HERBERT N. CASSON

Die Erfolgreichen
(Thirty great lives)

1.—10. Tausend

1 9 2 6

JOSEF SINGER VERLAG A.-G., LEIPZIG

Copyright 1926 by Ernst Angel-Verlag, Berlin-Schöneberg
Autorisierte Übertragung aus dem Englischen
von Dr. Walter J. Briggs

Gedruckt in der Buchdruckerei Otto Regel G. m. b. H., Leipzig

I N H A L T S - V E R Z E I C H N I S

Seite
Isaac Newton[5]
James Watt[10]
Robert Clive[16]
Michael Faraday[23]
Elias Howe[27]
Thomas Henry Huxley[32]
Frederick Winslow Taylor[38]
Andrew Carnegie[46]
Cecil Rhodes[53]
Dr. Jameson[59]
John Wanamaker[64]
Murdo Mackenzie[70]
Cyrus H. H. Curtis[74]
Edward Bok[81]
Luther Burbank, der König der Gärtner[87]
King C. Gillette[92]
Joseph Fels[97]
George Westinghouse[104]
Charles Seabrook[111]
George F. Johnson[117]
Thomas A. Edison[124]
Lord Rhondda[128]
Sir Swire Smith[133]
Henry Ford[138]

Isaac Newton.

Wenn man das ganze britische Volk, all seine Toten und Lebenden in einer Reihe aufstellen wollte, so würde sehr wahrscheinlich an der Spitze dieser Reihe Sir Isaac Newton stehen.

Er als der erste der gesamten Menschheit fand das Geheimnis der Sterne. Er war der erste, der das Mysterium der Schwerkraft bekannt machte.

Während Sie und ich über kleine Dinge nachdenken — Zinsfuß, Löhne, Nutzen, Erzeugung und so fort —

dachte Newton über das Weltall nach.

Sein bedeutendes Buch »The principia« ist allgemein als das hervorragendste Erzeugnis menschlichen Geistes anerkannt.

Allem Anschein nach werden die meisten großen Männer an bedeutungslosen Orten geboren — und Newton war keine Ausnahme. Er kam 1642 in einem kleinen Dörfchen in Lincolnshire zur Welt. Sein Vater war wenige Monate nach seiner Verehelichung gestorben. So war der kleine Newton bei seiner Geburt schon vaterlos. Seine Mutter hatte eine bescheidene Jahresrente von 80 Pfund.

Der kleine Isaac Newton war kein guter Schüler. Er interessierte sich nicht dafür, was der Lehrer sagte. Er widmete seine ganze Aufmerksamkeit mechanischen Dingen. Er erfand eine Windmühle, eine Wasseruhr und einen neuartigen Wagen, der von seinem Insassen angetrieben werden konnte. Er liebte es sehr, Papierdrachen steigen zu lassen. Er machte auch Papierlaternen und befestigte diese Laternen an dem Schwanz seiner Drachen. Dann ließ er diese Drachen nächtlicherweile steigen, um die Landbevölkerung glauben zu machen, daß Kometen am Himmel wären.

Schon als Junge von 12 Jahren interessierte er sich nur für Mechanik und den Sternenhimmel. Er erfand eine Sonnenuhr. Er studierte die Sterne. Der Mechanismus des Firmaments schien ihn zu faszinieren.

Mit 15 Jahren wurde er auf ein Gut in die Lehre gegeben, war aber völlig wertlos als Lehrling der Landwirtschaft. Während die Schafe herumirrten und das Vieh den Mais fraß, hockte er an einer Hecke und las ein Buch über Astronomie.

Zum Glück wußte seine Mutter sein Genie richtig einzuschätzen. Sie befreite ihn von der landwirtschaftlichen Arbeit und sandte ihn zurück in die Schule.

Mit 18 Jahren wurde er in das Trinity College in Cambridge aufgenommen. Neun Jahre später war er dort Professor der Mathematik. So gut wie sein ganzes Leben lang blieb er mit Cambridge in Verbindung.

Mit 24 Jahren begann er das Phänomen des Lichtes zu studieren. Er entdeckte, daß das Licht aus verschiedenartigen Strahlen zusammengesetzt ist.

Darauf erfand er

ein reflektierendes Fernrohr.

Es war das erste seiner Art. Sein erstes Fernrohr steht jetzt in der Bibliothek der Royal Society mit der folgenden Inschrift: »Erfunden von Sir Isaac Newton und von ihm eigenhändig hergestellt im Jahre 1671.«

Man hatte zu jener Zeit noch sehr geringe Kenntnisse in der Astronomie. Alle Fernrohre waren niedliche Spielzeuge. Das, welches Newton erfand, war sechs Zoll lang. Niemand in Newtons Generation ahnte etwas von den 100-Tonnen-Fernrohren, die wir heute haben.

Galilei war ein Jahr vor Newtons Geburt gestorben. 42 Jahre vor Newtons Geburt war Bruno in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil er versichert hatte, daß sich die Erde um die Sonne bewegt.

Ja, in jenen frühen Tagen der Astronomie, in denen Newton erschien, war es geradezu gefährlich, über derartige Dinge nachzudenken.

Aber Newton hatte das gute Glück, in England zu leben. Er lebte, wo die Wissenschaft frei war. Seine Anschauungen wurden zwar angegriffen, aber er selbst war niemals in Gefahr, verfolgt zu werden.

Es geschah, als er 24 Jahre alt war, daß er zum ersten Male die Anziehung der Schwerkraft erfaßte. Er saß allein im Garten seiner Mutter in dem kleinen Bauerndorf, in dem er geboren war, als er einen Apfel fallen sah.

Warum fiel der Apfel? Wie hoch würde sein Gewicht auf einer Erde sein, die zweimal so groß wie die unsrige wäre? Was würde dem Apfel geschehen, wäre er halbwegs zwischen Erde und Sonne?

Das waren die Fragen, die er sich selbst stellte. Er brachte die Vollkraft seines mathematischen Verstandes auf dieses Problem in Anwendung.

Er studierte dieses Problem 20 Jahre. Endlich entdeckte er, daß die Schwerkraft und die Zentrifugalkraft sich gegenseitig ausgleichen. Damit hatte er schließlich das Geheimnis der Ordnung des gestirnten Himmels entdeckt.

Im Jahre 1687, als er 45 Jahre alt war, veröffentlichte er sein großes Buch »The principia«. Dieses Buch verkündete

das Prinzip der allgemeinen Gravitation.

Dieses Prinzip ist: Jedes Atom des Stoffes im Weltall wird durch jedes andere Atom des Stoffes mit einer Kraft angezogen, die im umgekehrten Verhältnis zu dem Quadrat ihrer Entfernung steht.

Newton fand heraus, daß der Stein sich auf die Erde und die Erde sich auf den Stein zubewegt. Die Erde zieht die Sonne an und die Sonne zieht die Erde an. Jedes Atom zieht jedes andere Atom an.

Er entdeckte, daß, was wir »Gewicht« nennen, eine Täuschung ist. Ein Mensch, der auf der Erde einen Zentner wiegt, würde zum Beispiel auf der Sonne 13 Zentner wiegen.

Niemals versuchte Newton seine Erfindungen und Entdeckungen geheimzuhalten. Er teilte sie seinen Freunden ganz offen mit. Das Ergebnis war, daß in verschiedenen Fällen andere Leute seine Erfindungen als die ihrigen bezeichneten.

Das größte Unglück traf Newton, als er sein Buch über »Die Natur des Lichtes« vollendet hatte. Er hatte daran 20 Jahre gearbeitet. Doch, als er einmal aus seinem Studierzimmer sich entfernt hatte, warf sein kleiner Hund eine Kerze um, das Manuskript fing Feuer und wurde völlig vernichtet.

Als Newton das Zimmer wieder betrat und sah, was geschehen war, soll er ausgerufen haben: »O Diamond, wie wenig weißt du von dem Unheil, das du angerichtet hast!«

In seinen späteren Jahren wendete sich Newton dem politischen Leben zu. Er wurde Parlamentsmitglied. Er wurde eingesetzt als Meister der Münze. Königin Anna verlieh ihm die Ehre der Ritterschaft und höhere Ehre noch: er wurde Präsident der Royal Society.

Er starb 1727 im Alter von 85 Jahren. Sein Leichnam wurde in der Westminster Abtei beigesetzt, nahe dem Eingang des Chors, auf der linken Seite.

Er starb hochgeehrt und reich. Sein persönlicher Nachlaß betrug 32 000 Pfund und sein Ruhm ist im Laufe der Jahrhunderte immer mehr gewachsen.

Er war ein bescheidener, offener und geselliger Mann.

Er war nicht eitel.

Er liebte Menschen nicht weniger als Prinzipien.

Kurz vor seinem Tode äußerte er: »Ich weiß nicht, wie ich der Welt vorkomme; mir selbst aber komme ich vor wie ein Junge, der am Meeresufer spielt und der sich unterhält, hin und wieder einen besser abgerundeten Kieselstein oder eine hübschere Muschelschale zu finden, während der große Ozean der Wahrheit weit und unerforscht vor ihm liegt.«

James Watt.

James Watt ist in Greenock im Jahre 1736 geboren. Zu jener Zeit gab es noch keine Fabriken, Eisenbahnen, Dampfschiffe, Maschinen, freie Schulen, Einheitspostgebühren oder Freihandel.

Er war ein zarter Junge. Er genoß wenig Schulbildung. Er wurde hauptsächlich von seiner Mutter unterrichtet.

Er war ein eifriger Leser guter Bücher. Mit fünfzehn Jahren hatte er »Die Elemente der Philosophie« zweimal gelesen.

Sein Vater und sein Großvater waren tüchtige Mechaniker, und so verwendete der kleine »Jamie« seine Zeit auf drei Dinge: 1. Spielzeugmaschinen zu machen, 2. ernste Bücher zu lesen, 3. in den Wäldern herumzustreifen.

Er liebte es, Experimente zu machen.

Und einmal studierte er eine Stunde lang den Teekessel. Er bedeckte den Ausguß, um die Hebekraft des Dampfes zu erproben. Seine Tante, die dabei saß, warf ihm vor, daß er seine Zeit damit verschwende, mit Dampf zu spielen.

Als er siebzehn Jahre alt war, starb seine Mutter, und sein Vater wurde plötzlich arm. James ging nach Glasgow und bekam eine kleine Anstellung, in der er Brillen, Angelruten und dergleichen reparierte.

Mit 19 Jahren kam er nach London. Es war im Jahre 1755. Es war eine äußerst gefährliche und unbequeme Reise, eine Reise zu Pferde. Zwölf Tage saß James im Sattel. Das war das erste große Ereignis seines Lebens. (Dank Watt können wir heute von London nach Glasgow in acht Stunden reisen!)

Watt blieb in London. Er arbeitete in einer kleinen Werkstatt in Cornhill, wo er wissenschaftliche Instrumente herstellte. Dann kehrte er nach Glasgow zurück.

Er wurde berufen, die wissenschaftlichen Instrumente der Universität Glasgow zu reparieren. Das war das zweite große Ereignis seines Lebens.

Verschiedene Professoren wurden auf seine Arbeit aufmerksam. Sie gaben ihm einen Arbeitsraum in der Universität. Hier reparierte Watt die Apparate der Universität und machte auch Fischereigeräte für fremde Kunden. Er beschäftigte sich sogar damit, eine verbesserte Orgel herzustellen.

Als Watt 23 Jahre alt war, trat das dritte große Ereignis ein — er fand ein altes Modell einer Dampfmaschine in der Universität. Natürlich war es keine verwendbare Dampfmaschine. Es war eine, die nicht laufen wollte. Aber sie faszinierte Watt; er begann sofort, den Dampf zu studieren.

Zunächst begegnete er einem sehr ernsten Hindernis — die meisten Artikel über Dampf waren französisch und italienisch geschrieben. Sehr wenige gab es im Englischen. Was tat Watt? Er fing sofort an, Französisch und Italienisch zu lernen und blieb beharrlich dabei, bis er die Artikel über Dampf lesen konnte.

Im Jahre 1764 heiratete er eine hilfreiche Frau. Sein Geschäft ging gut. Er hatte sechzehn Arbeiter und verdiente jährlich gegen 600 Pfund rein.

Er dachte jetzt einzig und allein an Dampf, und an nichts anderes. Im Jahre 1765 schrieb er seinem Freund:

»Alle meine Gedanken gelten jetzt nur noch dieser Maschine.«

Er verfertigte ein rohes Modell. Es wollte nicht arbeiten. Er machte ein zweites, und es wollte nicht arbeiten. Hernach ein drittes und ein viertes.

Es gab zu dieser Zeit keine Werkstatt der Welt, die einen vollständigen Zylinder herstellen konnte. Das verursachte Watt so viel Schwierigkeiten.

Er vernachlässigte sein Geschäft. Er geriet in Schulden. Da kam das vierte große Ereignis — er lernte Dr. Roebuck, den Begründer der Carron-Eisenwerke, kennen.

Dr. Roebuck war der erste Mann, der es wagte, Geld in Dampf anzulegen. Er gab Watt 1000 Pfund, um seine Schulden abzuzahlen. Dagegen gab ihm Watt ein Zweidrittelinteresse an der Dampfmaschine.

Watt war niemals ein Geschäftsmann. Er haßte Kaufen und Verkaufen. Er war ein Erfinder — sonst nichts.

Immerwährend war er bei schlechter Gesundheit. Er hatte Anfälle von Melancholie. Er litt an Kopfschmerzen. Aber er harrte aus.

Am 5. Januar 1769 erhielten Watt und Arkwright Patente für die erste Dampfmaschine und für die erste Spinnmaschine. An diesem Tage wurde Lancashire geboren. (Sitz großer englischer Maschinenfabriken.)

Watt hatte nunmehr den richtigen Entwurf für eine Dampfmaschine, aber keine Werkstatt konnte sie herstellen. Ein Modell nach dem anderen arbeitete schlecht oder gar nicht. Er hatte keine brauchbaren Dichtungsstoffe und mußte alte Hüte und Kork verwenden. Alle seine Modelle waren undicht.

Er geriet tiefer in Schulden. Sein Freund Dr. Roebuck wurde bankerott. Seine Frau starb in der Schwangerschaft. Und dann kam das fünfte große Ereignis — er lernte Matthew Boulton kennen. Das war im Jahre 1773.

Matthew Boulton hatte eine Modellfabrik in Birmingham. Er machte Uhren. Er war einer der gescheitesten Geschäftsleute seiner Zeit. Er war ein Freund von Franklin, Wedgwood (Erfinder des Steingutes) und Priestley (englischer Naturforscher). Er war ein Organisator und ein vornehmer und tüchtiger Mann.

Dr. Roebuck schuldete Boulton 200 Pfund Sterling und Boulton nahm zwei Drittel von Watts Patent in Zahlung. So übersiedelten im Jahre 1774 Watt und seine Maschine von Glasgow nach Birmingham. Jedermann machte sich über die Maschine lustig, als sie im Wagen auf der Landstraße befördert wurde.

In diesem Jahre verdiente Watt 200 Pfund Sterling durch Vermessungen. Einen Teil davon gab er Dr. Roebuck. Persönlich gab er nicht mehr als zwei Pfund Sterling wöchentlich aus. Die russische Regierung bot ihm 1000 Pfund Sterling das Jahr. Er sollte eine angenehme Regierungsstelle in Kronstadt bekommen, aber er lehnte ab. Er blieb Boulton und seiner Maschine treu.

Um diese Zeit stahl einer seiner Arbeiter die Zeichnungen der Maschine und verkaufte sie einer anderen Firma. Das Ergebnis war: Konkurrenz. Um sich zu schützen, mußte Watt sein Patent um sieben Jahre verlängern lassen. Der große Burke hielt im Parlament eine pathetische Rede gegen diese Verlängerung. Aber ohne Wirkung.

Dann kam das sechste große Ereignis — Watt lernte Wilkinson kennen, der es verstand, gute Zylinder zu machen.

Mit einem Male wurde die Wattsche Dampfmaschine praktisch verwendbar.

Kohlenbergwerke sandten Bestellungen auf Pumpmaschinen. Boulton ließ im ersten Jahre 65 bauen. Von dieser Zeit an war die Dampfmaschine ein Erfolg.

Im Jahre 1802 schrieb ein Freund, namens Edgworth, an Watt und sagte: »Warum nicht Dampf statt Postpferden? Warum nicht eine Eisenschienenbahn?« Das war die erste Anregung für die Dampfbahn.

Im nächsten Jahre bestellte Fulton eine Maschine von Boulton und Watt, und im Jahre 1807 fuhr das erste Dampfschiff auf dem Hudson. Um diese Zeit gab es schon viele Konkurrenten. Die Rechtsstreitigkeiten häuften sich. Watt und Boulton gewannen zwar diese Prozesse, aber sie waren sehr kostspielig. Ein Londoner Anwalt verlangte eine Gebühr von 6000 Pfund Sterling.

Watt und Boulton waren 25 Jahre lang Teilhaber. Dann zogen sie sich vom Geschäft zurück, und die Gesellschaft wurde von ihren Söhnen fortgeführt.

Bis zum Jahre 1824 hatten Boulton und Watt 1164 Dampfmaschinen mit insgesamt 25945 PS. erbaut. Zur Zeit betragen die Gesamtpferdekräfte der Dampfmaschinen ungefähr 200 000 000. Das entspricht ungefähr der Kraft von 4 500 000 000 Männern.

In seinen alten Tagen wurde Watt mit Ehren überschüttet. Er erntete Reichtümer und Ruhm. Als er im Jahre 1819 in Heathfield in Staffordshire starb, war er in der ganzen zivilisierten Welt bekannt.

Seinem Andenken wurde in der Westminster-Abtei eine Gedenktafel errichtet. Lord Brougham verfaßte die Inschrift in den edlen Worten:

»Er erweiterte die Hilfsquellen seines Vaterlandes ...
er erhöhte die Macht der Menschen
...«

Das ist die Geschichte von James Watt. Sie sollte nie vergessen werden, solange das britische Weltreich besteht.

Robert Clive.

Wenn wir fragen: »Wer hat das britische Weltreich aufgebaut?«, dann ist die Antwort: »Viele haben daran gearbeitet, doch Clive am meisten von allen.«

Das weite Indien mit seinen 325 Millionen Einwohnern — drei Viertel des britischen Imperiums — wurde von einem Mann, ohne irgendwelche Hilfe der britischen Regierung, dem Reiche eingebracht.

Dieser eine Mann war Robert Clive — ein armer bürgerlicher Junge aus Shropshire mit geringer Erziehung.

Er vollendete seine Tat ohne den Beistand von Geld, Einfluß oder militärischer Ausbildung.

Er raffte einen Haufen Arbeiter und indischer Sepoys zusammen und machte sie zu Eroberern eines Fünftels der bewohnten Erde.

Und als er dann dieses Fünftel der bewohnten Erde der britischen Krone überreichte, wurde er vom Parlament als ein Kriegsgewinnler getadelt.

Clive wurde 1725 in einem Shropshire-Dorf geboren. Sein Vater war ein vergrämter Mann ohne Erfolge — halb ein Anwalt und halb ein Farmer.

Als Junge war Bob Clive stets in Schwierigkeiten. Er war immer der böseste Knabe des Dorfes; und jedermann meinte, er würde ein schlimmes Ende nehmen.

Er war tapfer wie ein Bullenbeißer und von furchterregendem Temperament. Er war immer in Kämpfen. Er organisierte die kleinen Jungen des Dorfes und erhob Tribut von den Geschäftsleuten als Bezahlung für den Schutz gegen andere Jungen.

Einmal kletterte er auf den Kirchturm und ließ sich auf der obersten Spitze nieder. Er war ein verwegener Junge und ein geborener Kampfhahn. In der Schule war er vollkommen unbrauchbar. Er versuchte eine nach der anderen, aber keine konnte ihm Respekt abgewinnen. Er war das schwarze Schaf der Familie, verachtet und abgelehnt von der ganzen Stadt.

So sandte der Vater in Verzweiflung den Achtzehnjährigen nach Indien in ein Geschäft.

Der junge Clive erreichte Indien nach einer einjährigen Reise. Sein Geld war verausgabt, er stak in Schulden. Sein Gehalt war kleiner als das irgendeines Stenotypisten heute. Er logierte in einer kleinen schäbigen Dachkammer.

Das war Clives erster Einzug in Indien.

Das erste, was er tat, war, ein Duell mit einem Bramarbas auszutragen; das trug ihm sein erstes bißchen Ansehen ein.

Das zweite war, daß er sich mit dem Gouverneur anfreundete, der eine gute Bibliothek hatte. Er erzog sich selbst, wie es fast alle großen Männer tun.

Zu dieser Zeit dominierten die Franzosen in Indien. Auch die Holländer waren einflußreich. Aber die Briten waren Außenseiter. Sie wurden mehr als Hausierer angesehen.

Die Franzosen griffen das kleine Fort an, in dem Clive als Angestellter arbeitete, und fingen jedermann, außer Clive: Der sprang über einen Zaun und entkam.

Dies Ereignis begründete seine Karriere. Er wurde sogleich Soldat und studierte militärische Taktik.

Vier Jahre später wurde er Hauptmann, organisierte 200 Engländer und 300 Sepoys — eingeborene Inder — und begann als ein privater, selbständiger Abenteurer die Franzosen zu verjagen.

Er hatte Erfolg. Er stürmte ein französisches Fort und nahm es in Besitz. Eine Armee von dreitausend Mann wurde gegen ihn ausgesendet, aber er griff sie unter dem Schutze der Nacht an und zersprengte sie.

Eine zweite Armee von zehntausend Mann wurde aufgeboten, um ihn zu überwältigen, aber er verschanzte sich, kämpfte fünfzig Tage und siegte endlich durch einen Ausfall.

Er verschaffte sich weitere neunhundert Soldaten und vertrieb die Franzosen aus Indien.

Nur ein junger Buchhalter von fünfundzwanzig Jahren — und nun plötzlich der tüchtigste britische General!

Mit siebenundzwanzig Jahren kam er nach England zurück und heiratete ein schönes Mädchen — Miß Maskelyne — die er liebte.

Seine Familie war erstaunt über seine Fortschritte. »Schließlich«, grollte sein Vater, »hat der Bub doch etwas in sich.«

Clive war jetzt reich geworden. Er zahlte die Schulden seines Vaters und rettete den Familienbesitz.

Zwei Jahre führte er ein lustiges Leben und gab sein Geld mit vollen Händen aus. Er wurde in das Parlament gewählt, jedoch bald wieder hinausgeworfen. Eine Parteiabstimmung brachte ihn um seinen Sitz.

Er fing an, zu erfahren, wie England jene zu behandeln pflegt, die seine Größe begründet haben.

Bald war sein ganzes Geld ausgegeben, und mit dreißig Jahren ging er nach Indien zurück. Er wurde Gouverneur in der Ostindischen Gesellschaft.

Er kam gerade rechtzeitig zurück, um die tragischen Neuigkeiten des »Black Hole« (Das schwarze Loch) von Kalkutta zu hören. Ein bengalischer Nabob hatte 146 Engländer in einen Kerker von zwanzig Quadratfuß geworfen. Nur dreiundzwanzig überlebten es.

Clive wartete nicht auf Befehle oder auf die Unterschrift formeller Anordnungen. Er ging sofort zur Tat über. Er sammelte dreitausend Leute und griff den Nabob an. Der Nabob hatte eine Armee von achtundfünfzigtausend. Es kam zu einer heftigen Schlacht, in der 19 : 1 gegen Clive standen.

Clive zog sich nicht etwa zurück, um in gewandtem literarischen Stil ein Buch zu schreiben und die Technik seiner Niederlage zu begründen.

Er nahm den Kampf auf und siegte. Er zerschmetterte die Armee des Nabob. Sie hatte Elefanten in ihrer Front, die bei ihrer Umkehr und Flucht die eigenen Massen der Eingeborenen niedertraten.

Das war die Schlacht von Plassey.

Der Nabob wurde gefangen und innerhalb einer halben Stunde hingerichtet. Von diesem Augenblick an war Indien britisch.

Hätte Clive gewollt, so hätte er Kaiser von Indien werden können. Er hätte seine Siege zu seinen eigenen Gunsten ausnützen, er hätte eine Dynastie und eine Flagge begründen können.

Er tat es nicht. Wahrscheinlich kam ihm niemals der Gedanke. Er fühlte sich als Engländer und er handelte für England.

Durch den Sieg von Plassey wurde er der Meister der Schätze von Bengalen. Er hatte die Macht, sich ihrer zu bedienen, und er nahm 300 000 Pfund Sterling als einen fairen Tagelohn für eine faire Tagesarbeit.

Eine zweite Armee von vierzigtausend Mann marschierte gegen ihn auf. Er drillte seine kleine Schar von dreitausend Mann und nahm die Schlacht auf. Wieder gewann er. Und wieder machte er sich ein Vermögen.

Dann zogen die Holländer eine dritte Armee zusammen. Clive zersprengte sie nach seiner Gewohnheit mit einer Handvoll Engländer und Sepoys. Diese Schlacht machte ihn endgültig zum Herrn von Indien.

Wieder kehrte er nach England zurück und wurde warm aufgenommen. Er wurde zum Lord gemacht. Pitt nannte ihn einen »vom Himmel gefallenen General«. Er lebte großartig in Berkeley Square und hatte zwei Paläste auf dem Lande. Und das alles mit vierunddreißig Jahren!

Sein Einkommen war 40 000 Pfund Sterling jährlich; aber er sorgte sich wenig um Geld. Er war sehr freigebig. Das erste, was er tat, war, seinen Eltern und Verwandten 50 000 Pfund Sterling zu geben. Er trieb alle Clives in England auf und gab ihnen einen Anteil an seinem Golde.

Mehrere Jahre lang führte er ein glänzendes Leben. Er war Parlamentsmitglied geworden. Er lebte gut und half seinen Freunden. Es war seine glücklichste Zeit.

In Indien aber brachen neue Unruhen aus. Er wurde gebeten, wieder hinauszugehen, und er stimmte zu. Was er vorfand, war Unterdrückung der Eingeborenen, alle Art Räubereien und Korruption.

Sofort bewies er sich sowohl als Staatsmann wie als General. Er beseitigte die Bestechungen.

Er entfernte eine Menge Schurken aus den Ämtern.

Er machte die Regierung wieder ehrlich. Er verwaltete die Justiz wie stets als ein Freund der Inder.

Ein Nabob schenkte ihm 60 000 Pfund — er stiftete sie sogleich für die kranken Angestellten der Ostindischen Gesellschaft.

Als er nach England zurückkehrte, wurde er von allen Seiten angegriffen.

Die Schurken, die er aus den indischen Ämtern vertrieben hatte, waren nach England zurückgekommen und begannen einen Verleumdungsfeldzug gegen ihn.

Zeitungen beschimpften ihn. Politiker beschuldigten ihn. Und was das Schlimmste war, er wurde vor das Parlamentsgericht geladen, als wäre er ein Verbrecher.

»Sie behandeln mich wie einen Hammeldieb«, sagte er. Nach einem langen und verletzenden Prozeß sprach ihn das Parlament mit einer Warnung frei. Er wurde öffentlich bloßgestellt — er, der Indien dem britischen Weltreich gewonnen hatte.

»Wir wollen Ihnen diesmal verzeihen,« sagte das Parlament, »aber tun Sie es nicht wieder.«

Dieser Prozeß brach sein Herz.

Er wurde melancholisch. Seine Gesundheit versagte. Eine schmerzliche Krankheit ergriff ihn. Um Linderung zu suchen, nahm er Opium — und langsam zerstörte das Gift sein Gehirn.

Eines Tages kam ein Beamter der Regierung eilends zu ihm. Es war im Jahre 1774.

»In Amerika ist eine Revolution ausgebrochen«, sagte der Regierungsbeamte. »Wir brauchen Ihre Hilfe. Das Reich ist in Gefahr. Sie müssen sofort nach Amerika gehen.«

Clive lehnte lächelnd ab.

»Zu spät«, sagte er. »Ich bin gerade im Begriff, irgendwoandershin zu gehen.«

Einige Tage später erschoß er sich.

Er hatte große Fehler — gewiß. Große und ruhmreiche Fehler. Aber er und seinesgleichen haben das britische Weltreich begründet.

Michael Faraday.

London war im Jahre 1796 noch keine besondere Stadt. Noch war Bermondsey zu jener Zeit eine besondere Gegend in London. Ebensowenig war die Jacob-Street in Bermondsey eine Attraktion. Noch war es der Mietstall in der Jacob-Street.

Über diesem Mietstall aber waren einige Zimmer zu vergeben, und diese mietete ein Schmied aus Yorkshire, der vier kleine Kinder hatte.

Und eines dieser Kinder war ein ruhiger kleiner Junge, fünf Jahre alt, mit Namen Michael. Des Vaters Name war Faraday.

Nicht wahr? Das war kein besonderer Anfang für ein Leben? Und doch wuchs dieser kleine Michael heran, um

der Begründer der Wissenschaft von der Elektrizität

zu werden.

Unzweifelhaft sitzt in einem stillen Winkel des Himmels eine kleine Gruppe kongenialer Geister beisammen und plaudert über die Gesetze des Weltalls. Da sind Newton und Franklin, Darwin und Wallace, Huxley und Pasteur, und in ihrer Mitte sitzt, dessen bin ich sicher, Faraday mit seinem leuchtenden Antlitz, und erzählt ihnen, wie man kleinen Kindern wissenschaftliche Tatsachen beizubringen hat.

Doch, um auf die Erde zurückzukommen, für den jungen Michael Faraday war kein goldener Löffel bereit. Die Nahrungsmittel waren teuer — der Lohn des Schmiedes war niedrig, und so gab es für ihn überhaupt keinen Löffel. Seine Mutter gab ihm einmal in der Woche einen Laib Brot — das war alles.

Was seine Schulbildung anbetrifft, so hatte er wenig oder gar keine. Kaum konnte er gehen, mußte er Geld verdienen.

Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß Faraday, der einer der höchstgebildeten Männer Englands wurde, Oxford niemals sah, bevor er dahin ging, um seine Professoren zu unterrichten.

Mit dreizehn Jahren hatte der junge Michael Glück. Er wurde als Laufjunge in einer Buchhandlung in der Nähe von der Baker-Street angestellt. Hier fand er zum ersten Male in seinem Leben Zeitungen und Bücher.

Eines schönen Tages, als er gerade vierzehn war, fand er ein kleines Buch über Chemie. In diesem Augenblick begann seine Laufbahn.

Er begann abends Experimente zu machen. Er wohnte in einem ganz kleinen Schlafzimmer im Hause des Buchhändlers; eine gutmütige Köchin stellte ihm dort aus ihrer Speisekammer das Material für diese Experimente bei.

Mit zweiundzwanzig Jahren bekam er ein Geschenk, das für ihn mehr wert war als alles Gold der Bank von England; einer seiner Kunden gab ihm eine Anweisung auf einen Lehrkurs bei Sir Humphry Davy, dem größten Chemiker seiner Zeit.

Er fiel auf bei diesen Vorlesungen — der schlanke bleiche Bursche mit den neugierigen Augen. Er war der jüngste unter den Anwesenden. Er machte sich Notizen und stellte aus ihnen ein illustriertes Buch zusammen. Als er soweit war, gab er es auf, sich vom Schicksal treiben zu lassen und beschloß, für sich selbst zu handeln. Er schrieb an Sir Humphry Davy, schickte ihm sein Buch und bat um eine Anstellung als Eleve der Wissenschaft.

Sir Humphry schickte nach ihm, fand Gefallen an ihm und verschaffte ihm eine Anstellung als Assistent im Laboratorium der »Royal Institution«. Er begann mit fünfundzwanzig Schilling Wochenlohn.

Nun hatte er seine eigene Leiter zum Ruhm gefunden,

und er stieg ihre Sprossen im Gleichmaß hinan, bis er den Gipfel erreichte.

Seine erste Aufgabe war, Sir Humphry selbst auf einer zwei Jahre währenden Europa-Reise zu begleiten. So lernte er die Gelehrten von Paris, Genua, Florenz, Rom, Neapel und Genf kennen. Mit fünfundzwanzig Jahren veröffentlichte er seine ersten wissenschaftlichen Artikel. Dann, mit neunundzwanzig, machte er seine große Entdeckung der elektromagnetischen Rotationen.

Das war die Geburt des elektrischen Motors, der heute unsere Omnibusse, unsere Straßenbahnen, unsere Maschinen bewegt. Faraday hat diese Entdeckung vor über hundert Jahren gemacht.

Im nächsten Jahre verliebte er sich und heiratete ein einfaches Mädchen, das in dem Nachbarkirchenstuhl in der kleinen Kapelle saß, in der er jeden Sonntag dem Gottesdienste beiwohnte. Ihr Name war Sarah Barnard.

Sie lebten dann ununterbrochen glücklich — 46 Jahre —, blieben aber kinderlos.

Mit 32 Jahren war er einer der führenden Gelehrten der Welt. Er war Mitglied der Royal Society und einer der Direktoren der Royal Institution, bei der er mit 25 Schilling Wochenlohn begonnen hatte.

Jetzt kam die Gelegenheit, reich zu werden: Große Summen wurden ihm geboten, um seine Mitarbeit als Chemiker zu gewinnen. Er besprach die Sache mit seiner Frau, und sie kamen zu dem Beschluß, daß er keine Zeit habe, um reich zu werden.

Er begann eine Arbeit, die 23 Jahre dauerte, sein großes Buch über »Experimentelle Forschungen in der Elektrizität«. Dieses Buch führte die Wissenschaft der Elektrizität von Morgendämmerung zu hellem Tage. In fünfundsiebzig Jahren wurde es in mancher Beziehung bis heute noch nicht überholt.

Faraday war ein Philosoph nicht weniger als ein Gelehrter. Es war

die große Leidenschaft seines Lebens,

zu zeigen, daß das Weltall aus einer einzigen Energie und nicht aus siebzig oder achtzig Elementen besteht.

Sein Geist suchte den geschlossenen Geist der Wahrheit zu erfassen. Er stieg von Tatsachen zu Prinzipien auf, von Prinzipien zur universellen Zusammenfassung. Er fühlte das Gleichmaß im Wesen der ganzen Welt — in Pflanzen, Elementen, Tieren, Menschen, in allem.

Er war ein Mann — so gütig, daß Kinder sich um ihn drängten, wo immer er ging — so stark, daß er eine Entschuldigung von Lord Melbourne erzwingen konnte.

Faraday und seine Frau verbrachten ihre letzten Lebensjahre in einem Landhaus in der Nähe von Hampton Court, das Königin Viktoria ihnen überlassen hatte. Hier saß er und erzählte den Kindern, die auf seinen Knien saßen, die Märchen der Wissenschaft, ihnen und auch den weisesten Gelehrten, die aus allen Weltteilen kamen, um den Meister zu sehen.

Elias Howe.

Nun kommt die Geschichte von Elias Howe, dem Erfinder der Nähmaschine. Da Sie sehr wahrscheinlich glauben, selbst mit besonderen Schwierigkeiten und Mühseligkeiten zu kämpfen, erzähle ich Ihnen diese Geschichte, damit Sie sehen können, was wirkliche Schwierigkeiten sind.

Elias Howe, ein Wohltäter aller menschlichen Wesen, die Kleider tragen, kam schließlich zu Ruhm und Vermögen; aber sein ganzes Leben war ein verzweifelter Kampf gegen Armut, Dummheit, Krankheit und Tod. Doch nichts — nicht einmal der Hunger — konnte ihn zum Aufgeben seines Lebenswerkes bewegen.

Elias Howe wurde in den Vereinigten Staaten als Sohn englischer Eltern im Jahre 1819 geboren. Der kleine Elias wurde als Kind nicht verwöhnt. Er war einer von achten. Sein Vater war ein armer Müller, der zehn Mäuler zu füttern hatte.

Elias war ein gebrechlicher kleiner Bursche. Sein Körper war viel zu schwach für seinen Geist. Er war nicht nur von äußerster Zartheit — er lahmte auch.

Mit sechs Jahren mußte er bereits arbeiten. Er hinkte jeden Wochentag nach der Mühle seines Vaters und half seinen Brüdern und Schwestern Drahtzähne durch Lederstreifen zu bohren. Sehr wahrscheinlich war es diese Beschäftigung, die in ihm den Gedanken an eine Nähmaschine aufkommen ließ.

Mit sechzehn Jahren begab er sich nach der Stadt Lowell, da ihm jemand von den dortigen wundervollen Werken und großartigen Maschinen erzählt hatte.

Zwei Jahre arbeitete er in einer Baumwollspinnerei und fand dann Stellung in einer Maschinenfabrik. Da er

der geborene Mechaniker

war, fühlte er sich dort wohl.

Mit einundzwanzig Jahren heiratete er. Bald hatte er drei Kinder — mehr Familie als Lohn. Sie lebten in einem schäbigen kleinen Haus und mußten aus jedem Groschen zwei herausholen.

Seine Arbeit war hart — so hart, daß er am Abend oft zu müde war, zu essen. Wie er seiner Frau einmal sagte, wünschte er damals oft, er könnte im Bett liegen für immer und ewig.

Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, sagte eines Tages ein Kamerad zu ihm: »Was wäre das für eine große Sache, wenn jemand eine Maschine zum Nähen erfinden könnte.«

Diese zufällige Bemerkung ließ Howes Gehirn erwachen.

Tatsächlich war er einer der geschicktesten Erfinder der Welt, ohne sich dessen bewußt zu sein. Er kannte seine eigenen Kräfte nicht.

Zunächst setzte er sich zu seiner Frau und sah ihr beim Nähen zu. Dann baute er eine Maschine zur Bewegung einer Nadel, die an beiden Enden zugespitzt war und das Öhr in der Mitte hatte. Es war ein Versuch, eine Maschine zu machen, die die Hand seiner Frau nachahmen sollte. Das war ein Fehlschlag.

Plötzlich blitzte eine neue Idee in seinem Gehirn auf — warum sollte man das Nähen mit der Hand nachahmen? Warum sollte man nicht eine neue Art des Nähens erfinden, die eine Nähmaschine ermöglichen könnte?

Sogleich dachte er daran, die Verwendung von zwei Fäden anstatt eines zu planen. Er erfand das Schiffchen und eine krumme Nadel mit einem Öhr in der Nähe der Spitze. Mit einem Schlage hatte er das Problem gelöst. Eine brauchbare Nähmaschine war erfunden.

Voll Freude gab er seine Stellung auf und zog mit seiner Familie in das Haus seines Vaters, um seine große Erfindung zu vervollständigen.

In der Dachkammer richtete er sich eine kleine Werkstatt ein und begann Geld zu sparen, um eine gebrauchte Drehbank zu kaufen.

Da brach ein Feuer aus und vernichtete alles. Howe rettete sein unschätzbares Modell, aber wenig mehr.

In dieser Not kam ein Holz- und Kohlenhändler zu ihm und sagte: »Ich will Sie in meinem Hause wohnen lassen und verköstigen und Ihnen 100 Pfund Sterling für die Hälfte Ihres Patentes geben.« Howe stimmte zu. Er richtete eine neue Werkstatt ein — und nach sechs Monaten hatte er eine Maschine vollendet, welche die Nähte zweier wollener Anzüge herstellte — eines Anzugs für den Holz- und Kohlenhändler und eines für ihn selbst.

Seine Aufgabe war gelöst — so meinte er. Er wußte nicht, daß jede neue Idee ihren Weg in die Welt gerade gegen jene Leute zu erkämpfen hat, die den meisten Nutzen von ihr ziehen werden.

Der Kunst des Erfindens muß die Kunst des Verkaufens folgen,

aber Howe wußte das nicht.

Triumphierend lief er mit seiner Nähmaschine zu den Bostoner Schneidern. Sie versuchten sie. Sie bewunderten sie als eine »niedliche Erfindung«, aber sie erklärten: »Wir wollen sie nicht, sie würde unser Geschäft ruinieren.«

Er trug sie von Firma zu Firma, aber kein Mensch wollte einen Pfennig dafür anlegen. Das entmutigte den Holz- und Kohlenhändler; er zog sich aus dem Kompagnieverhältnis zurück und ersuchte Howe, anderswo hinzuziehen.

Howe hatte weder Geld noch Freunde. Um seine Familie zu erhalten, wurde er Lokomotivführer bei der Eisenbahn.

Dann wurde er krank. Ebenso seine Frau. Hätten nicht einige gütige Nachbarn sich ihrer angenommen, die ganze Familie Howe wäre vielleicht zugrunde gegangen — die Nähmaschine — alles.

Als er sich wieder erholt hatte, scharrte er genügend Geld zusammen, um sich ein Zwischendeck-Billett nach London zu kaufen. Er glaubte, daß England ihn besser behandeln würde, als die Vereinigten Staaten.

Aber auch hierin irrte er sich wieder. Er fand niemanden, der ihm helfen wollte. Bis schließlich ein Mann in Cheapside seine erste Maschine um 250 Pfund Sterling kaufte und Howe mit 3 Pfund Sterling die Woche bei sich anstellte.

Howe arbeitete acht Monate für diesen Mann, fand aber, daß er ein zu strenger Arbeitgeber sei, und verließ ihn. Er war ohne alle Mittel, und oft gab es Tage, an denen er und seine Familie hungernd dasaßen in der großen Stadt London.

Er hatte England seine Nähmaschine angeboten und England hatte sie abgelehnt.

Der Hunger trieb ihn nach Amerika zurück. Er verpfändete sein Modell für genügend Geld, um seine Frau und seine Kinder zurückzuschicken. Einige Monate später kehrte er selbst zurück, da seine Frau ihm schrieb, daß sie an der Auszehrung sterbe.

Er kam in Neuyork mit einem Dollar in der Tasche an.

Er hatte noch 250 Meilen zu reisen. Er ging in eine Maschinenwerkstatt und arbeitete mehrere Tage, um das Reisegeld zu verdienen.

Als er nach Hause ankam, war seine Frau gestorben.

Geschwächt und gebrochenen Herzens hielt er doch durch. Er konstruierte ein neues Modell. Ein Geschäftsmann namens Bliß lieh ihm einiges Geld. Er baute weitere Maschinen — und von Fall zu Fall verkaufte er sie.

Die Nachfrage nach den Maschinen wuchs — zwölf Jahre später war Howe ein Millionär.

Er empfing die goldene Medaille der Pariser Weltaustellung im Jahre 1867 und das Kreuz der Ehrenlegion.

Er konnte den Hunger ertragen, die Enttäuschungen und die Verluste; aber es scheint, daß er Ruhm und Reichtum nicht ertragen konnte. Einige Wochen, nachdem er das Kreuz der Ehrenlegion erhalten hatte, starb er.

Er hatte seine Bahn vollendet, er hatte einen guten Kampf durchgekämpft. Er hatte gesiegt.

Thomas Henry Huxley.

Es gibt nur wenige Menschen der lebenden Generation, die sich an Huxley erinnern. Er starb in Eastburne im Jahre 1895. Aber die Geschichte seines Lebens ist ein britisches Epos, das jeder Generation erzählt werden sollte.

Huxley war ein kämpfender Gelehrter. Er kämpfte für die Sache der Wissenschaft. Er schlug Aberglauben und Unwissenheit nieder. Er focht für klares Denken — für wirksamen Betrieb und gesunden Menschenverstand.

Dreißig Jahre war Huxley die Stimme der Wissenschaft,

die in einer Wildnis von Überlieferung und Gewohnheit schrie. Er war ein Prophet — der weiseste Lehrmeister seiner Zeit.

Vielleicht wären wir jetzt nach dem Kriege mehr geneigt, auf seine Lehren zu horchen. England zog Gladstone Huxley vor — und es zahlte in Gut und Blut den vollen Preis für seine Fehler.

Thomas Henry Huxley wurde im Jahre 1825 in Ealing geboren. Ealing war damals ein ländliches Dorf und Huxleys Vater war Lehrer in der Dorfschule.

Im Hause Huxleys gab es wenig Geld, aber viele Bücher. Auch gab es dort prächtige Unterhaltungen über bedeutende Gegenstände. Diese beiden — die Bücher und die Gespräche — verliehen dem jungen Huxley seine wirkliche Erziehung. Von der Schule, sagte er, habe er wenig gelernt.

Als Junge hatte er einen lebhaften forschenden Verstand. Immer fragte er: »Warum?« Mit 15 Jahren versuchte er das Problem des Farbenspiels bei Sonnenuntergang zu lösen. Mit 17 Jahren machte er den Versuch, alles Wissen unter die beiden Rubriken »Geist und Natur« aufzuteilen.

Seine beiden Schwestern heirateten Ärzte — und so wurde er mit 15 Jahren aus der Schule genommen und Student der Medizin. Er achtete wenig auf die Vorlesungen, wurde aber von einem großen Mikroskop geradezu fasziniert.

Dieses Mikroskop zeigte ihm die Wunder der Natur. Es öffnete ihm eine Welt kleiner Dinge, für die unsere Augen blind sind. Manche Nacht verbrachte er über seinem geliebten Mikroskop, und mit 19 Jahren machte er seine erste Entdeckung: er fand eine Membrane in der Wurzel des menschlichen Haares. Diese Membrane ist jetzt als »Huxleys Schicht« bekannt.

Mit 19 Jahren glaubte er, ein Perpetuum mobile erfunden zu haben und ging damit zu Faraday. Faraday hörte ihn freundlich an, erklärte ihm aber, daß ein Perpetuum mobile unmöglich sei. »Wäre es möglich,« sagte Faraday, »so würde es von selbst in der Natur entstanden sein und hätte alle anderen Naturkräfte überwältigt.«

Mit 20 Jahren bestand er sein medizinisches Examen. Dann brachte ihn ein Freund bei der Kriegsmarine unter. Er hatte das besondere Glück, als Hilfschirurg auf einem Kriegsschiff angestellt zu werden, das auf eine wissenschaftliche Kreuzfahrt nach den Tropen ging.

In Sidney lernte er eine junge Engländerin kennen — Netty Heathorn. Da gab es

Liebe auf den ersten Blick.

Später wurde sie seine Frau. Vierzig Jahre waren sie Freunde und untrennbare Genossen.

Huxley diente vier Jahre als Schiffsarzt, und diese vier Jahre machten ihn zum Gelehrten. Er sammelte eine Fülle wertvoller Kenntnisse über Pflanzen und Fische.

In einem Anfall von Großmut bewilligte ihm die Admiralität 300 Pfund Sterling zur Veröffentlichung seiner Entdeckungen, und er wurde mit einem Schlage ein bekannter Naturforscher.

Mit 25 Jahren heiratete er. Er verdiente damals 200 Pfund Sterling jährlich als Professor in einem Londoner College und außerdem 200 Pfund Sterling durch Artikel für Magazine.

Um diese Zeit begann er Vorlesungen für Arbeiter zu halten. Er war fest davon überzeugt, daß letzten Endes die Arbeit die beste Freundin der Wissenschaft sein würde.

»Die Arbeiterklasse soll verstehen, daß die Wissenschaft ihr wichtige Tatsachen bietet. — Ich habe die dilettantische Mittelklasse satt und will versuchen, was ich mit diesen Leuten mit den schwieligen Händen, die unter Tatsachen leben, beginnen kann.«

Mit 31 Jahren formulierte er die folgenden Gebote für sich selbst: »Jeden Humbug zu vernichten, und sei er noch so mächtig.« »Der Wissenschaft einen vornehmeren Ton zu geben: Ein Beispiel der Enthaltung von allen kleinlichen, persönlichen Streitereien zu liefern und tolerant zu sein gegen alle — nur gegen die Lüge nicht.« »Gleichgültig dagegen zu sein, ob die Leistung als eigene anerkannt wird oder nicht, wenn sie nur überhaupt vollbracht ist.«

Sein Leben lang war Huxley von Schmerzen gequält, aber er lehnte es ab, krank zu sein. Er arbeitete von 9 Uhr früh bis Mitternacht. Er arbeitete 15 Stunden täglich — die meiste Zeit an Dingen, die ihm keine Bezahlung einbrachten.

Im Jahre 1859 erschien Darwins großes Buch »Die Entstehung der Arten«. Er bewies die Theorie der Evolution, zu der sich jetzt die zivilisierte Welt bekennt.

Damals war sie eine neue Lehre, und es erhob sich

ein Geheul des Widerspruches.

Darwin war kein Kämpfer. Er war ein ruhiger, milder Denker. Es sah ganz danach aus, als ob die Evolution niedergeschrien würde: und vielleicht wäre es so gekommen — ohne Huxley.

Der stürmte zur Front. Der schlug zurück. Der tauschte Schlag gegen Schlag — und er war so tüchtig, daß die alten stumpfsinnigen Leute ihn fürchten lernten.

Einmal erging sich der Bischof von Oxford in einer öffentlichen Versammlung in heftigen Angriffen gegen Darwin. »Ich möchte Mr. Huxley fragen,« sagte er, »ob er selbst daran glaubt, von einem Affen abzustammen?«

»Ich würde mich keineswegs eines solchen Ursprungs schämen,« antwortete ihm Huxley, »aber ich würde mich schämen, von einem Manne abzustammen, der die Gaben der Kultur und der Beredsamkeit im Dienste von Falschheit und Vorurteil prostituiert.«

Seitdem hielt sich der Bischof ferne von Huxley.

Huxley war ein Mann der Wahrheit. »Es ist mein Geschäft,« sagte er, »meine Wünsche zu lehren, sich den Tatsachen anzupassen und nicht den Versuch zu machen, die Tatsachen mit meinen Wünschen in Einklang zu bringen.«

Er half jeder guten Sache. Er glaubte nicht nur an gewisse Reformen — er kämpfte für sie. Er kämpfte für die Freiheit der Neger und für die Emanzipation der Frau. Er kämpfte für ein praktischeres Erziehungssystem.

Ohne Rücksicht auf seine schwache Gesundheit, seine Mittellosigkeit, ja seine Armut, griff er die Absonderlichkeiten und den Aberglauben an, die in England vorherrschten. Er konnte sie nicht vernichten, aber er schlug sie wenigstens von den Hauptstraßen des Fortschrittes zurück.

Oft war er am Ende seines Witzes, wenn es um Geld ging.

Einmal mußte er seine goldene Medaille für 50 Pfund Sterling verkaufen.

Ein reicher Freund bot ihm eine jährliche Pension von 400 Lire, aber er wies sie zurück; denn seine Unabhängigkeit zog er allem anderen vor.

Im Jahre 1876 besuchte er die Vereinigten Staaten und setzte die Amerikaner durch sein klares, bestimmtes Denken in Erstaunen.

Er sprach vor einem großen Publikum in Baltimore. Diesen Amerikanern, die da saßen und Schmeicheleien erwarteten, sagte er:

»Ich kann nicht sagen, daß mir eure Macht und der Reichtum eurer natürlichen Hilfsquellen den geringsten Eindruck machen. Umfang ist keine Größe. Ausdehnung eines Landes macht noch keine Nation. Die große Frage ist: Was werdet ihr mit all diesen Dingen anfangen? Die einzige Bedingung des Erfolges ist der moralische Wert und die intellektuelle Klarheit des einzelnen Bürgers.«

Schon im Jahre 1887 — lange vor Taylor und Emmerson — empfahl Huxley wissenschaftlichen Betrieb und wissenschaftliche Organisation als »unerläßlich für unsere Wohlfahrt«.

Er war ein Mann von überwältigender Erscheinung: viereckige Stirn, viereckige Wangen, ein fester Mund und tiefliegende, blitzende Augen. Seine Erscheinung erinnerte an Kraft und Geradheit. Er war ein Meister klarer, kraftvoller Sprache. Wer ihn hörte, vergaß niemals seine suggestive Wirkung und seine Würde.

Er lehrte uns, daß auf die Dauer nichts so praktisch, nichts so nutzbringend und nichts so moralisch ist als die Wahrheit.

Frederick Winslow Taylor.

Dies ist die Geschichte von Taylor — von Frederick Winslow Taylor, der die Lehre von der industriellen Wirksamkeit begründet hat.

Taylor wurde in einer Vorstadt von Philadelphia im Jahre 1856 geboren. Zur Zeit des Bürgerkrieges war er ein kleiner Junge — zu klein, um zu verstehen, um was es sich handelte.

Seine Eltern waren weder reich noch arm. Aber sie waren wohlhabend genug, um den jungen Fred Taylor nach Frankreich in die Schule zu schicken. Sie beabsichtigten, ihn die Harvard-Universität beziehen und ihn zum Rechtsanwalt ausbilden zu lassen.

Er war ein guter Schüler. Er studierte so eifrig, daß er sich die Augen verdarb und das Studieren aufgeben mußte: mit 19 Jahren verließ er die Schule.

Dieser schwere Schlag machte ihn zu dem, was er geworden ist.

Er nahm eine Stellung als Lehrling in einer kleinen Maschinenwerkstatt in der Nähe seiner Wohnung. Dort blieb er drei Jahre. Er wurde ein Maschinenarbeiter und bildete sich auch als Former aus.

Mit 22 Jahren wurde er in den Mid-Vale Stahlwerken eingestellt. Aber er blieb nicht lange Arbeiter.

Zunächst wurde er Vorarbeiter an der Drehbank.

Darauf wurde er Hilfswerkführer der Maschinenwerkstatt.

Drittens wurde er Werkführer.

Zum vierten wurde er Meistermechaniker, zur Leitung der Reparaturen und Instandhaltung der Maschinen.

Fünftens wurde er Leiter der Abteilung für Entwürfe.

Zum sechsten wurde er Chefingenieur.

Er stieg also im Verlauf von sechs Jahren vom Arbeiter zum Chefingenieur auf.

Während dieser Zeit besserten sich seine Augen wieder, so daß er den Ingenieurkursus des Stevens-Instituts besuchen konnte, er studierte nachts und Sonntags. Er war 23 Jahre alt und Werkführer, als er anfing, wissenschaftliche Methoden auf die Fabrikation anzuwenden.

Er erfand ein neuartiges Verfahren, Metalle mit Stahlwerkzeugen von hoher Geschwindigkeit zu schneiden, wodurch er die Leistungsfähigkeit der Metallschneidemaschinen verdreifachte.

Er machte Zehntausende von Experimenten als ein Mann von höchster Geduld und Ausdauer.

Er erhielt einen Anteil an seiner Erfindung und zog sich im Jahre 1901 vom Gelderwerb zurück. »Ich kann es mir nicht länger leisten, um Geld zu arbeiten«, äußerte er.

Taylor machte sich nichts aus dem gesellschaftlichen Leben. Es lag ihm nie daran, dekorativ zu wirken oder unterhaltend zu sein. Er kümmerte sich weit weniger um Menschen als um Tatsachen. Er wich niemals auch nur einen Schritt von seinem Wege ab, um der öffentlichen Meinung zu gefallen. Er machte sich nichts aus Meinungen, nicht einmal aus seiner eigenen. Er war der gerade Gegensatz zu einem Politiker.

Er war ein äußerst uninteressanter Redner. Ich hörte ihn einmal in New York einen Vortrag vor dreitausend Personen halten, und alle waren außerordentlich erfreut, als er zu Ende war.

Bei einem anderen Anlaß sprach er einmal höchst uninteressant eine Stunde lang bei einem Bankett der amerikanischen Pressevereinigung. Diese Rede schadete der Lehre von der Wirksamkeit in den Vereinigten Staaten außerordentlich, weil

der allzuernste Taylor die Pressevereinigung mehr langweilte als jemals ein anderer Redner.

Einige der Banketteilnehmer flüchteten, andere schliefen ein. Sie waren geistvolle, seichte, sensationslustige Journalisten, und sie machten sich über den ernsten und langweiligen Taylor lustig und lehnten ihn ab.

Dennoch machte er sich reich. Oder noch besser, er machte seine Firmen reich. Oder noch viel besser: er rekonstruierte die Maschinenwerkstätten der ganzen Welt.

Taylor war kein Genie. Er war nicht geistvoll. Er war nicht anpassungsfähig. Vielleicht war seine Selbstbeherrschung das Geheimnis seines Erfolges. Er besaß die zäheste Ausdauer, die jemals ein Mensch hatte.

Wenn er einmal eine Arbeit begonnen hatte, konnte nichts ihn davon abbringen, bevor er sie vollendet hatte. Er gab selbst zu, daß sein Erfolg darauf beruhte, daß er sich mit den Zähnen in die Dinge festbiß. Er lieferte einmal folgende Definition des »Charakters«: »Die Fähigkeit, unangenehme Dinge zu tun.«

Ein Stümper bleibt, wer nur das tut, was er gern tut. Taylor verfolgte Zeit seines Lebens die Linie des größten Widerstandes.

So zwang er sich Buchhaltung zu lernen, obwohl er sie verabscheute, weil er gefunden hatte, daß übersichtliche Berechnung von größter Wichtigkeit für den Fabrikanten ist.

Taylor machte sich zum Diener seiner Arbeit. Er gab sich mit dem größten Eifer und unermüdlicher Geduld der täglich wiederkehrenden Kleinarbeit hin, die die meisten Leute vernachlässigen — auch das ist, kurz gesagt, eines der Geheimnisse seines Erfolges.

Taylor war ein Mann der Tat. Er war kein origineller Denker. Er hatte sehr wenig Einbildungskraft und nicht sehr viel Takt. Er war vollkommen einfach und gerade.