, sich sehr zudringlich geberdeten. Nahe an Houmansvley liegt ein sumpfiger Weiher (Vley), in dem ich einige Wildenten, den grauen Reiher und langbeohrte Sumpfeulen (Otus Capensis) fand. Mit Houmansvley verließen wir die letzte der Farmen und betraten das Gebiet der Koranna’s von Mamusa.
Am Abend des 15. langten wir im Hart-Riverthale an. Bei der Abfahrt zum Flusse fuhren wir über einen hochbegrasten, von hundertjährigen Kameeldornbäumen bestandenen Abhang, in deren Schatten wir mehrere zum Theil noch erhaltene Batlapinen- und Korannagräber trafen. Das Ueberschreiten des Flusses wurde uns an diesem Tage durch die starke Strömung des oft vollkommen trockenen, gegenwärtig aber durch den letzten Regen bedeutend angeschwollenen Flusses unmöglich, auch war der Abhang eine zu anziehende Partie, als daß wir ihn so bald verlassen hätten können. Die zungenförmig von dem im Hintergrunde bewaldeten Hochplateau in das Hart-Riverthal hereinragende und steile Mamusahöhe lag uns — etwas zur Rechten, am rechten Hart-River, etwa 1200 Schritte entfernt — gegenüber.
Wir besuchten Mamusa und lagerten an dem kleinen Flüßchen »Prag«, unweit der unter dem östlichen Felsenabhange der Höhe erbauten Handelsstation. Mamusa, das noch vor wenigen Jahren einer der meist bevölkertsten Orte des Hottentotten-Elementes in Süd-Afrika bildete, war zur Zeit meines Besuches bis auf einige Sprößlinge des ergrauten Königs Maschou und ihrer Diener verlassen. Die Bewohner waren theils mit ihren Heerden auf die Weide gezogen, theils hatten sie die Stadt verlassen, um sich an den Nebenflüßchen der Mokara und des Konana, auf den nach Norden gegen den Molapo sich erstreckenden Wildebenen anzusiedeln. Dies kleine selbstständige Fürstenthum der Koranna’s von Mamusa ist eine Enclave in den südlichen Betschuana-Gebieten, doch sein Bestand für die Nachbarn nicht besonders segenbringend, da der häufige Contact zwischen dem Hottentotten- und dem Banthu-Elemente stets nur die Decadenz der Stämme der letzteren Familie zur Folge hatte.
Gräber unter den Kameeldornbäumen bei Mamusa.
Bei dem Händler fand ich gefälliges Entgegenkommen. Herr Mergusson war ein Thierfreund und beschäftigte sich mit der Zähmung seines zahlreichen Wildgeflügels. Er zeigte mir mehrere meterhohe Stöße von Antilopen-, Gnu- und Zebrafellen, die er nach Bloemhof zum Verkaufe zu bringen gedachte. Er und sein Bruder hatten schon zweimal ihre Tauschhandelsreisen bis zum N’Gami-See ausgedehnt. Während meines Aufenthaltes im Weichbilde der Stadt hörte ich auch von jenen diebischen, auf meiner zweiten Reise in Musemanjana gemietheten Dienern.
Wildgansschießen an Moffat’s Salzsee.
Am 17. verließ ich Mamusa und langte Abends in dem südlichen Theile der grasreichen Quaggaebenen an, nachdem wir das bebuschte, hie und da durch Korannagehöfte belebte Hochland erstiegen hatten. Durch den Regen aufgeweicht, war die Wildebene theilweise in einen förmlichen Sumpfboden umgewandelt. An den wenigen trockeneren Partien wurden weißliche Pünktchen wahrnehmbar, die sich in der Nähe als Springbock-Gazellen entpuppten. Die schönen melodischen Töne der gekrönten Kraniche grüßten den Wanderer von allen Seiten und sie selbst — minder scheu als anderwärts — gestatteten ihm sogar die Pracht ihres Gewandes aus ziemlicher Nähe beobachten zu können. Das Gegacker der bespornten und der egyptischen Gänse lockte bald dahin, bald dorthin, während zahlreiche größere Ketten oder einzelne Pärchen von Wildenten über uns hin- und herschwärmten.
Die Fahrt der nächsten Tage bot uns vielfach Gelegenheit, unserer Jagdlust zu genügen und lohnte unsere Mühe durch ergiebige Beute, unter welcher sich ein Silberreiher, Regenpfeifer und Schnepfen befanden. An einem weiten, mit salzigem Wasser gefüllten See ließ ich unser Lager aufschlagen und beschloß hier einige Tage zu verweilen, da das reiche Thierleben für unseren Tisch, als auch für meine Sammlungen manch’ werthvolle Acquisition versprach. Schon mit frühester Stunde des nächsten Morgens brach ich in Begleitung Th.’s zur Jagd auf.
Da es in der Nacht geregnet hatte, war der Morgen recht kühl und vergnügt begrüßte ich die ersten Vorboten des Himmelgestirns, die sich vor mir in das Thal des Salzsee’s ergossen und sich in den Fluthen tausendfach widerspiegelten. Am jenseitigen Ufer entdeckten wir einen stattlichen Haufen des wunderlichsten der Stelzenvögel, des dunkelcarminrothen, braunschnäbligen Flamingo und nahebei graste eine Schaar von schwarzen Gänsen. Nach uns zu watete laut schreiend eine Doppelreihe der grauen Kraniche, während von einigen aus dem Gewässer hervorragenden Felsenblöcken aus, Fischreiher Rundschau hielten. Dazu schallte das schön klingende, langgezogene Mahem-Geschrei vom See herüber und zwischen den Gruppen der genannten größeren Vögel watschelte und schwamm eine Unzahl kleinerer Wasservögel, Enten und Bläßhühner. Ein Pfiff meines Gefährten riß mich aus diesen Betrachtungen und hieß mich auf der Hut sein; rasch einen Blick auf den See werfend sehe ich, wie sich eben eine Schaar Wildgänse aus dem Gewässer erhob. Schweren Schlages, doch ziemlich rasch, kommt es von Süden an mich herangebraust, denn mächtig verstehen es die dunkelbraunen Gänse, die Luft mit ihren bespornten Fittigen zu schlagen. Ein Doppelschuß bringt zwei der Thiere in die Binsen herab. Rasch wendet sich der Rest nach links, Th. zu und laut klagend eilt er nach den Grasebenen im Westen. Mit den beiden Schüssen war neues Leben unter die auf dem See ein Asyl suchenden, befiederten Schaaren gekommen. Die grauen Kraniche an unserem, die gekrönten am jenseitigen Ufer erhoben sich rasch aus der seichten (kaum zwei Fuß tiefen) Fluth; die Flamingo’s liefen hin und her, nur zeitweilig flog einer auf, um sich wiederum rasch niederzulassen — bis sie durch mein Erscheinen aufgeschreckt, laut schreiend aufflogen und kaum rabengroß scheinend, lange Zeit hindurch über dem See kreisten. Ihre Nachbarn, die schwarzen, grasenden Gänse suchten Schutz in den Fluthen, während sich Schaaren kleinerer Wasservögel aus den Binsendickichten des Ufers nach der Mitte des See’s flüchteten. Als wir einige Stunden später beim Frühstück saßen, bemerkten wir mit Staunen, daß sich am jenseitigen Ufer im Sattel zweier Höhen eine mindestens 250 Stück zählende Bläßbockheerde eingefunden, bei deren Anblick wir unser Mahl — leider vergeblich — im Stiche ließen. Als Ersatz gelang es mir, einen schönen grauen Kranich zu erbeuten. Auch Pit schoß an diesem Tage mehrmals Vögel an der Pfanne und überraschte mich Nachmittags mit der Nachricht, daß er an einer kleinen dichtbeschilften Lache ein Nest der Königskraniche gefunden habe.
Etwa 2000 Schritte nördlich von unserer Lagerstätte, hoch am Ufer des Moffat’schen See’s fand ich im Sumpfe eine kahle Stelle und in ihrer Mitte eine künstliche aus Binsen errichtete, 2½ Quadratmeter umfassende Insel, in deren Mitte sich eine Vertiefung — das Nest mit zwei faustgroßen, weißen, länglichen Eiern befand. Die eigentliche Nesthöhle hatte 30 Zoll Durchmesser und war etwa sechs Zoll tief.
An einem der nachmittägigen Ausflüge, als ich in einer Schlucht an dem Höhensattel lag — beobachtete ich einen schon auf der zweiten Reise wahrgenommenen Umstand, daß bei dem Aufsuchen der Tränke die Springbock-Gazellen die Pionniere bilden und die Bläßböcke und Gnu’s erst dann folgen, nachdem die ersteren die Annäherung gefahrlos gefunden haben.
Wir verließen am 23. das von mir Moffat’s Salzsee benannte Gewässer, dessen Ufer vorzügliche Schlupfwinkel des Canis mesomelas sind und zogen an einigen tiefen Weihern vorüber, in denen es von Bläßhühnern und Tauchern wimmelte. Auf einer naheliegenden bebuschten Höhe trafen wir Makalahari’s, welche damit beschäftigt waren, das Fleisch eines erlegten Bläßbockes in schmale Streifen zu schneiden; auch stießen wir auf eine Reihe von Fanggruben. Sie waren 1—1½ Meter breit und 8—15 Meter lang und gegenwärtig zum größten Theile ihrer ursprünglichen Tiefe mit Sand ausgefüllt. Abends passirten wir ein Gehölz, in welchem eine Batlapinen-Jagdgesellschaft (Mankurnana’s Leute) lagerte und uns bald im bittenden, bald im befehlenden Tone um Branntwein bestürmte. Am 25. wurden die Gebüsche dichter und das Wild, das am 24. an Zahl abgenommen, wieder häufiger. Eine etwa 400 Stück zählende Springbockheerde weidete vor uns, quer über den einspurigen, vom Grase überwucherten Weg, stob jedoch bei unserer Annäherung auseinander, Th. gelang es indeß, eine ausgewachsene Gais zu erlegen. Wir kamen nun in ein dichtes Buschfeld und das Land zeigte einen merklichen Abfall nach Nordwest, wir waren im Gebiete des Maretsane-Flüßchens angelangt. Wir passirten mehrere Regenschluchten und seichte, ziemlich breite Thäler mit üppiger Buschvegetation, von welchen ich eines Hartebeest-Thal nannte. Nachmittags langten wir im tiefen Thale des Maretsane-Flusses an; an dem rechten Abhange war ein Barolongen-Makalahari-Dorf erbaut, dessen Bewohner die Heerden von Molema’s Town hüteten. Das Thal selbst war stellenweise dicht bebuscht und schien mir reich an kleinen Wildgattungen, während die zwei bis acht Fuß tiefen Tümpel im Bette des Flusses, der hier mehr den Charakter eines Spruit besitzt, Fische des Orange-Rivers, Leguane, Krabben und zwei Entenarten beherbergten.
Tauschhandel bei Konana.
Bei der Schilderung meiner zweiten Reise in dieser Gegend erwähnte ich der sich im Unterlaufe der Flüßchen Konana, Maretsane und Setlagole aufhaltenden Löwen. Gegenwärtig kommen sie in nur sehr dürren Wintern, in denen das Wild die wasserarmen Partien des Kalahari-Buschlandes verläßt, nach den oberen Thalpartien dieser Spruits. Um so häufiger waren sie vor einigen Jahren, als hier das Wild noch in großen Rudeln weidete und auf den Quaggaflats Straußenheerden ebenso häufig waren, als es heutzutage die Gnu’s sind.
Ein Jäger Namens Wilhelm Taylor, den ich einige Tage nachdem ich Molema’s Town verlassen zum erstenmale und später noch zweimal an den Salzseen und den Klama-Klenjana-Quellen im nördlichen Theile des Bamangwatolandes traf, erzählte mir folgendes interessante, ihm zugestoßene Abenteuer.
»Im Jahre 1863 gab es noch so viele des werthvollsten der Riesenvögel an den obgenannten Flüßchen, daß häufig Partien von bis zu 20 Jägern die genannten Gegenden zwischen dem Hart-River und Molapo aufsuchten. Taylor jagte in jenem Jahre immer in Gesellschaft eines Holländers, der gegenwärtig am Malmanispruit residirt. Die Jäger kamen von Osten her und hielten an den Quellen des Maretsane Rast, vor Allem, um das Fleisch eines erlegten Zebra’s zu zerschneiden und zu trocknen. Obgleich sie an den beiden letzten Tagen keinen Löwen erblickten, trafen sie doch die nöthigen Vorsichtsmaßregeln, um sich gegen die Raubthiere zu schützen. Sie errichteten um den Wagen aus dürren Aesten eine leichte Umzäunung und banden die Zugthiere an die Räder des Wagens an. Das gewohnte Pfeifchen schmauchend, hatten sich Taylor und sein Genosse Abends unter den Wagen gelegt, während der Hottentotten-Diener am Bocke saß und Wache hielt. Die Unruhe, das starke Umherspähen desselben, fiel jedoch Taylor auf und zwang ihn, denselben über die Ursache seiner Unruhe zu fragen. Der Diener machte hierauf seinen Herrn auf einen Gegenstand aufmerksam, der wenige Schritte vor dem Zugtaue seit längerer Zeit herumschlich und den er für eine Hyäne hielt. Taylor beruhigte indeß den Diener, nachdem er scharf ausgelugt und meinte, es wäre nur ein vom Winde bewegter Busch. Kaum zu seinem Ruheplätzchen unter dem Wagen zurückgekehrt, hörte er schon den Ruf des Dieners: »Herr, es ist kein Busch, nein Herr, Du irrst Dich.« Taylor stand zum zweiten Male auf, betrachtete den Gegenstand, der sich nun genähert, etwas genauer und erkannte einen — Löwen, der wahrscheinlich durch das aufgehangene Zebrafleisch angelockt, den Wagen und dessen Insassen einer genauen Musterung zu unterziehen schien. Taylor ersuchte den Diener ihm aus dem Wagen sein Gewehr zu reichen, doch schon bei der ersten Bewegung, die der Bursche machte, stand der Löwe auf und kam direct an den Wagen heran, um sich etwa neun Schritte vor dem Feuer zwischen zwei Büschen niederzukauern. In demselben Momente aber als Taylor etwas zur Seite trat, um dem blendenden Feuerscheine auszuweichen, riß sein unvorsichtiger Gefährte dem Hottentotten das Gewehr aus der Hand, legte auf den Löwen an, schoß und fehlte. Sofort erhob sich das Raubthier und kam während die Weißen retirirten, rasch auf das Feuer los. Schon wähnten ihn die Jäger mit einem Satze innerhalb der Umzäunung zu sehen, als sich der an demselben Tage durch einen Schuß verwundete Hund, der unter dem Wagen lag, erhob und sich, seitlich über das Feuer springend, dem Löwen entgegenwarf. Der Löwe sprang erschrocken zurück und verschwand im Dunkeln, aber nur, um nach einigen Stunden in Begleitung mehrerer seiner Familie zurückzukehren und die Jäger förmlich zu belagern. Um nicht durch das Tödten oder Verwunden des einen die Uebrigen zum unmittelbaren Angriffe zu reizen, beschränkte sich Taylor darauf, die Thiere scharf zu beobachten und das Feuer in gleicher Mächtigkeit zu unterhalten. Gegen Morgen zogen die Löwen ab und die Jäger fanden das Gras förmlich niedergestampft. »You could’nt go so far as two yards without not to tap in to a lions-track,« meinte Taylor.
Rauchender Betschuana.
Am folgenden Tage begegneten wir, durch einen Mimosenwald ziehend, zweien Barolongen, welche mich auf die Nähe von Molema’s Town aufmerksam machten und mir mittheilten, daß König Montsua daselbst zu Besuch weile und in einem Vergiftungsprocesse den Vorsitz führe. Meinem ursprünglich gefaßten Plane entgegen, entschloß ich mich darauf wieder Molema’s Town zu besuchen und den König wie seinen Bruder Molema zu begrüßen.
Felsenpartie bei Molema’s Town.
Am 28. März langte ich, das Thal des Lothlakane-Flüßchens, in dem König Montsua eine neue Residenz gründen wollte, hinabfahrend, in Molema’s Town an. Der Molapo floß etwas reichlicher als zur Zeit meines ersten Besuches: bald nachdem ich seine steinige Furth passirt, schlug ich auf derselben Stelle wie im Jahre 1873 das Lager auf. Mein erster Besuch galt Herrn Webb, dessen Wohnung nur noch baufälliger geworden, kaum mehr bewohnbar war. Mein Freund theilte mir mit, daß der König mit dem Unterhäuptling die Verhandlungen in dem erwähnten Vergiftungsprocesse leite.
Am 29. begab ich mich nach beendeter Gerichtssitzung zu Molema, um die Vornehmsten des Barolongen-Landes zu begrüßen. Ich traf den König sowie Molema und die anwesenden Häuptlinge auf der Erde, oder auf kleinen Holzstühlchen sitzend, beim Mahle. Der König gab seiner ungeheuchelten Freude Ausdruck, ebenso Molema und ich mußte ihnen wiederholt die Rechte reichen. Montsua begann sofort von meinen Moschanenger Curen zu sprechen und ersuchte mich ein oder zwei Tage hier zu verweilen. Nach einem kurzen Aufenthalte in Molema’s Höfchen begaben wir uns in das im europäischen Style aufgeführte Häuschen seines Sohnes, um Kaffee zu trinken, der in Blechbechern herumgereicht wurde. Molema litt noch immer an seinem Asthma, doch lief er rüstig umher und bat mich, ihm dieselbe Medicin wieder verabreichen zu wollen. Seine Erkenntlichkeit ging so weit, daß er mir zu zwei kräftigen Zugthieren verhalf, von denen mir sein Sohn Matjes eines für einen englischen Sattel abtrat.
Molema, ein Mann von mittlerer Statur, mager, ist durch eine Habichtsnase ausgezeichnet, welche mit dem durchdringenden etwas unstäten Augenpaare, dem Gesichtsausdruck etwas Scharfes verleiht. Er ist streng, doch gegen manche seiner Unterthanen, die blindlings seinen Willen thun, sehr nachsichtig, wovon mich auch das Urtheil in dem erwähnten Gerichtsprocesse überzeugte. Obgleich stets kränklich, ist er doch ein treuer und helfender Genosse seiner kranken Frau und trotz seines Alters sehr behend. Während einige seiner Söhne, sowie die wohlhabenderen Einwohner in der Stadt in europäischen Häuschen wohnen, bleibt Molema seinem herkömmlichen treu.
Am 29. hatte Herr Webb eine interessante Zeremonie auszuüben, nämlich drei Pärchen zu trauen, einer der neuen Ehegatten führte den auffallenden Namen »Er liegt im Bette«; diese und ähnliche Namen erhalten die Kinder der Betschuana’s im zarten Alter nach Eigenschaften, die ihrer Umgebung besonders auffallen. Als ich am Abend desselben Tages einen Spaziergang durch die Stadt machte, hörte ich aus einem der reinlicher ausstatteten Gehöfte einen anmuthigen vielstimmigen Gesang von Hymnen in der Setschuana-Sprache, der von vier Männern und zehn Frauen angestimmt wurde, womit die Hochzeitsfeier schloß.
Auf meinen häufigen Gängen durch die Stadt konnte ich beobachten, daß neben europäischen Kleidungsstücken namentlich Carossen aus den Fellen der grauen Wildkatze, des grauen Fuchses, der Deukergazelle und der Ziege getragen wurden. Knaben hatten in der Regel ein Ziegen- oder ein Schaffell über die Schulter geworfen, Mädchen trugen ein ähnliches, doch meist aus Gazellenhaut, und nebstdem aus gedrehten Lederstückchen gearbeitete Schürzen; einige der Knaben prangten sogar mit den Fellen junger Löwen.
Die Streitigkeiten zwischen der Regierung der Transvaal-Republik und den Barolongen schienen etwas nachgelassen zu haben, und dies, weil Montsua gedroht hatte, bei etwaigen Uebergriffen von Seite der Boers das englische Banner in seinen Dörfern aufzupflanzen.
Zwei Tage später erkrankte mein Gefährte T. schwer an der Ruhr, wahrscheinlich in Folge des seit mehr denn zwei Wochen anhaltenden Regenwetters, doch gelang es mir, ihn bald wieder herzustellen; am folgenden Tage kamen auch kranke Barolongen aus der Umgebung an den Wagen, um meine ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da es sich an diesem Tage endlich etwas aufzuheitern begann, wurde es in der Umgebung der Stadt lebendig, das Thal des Molapo wiederhallte von dem Geschrei und Gesange der dunklen Frauen und Knaben, welche aus der Stadt ausgezogen waren, um die in die Kafirkorn- und Maisfelder einfallenden Schaaren der langschwänzigen Witwen, Feuerfinken und Webervögel zu verscheuchen. Die aus den Felsenritzen allerorten emportreibenden Kari- und Olivenbäume, die, wenn auch zuweilen niedrig, stets eine umfangreiche, wahrhaft prachtvolle Krone entwickelten, verliehen auf einer felsigen Erhebung in der Stadt emporwachsend, dem nach Norden von einer bewaldeten Bodenerhebung begrenzten Thale, einen dem Auge wohlthuenden Schmuck.
Pavianfelsen.
In Molema’s Town erfuhr ich, daß die Barolongen die getrockneten Blätter einer bestimmten Pflanzenart zu einem braunen Pulver rösten und dasselbe sowohl als Gift, wie auch als Beschwörungsmittel gebrauchen; so bedienen sie sich z. B. desselben, um mit dem zu Brei angerührten Pulver die höchsten Aehren eines Kornfeldes zu bekleben. Eine Berührung dieses Zaubermittels von Seite des Diebes würde dessen sofortigen Tod nach sich ziehen. In ähnlicher Weise sehen wir mit Hilfe desselben Materials, Striche, Wellenlinien etc. auf der Innenseite der Umzäunungen der Barolongen-Gehöfte angebracht, »um die Feinde des Haushaltes« fern zu halten. Als einige Tage vor meiner Ankunft einem der Bekehrten in Molema’s Town allnächtlich etwas Tabak aus seinem Gärtchen zu verschwinden pflegte, rieth Herr Webb dem Bestohlenen, einen in der Tabakpflanzung errichteten Pfahl mit Wagenfett zu übertünchen, und siehe da, der Dieb blieb aus.
Bevor ich noch am 12. April Molema’s Town verließ, erfuhr ich das Urtheil, welches König Montsua in dem bereits erwähnten Proceß gefällt hatte. Ich will hier die Episode schildern, um den Leser mit der Gerichtsbarkeit der Betschuana’s näher vertraut zu machen.
Ein ältlicher Barolonge hatte auf eine 15jährige Barolongen-Jungfrau (eine vaterlose Waise) in Molema’s Town sein Auge geworfen; da sie ihm jedoch nicht als Weib in seine Hütte folgen wollte, und er sie auch nicht kaufen konnte, sann er auf ein anderes Mittel, um seinen Wunsch erfüllt zu sehen. Er bot der Mutter des Mädchens seine Hand an, welche sie auch nicht verschmähte und nun, mit dem Mädchen seiner Neigung im selben Gehöfte wohnend, glaubte er ihre Zuneigung gewinnen zu können; allein da weder sein Aeußeres, noch seine Conversation, welche sich meist um Khomo (Vieh) und Mabele (Korn) drehte, bei dem Mädchen einen guten Eindruck hervorzurufen vermochten, nahm er seine Zuflucht zu einem Beschwörer. Das Mädchen sah wohl den Beweggrund dieser Heirat ein, und vermied alles, was ihrem Stiefvater als Zeichen der geringsten Gunst hätte erscheinen können. Als sie eines Tages zeitlich Morgens wie gewohnt, zur Feldarbeit ging, ward sie von ihrem Stiefvater eingeholt und es entspann sich nach ihrem eigenen Geständniß anderen Frauen gegenüber folgendes Gespräch. »Ich weiß, daß mich Dein Herz haßt.« Ein »E-Hē« belehrte ihn, daß er sich nicht irre. Vor Zorn zitternd, stieß der Alte seinen langen Stab heftig in den Boden und sagte. »Ich weiß es, es soll auch so bleiben, dann aber mußt Du mir versprechen, keinen anderen Mann zu nehmen.« Das Mädchen konnte sich eines lauten Auflachens nicht erwehren, und gab ihm frank und frei mit einem na-ja eine ebenso bestimmte abschlägige, wie zuvor eine bejahende Antwort. Mit vor Wuth entstellten Zügen eilte der alte Mann mit den Worten. »Du versprichst es nicht? dann vergifte ich Dich!« von dannen, während das Mädchen zu den Gärten am Flusse eilte und der dort arbeitenden Mutter und einer Nachbarin unter Schluchzen das Geschehene erzählte. Die Frauen suchten es der Gekränkten auszureden und meinten, es wäre alles nur ein Scherz, den sich der Stiefvater erlaubt hätte. Am selben Abend wurde sie, während sie ihr einfaches Mahl von gekochten Wassermelonen genoß, von ihrem Vater in’s Häuschen gerufen und unter einem Vorwande zu einer Nachbarin gesendet; von ihrem Gange zurückgekehrt, beendete sie ihr Mahl. Kurze Zeit darauf fing sie an über Unwohlsein zu klagen, Magenkrämpfe stellten sich ein, die sich so steigerten, daß sich die Arme laut schreiend auf der Erde rollte. Von den zur Hilfeleistung herbeigeeilten Nachbarn umringt, klagte sie, die Mutter an das ihr erzählte Zwiegespräch erinnernd, ihren Stiefvater laut der Vergiftung an. Gegen Mitternacht war sie eine Leiche und allgemein wurde ihr Stiefvater als der Mörder bezeichnet. Männer und Frauen, welche denselben Nachmittag den alten Mann Pflanzen am Flusse sammeln, andere, meist Nachbarsleute, die ihn Blätter und Zwiebeln im Höfchen kochen gesehen hatten, meldeten sich freiwillig zur Zeugenschaft.
Der Beschuldigte war Molema’s Leibeigener, ein Mann, der durch ein halbes Jahrhundert hindurch seinem Herrn treu gedient hatte; obgleich im Vorhinein entschlossen, ihn zu retten, sandte Molema sofort Boten an seinen Bruder, den König, nach Moschaneng, um ihm den Fall zu berichten. Montsua versprach selbst den Fall zu untersuchen. So kam es, daß er nur wenige Tage vor meiner Ankunft in Molema’s Town eingetroffen war und sofort die Leitung der Verhandlungen in die Hand nahm. Inzwischen befand sich der Beschuldigte auf freiem Fuße, machte seine gewohnten Spaziergänge, auf denen ihm Alles scheu auswich. Er hielt sich von Molema’s Weichherzigkeit überzeugt und glaubte sich ohne Mühe mit einigen Ochsen oder Kühen loskaufen zu können. Nach des Königs Ankunft in der Stadt, begann der Proceß und beschäftigte durch zwei volle Tage die hervorragendsten Häuptlinge der nördlichen, freien Barolongen. Nach jeder Sitzung (zwei am Tage) wurden die Anwesenden von Molema mit Bochobe (Mehlbrei) bewirthet.
Bootfontein.
Der Verurtheilte, dessen Schuld klar zu Tage lag und der von allen Anwesenden als schuldig befunden wurde, fand, wie er es gehofft, an dem Häuptling Molema den wärmsten Vertheidiger. Des Dieners Schuld anerkennend, um nicht seinen Bruder, den König, durch Widerspruch zu reizen, wußte doch Molema so viele Milderungsgründe anzuführen, daß der König angesichts der Haltung der Unterhäuptlinge von Molema’s Town und der Umgebung, sich erweichen ließ und von einer Verurtheilung zum Tode absah. Der König, dem schon die zweitägige Gerichtssitzung zu anstrengend vorkam und der es wohl zu verstehen schien, daß sein Bruder eine Gefälligkeit von ihm fordere, überließ demselben die Bemessung der Strafe. Molema bedeutete dem Verurtheilten sich sofort zu entfernen, um dem König den Proceß so rasch wie möglich vergessen zu machen und als dieser später einen Spaziergang durch die Stadt unternahm, ließ Molema den Schuldigen holen und sprach das Urtheil. Es war die gelindeste Strafe für ähnliche Vergehen: Der Beschuldigte mußte ein Rind an die nächsten Verwandten (in diesem Falle waren er und seine Frau die nächsten Verwandten) der Gemordeten als Blutsühne bezahlen.
Newport-Farm.
Als ich mich am 2. zur Abreise rüstete und vor derselben noch einmal Herrn Webb besuchte, erschien plötzlich eine dunkle Gestalt in der schmalen Thüröffnung. Es war Montsua. Lächelnd kam er auf mich zugeschritten, faßte meine Rechte und drückte mir fünf englische Shillinge in die Linke, indem er mich bat, ihm einen Vorrath desselben Medicamentes zu bereiten, von dessen günstiger Wirkung an seinem Weibe er schon während meines ersten Besuches in Moschaneng sich überzeugt hatte.
Am Nachmittag des 2. April verließ ich die Stadt der oberen Barolongen und zog im Thal des Molapo aufwärts. Am folgenden Morgen passirte ich den letzten nach dieser Richtung hin bewohnten Kraal, über den als Unterhäuptling Linku (ein Schaf), der Bruder Molema’s gebietet. Der Morgen des 3. April war empfindlich kalt, ein eisiger Südostwind nöthigte uns, »Winterröcke« anzulegen. Auf der westlichsten, der sogenannten, zu dem Jacobsdaler Bezirk gehörenden Molapo-Farmen, Riet-Vley, deren Besitzer ein Boer Namens P. C. van Zyl[2] ist, hielten wir Rast.
Von hier ziehen sich die Farmen dicht aneinander liegend, bis an die Molapo-Quellen. Das Thal des Flusses erstreckt sich noch etwa 22 englische Meilen nach Osten, es behält zwar stromaufwärts seinen sumpfigen Charakter bei, doch wird es allmälig enger, seine Ufer hügelig, steil und bewaldet, und sind diese Partien nicht nur im Allgemeinen unter die anziehendsten der westlichen Transvaal-Grenze zu zählen, sondern auch für den Forscher, sei er nun Ornithologe, Entomologe, Botaniker oder Mineraloge, in jeder Beziehung des Besuches werth.
Die Wagenspur, der wir bisher gefolgt waren, führte an einer der letzten Farmen direct nach dem Baharutsen-Kraal Linokana, den ich jedoch über Jacobsdal und Zeerust zu besuchen gedachte. Ich zog jedoch am Abhange in der eingeschlagenen Richtung so weit, bis mich Baumdickichte nöthigten, an Mr. Taylors Farm (deren ich am Maretsane-Flusse gedachte), Oliv-wood-dry, der steilen Abhänge halber das Thal zu verlassen und die Hochebene wieder aufzusuchen. Oliv-wood-dry ist unstreitig eine der schönsten Farmen am oberen Molapo, sie besitzt einen guten Garten und eine der wasserreichsten Quellen, die den Molapo speisen, der Pflanzenwuchs der Thalsohle, vor den kalten Winden geschützt, bildet eine Oase auf dem westlichen Transvaal-Plateau. Um so dürftiger und eintöniger fand ich die Farm Bootfontein, auf welcher die Insassen derselben mehr zu vegetiren, denn zu arbeiten schienen.
Abends überschritten wir in dieser Gegend die Wasserscheide zwischen dem Oranje-River und dem Limpopo und übernachteten an den Quellen eines kleinen Spruit, den ich Burgerspruit benannte, und der ein linker Zufluß des Malmani ist. Im landschaftlich anziehenden Thale des Malmani, an dessen von üppiger Vegetation bedeckten Abhängen zahlreiche Farmen gelegen sind, trafen wir am nächsten Tage ein.
Am Morgen des 5. verließ ich das Malmanithal und zog an der Newport-Farm vorüber über das Hochplateau, eine mit niederen sauren Gräsern bewachsene Ebene, weiter nach Osten. Nach dieser Richtung hin und nach Nordost wurden zahlreiche Höhen, die Ausläufer des Marico-Höhennetzes, und zwar jene des Khama- oder Hieronymusthales sichtbar, die mit diesem eine der schönsten Partien des genannten südafrikanischen Höhencentrums bilden. Die Einsenkung zu dem Seitenthale, in das wir hinabfahren mußten, um zu dem Hauptthale zu gelangen, ist durch eine felsige Doppelhöhe gekennzeichnet, welche ich Rohlfsberg nannte, weiter nach abwärts fiel mir ein sattelförmiger Hügel auf, den ich Žižkasattel taufte. Die Abfahrt zum Thale war ziemlich beschwerlich, denn wir fuhren über steile Felsenplatten herab. Für die Mühen dieser Fahrt waren wir durch die Scenerie im Hieronymusthale reichlich entlohnt; die schönste Stelle bietet unstreitig die Partie an der Farm Büffels Huck, in deren Hintergrund sich die anziehenden Staarsattel-Höhen malerisch vom Horizonte abhoben. Abends hatten wir die Mündung des Hieronymusthales in jenes des kleinen Maricoflusses und die Farm Weltevreeden erreicht. Diese Farm gehörte einem der wohlhabendsten Boers des Marico-Districtes, einem Mynheer van Groonen, dessen Söhne durch längere Zeit Elephantenjäger gewesen und denen es ausnahmsweise gelungen war, sich damit ein Vermögen zu erwerben. Im Farmgarten sah ich eine junge Giraffe, eines der Beutestücke, die sie von einem Jagdausfluge heimgebracht hatten.
[1] Die Farm liegt östlich von dem Gebiete der unabhängigen Koranna’s.
[2] Ein Bruder des von mir erwähnten Damara-Emigranten.
II.
Von Jacobsdal nach Schoschong.
Jacobsdal. — Zeerust. — Ankunft in Linokana. — Schieferlager. — Ernteerträgnisse. — Die Krokodile im Limpopo und seinen Nebenflüssen. — Erzlagerstätten im Bushveldt. — Damara-Emigranten. — Die Löwenfurth über den Marico. — Welsfang im Marico. — In Lebensgefahr. — Das Buffadderthal. — Ankunft in Schoschong.
Welsfang im Marico.
Von der Farm Weltufrede schon konnten wir das Städtchen Jacobsdal erblicken, einige wenige Gebäude an den Ufern eines Baches und ein nettes Kirchlein war alles, was damals dies werdende Städtchen des westlichen Transvaal-Gebietes aufzuweisen hatte. Von Jacobsdal änderten wir unsere Richtung in eine nördliche und nordöstliche, um nach Zeerust, dem wichtigsten Flecken des Marico-Districtes zu gelangen. Auf der Fahrt dahin passirten wir eine der ergiebigsten Farmen dieses Bezirks, jene des D. Bootha, an welcher der Malmani einen niederen, felsigen Höhenzug durchbricht, um sich dem Marico zuzuwenden.
Wir trafen am nächsten Tage in Zeerust ein, nachdem ich zuvor die das Städtchen beherrschenden Höhen besucht. Zeerust hat eine größere Ausdehnung als Jacobsdal und ein längerer Aufenthalt in der Umgebung des Städtchens wird dem Entomologen, Botaniker und Geologen reichlich seine Mühe lohnen.[3] Noch bevor wir am folgenden Tage das freundliche Linokana betraten, begegneten wir Rev. Jensen, der eben im Begriffe war, die Post aus dem Innern nach der Stadt zu bringen. Unser Zusammentreffen war ein herzliches und dankbaren Herzens nahm ich die Einladung an, während der nächsten 14 Tage sein Gast zu sein. Mir war diese Erholungszeit doppelt willkommen, denn sie bot mir nicht nur Gelegenheit, die Umgegend naturhistorisch zu erforschen, sondern war auch meinen Gefährten nöthig.
Die schönen großen eisenhaltigen Schieferlager, die wir in der Umgebung von Zeerust und Linokana vorfanden, würden in einer europäischen Stadt sehr gute Verwendung finden, doch werden sie auch von den Bewohnern des Marico-Districts bei ihren Bauten, namentlich ihren Einfriedigungen und Pflasterungen in Anwendung gebracht. Die Höhen von Zeerust waren mit dem Waggonbaum bewachsen, dessen Rinde zum Gerben verwendet wird.
Im Jahre 1875 wurden von den Baharutse in Linokana 800 Säcke Weizen (à 200 Pfund) gewonnen, und werden von Jahr zu Jahr immer größere Flächen Landes cultivirt. Die Baharutse bauen Mais, Sorghum, Melonen, Tabak etc. an, und bringen den Ueberschuß über ihren Bedarf nach dem Transvaal-Gebiete und den Diamantenfeldern zu Markte. Doch sind ihre Gehöfte minder fleißig und gut gearbeitet als jene der Barolongen. Die Baharutse haben ihr Ländchen an die Boer-Regierung abgetreten und sich nur das Gebiet einiger Farmen behalten.
Am 9. unternahm ich einen Ausflug zu den Quellen des Matebeflüßchens und auf die erzreichen Höhen der Umgebung. Die nächsten Tage waren theils der Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen, theils dem Besuche der Gärten und Pflanzungen und der Missionskirche gewidmet. Der Gottesdienst in der letzteren wurde mit dem Absingen einer Hymne eröffnet. Dann wurde das Evangelium vorgelesen, worauf abermals Gesang folgte, woran sich die Predigt des Missionärs anschloß. Der Eindruck des Gottesdienstes auf die auf ihren kleinen Holzstühlchen kauernden Neophiten war ein sichtlich guter. In seiner Einfachheit war dieser Gottesdienst erhebender als viele der mit Pomp celebrirten Feierlichkeiten in den Cathedralen der Großstädte.
Spät Abends am 15. kam der eingeborne Postbote von Molopolole an. Er hatte drei Tage gebraucht, um die Strecke zurückzulegen und blieb nun bis zum nächsten Tage hier, um die in Zeerust von Klerksdorp erwartete europäische Post wieder in’s Innere nach Molopolole zu bringen. Mich überraschte die letztere mit einem freundlichen Schreiben des allbekannten Geographen A. Petermann aus Gotha. Auch kam ein englischer Major aus dem Banquaketsen-Lande hier an, der das Land nach Edelmetallen durchforschte, er war im Begriffe nach Kolobeug und Molopolole zu reisen und erzählte mir und Rev. Jensen eine interessante Geschichte, die ihm und Capitän Finlason zugestoßen und ihn bewogen hatte, das nordöstliche Transvaal-Gebiet aufzusuchen.
Die regnerischen Tage, und an solchen war die Zeit meines Aufenthaltes in Linokana reich, brachte ich in der gastlichen Wohnung Rev. Jensens zu. Er benutzte diese Tage, um mir verschiedene, nützliche und interessante Mittheilungen zu machen und Erlebnisse auf seinen Missionsreisen zu erzählen. Unter anderen betätigte er die Thatsache, daß die Krokodile aus dem Limpopo unglaublich weit in dessen Nebenflüsse hinaufschwimmen und erzählte mir, daß er selbst vor einiger Zeit am Flüßchen Taung auf Krokodile stieß, welchen sein Hund bald zum Opfer gefallen wäre. Diese Stelle am Ufer des Taung, der ein Nebenfluß des Notuany ist und daher ein linker Zufluß des Limpopo, ist von dem letzteren zwei starke Tagreisen entfernt. Als noch Herr Wehrmann, ebenfalls ein Mitglied der Hermannsburger Missionsgesellschaft bei den Makhosi wohnte, lag nahe an seiner Wohnung ein kleiner Tümpel am Ufer des Kolobengspruit. Hier wurde eine Kuh an der Tränke von einem Krokodil im Spruit ertränkt.
Allnächtlich hörten wir den Gesang der Baharutse-Mädchen und Männer aus den umliegenden Stadtgebieten, denn die Baharutse lieben den Tanz. Einer der landschaftlich schönsten und des Besuches werthen Punkte in der Nähe von Linokana ist das Thal des Notuany etwa drei Meilen unterhalb seiner Vereinigung mit dem Matebe-Flüßchen. Felsige Bergabhänge hie und da von üppigen Triften und dichten Wäldern bedeckt, engen es ein und beherbergen zahlreiches Federwild, in den zahlreichen Schilfrohrdickichten des Matebe finden Wildkatzen bis zur Größe eines Leoparden die geeignetsten Schlupfwinkel und reiche Beute.
Am 23. verließ ich Linokana, überschritt den Notuany, an dem mir die halbzerfallene Brücke über denselben noch mehr Sorgen als auf der zweiten Reise verursachte und deren Passirung über zwei Stunden in Anspruch nahm.
In der Buysport-Schlucht, wo wir diesmal im Fischfang in den Tümpeln des Marupa-Flüßchens eine lohnende Beschäftigung fanden, verlebte ich einen angenehmen Tag; nicht minder ergiebig war unsere Jagdbeute. Die höher liegenden Tümpel sind fisch- und leguanreicher, als die nach der Oeffnung der Schlucht zu gelegenen, indem die höheren tiefer und mehr beschattet sind und daher weniger leicht austrocknen. Manche der den Fluß überschattenden Bäume (meist Weiden und Mimosen) waren bei einem Durchmesser von 4 Fuß, bis 60 Fuß hoch.
Am nächsten Tage, den 25. passirten wir die im Bushveldt liegenden Farmen Wit- und Sandfontein. Die Bewohner der ersteren rüsteten sich zu einem großen Jagdzug nach dem Innern, und hofften mich dort wieder zu finden. Zwarts Farm fand ich verlassen, der Eigenthümer war acht Tage zuvor nach denselben Gegenden abgegangen. Sein vorjähriger Jagdzug hatte ihm einige Strauße und Eland-Antilopen eingebracht. Von vorüberfahrenden Boers erfuhr ich, daß van Zyl, dem Damara-Emigranten, fortwährend neue Zuzügler aus dem Transvaal-Gebiete Gebiete an den Krokodil-River folgten und daß sich diese Emigranten bald hinreichend stark fühlen würden, um ihren Marsch nach Nordwesten fortzusetzen. Das linke Ufer des mittleren Krokodil-Riverlaufes zwischen dem Notuany und Sirorume war ihr Sammelplatz.
Im Sumpfe am Matebe-Flüßchen.
Am Nachmittag selben Tages langte ich auf Fouriers schon bekannter Farm Brackfontein an. Hier stieß ich auf zwei aus dem Jacobsdaler District kommende Boers, die mit ihren gebrechlichen Wägen, von einem elenden Gespann, Kühen und jungen Ochsen gezogen, auf die Jagd in’s »Innere« ausgingen. Das Arbeiten behagte ihnen nicht und so zogen sie das kostspielige Vergnügen des Elephantenjagens vor, um damit noch das wenige, das sie besaßen, einzubüßen und krank und mittellos in die Heimat zurückzukehren. Fourier zeigte mir Quarz, der reichliche Schwefelkies-Einschlüsse enthielt und theilte mir mit, daß er eine Stelle kenne, an welcher große Mengen dieses und eines anderen weniger glänzenden und mehr ockergelben Metalls zu finden sei, wollte mich aber durchaus nicht zu dem betreffenden Fundorte führen. Auch berichtete mir Fourier, daß die Batloka von Tschuni-Tschuni vier Wochen vor meiner Ankunft am Fuße der Dwarsberge einen Löwen erlegt hatten.
Ich verließ am Morgen des 28. die Farm und lagerte am Schweinfurth-Passe in den Dwarsbergen. Abends gelangten wir zu den in Felsen aufgegrabenen Quellen an den Ausläufern der Tschuni-Tschunihöhen, umfuhren am folgenden Tage die schon auf der letzten Reise besuchte Batlokastadt Tschuni-Tschuni, und lagerten, nachdem wir den Kessel an dem Betschuanaspruit durchzogen, am nördlichen Abhange der Ausläufer der Bertha-Höhe. Am Ufer des Betschuanaspruit beobachtete ich ein verlassenes Barwadorf, aus 15 Hütten bestehend, welche frei auf einer Wiese lagen und in Nachtmützen-Form aus je vier in ihren oberen Enden miteinander verbundenen, vier Fuß hohen Pfählen, sowie einigen über dieselben geworfenen Grasbündeln errichtet waren.
An der Löwenfurth im Marico.
Am Nachmittag des 30. langten wir am großen Marico an und lagerten an einer Stelle, an der eine Stromschnelle und zwei kleine Felseninseln das Uebersetzen des sonst der Krokodile halber nicht gefahrlos zu durchwatenden Stromes ermöglichten. Da mir die Stelle gefiel und das jenseitige Ufer wildreich war, entschloß ich mich, zwei oder drei Tage an der Furth zuzubringen. Etwa 100 Schritte unterhalb derselben wählte ich mir im jenseitigen Ufergehölze ein Plätzchen aus, an welchem ich mich auf den Anstand zu legen beschloß, und blieb auch trotz der Warnungen Pits dabei, der an der Furth frische Löwenspuren gefunden hatte. Zur Vorsicht versah ich den gewählten Platz mit einer niederen Hecke und bezog denselben nach Sonnenuntergang. Der Uebergang über den ziemlich reißenden Strom in der Dämmerung war beschwerlich und ermüdend.
Allmälig, und zwar je unangenehmer mir meine Lage mit der zunehmenden Dunkelheit erschien, desto mächtiger schlich sich in mein Denken eine lange zuvor nicht gleich innige Sehnsucht nach der Heimat und insbesondere nach meiner Mutter ein. Ich sah das Bild der treuen Pflegerin meiner Kindheit so treu vor mir, als stünde sie an meiner Seite. Diese spontan auftauchenden Gedanken und Vorstellungen erfüllten mich mit einer gewissen Bangigkeit. Wäre es nicht besser den Ort zu verlassen und zum Wagen zurückzukehren? Nein, mußte ich mir sagen, denn zur Stunde hatten die Krokodile bereits ihre Spaziergänge am Ufer begonnen, um die Stromschnellen zu umgehen.
Die Dunkelheit nahm indeß immer mehr zu, dichte Wolkenmassen hingen vom Himmel herab und ich kam zur Erkenntniß, daß mein Aufenthalt hier zwecklos und meine Lage keine beneidenswerthe war, ich konnte kaum auf zehn Schritte Entfernung Gegenstände unterscheiden, mein Gewehr bot mir daher keinen Schutz; das lange Jagdmesser war die einzige Waffe, auf die ich mich im Falle der Noth verlassen konnte. Krampfhaft faßte ich mein Messer mit der Rechten und hockte mich nieder. Ich trachtete mit dem Gesichte die Dunkelheit um mich zu ergründen und strengte das Auge an, doch ich sah nichts, nichts als tiefe Nacht um mich. Allmälig fieng es mir vor den Augen zu flimmern an, bläuliche Sterne schienen sich zu bilden und das Auge glaubte in ihnen das Bild der Mutter zu sehen. Diese wiederholte Vision versetzte mich in Aufregung, ich konnte das Gefühl, daß mir hier Gefahr drohe, nicht unterdrücken und beschloß das Wagniß zu unternehmen, in dieser Finsterniß zum Wagen zurückzukehren. Ich legte den einen Fuß auf die trockenen Aestchen und brach unter lautem Krachen durch, erhob mich jedoch wieder, faßte das Gewehr in die eine, das Messer in die andere Hand, um die Stelle zu verlassen. Doch was nützte mir das Gewehr im Gebüsch und in der Finsterniß — ich warf es zurück. In demselben Momente vernahm ich ein Kratzen und Scharren, vielleicht das einer Mangusta, doch deutlich davon unterscheidbar. Ich blieb stehen, der Laut wiederholt sich und schien von einem Brummen begleitet. War es ein Raubthier und so nahe, waren jene rostigen Gegenstände, die ich im Zwielicht in den Büschen drüben gesehen, auch in der That Löwen gewesen? Als ich die Hecke überschritten hatte, fühlte ich den Schlag des Herzens stürmischer werden. Mit dem Jagdmesser vor mir herumtastend, suchte ich den herabhängenden Aesten und den Baumstämmen auszuweichen. Nach jedem Schritte hielt ich einen Augenblick inne, um jedes etwa hörbare Geräusch möglichst deutlich und sofort aufnehmen und begreifen zu können. Ungeachtet der äußersten Vorsicht konnte ich es nicht verhindern, hie und da mit den Aesten in Collision zu gerathen; pochenden Herzens wartete ich dann mehr denn zwei Minuten, ob kein Geräusch ein anschleichendes Raubthier ankündige.
Es war nur eine kurze Strecke, die ich zurückzulegen hatte, nur 100 Schritte, doch nahm sie mir viel Zeit in Anspruch. Endlich langte ich, durch das Zischen des Wassers geleitet, an der Stelle an, wo die enge Regenrinne den Abstieg zum Flusse ermöglichte. In dieser herabgleitend, stand ich eine Minute später am Rande des Gewässers. Mit der gespanntesten Aufmerksamkeit setzte ich einen Fuß vor den andern und trachtete nach dem stärkeren oder schwächeren Brausen des Wassers vor mir die Furth zu erkennen; wie oft ich auch ausglitt und sogar der ganzen Länge nach in’s Wasser fiel, war ich doch immer wieder im Stande, mich rasch aufzurichten und die Richtung einzuhalten. So gelangte ich unter unsäglicher Mühe auf die erste der kleinen Inseln, ließ mich dann wieder in’s Wasser herab, durchschritt den engen Mittelarm, durch den die Hauptströmung zog, schwang mich auf die nächste Insel und gönnte mir hier einige Minuten Rast, bevor ich den Uebergang vollendete. In Schweiß gebadet, stieg ich zum dritten Male in das zischende Element herab und über die schlüpfrigen Steine balancirend, hatte ich endlich glücklich das diesseitige Ufer erreicht, ohne mit den Kinnladen der Ungeheuer Bekanntschaft gemacht zu haben. Obwohl ich noch nicht jeder Gefahr entronnen war, fühlte ich doch meine Brust bedeutend erleichtert, als ich den Fuß auf festen Boden setzte. Ich war so ermüdet, daß ich mich am Flußrande niedergesetzt hätte, wenn mich nicht der Gedanke, daß eben das unmittelbare Ufer an den Stromschnellen die von den Krokodilen zur Nachtszeit besuchteste Stelle ist, an der sie dann dem zur Tränke kommenden Wilde aufzulauern pflegten, davon abgeschreckt hätte. Ich war eben im Begriffe an den Büschen auf das hohe Ufer emporzuklimmen, als ich ein starkes Geräusch ober meinem Kopfe vernahm; im Aufstiege innehaltend, unterschied ich, wie dasselbe sich dem Flusse näherte. Ich kniete nieder und hielt mich am Stamme des Busches fest, um mich desto ruhiger verhalten und lauschen zu können. Wenige Minuten später erkannte ich die Ursache des Geräusches; es war eine Heerde der schönbehörnten Pallah-Antilopen, welche in den Fluthen unter mir ihren Durst stillen wollte. Ich erkannte sie an dem Anschlagen ihrer Hörner an die Büsche und dem eigentümlichen Brummen. Meine ganze Kraft aufbietend, zog ich mich an den überhängenden Aesten der Bäume auf den hohen Uferrand. Jetzt athmete ich freier auf, der Weg zum Wagen führte über eine Lichtung, auf diese eben heraustretend, schlug das Gekläffe der Hunde an mein Ohr, welche die Pallah’s gewittert hatten. Ein Pfiff brachte Niger in wenigen Momenten an meine Seite und bald darauf hatte ich den Wagen erreicht, um welchen lichterlohe Feuer brannten.
Am folgenden Tage besuchte ich gemeinschaftlich mit Pit den Rendezvousplatz und fand die Stelle, an der ich gelegen, sowie die nächste Umgebung von Löwenspuren bedeckt und die niedere Umzäunung aus trockenem Gezweige vollkommen zertreten. Der Aufenthalt an dieser Stelle kostete einem meiner Hunde in Folge des Stiches einer Fliege, welche schaarenweise die Thiere überfällt, und sich an Nase, Augen und Ohren festsaugt, das Leben.
Am 1. Mai unternahm ich mit Pit einen größeren Ausflug landeinwärts. Schon früher hatte ich gehört, daß man sich hie und da in der Colonie den Muth nimmt, in die geräumigen unterirdischen Hyänenbauten hineinzukriechen, um sich von der Anwesenheit des Raubthieres zu überzeugen. Ist die Hyäne »eingefahren« so wird in dem äußersten Theile ihres Baues aus gewissen Sträuchern ein Feuer angezündet, um das Thier auszuräuchern. Beim Entweichen wird sie erschossen oder mit Knitteln erschlagen. Ich machte nun auch mit Pit einen Versuch und forderte ihn bei einem Hyänenbau angelangt, auf, hineinzukriechen, und siehe da, er wiederholte auch hier, was er schon oft daheim gethan, diesmal leider ohne Erfolg, da der Ausräucherungsproceß nicht recht von Statten gehen wollte.
Am selben Tage trat ich die Weiterfahrt an und traf einige Meilen flußabwärts einen Elfenbeinhändler aus dem Matabelelande an, der im Auftrage des Königs der Matabele dem englischen Gouverneur in Griqualand (Kimberley) mittheilen sollte, daß ein weißer Forscher an der Ostgrenze seines Reiches unter den Maschona’s getödtet worden war.
Die überaus reiche Ausbeute des Tages, Vogelbälge, Reptilien, Insecten, Pflanzen und Mineralien bewog mich, mein Glück auch im Fischfange zu versuchen. Mit den nöthigen Werkzeugen ausgerüstet stand ich bald an dem hohen Flußufer und senkte meine Angel in die Fluth. Es gelang mir, mehrere Welse zu fangen, drei große, etwa sechs Pfund schwere Stücke vermochte ich nicht an’s Ufer zu schnellen, die Thiere brachen die Angel oder entschlüpften und fielen rasch über das steile Ufer in den Fluß zurück. Bei den Anstrengungen, die ich machte, um einen vierten zu landen, verlor ich das Gleichgewicht und fiel kopfüber das Ufer herab, blieb aber glücklicher Weise an den Dornen eines Wartebichi-Strauches hängen.
An den Perlhühnern am Marico beobachtete ich, daß sie sich überall da, wo Gebüsche bis an den Fluß herantraten, häufiger zeigten und daß sie ihre Bäume nicht vor dem Abtrocknen des schweren Morgenthaues verließen. Im Laufen leisten diese Geschöpfe Unglaubliches.
Gegen den Abend fuhren wir weiter und begegneten einer größeren Anzahl von Betschuana-Familien, dem Makhosistamme angehörend, welche nahe an den Ruinen von Kolobeng auf Seschele’s Gebiete wohnten. Sie waren aus ihren bisherigen Wohnsitzen ausgewandert und wollten sich an der Transvaal-Grenze am Fuße der Dwarsberge ansiedeln, da sie von Seschele zuviel geplagt wurden. Seschele bereitete sich vor, die Makhosi und die Bakhatla mit Waffenmacht zu überfallen, doch wurde dies den letzteren verrathen und sie trafen sogleich alle Vorkehrungen, um ihn gebührend zu empfangen, auf welche Nachricht hin aber Seschele von dem geplanten Ueberfalle abstand. Für den Reisenden und Händler, wie auch für die nachbarlichen Colonien ist es in jeder Hinsicht besser, wenn die Einheit der gegenwärtigen sechs Betschuana-Reiche aufrecht erhalten bleibt. Die Zersplitterung derselben in kleinere Staaten würde dieselben Nachtheile zur Folge haben, unter denen die europäischen Colonien und Reisende an der Ostküste nördlich der Delagoabai zu leiden hatten.
Am 4. beobachteten wir eine Wasserbockgaiß im hohen Grase des gegen seine Mündung leicht bewaldeten Maricothales. Th. beschlich das Thier ganz vortrefflich, doch das Unglück wollte, daß ihm die Patrone versagte und bevor ihm Pit eine zweite reichen konnte, hatte das Thier die Flucht ergriffen. Der Morgen war ausnahmsweise schön, doch hatten wir seit dem 2. täglich Fröste. Ich durchzog das bewaldete Dreieck zwischen dem unteren Marico und dem Limpopo, indem ich mich von dem ersteren entfernte, um ihm erst an seiner Mündung zu begegnen. Wir begegneten einem aus dem Westmatabele-Lande über 500 englische Meilen weit herkommenden Haufen Makalaka-Männer, welche zu Skeletten abgemagert nach den Diamantenfeldern zogen, um sich hier auf sechs Monate zu verdingen und sich ein Gewehr und Schußbedarf zu erwerben; leider konnten wir ihren Bitten um Fleisch nicht willfahren, da wir in den letzten Tagen kein Hochwild erlegt hatten.
Am folgenden Morgen fand ich mich am Ufer des Limpopo; da ich hier einige Tage zu verweilen gedachte, machten wir uns sofort daran, unseren Lagerplatz mit einer hohen Umzäunung aus Mimosenästen zu umgeben und die Zugthiere in Sicherheit zu bringen. Am Nachmittage unternahm ich mit Th. einen Ausflug am Marico-Ufer aufwärts und schoß zwei Meerkatzen und vier kleine Nachtaffen (Galakae), welche sich durch ein sehr feines seidenartiges Fell und ihre schönen großen Augen auszeichnen. Sie bringen in der Regel den Tag schlafend zu und beginnen erst mit der Nacht als wahre Sprungthiere das Leben in den Zweigen der Bäume in denen sie nach Motten und Insecten jagen, Beeren suchen, und den Gummisaft der Mimosen belecken. Mit den Krokodilen, welchen der Fluß seinen Namen verdankt, machte unser Diener am folgenden Tage Bekanntschaft. Mit Waschen am Ufer beschäftigt, tauchte plötzlich vor ihm ein dunkler Gegenstand aus der Fluth, bei dessen Anblicke ihm das Kleidungsstück entfiel und er es nur dadurch wieder gewann, daß er laut aufschreiend einen Stein dem nach dem eben versinkenden Gegenstande schnappenden Krokodile an den Kopf warf. Da ich den Limpopo etwas unterhalb der Vereinigung mit dem Marico blos etwa drei Fuß tief fand, versuchte ich es, den Strom an dieser Stelle zu überschreiten. Wir fällten mehrere große Mimosenstämme und bauten daraus ein Floß, doch das frische Mimosenholz war so schwer, daß es unter mir zwei Fuß tief einsank und als ich, das Floß im Stiche lassend, auf das Ufer zu springen im Begriffe war, hatte sich am gegenüber liegenden Floßende ein Krokodil angeklammert; diese unliebsame Erscheinung veranlaßte mich, vorläufig auf den Besuch des jenseitigen Ufers zu verzichten.
Am 7. verließen wir unsern Lagerplatz, zogen stromabwärts weiter und hatten auf der nächsten Strecke 15 enge und tiefe Regenschluchten zu überschreiten. Die Gegend war ein ununterbrochener Wald, in dem uns einige sehr schöne und umfangreiche Hardekoolebäume auffielen; das Land zur Linken gehörte Seschele, dem Bakwenakönig, das jenseitige der Transvaal-Republik.
Wir setzten an den folgenden Tagen die Reise fort und gelangten zur Mündung des Notuany, die Reise ging etwas langsam von statten, da das Thal des Limpopo und die an seinem Ufer befindlichen, höher liegenden und mit dem Strome nur bei Hochwasser communicirenden Sumpflachen mannigfache Gelegenheiten zur Jagd und zur Vermehrung meiner Sammlungen boten. Bevor wir noch den Notuany erreicht hatten, stießen wir auf das erste der beiden Lager, welche die Damara-Emigranten bezogen hatten, um sich zu ihrem Zuge nach Nordwesten zu sammeln. Das Lager bestand aus etwa 30 Wägen und eben so vielen Zelten. Große Vieh- und Schafheerden weideten von Bewaffneten beschützt ringsum. Die Leute saßen in Gruppen beisammen, die einen tranken den unentbehrlichen Kaffee, während andere emsig an der Completirung des Reisematerials arbeiteten. Mir fiel es auf, daß die meisten der Frauen schwarz gekleidet waren. Die Männer fragten uns, ob wir nicht einigen Boerwägen begegnet wären, und als wir es bejahten, daß wir zahlreiche Damara-Emigranten überholt hätten, da zeigte sich bei allen eine unverhohlene Freude, sie hofften, daß die Zeit nahe sei, wo sie hinreichend stark an Zahl, ihren Zug nach dem Damaralande antreten konnten, wobei sie hinzufügten, daß sie sich, im Falle ihnen von den Königen der östlichen und westlichen Bamangwato der Durchzug verwehrt würde, denselben erkämpfen wollten. Ich machte die Leute darauf aufmerksam, daß sie die trockenen, an Wasser so überaus armen Strecken des westlichen Theiles des nächst anliegenden Bamangwato-Reiches mit ihren zahlreichen Heerden kaum passiren könnten, oder dabei mindestens die Hälfte ihrer Thiere einbüßen würden. Doch sowohl hier als auch im zweiten Lager, in Schoschong und auf meiner Rückreise, auf welcher ich den Emigranten begegnete, war man gegen meine Vorstellungen taub und wollte von einer Umkehr nichts wissen, sie zeigten ein unbegrenztes Selbstvertrauen, besonders wenn man sie auf die Widerstandsfähigkeit der östlichen Bamangwato aufmerksam machte. Nach den Gründen ihrer Auswanderung befragt, klagten sie über die Regierung und die Person des Präsidenten, welcher ganz verkehrte Begriffe über die Auslegung gewisser Stellen in der Bibel hätte, während u. a. die Regierung bestrebt sei, Neuerungen einzuführen, die weder gut noch an der Zeit wären. Ihre Vorfahren südlich vom Oranje-River, sagten sie, waren grau geworden, ohne je mit solchen, mit großen Kosten verbundenen Neuerungen geplagt worden zu sein, deshalb wären auch jetzt diese nicht nöthig und dies um so weniger, als sie einen Zuzug von Fremden, namentlich von Engländern verursachten. Diese Neuerungen bezogen sich namentlich auf Verbesserungen, welche Präsident Burgers im Staate einzuführen bestrebt war, obgleich sie bei Weitem noch nicht die Abschaffung aller der Krebsschäden, an denen die Republik litt, erzielen konnten. Von allen diesen Neuerungen wurde mir das vom Präsidenten Burgers entworfene Eisenbahnproject, welches die Delagoabai mit der Transvaal-Republik verbinden sollte, als das abscheulichste bezeichnet.
Es ist wirklich staunenswerth und unglaublich, daß Menschen, die sich mühevoll ihren Besitz, ihre Farmen erkämpfen mußten, in Folge der oben angeführten Gründe und den Vorspiegelungen eines Mannes Glauben schenkend, ihre Heimatsstätte verließen, um eine Irrfahrt nach dem Innern anzutreten. Im Ganzen zählte der erste Trupp ohne Nachzügler etwa 70 Wägen. Sie wollten von den schönen Weideplätzen der Damara’s Besitz ergreifen und im Falle eines Widerstandes die Damara’s aus ihrem Lande vertreiben. Schon auf der Strecke Krokodil-River — Schoschong hatten sie sehr an Wassernoth zu leiden und so große Schwierigkeiten, ihre Heerden weiter zu bringen, daß sie, in Schoschong angekommen, entschlossen waren, nach dem Limpopo zurückzukehren, um hier so lange zu verharren, bis häufige Regen auf der Strecke Schoschong-Damaraland gefallen wären. Unter der Voraussetzung, daß die Boers das nöthige Land von den Damara’s käuflich erstehen wollten, versprachen ihnen der König Khama der östlichen Bamangwato’s, sowie jener der westlichen Bamangwato’s freien Durchzug durch ihre Gebiete. Als dem Ersteren jedoch die Nachricht zu Ohren kam, daß sie im Nothfalle zu den Waffen greifen würden, zog er sein Versprechen zurück, da er eine Invasion seines eigenen Landes befürchtete. Auf dieses hin erklärten die Boers offen, daß sie im Falle anhaltender Dürre das Königreich der Zulumatabele erobern, andernfalls aber sich mit Waffengewalt ihren Weg durch das Land der östlichen Bamangwato bahnen würden.
Krokodile im Limpopo.
Ich nahm mir damals, nach den Diamantenfeldern zurückgekehrt (im Jahre 1877), die Freiheit, mich der Sache öffentlich anzunehmen um dem Bamangwatostamm und seinem edlen Herrscher einen Vernichtungskampf und den Holländern schwere Kämpfe zu ersparen und schloß den ersten der diesbezüglichen in den »Diamond News« am 24. März veröffentlichten Artikel mit den Worten. »Es wäre absurd, wenn Leute wie diese Boers, welche weder im Stande waren, den Fortschritt in ihrem Mutterlande zu begreifen, noch fähig ihm zu folgen, vielmehr auf jede noch so nützliche Neuerung mit Verachtung herabblickten, einen neuen Staat gründen wollten.«[4]
Zwei Monate später nachdem ich dies geschrieben, erhielt ich die Nachricht, daß sich die Boers die Freundschaft Khamanes, der bei Seschele wohnte und Khama feindlich gesinnt war, dadurch zu sichern gedachten, daß sie ihn zum Könige der Bamangwato’s erheben wollten. Als ihnen dies nicht gelang, trachteten sie auch Matscheng, den Onkel Khama’s, in ähnlicher, aber auch vergeblicher Weise, gegen diesen als Bundesgenossen zu gewinnen.
Im Jahre 1876, namentlich aber 1877, hatte sich die Lage der am Limpopo der Entscheidung harrenden Damara-Emigranten bedeutend verschlechtert, die Leute sprachen nicht mehr von einem gewaltsam erzwungenen Durchzuge, im Gegentheile wollten sie jedem Kampfe ausweichen, denn viele von ihnen waren fieberkrank geworden. Als das Fieber in ihren Reihen immer mehr um sich griff, entschlossen sie sich zum Aufbruche, sie ließen von Khama nochmals den freien Durchzug fordern und zogen unterdessen statt nach Schoschong nach dem Mahalapsiflusse, um den König Khama irrezuführen. Inzwischen hatte sich Khama auf einen möglicher Weise bevorstehenden Kampf mit den Boers vorbereitet. Seine Leute mußten sich auf dem freien Raum vor der Stadt täglich in der Führung der Waffen einüben, während er die vom Limpopo abziehenden Boers mit zahlreichen Kundschaftern umgab, um sich über jede ihrer Bewegungen zu orientiren. Die Nachrichten, die er erhielt, bestärkten ihn immer mehr und mehr in der Ueberzeugung, daß ihm die Weißen in keiner Weise gewachsen seien. Manch’ anderer Eingebornenfürst Süd-Afrika’s hätte aus der schlimmen Lage derselben Nutzen geschöpft und wäre über die durch Krankheiten und Entbehrungen im Widerstande geschwächten, jedoch noch immer wohlhabenden Herdenbesitzer hergefallen. Khama jedoch sandte den Missionär Rev. Hephrun an den Mahalapsi, um sich über die hilflose Lage der Abenteurer zu vergewissern. Als ihm der Prediger nach seiner Rückkunft ihre Lage schilderte, gestattete ihnen Khama sofort freien Durchzug. Die Emigranten waren seit 1875 derart herabgekommen, daß sie nicht nur an keinen Kampf mit den Bamangwato’s denken konnten, sondern Khama selbst die Befürchtung hegte, daß sie kaum im Stande sein würden, in ihrem hilflosen Zustande den Zuga-River zu erreichen. Bald nachdem sie Schoschong verlassen und ihren Zug nach Nordwest angetreten hatten, mehrten sich täglich und stündlich ihre Mühsale. Der erste Theil der Strecke Schoschong — Zuga-River ist ein einziger tiefsandiger Wald (von den holländischen Jägern gewöhnlich das Durstland genannt) und besitzt nur fünf Wasserstellen, wie den Letlotsespruit, die Wasserlöcher von Kanne, Lothlakane, Nehokotsa etc., an denen man Thiere tränken kann. Die meisten dieser Stellen sind im Sande oder ausgetrockneten Flußbetten gegrabene Löcher, welche es kaum gestatten, ein Gespann Ochsen auf einmal zu tränken; Abends aufgegraben, liefern sie am nächsten Tage einige Eimer Wasser, woher sollten die Emigranten das nöthige Wasser für ihre nach Tausenden zählende Rinder- und Schafheerde nehmen. So geschah es, daß die Thiere durch Durst förmlich außer sich, truppweise davonliefen und die Boers in elendem Zustande am Zuga anlangten.
Die Noth an Dienern machte sich bei den Leuten sehr fühlbar, ich sah oft Kinder die Leitochsen führen und Frauen, hier die Gattin, dort die Tochter, die riesige Peitsche schwingen. Nach und nach durch Krankheit decimirt und nachdem sie etwa 50 Percent ihrer Habe eingebüßt, langten die Emigranten am N’gami-See an. Von da begann ein neuer beschwerlicher Zug durch das Land der westlichen Bamangwato. Eine kleine Anzahl von Familien, deren meiste Mitglieder am Fieber darniederlagen und zahlreiche Waisen erreichten das Damaraland. Während meines Aufenthaltes in London im Jahre 1880 erfuhr ich, daß die Ueberlebenden jener bedauernswerthen Leute von allen Mitteln derart entblößt ankamen, daß ihnen die englische Regierung durch freiwillige Gaben der opferwilligen, englischen und holländischen Bevölkerung der Capstadt und anderer südafrikanischer Städte, an Kleidung und Nahrung etc. unterstützt, mehrere Sendungen per Dampfer via Walfischbai zugemittelt hatte. So endete der Versuch jener starrköpfigen Menschen, die, sich gegen jeden Fortschritt auflehnend, aus Nationalhaß und Unwissenheit mit offenen Augen ihrem Verderben entgegen eilten.
Bevor ich noch den Notuany erreicht hatte, konnte ich wahrnehmen, daß das Wild, welches während meiner zweiten Reise die Ufer des Limpopo so dicht bevölkert hatte, durch das unausgesetzte Jagen von Seite der Emigranten decimirt war. Ich fand nur Hippopotamus- und in einem dichten Gebüsch einige Giraffenspuren und diese führten in einem engen Fußpfade zum Flusse herab; doch hatte ich keine Muße den Giraffen zu folgen und wollte sie auch den Boers nicht verrathen.
Auf einem dem Ufer entlang unternommenen Ausfluge schwebte ich in Lebensgefahr. Wir folgten einer größeren Kette Perlhühner, die Thiere liefen vor uns her, nur zeitweilig erhob sich eines, um sich nach uns umzusehen; so kamen wir auf eine unseren Weg kreuzende, über und über mit Gras überwucherte, etwa 12 Fuß tiefe und etwas breitere Regenschlucht, ich machte den mir unmittelbar folgenden Th. auf sie aufmerksam und stieg herab, um sie zu durchschreiten, mein Genosse hatte jedoch meine Warnung nicht gehört, sondern seine ganze Aufmerksamkeit auf die vor uns herlaufenden Perlhühner gerichtet und hielt den Sniderstutzen schußbereit in der Hand. Bei dem Sturze in die Tiefe der Schlucht fiel er nach vorne, wobei der Finger unwillkürlich den Drücker berührt haben mußte, denn die Kugel streifte meinen Nacken; zwei Centimeter mehr nach vorne gesenkt, hätte sie mir das Lebenslicht ausgeblasen.
Am Notuany schlug ich für einige Tage mein Lager auf, um mich der Durchforschung der nächsten Umgebung zu widmen. Mein erster Ausflug galt dem südlichen Winkel an der Mündung des letzteren Flusses in den Limpopo. Hier, im Schatten riesiger Mimosen, fand ich während meiner zweite Reise zahlreiches Hoch- und Niederwild, diesmal spähte ich lange vergebens nach Beute, bis endlich eine Gazelle aus dem hohen Ufergras vor mir aufsprang. Ein wohlgezielter Schuß aus dem nur mit Hasenschrot geladenen Gewehre hemmte für immer ihre zierlichen Sprünge. Einige in dem Walde wohnende Masarwa’s — Seschele’s Vasallen — brachten uns Pallahfelle zum Verkauf, die ich auch erstand.
Die Ufer am unteren Marico und dem Limpopo bestanden aus Granit, Gneis, grauem und röthlichem Sandstein, der letztere oft mit zahlreichen eingeschlossenen Kieseln und dann zuweilen recht groteske Hügelformen, wie eine am Ufer des letztgenannten Stromes den »Cardinalshut« bildend; stellenweise gesellt sich Grünstein und eisenhaltiger Kalkschiefer hinzu. Den ersten oberhalb seiner Mündung in den Limpopo in den Notuany einmündenden Spruit nannte ich Purkyne’s Spruit. Die stärksten unter den Mimosen, auf denen ich hie und da Geiernester bemerkte und die sonst der Aufenthalt zahlreicher Vogelarten (Bubo Vereauxii und maculosus, Psittacus, Coracias caudata und nuchalis etc. etc.) waren, hatten einen Umfang bis zu zehn Fuß.
Gegen meine zuerst gefaßte Absicht verließ ich den Notuany schon am 12. und zog das Limpopothal weiter abwärts. Da jedoch die Gegend meinen Sammlungen viele und schöne Acquisitionen versprach, hielt ich schon nach einer Tour von vier Meilen inne. Auf einem am 14. unternommenen Ausfluge vermehrte sich meine Sammlung um zwei Cercopithecus, einen Sciurus, zwei Perlhühner und zwei Francolinusbälge. An einem der erlegten Affen, einem ausgewachsenen Männchen, fielen mir einige krankhafte Auswüchse auf, die dem Thiere in Form von großen Geschwüren sein Dasein recht unangenehm gemacht haben mußten. Aus den Fluthen des Limpopo sah ich fast nach jeden 100 Schritten den Körper eines erwachsenen Krokodils auftauchen, und ebenso rasch verschwinden.
Am folgenden Tage verließ ich den Limpopo, um die bewaldeten, auf dem südlichen Abhange tiefsandigen, auf dem nördlichen felsigen Höhen zu überschreiten und in das Thal des Sirorume zu gelangen. Niger machte sich hier das Vergnügen, zwei über den Weg nach links laufende gefleckte Hyänen zu jagen, ohne die unbeholfenen Thiere einholen zu können. Gegen Mittag langten wir bei der schon erwähnten Lache auf dem Gipfel der Erhebung an und begannen am Nachmittage dieselbe gegen den Sirorume hinabzufahren. Die Benennung der nun erreichten Gegend als Buffadder-Gebiet zeigte sich auch diesmal richtig, unmittelbar am Wege fanden wir zwei zusammengerollte Schlangen, welche wir erlegten. Nach Trinkwasser fahndend, kam ich, einem schon früher benützten Masarwapfade folgend, zu einem etwa zehn Fuß tiefen, kleinen Loch, aus dem mir Wasser entgegenblinkte. Ich band meinen Hut an den Gewehrriemen, um das ersehnte Naß herauszuschöpfen; als meine Schöpfkanne beinahe den Wasserspiegel erreicht hatte, sah ich einen schimmernden Gegenstand theilweise am, theilweise über dem Wasser glänzen; den Gegenstand näher beobachtend, erkannte ich eine Buffadder, die sich vergebens bemühte, aus diesem Gefängnisse zu entschlüpfen. Ebenso häufig wie die Buffadderschlangen sind im Sirorumethale Leopardenspuren. Dichte Dorngebüsche, zerklüftete höhlenreiche Felsen an den Thalabhängen bieten hier dieser Wildkatze die gewünschten Schlupfwinkel.
Auf der Fahrt am nächsten Morgen fand ich am Sirorume einen Bamangwato-Posten. Sekhomo, der frühere Bamangwato-König, hielt hier keinen, da er nicht hinreichend Leute zur Verfügung hatte, darum sah auch zu jener Zeit Seschele diese Gegend als seinen Jagdgrund an. Die Gegend war von Giraffen, Kudu’s, Hartebeest- und Eland-Antilopen, sowie von Gazellen und Wildschweinen, doch auch zahlreich von Hyänen und Schakalen bevölkert.
Am 17. erreichte ich Khama’s Salzsee, an welchem ich die durstigen Zugthiere zu den Felsencisternen führen und tränken ließ. Von einigen herbeieilenden Bamangwato’s und Makalahari erhandelte ich einige Curiositäten, darunter auch ein Schlachtbeil. An meinem Wege fand ich Hornvipern (Giftschlangen), welche jedoch so gnädig sind, den ahnungslos sich ihnen nähernden Menschen durch ein lautes Pfauchen zu warnen. Gegen Abend kamen fünf Makalaka’s, wahre Hünengestalten, an den Wagen, um sich mir als Diener zu verdingen; da ich den Charakter dieses Stammes zu wohl kannte, ging ich auf ihr Ansuchen nicht ein.
Ich verließ am 19. Khama’s Salzsee und langte spät in der Nacht in Schoschong, der Residenz Khama’s, an; ich fand die Stadt sehr verändert. Nach seinem Siege hatte sie Khama angezündet, etwas mehr zusammengedrängt und näher der Mündung der Schoschonschlucht in das Franz Josefs-Thal erbaut, wodurch die Gehöfte der Weißen isolirt wurden. Das Wiedersehen mit Rev. Mackenzie war ein sehr herzliches, mein Freund lud mich wieder ein, für die Zeit meines Aufenthaltes, den ich auf 14 Tage bemessen hatte, sein Gast zu sein.
[3] Siehe [Anhang 1].
[4] Diese Boers dürfen keinesfalls mit ihren gebildeten Stammesgenossen in Süd-Afrika verwechselt werden.
III.
Von Schoschong nach den großen Salzseen.
Geschichte der letzten Kämpfe zwischen Sekhomo und Khama. — Erosions-Erscheinungen im Lualabette. — Die Maque-Ebene. — Frost. — Wilde Strauße am Wagen. — Jagdverbot des Königs Khama. — Eland-Antilopen. — Die ersten Palmen. — Wildpfade und Fall-Assagaien an den Nokane-Quellen. — Im Gebiete der großen Salzseen. — Die Tsitani- und Karri-Karri-Pfanne. — Am Tschaneng-Flusse. — Matabele am Wagen. — Die Salzlager am Nata-Spruit. — Jagd auf Zulu-Hartebeeste. — Auf dem Anstande auf Löwen. — Thierleben am Nata-Spruit.
Die Veränderungen im öffentlichen Leben und in den socialen Zuständen der Bamangwato’s seit meinem ersten Besuche der Stadt waren mir sofort aufgefallen. Damals war Sekhomo, das verkörperte Hinderniß jedweder Neuerungen, welche als Wohlthaten der Civilisation betrachtet werden können, ein unermüdlicher Priester in der Pflege heidnischer Gebräuche und Orgien, am Ruder; jetzt war es Khama, sein ältester Sohn, gerade das Gegentheil seines Vaters. Da mit Khama der größte Theil derer, die ihm in seine freiwillige Verbannung gefolgt waren, zurückkehrte, und da sich ihm die meisten der unter Sekhomo hier lebenden Bamangwato’s unterwarfen, zählte die Stadt gegenwärtig dreimal so viel Bewohner als zur Zeit meines ersten Besuches. Eine größere Ordnung und Sicherheit machte sich in Allem und Jedem bemerklich und mit dem Verbote des Branntwein-Verkaufes hatte Khama eines der wichtigen Beförderungsmittel des Müßigganges und des Unfriedens außer Wirkung gesetzt. Er war aber auch bestrebt, nach und nach allen den Sitten schädlichen, sowie den Geist umnachtenden heidnischen Gebräuchen Einhalt zu thun.
Am 21. besuchte ich mehrere kranke Eingeborne in der Stadt, darunter einen von Khama’s Kriegern, dem das eine Schienbein durch eine Kugel zersplittert worden war.[5] Ich besuchte Khama während meines Aufenthaltes in Gesellschaft des Herrn Mackenzie mehrmals, und hatte Gelegenheit, immer mehr und mehr den lobenswerthen Charakter dieses Mannes kennen zu lernen. Ausflüge in die nächste Umgegend, die Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen von Linokana nach Schoschong sowie die ärztliche Praxis, in welcher ich durch Herrn Mackenzie und Hephrun bei der Pflege der kranken Schwarzen unterstützt wurde, füllten die Tage meines Aufenthaltes aus. König Khama war so gütig, mir einen Diener aus dem Trosse seiner Leibdiener, einen Mann, der mich bis an den Zambesistrom begleiten sollte, zu versprechen. Dieser Eingeborne sollte auch, wenn ich nach der Westküste oder nach Norden weiterziehen sollte, meinen Wagen mit den bis an den Zambesi gesammelten Objecten nach Schoschong zurückbringen, als Lohn sollte ich dem Manne eine Muskete geben. Freund Mackenzie beschenkte mich mit zwei schönen, von den Maschona’s gearbeiteten Holztöpfen, Rev. Hephrun mit zwei Unzen Chinin.
Am 27. brachte mir Khama den versprochenen Diener und hielt ihm in meiner Gegenwart eine Rede, welche mit den folgenden Worten schloß. »Dein neuer Herr ist ein Mann, und daß er ein Njaka (Doctor) ist, das hab’ ich Dir schon erklärt.«
Auf meinen in Gesellschaft Rev. Mackenzie’s unternommenen Ausflügen zeigte mir dieser alle jene Stellen, welche in der Geschichte der Bamangwato’s durch die letzten Kämpfe zwischen Khama und Sekhomo Bedeutung erlangt hatten. Die folgenden Zeilen mögen meine gelegentlich der Schilderungen meines ersten Aufenthaltes in Schoschong angeführten Mitteilungen ergänzen. Ich erwähnte am Schlusse derselben, daß Khama Schoschong verlassen, und ihm der größte Theil der Bamangwato’s in diese freiwillige Verbannung an den Zuga-River gefolgt war, als jedoch Khama sah, daß das Fieber seine Leute in dem Sumpflande decimire, entschloß er sich, nach Schoschong zurückzukehren, und sich zu seinem Rechte zu verhelfen, wohl nicht heimlich seinen Vater und Bruder zu überfallen, sondern diesen offen sein Kommen anzuzeigen; er that dies auch und bezeichnete den Tag seiner Ankunft. Er drang von Nordwesten über die Bamangwatohöhen vor, um die die Stadt beherrschenden und die Schoschonschlucht bildenden Felsenabhänge zu gewinnen. Sekhomo hatte seine Leute getheilt, um mit der schwächeren Abtheilung die Stadt zu vertheidigen, während er die größere auf den Höhen postirte, um Khama an seinem Vorhaben zu hindern; durch den Zuzug der Bewohner der im oberen Thale des Schoschon gelegenen Makalakadörfer verstärkt, hatte Sekhomo eine Khama’s Truppen ebenbürtige Anzahl von Kriegern. So wie in den früheren Kämpfen bewiesen sich diese Makalaka’s, die sich aus dem Matabelelande hierher geflüchtet hatten, auch in diesem Kampfe äußerst unverläßlich und verrätherisch, sie waren diesmal Sekhomo’s wirkliche Bundesgenossen, allein sie hatten auch Khama, den ankommenden Königssohn, ihrer Hilfe und Freundschaft versichert und sandten ihm die Nachricht, daß sie ihn an der Schoschonkluft erwarten würden. Khama schlug die sich ihm entgegenstellenden Krieger Sekhomo’s so rasch, daß diese versprengt den Rückzug nach der Stadt nicht mehr einschlagen konnten, und da bald darauf der seinen Sieg möglichst rasch ausnützende Feldherr mit der Vorhut auf dem Plateau erschien, auf welchem die Makalaka’s Posto gefaßt hatten, glaubten diese, daß es ihm in dem Kampfe schlecht ergangen und er besiegt sei, und diese Richtung blos aus dem Grunde eingeschlagen habe, um den Versuch zu machen, sich der in der Schoschonkluft verborgenen Viehheerden zu bemächtigen. Während sich nun seine Leute vertrauensvoll den Makalaka’s näherten, eröffneten diese auf die Ankommenden ein heftiges Feuer. Dies machte die Bamangwato’s so wüthend, daß die der Vorhut rasch folgende Haupttruppe nur ein einziges Mal ihre Musketen auf sie feuerte, dann aber auf sie losstürzte, und die meisten mit dem Kolben erschlug.
Kampfesscene auf den Bamangwatohöhen.
Ich ließ bei Herrn Mackenzie eine Kiste mit gesammelten Gegenständen zurück sowie Briefe, die er den Herrn Jensen nach Linokana abzusenden versprach, auch wollte er mir etwaige mit der Kaffernpost angekommene Briefe durch Eingeborene oder nach den Zambesi-Gegenden reisende Elfenbeinhändler nachsenden. Während meines Aufenthaltes in Schoschong langte hier eine Gesandtschaft, geführt von Kosi Lintschi, von Rechtswegen dem eigentlichen Bakwena-Thronerben an. Er kam im Namen Sekhomo’s, der sich zu Seschele geflüchtet, um von Khama Sekhomo’s Mutter zu erbitten, zu gleicher Zeit kam aus dem Matabele-Lande die Nachricht daß die Matabele-Zulus einen erfolgreichen Angriff auf die Maschonas ausgeführt hatten.
Herr Mackenzie hielt in einem von ihm selbst aufgeführten Gebäude neben seiner Wohnung durch fünf Stunden Schule, und zwar waren es schon Männer, »Seminaristen«, verschiedenen Betschuanastämmen angehörend, die er belehrte; einige dieser Männer hatten auch zwei Jahre später unter der Anleitung des Rev. Hebern eine Missionsstation auf Wunsch der Eingebornen-Bevölkerung am N’gami-See errichtet.
Hatten wir während unseres ersten Aufenthaltes in Schoschong über fortwährenden Regen, so hatten wir diesmal über anhaltende Dürre zu klagen, in Folge welcher meine Zugthiere etwas abgemagert waren. Am 4. Juni verließ ich Schoschong, um meine Reise nach dem Zambesi anzutreten. Im Franz Josefsthale aufwärts ziehend, schlugen wir am folgenden Tage eine nördliche Richtung ein und überschritten den Unicornpaß und gewannen, nachdem wir das Unicornthal passirt, die Hochebene. Die Scenerie im Unicornthale ist eine sehr anziehende, isolirte Felsenhügel, welche eine baumförmige, armleuchterförmig sich verzweigende Euphorbiacea in ziemlich dichten Beständen schmückt, verengen ab und zu das Thal. Vor wenigen Tagen hatte sich hier eine kleine Episode zugetragen, deren Lösung Khama zur Ehre gereichte; einem Elephantenjäger war durch die umwohnenden Bamangwato’s ein Zugthier entwendet worden, der Spur der Diebe folgend, war der nach Schoschong zurückkehrende Jäger im Stande, dem Könige den Wohnort der Diebe zu bezeichnen. Der König ließ diese vor sich bringen und befahl den Dieben, nicht allein den Schaden sofort zu ersetzen, sondern dem Bestohlenen für die erlittene Verzögerung der Reise zwei Ziegen zu übergeben.
Die Reise am 6. führte über ein tiefsandiges, waldiges Hochplateau, spät Abends gelangten wir zum Letlotsespruit und lagerten nahe an dem Falle dieses Spruit, der jedoch nur nach heftigem Regen sichtbar ist und dessen Wasser dann über die Granitblöcke herabstürzt; die anliegenden Höhen, von zahlreichem Niederwild belebt, zeigten in ihren obersten Lagen rothen Sandsteinschiefer, darunter Quarzit, schwarzen Kieselschiefer, und in den tiefsten Lagen Granit. Die Wasserlöcher von Kanne waren das Ziel des nächsten Tagesmarsches. In einem Halbbogen zur Rechten erheben sich mehr denn dreißig kegelförmige Höhenkuppen, welche die Bamangwato- mit den Serotlehöhen verbinden. In der Nähe dieser Wasserlöcher befand sich ein Viehposten, dessen Bewohner bei unserer Annäherung rasch ihr Vieh zum Wasser trieben, um es zu tränken, so daß wir keines mehr vorfanden und die Löcher neu ausgraben mußten. Am 8. gelangte ich bis zu dem Thale des Luala-Spruits, dessen Vegetation und nächste Umgebung ein anmuthiges Landschaftsbild gewährt. Besonderes Interesse erregen die Gebirgsformation und die Erosions-Erscheinungen im Flußbette. Hier waren es Grotten und Höhlen, dort Nischen, Bassins oder gothische Gewölbe, welche das Wasser, obwohl nur kurze Zeit hindurch im Jahre fließend, im Lualabette ausgewaschen hatte. An der sehr tiefen und schwierig passirbaren Furth traf ich zwei Elfenbeinhändler an, von welchen der eine, Herr Anderson, dem Namen nach als ein ehemaliger Gold-Digger bekannt war. Sie lagen seit einigen Tagen hier, um durch ihre Diener die Gegend bis an die Maque-Ebene, die ihnen als wasserlos geschildert wurde, auszukundschaften. Der Luala wie seine Nebenflüsse waren alle trocken und man mußte allmälig eine Stelle in dem humusreichen Bette ausgraben, um Wasser gewinnen zu können. Nach den Mittheilungen der von Herrn Anderson ausgesendeten Boten hatten wir zwei Tage und zwei Nächte zur nächsten Wasserstelle zurückzulegen, ich ließ deshalb mit Rücksicht darauf unsere Speisen für die nächsten zwei Tage hier zubereiten, um an Wasser zu sparen. Da sich Herr Anderson erbot, mir Gesellschaft zu leisten, so nahmen wir uns vor, die Reise bis an die Salzseen gemeinschaftlich zu machen.
Am 10. zog ich das Hauptthal des Flüßchens hinauf und gelangte Abends zu dem bewaldeten tiefsandigen Hochplateau, welches etwa 30 englische Meilen lang, einen Theil des südlichen Durstlandes bildet. Bei der Wasserlosigkeit der zu durchziehenden Gegend, empfahl es sich so rasch als möglich vorwärts zu kommen, weshalb wir auch bis in die finstere Nacht unsere Fahrt fortsetzten, einige Stunden ausruhten und mit anbrechender Morgendämmerung die Fahrt bis in die späten Vormittagsstunden fortsetzten. Nach einer fünf- bis sechsstündigen Rast während der heißesten Tageszeit brachen wir neuerdings auf. Diese Art und Weise des Reisens ist in den wasserarmen, tiefsandigen, bewaldeten Gegenden dringendst geboten. Das enge Weggeleise, der schlangenförmig sich hin- und herwindende Weg, die wasserarme Gegend und die Anstrengung der Zugthiere in dem tiefen Sande machen das Reisen zur heißen Tageszeit vollkommen unmöglich. Abends hatten wir die von Mapanibäumen bewachsene Tiefebene von Maque erreicht und fanden überall zahlreiche Spuren des gestreiften Gnus, der Zebras, der Giraffen, und selbst im Weggeleise äußerst zahlreiche Löwenspuren. Wir stießen auch auf einige Masarwa’s, welche uns jedoch ein einige Meilen zur Rechten vom Wege liegendes Sumpfwasser zu zeigen verweigerten, da sie die ihnen in diesem Falle drohende Züchtigung durch die Bamangwato’s fürchteten. Die gesammte Maque-Ebene, nach Westen von Tafelbergen begrenzt und nach Norden gegen das Salzseen-Bassin abfallend, ist ein einziger Humusboden, der in der nassen Jahreszeit gänzlich aufgeweicht, in der Trockenzeit durch seine Dürre das Reisen unendlich erschwert. Unter den Händen eines europäischen Landwirths würden die gegenwärtig noch Jagdgründe der Bamangwato’s bildenden Flächen dieser Ebene bald von Weizen- und Baumwollpflanzungen bedeckt sein.
Mit gänzlich erschöpften Zugthieren gelangten wir endlich am folgenden Abende zu den gesuchten Wasserlöchern, an denen bereits die Händler vor mir angekommen waren. Am folgenden Tage holte uns ein Bote des Königs Khama hier ein, welcher den Auftrag hatte, die Bamangwato-Gehöfte auf dieser Strecke zu besuchen und den Insassen derselben den Befehl des Königs bekannt zu geben, unter keiner Bedingung einem Jäger einen längeren als dreitägigen Aufenthalt an einem Gewässer zu gestatten. Dieser Befehl wurde durch die Handlungsweise der holländischen Jäger veranlaßt, welche in übermüthiger Weise alles Wild, dessen sie nur habhaft werden konnten, des Felles halber erlegten und das Fleisch den Geiern zum Fraße überließen. Obgleich wir keine Jäger waren, kam uns dieser Zwischenfall sehr ungelegen, da die Eingebornen uns für solche hielten und ihr Benehmen ziemlich unangenehm wurde. Die Stelle, an der wir eben gelagert hatten, war erst vor etwa zwei Monaten von den Boers verlassen worden, wir fanden auch den gabelförmigen Schleifschlitten, mit dem sie das geschossene Wild zu ihren Wägen herbeischleppten.
Nördlich der Maque-Ebene treten Boas häufiger auf, während sie in Natal keine Seltenheit sind und auf den Höhen der südlichen Betschuanaländer nur stellenweise und vereinzelt angetroffen werden. Mit dem Mapanibaum, dessen Blätter sich durch ihre Oelhaltigkeit, dessen Stamm sich durch die Porosität des Holzes und Brüchigkeit auszeichnet, treten in der Flora auch andere, den tropischen genäherte Pflanzenarten und Formen auf, doch ist die Winterkälte hier noch immer recht empfindlich, wenn auch nicht in dem Maße wie am Vaal- und Oranje-River, zudem liegt die Maque-Ebene etwa 1200 Fuß tiefer als jene Hochebene an den genannten Flüssen. Am Morgen des 14. waren die Löcher mit einer über 1 Cm. starken Eisdecke überspannt.
Am Nachmittage des 13., als ich eben einige hundert Schritte vom Wagen entfernt, in einem dichten Gebüsch eine Boa verfolgte, entstand am Wagen ein Geschrei, das mich zur Umkehr bewog. Ich fand Anderson in nicht geringer Aufregung. Ueber den Grund derselben befragt, theilte mir der Jäger mit, daß eben eine Heerde wilder Strauße im vollen Laufe auf die Lachen zur Tränke herangestürmt sei, daß die Thiere jedoch durch die Wägen erschreckt, sich in den nahen Mimosenwald geworfen hätten und nun von den Wagenlenkern und den übrigen Dienern verfolgt würden. — Nach einer halben Stunde kehrten diese abgehetzt und abgemüdet zurück, ohne einem Strauß auch nur auf Schußweite nahegekommen zu sein.
Den zum Wagen rückkehrenden Dienern folgte bald eine Schaar von Eingebornen nach und eröffneten eine überlaute Discussion mit uns. Sie erklärten, daß wir keine friedlichen Reisenden, sondern Jäger wie die Boers wären, die kein Wild verschonen, denn kaum hätten wir die Strauße gesehen, als wir ihnen auch schon nachstellten. Schließlich drängten sie zur baldigsten Abreise und wollten von einer Fristerstreckung nichts wissen.
Das Lualabett.
An diesen Maque-Lachen hatten sich in den letzten Jahren vor meiner Ankunft einige interessante Löwenabenteuer zugetragen, von denen ich eines im weiteren Verlaufe meiner Reiseschilderung wiedergeben will. Wir verließen am folgenden Morgen die Lachen und zogen in Gesellschaft Andersons in nördlicher Richtung, in welcher eine von den Boers »Bergfontein« benannte Quelle in 65 bis 71 Meilen Entfernung liegen sollte. Hochbegraste und bebuschte Lichtungen wechselten auf dieser wasserlosen Strecke mit lichten Mapaniwäldern ab, zahlreiche den Weg kreuzende Spuren zeugten für den Wildreichthum der Gegend. Während des Marsches wurden wir von zahlreichen Eingebornen eingeholt, welche mit Assagaien bewaffnet (es waren Makalahari’s und Masarwa’s) auf die Elandsjagd ausgezogen waren.
Straußenheerde am Wagen.
Von allen Antilopen ist das Eland die wohlgenährteste, namentlich die Stiere, deren Herz in einem bis zu 25 Pfund schweren Fettsack eingebettet ist, der sie an schneller Flucht hindert. Die Thiere werden so kurzathmig, daß sie von den behenden Masarwa’s im vollen Lauf eingeholt und gespeert werden. Die Nachfolgenden stoßen ihm die Assagaie von rechts und links in die Brusthöhle, um die Lungen oder das Herz zu verletzen. Berittene Jäger (Holländer und Engländer) jagen die Elande (auch die Giraffen) bis an den Wagen heran, um sie erst hier niederzuschießen und sich so den Transport des Fleisches und Felles zum Wagen zu ersparen. Nach den Berichten der Eingebornen und Jäger glaube ich, daß man ohne Schwierigkeiten das Eland zähmen und zum Tragen und Ziehen kleiner Lasten verwenden könnte.
Am selben Tage stießen wir auf zwei mit Musketen bewaffnete und von fünf Masarwa’s begleitete Bamangwato’s, welche zwei mit Fleisch beladene Ochsen vor sich hertrieben; jeder der Masarwa’s trug etwa 50 bis 60 Pfund Fleisch. Die Leute gingen nach Schoschong, um sich von Khama Verhaltungsmaßregeln geben zu lassen, da ein Theil der aus dem Reiche ob ihrer verrätherischen Handlungsweise verbannten Makalaka sich im nördlichen Bamangwato-Lande umhertrieb, von den Masarwa’s bedienen ließ und dieselben an jeder Dienstleistung für ihre Herren (die Bamangwato’s) hinderte.
Am 17. Früh gelangte ich nach Bergfontein, einer an einem bewaldeten Abhange liegenden, von den Eingebornen als jene des zur Regenzeit nach Norden fließenden Nokaneflüßchens angesehene Quelle. Der Abhang, ein zerklüftetes, dicht bebuschtes und von üppiger Vegetation bedecktes Hügelland ist der Abfall der Maque-Ebene zu den Lachen der großen Salzseen. Dicht bei einander stehende Fächerpalmen grüßen etwas abseits vom Ufer des Nokane-Spruit den vom Süden kommenden Wanderer und bereiten ihn, der noch nie die Wunder der tropischen Pflanzenwelt erschaut, auf jene vor; die Gebüsche und Bäume der ganzen Gegend hoch überragend, sind sie vielleicht die südlichsten Repräsentanten der Königin der Palmen im centralen Südafrika. Da sie eben reiche Früchte trugen, schoß ich mir einige herab, um sie meiner Sammlung einzuverleiben. Um die vier schlanken, von den schönsten Kronen geschmückten Stämme wucherte reichliches Palmengebüsch, welches aus den herabgefallenen Früchten emporgekeimt war. Schon an diesen waren die Blätter riesig groß und und begannen sich fächerförmig zu entfalten. In einem kahlen, seichten, doch breiten, über eine allmälig abfallende Felsenwand sich hinziehenden Spruitbette fand ich einen Strauch, der mich an die baobabartigen erinnerte. Der untere Theil des etwa 4 bis 5 Fuß hohen Strauches war unförmlich verdickt, bis zu 40 Zoll stark und fleischig, von einer gelblichen Rinde bedeckt, etwa 1 bis 1½ Fuß über dem Boden verengte er sich zu 2 bis 3 Zoll dünnen Aestchen, gleich Fortsätzen, die einer fleischigen, oberflächlichen Wurzel entsteigen. Manche dieser Stöcke waren mehrere Centner schwer und ich hoffe einen oder zwei das nächste Mal fortbringen zu können.
Von den am Maque und hier ansässigen Makalahari’s und Masarwa’s erstand ich einige aus Holz und Bein gefertigte Schmucksachen und Utensilien, die ich jedoch später durch einen Unfall einbüßte. Die einzelnen Höhen des Hügellandes sind dicht bewaldet, durch den Wald führen nur äußerst wenige Wege und dies meist Wildpfade nach der Nokanequelle. Diese wenigen Pfade macht sich nächtlich das Wild, aber auch die in der Nähe wohnenden Eingebornen zu Nutzen, indem sie vergiftete Fall-Assagaien über diesen Pfaden aufhängen. Rechts und links von dem betreffenden Baume wird das Gestrüpp flügelartig aufgeschüttet, um die in dem Pfade oder nahe an demselben schreitenden Kudu’s zum Einhalten desselben zu zwingen. Einen Fuß über dem Boden wird quer über den Pfad eine Grasschnur gezogen, welche an einem Holzpflöckchen, doch nur so lose befestigt ist, daß sie sich bei einem mäßigen Rucke von demselben loslöst. Am gegenüberliegenden Pfadrande stehen zwei Holzstäbchen, mit einem Querstäbchen verbunden. Die Schnur führt unter diesem hindurch und wird so in ihrer horizontalen Lage erhalten und dann empor zu den ersten über den Weg reichenden Queraste geführt, von dem sie mit dem Fallassagai beschwert, über dem Pfade und senkrecht über der darüber ausgespannten Schnur herabhängt. Die Waffe ist im Allgemeinen sehr roh gearbeitet und besteht aus einem drei bis vier Fuß langen, ungeglätteten, schweren und armdicken Holzstücke, in welches eine stumpfe, kaum zwölf Zoll lange, rostige mit Gift getränkte Eisenwaffe eingelassen ist. Die Waffe verwundet das Thier am Nacken nur leicht, das Gift wirkt rasch, trotzdem wird das Fleisch von den Eingebornen benützt indem sie das die Wunde umgebende Fleischstück ausschneiden. Die Pfade werden von den Jägern zu bestimmten Zeiten, in denen das Wild in den Wintermonaten häufiger das Wasser aufsucht, abgesucht, um so rasch wie möglich nach dem Eindringen der vergifteten Waffe der Beute habhaft zu werden. Andersons Genosse war bei der Verfolgung einiger Kudu’s auf einen solchen Pfad gerathen und in demselben fortgestürmt, als ihn sein ihm unmittelbar folgender Diener noch rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam machte. Ich selbst fand mehrere Wege in der Nähe des Wassers in dieser Weise abgesperrt.
Am Nachmittage zog ich in Gemeinschaft mit den beiden Elfenbeinhändlern nach Norden bergabwärts, mehrmals den Nokane und später zwei andere trockene Spruits kreuzend. In dem dichten Grase der Thäler beobachtete ich ungewöhnlich entwickelte hohe Aloë-Pflanzen und zahlreiche Tigerschnecken.
Am 18. Früh langten wir am Südostufer eines Salzsees an, der den südlichsten (auf meiner Tour) von einer Unzahl von kleineren, und den kleinsten von drei riesigen Salzseen bildete. Diesen nach Westen unabsehbaren Salzsee durchschritt ich an seiner größten Ausdehnung von Süden nach Norden an seinem Ostufer in zwei Stunden. Er stellte eine gleichmäßig seichte, kaum zwei Fuß tiefe, weißlichgraue, von steifem Salzgras umrahmte und von dichtem Waldgebüsch umschlossene Fläche dar, welche kaum einmal im Jahre mit Wasser vollgefüllt ist. Um ihn herum, hauptsächlich jedoch im Bereiche des Grases befinden sich zahllose kleinere, ebenso seichte Salzlachen. Von allen Seiten strömen Regenflüsse nach heftigen Regengüssen ein, die jedoch in der Regel nicht bis in den Salzsee einmünden, sondern vertieft mit einem um drei bis sechs Fuß tieferem Bette nahe am Ufer desselben stagniren. Das von ihnen geführte Wasser tritt über und füllt in dieser Weise den See. Dieser südlichste Salzsee heißt Tsitani, ebenso der bedeutendste Fluß an seinem Ostufer und die Höhe zu unserer Linken, durch welche der Abfall des Hochplateaus nach dem Salzseebecken als zungenförmiger Ausläufer markant hervortrat. Ein großer Theil des Bodens am Grunde der Salzseen ist von einer Felsenplatte gebildet, die theils von dem durch die Regenzuflüsse angeschwemmten Erdreich überlagert ist, oder frei und nackt da liegt. Während der Aufnahme der Breite des Salzsees in seinem östlichen Theile, stieß ich auf eine Heerde gestreifter Gnu’s, leider ohne eines der Thiere habhaft werden zu können. An dem salzigen Gewässer des Flusses Tsitani (es fanden sich noch einige Lachen davon an seiner Mündung) traf ich ziemlich häufig Löffelreiher und Enten. Unter dem übrigen Wildgeflügel sah ich nach längerer Zeit Knurrhähne wieder.
Am folgenden Morgen beendete ich die Kartenskizze der Tsitani-Pfanne und schoß in den Bäumen des Ufers einen großen Uhu. Der Boden rings um die kleinen Salzpfannen ist namentlich an allen den geringen Senkungen sehr salzhaltig. Bleibt hier das Regenwasser auch nur kurze Zeit stehen, so wird schon die Vegetation in der Entwickelung gehemmt. In Folge der raschen und mächtigen Verdunstung bildet sich eine ½ bis 1 Zoll starke, 2 bis 6 Zoll vom Boden abstehende Kruste auf weite Flächen hin, welche bei dem Betreten unter jedem Schritt einbricht. Der Rand des Sees wird von kleinen Chalcedonen und Milchkieseln bedeckt, welche das Regenwasser herabschwemmt. Zur Zeit heftiger Winde wird das sich an dem Rande bildende Salz sowie der feine salzhaltige Boden der trockenen oberen Rasenfläche in hohen, weißlichgrauen Staubwolken aufgewirbelt.
Am 21. verließen wir gemeinschaftlich das Ufer der Tsitanipfanne, trennten uns jedoch bald darauf, da ich von den Eingebornen vernahm, daß weiterhin Wasser anzutreffen sei und ich es nicht für nöthig hielt, das Reisetempo der beiden Handelsleute einzuhalten. Wir trafen bei der nächsten Wasserstelle wieder, zwei Wochen später im Thale des Panda ma Tenka-Flüßchens zum zweiten Male und etwa ein Jahr später in Schoschong nochmals zusammen.
An der Salzpfanne bemerkte ich auch den ersten Baobab, eines der südlichsten Exemplare in der von mir eingeschlagenen Richtung (die zwei südlichsten im centralen Süd-Afrika wurden von Mauch im westlichen Transvaal-Gebiete am rechten Ufer des Limpopo angetroffen); er hatte bei 25 Fuß Höhe einen Umfang von 52 Fuß. Auf meinem Wege nach Norden hatte ich zuerst einige der beschriebenen kleineren, am Ostufer der Tsitani liegenden zahlreichen Salzpfannen, sowie den Tsitanifluß selbst zu überschreiten, dann hielt ich durch das Becken der großen Salzseen eine fast nördliche Richtung ein. Dichter Niederwald, in dem die Bäume zum großen Theile mehr oder weniger verkrüppelt waren, wechselten nun mit Wiesen ab, die mit saftigem Süßgras und einem reichen Blumenflor bewachsen waren. An den salzhaltigen Stellen und am unmittelbaren Rande der Pfannen und seichten Flüßchen und Bäche nahm die Vegetation einen stachlichen Charakter an. Springbock- und Deukergazellen, Zulu-Hartebeeste und gestreifte Gnu’s, nach den Spuren zu urtheilen auch Löwen, belebten die Scenerie an der Tsitanipfanne und in den umliegenden Wäldern.
Die Fahrt führte uns in den nächsten Tagen an einer Reihe von umfangreichen Bodenvertiefungen vorüber, deren Mitte von kleinen Salzseen eingenommen werden, ich zählte auf der Strecke bis zu unserem Nachtlager, dem ersten nach dem Verlassen der Tsitanipfanne, nicht weniger als 42. An einem derselben, dem kleinen Schoni-Salzsee hielten wir unsere Mittagsrast. Außer diesen Salzseen stießen wir auf Süßwasserlachen, die an ihrer Binsenumrahmung leicht zu erkennen sind.
Am Morgen des 22. stand ich am Ostufer eines den Tsitani an Größe weit übertreffenden, tiefer liegenden und von den Eingebornen Karri-Karri genannten Salzsees, dessen Ufer zahlreiche Baobabbäume schmückten. Von besonderem Interesse schien mir die geologische Formation am Ostufer des Karri-Karri, welcher ebenso wie der Tsitani-Salzsee ein ziemlich gleichschenkeliges Dreieck bildet, dessen Spitze nach Westen gekehrt ist und dessen Fläche von Osten nach Westen sich unabsehbar ausdehnt. Im Westen steht der Karri-Karri-Salzsee und der Tsitani- mit dem nördlicher gelegenen Soa-See durch den Zuga-River in Verbindung.
Masarwa’s, deren Unterschenkel an der Vorderfläche die bekannten rothen Krusten zeigten, boten uns die Früchte des Baobabs zum Kaufe an und begehrten für dieselben etwas Mais und Tabak. Drohender Regen trieb uns zur Eile an und gestattete uns nicht, länger an dem Ufer des Sees zu verweilen, welcher mir in naturhistorischer Hinsicht sehr reiche Ausbeute versprach.
Ich überschritt am Nordostende an einer der Hauptbuchten des See’s den Mokhotsifluß, dessen Gefälle nach Nordost gerichtet ist und der das überschüssige Wasser aus dem seichten See nach dieser Richtung hin abzuführen scheint. Der Weg führte während des nächsten Tages durch einen dichten Mapaniwald und später über einen trockenen, etwa 60 Fuß breiten, 10 bis 16 Fuß tiefen Fluß, der ein deutliches Gefälle nach Osten zeigte und von den Masarwa’s der mit hohen Bäumen bestandenen Ufer halber, Tschaneng oder der schöne Fluß genannt wird. Mit ihm parallel läuft ein Spruit (von den holländischen Jägern Mapanifontein genannt), in welchen zahlreiche Quellen münden und dadurch, daß auch der Tschaneng bei Hochwasser einen Theil seines Wassers an ihn abgibt, in seinen tieferen Partien das ganze Jahr hindurch Wasser führt. Ich bin der Ansicht, daß der Tschaneng ein Abflußarm des Zuga-River oder ein Abfluß der größten der drei Salzseen, der Soa ist, und sich in den Matloutse-River oder einen seiner Nebenflüsse ergießt. Auf der Fahrt nach dem Tschaneng erlegte ich einen auf der Jagd nach Eidechsen begriffenen großen Raubvogel (Buteo Jackal), welcher den Colonisten unter dem Namen Schakalvogel bekannt ist. Ich verließ den Tschaneng am Nachmittage des 23. und zog mit Anderson, der mich eingeholt hatte, einige Meilen gemeinschaftlich nach Norden. Wir zogen durch den Khori genannten Wald und an einem verlassenen Masarwadorfe nahe der Furth über den Tschaneng vorbei und erblickten in den Frühstunden des nächsten Tages den Spiegel eines dritten großen, Soa genannten Salzsees, in dessen Nähe wir holländischen Jägern begegneten, welche auf der Straußen- und Elephantenjagd begriffen waren.
Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa’s.
Wir konnten Dank dem trockenen Wetter mehrere lange mit ein- und ausfließenden Spruits in Verbindung stehende Buchten der Soa, welche bei Regen unpassirbar sein mußten, übersetzen und übernachteten im Thale des sumpfigen Tsiriflüßchens, in dem ich bis zum 27. verblieb. Im nahen Walde fanden wir nahe an einem verlassenen Masarwadorfe in einigen im Flußbette des Momotsetlani (nach einer Baumart von den Masarwa’s so benannt) gegrabenen Löchern vortreffliches Trinkwasser. Ich unternahm während dieses Aufenthaltes mehrere Ausflüge in die Umgebung und erlegte auf einem solchen fünf Enten, zwei Perlhühner, die hier in zahlreichen Ketten anzutreffen sind, sowie einen braunen Storch, das erste Exemplar dieser Art, das ich bis zu diesem Tage in Süd-Afrika beobachtet.
Die Soa ist der größte, der in dem großen bis über den N’gami-See nach Westen sich hinziehenden, und durch den Tschaneng mit dem Limpopo-System zusammenhängenden Pfannenbecken liegenden Salzseen; gleich der Tsitani und Karri-Karri ist auch die Soa eine seichte, ein bis vier Fuß tiefe, weißlichgraue, nur kurze Zeit im Jahre theilweise, selten vollkommen gefüllte Pfanne. Es wäre sehr wichtig, durch ein ganzes Jahr in der trockenen wie in der nassen Jahreszeit dieses Salzseebecken zu beobachten, um dessen Verhältniß zum Zuga und zum N’gami-See studiren zu können; wenn dies bisher nicht geschah, so mag der Grund dieses Versäumnisses wohl darin liegen, daß das Reisen zur Regenzeit in dieser Gegend ungemein erschwert und nebstbei auch sehr gesundheitsschädlich ist. Daß der Zuga manchmal nach Westen und manchmal nach Osten fließt, läßt sich aus der ziemlich gleichen Höhe dieses großen central-süd-afrikanischen Beckens erklären. Ist der N’gami-See durch seine zahlreichen westlichen und nördlichen Zuflüsse gespeist, und sein flaches Becken gefüllt worden, so gibt er seinen Ueberschuß nach Osten durch den Zuga an die Pfannen ab, aus denen wieder derselbe durch den Tschaneng, deren natürlichen Abzugskanal, abfließt. Zeigt der N’gami-See niederes Wasser, so gibt der Zuga den Ueberschuß aus seinem tiefen Bette an ihn ab, da sich in ihm durch die reiche Beschilfung auch das Wasser längere Zeit zu halten vermag und er außerdem zahlreiche Quellen aufnimmt. Auch mag er zuweilen von dem überschüssigen Wasser der Westhälfte der Salzseen gespeist werden.
Am 27. Früh verließ ich den Tsiri und zog durch drei Stunden mit meinem Ochsengespann durch eine Unzahl von Buchten und kleinen Salzpfannen stets am Ufer des See’s hin. Erst gegen Mittag nahmen diese ab und wir betraten eine nach Norden unübersehbare, nach Westen durch den See und nach Osten durch ein Mapani-Gehölz begrenzte Grasebene, auf welcher sich allenthalben zahlreiches Wild in kleinen Rudeln herumtummelte. Hie und da sichtbare Schilfrohrdickichte ließen Süßwasser vermuthen, wir täuschten uns nicht und lagerten bald an einer solchen Lache. Von einem kleinen Ausfluge heimgekehrt und eben damit beschäftigt, meine letzthin gesammelten naturhistorischen Objecte zu ordnen, vernahm ich plötzlich zu meiner Linken das Hilfsgeschrei meines Dieners Meriko und als ich mich rasch am Wagenbrette emporrichtend nach ihm umsah, bot sich mir ein eigenthümlicher Anblick, eine Scene dar, wie ich sie vorher nie gesehen. Durch das hohe Gras kam Meriko herangerannt, und schrie in der Setschuana: »sie tödten mich, ich bin todt, sie tödten mich.« Er setzte wie ein flüchtiges Wild über die sich ihm stellenweise entgegenstellenden Zwergbüsche und hatte im Laufe sein aus Gras geflochtenes Hütchen und seine Khamacarosse verloren. Hinter ihm kamen, die nächsten etwa 150, die entferntesten 500 Schritte weit, andere laut schreiende und ihre Kiri’s hoch schwingende Eingeborne dahergestürmt. Endlich kommt Meriko zum Wagen herangekeucht, er umfaßt meine Füße und weist flehenden, verzweifelnden Blickes auf die ihm folgende Schaar, seine ersten Worte, die er zu stammeln vermochte, belehrten mich über die Scene. »Matabele, Herr, Matabele-Zulu wollen mich todtschlagen.«
Mir war es unerklärlich, wie sie hierher auf das Gebiet Khama’s gekommen waren und ich dachte schon, daß vielleicht ein Krieg zwischen beiden Nachbarstaaten ausgebrochen sei. Was beabsichtigen diese Männer? War das ein Angriff auf den Wagen und seine Insassen? Sie schienen mir, wie sie so gellend dahergesaust kamen, wahrhaft Wölfe in Menschengestalt zu sein. Von den Waffen Gebrauch zu machen, schien mir ein gefährliches Wagniß und zudem kannte ich nicht ihre eigentlichen Absichten. Ich mußte also das Weitere ruhig abwarten, nur Meriko wartete ihre Ankunft nicht ab, sondern sprang über die Deichsel und setzte nach der entgegengesetzten Seite seine Flucht fort, nur daß er nicht mehr schrie, um sich wahrscheinlich, wenn er die günstige Gelegenheit dazu ersah, in dem hohen Grase zu verbergen. Ich rief ihm zu, am Wagen zu bleiben, und daß die Löwen in dem vier Fuß hohen Grase gefährlicher als die Zulu’s seien, doch mein Mahnruf verhallt ungehört. In den anstürmenden Matabele sah er seinen sicheren Tod und diesem wollte er entrinnen. Endlich waren sie da, die berüchtigten Zulukrieger. Sie umringten den Wagen, schrieen und schwangen ihre Kiri’s. Das waren nicht die Vertreter eines Stammes, das war ein Gemisch verschiedener Stämme, »die gestohlenen Knaben der unter Moselikatse gemordeten und geplünderten Stämme,« welche zu Kriegern auferzogen, ebenso roh wie die zwei eigentlichen Zulu’s geworden waren, die sie anführten. Bis auf einen kleinen Lappen von Leder und Wollfranzen — einige trugen nur eine Kürbißschale oder ein cylindrisches Geflechte — nackt, waren sie beinahe sämmtlich mit einem aus schwarzen Straußenfedern oder anderen Wildhuhnfedern gearbeiteten ballonförmigen und auf der Stirnhöhe sitzenden Kopfschmucke versehen. Das wild rollende Auge gepaart mit dem Ausdrucke von ungewöhnlicher Rohheit in der Physiognomie, waren beredte Belege, daß sie einem kriegerischen Eingebornenstamme angehörten, der nur »gebieten« wollte und konnte. Die meisten der Anwesenden waren wohl schon Menschenschlächter gewesen, und dies nur einzig des Raubes halber. Der eine der beiden schwärzesten in der Schaar, die sich als Anführer kenntlich zu machen suchten, schwang sich auf die gestützte Deichsel und gab mir in einem gebrochenen Holländisch zu verstehen, daß sie die Krieger »La Bengulas« wären, daß sie gewohnt seien, auf ihren Streifzügen alle Diener der Weißen zu tödten, wenn man diese nicht loskaufe, deshalb seien sie gekommen, auch jenen Hund, der zu mir herangelaufen wäre, todtzuschlagen, wenn ich nicht sofort für ihn bezahlen würde. — »Bezahlen will ich nichts,« entgegnete ich, gute Miene zum bösen Spiele machend, »allein den Matabelekriegern will ich etwas schenken, wenn sie dann den Wagen verlassen.« Ich hoffte auf diese Art nicht nur allen möglichen Streitigkeiten und gefährlichen Situationen auszuweichen, sondern auch der allbekannten Stehlsucht der Matabele zuvorzukommen. Obwohl Th. und Pit unsere Utensilien mit Argusaugen bewachten, konnten sie es nicht verhindern, daß einer der Matabele besonderes Wohlgefallen an einem neben mir liegenden Messer fand, das er indeß, von mir in flagranti ertappt, wieder im Stiche ließ.
Verfolgende Matabele.
Der Zulu rief seinen Genossen, theilte ihm seine Meinung mit und dieser damit zufrieden, rief mit lautem Gekreisch alle die Anwesenden zusammen, um ihnen meinen Entschluß mitzutheilen. Die Nachricht wurde mit gleich heftigem Geschrei und Grinsen beantwortet. Nun hieß ich alle an der Deichsel antreten. Meine unerwarteten Gäste im Auge behaltend langte ich in den Wagen und holte einen Becher Schießpulver und ein Stück Blei (etwa zwei Pfund) hervor, womit ich die beiden Anführer beschenkte. »Lapiana«, rief der eine der Führer aus, er zeigte auf mein Sacktuch und ahmte die Bewegung des Zerreißens nach; dabei suchte er mir zu verstehen zu geben, daß solch eine Lapiana als Gurt um den Leib oder als Stirnverzierung, wie der mit Riemchen an dem Kopfe befestigte Vogelfedernschmuck getragen werden solle. Ich begriff nun seinen Wunsch und brachte zwei Meter Calico hervor, die ich in dünne Lappen riß und sie dann den Einzelnen reichte; dieselben wurden auch sofort in der angedeuteten Weise verwendet. Das Geschenk fand bei ihnen so sehr Gefallen, daß sie um weitere zwei Stücke für ihre Führer baten, welchem Ansuchen ich auch willfahrte, dann aber vom Wagen herabsprang und mich zu meinen Gefährten wendend, den lärmenden Gesellen den Rücken kehrte. Ihren Führern folgend, die langsam den Rückzug eröffneten und die Geschenke in der Luft schwangen, entfernte sich die Truppe und wir alle fühlten uns nun etwas weniger beengt als eine Stunde zuvor, da wir von dem schweißtriefenden Merico vernommen, welch’ ehrenvoller Besuch uns bevorstand. Manche der Matabele hatten von Th. Tabak für Salz eingetauscht.
Von Meriko erfuhr ich, daß wir uns bereits am Ufer des Nata, des wichtigsten Zuflusses der Soa befanden, und daß in seinem Bette leicht Salz zu gewinnen sei und daß die Matabele jährlich von ihren Königen oder von ihren Häuptlingen hierher gesendet werden, um Salz zu holen; unsere Matabele-Gäste waren eben auf einem solchen Zuge begriffen gewesen. Der Bamangwato-König weiß wohl von diesen Raubzügen, allein er hindert die Matabele nicht, die zuweilen den ihnen begegnenden Bamangwato’s die Waffen abnehmen und den Masarwa’s die Unterschenkelknochen entzweischlagen.[6]
Jagd auf Zulu-Hartebeeste.
Zur großen Beruhigung unseres wackeren Bamangwato-Dieners fuhren wir noch am selben Tage weiter nach Norden, nach dem Ufer des nahen Nataflusses. Das Wild nahm zu, größere Heerden von Springbockgazellen, die ich so weit im Norden nicht anzutreffen dachte, mehrere Trupps von Zulu-Hartebeesten, gestreiften Gnu’s, Straußen und Zebra’s wurden sichtbar. Meriko, der wieder vergnügt mit Niger neben dem Wagen einherlief, sprang zuweilen auf das Wagenbrett, um sich von dem Abzuge der Matabele zu versichern; bei Gelegenheit einer solchen Umschau bat er mich, in der Fahrt inne zu halten. Ich folgte der mir angegebenen Richtung, in welcher etwa 600 Schritte vom Wagen und zur Rechten im Grase, Meriko auf eine Heerde großer »Polocholo« (Wild), »Sesephy« (Zulu-Hartebeest) hinwies. Ich konnte mit bestem Willen nichts sehen, desto besser Pit und Th., die beide mehrere Stücke zählten. Rasch wurde Kriegsrath gehalten und die Verfolgung der Thiere in folgender Weise beschlossen: Ich sollte mich schußbereit halten, der Wagen jedoch die Fahrt fortsetzen, auf etwa 300 Schritte nahegekommen, sollte ich auf der den Thieren entgegengesetzten Seite (sie befanden sich etwa 200 Schritte vom Wege) vom Wagen gleiten und im Grase gegen die Thiere bis auf 150 Schritte anschleichen, aus welcher Entfernung ich dann, durch einen Hardekoolebaum gedeckt, feuern konnte. Es war nicht schwer, diesen Plan zur Ausführung zu bringen, und bald fand ich mich im Grase und kroch langsam vorwärts, während der Wagen die Fahrt fortsetzte.
Die Soa-Salzpfanne.
Bevor ich jedoch noch den schützenden Baum erreichte, machte mich ein Pfiff von Th. darauf aufmerksam, daß die Thiere durch den Wagen aufgescheucht worden wären und sich eben zur Flucht wandten. Um so rascher kroch ich nach dem Baume, spannte den Hahn und als ich eben vorschaue, erscheint eines der Thiere (der Führer) von einem zweiten Thiere gefolgt, etwa 150 Schritte im vollen Laufe in meinem Gesichtskreise. Ich lege auf das erste an und feuere. Meine Gefährten schreien laut auf und eilen, sich um Wagen und Gespann nicht weiter kümmernd, von den Hunden gefolgt, alle nach der Stelle, die eben das Wild eingenommen. Ich sehe vier Thiere flüchten und da ich nicht wußte, daß es fünf waren und der Pulverrauch den Führer der Heerde meinen Blicken entzog, staunte ich nicht wenig über meine Gefährten. Ich dachte zuerst an das Gespann, das die Leute im Stiche gelassen, doch der Weg war mit üppigem Gras überwuchert, das Gespann stand still und graste im Joche, so gut es ging. Ich eile den Uebrigen nach und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich vor mir einen schönen Sesephy verendet liegen sehe. Sanct Hubertus war mir diesmal ungewöhnlich hold und verhalf mir zu einer ebenso schönen als wichtigen Acquisition.
Am Nata-Spruit angelangt, mußte ich, abgesehen von der verlockenden Gelegenheit, meine Sammlungen zu bereichern, den ermüdeten Zugthieren einige Tage Rast gönnen. Unsere nächste Sorge galt der Auffindung von Trinkwasser, im Flußbette selbst waren alle Lachen salzhaltig. Da uns jedoch zwei Tage zuvor von einem Masarwa die Möglichkeit, frisches Wasser im Bette des Nataflusses zu finden, in Aussicht gestellt wurde, folgten wir zwei dem Fluß aufwärts. Das Flußbett war 100 bis 150 Schritte breit, bis an 20 Fuß tief und schien nach Regengüssen bis an das Gras am oberen Rande gefüllt zu sein. Ein Freudenschrei Th.’s kündigte mir an, daß unser Suchen nicht vergebens war, es war ein glücklicher Fund, denn schon die nächste Lache zeigte wieder salzhaltiges Wasser.
An unserem Wege im Flußbette hatten zahllose Wildspuren gekreuzt, unter denen jene der an der Soa erwähnten Wildarten die häufigsten waren, doch fielen uns auch namentlich sehr zahlreiche, frische Löwenspuren auf. Der von Pit vorgeschlagene, von mir und Th. gutgeheißene, nur von Meriko wegen der nur zwei Stunden entfernt lagernden Matabele mißtrauisch betrachtete Lagerplatz ward sofort bezogen. Der zahlreichen frischen Löwenspuren halber hielt ich es für angemessen, die Zugthiere in unmittelbarer Nähe des Lagers zu halten und befahl dem mit einem Hinterlader bewaffneten Meriko Wache zu halten. Bald war auch die Umzäunung des Lagers fertig gestellt, welche diesmal hoch und breit gearbeitet war. Außerdem wurden vier Feuer errichtet und bis zur vollen Dunkelheit unterhalten, so daß sie durchwegs bis gegen 1 und 2 Uhr Nachts ungeschwächt fortbrannten.
Der arme Niger hatte schwere Arbeit und bewies sich vortrefflich. Jene vom königlichen Geblüte machten uns wiederholte Besuche, noch häufiger fanden sich die beiden Schakalarten, der Schabrackenschakal und der graue ein, auch die gefleckte und die braune Hyäne ließen sich vernehmen, schließlich »der lieben Thiere so viele,« daß ich von nichts als schönen Löwen- und Hyänenbälgen, die vor mir ausgestopft im lustigen Reigen tanzten, träumte. Schakalgekläffe in zwei Modulationen bildete die »Ouverture« zu jenem Concert, das Löwengebrüll den »dramatischen« Theil der Vorstellung, die mit dem unharmonischen Hyänengeheule gegen Morgen ihren Abschluß fand.
Am 28. unternahm ich mit Pit mehrere Ausflüge an beiden Nata-Ufern. Da die Partien stellenweise sehr dicht bebuscht waren und wir häufig den Fluß und die in denselben mündenden Regenschluchten zu passiren hatten, deckten wir uns gegenseitig gegen unerwartete Angriffe. Zahlreiche Löwenspuren von respectabler Größe nöthigten uns zur Vorsicht und scharfem Auslugen. Die längs des Flusses und so hoch oben am Ufer führenden Wildpfade, von welchem aus das Raubthier eine gute Uebersicht über das breite und von den Antilopen ob seines Salzgehaltes häufig besuchte Bett haben konnte, waren von zahllosen Löwenspuren bedeckt. Neben diesem Wildpfade einhergehend, kamen wir zu einem am Rande einer kleinen Regenschlucht stehenden, etwa 20 Fuß hohem Baume, der deutliche Spuren der Löwenklauen trug. Hier pflegten die in der Nachbarschaft hausenden Thiere ihre Klauen zu schärfen und auf den Hinterpfoten hockend die Vordertatzen an der Rinde zu wetzen. Der Baum, dessen Aeste etwas armleuchterförmig gestaltet waren, schien mir für den Anstand wie geschaffen. Schon vor Sonnenuntergang war ich von Pit und dem Hunde begleitet, zur Stelle, ich trachtete mir wo möglich die bequemste Lage zu wählen, da ich in derselben 10 bis 14 Stunden zubringen mußte. Ich drängte Pit zur raschen Rückkehr, damit er noch bei vollem Tageslicht den Wagen erreichen konnte. Sowie ich mich allein befand, besah ich mir die nächste Umgebung rings um mich her; zu meiner Rechten standen in einer Entfernung von 20 bis 30 Fuß höhere Bäume als jener, auf dem ich Posto gefaßt. Der Boden war stellenweise hoch, doch schütter begrast, so daß man überall den lichten Sand, welcher den interessanten Blätterkalk an den Salzseen bedeckt, durchschimmern sah. Unter mir befand sich eine runde Stelle, welche außer meinen Fußstapfen und denen des Dieners nur Löwenspuren zeigte. An meiner Linken führte eine mit dichtem und hohen Gras überwachsene, etwa 6 Fuß tiefe und 20 Fuß breite Regenmulde, welche in den nahen, kaum 20 Schritte entfernten Nataspruit mündete. Am jenseitigen Ufer stand ein dichtes Gehölz, durch welches einer der Löwenpfade führte, von diesen zweigte sich ein Nebenpfad zu meinem Baume ab. Da die Nächte äußerst kalt waren, welcher Temperaturfall nach der bedeutenden Tageshitze um so empfindlicher war, hielt ich es für angezeigt, mich an einem der stärksten Aeste festzubinden, um nicht vom Schlummer überrascht mit den Löwen unter mir in nähere und unliebsame Berührung zu kommen. Mein Sitz ließ sonst nichts zu wünschen übrig, ich saß bequem in einer dreifachen Astgabel.
Unterdessen war die goldene Scheibe allmälig am westlichen Horizonte untergegangen, nur ein glühend rother Streifen schimmerte hie und da durch das lichte Gezweige der höheren Baumkronen. Ohne es vorher zu ahnen, war es mir in dieser Nacht möglich, so manche Scene aus dem Thierleben beobachten zu können. Schon bei Sonnenuntergang ließen sich aus den Grasebenen die Zebrahengste hören, welche mit lautem Quag-ga, Quag-ga ihre Wachsamkeit über die unter ihrer Führung stehenden Heerden zu erkennen gaben. Der nächste Laut, der dann und wann von allen Richtungen her zu mir drang, war das klagende Gebelle der Schabrakenschakale, aus dem man das mißtönende Einzelgeheul ihres grauen Bruders gut unterscheiden konnte. Es war zu erwarten, daß das ausgehängte Wildfleisch seine Pflicht thun werde und sie dem Wagen einen Besuch abstatten würden, was auch geschah, denn das anfangs verschwommene Gebelle wurde immer deutlicher und deutlicher, so daß ich mir sogar gegen Mitternacht einbildete, die Zahl der Concertisten bestimmen zu können. Bei einbrechender Dunkelheit fesselte ein eigenthümliches Geräusch, eine Art Kratzen und Scharren, meine Aufmerksamkeit; es waren Scharrthiere, welche in dem sandigen Boden nach Würmern und Puppen fahndeten. Diese kleinen Raubthiere arbeiteten die ganze Nacht hindurch; so oft sich ein Geräusch in der nächsten Umgebung vernehmen ließ, stellten sie ihre Arbeit sofort ein.
Etwas später, gegen 10 Uhr, verließen die Gazellen und Antilopen ihre Weideplätze, um noch vor der gewöhnlichen Ausgangszeit der großen Raubthiere den salzhaltigen Schlamm im Bette des Nata zu belecken und in die freieren unbebuschten Partien, von woher sie gekommen, zurückkehren zu können. Der anmuthige Steenbock, einer der anmuthigsten unserer südafrikanischen Gazellen, kam bedächtig den Löwenpfad herangegangen. Hätte ich nicht zufällig hingeblickt, so hätte ich seine Annäherung gar nicht wahrgenommen; im Ganzen waren es drei Thiere, die ich erspähen konnte. Ein flüchtiger doch leiser Schritt, dem ein Moment Ruhe folgte, spornte meine Sehkraft zum Aeußersten an, doch konnte ich das Thier nicht erkennen. Abermals folgten einige flüchtige Sätze und dasselbe, gewiß eine größere Gazelle oder Antilope, verhielt sich ruhig, es wiederholte noch dreimal seine Sätze, um in der Zwischenzeit abermals zu lauschen.
Es mochte 10 Uhr sein, als eine Heerde von Thieren, nicht bedächtig und lauschend, doch langsam und in großer Zahl längs dem jenseitigen Ufer der Regenmulde herabstieg. Die Mündung dieser Mulde ermöglichte es den Thieren, bequem das kleine salzhaltige und einen Süßwasser-Tümpel enthaltende Flußbett zu erreichen. Die letzterwähnte Thierheerde war an einem besonderen Geräusche, das dem Anschlagen von Knitteln gegen die Baumstämme ähnelte, leicht zu erkennen. Es waren die durch ihr prachtvolles Geweih ausgezeichneten Kudu-Antilopen. Während ich diese Thiere noch später in dem Flußbette herumarbeiten hörte, näherte sich dem vom Flusse abwärts längs des Ufers führenden und die Regenmulde kreuzenden Wildpfade herab, ein kurzer etwas schwerer Tritt, und bald darauf gewahrte ich ein schwarzes, etwa kalbgroßes Thier, das ich als eine braune Hyäne erkannte. Das Thier ging langsam durch die Schlucht und schnupperte wiederholt beinahe bei jedem seiner Schritte, blieb dann auf einige Secunden stehen und fiel, auf das jenseitige Ufer der Mulde gelangt, sofort in ein rascheres Tempo ein.
Es schien mir, als sollte ich diese Nacht vergebens den König der Thiere erwarten. Als sich mir schließlich diese Befürchtung immer mehr aufdrängte, erscholl aus einer Entfernung von etwa 1000 Schritten das mir wohlbekannte, tiefe Gebrüll. Ich war jetzt sicher, daß das Thier seiner Gewohnheit gemäß den Pfad herunter und zu seinen Lieblingsbäumen kommen werde. Ich suchte nun meine Aufmerksamkeit von allem Anderen, namentlich von dem lauten Gebelle, mit dem meine beiden Hunde die an den Wagen drängenden Schakale abzuschrecken suchten, abzulenken. Mehr denn eine halbe Stunde verrann, bevor sich das Gebrüll des Löwen, diesmal in der Nähe, wiederholte. Nach etwa 15 weiteren Minuten vernehme ich den ersten Laut des herantrabenden Thieres, es kam näher und näher, doch deutlich nehme ich auch wahr, daß es nicht in seinem gewohnten Pfade am jenseitigen Mulden-Ufer, sondern mitten durch die hochbegraste Mulde selbst einherschritt.
Nach einigen raschen Schritten hielt das Thier inne, lauschte einen Moment, um sich wieder zu nähern. So war es bis auf 15 Schritte nahe gekommen — doch mir bei der in der Tiefe der Mulde herrschenden Dunkelheit und dem hohen Grase noch immer unsichtbar geblieben. Auf’s Gerathewohl in’s Gras zu feuern, hielt ich aus dem Grunde nicht gerathen, weil es den Löwen in die Flucht jagen konnte. Der Löwe mußte jetzt an dem Zweigpfade angelangt sein, der zu meinem Baume führte, er blieb jedoch volle 15 Minuten, in der Muldensohle, ohne sich zu rühren, er mußte mich wohl gewittert haben und schien sich für den Angriff oder die Flucht zu entscheiden. Da höre ich den Schritt wieder, dann eine Pause, um im nächsten Augenblicke zu hören, wie der Löwe einen Satz in das jenseitige Gebüsch machte und darinnen verschwand. Bald darauf belehrte mich Niger’s wüthendes Gebell, welche Richtung der Löwe genommen und ich bereute es, nicht gefeuert zu haben. An allen Gliedern steif, mußte ich nichtsdestoweniger auf meinem Posten ausharren, bis Pit und Niger bei Tagesanbruch sich bei mir eingefunden hatten.
Im Baume.
[5] Siehe [Anhang 2].
[6] Ich möchte auf diesen Umstand besonders Reisende aufmerksam machen, welche eingeborne Diener im Gefolge haben und diese Gegenden berühren sollten. Für sie ist es am angezeigtesten, sich vorher durch Kundschafter die Gewißheit zu verschaffen, ob die Ufer des Nata gefahrlos zu passiren sind.
IV.
Vom Nataspruit nach Tamasetse.
Die Salzlager im Nataspruit. — Ein Capitalschuß. — Von Löwen aufgeschreckt. — Das sandige Lachenplateau. — Strauße am Wagen. — Nachtreise bei Fackelschein. — Ein Löwenabenteuer. — Die Klamaklenjana-Quellen. — Vereitelte Elephantenjagd. — Begegnung mit Elephantenjägern. — Die Madenassana’s. — Gebräuche und Sitten derselben. — Der Yoruha-Weiher und die Tamafopa-Quellen. — Nächtliches Thierleben im Walde. — Eine verunglückte Löwenjagd. — Pit schläft auf dem Anstande.
Nachtreise bei Fackelschein.
Am Vormittage des 29., nach jenem angenehmen Zeitvertreib, der im Löwenbaume durchlebten Nacht, unternahm ich einen Ausflug, um die Formation an den Nata-Ufern zu untersuchen. Zwei Riesenstörche (Sattelstorch-Species Mycteria senegalensis) zogen ihre weiten Kreise über den Fluß; mich rasch niederduckend, störte ich sie nicht beim Einfallen, beschlich sie dann und es gelang mir, einen für meine Sammlungen zu erbeuten. Die Thiere stellten den zahlreichen Fischen nach, welche sich in einer der flacheren Salzlachen des Flußbettes unter dem Gesteine zu verbergen suchten. Am Nachmittage machte ich einen längeren Ausflug durch die südliche Ebene, um nach der Matabelehorde zu sehen, und um die Stelle, an welcher sie das Salz zu gewinnen pflegten, näher zu untersuchen. Schon 1200 Schritte vom Wagen jagten wir eine Zebratruppe (von der dunklen Art) auf, welche in wilder Flucht dem Flusse zueilte, so rasch und in solcher Hast, daß ich schon die ganze Heerde über das steile Ufer herabstürzen zu sehen wähnte, als die Thiere ebenso plötzlich stille hielten und dann zur Rechten einbiegend, durch eine schmale Abflußrinne hinabgelangten. Es dröhnte laut auf und eine dichte Staubwolke erfüllte die Luft, als die Thiere das trockene Bett kreuzten, noch einige hundert Schritte hinübereilten, um dann an einer weniger steilen Stelle unfern meines Wagens auf das jenseitige Ufer emporzuklimmen. In der Ferne erschienen die Thiere größer als sie sind, ihre Hauptstärke liegt in dem gewaltigen Kopfe und dem Halse, und da sie sehr gut genährt sind, ist es nicht schwer, sie mit Pferden einzuholen. Die Masarwa und Makalahari nennen sie mit Rücksicht auf ihr Wiehern, das durch »Quag-ga«, wobei die erste Silbe bedeutend kürzer als die zweite klingt, deutlich wiedergegeben werden kann, Quaggas. Je näher ich dem Matabele-Lager kam, desto mehr Vorsicht hielt ich für nöthig, da ich jedoch auf der Ebene wenig Deckung fand, wandte ich mich nach Westen und kam hier in eine Flußvertiefung, die nach dem Nata zuführte, so daß ich selbe als einen Arm des unteren Nata ansehen möchte, der nach der Soa führt. Ich folgte ihm geraume Zeit, er hatte denselben Charakter wie der Nata und entschloß mich dann, durch das hohe Gras nach dem vermuthlichen Lager, d. h. bis auf eine englische Meile Entfernung von demselben anzuschleichen. Doch wie staunte ich, als dieser Arm nach einer Stunde Wegs, wobei wir rechts und links von uns Zulu-Hartebeest-Heerden beobachteten, nach Osten in der von mir angestrebten Richtung abbog und ich ihn verfolgend, das verlassene Matabele-Lager vor mir sah.
Ich stand an einigen mit rosa- und dunkelcarmin gefärbter, stark salzhaltiger Flüssigkeit gefüllten, ziemlich umfangreichen, in der Mitte des Bettes liegenden Lachen; rings war der Boden von weißlichem Salzniederschlage bedeckt, und zerstreute Salzstücke, schöne auf einer 1 bis 2 Zoll dicken harten Thonlage ruhende Krystalle, lagen überall umher, auch Pfähle, mit denen das Salz aus den Lachen herausgebrochen worden sein mochte. Die Matabele hatten also die Stelle schon verlassen, ich hatte die Störenfriede nicht mehr zu fürchten und konnte eine genaue Besichtigung der Lachen vornehmen. Bei normalem Winterwasserstand sind dieselben 1 bis 1½ Fuß tief, 30 bis 45 Fuß breit, 30 bis 900 Fuß lang. Der Niederschlag am Boden ist 1 bis 3 Zoll stark und verbindet die Ufer einige 6 bis 10 Zoll unter der Oberfläche der Flüssigkeit wie eine starke Eisdecke, schlägt man diese durch, so kommt man einige Zoll bis einen Fuß tiefer auf den eigentlichen Boden des Gewässers. Tritt man hinein, so glaubt man auf Nadelkrystallen zu stehen, und die Füße bedecken sich mit einem deutlich sichtbaren Niederschlage. Diese stark salzhaltigen Lachen sind weder von Vögeln noch anderen Thieren besucht.
Die schönen rosarothen Krystalle, mit denen jeder in die Lache geworfene Gegenstand bald inkrustirt und an der Salzdecke festgepicht wird, erblassen leider so wie sie der Lache entnommen werden. Wir schleppten mit, so viel wir konnten, und ich sandte am folgenden Tage Pit und Meriko zur selben Stelle, um Salz für unseren Gebrauch zu gewinnen. Um es von seinem Kalkgehalte zu befreien, wird das Salz gekocht und dann zerschlagen. Ich bediente mich seiner zum Einsalzen des Wildfleisches. Auf dem Heimwege von diesen Salzlachen (ich folgte dem Bette, indem sie liegen, bis in den Nata, es ist also ein von ihm abzweigender und sich wieder mit ihm vereinigender Arm) beobachtete ich die letzten Springbockheerden nach Norden und Heerden des gestreiften Gnu’s, das hier das schwarze Gnu vertritt, welches ich nicht nördlicher als über Schoschong zu beobachten Gelegenheit hatte.
Am 29. schoß mein Freund Th. eine Steinbockgazelle, auf der östlichen Grasebene, es war ein Capitalschuß auf 250 Meter. In der Nacht am 29. legte ich an mehreren Stellen mit Strichnin vergiftete Stücke Fleisch aus, um einige Schakalbälge zu gewinnen, am nächsten Morgen fand ich vier Cadaver dieser Thiere; das Fleisch des abgezogenen Thieres wird schon in der folgenden Nacht von seinen Genossen verspeist, und man wird dann in den nächsten Tagen jene, die an dem Mahle theilgenommen, todt in dem Gebüsche wiederfinden. Die Umgegend des unteren Nataflusses ist durch zahlreiche Baobabbäume, welche in dem salzhaltigen Boden ebenso gut gedeihen, wie im Humus, so wie durch dichtes Palmengebüsch ausgezeichnet.
Meine Sammlungen hatten nun schon derart an Umfang gewonnen, daß ich mich entschließen mußte, das bisher Gewonnene mit dem ersten, nach dem Süden zurückkehrenden Elfenbeinhändler oder Jäger zu Rev. Mackenzie nach Schoschong zu senden. Am 3. Juli verließ ich den Lagerplatz im Mimosengehölz, den ich trotz der nächtlichen Löwenbesuche liebgewonnen hatte und zog am linken Nata-Ufer den Fluß nach aufwärts. Der Weg führte am Rande der östlichen Ebene und war theilweise tiefsandig. Während unserer Fahrt sahen wir eine Heerde von Zebra’s in einer Entfernung von 500 Schritten grasen. Th. wollte seine Kunst als Schütze an den Thieren erproben, schlich sich auf 50 Schritte an und feuerte aus dem hohen Grase auf eines der Pferde. Der Schuß traf, das Thier fiel sofort nieder, sprang auf, lief noch etwa zehn Meter, fiel abermals nieder und verendete nach 15 Minuten. Wir eilten alle hinzu, Pit faßte unvorsichtiger Weise das Thier am Kopfe, doch dieses, obwohl in den letzten Zügen, biß nach ihm, ohne ihn glücklicher Weise zu erhaschen, andernfalls hätte der Diener eine tiefe Bißwunde davongetragen. Wir machten uns sofort an das Abhäuten der Beute und nahmen mit Ausnahme des Brust- und Halsfleisches, alles übrige mit, um Beltong zu bereiten. Etwa 2½ englische Meilen weiter fand ich in einem dichten Gehölze die geeignete Stelle zu einem neuen Lagerplatz, um hier vollends die Haut des Thieres zu präpariren.
Während Pit und Th. damit beschäftigt waren, das Fleisch der Zebrastute in Stücke zu schneiden, um es aufzuhängen, arbeitete ich an dem Felle und dem Schädel. Meriko wachte mit einer Muskete bei den grasenden Zugthieren. Am Nachmittag besah ich mir die nächste Umgebung und fand die Büsche dicht, den Baumwuchs spärlicher, doch stellenweise schöne Baobabbäume. Das Ufer des Nataspruits, in dem sich hie und da schöne bewaldete Inseln befanden, war hier hoch und steil und das Bett enthielt eine mehrere hundert Fuß lange und ziemlich tiefe Lache, welche von Wasserschildkröten und Fischen wimmelte. Doch auf sie hatten wir nicht viel Zeit zu verwenden, denn es schien mir geboten, bis Ende dieses Monats, wenn möglich, den Zambesi überschritten zu haben und bis zum December in das weniger ungesunde Hochland an seiner nördlichen Wasserscheide gelangt zu sein.
Da wir keine Löwenspuren bemerkten, errichteten wir eine ziemlich niedrige Umzäunung — es war uns bisher nicht bekannt, daß die Löwen oft Tagereisen weit Streifzüge von ihren gewohnten Schlupfwinkeln aus unternehmen; die Nacht war kalt, ein eisiger Südsüdwest-Wind hieß uns die Nähe des Feuers suchen und da die Nacht dunkel zu werden versprach, bereute ich es, keine höhere Umzäunung gemacht zu haben; ich vertröstete mich damit, daß das Zebrafell morgen trocken sein und ich den Ort verlassen konnte. Schon um 8 Uhr war die Finsterniß vollständig hereingebrochen, zeitweilig fielen Regentropfen und verkündeten im Vereine mit dem durch die Wipfel der niederen Bäume streichenden Winde eine unangenehme Nacht.
Plötzlich, so plötzlich, daß wir alle vor Schrecken aufsprangen, wurden wir durch das heftige Zusammenfahren und Gebrülle der Ochsen in der Umzäunung aufgeschreckt. Nur zu leicht konnten wir deutlich hören, daß einige derselben flüchtig geworden und beim Uebersetzen der meist aus trockenen Aesten errichteten Umzäunung in derselben eingebrochen waren. Um unsere Ueberraschung noch zu erhöhen, sprang Niger laut bellend nach den Gebüschen, während sich der kleinere Hund winselnd unter dem Wagen zu verbergen suchte. Wir drei am Feuer dachten natürlich, daß ein oder mehrere Löwen über den niederen Zaun in den Kraal eingedrungen waren, dies um so mehr, als wir die zurückgebliebenen Zugthiere sich in einen Klumpen aneinanderpressen sahen und uns ein ununterbrochenes, gedämpftes Blöken beunruhigte.
Von Th., der wenige Augenblicke vorher eben damit beschäftigt war, die Zugthiere etwas kürzer anzubinden, konnten wir, so weit uns der Feuerschein etwas in der Dunkelheit zu sehen gestattete, nichts erblicken. Während sich Meriko und Pit jeder mit einem Feuerbrand bewaffneten, sprang ich auf den Bock, um meinen Hinterlader zu ergreifen, und ließ die Diener ihre Leuchten hochhalten, um hinreichend Licht in den Kraal zu werfen. Ich konnte jedoch nichts von einem Löwen in demselben erblicken. »Theunissen, können Sie den Löwen sehen,« rief ich, doch statt einer bejahenden Antwort drang ein wimmerndes. »Helft mir, helft!« aus dem Knäuel der Zugthiere, aus deren Mitte sich zugleich das ängstliche Blöken vernehmen ließ. Wir sprangen herbei und fanden, daß die Zugthiere durch einige sich anschleichende Löwen in Aufregung versetzt, das in der Erde befestigte Ziehtau losgerissen und sich in der Verwirrung in dasselbe verwickelt hatten, wobei Th. und zwei Zugthiere niedergeworfen wurden, während andere zwei über die Umzäunung setzten.
Dank der Wachsamkeit Nigers hatten sich die Löwen zurückgezogen, und während wir Th., der glücklicher Weise unverletzt war, aus seiner unerquicklichen Lage befreiten, kehrten auch die beiden entlaufenen Zugthiere zum Wagen zurück. Ich ließ, nachdem die Thiere am Wagen entsprechend befestigt waren, rasch fünf Feuer um den Wagen und die Umzäunung anzünden, und unter ihrem Schutze fällten wir mehrere Mapanibäumchen und erhöhten damit die Umzäunung.
Erst am 5. konnte ich die Weiterfahrt, und zwar unter strömendem Regen antreten, der mir indeß diesmal willkommen war, da er den tiefen Sand compacter machte und den Zugthieren die Arbeit erleichterte. Ich passirte die durch tiefe Sandmassen ziemlich schwer passirbare Furth des Nataspruits und traf jenseits derselben auf einem verlassenen Jagdplatze die Reste eines Boerwagens. Von Wild beobachteten wir blos Deukergazellen, zwei gestreifte Gnu’s, einige Zebra’s und Perlhühner, von denen letzteren ich eines erlegte. Nachmittags traten wir aus den bewaldeten Partien heraus und zogen über eine hochbegraste Ebene, die stellenweise mit einzelnen Mapanibäumen oder kleinen Mapani- und Mimosengehölzen bestanden war. Obgleich ich sehr dagegen war, das Gespann in von Löwen bewohnten Gegenden Abends oder Nachts weiden zu lassen, war es diesmal nicht zu vermeiden; wir machten die Thiere frei und trachteten sie in der Nähe des Wagens zu halten. Doch kaum hatten sie etwa 150 Schritte weit sich entfernt, als sie durch ein Thier scheu geworden, in wilder Flucht nach rechts über die Ebene dahinjagten. Mit Hilfe des braven Nigers, der den Störenfried, eine Hyäne, rasch entdeckt und verfolgt hatte, gelang es Th. und Pit, die Thiere nach einer Weile wieder einzufangen. Die Nacht hindurch hatten wir das Vergnügen, ein von gefleckten Hyänen gegebenes Concert anzuhören.
Am 6. durchzogen wir Vormittags ein Terrain, das dem des vorigen Tages sehr ähnlich war, während wir am Nachmittage eine ausgedehnte wiesige, vom Niederwalde rings umschlossene Lichtung passirten, auf welcher sich zahlreiches Wild tummelte. Ein heftiger Regenguß spendete uns reichlich das ersehnte Trinkwasser, das uns der Boden nicht finden ließ. Wir sahen Strauße auf der Ebene, Deukergazellen, gestreifte Gnu’s und Löwen im Anschleichen der Zebra’s begriffen. Gegen Abend kamen wir an ein Gehölz, an welchem ich zu übernachten beschloß.
Am Abende des 8. Juli betraten wir einen Wald, der einen Theil des »sandigen Lachenplateaus« bildet und sich etwa 100 englische Meilen nach Norden erstreckt. Der Boden auf dieser Strecke ist mit Ausnahme einiger Lichtungen, welche Lachen aufweisen, tiefsandig und ist der westliche Theil des Gebietes, den Mohr das Land der »tausend Teiche« genannt hat. Ich belege mit diesem Namen nur jene Strecke, welche keinen merklichen Abfall zeigt und dem Regenwasser keinen Abfluß nach den Flüssen gestattet. Jene Lachen charakterisiren diese Gegend und werden zumeist (95 Percent derselben) nur vom Regen gespeist. Sie sind klein und dicht begrast und enthalten während 2 bis 8 Monaten reichliches Regenwasser. Nur eine verschwindend kleine Anzahl wird von Quellen gespeist und solche das ganze Jahr hindurch wasserhaltige Stellen sind von den Madenassa’s, die den wiesigen Niederwald bewohnen, benannt worden. Andere, die nur zeitweise im Jahre Wasser enthalten, haben von den holländischen und englischen Jägern und Elfenbeinhändlern Gelegenheitsnamen erhalten. Dieses Lachengebiet liegt zwischen der Soa und dem Nata (gegen Süden), den Zambesi-Zuflüssen nach Norden, dem Mababi-Veldt nach Westen und dem Nata- und Uguaj-River nach Osten. Es ist im Innern Süd-Afrika’s jenes Land, in welchem die riesigen Säugethiere, wie Elephanten, Nashorne, Giraffen noch häufiger zu finden sind, und von welchem aus sie sich dann nach Osten und Westen, sowie nach Norden über den Zambesi ausbreiten. Seiner Wasserarmuth in der Trockenzeit halber, ist es nicht nur mit großen Opfern zu passiren und nicht geringere fordert zuweilen im Beginne des Sommers vom October bis December eine aufsprossende Giftpflanze, die das Gras im Wachsthume überholt und den Ochsen sehr schädlich wird. Aus diesem Grunde wählen auch oft die Elfenbeinhändler, welche mit dem am Zambesi wohnenden Stämmen in Verkehr zu treten suchen, den sogenannten östlichen, d. h. einen durch Westmatabele und das Gebiet der Makalaka führenden Weg, doch hat auch dieser zahlreiche Schattenseiten und Nachtheile, welche namentlich in der Unzuverlässigkeit und Stehlsucht der Eingebornen auf dieser Strecke begründet sind.
Während der Fahrt am Nachmittage des 7., bevor wir noch in den dichten Wald einfuhren, und als wir eben die letzte Lichtung passirten, schrie Meriko, der vor den Ochsen einherging, auf, und wies mit der Hand nach links, indem er sich eines Ausdrucks bediente, den ich nicht verstehen konnte. Ich saß neben Th. am Bocke und war natürlich sehr begierig, den Grund der Aufregung meines in jeder Hinsicht hin braven Bamangwato-Dieners zu erfahren. Es waren zwei Strauße, die kaum 250 Schritte vom Wege entfernt, seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Ich sah nur einen, der nahe an einem Gebüsche stand; nicht der Beute halber, die dem Könige der Bamangwato’s gehörte, sondern bloß des Jagdvergnügens halber sprang ich herab, um mich im hohen Grase anzuschleichen. Der zweite Strauß, den ich bisher nicht bemerkte, saß auf der Erde, lugte nur mit dem Kopfe über das Gras und ergriff bei meiner Annäherung sofort die Flucht, während mich einige Büsche am Gebrauche des Gewehres verhinderten. Als ich wieder freieres Terrain gewann, waren die Vögel eben im Begriffe, in einen Niederwald einzudringen und rannten so ziemlich auf einen und denselben Baum zu. Ich feuerte aus einer Entfernung von 450 Schritten und hörte die Kugel in den Stamm des Baumes einschlagen. Die größte Freude über den verunglückten Jagdversuch zeigte Meriko, weil ich das Eigenthum seines Herrn, des Königs Khama, nicht geschmälert hatte, und versprach, nach seiner Rückkehr nach Schoschong es dem Könige selbst zu berichten.
Von Löwen aufgescheucht.
Da ich alles aufbieten wollte, um die erste der Quellen auf dem genannten Plateau noch an diesem Tage zu erreichen (wir hatten den Tag über kein Trinkwasser für die Zugthiere gefunden) blieb mir nichts übrig, als unsere Reise trotz mannigfacher Schwierigkeiten und Bedenken Nachts fortzusetzen. Voran lief Niger, selbst ohne erst dazu aufgemuntert worden zu sein, ihm folgte Pit mit einem Hinterlader, dann Meriko, der die Leitochsen am Riemen führte, mit einem tüchtigen Feuerbrande, Th. trieb die Ochsen, und ich saß am Bocke, das Gewehr schußgerecht in der Hand haltend, ein zweites lag hinter mir, um es nöthigenfalls dem neben mir schreitenden Th. sofort reichen zu können. Gegen 11 Uhr Nachts langte ich an der erwähnten Quelle an, welche den in den Wäldern ringsum wohnenden Madenassana’s unter dem Namen der südlichsten der Klamaklenjana-Quellen bekannt ist. Hier traf ich mehrere Elephantenjäger, denen ich einige Wochen zuvor, und andere, welchen ich an der Soa-Salzpfanne begegnet hatte, sie alle klagten über den Mißerfolg ihrer Jagd.
Ich will hier eines interessanten Löwenabenteuers gedenken, das sich einige Tage vor meiner Ankunft an der Stelle, an der mir, wie erwähnt, die Hyänen mein Gespann scheu gemacht hatten, zugetragen, und das mir den Tag nach meiner Ankunft an den genannten Quellen berichtet wurde. Die Herren Daniel Jakobs, ein Boer-Jäger, Frank, ein Engländer, der der Jagd halber diese Gegend aufsuchte, und Kurtin, ein Elfenbeinhändler, sind die Helden dieser Jagdepisode. Sie hatten eben ausgespannt, als ihnen die Diener die Nachricht brachten, daß eine Giraffenheerde einige Meilen vom Wege ab in Sicht sei. Da Herr Frank noch nie zuvor Giraffen in der freien Natur gesehen, verabredete man sich, ihm den ersten Schuß zu gönnen. Rasch wurden die Pferde gesattelt und man eilte dem Wilde entgegen. Obgleich dieses sofort die Flucht ergriff, wurde es doch schon nach kurzem Wettlauf eingeholt und Jakobs beeilte sich sofort vom Pferde herab eines der Thiere niederzuschießen. Die Gesellschaft sattelte ab und war eben damit beschäftigt, das Thier zu zerlegen, als einer der nachgeeilten Diener die Jäger auf eine andere, etwa 2000 Schritte entfernt grasende Giraffe aufmerksam machte. Man suchte auch diese auf und Herr Frank feuerte gleich zwei Schüsse ab, ohne ihr jedoch ein Leid anzuthun, dann schoß Kurtin und fehlte ebenfalls, Jakobs folgte als dritter und obgleich er das Thier förmlich mit seinem Pferde zusammenrannte und sein Doppelgewehr abschoß, entkam die gehetzte Giraffe unverwundet. Da er sah, daß die beiden anderen Jäger zurückgeblieben waren, wollte er schon dem Thiere die Freiheit schenken und von der Verfolgung ablassen, als es ihm einfiel, es mit dem Pferde zu überholen, zu wenden und in dieser Weise Herrn Frank noch eine Gelegenheit zum Schusse zu geben. Von neuem jagte er der Giraffe nach und hatte sie beinahe schon erreicht, als er unmittelbar vor sich, ein wenig zur Linken, eine sprungbereite Löwin im Grase liegen sah. Sich nach seinen Begleitern umkehrend, um sie herbeizurufen, sieht er, daß er an einer zweiten Löwin und einem Löwen vorbeigeritten war, ohne die Raubthiere vorher bemerkt zu haben. Aus dieser unangenehmen Lage suchte er sich dadurch zu befreien, daß er rasch nach rechts abbog, einige 30 Schritt in dieser Richtung hin galoppirte, dann auf den Löwen, der ihn mit seinen Blicken verfolgte, anschlug und feuerte. Er schoß zu hoch, verfehlte den Löwen und traf die Löwin in’s Schulterblatt. Darauf feuerte der herbeigerittene Kurtin zweimal und fehlte, ohne daß sich die Löwen in ihrer Ruhe stören ließen. Jakobs schoß nun zum zweitenmal und verwundete den Löwen schwer, so daß sich dieser in ein nahes Gebüsch zurückzog. »Da ich dachte, daß uns die beiden Löwinnen, die in das tiefe Gras so weit hineingekrochen waren, daß wir sie nicht sehen konnten, bekriechen, d. h. sich zum plötzlichen Sprunge bereit machen würden, gab ich,« so berichtete mir Daniel Jakobs, »den wohlmeinenden Rath, uns lieber eiligst zurückzuziehen, als den Kampf mit den Löwen fortzusetzen. Während unseres Rückzuges sahen wir beide Raubthiere, das eine stark hinkend, sich ebenfalls davonmachen. Alle diese Löwen gehören in den Bereich des Nataflusses und finden namentlich in dem stellenweise sechs bis sieben Fuß hohen Grase vortreffliche Schlupfwinkel.«
Die Klamaklenjana-Quellen bestehen (so weit sie nahe dem Wege liegen) aus vier von einander getrennten, sumpfigen Gewässern, daher rührt auch ihr Name »viermal hinter einander«; zwischen ihnen, sowie rechts und links im Walde, liegt eine Unzahl von während kürzerer oder längerer Zeit im Jahre gefüllter Regenlachen. Nahe an der ersten Quelle, die wir am Abend des 7. erreichten, zweigt sich ein von den holländischen Jägern geschaffenes Geleise nach dem Mababifelde ab. Hier stieß ich auf den Diener Andersons mit Namen Saul; er reiste in Gesellschaft eines Makalahari-Mannes, der vier Kinder mit sich führte, Saul hatte ihn am Nataspruit gefunden und ihn aufgefordert, sich ihm anzuschließen. Er war dessen sicher, daß sein Brodherr nichts dagegen einwenden werde und dies um so weniger, da er ihn bei der Straußenjagd verwenden wollte. »Ich weiß aber, daß Du kein guter Schütze bist, wie kannst Du Strauße erlegen?« frug ich Saul. — »Doch, Herr, ich treffe sie schon,« antwortete derselbe. Wenn ich sie jagen will, nehme ich einige Makalahari mit mir. Wir suchen hierauf die Spur der Strauße auf, und streben namentlich nach solchen, welche von einem Pärchen herrühren. Mir ist es hauptsächlich darum zu thun, daß ich das Nest der Thiere finde. Beim Neste angelangt, wird ein Loch in die Erde gegraben und hier verstecke ich mich, um den brütenden Thieren aufzulauern. Den ersten zum Neste eilenden Vogel erlege ich mit Leichtigkeit aus unmittelbarer Nähe, den zweiten dadurch, daß ich den Balg des ersteren auf einen Pfahl ziehe und diesen vor dem Neste aufstelle, wenn mich nicht der zweite Vogel schon bei dieser Arbeit überrascht, und sich auf Nimmerwiedersehen empfiehlt. Doch geschieht dies selten und auf diese Weise gelang es mir, schon viele Strauße sammt ihren Eiern zu erbeuten.«
An der südlichsten der Klamaklenjana-Quellen erfuhr ich die Bedeutung der hie und da von den Masarwa’s und Bamangwato’s genannten Flüsse. So z. B. bezeichnet Khori, das Land am Seitenflüßchen des Tschaneng, »eine Trappe« und der Mokhotsi »eine starke Strömung«.
Am 9. kehrte der Genosse Andersons von den nächsten Klamaklenjana-Quellen heim und berichtete, daß ein Boer in dem anliegenden Walde eine Elephantenkuh geschossen habe, welche Nachricht die an der Quelle lagernden Jäger in nicht geringe Aufregung brachte, allein diese steigerte sich noch nach der Rückkehr Theunissens von einem Ausfluge, den dieser in den Wald nach Osten unternommen, und auf dem er auf fünf flüchtige Elephanten gestoßen war. Er rief dem ihm unmittelbar folgenden Meriko zu, ihm rasch die Patronen zu reichen, und hätte hinreichend Zeit gehabt, ein Dutzend Schüsse abzufeuern, wenn nicht Meriko, um das dem Könige gegebene Versprechen, keine Elephanten zu schießen, zu halten, die Jagd dadurch vereitelt hätte, daß er beim Anblicke der flüchtenden Colosse das Weite suchte und Theunissen ohne Munition zurückließ.
Auch ich machte zwei Ausflüge tiefer in den Wald hinein und entdeckte Spuren von Giraffen, Harrisböcken, Kudu’s, Elephanten und Büffeln. Den Tag vor unserer Ankunft war eine Büffelheerde am Wasser beobachtet worden, doch hatte sie sich so zeitlich nach Mitternacht entfernt, daß sie die Jäger am Morgen nicht einholen konnten. Bevor ich noch die Quellen verließ, traf ich hier mit Mr. Taylor zusammen, er klagte auch über den Mißerfolg der Jagd. Einer der Jäger besuchte alljährig eine Stelle in der Umgegend, welche ihm reichliche Beute sicherte; mehrere tief im Walde wohnende Madenassana’s waren seine ausgiebigsten Helfer. Zwei andere Elephantenjäger, die dies vernommen, trachteten auch ihr Glück an derselben Stelle zu versuchen, ein Versuch, der indessen ihr gegenseitiges Freundschaftsbündniß nicht inniger gestaltete.
Am 10. verließ ich meinen Lagerplatz und langte nach einer zweistündigen Fahrt durch den tiefsandigen Niederwald an den nächsten Klamaklenjana-Quellen an. Ich traf hier einen Elephantenjäger mit Namen Mayer, sowie einen Holländer, Mynheer Herbst, an; etwas weiter ab, an einem zweiten Gewässer, einen anderen Holländer mit Namen Jakobs und den Elfenbeinhändler Mr. Kurtin, dessen ich bei der zuletzt beschriebenen Löwenjagd gedachte. Der Letztere theilte mir mit, daß er auf einem seiner ersten Züge in dieses Gebiet nicht weniger als 66 Ochsen durch die schon erwähnte von October bis December in diesen sandigen Niederwäldern aufsprossende Giftpflanze verloren hatte. Jakobs theilte mir einige seiner interessanten, sowie auch die nennenswerteren Löwenabenteuer Pit Jacobs, des zweitberühmtesten Elephantenjägers Süd-Afrika’s mit. Mayer und Herbst jagten in Compagnie, Herbst schoß hier eine Elephantenkuh und war noch immer ganz davon begeistert. Herr Mayer hatte einige Makalaka’s in Dienst genommen, welche auch mir einige Tage zuvor ihre Dienste angetragen hatten, da ich jedoch von diesem unter den Matabele’s wohnenden Banthustamme eine sehr schlechte Meinung habe und nebenbei die hier Betreffenden wahre Galgen-Physiognomien zur Schau trugen, rieth ich Herrn Mayer an, sie aus seinem Dienste zu entlassen. Er wollte nicht darauf eingehen und hatte es leider später zu bereuen. Denn als ich ihn sieben Monate später wieder traf, da hatte der arme und gute Mann, dem ich das Beste von Herzen wünschte, über zahllose Diebstähle zu klagen, welche die Makalaka-Diener verübt, und darnach verschwunden waren. Ich traf auch hier zum ersten Male die den Bamangwato’s unterthänigen Madenassana’s an; es ist ein schöner Menschenschlag, leider von ziemlich abstoßendem Gesichtsausdruck. Von Hautfarbe fast dunkelschwarz, sind es meist hohe Gestalten von starkem Knochenbau, namentlich die Männer. Um so mehr wunderte es mich, unter den Frauen förmlich zarte Geschöpfe zu finden. Die Madenassana’s haben ein stärkeres und längeres Wollhaar, welches besonders an den Schläfen und der Stirne oft bis einen Zoll tief herabhängt. Das Cranium ist dann in der Regel oft kurz behaart.
Besucht ein Bamangwato das sandige Lachenplateau, so sucht er gewöhnlich zuerst die Madenassana’s, die Helfer bei seinen Jagden auf, um für seinen König und sich Elfenbein zu erwerben. Diese wohnen aber in der Regel so versteckt in den dichten Partien der Wälder, daß die Jäger ihre Wohnungen kaum gewahr werden, wenn sie nicht von einem Madenassana selbst zu denselben geführt werden. Der Aelteste in einer solchen kleinen Niederlassung ist dann der kleine Stamm-Unterhäuptling; will man als Blaßgesicht Diener unter den Madenassana’s miethen, so ist es immer das beste, sich an den ältesten des Dörfchens zu wenden. Miethet man sie auf einige Monate, dann bezahlt man ihnen zwei bis vier Pfund Glasperlen, oder auch einige Wolldecken, doch zuweilen wird auch Schießpulver und Blei verlangt, auf die Dauer von sechs bis zehn Monaten begehrten sie eine Muskete.
Im Gegensatze zu vielen anderen Banthustämmen wird bei ihnen die unter einfachen Ceremonien vorgenommene Verehelichung respectirt und eheliche Treue bei ihnen ziemlich hoch gehalten. Während bei manchen Stämmen das Gefühl von Eifersucht nicht gekannt oder nur in einem schwachen Grade vorhanden ist, kann sie nach dem, was ich von meinen Berichterstattern über die Madenassana erfahren, bei ihnen selbst zu schweren Verbrechen führen. Der Stamm wurde mir als genügsam geschildert und auch als Diener sind sie besser als die Masarwa’s und Makalahari’s. Der weiten Entfernung ihrer Wohnplätze von Schoschong wegen — sie bewohnen den nordwestlichen Winkel des östlichen Bamangwato-Landes — und da sie nicht gleich den Masarwa’s über das Land zerstreut sind, ist ihr Verhältniß den Bamangwato’s gegenüber kein so drückend sklavisches wie das der Masarwa’s. Sie besitzen eigene Gewehre, und werden nur jährlich von einigen von dem Könige von Schoschong aus abgesandten Bamangwato’s aufgesucht, welche von ihnen die Abgaben einsammeln, oder sie zu Jagden verwenden. Im Jahre 1874 trafen drei Bamangwato’s einen kleinen Haufen der Madenassana’s im Dienste des Elephantenjägers Zwart an, sie forderten diese auf, den weißen Mann sofort zu verlassen und sich ihnen anzuschließen, was diese indeß verweigerten. Darauf ergriffen die Bamangwato’s die Frau des Aeltesten (des Anführers) und fingen sie zu schlagen an, um durch diese Züchtigung den Sinn der Vasallen zu bekehren, doch der Mann der Geschlagenen ergriff einen ihm zunächst liegenden Assagai, stürzte sich auf den Bamangwato und hätte auch den nächsten von ihnen durchbohrt, wenn diese nicht zu ihren Gewehren gegriffen und auf die Madenassana in Anschlag gebracht hätten.
Die Makalaka’s, deren ich kurz vorher erwähnte und von denen ich eine so geringe Meinung habe, trieben sich in den Jahren 1875 und 1876 recht zahlreich zwischen dem Nata und dem Zambesi herum. Es waren meist Flüchtlinge aus Schoschong, die ihrer verrätherischen Handlungsweise halber aus der unmittelbaren Nähe der erzürnten Bamangwato’s weichen mußten.
Am Nachmittage desselben Tages (des 11.) durchschritt ich, von meinem Diener Pit begleitet, den dichten Wald nach Nordost und traf ein Kudupärchen, das jedoch trotz seines Riesengehörns so rasch in den Büschen verschwand, daß wir keinen Schuß anbringen konnten. Diese Antilope liebt meist hügelige Dickichte oder bewaldete Höhen und nur dies kann es mir erklären, daß sie den Löwen, welche in Süd-Afrika besonders den Rand der Lichtungen lieben, seltener als viele andere Species zum Opfer fällt.
Am 12. verließ ich die zweiten (mittleren) Quellen und begab mich nach den nächsten und dritten, wohin der Jäger Jakobs und der Händler Kurtin schon vorher übersiedelt waren. An diesem Tage langte hier ein Elfenbeinhändler (ich will ihn X. nennen) an, welcher den König des Marutse-Reiches, Sepopo, auf welches ich lossteuerte, besucht hatte, er empfahl mich an seinen guten Freund Z., den ich weiter nordwärts am Panda ma Tenka-Flüßchen finden sollte. Ich ersuchte ihn, mir zwei Kisten gesammelter Gegenstände nach Schoschong zu befördern, was er auch versprach, ohne daß ich später je wieder etwas von denselben sah. Mr. Kurtin verkaufte an ihn zwei Falben (einen derselben hatte ich im Jahre 1874 in Schoschong von der Dickkopsickte geheilt) für 800 Pfund Elfenbein. Auf den beiden Wägen des Käufers waren circa 7000 Pfund Elfenbein geladen, davon waren 5000 Pfund von Sepopo eingehandelt, den Rest hatten die Diener des Händlers auf ihren Jagdzügen am südlichen Zambesi-Ufer, zwischen den Victoriafällen und der Tschobemündung erbeutet. X. berichtete auch, daß am Zambesi das Fieber gefährlich und die noch zu bereisende Gegend sehr wasserarm sei. X. war so gütig, mir den sechsten Theil einer geschlachteten Kuh zu senden, wofür ich mir erlaubte, ihn mit Medicamenten zu versorgen.
Nachmittags reiste ich ab und zog in einer west- bei nördlichem Richtung nach der nördlichsten der Klamaklenjana-Quellen; die durchreiste Waldpartie zeigte schöne Kameeldornbäume, Mimosen und ahornartige, doch auch Mochononobäume und Fächerpalmen-Gebüsche; durch eine ähnliche Gegend führte uns der Weg am 13., wobei wir unser Mittagslager bei den eben genannten Quellen aufschlugen. Ich zählte von den südlichsten bis zu den nördlichsten Quellen 25 nach heftigen Regen gefüllte Einsenkungen.
Auf einigen während der Fahrt durch den Wald unternommenen Abstechern erblickte ich Büffel, gestreifte Gnu’s, Zulu-Hartebeests und Zebra’s im Wechsel und zahlreiche Löwenspuren. An den nördlichsten Klamaklenjanaquellen mündet ein von den Elfenbeinhändlern aus Westmatabele gewählter Weg. Hier traf ich auch drei Elephantenjäger, die Herren Barber, Frank und Wilkinson, von denen sich der erstere als Jäger eines ausgezeichneten Rufes erfreut, ebenso wie seine hochgeehrte Mutter nicht allein eine ausgezeichnete Künstlerin, sondern auch eine äußert feine Beobachterin des Thierlebens ist, und über die Resultate ihrer Betrachtungen auch schon mehrere kleinere Schriften veröffentlicht hat. Mr. Barber zeigte mir sein Skizzenbuch, in dem er seine Jagdabenteuer künstlerisch wiedergab.
Ich übernachtete einige Meilen weiter nordwärts im Walde. Der Baumwuchs auf der am folgenden Tage zurückgelegten Strecke war ungleich besser entwickelt und erreichten mehrere Stämme bis 60 Fuß Höhe; sie gehörten einer Species an, welche von den Holländern die wilde, Syringa, von den Bamangwato’s »Motscha«, sowie eine andere, nicht minder häufige Art, die »Monati« genannt wird. An manchen der Büsche bemerkte ich zahlreiche rothblühende Orchideen.
Pit, schläfst Du?
Gegen Mittag erreichte ich einen in einer unbedeutenden Vertiefung liegenden Weiher, Yoruha, d. h. ein Sprung genannt, wo ich abermals den Jägern, die ich an den letzten Quellen getroffen, begegnete. Der Händler X. hatte ihnen diese Stelle als bleibenden Aufenthalt angerathen, weil seine Diener in den Yoruhawäldern eine Unzahl von Elephanten niedergestreckt hatten. Da nach den Spuren zu urtheilen eine Elephantenheerde an dem Yoruhawasser zwei Tage zuvor zur Tränke gekommen war, erwarteten die Jäger sie auch am heutigen Tage. Um keine Störung durch meine Hunde zu verursachen, ging ich weiter und langte früh am 15. an den Tamafopa-, d. h. den Skeleton-Quellen an. Etwa eine halbe englische Meile nordwärts davon, an einigen gewöhnlich das ganze Jahr hindurch wasserhaltigen Regenlachen entschloß ich mich, den Wagen tiefer in den Wald zu bringen und hier zwei oder drei Tage zu verbleiben, hauptsächlich um womöglich das Fell der Säbelantilope, der schönsten der südafrikanischen Antilopen, zu gewinnen. Auf einem Ausfluge nach dem Westen sah ich Steenbockgazellen und Zebra’s und kreuzte mehrmals von der vorhergehenden Nacht herrührende Spuren von Deukergazellen, Kudu’s, Giraffen, Büffeln und Elephanten, sowie von Schakalen, Hyänen, Leoparden und Löwen. Nach den zahlreichen Spuren, die ich an der größeren der beiden Regenlachen vorfand, zu schließen, mußte diese allnächtlich von einer großen Anzahl von Thieren, namentlich Zebra’s, Büffeln und Harrisböcken besucht werden und ich entschloß mich, hier eine Nacht auf dem Anstande zu liegen. Ich wählte mir diesmal Pit als Begleiter, der mir wohl eine recht amüsante Nacht bereitete, meinen beabsichtigten Zweck jedoch vereitelte. Bevor wir ausgingen, wurde um unseren Waagen eine entsprechende Umzäunung errichtet und Th. versprach jedwede Vorsicht zu gebrauchen, um einer etwaigen Löwenattaque würdig zu begegnen. Eine Stunde vor Sonnenuntergang machten wir uns auf den Weg, um die von mir gewählte Stelle zu besetzen. Der Leser stelle sich in einem hochbegrasten Walde eine stellenweise mit fünf Fuß hohem Riesengras bewachsene, etwa 400 Meter im Umfange messende und etwa 10 Fuß unter dem Niveau des Waldes liegende Lichtung vor, in deren Mitte sich eine kleine, grasbewachsene Regenlache, der Rest des Gewässers befand, das vor wenigen Monaten die ganze Einsenkung ausgefüllt haben mochte. Am westlichen Rande der Lichtung stand ein mächtiger Hardekoolbaum und in der Lichtung selbst, etwa 15 Schritte von dem letzteren, ein etwa 30 Fuß hoher Baum der Acacia detinens, unter diesem erhob sich, theilweise durch ihn gestützt, einer der riesigen Ameisenhügel, und da sich die Aeste des letztgenannten Baumes tief neigten, schien die Stelle zu unserem Anstande wie geschaffen. Wir sammelten einige Aestchen, die von dem Hardekoolbaume abgefallen waren, um damit eine kleine, kaum zwei Fuß hohe Brustwehr zu errichten. Zwischen uns und dem Grase ringsum befand sich eine etwa 2½ Meter breite kahle Stelle, die wir beide für sehr günstig hielten. Da Pit noch nie zuvor auf dem Anstande des Nachts gelegen hatte, frug ich ihn, ob er sich auch stark genug fühle, die ganze Nacht durchzuwachen, er beeilte sich, mich dessen zu versichern und so machten wir unsere Gewehre schußbereit; als wir mit unseren Vorbereitungen fertig waren, hatte eben die Sonnenscheibe den westlichen Horizont berührt. Einige der schönen geschwätzigen Glanzstaare, von ihren weiten Ausflügen zurückgekehrt, zwitscherten noch eine Weile lang in den Zweigen des Hardekoolbaumes, bevor sie in die alljährlich bewohnten Nester hineinschlüpften. Bevor es jedoch dunkel geworden war, verließen wir noch für einen Moment die schon eingenommene Stelle, um dem Rathe meines Dieners nachgebend, von dem Dornbaume über uns einige seiner dünnen, doch langen Aeste abzuschneiden, um die Umzäunung damit zu bedecken. Aus der Ferne ertönendes Schakalgekläffe belehrte uns darüber, daß die Zeit herangekommen, zu welcher das den Tag über weidende Wild dem Wasser näher komme und die von den nächtlichen Streifungen zurückkehrenden Raubthiere sich an ihre gewohnten Raubzüge machten.
Wir nahmen unsere frühere Stellung ein. Pit wählte seine gewohnte halbliegende, ich zog das Hocken vor, weil es mir für die Dauer noch das Angenehmste schien; wir sprachen Anfangs mit gedämpfter Stimme, jedoch hielt ich es für besser, auch davon abzulassen. Wir mochten eine halbe Stunde lang gelauscht haben, als ich vorsichtig aufstehend auslugte, doch konnte ich nichts sehen, und selbst über die Richtung, aus welcher ein eigentümlich gedämpfter Ton zu mir drang, konnte ich mich anfangs nicht orientiren, erkannte aber bald zu meiner Enttäuschung und Entrüstung, daß es Schnarchtöne waren, die sich dem weitgeöffneten Munde meines harmlos eingeschlafenen Dieners entrangen. Etwas unsanft geweckt, fühlte sich Pit über meine Beschuldigung bitter gekränkt und versprach den Anfechtungen Morpheus’ zu widerstehen — doch die Allgewalt des Schlafgottes besiegte schneller als ich es gedacht, den schwachen Willen des Schwarzen, dessen ganze Seligkeit eben der Schlaf war.
Gegen 10 Uhr, als das fahle Mondlicht über die Lichtung hinfluthete, vermengten sich seine melodischen Kehlkopftöne mit einem dumpfen Laut, wie wenn sich von Westen her ein Trupp Pferde dem Wasser nähern würde. Ich ergriff mein Gewehr und an den Mimosenstamm angelehnt, lugte ich zwischen diesem und dem an acht Fuß hohen Termitenhügel aus, der Laut wurde mit jeder Minute stärker und rührte unstreitig von Zebra’s her. Ich sollte auch nicht lange darüber im Zweifel bleiben, denn etwa eine Viertelstunde später, nachdem ich den Laut vernommen, erschienen auf der grell vom Lichte des Mondes beschienenen freien Stelle zwei Zebra’s, welche vorsichtig nach allen Seiten Rundschau hielten und beinahe nach jedem zweiten Schritte stehen blieben, um zu lauschen, wovon die sich aufrichtenden Ohren deutlich zeugten; nach wenigen Augenblicken kam die etwa 20 Stück zählende Heerde. Ich war unentschlossen, ob ich sofort feuern oder vielleicht zuvor noch Pit in die Gegenwart zurückrufen sollte, damit auch dieser zum Schuß käme. Die ganze Heerde stand nun auf der Lichtung ruhig wie eine aus Stein gemeißelte Gruppe. Die Betrachtung dieses schönen Bildes war mir kaum zwei Minuten lang vergönnt, denn aus der Tiefe unter mir drangen zwei das Gehör, den Geist und die Seele tief verletzende Mißtöne in die Stille der Nacht, laut genug, um von den kaum sieben Schritte entfernten Zebra’s gehört zu werden. Um die Thiere nicht vollends zu verscheuchen, weckte ich den Unverbesserlichen. Diesmal erhob er sich sofort, griff jedoch in seinem Schlaftaumel nach der niederen Umzäunung, welche mit Ausnahme der obersten Lage aus trockenen Zweigen bestehend, unter seinem Gewichte zusammenbrach, während ich nun rasch nach ihm griff, um ihn vor dem Falle zu schützen, damit er die Thiere nicht vollends vertreibe, wirft sich die Zebraheerde in Blitzesschnelle herum und war verschwunden, bevor ich noch an’s Feuern denken konnte.
Bald darauf schnarchte Pit lustig weiter. Mitternacht kam und nichts wollte sich hören lassen, doch gegen 1 Uhr, als sich der Mond wieder gesenkt hatte, vernahm ich ein Blöken von Nordwest her, welches sich der Lichtung zu nähern schien. Es war eine Büffelheerde, die Thiere hatten jedoch unsere Witterung bekommen und waren an der Lichtung vorübergegangen, und bei einer zweiten, die 500 Schritte nach Osten zu lag, eingekehrt. Ich wollte auch dieses vorüberziehende Wild zur Kenntniß meines wißbegierigen Dieners bringen und machte ihn auf das Brüllen und Blöken aufmerksam. »Kühe, Kühe und Kälber,« meinte er, »Th. hatte sie nicht fest gemacht.« Dann lehnte sich sein müder Oberkörper wieder zurück und bevor ich noch mein Lachen über seine Antwort unterdrückt, war er wieder eingeschlafen. Doch auch bei mir fing die Müdigkeit an, merklich ihre Rechte geltend zu machen, und ich versank in einen Halbschlummer, aus dem mich ein Geräusch, einem sich nähernden Sturmwind nicht unähnlich, emporriß.
Mehr denn 20 Minuten hindurch konnte ich über die Ursache desselben nicht klug werden, nicht eher, als bis ich dessen sicher war, daß es von einer der beiden ostwärts von uns liegenden Regenlachen herkam, und ein schnarrender trompetenartiger Ton mein lauschendes Ohr traf. Es war eine zahlreiche Elephantenheerde, welche sich in dem größeren, mit Gras reichlich durchwachsenen Gewässer gütlich that. Deutlich konnte man zwischen dem trompetenartigen Geschnurre das Plätschern der Riesenthiere im Wasser vernehmen. Durch diese Wahrnehmung aufgeregt, ergreife ich Pits Hand und ihn aufrüttelnd, deute ich auf das Geräusch hin. »Ja,« lallte er, »decken Sie sich nur zu, der Wind bläst heute gar stark«. Nach wiederholtem Rütteln gelang es endlich, dem blöden Schläfer die Situation begreiflich zu machen.
»Ich erinnere mich,« sagte ich, »an zwei kleinen Stellen trockenes Gras gesehen zu haben, wir stecken dies in Brand, der die Thiere erschrecken und uns einen Anblick bietet, wie wir ihn wohl nach jahrelangem Wandern im Innern Süd-Afrika’s nicht oft erleben werden.« Doch damit zeigte sich mein Heldenjüngling nicht zufrieden. »Doctor, haben Sie heute Früh die zahlreichen Löwenspuren gesehen, und dahin sollen wir gehen? Aus dem hohen Gras können uns die Löwen auf den Rücken springen, bevor wir uns nur umwenden können.« Der Mond neigte sich zum Untergange, die Nacht fing an sich zu verdunkeln und nachdem ich mir die Sache reiflich überlegt, beschloß ich diesmal dem Rathe meines Dieners nachzugeben. Wir lauschten noch eine Weile und dann entschlummerte Pit, doch es dauerte nicht lange und unwillkürlich folgte auch ich seinem Beispiele.
Wir mochten uns etwa eine halbe Stunde lang diesem Genusse hingegeben haben, als ich plötzlich durch ein unmittelbar vor dem Anstande hörbares Gebrülle zum Bewußtsein gebracht wurde, welches mich zum raschen Handeln nöthigte und mir die nächtliche Kühle vergessen ließ; es war das Gebrülle eines Löwen, dem ein schwächeres, mehr ein Brummen, jenes der Löwin folgte. Das Gebrüll wiederholte sich dann etwa 30 Schritte vor uns, worauf es sich zu nähern schien, ich kniete nieder und machte mich schußbereit, doch konnte ich der Dunkelheit halber nichts sehen, weshalb mir auch meine Lage etwas unangenehm vorkam, und dies um so mehr, als ich dessen sicher war, daß wir schon lange von den Raubthieren beobachtet wurden und meine Hände in Folge der Feuchtigkeit ziemlich starr geworden waren. Doch da liegt ja Pit, gewiß ein Retter in der Noth, doch konnte ich mich auf ihn verlassen?
Ich will zugeben, daß es ein etwas unsanfter Rippenstoß war, den ich ihm nun versetzte, denn rasch hob er sich empor und weil sich zufällig in diesem Augenblicke das Löwengebrülle wiederholte, war es nicht nöthig, Pit eine Erklärung dieses Lautes geben zu müssen. Er sprang sozusagen kerzengerade auf, und griff mit der Hand nach dem überhängenden Aste der Mimose. Auch die Raubthiere mußten das Geräusch vernommen haben, wir hörten, daß die Thiere näher kamen, nun schien mir auch zum zweiten Male des Dieners Wink vortrefflich, und der Baum eine rettende Insel werden zu wollen. Doch wie hinauf gelangen? Ich hatte eine von den schottischen Flachmützen, so wie ein Paar hohe Stiefel und einen bis an die Kniee reichenden Ueberzieher, so bewaffnet, war es vielleicht möglich, mir einen Weg nach Oben durch das dichte Netz der mit Doppeldornen versehenen Zweige zu bahnen, ich zog zum Ueberfluß den Ueberrock noch über den Kopf und ließ mich von Pit hinaufschieben, um desto leichter die Hindernisse zu bewältigen. Als ich den Fuß auf die ersten stärkeren Zweige setzte, zog ich Pit nach, der mir zu gleicher Zeit die Gewehre reichte. Trotzdem, daß wir endlich eine etwa drei Meter hohe Stelle über dem Boden eingenommen hatten, war es uns doch nicht möglich, ob der herrschenden Dunkelheit und des hohen Grases so viel von den Löwen zu erblicken, daß wir auf sie feuern konnten. Sie blieben brüllend im Hochgras der Lichtung hin und her rennend, bis gegen den Morgen, um welche Zeit sie in der Richtung, aus welcher die Büffel gekommen waren, verschwanden. Als wir nach ihrer freundlichen Entfernung auch zu unserer Abreise schritten, besuchten wir das jenseitige Wasser, aus dem indeß sowohl die Büffel als auch die Elephanten verschwunden waren. Hier fanden wir, daß wenigstens 30 Elephanten, darunter auch Kälber, dasselbe besucht hatten.
Da ich an den Thieren Beobachtungen anstellen wollte, so folgte ich ihnen mit Pit nach, nachdem wir zuvor am Wagen einen Morgenimbiß eingenommen und von Th. vernommen hatten, daß das Löwenpärchen auf einer freien Sandstelle kaum einen Steinwurf weit vom Lagerplatze gebrüllt habe. Doch gab ich die Verfolgung wieder auf, weil die Elephanten, nach den Spuren zu urtheilen, einen Vorsprung von mehreren Meilen hatten. Obgleich ich am selben Tage Tamafopa verlassen wollte, hatten mir doch die Elephanten in der vorigen Nacht das Herz so warm gemacht, daß ich noch einen Versuch allein unternahm, bei dem Gewässer, wo sie sich herumgetummelt hatten, auf dem Anstande zu liegen. Ich besah mir genau den Ort und wählte als den besten Observationspunkt einen etwa 50 Fuß hohen, dicken schönen Haardekoolbaum, an dem jedoch die niedrigsten Aeste so hoch begannen, daß es mich Wunder nahm, wie ich hinauf gelangen sollte. Endlich fand sich auch das Mittel hierzu, ich band acht Stück Ochsenriemen zusammen, nahm Pit und Meriko mit und ließ mich hinaufziehen. Oben machte ich es mir zurecht, so wie ich konnte, um das nächtliche Treiben bei dem Weiher so deutlich als möglich beobachten zu können. Leider war mein Harren ein vergebliches, es kam die Nacht, in diesem Theile der südafrikanischen Troppen von eigenthümlicher winterlicher Kühle und Schönheit, ich fror ganz entsetzlich. Gegen Mitternacht hörte ich zwar die herannahende Elephantenheerde, doch zugleich auch das wohlbekannte Knallen der afrikanischen Riesenpeitsche, und es währte nicht lange, daß das in den Büschen, von der Elephantenheerde verursachte Knacken, schwächer wurde und endlich, je näher der Wagen kam, gänzlich aufhörte. Wie ich später vernahm, war es der Elfenbeinhändler Kurtin, der nach dem Panda ma Tenka-Thale zog, um hier seinen mit einem Wagen vorausgesandten Bruder zu treffen.
Am 17. versuchte ich, ein Erdferkel (einen Termitenfresser) auszugraben. In der Nacht auf den 18. tödteten wir zwei Fahlschakale und zogen durch sehr tiefen Sand nach den Tamasetse- (d. h. sandiger Ort) Weihern, an denen ich bis zum nächsten Morgen verblieb. Da ein kalter Wind über die Lichtung, in der die Weiher liegen, herunter pfiff, zog ich meinen Wagen in’s Gehölz, um hier ein ruhigeres Nachtlager zu finden, und dies deshalb, weil ich bis zum 20. hier zu verweilen gedachte, um einer Säbelantilope habhaft zu werden. In der Nacht wurden wir plötzlich durch einen Aufschrei Meriko’s wachgerufen. Eine Schlange hatte sich auf seinem Unterleibe eingenistet. Leider war Meriko über diesen Besuch so erbittert, daß er das enteilende Thier schwer verletzte, bevor ich es für meine Sammlungen retten konnte.
In Folge der Anstrengungen der letzten Tage und der schlaflosen Nächte fühlte ich mich sehr unwohl, und war froh, mich an dem Lagerfeuer erwärmen zu können. Ich war eben mit der Durchsicht meines Tagebuches beschäftigt, als mich ein Aufschrei Th.’s dazu bewog, mich rasch umzusehen. Ich war, ohne das Thier gesehen zu haben, neben einer wahrscheinlich durch die Wärme des Feuers angelockten Buffadder gesessen. Wenige Secunden später war diese Schlange meinen Sammlungen einverleibt.
V.
Von Tamasetse zum Tschobeflusse.
Henry’s-Pan. — Leiden und Freuden der Elephantenjäger. — Eine Löwenjagd des jungen Schmitt. — Makalaka’s. — Ein muthiges Weib. — Nächtlicher Ueberfall durch einen Löwen. — Die südafrikanischen Löwenspecies. — Leben und Gewohnheiten des Löwen. — Seine Angriffsmethoden. — Ankunft in Panda ma Tenka. — Blockley. — Der Elfenbeinhandel mit Sepopo. — Elandstiere. — Aerztliche Praxis am Henry’s Pan. — Thier- und Pflanzenleben im Panda ma Tenka-Thale. — Bienenschwärme. — Westbeech’s Handelsstation. — Saddler’s Pan. — Der Händler Y. — Im Leschumothale. — Gereizte Elephanten auf der Flucht durch den Wald. — Am Ufer des Tschobe.
Heimkehrende Elephantenjäger.
Zeitlich Morgens verließ ich am 20. Juli mein Lager im Tamasetsewalde und zog in der wiesigen Einsenkung weiter nach Norden. Spät am Nachmittage holte uns zu Pferde ein ärmlich gekleideter holländischer, etwa 14 Jahre alter Knabe ein. Als ich ihn, nicht wenig erstaunt, über den Zweck der Reise befragte, erfuhr ich, daß seine Eltern in einer Hütte an der nächsten Lache wohnten, und daß ihn der Vater unter Begleitung von nur zwei Schwarzen mit einem Ochsenwagen nach dem entfernten Makalakalande gesendet habe, um Kaffirkorn gegen Glasperlen und Kattun einzutauschen.
Am folgenden Morgen langte ich an diesem Gewässer an, das nach dem Diener eines Jägers mit Namen Henry, der hier eine Giraffe erlegt hatte, Henrys-Pan genannt wurde. Ich fand hier drei Boerfamilien, drei holländische Jäger, Schmitt und die Gebrüder Lotriet. Der erstere lebte bereits in einer geräumigen Grashütte seit einem Monat hier und hatte Tags vor meiner Ankunft eine Säbelantilope erlegt. Als einer der erfahrenden Jäger bereicherte er meine Jagdskizzen mit einigen äußerst interessanten Löwenabenteuern und Scenen aus den Elephantenjagden, von denen ich die zwei überraschendsten hier mittheile.
Im laufenden Jahre (die halbe Jagdsaison war bereits vorüber) hatte er neun Elephanten, während seiner gesammten, nahezu zwanzigjährigen Jagdthätigkeit über 300 erlegt. Er hatte sich vor nicht langer Zeit mit der Witwe eines Jägers, der im Matabele-Lande gestorben war, durch einen der Herren Missionäre daselbst trauen lassen. Sein ältester Stiefsohn ist der Held der beiden folgenden Begebenheiten. Vor zwei Jahren lag Schmitt an der südlichsten Klamaklenjana-Quelle mit der Absicht, hier seinen Stiefsohn mit den Elephanten und ihrer Jagd vertraut zu machen. Als man eines Morgens gefunden, daß zahlreiche Elephanten eine der Quellen während der Nacht besucht, machte er sich gegen Mittag von seinem Sohne und dessen kleinem Leibdiener, einem Masarwa, begleitet auf den Weg, um der Spur der Thiere zu folgen. Kaum eine Stunde weit vom Wege entfernt, sah Schmitt, der beritten war, einen mächtigen männlichen Elephanten Siesta halten. Das wohl kranke Thier war hinter seinen Genossen zurückgeblieben. Schmitt wollte dem folgenden Knaben das Thier nicht eher zeigen, als bis sie auf 50 Schritte nahegekommen waren, worauf er sich mit ihnen dem Thiere behutsam und durch Büsche gedeckt näherte, dann hieß er sie nach der bekannten Weise das Thier »kehren«, d. h. sie hatten vor das Thier zu laufen, es durch einen Schrei zu wecken, und nach der Richtung, woher sie gekommen waren, oder nach einer anderen Seite hin zur Flucht zu bringen. Von der Beschaffenheit des Windes hängt es nun ab, auf welche Seite des flüchtenden Elephanten sich der Jäger zu stellen hat. Als jedoch die Nimrod-Aspiranten das Riesenthier erblickten, nahmen sie Reißaus. Schmitt wandte jedoch sein Pferd und jagte ihnen nach, löste seine Nilpferdpeitsche vom Sattel peitschte beide zu dem Elephanten, und befahl ihnen, aus einer Entfernung von 30 Schritten auf den Elephanten zu feuern. Beide Kugeln schlugen in die Fleischmasse der Schenkel ein. Der Jäger befiehlt seinem Gehilfen von Neuem zu laden, sprengt dann vor den Elephanten, der aufstürzend mit dem Rüssel, aus dem Winde die Stellung seiner Gegner zu ergründen sucht, um das Thier mit lautem Geschrei zu den Jägern zu treiben, allein das verwundete Thier machte dem Jäger einen Strich durch die Rechnung, denn es kehrte sich, sowie es den Reiter erblickte, gegen diesen und jagte ihm laut brüllend, mit hochgehobenem Rüssel nach. Der alte Jäger machte aber von seiner Flucht den besten Gebrauch, indem er nach einem seiner kleinen Genossen zusprengte, um das Thier auf die neuen Gegner aufmerksam zu machen. Obgleich der Elephant jetzt einen anderen Anblick darbot als zur Zeit seines Schlummers, wichen doch die kleinen Jäger, denen vielleicht noch von der vorhergehenden Züchtigung ein unangenehmes Gefühl zurückgeblieben war, nicht von ihrem Posten und sandten ihre beiden vierlöthigen Kugeln dem vorüber trabenden Thiere in das Ohr, so daß sein Tod vor Ablauf von zwei Minuten erfolgte.
Ein Jahr vorher hatte Pit, der Stiefsohn Schmitts, mit seinem kleinen Diener auf eigene Faust eine Elephantenkuh, einen Löwen, zwölf Giraffen, sechs Strauße, eine Säbel-Antilope geschossen und zahlreich waren seine Opfer unter den Zebra’s, Eland- und Kudu-Antilopen. Vor drei Jahren, als noch Pit ein Junge von 11 Jahren war, jagte sein Stiefvater im Matabele- und Maschona-Lande. Auf dem Heimwege begriffen, war er bis zu dem Ramakhobanflusse gelangt, wo er einige Tage auszuruhen gedachte. Hier ritt er mit seinem Sohne Pit aus, um frisches Fleisch für die Seinigen zu gewinnen. Eine Meile vom Wagen entfernt, wurden die Jäger von einem tiefen Brummen überrascht, welches aus einem Gebüsche vor ihnen zu kommen schien. Bevor sie sich noch genau überzeugen konnten, in welchem Gebüsche das ihnen dem Laute nach wohlbekannte Raubthier liege, stürzte dieses, eine ausgewachsene Löwin, mit fletschenden Zähnen auf die Jäger los. »Vater,« ruft Pit, »soll ich zuerst feuern oder willst Du den ersten Schuß haben?« Der alte Jäger, dem das Benehmen des Raubthieres ungewöhnlich vorkam, und da es so zornig schien, es irgend verwundet glaubte, behielt sich den letzten und entscheidenden Schuß vor. Darauf feuert Pit beide Schüsse seines kleinen Doppelgewehres auf das Raubthier ab, welches sich eben niedergelegt hatte, um auf seinen Vater den Sprung zu wagen, beide Kugeln trafen das Thier, in den Schädel über dem linken Ohre eindringend, daß es sofort zusammensank. Pit war, dem Befehle seines Vaters Folge leistend, vom Pferde herabgestiegen, und hatte den Zügel über den linken Arm geworfen, in stehender Stellung gefeuert. Bei der Untersuchung des Thieres fand sich, daß die Löwin unter einen der vergifteten Fall-Assagaie gerathen und am Rücken verwundet worden war.
Außer Schmitt befand sich noch ein Mann aus der Colonie an Henry’s Pan, der ebenfalls der Jagd halber hierher gezogen war und der an einem Epitelialkrebs des Unterkiefers litt. Die beiden Familien der Lotriet, die eine aus neun, die zweite aus drei Personen bestehend, waren sämmtlich am Fieber erkrankt. Zwei nothdürftig aus Zweigen und Gras errichtete Hütten, die weder gegen Regen, noch gegen die sengenden Sonnenstrahlen hinreichenden Schutz boten, waren der Aufenthalt der Armen. Hier lagen sie auf der Erde, hungernd und ohne jedwede Hilfe in einem erbarmungswerthen Zustande. Sie beschuldigten einen Händler, sie in diese Gegenden und bis zum Zambesi gelockt und sich ihrer dann auf schnöde Weise entledigt zu haben. Als ich später sechs andere Elfenbeinhändler darüber befragte, bestätigten mir diese nicht allein, was die beiden Lotriets freiwillig gebeichtet, sondern berichteten mir so viel über dieses Individuum, daß ich mich aus verschiedenen Gründen, namentlich aber, damit sich nicht Aehnliches wiederhole, genöthigt sah, die traurige Geschichte dieser Lotriets der Oeffentlichkeit zu übergeben. Ich that dies in den »Diamond News« unter dem Titel »Dark Deeds« und behalte mir weitere ähnliche Veröffentlichungen für später vor.
Die meisten der kranken Lotriets schwebten in Lebensgefahr, sie trugen nur zu deutlich an ihrem Körper die Spuren des Fiebers zur Schau und es fehlte ihnen nicht allein an Kleidungsstücken, sondern auch an den nöthigen Heilmitteln. Ich verabreichte ihnen diese, und erhielt von dem einen der Lotriets einen acht Pfund schweren Elephantenzahn dafür, dessen Werth jenem des verabreichten Chinins annähernd gleichkam. Drei Tage zuvor hatten die Leute für etwa sechs Unzen Ricinusöl (Castor oil) eine gleiche Entschädigung zahlen müssen.
Ein muthiges Weib.
Auf einem in die Nähe unternommenen Ausfluge hatte ich die Gelegenheit, Kudu-Antilopen in der Nähe beobachten zu können, leider hatte ich mich dabei in dem endlosen Walde verirrt, mit Hilfe der Sonne jedoch spät Nachmittags den Lagerplatz wiedergefunden. Auf einem anderen Ausfluge kam ich zu zahlreichen von einer Elephantenheerde gegrabenen Löchern. Sie waren meist kreisrund und hatten einen Durchmesser von 4 bis 6 Fuß und waren etwa 1 bis 1½ Fuß tief; hat der Elephant mit dem Tastorgan seines Rüssels die von ihm namentlich gesuchten Wurzeln und Knollen gefunden, so läßt er sich auf die Knie nieder, um die beliebte Nahrung mit den Stoßzähnen herauszugraben. Da jedoch die gesuchtesten solcher Pflanzen zumeist am Abhange von Felsenhügeln an und zwischen dem Gestein sich finden, zeigen die sich in diesen Gegenden aufhaltenden Elephanten an den Spitzen stark abgeschliffene Hauer; daher rührt auch die Ungleichheit der Elephantenzähne rücksichtlich ihrer Schwere welche Gewichts-Differenz oft vier Pfund erreicht.
Mein über die Makalaka’s gefälltes Urtheil fand ich hier wieder durch einige Berichte bestätigt. Ich will vorläufig einen derselben im Folgenden mittheilen. In der Abwesenheit ihres Gemahls hatten es zweimal Makalakadiener versucht, Frau Schmitt die Gewehre aus dem Wagen zu stehlen; in dem einen Falle hatte es das Weib des Jägers verhindert, in dem zweiten kam sie zu spät und hatte nur noch das Nachsehen; da sie jedoch um jeden Preis die beiden gestohlenen Gewehre wieder bekommen wollte, ergriff sie den im Wagen verborgen gewesenen Hinterlader ihres Mannes und eröffnete vom Bocke aus »Feuer« auf die flüchtigen Diebe, welche dasselbe mit ihren Musketen erwiderten, ohne jedoch die Frau zu verwunden.
Nur noch eine Reminiscenz aus dem Leben dieser einfachen Holländerin sei hier erzählt, bevor wir von Henry’s Pan scheiden. Vor vier Jahren, als sie noch an Mynheer van de Berg verheiratet war und mit ihm im wildreichen, allein ungesunden Maschonalande der Elephantenjagd halber verweilte, erkrankte er an demselben Fieber, wie jene, die ich an dem Gewässer getroffen. Drei Monate lag dieser schon darnieder; als sich keine Aussicht auf Besserung zeigte, lud sie ihn auf den Wagen, ergriff die Peitsche und trieb das lange Ochsengespann nach dem entfernten Matabelekraal, in welchem sich der Missionär Thompson aufhielt, um von diesem Hilfe zu erflehen. Doch schon drei Tage später starb ihr Mann, die Hilfe war zu spät gekommen. Im selben Jahre verehelichte sie sich mit Schmitt, der vor sieben Jahren am Ramakhoban-River seine erste Gemahlin an derselben Krankheit verloren hatte.
Am 23. schoß Schmitt im Walde einen Elandstier und zeigte mir den Talgsack, in dem sich das Herz befand; dieses Talgstück wog 29 Pfund. Als ich mich darüber wunderte, antwortete man mir, daß das durchaus nicht eines der schwersten sei; dieses Elandtalg hält in Bezug auf seine Qualität die Mitte zwischen Fett und Rindstalg. Ich suchte die beiden Lotriets von der Jagd abzuhalten, da sie fieberkrank waren, doch erhielt ich von beiden die leider nur zu begründete Antwort. »Herr, unsere Familien können doch nicht Hungers sterben.« Auch die beiden Lotriets vermehrten die Sammlung meiner Erzählungen von Löwenjagden durch einige interessante Episoden aus ihren vieljährigen Jagden im Bamangwato- und Matabele-Lande.
Zu meiner Genugthuung nahm ich bei allen den Kranken, mit Ausnahme jenes, der an Carcinoma litt, am 25. eine Besserung ihres Zustandes wahr, besonders an jenen, welche in Lebensgefahr schwebten; sie waren sämmtlich derselben entrückt. Der eine der beiden Lotriets beschrieb mir eine Stelle, an welcher beinahe täglich vier Strauße, darunter zwei Hähne, zu finden waren, ihnen selbst einige Stunden aufzulauern, hatten weder er noch sein Bruder die nöthige Kraft, und da er sich besser fühlte, wollte er mir seine Erkenntlichkeit in der Weise an den Tag legen, daß er mir die Jagdbeute verschaffen wollte; aus den bereits entwickelten Gründen konnte ich jedoch sein Anerbieten nicht annehmen.
In der Nacht vom 24. auf den 25. hatte ein Löwe auf die etwa eine Stunde weit entfernte Umzäunung, in welcher die Lotriets ihre Zugthiere hielten, einen Angriff gemacht, als der durch den Löwen in der Umzäunung wachgewordene Diener mit einem Feuerbrande aus seiner Grashütte heraussprang und den Löwen in die Flucht schlug.
Am 26. verließ ich Nachmittags Henry’s Pan und zog weiter in forcirten Tagemärschen nordwärts, um eine wasserlose Strecke möglichst bald überwunden zu haben. In der einförmigen Gegend — der Weg führte mehrere Tage durch tiefsandigen Wald — fiel uns ein Baobab auf, welcher unmittelbar über der Erde 98 Fuß 10 Zoll im Umfange hatte. Minder arm und eintönig als die Gegend war die Vogelwelt auf dieser Strecke: unter den Raubvögeln fielen mir namentlich die ziemlich häufig sichtbaren Buteo’s auf, unter den Nachtraubvögeln fand ich Zwergeulen, unter den Singvögeln waren zwei Pyrolarten und Fliegenschnapper bemerkenswerth, die Männchen der letzteren waren durch einen langen Schweif ausgezeichnet, auch überraschte mich die große Zahl der kleineren Sänger, ich traf hier mehr derselben an, als an manchen anderen Orten mit mannigfacher und üppiger Vegetation. Am zahlreichsten von allen waren jedoch die Würger vertreten, namentlich auffallend war eine große Species mit prachtvoll rothem Unterleib und Kehle, welche sich die niederen und dichtesten Gebüsche zum Aufenthalte gewählt. Gelbgeschnäbelte Tukane waren nicht selten zu erblicken, in großer Menge wieder die kleineren, langschwänzigen Wittwenarten, sowie die wiedehopfartigen und Bienenfresser. Meine Sammlungen wurden auch durch zahlreiche Pflanzen, besonders Samenarten und Früchte, Holzschwämme etc. vermehrt.