Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1914 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Dies gilt insbesondere für eine Reihe von Orts- und Eigennamen in unterschiedlichen sowie in heute unüblichen Schreibweisen, welche nur dann harmonisiert wurden, wenn eine Variante im Text mehrmals auftritt, die andere dagegen nicht mehr als einmal. Offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

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Die Christliche Taufe.

Der göttliche Lehrer.

Die
Christliche Taufe
im Lichte der hl. Schrift und der Geschichte von der Zeit ihrer Entstehung bis auf die Gegenwart.

Von

J. Seefried.

„Ein Herr, ein Glaube,
eine Taufe“ Eph. 4, 5.

Internationale Traktatgesellschaft in Hamburg

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— 1914. —

Alle Rechte vorbehalten.


Vorwort.

Welche hohe Bedeutung und große Tragweite Jesus der christlichen Taufe beilegte, geht klar aus den Worten hervor, die der erhabene Stifter derselben zu Johannes sprach, als er von ihm getauft zu werden wünschte und sich dieser weigerte, nämlich: „Also gebühret es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Und daß dieselbe zur Seligkeit für den einzelnen Menschen notwendig sei, sagt unser Herr und Heiland selbst: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“ Mark. 16, 16.

Vorliegende Abhandlung entstand in den knapp zugemessenen Stunden, welche der Verfasser nicht gerade für seine Berufspflichten verwenden mußte. Sie hat nicht die Aufgabe, einer neuen Auffassung von der christlichen Taufe Bahn zu brechen oder des Verfassers persönliche Ansicht und Ideen in die Öffentlichkeit zu bringen, sondern vielmehr zu zeigen, welche Neuerungen und Änderungen an der Taufe seit Ablauf des apostolischen Zeitalters im Laufe der Jahrhunderte vorgenommen wurden, so daß dieselbe, wie sie in gegenwärtiger Zeit vollzogen wird, durchaus keine Ähnlichkeit mehr mit der von Christo befohlenen und den Aposteln ausgeübten Taufe hat, besonders was die Form anbetrifft. Durch diese unberechtigten Eingriffe sterblicher Menschen in die vollkommenen Verordnungen Christi ging die wahre Bedeutung der christlichen Taufe verloren, und mit Frevlerhand wischte man den Glanz des Göttlichen davon ab.

Die Hauptabsicht des Verfassers ging vor allem dahin, die Wahrheit, wie sie uns in den Evangelien und den Briefen der Apostel über diesen wichtigen Punkt gegeben ist, zum Ausdruck zu bringen. Und da ja die hl. Schrift die einzige Autorität in Sachen der christlichen Religion ist, hat er versucht, seine Ausführungen durch biblische Zeugnisse zu begründen. Außerdem hielt er es für sachgemäß, häufige Zitate der bedeutendsten Kirchenväter, Historiker und Theologen beizufügen, um der behandelten Frage einen geschichtlichen Halt zu geben.

Während des Studiums der zahlreichen einschlägigen Werke, das der Verfasser zum Behuf seiner Arbeit machte, konnte er wahrnehmen, wie umfangreich dieses Thema ist. Doch war er genötigt, in seiner Ausführung nur auf das Allerwichtigste einzugehen, um dieselbe in einer gedrängten Form darzubieten.

Er übergibt nun dies Werk dem „Herzog unserer Seligkeit“ mit der innigen Bitte, daß sein Segen es auf seinem Gang in die Welt begleiten möge.

Der Verfasser.

Inhaltsverzeichnis.

Seite
Einleitung [11]
Alttestamentliche Vorbilder der Taufe [17]
Die Entstehung und Einsetzung der christlichen Taufe [22]
Der Zweck und die Bedeutung der Taufe [27]
Die Vorbedingungen der Taufe [31]
Die Art und Weise der Taufe [56]
Ununterbrochene Spuren der Taufpraxis durch Untertauchung [75]
Die dreimalige Untertauchung [104]
Die Begießung und Besprengung [116]
Eine Menge unbiblischer Gebräuche bei der Taufe [142]
Die gänzliche Entkleidung bei der Taufe [156]
Materien, in und mit welchen getauft wurde [159]
Die stellvertretende Taufe der Lebenden für die Toten [163]
Ist außer dem Glauben auch noch die Taufe zur Seligkeit notwendig? [170]
Macht die Geistestaufe die Wassertaufe überflüssig? [173]
Die Kindertaufe [176]
Haben die Apostel Säuglinge getauft? [178]
Beschneidung und Taufe [192]
Das Dogma vom vorhandenen Glauben und dem hl. Geist in den Kindern und der Wiedergeburt durch die Taufe [196]
Die Entstehung und Geschichte der Kindertaufe [208]
Die Konfirmation [227]

Verzeichnis der Illustrationen.

  Seite
Der göttliche Lehrer [Titelbild]
Vorbild und Wesen      [19]
Gehet hin in alle Welt!      [23]
Johannes, der Bußprediger und Täufer      [33]
Die Pfingstpredigt      [37]
Christus und Nikodemus      [41]
Paulus und Silas im Hause des Kerkermeisters      [45]
Johannes tauft Jesum im Jordan      [61]
Philippus tauft den Kämmerer      [67]
Inneres des Baptisteriums von San Giovanni im Lateran      [79]
Ruine einer Taufkapelle zu Salona      [83]
Ein Taufbecken aus neuerer Zeit      [87]
Der Ottobrunnen in Pyritz      [91]
Ein Taufbassin aus dem Anfang des 17. Jahrh. in Rynsburg bei Leyden      [97]
Eine Taufszene in Afrika     [101]
Der Teich Bethesda     [119]
Ein römisches Privathaus mit einem Badebassin im Hof     [127]
Israels Durchgang durchs Rote Meer     [131]
Die Krankenbegießung     [137]
Die stellvertretende Taufe der Lebenden für die Toten     [167]
Jesus segnet die Kinder     [181]

Einleitung.

Der Gründer der wahren christlichen Religion und ihr Eckstein ist Christus. Er, der die „Wahrheit“ selber ist (Joh. 14, 6), war der Schöpfer all der dazu nötigen Einrichtungen. Als der von Gott gesandte Lehrer (Joh. 3, 2) war er der unfehlbare Stifter der göttlichen Lehr- und Glaubenssätze. Er war der Verordner alles dessen, was der Mensch zu glauben und zu befolgen hat, um ein Kind Gottes zu sein und selig zu werden. Und damit der Mensch in dieser Hinsicht nicht im Dunkeln und in banger Ungewißheit gelassen werden sollte, ließ es der allweise Gott durch Männer, die er durch seinen Geist erleuchtete, in das Buch der Bücher aufzeichnen, damit die Bibel für all die Jahrtausende den nachfolgenden Geschlechtern als Richtschnur und Grundlage ihres Glaubens dienen sollte. Eine Lehre oder ein Glaube, der auf einer anderen Basis aufgebaut wird, ist irdisch und menschlich und ist mit Recht zu verwerfen. Christus selbst benutzte dieses göttliche Buch, als er hier auf Erden wandelte, um all die spitzfindigen Fragen, die von seiten der Pharisäer und Schriftgelehrten an ihn gestellt wurden, zu beantworten. Daraus zeigte er den suchenden Seelen den Weg des Lebens. Mit diesem Wort, dem Schwert des Geistes, kämpfte er gegen den größten Erzfeind aller Wahrheit — Satanas — und behielt den Sieg. Matth. 4, 1–11. Für all seine Lehren berief er sich immer wieder auf das A. Testament. Er war sich voll und ganz bewußt, daß es sich hier um heilige Güter handle, die den Menschen verloren gegangen waren, und daß es seine Aufgabe sei, sie ihnen wiederzubringen und weiter zu entfalten. Er kam, um ihnen eine tiefere Erkenntnis und ein besseres Verständnis von dem zu geben, „was Gott geredet durch seine Knechte, die Propheten“. So hören wir ihn immer wieder mit der tiefsten Ehrfurcht und mit heiligem Ernst sagen: „Also hat Mose geredet“; „so stehet es geschrieben im Gesetz, in den Propheten und in den Psalmen“; „also sagt Joel“; „so weissagt der Prophet Jesaja, ein Jeremia und ein Daniel“; „also spricht David durch den Geist“ und schließlich: „wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen“. Bei Jesus galt keine Ansicht und Meinung der Menschen; ihm war nur heilig, wahr und echt, „was Gott geredet hat“. Sein tägliches, inbrünstiges Gebet zu seinem himmlischen Vater für seine Nachfolger war: „Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.“ Joh. 17, 17.

Nachdem Christus sein Werk auf Erden vollbracht hatte, übertrug er das Lehramt, die Verkündigung des Evangeliums, seinen zwölf Jüngern.[1] Sie waren ja diejenigen, die den Herrn seit der Taufe überall begleiteten und seine eigenen Worte vernommen hatten. Christus war ihr Lehrer, der sie unterrichtete und ausbildete, um seine Boten zu sein. Sie waren die Träger und die reinsten Quellen der Christuslehre. Ihr Predigt- und Lehrbuch waren die Bücher des A. Testaments. Es war in jenen Tagen in der christlichen Urgemeinde ein Glaube, der sich auf Gottes Wort gründete und der die Kraft hatte, die Bekenner aufs innigste zu verbinden. Ein Arm der rettenden Erbarmung umschlang sie. An einem Busen ruhten sie alle. Eine Straße pilgerten sie; einer Heimat eilten sie rastlos zu, um ewig bei dem Herrn zu sein. In einem Buche forschten und suchten sie täglich, um mit Gott und seinem Heilsplan, mit der Lehre Jesu, besser bekannt zu werden, um darnach zu tun und selig zu werden. Sie versammelten sich oft, aber nicht, um über Geheimnisse zu brüten, die keiner zu ergründen vermag, weil der Herr sie verborgen hält, sondern sie redeten von himmlischen Dingen, die für ihr Seelenheil einen praktischen Wert hatten. Man betete, aber keine erlernten Gebetsformen, — hier sprach die Inbrunst des Herzens. Da wurde keine Kritik am Worte Gottes geübt; da war kein Zank über Glaubenssachen, keine Mutmaßung, keine spitzfindige Untersuchung. Für sie war die Bibel ein göttliches Buch, ewig und vollkommen, wie Gott selber ist, sie allein war die Richtschnur und Grundlage ihres Glaubens. Die Apostel beteten zu Gott für die Gemeindeglieder, daß er sie in diesem Glauben erhalten möge; die Gläubigen beteten wiederum für die Apostel, daß er seinen Knechten Freudigkeit gebe, zu reden sein Wort. Apg. 4, 29. — Dies ist der Geist, der die erste Christengemeinde beseelte.

Die erste Wendung in der Einheit der Gläubigen kam, als die Menge der Bekehrten immer mehr wuchs. Da nicht nur Juden sondern auch Heiden in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wurden, entstand zunächst die Frage, ob auch die Heiden sich nach dem mosaischen Gesetze beschneiden lassen müßten, um als wirkliche Bekenner Christi angesehen zu werden. Diese Frage wurde auf dem Apostelkonzil zu Jerusalem ums Jahr 52 dahin entschieden, daß die Beschneidung bekehrter Heiden nicht nötig sei, um zum Leibe Christi zu gehören. Apg. 15. Als aber das Evangelium zu Völkern mit ganz verschiedener Erkenntnis, andern Neigungen und Sitten drang und allenthalben christliche Gemeinden entstanden, da mußten die Apostel doppelte Sorgfalt darauf verwenden, daß die Reinheit des Christenglaubens, die Gebräuche beim Gottesdienst, die Begriffe und Vorstellungen der Person Jesu, vom Abendmahl und von der Taufe keine Abweichungen erlitten. Paulus, sowie auch die übrigen Apostel haben mit aller Kraft ihres ethischen Geistes auch dafür gekämpft. Wohl regte sich trotz aller Wachsamkeit treuer Hirten schon „das Geheimnis der Bosheit“ in den Tagen des Apostels Paulus. 2. Thess. 2, 7. Ein Hymenäus und Alexander stellten schon damals falsche Lehrbegriffe mit solchem Erfolg auf, daß sie „wie der Krebs“ um sich fraßen. 1. Tim. 1, 3–7. 19. 20; 2. Tim. 2, 16–18. Aber diese Keime späteren Abfalls wurden in ihrer Entfaltung noch durch das kräftige Auftreten erleuchteter Apostel niedergehalten. Die christliche Urgemeinde stieß solche störende Elemente noch ab, schloß ihre offenbaren Anhänger noch aus ihrer Mitte; sie konnte „die Bösen“ damals noch nicht tragen. Offb. 2, 2; 2. Joh. 9. 10. Die Lehre blieb deshalb während der apostolischen Zeit innerhalb der christlichen Urgemeinde eine biblische, reine und einheitliche.

Aber wie anders ist nach diesem bald alles geworden! Im Geiste schaute schon der Apostel Paulus die Zeit, wo Spaltungen, verderbliche Irrlehren die Gemeinde Gottes durchseuchen würden. Deshalb mahnte er bei seinem Abschied zu Milet: „Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Herde nicht verschonen werden. Aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen.“ Apg. 20, 29. 30.

Schon am Ende des 2. Jahrh., in den Tagen Tertullians, fing die sogenannte Überlieferung an, eine Rolle zu spielen, Neuerungen entstanden, neue Namen und Lehrgebräuche tauchten auf. Demgemäß berichtet auch Redenbacher: „Es taten sich auch im 2. und 3. Jahrh. mancherlei Irrtümer auf; es kamen die Gnostiker auf, welche mit dem schlichten Christenglauben nicht zufrieden waren, sondern noch eine viel höhere und tiefere Erkenntnis haben wollten.“[2] Die darauf folgende Erhebung der Großkirche und Anerkennung von seiten der Staatsmacht brachte eine Flut von Verderbnis. Das Heidentum hielt seinen siegreichen Einzug in die Großkirche, und Götzendienst und Aberglaube traten an die Stelle der Einfalt und Einheit des Urchristentums. — Da war fürwahr die verabscheuungswürdige Zeit gekommen, die Paulus schon ankündigte: die Zeit, da sie die heilsame Lehre nicht mehr leiden wollten, sondern sich nach ihren eigenen Lüsten eine Lehre schufen, nach der ihnen die Ohren juckten und sich von der biblischen Wahrheit zu menschlichen Fabeln kehrten. 2. Tim. 1, 3. 4.

Mit Schauder liest man die Geschichte späterer Jahrhunderte, die Taten der herrschenden Ungerechtigkeit, der blutigen Grausamkeit, wo man das Schwert des Christen gegen Christen führte, der verschwenderischen Prunksucht, der ekelhaften Wollust, welche von den Häuptern einer gefallenen Großkirche ohne Scham und Scheu vollzogen wurden. Kaiser, Könige, Fürsten und viele ehrwürdige weise Glieder der Kirche eiferten dagegen, um diesem Unwesen und dieser Gottlosigkeit Schranken zu setzen, aber — vergebens! Mancher fromme Diener des Herrn, welcher aus Gottes Wort die Erkenntnis des Besseren erworben hatte, wurde für seine Kühnheit, mit der er die Laster der Priester oder den Mißbrauch der Kirche strafte, in den Kerker geworfen, des Christennamens unwürdig erklärt und aus dem Schoß der Kirche gestoßen. Man hat solche, weil sie die biblische Wahrheit und die Tugend predigten, für Ketzer erklärt und des Todes würdig gefunden. So wurde z. B. auf der Synode zu Toulouse im Jahre 1299, Kanon 14, beschlossen: „Die Laien dürfen die Bücher des A. und N. Testamentes nicht besitzen.“[3] Man nahm dem Volke die Bibel — die Grundlage des Christentums — und gab ihm dafür erdichtete Überlieferung und menschliche Satzungen. Päpste, Kardinäle, Bischöfe und Priester gaben sich alle erdenkliche Mühe, um „in den Gläubigen einen heilsamen Schauder vor solch giftigem Lesen der Bibel zu erwecken“.[4] „Hier und dort drangen die Inquisitoren unversehens in die Häuser ein; alle irgend Verdächtigen wurden ergriffen, in scheußliche Kerker geworfen, durch die schauderhaftesten Torturen zum Geständnis der Ketzerei gezwungen und dann zum Gerichte des Feuertodes verurteilt.“ „Zahllos loderten die Scheiterhaufen, und die Exekution ging immer mit großer Feierlichkeit im Beisein hoher Herren und ungeheurer Volksmassen vor sich. Der Widerrufenden wartete lebenslängliche Haft.“[5]

Das waren die Mittel, die man anwandte, um all den Irrlehren, den Neuerungen und den unbiblischen Lehr- und Glaubenssätzen — zu denen auch die falsche Lehre betreffs der Taufe zu rechnen ist — ihre Geltung in der Kirche zu verschaffen.

Der Kampf zwischen Wahrheit und Irrtum besteht ja, seit die Sünde in der Welt ist, und er wird von Tag zu Tag größer. In unserer gegenwärtigen Zeit genügt es nicht, nur die Wahrheit zu lehren, nein, man muß auch den Irrtum zeigen und bekämpfen, besonders da, wo er im Gewande der Wahrheit einherschleicht. Zeigen muß man die Entstellung der Wahrheit und den Ursprung solcher Entstellung nachweisen. Das soll nun die Aufgabe der nachfolgenden Darstellung mit Bezug auf die christliche Taufe sein.

Möge uns der Herr bei der näheren Betrachtung dieser Frage mit seiner göttlichen Weisheit zur Seite stehen und uns seinen hl. Geist verleihen, der uns in „alle Wahrheit leite“.

Alttestamentliche Vorbilder der Taufe.

Bevor die Taufe in der Christenheit als neutestamentliche Verordnung zur Anwendung kam, wurde dieselbe schon im A. Testament

durch mancherlei Waschungen vorgebildet.

So z. B. mußte sich der Aussätzige in reinem Wasser baden. „Der Gereinigte aber soll“, so lautete des Herrn Befehl, „seine Kleider waschen.... und sich mit Wasser baden, so ist er rein.“[6] Auch bei sonstigen Verunreinigungen, wie sie uns in 3. Mose 15; 17, 15. 16; 22, 6 und 4. Mose 19, 19 beschrieben werden, war Waschung und Baden vorgeschrieben. Am besten wird uns aber die Taufe durch die Priesterweihe vorgebildet und veranschaulicht. Gott gebot Mose: „Und sollst Aaron und seine Söhne vor die Tür der Hütte des Stifts führen und mit Wasser waschen.“[7] So wie wir als Priester des N. Bundes (1. Petri 2, 5. 9) durch die Taufe in die Gemeinde des Herrn aufgenommen werden (1. Kor. 12, 13; Gal. 3, 28), so mußte der Einzuweihende, ehe er in das Heiligtum zugelassen werden durfte, vor der Tür der Stiftshütte erscheinen, wo dann die Waschung an ihm vollzogen wurde. Nach der Waschung wurden die Priester mit Öl gesalbt. Auch diese Handlung war eine vorbildliche, und sie bezeichnet so recht die Erteilung des hl. Geistes nach der Taufe im N. Testament.[8] Und wie im N. Bunde nur gläubige und getaufte Glieder am Abendmahl teilnehmen dürfen, so konnte der Priester des A. Bundes erst dann sich dem Tische der Schaubrote nahen und davon genießen, wenn er der Verordnung der Waschung nachgekommen war. Der Gewaschene oder dem Herrn Geweihte sollte von nun ab ein anderer, ein höherer Mensch sein. Er mußte neue Kleider anlegen (2. Mose 40, 13; 3. Mose 8, 7) zum Zeichen, daß er auch seiner Denkart nach ein neuer Mensch geworden sei. Um den neutestamentlichen Ausdruck zu gebrauchen, mußte er von nun an „in einem neuen Leben wandeln“.[9] Er mußte sich mit all seinen Gaben dem Dienste des Herrn weihen. Das Weltliche und Irdische, der Reiz und Tand dieser Welt durfte in seinem Herzen keinen Raum finden, er sollte vielmehr für diese Dinge tot und empfindungslos sein. Sein Dichten und Trachten mußte höher und idealer, nämlich auf das gerichtet sein, „was droben ist, da Christus ist, nicht nach dem, das auf Erden ist“.[10]

Diese verschiedenen Waschungen nennt Paulus in Ebr. 9, 10 „mancherlei Taufen, die bis auf die Zeit einer besseren Verfassung“ bestanden,[11] d. h. bis Christus kommen und an Stelle der Schatten und Vorbilder das Wesen, das Wahrhaftige, setzen würde. Durch das Ritualgesetz konnte nur eine fleischliche, äußerliche und sinnbildliche Reinigung und Heiligkeit bewirkt werden. Das Sinnbildliche war notwendig, um den Menschen an daß Wahrhaftige zu erinnern, an sich konnte es das nicht wirklich mitteilen, denn es war ja nur ein Schatten, ein schwacher Schimmer und Abglanz der vollkommenen Offenbarung des Wesens und der wirklichen Dinge.[12] Daher heißt es in Ebr. 10, 9: „Da sprach er [Jesus]: „Siehe, ich komme, zu tun, Gott, deinen Willen.“ Da hebet er das erste [den Schatten, die Vorbilder] auf, daß er das andre [das Wesen und das Wahrhaftige] einsetze.“

Vorbild und Wesen.

Die Arche in der Flut und Israels Durchgang durchs Rote Meer als Vorbilder der Taufe.

Petrus kommt in 1. Petri 3, 20. 21 auf die Sintflut zu sprechen und bezeichnet die Arche in der Flut als ein Vorbild der Taufe. Die Langmut Gottes wartete hundertundzwanzig Jahre, während Noah die Arche baute, „in welche eingehend wenige, das ist acht Seelen durch Wasser hindurchgerettet wurden“. Durch die Arche wurden Noah und die Seinen sicher durch das Wasser hindurchgetragen. Sie war somit das Mittel, wodurch Noah gerettet wurde, „welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe“.[13]

Ein weiteres Vorbild der neutestamentlichen Taufe wird uns in dem Durchgang Israels durchs Rote Meer gegeben. Paulus schreibt: „Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle auf Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer.“[14] Mose streckte auf Gottes Geheiß seinen Stab aus, und das Wasser türmte sich zur Rechten und zur Linken wie eine Mauer auf und bildete somit ein tiefes Grab; über ihnen die Wolke als Decke.[15] Auf diese Weise waren die Israeliten im Meer und in der Wolke gänzlich begraben, welches ja den vollen Sinn von Taufen, d. h. Untertauchen gibt.

Die Entstehung und Einsetzung der christlichen Taufe.

Unter den alltäglichen Übungen des Lebens verlieren manche ehrwürdigen Stiftungen und religiösen Gebräuche nicht selten ihre hohe und heilige Bedeutung. Die Gewohnheit wischt sehr oft den Glanz des Göttlichen von ihnen ab und macht das Heilige gemein. Ja, man ist in unserer Zeit sogar sehr geneigt, mit leichtsinnigem Scherz die göttlichen Verordnungen zu entweihen und alle feierlichen Handlungen, die auf Christum hinweisen, entbehrlich zu finden. Verleitet durch einen falsch verstandenen Begriff von „Aufklärung“ oder durch den abergläubischen Mißbrauch der Masse, die zuletzt unter Religiosität nur noch gewissenhafte Übungen äußerlicher Gebräuche versteht, zum Unwillen gereizt, glaubt sich mancher berechtigt, auf alle göttlichen An- und Verordnungen mit Geringschätzung herabblicken zu können und dieselben zu einem „menschlichen Machwerk“ zu stempeln. Es ist deshalb gut, daß wir aus einst ehrwürdigen, nun aber gleichgültig gewordenen Verordnungen der Kirche Christi köstliche Erinnerungen erwecken, damit wir nicht daß Himmlische gefühllos und kalt zu einer gemeinen oder wohl gar lästigen bürgerlichen Verpflichtung hinabsinken lassen, sondern uns die religiösen Handlungen mehr als eine tote und leere Zeremonie sind.

Gehet hin in alle Welt!

Daher ist es vor allem nötig, uns darüber klar zu werden, woher die christliche Taufe stammt, ob Gott oder sterbliche Menschen sie einsetzten. Um dies festzustellen, müssen wir zur Bibel greifen, in der uns der allweise Gott durch ihm geweihte Männer diese wichtigen Verordnungen als ewige Denkmäler aufzeichnen ließ. In ihr finden wir den gewissen Grund wahrer Lehre, und nach den in ihr von Gott niedergelegten Bestimmungen müssen wir ihm dienen und ihn verehren.[16] Sie allein ist unser Leitstern, der uns durch den Wirrwarr menschlicher Überlieferungen hindurchhilft.

Bevor Christus seinen Jüngern den Befehl erteilte, hinzugehen, um aller Welt das Evangelium zu predigen und die an ihn gläubig gewordenen Seelen zu taufen, war die Taufe bereits in Anwendung gebracht worden. Sie war von Gott Johannes, dem Vorläufer Christi, als ein Teil des großen Werkes, zu welchem er vom Herrn berufen war, anbefohlen. Wenn dieser von Gott sprach, so bezeichnete er ihn als den, der ihn sandte zu predigen Buße und „zu taufen im Wasser“.[17] Auch Christus hatte nach Antritt seines Lehramtes seine kleine Jüngerschar angeleitet, diejenigen, die seinen Predigten lauschten, ihre Sünden bekannten und ihn im Glauben annahmen, zu taufen.[18] Aber die bestimmte Einsetzung der christlichen Taufe geschah von seiten Christi, und zwar nach seiner Auferstehung von den Toten. Kurz vor seiner Himmelfahrt versammelte er seine Jünger, die Pfeiler der neutestamentlichen Gemeinde, und gab ihnen den feierlichen Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“[19] Noch genauer gibt uns Matthäus das Wort: „Gehet hin,“ heißt es da, „und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“[20]

Von dieser Zeit an blieb die Taufe eine der wichtigsten Handlungen der Christenheit. Ganze Scharen traten in die Ströme, um von geweihten Händen die Christenweihe zu erhalten.[21] Sogar Könige stiegen von ihren Thronen, um die Taufe, das äußere Zeichen des Bundes, zu empfangen. Jesu Geist beseelte Völker und Fürsten, und der Glaube an ihn, an sein herrliches Evangelium und an seine Lehren verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die entferntesten Länder des Erdballs.

Der Zweck und die Bedeutung der Taufe.

Nach den Schreibern des N. Testaments erfüllt die Taufe einen ganz bestimmten Zweck, und klar reden sie bei verschiedenen Anlässen von der hohen Bedeutung derselben. Doch verwandelte man sie später durch die Vorstellung von der Natur und der Wirksamkeit der Taufe in ein abergläubisches Zaubermittel. So ist nach Cyrill von Jerusalem (gest. 386) die Taufe „das Lösegeld der Gefangenen, der Ablaß der Missetaten, der Tod der Sünde, die Wiedergeburt der Seelen, das glänzende Kleid, das heilige, unverbrüchliche Siegel, der Wagen zum Himmel, die Freude des Paradieses, die Erwerbung des Reiches, die Gabe der Kindschaft“.[22] Basilius der Große (gest. 379) bedient sich derselben Bilder und Ausdrücke.[23] Und Gregor von Nazianz (gest. 390) nennt die Taufe eine „Erleuchtung, eine Flut, wodurch die Sünde vertilgt wird, eine Teilnahme am Lichte, eine Verscheuchung der Finsternis, eine Vollendung des Verstandes, einen Schlüssel zum Himmel“.[24] Diese geschmückte und übertriebene Schilderung von den Vorzügen und Wirkungen der Taufe zeigt, daß dieselbe als einzige Grundbedingung zur Seligkeit gemacht wurde. Sie wurde als „Sakrament“ im höchsten Grade überschätzt, welches, wie wir noch sehen werden, der Bibel völlig fremd ist.

Andere kirchliche Parteien wiederum legten der Taufe gar keinen Wert bei, hielten dieselbe als eine nur äußere Form, und es wäre ganz gleichgültig, in welcher Weise sie vollzogen und ob sie überhaupt befolgt werde oder nicht. Sie betrachten diese Einrichtung als ein lästiges Joch und behalten sich das Recht vor, dieselbe nach Gutdünken zu ändern. Sie brauchen ein System, das ihnen die Auserwählung, Begnadigung und Seligkeit leicht und bequem gewährt; haben sie diese, so machen ihnen biblische Forderungen keine Sorgen. Wir sehen somit, daß der Taufe in beiden Lagern ein Platz angewiesen wurde, den sie weder von Jesu noch den Aposteln erhielt. Es ist deshalb von großer Wichtigkeit, den Zweck ihrer Stiftung sowie ihre Bedeutung im Lichte der hl. Schrift zu betrachten.

Durch die Taufe bezweckt Gott zunächst, sich mit seinem Volk eng zu verbinden. Sie bedeutet „nicht das Abtun des Unflats am Fleisch“, sondern wir schließen durch sie den „Bund eines guten Gewissens mit Gott“.[25] Wir haben in der Taufe „Christum angezogen“ und sind durch diesen Akt erbberechtigt. „Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Same und nach der Verheißung Erben.“[26] Wir erklären durch sie öffentlich, daß wir von nun an Christo nachfolgen, ihm allein gehorchen und ein Christo ähnliches Leben führen wollen. Durch die Taufe werden wir auch in die Gemeinde aufgenommen. Sie bezweckt somit auch die Vereinigung der Gläubigen und ihr harmonisches Zusammenwirken. Die Getauften gehören nun dem Leibe Christi an, sie sind Brüder geworden, alle Unterschiede des Lebens haben für sie aufgehört. „Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geist getränket.“[27]

Die hohe Bedeutung der Taufe wird uns durch Paulus in Röm. 6, 3–5 klar veranschaulicht, indem er schreibt: „Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein.“ Und in Kol. 2, 12 lesen wir: „Indem daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.“ Die Taufe bedeutet nach dieser Darstellung das Begräbnis und die Auferstehung Christi. In der rechten Taufhandlung sieht jedermann in dem Begraben des Täuflings unter dem Wasser das Begräbnis Christi, und in dessen Emporheben aus dem Wassergrab die Auferstehung Christi. Wir geben uns in der Taufe Christo hin, wobei die Wirkung seines Todes und seiner Auferstehung auf uns übergeht, wie dies in dieser Handlung ja so sinnreich ausgedrückt ist. Für uns bedeutet sie ein Ablegen des alten Lebens, das Kreuzigen oder Sterben des alten Menschen und das Nehmen des Lebens des Heilandes, in welchem wir auferstehen, um hinfort in einem neuen Leben zu wandeln. Erfahrungsgemäß konnte deshalb Paulus sagen: „Ich bin mit Christo gekreuziget. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohns Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben.“[28] Und ermahnend schreibt der Apostel an die Kolosser: „Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott.“[29] „Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden.“[30]

Leider hat man diese Handlung durch die spätere Einführung der Besprengung ihrer Bedeutung völlig beraubt und auf diese Weise das göttliche Andenken an die Auferstehung Christi vernichtet.

Die Vorbedingungen der Taufe.

Sahen wir im vorhergehenden, von wem und zu welcher Zeit die christliche Taufe eingesetzt wurde, so wollen wir in diesem Abschnitt zeigen, welches die Vorbedingungen waren, die man an solche Personen stellte, die da wünschten, getauft zu werden.

Zur Zeit Christi und der Apostel.

Hierbei wird es am besten sein, wenn wir alle Stellen des N. Testaments, die uns von einer Taufe berichten, einer genauen Untersuchung unterziehen. Die erste dieser Stellen wäre in Matth. 3, wo uns eine genaue Beschreibung von der Taufe des Johannes gegeben wird. Da lesen wir: „Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeikommen! Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“[31] Johannes war ein Bote des Herrn, der dem Lamm Gottes den Weg bereiten sollte.[32] Er hatte die Aufgabe zu predigen und zu taufen.[33] Es ist aber beachtenswert, daß er von seinen Taufbewerbern vor ihrer Taufe etwas ganz Bestimmtes verlangte, nämlich „Buße“ (Sinnesänderung). „Johannes sagte dem Volk,“ so berichtet uns Paulus, „daß sie sollten glauben an den, der nach ihm komme, das ist an Jesum, daß der Christus sei.“[34] Also Glaube an Christum und sein Evangelium sowie „rechtschaffene Frucht der Buße“ (Matth. 3, 8), d. h. lebendige, untrügliche Beweise wirklicher Sinnesänderung mußten der Taufe stets vorangehen. Johannes wies die Pharisäer und Sadduzäer von sich und taufte sie nicht, weil sie „Gottes Rat verachteten“ und diesen göttlichen Anforderungen nicht nachkamen.[35] Johannes taufte also niemand (ausgenommen Christum) als nur reuige und bußfertige Sünder.

Demgemäß bemerkt Dr. Erskine: „Die Taufe Johannes wurde die Taufe der Buße und die Taufe zur Buße genannt, weil er von allen, die er zur Taufe ließ, ein Bekenntnis der Buße verlangte und sie zu einem Leben ermahnte, welches die Wahrheit ihrer Buße beurkundete.“[36]

Ferner bemerkt Scott zu dieser Stelle: „Erwachsene Juden, welche Buße und Neigung bekannten, Untertanen des Reiches des Messias werden zu wollen, waren, soweit wir urteilen können, allein die Personen, welche Johannes zur Taufe zuließ.“[37] Und Origenes, der alexandrinische Kirchenlehrer in der ersten Hälfte des 3. Jahrh., sagt: „Es ist sehr nötig zu bemerken, daß sowohl Matthäus als Markus sagen, das ganze jüdische Land und die von Jerusalem „bekannten ihre Sünden“ und wurden darauf getauft. Matthäus aber erwähnt noch der Pharisäer und Sadduzäer, die zu seiner Taufe kamen, aber nicht ihre Sünden bekannten und deshalb von Johannes Schlangen und Otterngezüchte genannt wurden.“

Johannes, der Bußprediger und Täufer.

In demselben Kapitel, Matth. 3, 13–17, wird uns von der Taufe Jesu erzählt, wie er aus Galiläa an den Jordan zu Johannes kam und sich von ihm taufen ließ. Hier war kein Unterricht, keine Belehrung und Predigt notwendig und keine Buße erforderlich. Hier hatte es Johannes mit keinem Sünder zu tun, es war der Herr der Herrlichkeit, das heilige, unschuldige und unbefleckte Gotteslamm selber. Als der Stifter der heiligen Taufe stieg er selbst in den Strom und ließ sich in seine Fluten senken, um allen seinen Nachfolgern ein Beispiel des Gehorsams zu geben. Als das Haupt seines Leibes und Vorbild seines Volkes rief er allen zu: „Also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Matth. 3, 15); ja, es gebühret uns allen ohne Ausnahme, in Gottes Geboten und Ordnungen zu wandeln.

Bei seiner Taufe, mit himmlischer Kraft und dem Geiste Gottes erfüllt, trat Jesus das große, vom Vater ihm aufgetragene Werk an. Er kam, um das Verlorene zu suchen und selig zu machen.[38] Er kam, um der gottentfremdeten Menschheit den Willen des Vaters zu offenbaren und ihnen zu sagen, was sie zu tun hätten, um gerettet und Kinder des Allerhöchsten zu werden.[39] Er fing an, das Evangelium vom Reich zu predigen und sprach: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“[40] Wer nicht „von neuem geboren“ wird, der kann das Reich Gottes nicht sehen.[41] Welches Herz sich nun dieser Botschaft öffnete, Buße tat, seine Sünden bekannte und Jesum im Glauben aufnahm, wurde von den Jüngern des Heilands getauft.[42] Das beweist, daß auch Jesus „Glaube“ und „Buße“ vor der Taufe forderte.

Die nächste Stelle wäre die in Matth. 28, 19. 20. Sie berichtet uns, wie Jesus seine Apostel vor der Himmelfahrt auf einem Berge Galiläas versammelte und ihnen den wichtigen Befehl gab, zu predigen und zu taufen. Aber der unfehlbare Gesetzgeber vergaß bei dieser Gelegenheit nicht, seinen Jüngern auch zugleich die Personen zu bezeichnen, an denen sie die heilige Verordnung vollziehen sollten. „Gehet hin,“ rief er in der Stunde seiner Verherrlichung den Aposteln zu, „gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes; und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“[43] Die Worte unseres Meisters sind so einfach und klar, daß sie nicht mißverstanden werden können. Den Menschen muß also nach Jesu Anordnung zuerst das Evangelium gepredigt werden, sie müssen zuvor belehrt werden, unter welchen Bedingungen sie Jünger Jesu werden können.[44] Wenn sie dann aufrichtig glauben, so sollen sie als Siegel die Taufe empfangen. „Das Evangelium hören, hilft nicht,“ sagt Goßner, „wenn zum Hören nicht der Glaube hinzukommt, wenn das Gehörte nicht im Glauben mit Zuversicht aufgefaßt und durch den Gehorsam des Glaubens angeeignet wird. Wer es aber so auffaßt und annimmt, als wäre es vom Himmel gefallen, — wer es so tief in sein Herz fallen läßt und festhält als den größten Schatz, für den er alles hingibt, — der soll getauft werden.“[45]

Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, berichtet uns von der Ausbreitung des ewigen Evangeliums nach der Himmelfahrt des Heilandes und der Gründung von christlichen Gemeinden unter Juden und Heiden. Er erzählt uns von vielen Taufhandlungen, welche die Apostel und andere Diener des Herrn im Auftrage ihres Meisters ausführten.[46] Er begleitete Paulus von Troas aus auf seiner zweiten Missionsreise, wo er Augenzeuge von Taufen an Neubekehrten sein durfte.[47] Der Gedanke, der ihn bei der Abfassung dieses Geschichtswerkes beseelte, war, der Nachwelt einen „gewissen Grund“ (Bericht) von dem Anfang und der Ausbreitung des Christentums zu geben.[48]

Die Pfingstpredigt.

Sehr auffallend ist es aber, mit welcher besonderen Genauigkeit er die Anforderung der Apostel, welche dieselben an ihre Taufkandidaten stellten, schildert. Das erste Beispiel davon finden wir in Apg. 2. Am Tage der Pfingsten, als die zwölf Apostel nach des Herrn Verheißung (Apg. 1, 8) die „Kraft des hl. Geistes“ empfingen, trat Petrus als der erste unter den Aposteln und der, welchen Christus selbst mit der Gründung seiner Gemeinde beauftragt hatte (Matth. 16, 18. 19; Joh. 21, 15–17), auf und predigte „Jesum von Nazareth, den Mann von Gott“, der sich durch viel Taten und Wunder unter Israel erwies. Er zeigte ihnen, wie die Propheten von ihm weissagten, daß er kommen und sterben sollte, und wie Gott ihn am dritten Tage von den Toten auferweckt habe und er schließlich zur Rechten Gottes erhöhet sei. Petrus schloß dann seine kraftvolle Rede mit den Worten: „So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuziget habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat.“[49] Von dieser furchtbaren Schuld und Sünde überführt, daß sie als das hochbegnadigte und auserwählte Volk, ihren ihnen von Gott gesandten König verworfen und gekreuzigt hatten, entrang sich ihren Herzen die Frage: „Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?“ Petrus antwortete ihnen: „Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des hl. Geistes.“ Apg. 2, 38. Alle nun, die dieser Aufforderung des Apostels nachkamen, d. h. die Buße taten und das Wort gerne annahmen, wurden getauft und der Gemeinde hinzugetan.[50]

Stadtpfarrer Bossert bemerkt noch zu dieser Stelle (Apg. 2, 38): „Petrus forderte: Tut Buße und lasset euch taufen auf den Namen des Herrn Jesu Christi, in demselben Sinne, wie die Apostel sonst Buße und Glauben als die Heilsbedingungen hinstellten. Die Taufe erscheint hier als der Akt, mit welchem der Glaube in die Erscheinung tritt, nicht aber als eine Zeremonie, welche den Glauben überflüssig macht oder den Glauben ersetzen könnte, wo er fehlt. Aus diesen Bedingungen, welche die Apostel stellten, ergibt sich, daß sie die Taufe zunächst nur an Erwachsenen vornahmen, an die Kindertaufe noch gar nicht dachten, und daß unter den Kindern der Zuhörer, für welche die Verheißung nach Apg. 2, 39 bestimmt ist, nicht unmündige Kinder zu verstehen sind, sondern die künftige Generation, welche zur Teilnahme am messianischen Heile ebenso berufen werden wird wie die Fernwohnenden.“[51]

In Apg. 8, 5–13 haben wir einen weiteren Beweis, daß niemand getauft wurde, der nicht zuvor der Bedingung des Herrn nachkam: „Wer da glaubet.“ Philippus, einer der sieben Almosenpfleger der Gemeinde zu Jerusalem, kam durch die Verfolgung in eine Stadt in Samarien und begann, ihnen Christum zu predigen. „Das Volk aber hörte einmütiglich und fleißig zu, was Philippus sagte, und sahen die Zeichen, die er tat. Da sie aber des Philippus Predigten glaubten von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi, ließen sich taufen beide, Männer und Weiber. Da ward auch der Simon gläubig und ließ sich taufen.“

Christus und Nikodemus.

Ferner ersehen wir aus Apg. 8, 26–40, wie Philippus auf göttliches Geheiß hin dem Kämmerer und Würdenträger der äthiopischen Königin Kandaze das Evangelium von Jesu predigte. Der Kämmerer wurde davon ergriffen und überzeugt und erklärte sich willig, dem Heiland in der Taufe zu folgen. Allein Philippus forderte zuvor ein offenes Bekenntnis von ihm, indem er ihn fragte: „Glaubest du von ganzem Herzen?“ „Ich glaube,“ antwortete der überzeugte Eunuch, „daß Jesus Christus Gottes Sohn ist.“ „Und er hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.“

Das Gleiche finden wir auch in Apg. 9, 1–19, wo uns die Bekehrung Pauli geschildert wird. Auch er mußte zuvor an Christum gläubig werden, ehe er getauft werden konnte.

In Apg. 10 lesen wir von Kornelius, wie er von Herzen verlangte, des Herrn Willen zu erfahren, um ihm völlig dienen zu können. Durch die Erscheinung eines Engels wurde er beauftragt, nach Petrus, dem Apostel, zu senden, der ihm zeigen würde, was er zu tun hätte. „Petrus kam,“ so sagt die göttliche Urkunde, „und fand ihrer viel, die zusammenkommen waren.“ Vers 27. Er predigte ihnen dasselbe wie der Menge auf dem Pfingstfest in Jerusalem. „Von diesem Jesu“, sprach er, „zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen.“ Vers 43. Kornelius und alle, die der Botschaft Petri lauschten, glaubten an diesen sündenvergebenden Heiland und nahmen ihn in ihre Herzen auf. Als Beweis dafür fiel der hl. Geist auf sie, worauf Petrus den Befehl gab, daß man sie taufen sollte.[52]

Etwa 18 Jahre nach der Himmelfahrt des Herrn finden wir Paulus als das „auserwählte Rüstzeug“ auf seiner zweiten Missionsreise, begleitet von Silas, Lukas und Timotheus. Durch ein nächtliches Gesicht in Troas erhielt Paulus den Ruf von Gott, nach Europa hinüberzugehen. Er ging nach Philippi und begann hier, das Evangelium zu predigen. Die ersten Bekehrten waren hier die Lydia, der der Herr das Herz öffnete, sowie ihr ganzes Haus, welche daraufhin getauft wurden.[53]

In demselben Kapitel wird uns berichtet, daß Paulus durch die Heilung einer Wahrsagerin in den Kerker geworfen wurde. Durch die wunderbare Errettung wurde der Kerkermeister aufs tiefste erschüttert. Er war überzeugt, daß diese Menschen (Paulus und Silas) Knechte des Allerhöchsten seien. Zitternd fiel er zu ihren Füßen nieder und fragte: „Liebe Herrn, was soll ich tun, daß ich selig werde?“ Sie sprachen: „Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig! Und sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.“ Nach diesem lesen wir: „Und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig worden war.“[54]

Von Philippi setzte Paulus seine Missionsreise weiter über Thessalonich und Athen nach Korinth fort, wo er ein Jahr und sechs Monate verweilte. In dieser bedeutendsten Handelsstadt Griechenlands, die den Weltverkehr zwischen dem Orient und dem Westen vermittelte, hatte Paulus die beste Gelegenheit, die Botschaft von dem Gekreuzigten zu verkündigen. „Der Synagogenvorsteher Krispus, mit seinem ganzen Hause und viele von den Korinthern, welche hörten, glaubten und wurden getauft.“[55] Trotz großem Widerstand erblühte in kurzer Zeit eine große und lebendige Christengemeinde, eine Gemeinde reich an Gaben des hl. Geistes.[56]

Paulus und Silas im Hause des Kerkermeisters.

Die letzte Stelle, welche für unsere Untersuchung ein wichtiges Zeugnis enthält, ist die in Apg. 19, 1–7. Hier wird uns erzählt, daß Paulus auf seiner dritten Missionsreise im Jahre 54 nach Ephesus kam, wo er etliche „Jünger“ fand, welche außer der Taufe des Johannes nochmals auf den Namen des Herrn getauft wurden. Also stellte auch Paulus an seine Täuflinge dieselbe Bedingung wie die andern Apostel des Herrn, nämlich Glaube und Sinnesänderung.

Hierzu bemerkt Heitmüller: „Es bedarf ja kaum der Bemerkung, daß Paulus den Glauben bei dem Taufakt als vorhanden voraussetzt. Nur wer glaubte, ließ sich taufen.“[57] Und Mosheim, aus der apostolischen Zeit berichtend, schreibt: „Es wurden keine anderen getauft als diejenigen, welche vorher in den Hauptwahrheiten der Religion sorgfältig waren unterwiesen worden und untrügliche Zeugnisse ihrer redlichen und heiligen Gemütsfassung abgelegt hatten.“[58] Ebenso bezeugt dies der Geschichtschreiber Gottfried Arnold: „Gleicher Gestalt ging es bei der Taufe auch so ziemlich zu, daß man dem äußerlichen Werke nichts zuschrieb, und glaubte, es könnten alle Wasser keine einzige Sünde abwaschen, daher man die Neubekehrten zuvor gründlich unterrichtete und sie von dem äußerlichen Werk, dafür die Vernunft zu fallen pflegt, auf eine gründliche Veränderung des Lebens und inwendige Wiedergeburt weise.“[59]

Aus diesen vielen bestimmten biblischen Zeugnissen ersehen wir die unumstößliche Tatsache, daß während den Tagen Christi und der apostolischen Zeit die Taufe nie an unmündigen Kindern, die noch jedes Selbstbewußtsein entbehren, vollzogen wurde, sondern nur solche Personen getauft wurden, die vorher Christum und sein Evangelium im Glauben in ihren Herzen aufnahmen, die „Buße taten“, ihre „Sünden bekannten“ und die versprachen, Gott im Geist und in der Wahrheit zu dienen.

Das Zeugnis einiger unparteiischer Bibelforscher.

Wir lassen hier noch einige unparteiische Bibelforscher zu Worte kommen, die das bestätigen, was wir eben oben ausführten. Zuerst Hieronymus (gest. 420), einer der gelehrtesten der lateinischen Kirchenväter. Er bemerkt in seinem Kommentar zu Matth. 28, 16–20: „Erst lehren sie alle Völker; dann tauchen sie die Belehrten ins Wasser ein, denn es ist unstatthaft, daß der Leib das Sakrament der Taufe empfange, wenn nicht die Seele vorher den wahren Glauben empfangen hat. Die Reihenfolge ist wichtig. Er befahl den Aposteln, daß sie zuerst alle Nationen unterrichten sollten und sie dann mit dem Sakrament des Glaubens taufen.“

Ebenso auch der berühmte und ehrwürdige Johannes Goßner. Er sagt: „Der Glaube wird von dem Heilande der Taufe vorangestellt, weil seine Augen zuerst nach dem Glauben sahen und die, so getauft werden, vor allem an ihn glauben müssen; denn des Glaubens Siegel soll die Taufe sein, wie Abraham die Beschneidung empfing zum Siegel des Glaubens, den er schon vor der Beschneidung hatte. Darum darf sich kein Maulchrist auf seine Taufe verlassen ohne Glauben.“[60]

Ferner Dr. Olshausen: „Das Bekenntnis ist als Bedingung der Taufe zu denken. Wo daher das Bekenntnis fehlte, da fiel auch die Taufe aus.“[61]

Und Stadtpfarrer Bossert bezeugt: „Es ergibt sich, daß die Taufe in der Urgemeinde nur an solchen Personen vorgenommen wurde, welche zur Überzeugung geführt waren, daß Jesus der Messias ist, und welche bereit waren, alles auf sich zu nehmen, was für die Führung des Lebens sich aus diesem Glauben ergab.“[62] Und Ernst Teichmann führt aus: „Die Taufe setzt den Glauben voraus. Wäre nicht zuerst der Glaube an Christum Jesum in dem Menschen vorhanden gewesen, so könnte die Taufe überhaupt nicht stattgefunden haben. Nur weil der Mensch gläubig geworden ist, wird er getauft und damit in die christliche Gemeinde aufgenommen.“[63]

Zuletzt Dr. Martin Luther im Großen Katechismus: „Aufs dritte, weil wir den großen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so laß nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die Taufe gibt und nützet. Das ist abermals aufs feinste und klarste ausgedrückt eben mit den Worten: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig,“ das ist, der Glaube macht die Person allein würdig, das heilsame göttliche Wasser nützlich zu empfangen. Denn weil solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheißen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn daß wir solches von Herzen glauben; ohne Glauben ist es nichts nütze, ob es gleich in ihm selbst ein göttlicher, überschwenglicher Schatz ist. Darum vermag das alleinige Wort „wer da glaubt“ so viel, daß es ausschließet und zurücktreibt alle Werke, die wir tun können, der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empfängt auch nichts.“[64]

Nach Ablauf des apostolischen Zeitalters

finden wir noch bis in das 4. Jahrh. hinein Spuren davon, daß Buße und Glaube als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurden. Justin der Märtyrer (gest. 166), der berühmteste unter den griechischen Apologeten, berichtet: „Nur die, welche wiedergeboren werden wollen und Buße tun, empfangen die Taufe.“[65]

In Tertullian (gest. 230) besitzen wir einen weiteren Zeugen dafür, daß ein Unterricht der Taufe voranging und der Glaube an den Gekreuzigten zum Empfang derselben erforderlich war. Er bezeugt dies in klaren Worten in seinem Protest gegen die Idee der Kindertaufe, bei welcher Gelegenheit er auch gleichzeitig den Grund dafür angibt: „Sie sollen demnach auch kommen, wenn sie herangewachsen sind, wenn sie gelernt haben, wenn sie darüber belehrt sind, wohin sie gehen sollen; sie mögen Christen werden, sobald sie imstande sind, Christum zu kennen. Sie mögen lernen, um ihr Seelenheil bitten, damit es den Anschein gewinne, daß man nur einem Bittenden gegeben habe.“[66] Ferner schreibt er: „Sobald der Glaube an Umfang gewonnen hatte durch den Glauben an Christi Geburt, sein Leiden und seine Auferstehung, so kam auch eine Erweiterung durch das Sakrament hinzu, die Besiegelung durch die Taufe als äußere Hülle für den Glauben... Das Predigen ist das frühere, das Taufen das spätere.“[67] Ebenso in seiner Schrift „Vom Kranze des Soldaten“, wo er sagt, daß sie erst dann die Taufe erhalten, wenn sie „vorher in der Kirche unter der Hand des Bischofs die Erklärung abgegeben, daß sie dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln widersagen“.[68] Tertullian sah also in der Taufe gar keinen Wert, wenn sie an solchen Personen vollzogen wurde, denen das Selbstbewußtsein und der persönliche Glaube fehlte.

Prof. Dr. Probst führt zu diesem Punkt aus: „Jeder Ungläubige, der um Aufnahme in die Kirche bat, wurde mit Freuden aufgenommen, jedoch nicht sogleich zur Taufe, sondern vorerst zum Katechumenate zugelassen. In ihm fand die Vorbereitung auf den Empfang der Taufe, sowohl nach der intellektuellen als moralischen Seite statt. Wenn die Katechumenen das, was gelehrt wurde, glaubten und darnach zu leben versprachen, erhielten sie das Sakrament, während man schlecht vorbereitete Katechumenen zurückstellte oder ganz abwies.“[69] Walfried Strabo, ein bedeutender theologischer Schriftsteller der ersten Hälfte des 9. Jahrh., schreibt in seinem Buch De exordiis et incrementis rerum ecclesiasticarum: „Es ist bemerkt, daß in primitivem Alter die Gnade der Taufe nur denjenigen gegeben wurde, die in Körper und Verstand zu solcher Reife herangewachsen waren, daß sie die Wohltat, die durch die Taufe erlangt wird, verstehen und würdigen.“ Salmasius (gest. 1653) und Suicerus (gest. 1684) erklären: „Die ersten zwei Jahrhunderte empfing keiner die Taufe, der nicht zuerst in dem Glauben und der Lehre Christi unterrichtet worden war.“[70]

Auch in der alexandrinischen Kirche, welche sich mit allen ihren theologischen und dogmatischen Begriffen von der nordafrikanischen wesentlich unterschied und wo die Lehre von der Notwendigkeit der Kindertaufe schon ziemlich vorherrschend war, finden wir noch die apostolische Einrichtung, der zufolge vom Täufling vor dem Empfang der Taufe rechtschaffene Früchte der Buße verlangt wurden, sowie ein offenes Bekenntnis seines Glaubens. Den Beweis dafür entnehmen wir den Schriften des Origenes: „Ich flehe euch an,“ sagt er, „nur mit großer Behutsamkeit zur Taufe zu kommen. Zeiget vorher Früchte der rechtschaffenen Buße. Bringet einige Zeit mit göttlichem Gespräch zu, indem ihr euch vor allen Unreinigungen und allem Übel bewahrt, dann werdet ihr die Verzeihung der Sünde empfangen.“[71] „Laß ein jeder sich ins Gedächtnis zurückrufen, wie er zuerst zu dem Wasser der Taufe kam, als er die ersten Symbole des Glaubens empfing, und er sich dann dem Brunnen des Heils näherte, welche Worte er zu jener Zeit brauchte, wie er dem Teufel lossagte, daß er seine Gepränge nicht mehr brauchen würde, noch seine Worte, und daß er keinem seiner Dienste oder Vergnügungen nachkommen würde.“[72] Und in seiner Schrift gegen Celsus schreibt Origenes: „Wenn aber diejenigen unter den Ermahnten, die im Guten Fortschritte machen, zeigen, daß sie durch das Wort gereinigt worden sind und soviel als möglich ein besseres Leben geführt haben, dann laden wir sie ein, sich in unsere Gemeinschaft aufnehmen zu lassen.“[73] „Wenn wir aber zur Gnade der Taufe kommen, widersagen wir allen andern Göttern und Herrn und bekennen allein Gott den Vater und Sohn und hl. Geist.“ Hierzu bemerkt noch Prof. Dr. Probst: „Das Symbolum wurde aber vom Täufling nicht etwa auf gemachte Aufforderung vollständig hergesagt, sondern das Bekenntnis derselben geschah in der Form von Frage und Antwort.“[74]

Die Briefe Cyprians aus dem Ketzertaufstreite legen ebenfalls ein unzweideutiges Zeugnis dafür ab, daß das Glaubensbekenntnis vor der Taufe in Form von Frage und Antwort abgelegt wurde. Cyprian schreibt: „Es macht nun vielleicht jemand den Einwurf und sagt, Novatian halte sich mit der katholischen Kirche an dasselbe Gesetz, er taufe auf die gleiche Art wie wir, er anerkenne denselben Gott Vater, denselben Christus den Sohn, denselben hl. Geist und dürfe deshalb die Gewalt zu taufen in Anspruch nehmen, weil er in der Fragestellung bei der Taufe von uns nicht abzuweichen scheint. Wer immer nun diesen Einwand vorbringen zu müssen glaubt, der möge zuerst wissen, daß wir und die Schismatiker nicht dasselbe Glaubensbekenntnis bei der Taufe noch auch die nämliche Fragestellung haben. Denn wenn sie sagen: Glaubst du an den Sündennachlaß und an das ewige Leben durch die heilige Kirche? — so lügen sie mit dieser Frage, da sie keine Kirche haben.“[75] Ebenso schreibt Cyprian im Namen zahlreicher auf einem Konzil versammelter Bischöfe: „Aber auch die bei der Taufe gebräuchliche Fragestellung gibt der Wahrheit Zeugnis. Denn wenn wir sagen: Glaubst du an das ewige Leben und an die Vergebung der Sünden durch die heilige Kirche? so verstehen wir damit, daß nur in der Kirche Sündenvergebung erteilt werden könne.“[76]

Ein gleiches klares Zeugnis findet sich auch in den katechetischen Schriften des Cyrill von Jerusalem (gest. 386). Nachdem der Täufling sich von Satan lossagte, wandte er sich gegen Sonnenaufgang und bekannte: „Ich glaube an den Vater und an den Sohn und an den hl. Geist und an eine Taufe der Buße.“[77] Dies bestätigt Cyrill in seiner zweiten mystagogischen Katechese, Kap. 4, indem er sagt: „Es wurde ein jedes gefragt, ob es glaube an den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Und er bekannte das heilbringende Bekenntnis.“

Es muß hier aber bemerkt werden, daß schon seit dem Anfang des 3. Jahrh. die Ablegung des Glaubensbekenntnisses vielfach nur noch etwas bloß Oberflächliches und Äußerliches war. Man gestaltete den Weg des Heils immer breiter und machte es den Heiden, die zur christlichen Kirche übertraten, leicht und bequem. Und da man es für verdienstlich hielt, die Herde Christi schnell zu vermehren, so suchten sich die sogenannten Heidenapostel durch Massenbekehrungen Ruhm zu erwerben. Gründlichen Unterricht im Evangelium und wahre Herzensbekehrung sah man bald als hinderliche Dinge an. Man ließ sich von dem falschen Grundsatz leiten, daß, wenn der Heide nur einmal der christlichen Kirche angehöre, der Geist des Evangeliums und die Wirksamkeit ihrer Lehrer ihn stufenweise weiterführen könne.

Nach diesem Grundsatz suchte Gregorius Thaumaturgos (gest. 270), Glieder für die Kirche Jesu Christi zu gewinnen. Neander schreibt in seiner Kirchengeschichte von ihm: „Da er wahrnahm, daß viele aus dem Volke durch die Liebe zu ihren alten mit dem Heidentume verbundenen Lustbarkeiten an die väterliche Religion gefesselt blieben, so wollte er den Neubekehrten einen Ersatz dafür geben. Nach der decianischen Verfolgung (250), welche viele in dieser Gegend dem Märtyrertode zugeführt hatte, stiftete er ein allgemeines Märtyrerfest und erlaubte der rohen Menge, dies mit ähnlichen Gastmählern wie bei den heidnischen Totenfeiern (Parentalia) und bei andern heidnischen Festen zu feiern. Er meinte, so werde ein Hindernis der Bekehrung hinwegfallen, und wenn sie einmal Mitglieder der christlichen Kirche wären, würden sie nach und nach von selbst, nachdem ihr Sinn durch das Christentum vergeistigt worden, die sinnlichen Vergnügungen fahren lassen. Aber er bedachte nicht, welche Vermischung heidnischer und christlicher Vorstellungen und Gebräuche aus dieser Anbequemung hervorgehen konnte, — was nachher wirklich geschah — wie schwer das Christentum im Leben recht durchdringen konnte, wenn es von Anfang an durch diese Vermischung getrübt wurde.“[78]

Wie weit aber damals schon der sittliche Verfall der Christenheit vorgeschritten war, ersehen wir aus folgendem Zeugnis Cyprians: „Alle ließen sich nur die Vermehrung ihres Vermögens angelegen sein und waren, vergessend, was die Gläubigen früher zu den Zeiten der Apostel getan hatten und immer tun sollten, voll unersättlicher Habgier nur darauf bedacht, ihre Schätze zu vermehren. Bei den Priestern fehlte es an frommer Gottesfurcht, bei den Kirchendienern an wahrem Glauben, in den Werken an Barmherzigkeit, in den Sitten an Zucht.“ „Durch schlauen Betrug hinterging man die Herzen der Einfältigen, durch listige Kunstgriffe suchte man die Brüder zu berücken. Mit Ungläubigen knüpfte man das Band der Ehe, gab Heiden die Glieder Christi preis. Man schwur nicht bloß leichtsinnig sondern auch falsch, die Vorsteher verachtete man in hochmütigem Dünkel, verleumdete einander mit giftigem Munde, war gegenseitig mit andauerndem Hasse entzweit. Viele Bischöfe, welche die andern ermahnen und ihnen zum Beispiele dienen sollten, ließen sich mit Vernachlässigung ihres göttlichen Amtes zur Verwaltung weltlicher Geschäfte herab, entfernten sich von ihrem Stuhle, ließen das Volk im Stich, schweiften in fremden Provinzen umher und besuchten die Jahrmärkte, um einträgliche Geschäfte zu machen.“[79]

Überschreiten wir das 4. Jahrh., so werden wir finden, daß die biblischen Vorbedingungen der Taufe immer seltener und schließlich gänzlich außer acht gelassen werden. Durch die in der Mitte des 3. Jahrh. aufgekommene Kindertaufe finden wir die stärksten Verschiebungen der einzelnen Akte. Der bußfertige Glaube, der, wie wir sahen, in den Tagen der Apostel und auch noch bis in die Zeit des Cyrill von Jerusalem als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurde, mußte wegfallen, und das Ablegen des Glaubensbekenntnisses und Gelübdes kann heute nicht mehr vor der Taufe sondern viele Jahre nachher, nämlich erst bei der Konfirmation, stattfinden.

Die Art und Weise der Taufe.

Um uns über die Art und Weise der Taufe klar zu werden, d. h. wie die Taufe ausgeführt werden sollte, müssen wir zuerst den Sinn oder die Bedeutung der Wörter „Taufe“ oder „taufen“ verstehen. Diese zwei Wörter sind die Übersetzung der griechischen Wörter „baptismos“, „baptizein“ und „bapto“ und bedeuten eintauchen, versenken, untertauchen oder begraben. Alle guten griechischen Wörterbücher und Sprachlexika legen dem Wort diese Bedeutung bei.

Bei allen griechischen Schriftstellern und Historikern, wo die Wörter „baptismos“, „baptizein“ und „bapto“ von ihnen angewandt werden, bedeuten sie allemal ein Eintauchen ins Wasser. Plutarch braucht sie vom Untertauchen ins Meer, und das Stammwort „bapto“ heißt beim Aratus und Sophokles ebenfalls untertauchen.[80] Auch Polybius, der Verfasser einer Universalgeschichte, sowie Strabo und Dio Cassius gebrauchten die Wörter in diesem Sinne. Wenn nun diese Männer diesen Wörtern die oben genannte Bedeutung beilegen, so können wir ihnen volles Vertrauen entgegenbringen, denn sie mußten doch ihre eigene Sprache besser kennen als Fremde.

Auch die größten Autoren und Sprachkundigen der neuen Zeit stimmen mit der hier gegebenen Erklärung der Wörter überein. So erklären Dr. Holzmann und Dr. Zöpffel das Wort „baptismos“ mit „Eintauchen ins Wasser“.[81] Eisenlohr, der von der Bedeutung dieses Wortes spricht, sagt: „Dieses heißt nach dem Urteil aller der griechischen Sprache Kundigen untertauchen.“[82] Und Liebmann legt dem Worte „Taufe“ die Bedeutung von „vertiefen, in die Tiefe tun“, d. h. gleichfalls „untertauchen“, bei.[83] Ebenso Dr. Heyne: „Taufen, untertauchen, das Sakrament der Taufe vollziehen; ursprünglich Bewirkungswort zu tief mit der Bedeutung in die Tiefe, unter die Oberfläche (des Wassers) bringen.“[84] Dieselbe Erklärung geben auch Bauch und Bury in Luthers Kleinem Katechismus, S. 134. Sie schreiben: „Zu der ersten Zeit wurde die Taufe durch völliges Untertauchen im Wasser vollzogen, daher der Name „Taufe“, d. i. „Tauchen“.“ Ebenso Weigand in seinem „Deutschen Wörterbuch“, sowie Prof. Friedrich Kluge in seinem „Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache“, 5. Aufl., S. 373. Und Luther sagt in seinem „Sermon von der Taufe“ vom Jahre 1519: „Die Taufe heißt auf griechisch baptismos, zu Latein merso, das ist, wenn man etwas ganz ins Wasser taucht, das über ihm zusammengeht. Und wiewohl an vielen Orten der Brauch nimmer ist, die Kinder in die Taufe ganz zu stoßen und zu tauchen, sondern sie allein mit der Hand aus der Taufe begießt: so sollte es doch so sein und wäre recht, daß man nach Laut des Wörtleins Taufe das Kind oder jeglichen, der getauft wird, ganz hinein ins Wasser senkte und taufte und wieder herauszöge. Denn auch ohne Zweifel in deutscher Zunge das Wörtlein „Taufe“ herkommt von dem Wort „tief“, daß man tief ins Wasser senkt, was man tauft. Das fordert auch die Bedeutung der Taufe; denn sie bedeutet, daß der alte Mensch und sündliche Geburt von Fleisch und Blut soll ganz ersäuft werden durch die Gnade Gottes. Darum sollte man der Bedeutung genugtun und ein recht vollkommenes Zeichen geben.“[85] Dr. Augusti bestätigt dies, indem er schreibt: „Was zuvörderst die allgemein angenommene Benennung anbetrifft, so bezeichnen die beiden Formen: „baptismus“ und „baptisma“, sie mögen nun synonym [sinnverwandt] sein oder nicht, nach Etymologie und Sprachgebrauch ein Untertauchen, Eintauchen usw.; und die Wahl des Ausdruckes verrät ein Zeitalter, wo die später üblich gewordene Besprengung (ritus aspersionis) noch nicht eingeführt war.... Die Griechen blieben auch stets bei dieser Bedeutung stehen.“[86]

Dies liefert uns den Beweis, daß, wo diese Wörter im N. Testament vorkommen, sie ebenfalls dieselbe Bedeutung haben. Doch versuchte man schon oft zu behaupten, und das besonders in neuerer Zeit, daß gewisse Wörter, wenn sie in der Bibel vorkommen, eine andere Bedeutung hätten, als wenn sie sonstwo gebraucht werden. Dies wird insbesondere von den griechischen Wörtern „baptizein“, „bapto“ und „baptismos“ behauptet. Diese Behauptung ist aber gänzlich unberechtigt. Man kommt zu dieser Behauptung nur dadurch, weil man den Sinn dieser Wörter von falschem Gebrauch oder Ausführung der Taufe abhängig macht, oder besser gesagt, man will durch die Handlung, wie sie heutzutage ausgeführt wird, den Sinn der Wörter bestimmen und erklären. Wenn wir aber nach dem Sinn eines Wortes suchen, sollten wir vor allem dasselbe von allen solchen fremden Elementen zu befreien suchen. In dem vorliegenden Falle hatte das Wort „Taufe“ einen festgelegten Sinn, bevor es gebraucht wurde, um eine christliche Handlung zu bezeichnen. Wenn aber die Handlung nicht so geschieht, daß sie dem Sinn des Wortes entspricht, dann kann uns das dafür gebrauchte Wort keinen korrekten Begriff von derselben übermitteln; und solch eine Anwendung würde nur dazu angetan sein, um große Verwirrung zu stiften.

Wir können durchaus nicht annehmen, daß der erhabene Stifter dieser Einrichtung in seiner Anweisung beabsichtigte, betreffs der Art und Weise der Ausführung der Taufe seine Nachfolger im Unklaren zu lassen. Er wählte vielmehr ein Wort, das eine bestimmte Handlung in der Ausübung der Taufe und eine festbegründete und unverkennbare definitive Bedeutung hatte, nämlich die des Untertauchens. Aus dem bisher Gesagten ersehen wir klar, daß Untertauchen die einzig richtige Art und Weise der Vollziehung der christlichen Taufe ist.

Das Zeugnis des Neuen Testaments.

Das N. Testament wird uns in unserer Untersuchung eine gute Hilfsquelle sein. Es ist das zuverlässigste Geschichtswerk, das uns von den Taten Jesu und der Apostel berichtet. In ihm werden uns auch die vielen Taufen mitgeteilt, die in jenen Tagen durch die Apostel an den Neubekehrten vollzogen wurden, wobei wir die ursprüngliche Praxis der Taufe und mit ihr auch die bestimmte Form und Anwendung derselben finden. Wir unterwerfen deshalb die in Frage kommenden Stellen einer genauen Prüfung.

Die erste Stelle wäre Matth. 3, 5. 6. Hier wird uns erzählt, wie Johannes der Täufer auf Gottes Geheiß in die Wüste des jüdischen Landes ging, um zu predigen und dem kommenden Messias den Weg zu bereiten, ihm „zuzurichten ein bereit Volk“. Durch seine Predigt stellte er die Anforderung an seine Zuhörer, daß sie sollten „Buße“ tun und „glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist an Jesum, daß der Christus sei“.[87] Wer nun dieser Aufforderung nachkam, wurde von Johannes getauft. Wir wollen aber bei dieser Gelegenheit eine für unsere Untersuchung sehr wichtige Frage nicht unbeachtet lassen, und das wäre die: Welche Art und Weise brachte Johannes bei der Ausführung dieser göttlichen Verordnung an diesen bußfertigen Sündern in Anwendung? Vollstreckte er diese wichtige Handlung durch Untertauchen, Übergießen oder Besprengen? Wir sind bei der Beantwortung dieser Frage durchaus nicht an menschliche Auslegungen, Meinungen und Ideen gebunden. Der göttliche Bericht ist so einfach und klar, daß er nicht mißverstanden werden kann. Er lautet: „Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“[88] Man beachte, daß es hier ausdrücklich heißt und ließen sich taufen von ihm nicht „am“ sondern „im“ Jordan. Außerdem wird uns noch berichtet, daß Johannes der Täufer sich eine Stelle im Jordan aussuchte, da „viel Wasser“ war. Siehe Joh. 3, 23. „Viel Wasser“ ist sicherlich nicht zur modernen Ausübung der Besprengung (aspersio) oder Begießung (infusio) nötig. Er wählte vielmehr Enon zur Taufe, weil er daselbst genügend tiefes Wasser zum Untertauchen (immersio) hatte, damit er in richtiger Art seines göttlichen Meisters Verordnung ausführen konnte. Dies wird ein jeder vorurteilsfreie und unbefangene Leser zugeben müssen.

Der Kirchenpropst A. Caspers führt hierzu aus: „Johannes sagt ‚Ich taufe euch im Wasser‘, Matth. 3, 11 (vergl. Mark. 1, 8), womit aufs deutlichste ausgesprochen ist, daß die Taufe nicht im Hinabsteigen und Heraufsteigen aus dem Wasser besteht, sondern daß Johannes den Täufling, der in dem Wasser steht, in das Wasser, in welchem er steht, untertaucht, so daß das Wasser über des Täuflings Kopf zusammenschlägt, wodurch der Täufling im Wasser sich befindet wie ein Begrabener im Grabe.[89] Es zerfiel also die Taufe in drei Akte: in das Hinabsteigen des Täuflings in das Wasser, in das Untertauchen desselben von seiten des Täufers und das Heraussteigen aus dem Wasser.“[90]

Johannes tauft Jesum im Jordan.

Und Calvin bemerkt zu der Stelle: „Von diesen Worten, Joh. 3, 23, können wir entnehmen, daß die Taufe von Johannes und Christo durch Eintauchen des ganzen Leibes unter Wasser vollzogen wurde.“[91]

Auch Olshausens Aussage ist bemerkenswert. Er sagt: „Als Jesus die Stadt verließ, begab er sich gegen den Jordan hin, wo er taufte, aber doch so, daß er im jüdischen Lande blieb. — In der Nähe taufte auch Johannes, weil tiefes, zum Untertauchen bequemes Wasser da war.“[92]

Dr. Paulus Tassani in seiner Bibelausgabe Minden, 1716, zu Joh. 3, 23: „Wasser, d. h. Flüsse oder Bäche; weil diejenigen, so von Johannes getauft wurden, mit ihren ganzen Leibern in das Wasser gingen.“

Eine weitere Stelle wäre Matth. 3, 16. Hier heißt es „Da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.“ Noch genauer gibt es uns der Evangelist Markus in Kap. 1, 9. 10 „Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes in den Jordan getauft.“[93] Das „in den Jordan getauft“ und „er stieg alsbald aus dem Wasser“ gibt uns wieder vollständig den Sinn des Hineintauchens. Wir können hier nicht annehmen, daß Johannes bei der Taufe Jesu, was die Form derselben anbetrifft, etwas Besonderes getan habe. Er hat also unter „taufen“ nichts anderes als „untertauchen“ verstanden.

Dementsprechend schreibt auch Dr. A. Caspers: „Daß Taufen Untertauchen heißt, das tritt deutlich hervor in Mark. 1, 9, wo ausdrücklich gesagt wird: „Jesus wurde von Johannes in den Jordan getauft.“ Es bedarf also das Wort: „in den Jordan“ keiner Auflösung in zwei Sätze: er stieg in den Jordan hinab und ließ sich dann in dem Jordan taufen.“[94] Und Vossius bezeugt: „Daß Johannes der Täufer und die Apostel diejenigen, welche sie tauften, untertauchten, leidet keinen Zweifel. Denn also lesen wir: Und sie ließen sich alle von ihm taufen im Jordan. — Und da Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser.“[95]

Ferner Dr. Olshausen in seinem Kommentar zu Matth. 3, 16: „Die Form der Taufe des Johannes wird nicht weiter geschildert; ob der Täufer Worte, und welche Worte er über Jesum sprach, bleibt unberührt. Was mitgeteilt wird, fällt alles nach vollzogener Taufe, nämlich bei dem Auftauchen aus dem Wasser. Daß die Ausgießung des Geistes nicht vor dem Untertauchen erfolgte, stimmt ganz mit dem symbolischen Charakter der Handlung überein. Vergl. Röm. 6, 1. ff. Die eine Hälfte der Handlung (das Untertauchen) repräsentiert das Negative, das Hinwegnehmen des Alten (Röm. 6, 4); in der andern Hälfte (dem Auftauchen) war das Positive, das Hervortreten des Neuen, angedeutet; an diese mußte sich daher die Mitteilung des Geistes anschließen.“

Jesus gebrauchte das Wort „Taufe“, indem er die Größe seiner Leiden schildert. „Ich muß mich taufen lassen“, sagt er, „mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollendet werde!“[96] Wer kann wohl beim Lesen dieser Worte an ein zartes Besprengen oder Beträufeln mit Leiden denken? Das „wie ist mir so bange, bis sie [die Leidenstaufe] vollendet werde“ zeigt an, daß Jesus in das überwältigende Meer der Leiden versenkt und gleichsam eine Zeitlang darin begraben werde. Dr. O. v. Gerlach bemerkt zu dieser Stelle (Matth. 20, 22) folgendes: „Der Kelch bedeutet ein großes zugemessenes Maß von Leiden (Ps. 75, 9; Jer. 25, 15; 49, 12; Joh. 18, 11), geht vielleicht besonders auf Jesu schwere Leiden vor der Kreuzigung; die Taufe ist noch mehr: völliges Untertauchen darin, sein blutiger Tod. Ps. 42, 8; 69, 2; 124, 4. 5; Luk. 12, 50.“[97]

Dr. Bernhard Weiß bemerkt zu Mark. 10, 38. 39: „Im übrigen kennen wir das Gespräch Jesu mit ihnen schon aus Matth. 20, 22 ff., nur daß hier das ihnen, wie ihm selbst bestimmte Leidensgeschick noch unter einem andern Bilde als eine Taufe dargestellt wird, in welcher die Wasser der Trübsal, in die sie untertauchen müssen, über ihrem Haupte zusammenschlagen.“[98] Ebenso zu Luk. 12, 50: „Aber freilich muß dieser Widerspruch gegen sie zunächst ihn selbst treffen, und er dadurch in die Wasserfluten des Leidens versenkt werden, wie man in der Taufe in Wasser untergetaucht wird.“[99]

Die Umstände, welche die Taufe des Kämmerers aus Äthiopien begleiten, geben uns wichtiges Material für unsere Untersuchung. Philippus’ Predigt von Jesu als dem Lamme, das um unsertwillen zur Schlachtbank geführt wird, von Zukunft, Gericht, Rettung und Taufe macht einen solchen Eindruck auf den Suchenden, daß er bei der sich bietenden Gelegenheit die Taufe verlangte (Apg. 8, 36–39), um mit diesem Sünderheiland begraben und verbunden zu werden. „Siehe, da ist Wasser,“ sagte der Kämmerer, „was hindert’s, daß ich mich taufen lasse?... Und er hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Da sie aber heraufstiegen aus dem Wasser, rückte der Geist des Herrn Philippus hinweg, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr.“

Nach diesem klaren Bericht unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß auch dieser Kämmerer durch Untertauchen getauft wurde, denn wenn die Handlung nicht auf diese Art und Weise ausgeführt wurde, wozu wäre es nötig gewesen, daß beide in das Wasser hinabstiegen? Philippus war sich ebenfalls, wie auch Johannes der Täufer, über den Sinn und die Bedeutung des Wortes „Taufe“ vollständig klar; er wußte, daß es „untertauchen“ oder „begraben“ heißt, niemals aber „besprengen“ oder „begießen“.

Demgemäß bemerkt Calvin in seinem Kommentar zu Apg. 8, 38: „Hier sehen wir, wie die Taufe bei den Alten verrichtet wurde, denn sie tauchten den ganzen Leib in das Wasser.“ Ebenso Starke: „Und der Kämmerer hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser, beide, Philippus und der Kämmerer, und Philippus taufte ihn im Namen des dreieinigen Gottes durch Eintauchung.“[100]

Desgleichen auch Quenstedt: „Untertauchen ist gleichsam ein Begräbnis, Auftauchen eine Auferstehung. Es stehet geschrieben, Apg. 8, 38. 39, daß Philippus mit dem Kämmerer hinab in das Wasser stieg und ihn darauf taufte; und es wird hinzugefügt, daß nachdem die Handlung vollzogen war, sie beide wieder herauf aus dem Wasser stiegen. Sowohl die morgen- als abendländische Kirche hielten sich sehr lange an den Gebrauch des Untertauchens.“[101]

Philippus tauft den Kämmerer.

Dr. Towerson fragt mit Recht: „Wozu wäre es nötig gewesen, daß die Täufer sich immer dahin begeben hätten, wo viel Wasser war, oder daß Philippus mit dem Kämmerer in dasselbe hineinstieg, wenn nicht die Taufe durch Untertauchen vollzogen worden wäre? Da ja, wie wir bei uns sehen, sehr wenig Wasser zur Begießung oder Besprengung hinreicht?“[102]

Paulus, der einen besonders tiefen Einblick in Gottes Erlösungsplan hatte, spricht zweimal von der Taufe als von einem Begräbnis. Diese Ausdrucksweise gibt uns vollständig den richtigen Sinn des Wortes „untertauchen“. Der Ausdruck wäre aber keinesfalls gut gewählt, wenn beabsichtigt würde, „besprengen“ oder „begießen“ darzustellen. „So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.“[103] Ebenso auch in Kol. 2, 12: „Daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.“ Der Sinn dieser Stelle ist einfach der, daß, wie Christus gestorben ist, so sollen auch wir unserem bisherigen sündhaften Leben absterben (Kol. 3, 1–3), unser Fleisch samt den Lüsten und Begierden kreuzigen und durch die Taufe begraben.[104] Und wie Jesus, durch die Allmacht seines Vaters auferweckt, nicht mehr das vorige Leben im Staube der Niedrigkeit sondern ein höheres begann, so soll auch das Kind Gottes aus der Taufe heraufsteigen, nicht mehr ein Leben im Dienste der Sünde fortzusetzen, sondern um ein neues vollkommenes Leben im Dienste seines gekreuzigten Heilandes, der Pflicht und der Menschheit zu beginnen.[105]

Diese Darstellung Pauli von der Taufe liefert uns den Beweis, daß auch der große Heidenapostel die Anordnung Jesu im Sinne von Untertauchen verstanden hat und sie in dieser Art auch an seinen Täuflingen vollzog, denn nur das Untertauchen ist einem Begrabenwerden ähnlich. Wir betten ja unsere Toten nicht auf die Erde und streuen ein wenig Erde auf sie, sondern wir senken sie in ein Grab, wo sie begraben, d. h. vollständig mit Erde bedeckt werden.

Paulus selbst muß durch Untertauchung die Taufe empfangen haben, denn er zählt sich mit zu denen, die mit Christo durch die Taufe begraben sind. „Alle,“ schreibt er, „die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft. So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“[106]

Die meisten Theologen unter denen, welche die Besprengung ausüben und eifrige Verteidiger derselben sind, waren gezwungen zuzugeben, daß Pauli Darstellung unzweifelhaft auf die Form des Untertauchens Bezug hat. In diesem Sinne erklärt Prof. Lietzmann die Stelle (Röm. 6, 3. 4): „Baptizein bedeutet für griechische Ohren nicht „taufen“, sondern „eintauchen“ (s. zu Mark. 1, 4), also wir sind in seinen Tod hineingetaucht worden, ja mit ihm begraben; d. h. als wir mit unserm ganzen Leibe (wie noch lange altkirchliche Sitte) im Wasser verschwanden, sind wir symbolisch (durch Ertränken) getötet und (im Wasser) begraben.“[107]

Dr. Bernhard Weiß: „Paulus beruft sich darauf, daß die Leser wissen, wie die Taufe auf Christum doch vor allem eine Taufe auf den Tod Christi ist; denn, wenn wir ihn als unsern Heilsvermittler bekennen, so bekennen wir damit doch, daß er zu unserm Heil gestorben ist. Nun ist doch aber das Untertauchen im Taufbade keine leere Form, sondern es stellt dar, wie wir durch die Geistesvermittelung in der Taufe mit Christo vereinigt, in dieser Gemeinschaft mit ihm gleichsam in seinen Tod untergetaucht werden, denselben mit durchmachen müssen. Wie das Begräbnis die Bestätigung davon ist, daß einer gestorben, so ist das Untertauchen im Taufbade die Versiegelung davon, daß wir in den Tod Christi untergetaucht sind, ein Sterben wie er erfahren haben. Wie aber der Tod Christi dazu führte, daß er durch die Herrlichkeit des Vaters, der seinen Sohn nicht im Tode lassen konnte, auferweckt ist, so hat auch unser Sterben mit Christo in der Taufe nur die Absicht, daß wir fortan wandeln sollen in einer völlig neuen Lebensbeschaffenheit.“[108]

„Es siehet aber der heilige Apostel darauf, daß in der ersten apostolischen Kirche bräuchlich war, daß diejenigen, so getauft wurden, ganz unter Wasser gesteckt, und also gleichsam begraben wurden, nachmals aber wieder aus dem Wasser gezogen und also wieder gleichsam auferweckt wurden, anzudeuten, daß sie durch die Taufe der Kraft des Todes und der Auferstehung Christi teilhaftig wurden und daß sie den Sünden absterben, hingegen aber im neuen heiligen Leben wandeln sollten.“[109]

Auch die Schullehrer-Bibel (Neustadt an der Orla) von 1826 gibt eine treffende Auslegung dieses Textes, die wir hier folgen lassen: „Die Taufe, nach den Sitten jener Zeit, wird hier als ein Sterben für das bisherige Heiden- und Judenleben und als Eintritt in ein neues, vollkommenes Christenleben betrachtet. Dies Bild war damals, da man bei der Taufe nicht wie jetzt nur das Haupt ein wenig benetzte, sondern den ganzen Menschen in einem Flusse im Wasser untertauchte (gleichsam begrub), ungemein treffend und ausdrucksvoll. Der bisherige Jude oder Heide ist nun gestorben, begraben. An seiner Stelle geht nun ein Christ hervor, ein ganz anderer Mensch. Ebenso natürlich und treffend ist nun die zweite Vergleichung. Die Taufe, der Eintritt ins Christentum, hat Ähnlichkeit mit dem Sterben und Auferstehen Jesu: Jesus starb — und stand wieder auf. Er ging aus einem unvollkommenen (nicht moralisch sondern physisch unvollkommenen) Zustande und Leben in einen weit höheren, vollkommeneren Zustand über. So geht der Getaufte aus einer mangelhaften Religion, aus einem moralisch mangelhaften Leben in ein vollkommenes, ganz Gott, der Pflicht, der Menschheit, der Ewigkeit geweihtes Leben über.“

Ebenso auch Starke: „Der Apostel siehet auf den damaligen Gebrauch, da der Täufling ins Wasser ganz untergetaucht, und nachdem er eine kleine Weile darunter gelassen, wieder herausgezogen wurde. — Es hat dann die Taufe das Bild und die Kraft nicht nur des Todes sondern auch des Begräbnisses Christi: daß, wie der Herr mit dem Begräbnis den Fluch, welcher auf ihm lag, abgetan hat, auch wir seines Begräbnisses teilhaftig würden, wenn wir unter das Wasser als in ein Grab gestoßen und damit bedecket werden.“[110]

Tholuck bemerkt in seiner „Auslegung des Briefes Pauli an die Römer“: „Der Apostel hatte gesagt, schon gleich der bei der Annahme des Christentums stattfindende Ritus der Taufe zeuge davon, daß der Christ geistig den Tod Christi in sich nachbilden wolle. Es stellt sich nun seinem Blicke die leicht auffallende Bemerkung dar, daß das Taufsymbol selbst als eine Abbildung des Todes Christi angesehen werden könne, und so stellt er in diesem Verse den der Taufe übergebenen Christen als einen gleichsam mit seinem Erlöser Begrabenen dar. Hatte nun Paulus die sinnbildliche Bedeutung der Taufe und des Todes Christi so weit durchgeführt, so lag es nahe, daß er auch dem Wiederaussteigen aus der Taufe und der Auferstehung Christi eine sinnbildliche Bedeutung beilegte, wie er hier tut. Auch an einer andern Stelle finden wir dieselbe symbolische Deutung. Kol. 2, 12. Zum Verständnis der sinnbildlichen Behandlung der Taufe ist übrigens auf den bekannten Umstand aufmerksam zu machen, daß die Täuflinge der ersten Kirche unter- und wieder aufgetaucht wurden, welchem Gebrauche auch die ersten Christen nach Anleitung des Apostels symbolische Beziehung gaben.“

Und Dr. Adolf Jülicher schreibt: „Den Brauch, die Christus-Gläubigen durch eine feierliche Handlung, die Taufe, in die christliche Gemeinde aufzunehmen, hat Paulus von der Urgemeinde übernommen; die Betreffenden wurden in fließendem Wasser untergetaucht.... Der äußerlich in Wasser eingetauchte, in den Namen Christi oder in Christum selber hineingetaucht erschien, in ihn versank, zum Glied an seinem reinen Leibe gemacht wurde.... Paulus sieht also in der Taufhandlung, bei der der Täufling für eine Weile ganz unter dem Wasser verschwindet, eine Nachbildung des Sterbens, wie in dem Wiederemportauchen aus der Flut eine Nachbildung der Auferstehung.“[111]

Äußerst belehrend sind noch die Ausführungen von Dr. Whitby, einem der hervorragendsten Gelehrten der anglikanischen Kirche: „Da es hier in Röm. 6, 4 und Kol. 2, 12 so ausdrücklich erklärt ist, daß wir mit Christo begraben werden durch die Taufe, wenn man uns in das Wasser versenkt, da der Grund, warum wir seinem Tode ähnlich werden sollen, indem wir der Sünde sterben, daher genommen ist, da ferner dieses Untertauchen von allen Christen dreizehn Jahrhunderte lang treu beobachtet und von unserer Kirche (der bischöflichen von England) angenommen worden ist, und da die Umwandlung dieses Gebrauches in Besprengen ohne irgend eine Erlaubnis des Urhebers dieser Verordnung oder Gestattung eines Konziliums der Kirche stattgefunden hat und von der römischen Kirche noch hervorgehoben wird, um die Verweigerung des Kelches für die Laien zu rechtfertigen, so wäre es sehr wünschenswert, daß der ursprüngliche Gebrauch wieder in allgemeine Aufnahme käme und die Besprengung, wie vormals, nur bei Kranken oder in Todesgefahr gestattet würde.“[112]

Wir sind nun mit unserer Untersuchung der in Frage kommenden Bibelstellen, welche ein Zeugnis von der richtigen Art und Weise der Ausführung der Taufe oder der Bedeutung derselben abwerfen, zu Ende gekommen. Jeder wahrheitsliebende Leser muß zu der Überzeugung gekommen sein, daß in den Tagen Christi und der apostolischen Zeit, also bis in die Mitte der zweiten Hälfte des 1. Jahrh., von einer Besprengung oder Begießung der Täuflinge auch nicht die leiseste Spur zu finden ist, sondern daß die Taufe stets durch völliges Untertauchen ins Wasser vollzogen wurde.

Ununterbrochene Spuren der Taufpraxis durch Untertauchung.

Die Schriften des N. Testaments erbrachten uns den Beweis, daß im Laufe des 1. Jahrh. der Christengemeinde die Taufe nur durch Untertauchung vollzogen wurde, und daß dies die einzige richtige Art und Weise der Taufe ist; so darf es wohl für uns von größtem Interesse sein, zu sehen, wie lange man bei der von Christo befohlenen und von den Aposteln befolgten Form der Taufe blieb.

Im Altertum.

In diesem Zeitalter, das von der Geburt Christi datiert und fast einstimmig bis zum Untergang des weströmischen Reiches im Jahre 476 herabgeführt wird, lassen sich ohne große Mühe Spuren von der Taufpraxis durch Untertauchung finden. Tertullian (gest. 230), der große Apologet von Karthago (in Nordafrika), der erste bedeutende Kirchenlehrer des Abendlandes, ein Mann, der die ganze Kraft seines feurigen Geistes auf die Verfechtung der christlichen Lehre wandte, schreibt in seiner Schrift, die den Titel „De Baptismo“ (Über die Taufe) führt, welche er etwa im Jahre 206 n. Chr. verfaßte: „So wird denn auch die Erlangung des ewigen Lebens schon des Umstandes halber um so unglaublicher gehalten, weil der Mensch in so großer Einfachheit, ohne Pomp, ohne irgendwelche ungewöhnlichen Vorkehrungen, ohne Aufwand in das Wasser hinabsteigt, und unter dem Aussprechen von ein paar Worten untergetaucht wird.“[113] Und in Kap. 7 derselben Schrift sagt er: „In derselben Weise ist auch der körperliche Akt der Taufe selbst, der darin besteht, daß wir im Wasser eingetaucht werden.“ Ebenso erwähnt er die Untertauchung bei der Taufe in seiner Schrift „Vom Kranze des Soldaten“, Kap. 3, welche er fünf Jahre später schrieb, doch mit dem Unterschiede, daß er hier die dreimalige Untertauchung ausdrücklich in Erwähnung bringt. Wir werden im Laufe unserer Untersuchung dieser Sitte (der dreimaligen Untertauchung) noch des öfteren begegnen; wir wollen aber mit der Entstehung und Geschichte derselben uns an dieser Stelle nicht beschäftigen, da wir es weiter unten in einem besonderen Abschnitte tun werden.

Der sogenannte Barnabas-Brief, der nach dem Urteil der besten Autoren erst am Ende des 2. Jahrh. geschrieben wurde, enthält ebenfalls ein Zeugnis für die Untertauchung. Es heißt in demselben: „Wir steigen hinab ins Wasser, beladen mit Sünden und Verderben, und steigen herauf, fruchtbar geworden, im Herzen die Furcht (gegen Gott) hegend und im Geiste die Hoffnung auf Jesum.“[114] Der Verfasser vom „Hirt des Hermas“ spricht des öfteren vom „Hinabsteigen in das Wasser“ und vom „Heraufsteigen“ aus demselben.

Gegen Ende des 4. Jahrh. berichtet uns Cyrill von Jerusalem (gest. 386), daß nach Ablegung des Glaubensbekenntnisses die Katechumenen im Wasser untergetaucht wurden. Cyrill erwähnt diesen Taufmodus noch im 4. Kapitel seiner zweiten mystagogischen Katechese: „Dann wurdet ihr,“ sagt er, „zum Schwemmteich der heiligen Taufe geführt, wie Christus vom Kreuze zu dem nächst gelegenen Grabe. Und jeder wurde gefragt, ob er an den Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes glaube? Und ihr bekanntet das heilsame Bekenntnis, und wurdet dreimal in das Wasser getaucht.“

Auch Basilius der Große, Erzbischof von Cäsarea in Kappadozien (gest. 379), führt in seinem Buch „Vom hl. Geist“, Kap. 27, hinsichtlich des Taufritus das Untertauchen an.[115] Dies geht auch klar aus seiner Ermahnung an seine Täuflinge hervor, indem er da ausführt: „Betest du den an, der für dich gestorben ist, nun wohlan, dann laß dich auch mit ihm in der Taufe begraben.“[116] Desselben Ausdrucks bedient er sich auch in Kap. 1 derselben Schrift. Der Bruder des Basilius, Gregor von Nyssa (gest. 395), schreibt an seine Schwester Makrina: „Das Hinabsteigen aber ins Wasser und Hineintauchen des Menschen enthält ein anderes Geheimnis.“[117] Ambrosius (gest. 397) sagt, indem er von den vielen Geheimnissen der Taufe spricht: „Das Wasser ist es, worin das Fleisch versenkt wird. Aller Frevel wird dort begraben.... So bist du gleichsam in diesem irdischen Elemente begraben, jetzt tot der Sünde, aber auch wieder erstanden zum ewigen Leben.“[118] Und Chrysostomus (gest. 407) spricht von dem Täufling als von einem, der „aus dem Wasser steigt“[119] und als von einem „Begraben unseres Leibes in dem Taufwasser“.[120] Das aus dem Wasser Steigen besagt aber vor allem ein Hineinsteigen in dasselbe, welches, um die Taufe in ihrer richtigen Art, d. h. durch Untertauchung, auszuführen, auch unbedingt nötig ist.

Die Schriften, die man als „apostolische Konstitutionen“ bezeichnet, deren Sammlung und Entstehung von den meisten Gelehrten ins 4. Jahrh. gesetzt wird,[121] bringen in Kap. 17 ebenfalls Beweise für das Untertauchen. Dr. Augusti übersetzt diese Stelle in seinen „Denkwürdigkeiten aus der christl. Archäologie“ VII, S. 88. 89, welche wir hier wörtlich wiedergeben: „Die Taufe“, heißt es da, „wird auf den Tod Jesu erteilet. Das Wasser ist statt des Grabes; das Öl statt des hl. Geistes; das Siegel statt des Kreuzes. Die Salbung ist die Bestätigung des Bekenntnisses. Die Erwähnung des Vaters erinnert an den Urheber und an den Aussender. Die Zuziehung des Geistes erinnert an den Zeugen; das Untertauchen an das Mitsterben; das Auftauchen an die Auferstehung.“

Ehe wir das Altertum verlassen, gedenken wir noch an die Baptisterien (Taufkapellen), die ebenfalls für die in diesem Zeitalter noch herrschende Sitte der Untertauchung zeugen. Während man in der apostolischen Zeit und bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrh. keinen bestimmten Taufort hatte sondern in jedem beliebigen Wasser taufte, kamen am Ende des 3. Jahrh. besonders aber seit Konstantins Übertritt zum Christentum eigene Taufhäuser, Baptisterien, in Gebrauch, die in der Nähe der bischöflichen Kirche errichtet waren, da in älterer Zeit nur die Bischöfe das Recht hatten, die Taufe zu vollziehen. Im Mittelpunkt dieser Baptisterien befand sich ein großer Wasserbehälter, in welchem der Täufling untergetaucht wurde. Eine nähere Beschreibung darüber finden wir von Dr. H. Holzmann und Dr. R. Zöpffel: „Die Baptisterien waren rund, sechs- oder achteckig oder in Kreuzform gebaut und meist groß und geräumig. Das Innere oder Heilige derselben, wo die Taufe selbst erfolgte, enthielt ein großes Bassin. Da die Taufe ursprünglich nur in der Hauptkirche vollzogen wurde, hatte nur diese ein Bassin; später wurden diese Anbauten auch bei andern Kirchen eingeführt. Noch später wurde nach gänzlichem Aufhören des Untertauchens der Taufakt in die Kirche selbst verlegt und am Taufstein, der an die Stelle jenes Bassins trat, vorgenommen. Dagegen haben die griechische und russische Kirche mit der Sitte des Untertauchens das Bassin beibehalten. Berühmte Baptisterien sind in Parma, Ravenna, Florenz erhalten.“[122]

Inneres des Baptisteriums von San Giovanni im Lateran.

Dazu berichtet Dr. Augusti: „Die noch vorhandenen Baptisterien sind alle aus der alten Zeit, und die meisten derselben haben ein weit höheres Alter als die Kirchen. Je größer der Umfang derselben ist und je mehr Raum, Wölbung und Tiefe das Taufbecken oder der Taufbrunnen hat, desto höher kann das Alter angenommen werden. Die kleineren Becken und Brunnen rühren aus den Zeitaltern her, wo die Kindertaufe und der Aspersionsritus [das Besprengen] eingeführt war.“[123]

Ein berühmtes Baptisterium ist das von San Giovanni im Lateran. Es war ursprünglich das einzige für die ganze Stadt Rom. Anton de Waal schreibt darüber: „Dieses Baptisterium geht in seiner Gründung auf Konstantin zurück; die jetzige Form ist im wesentlichen diejenige, welche ihm Sixtus III. (432–440) gegeben hat. Die im Achteck um den Taufbrunnen gestellten Säulen aus Porphyr tragen ein Gesims von weißem Marmor, über welchem acht kleinere Säulen den Blick in die Kuppel emporleiten. Das Taufbassin selber war noch um mehrere Stufen tiefer, als es heute der Fall ist, da in alter Zeit die Taufe durch Untertauchen gespendet wurde.“[124]

In Salona, Dalmatien, hat vor nicht so langer Zeit eine Ausgrabungs-Expedition eine solche Taufkapelle bloßgelegt, welche noch aus der Zeit Diokletians (284–305), des grausamen Christenverfolgers, stammt, der in einem Edikt vom 24. Februar 303 die Niederreißung der Kirchen befahl.

Cyrill von Jerusalem (gest. 386) vollzieht die Taufe an seinen Neubekehrten in einer solchen Taufkapelle. Er erwähnt dies in seiner ersten mystagogischen Katechese, Kap. 2: „Zuerst ginget ihr in die Vorhalle des Taufhauses; dort standet ihr gegen Sonnenuntergang gewendet und horchtet auf; und es ward euch befohlen, die Hände auszustrecken und dem Satan, als wäre er gegenwärtig, zu widersagen.“ „Und ihr bekanntet,“ lesen wir in seiner zweiten Unterweisung, Kap. 4, „das heilsame Bekenntnis und wurdet in das Wasser getaucht.“ Das Baptisterium erwähnen noch Chrysostomus, Ambrosius, Augustin u. a. m.[125]

Einige dieser Taufkirchen waren so groß und geräumig, daß Synoden und Kirchenversammlungen in denselben gehalten werden konnten. „Man kann sich auch von ihrer Größe schon daraus eine Vorstellung machen,“ schreibt Dr. Augusti, „wenn man weiß, daß an manchen Orten, wie z. B. in Antiochien, zuweilen in einer Vigilien 3000 Personen beiderlei Geschlechts die Taufe empfingen.“[126] Dr. Brenner führt aus: „Das Wasserbassin oder das eigentliche Baptisterium ist zuweilen von beträchtlichem Umfange und ansehnlicher Tiefe, in dem ein Knäbchen, welches jemand bei andringender Volksmenge in das von Papst Damasus (gest. 384) erbaute Baptisterium hatte fallen lassen, erst nach einer Stunde aufgefunden werden konnte.“[127] Der christliche Dichter Dante (1265–1321) erzählt in seiner „Hölle“ von einem ähnlichen Vorfall. Er rettete nämlich ein Kind, welches in das Baptisterium zu St. Johannes in Florenz gefallen war, vom Ertrinken.[128]

Ruine einer Taufkapelle zu Salona.

Falls heutzutage ein Kind das Unglück haben sollte, in einen modernen Taufbehälter zu fallen, welche, wie schon oben angeführt, nach gänzlichem Aufheben des Untertauchens an die Stelle jener tiefen und umfangreichen Baptisterien kamen, so würde es sicherlich nicht in Gefahr sein, sein Leben durch Ertrinken zu verlieren, und man würde auch wohl keine „ganze Stunde“ dazu nötig haben, um das „verunglückte“ Kindlein darin aufzufinden. Die Taufbecken, die man heute in den Kirchen vorfindet, sind eng und flach, und bei der Ausführung der Besprengung ist nur eine geringe Quantität Wasser darin vorhanden. Dies bestätigt auch Dr. Brenner, indem er schreibt: „Jetzt sind die Taufbrunnen so flach und eng, daß man in denselben auch einem neugebornen Kinde die Taufe durch Untertauchen nicht mehr erteilen könnte. Nun haben die Taufbrunnen keine andere Umgebung als die Kirchenmauern; hölzerne oder metallene Deckel verschließen sie; niedere Geländer fassen sie ein, und in ihrer geringen Höhlung steht ein totes Wasser. Jetzt fordert und erhält jedermann die Erlaubnis, ohne alle Not, seine Stube als Kirche oder Oratorium und seine Schüssel als Baptisterium zu gebrauchen.“[129]

Im Mittelalter.

Selbst durch das dunkle Mittelalter, das ist die Zeit vom Untergang des weströmischen Reiches 476 bis zum Beginn der Reformation im Jahre 1517, lassen sich die Spuren verfolgen, wo die Taufe, wenn auch nicht mehr ganz in ihrer biblischen Reinheit, so doch noch vielfach durch Untertauchen verrichtet wurde. So wird z. B. von Papst Gregor dem Großen (590–604) das Untertauchen ausdrücklich vorgeschrieben. Diese Anordnung Gregors zitiert Dr. Brenner in seiner „Geschichte der Taufe“, S. 32.

Auch in der spanischen Kirche vollzog man die Taufe durch völliges Untertauchen; doch wich man von der in der Zeit schon herrschenden Sitte der dreimaligen Untertauchung, welche übrigens ja auch vollständig unbiblisch ist, ab und tauchte seit den Tagen Leanders, Bischof von Sevilla (gest. 597), den Täufling nur einmal unter, „um dadurch,“ wie Dr. Brenner bemerkt, „seinen Abscheu gegen die Arianer an den Tag zu legen, welche die dreimalige Untertauchung dazu mißbrauchten, um die drei verschiedenen Naturen der drei Personen in der Gottheit auszudrücken. Dies einmalige Untertauchen wird von Papst Gregor dem Großen gutgeheißen.“[130]

Die abessinische Kirche vollzieht die Taufe bis auf den heutigen Tag durch Untertauchen.[131]

Das IV. Konzil von Toledo unter Papst Honorius I. im Jahre 633 erklärt, sich auf diese Entscheidung Gregors berufend: „Laßt uns an dem einmaligen Untertauchen bei der Taufe festhalten, damit nicht bei uns die, welche dreimal untertauchen, die Behauptung der Irrlehrer zu billigen scheinen, solange sie auch dem Brauche folgen.“[132]

Ein Taufbecken aus neuerer Zeit.

Auf der englischen Synode zu Celchyt oder Calchut unter dem Vorsitz des Erzbischofs Wulfred von Canterbury am 27. Juli 816 wurde das Begießen in England ausdrücklich verboten, und man verordnete, „daß die Priester niemandem die Taufe verweigern, und den Täufling untertauchen, nicht bloß über die Köpfe der Kinder Wasser gießen sollen.“[133] Vierhundert Jahre später, auf der Synode zu London im Jahre 1200, Kanon 3, wird das Untertauchen noch erwähnt.[134]

Auch in Deutschland wurde im Mittelalter noch immer die Untertauchung beim Vollzug einer Taufe in Anwendung gebracht. So erklärte das Konzil zu Worms im Jahre 868 diesen Ritus als die richtige Art der Taufe.[135]

Der ehrwürdige Bischof Otto von Bamberg (gest. 1139) hat sich durch seine erfolgreiche Einführung des Christentums in Pommern sehr verdient gemacht und sich einen bleibenden Namen in der Geschichte erworben. Mit Recht wird er als der „Apostel der Pommern“ gepriesen, und er verdient, hier erwähnt zu werden. Auf einen Brief hin, den Otto vom Herzog Boleslav von Polen erhielt, der ihn auf das dringlichste bat, zu kommen und den Pommern das Christentum zu bringen, machte sich Otto am 24. April 1124, von einem zahlreichen Gefolge begleitet, auf, um dem Rufe Folge zu leisten. Zu seinem Schutze begleitete ihn von Polen aus der Hauptmann Paulitzky mit einer bewaffneten Schar. Sie nahmen ihren Weg zunächst nach der Stadt Pyritz, unweit Stargard, wo sie auch nach einer beschwerlichen Reise zu Pfingsten des Jahres 1124 eintrafen. Gott segnete die Bemühungen dieses treuen Zeugen an diesem Orte besonders und krönte sie mit großem Erfolge. Er durfte nämlich in ganz kurzer Zeit nicht weniger als 7000, die den christlichen Glauben annahmen, taufen.

Was uns aber an dieser Stelle besonders interessiert, ist, zu wissen, wie dieser ehrwürdige Bischof die Taufe an seinen neubekehrten Pommern handhabte. Dr. Neander, der große deutsche Gelehrte, berichtet darüber: „Sieben Tage gebrauchte der Bischof zum Unterrichte, dann wurden drei Tage zur geistigen und leiblichen Vorbereitung für die Taufe angesetzt. Sie hielten ein Fasten und badeten sich, um gereinigt mit Anstand der heiligen Handlung sich unterziehen zu können. Große Fässer mit Wasser wurden in der Erde vergraben und mit einem Vorhange umgeben. Hinter demselben wurde die Taufe nach der damals üblichen Weise, durch Untertauchung, verrichtet. Während ihres zwanzigtägigen Aufenthaltes in dieser Stadt wurden siebentausend getauft und die Getauften in den Gegenständen des Glaubenssymbols unterrichtet und über die bedeutendsten Handlungen des Kultus belehrt.“[136] Vor seiner Abreise von Pyritz hielt er an die Neugetauften eine ergreifende Abschiedsrede, worauf er die Stadt verließ, um nach Kammin zu reisen. Nach vierzigtägigem Aufenthalt hier setzte er seine Missionsreise fort und kam zunächst auf die Insel Wollin. Von hier aus besuchte er die Städte Stettin, Kolberg, Belgard, Usedom, Demmin, Wolgast, Gützkow u. a. m. Fast an allen Orten meldeten sich große Scharen zur Taufe, welche er stets durch Untertauchung vollzog.[137]

Der Ottobrunnen in Pyritz.

Etwas außerhalb von Pyritz liegt der wohlbekannte Ottobrunnen, den der Schreiber dieses gelegentlich selbst in Augenschein nahm. In dieser Quelle taufte Otto von Bamberg die ersten Christen in Pommern. König Friedrich Wilhelm III. und seine Söhne ließen im Jahre 1824, als man das siebenhundertjährige Jubiläum der Einführung des Christentums in Pommern feierte, an diesem Platze ein würdiges Denkmal errichten. Der Brunnen ist durch eine Einfassung von Granit umgeben. Ein hohes Kreuz, das aus der Mitte dieser Einfassung aus poliertem rotem Marmor emporragt, verkündet jedem Besucher die hohe Bedeutung dieses Ortes. Auf der erhöhten Hinterwand, welche einen Halbkreis bildet, ist in eingemeißelter Schrift zu lesen: „Bischof Otto von Bamberg taufte zuerst die Pommern aus dieser Quelle am 15. Juni 1124. Friedrich Wilhelm III. und seine Söhne...... errichteten dieses Denkmal zum Andenken jenes Tages am 15. Juni 1824.“ Vor dem Kreuz befindet sich ein Wasserbassin, welches durch dieselbe Quelle gespeist wird, die einst jene großen Fässer mit Wasser füllte, in denen Bischof Otto, wie schon oben erwähnt, die Taufe vornahm. Das Bassin ist so groß, daß man gut eine Taufe durch Untertauchung darin vornehmen könnte. An der Hinterwand des Wasserbassins steht eine lateinische Inschrift, die wir in der Übersetzung von R. Pelz[138] hier angeben. Sie lautet:

„Zum Quell des Lebens eilt, und wascht die Seele rein;

Des sel’gen Lebens Tür wird Jesus Christus sein.“

Gehen wir in der Kirchengeschichte etwa 140 Jahre weiter voran, so finden wir, daß noch nach der Mitte des 13. Jahrh. Thomas von Aquin (gest. 1274), der von katholischer Seite als „eines der größten Lichter der Kirche, ein Engel im Fleische und ein Engel im Lehramte“[139] bezeichnet wird, sagt, „daß das Untertauchen allgemeiner Gebrauch, daher sicher sei“.[140]

Und Dr. Brenner bezeugt: „Dreizehnhundert Jahre war das Taufen allgemein und ordentlich ein Untertauchen des Menschen unter das Wasser, und nur in außerordentlichen Fällen ein Besprengen oder Begießen mit Wasser; letzteres ward außerdem als Taufweise bezweifelt, ja sogar verboten.“[141]

„Das Konzil zu Utrecht im Jahre 1293 gestattet das Aufgießen nur dann, wenn bei dem Untertauchen der Tod zu befürchten ist.“[142]

Am Ende dieses, des 13. Jahrh., ist die Zeit, wo die allgemeine Sitte der Besprengung in der christlichen Kirche ihre Aufnahme fand. Es ist aber eine unrichtige Vorstellung, wenn man glaubt, daß von diesem Zeitpunkt ab der sonst gebräuchliche Ritus des Untertauchens gänzlich abgeschafft worden sei. Die Geschichte beweist vielmehr, daß das Untertauchen nie ganz aufgehoben wurde. In noch am Ende des 15. Jahrh. gedruckten liturgischen Büchern wird das Untertauchen anbefohlen. Dr. Brenner führt dies in seiner „Geschichte der Firmung“, S. 252, an, welches noch ein Nachtrag zu seiner zwei Jahre vorher erschienenen „Geschichte der Taufe“ sein soll. Er sagt: „Ein im Jahre 1487 durch Nikolaus De Franckorda zu Venedig gedrucktes Missale mit der Überschrift: „Incipit ordo missalis secundum consuetudinem romanae curiae“ stellt die Erteilung der Taufe noch ganz mit den Worten Papst Gregors des Großen dar.“

In neuerer Zeit.

Auch in neuerer Zeit, d. h. von der Reformation des 16. Jahrh. bis auf die Gegenwart, finden wir bezeichnende Beweise für die Ausübung der Untertauchung.

Dr. M. Luther schreibt: „Ich wünschte, daß solche, die getauft werden sollen, vollständig in Wasser getaucht würden, gemäß der Bedeutung des Wortes und dem Grundgedanken der heiligen Handlung; nicht weil ich es für nötig halte, sondern weil es schön wäre, wenn wir ein ganzes und vollkommenes Zeichen für eine so große Sache hätten; wie es auch ohne Zweifel von Christo eingesetzt wurde.“ Demgemäß gibt er auch in seinem „Taufbüchlein“ von 1523 sowie auch in der neuen Umarbeitung desselben vom Jahre 1524 dem Geistlichen die Anweisung: „Da nehme er das Kind und tauche es in die Taufe.“[143]

An Heinrich Genesius, Pfarrer zu Ichtershausen, schrieb Luther 1530, wie eine Jüdin soll getauft werden, folgendes: „In Betreff der Taufe des jüdischen Mädchens bin ich mit euch derselben Meinung, daß es ganz mit Leintüchern bedeckt getauft werde, und zwar in der Weise, in welcher man sich in unsern Bädern der Leintücher bedienet, die man „Badetuch“ heißt. Darum wäre dies mein Rat, daß sie in einer großen, weiten Wanne voll Wasser stehend und mit einem Leintuch verhüllt, ehrbarlich mit Wasser übergossen würde, oder auch, wenn sie bis an den Hals im Wasser sitzend, mit demselben Tuch bekleidet, mit dem Haupte durch dreimalige Eintauchung untergetaucht würde.“[144]

Einen weiteren bezeichnenden Beweis finden wir in der mailändischen Kirche, trotzdem sie sich in Roms Nachbarschaft befand. Dr. Brenner führt darüber aus: „Es verdient daher als eine höchst merkwürdige Erscheinung in der liturgischen Welt erwähnt zu werden, daß noch am Ende dieser Periode (des 16. Jahrh.) der hl. Karl Borromeo (Erzbischof von Mailand, gest. 1584) das Untertauchen für die mailändische Kirche auf immer festsetzt.“[145]

In einer Schrift von dem berühmten Arzt John Floyer, betitelt: „On cold bathing“ (vom kalten Bad) ist auf Seite 50 zu lesen: „Die englische Kirche hat das Untertauchen bis zum Anfang des 17. Jahrh. beibehalten, von der Zeit aber in die Besprengung (adspersion) verwandelt, weil man befürchtete,“ — man achte bitte hier auf den Grund der Abänderung der alten Taufweise — „das kalte Wasser sei der Gesundheit schädlich“.[146] Floyer tritt dieser Annahme entschieden entgegen, indem er auf Seite 11 und 51 in seiner erwähnten Schrift bemerkt: „Wir müssen es für eine törichte Verweichlichung in unserem Zeitalter halten, daß man das Untertauchen und kalte Baden für einen gefährlichen Gebrauch hält. Wir müssen doch zugeben, daß der, der unsern Leib bereitet hat, niemals uns irgend etwas befehlen wird, was unserer Gesundheit schädlich wäre; sondern im Gegenteil am besten weiß, was der Erhaltung derselben am dienlichsten ist, und oft in einem Gebote für das Wohl unserer Seele sorgt.“ Dr. Wall setzt sogar fest, daß die englische Kirche den Gebrauch des Besprengens „erst nach dem Verfall des Papsttums annahm“.[147]

Die morgenländische Kirche hat die alte ursprüngliche Sitte des Untertauchens unverändert bis auf den heutigen Tag beibehalten und erklärt sie für so wesentlich, „daß sie die nach abendländischer Weise (durch Besprengung) erteilte Taufe für keine gültige anerkennt und daher häufig den Taufakt wiederholen will. Man nennt die Abendländer spottweise besprengte Christen, und verlangt die Wiedertaufe derselben, wenn sie zur orthodoxen Kirche übertreten wollen.“[148]

Ein Taufbassin aus dem Anfang des 17. Jahrh. in Rynsburg bei Leyden.

Hier mögen noch Dr. Walls wichtige Ausführungen bezüglich dieses Punktes Platz finden: „Die griechische Kirche in allen ihren Zweigen tauft durch Untertauchen, und so tun alle andern Christen in der Welt außer den lateinischen. Alle christlichen Völker, welche vormals der Autorität des Bischofs von Rom sich unterworfen haben, taufen gewöhnlich ihre Kinder durch Begießen oder Besprengen... Alle andern Christen aber in der Welt, welche nie des Papstes angemaßte Herrschaft anerkannt haben, tauchen nach der ursprünglichen Weise unter. Und wenn wir die Erde nach ihren Hauptteilen betrachten, so gehören alle Christen in Asien, alle in Afrika und der dritte Teil derselben in Europa zu der letzteren Gattung, unter welchem dritten Teile die Christenheit in Griechenland, Bosnien, Serbien, Bulgarien, in der Walachei und Moldau, in Rußland usw. verstanden werden. Die Christen im letztgenannten Reiche möchten besonders, mehr als in irgend einem andern, wenn die Kälte eine Entschuldigung darböte, die Erlassung von diesem Gebrauche in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es in Amerika allein 7000 christliche Gemeinden, die die Taufe nach dem Worte Gottes durch Untertauchen vollziehen.“[149]

Gleich im Anfang des 17. und den darauffolgenden Jahrhunderten traten in Deutschland, Holland, England, Nordamerika, Schweden, Norwegen, Dänemark, Frankreich, Rußland, Österreich-Ungarn, Italien und der Schweiz Männer auf, die durch Antrieb und Erleuchtung des Geistes Gottes die Bibel durchforschten und dadurch zu der Erkenntnis kamen, daß sich im Worte Gottes für die von der Kirche ausgeübte Sitte des Besprengens weder ein Gebot noch ein Beispiel vorfindet. Sie verwarfen deshalb die Taufe durch Begießung und Besprengung als schriftwidrig und erkannten, daß die Untertauchung die allein schriftgemäße Taufe sei. Der Ruhm, zu dieser Zeit diese alte von Christo befohlene Form der Taufe erkannt und zuerst eingeführt und verbreitet zu haben, gebührt unseres Wissens nach den Rynsburgern, einer im Jahre 1620 in Holland entstandenen christlichen Richtung, die man spottweise auf holländisch „Dompelaers“ (Eintaucher) nannte. In Rynsburg bei Leyden hatten sie ein großes Taufbassin, in dem sie tauften. Jahrhunderte hindurch stand es als Denkmal da und legte Zeugnis davon ab, was an dem Orte einst geschah. Erst vor nicht so langer Zeit wurde dieses wichtige historische Taufbassin abgebrochen.

Ebenso gab es unter der reformierenden Partei der englischen Kirche, den Puritanern, ernste und nach der reinen Lehre des Evangeliums suchende Christen. Viele unter ihnen erkannten die Taufe der Erwachsenen und machten sich durch die Verbreitung derselben, die trotz viel Widerstand und Verfolgung geschah, verdient. Darunter ist besonders Richard Blount und Samuel Blacklock zu nennen. Sie waren es nämlich, die zuerst in London wirkten, und wie von baptistischer Seite aus berichtet wird, bestanden bereits im Jahre 1643 daselbst sieben „Gemeinden getaufter Gläubigen“[150]; so nannten sie sich zu der Zeit. Heute ist diese Gemeinschaft unter dem Namen „Baptisten“ bekannt, und man findet sie schon in aller Herren Länder.

Auch wir, die wir uns nicht schämen, „Siebenten-Tags-Adventisten“ zu heißen, üben die Taufpraxis durch Untertauchung aus. Zu Hunderten senden wir unsere Missionare in alle Länder aus, um das Evangelium vom Reich, den vollen Ratschluß unseres Gottes, zu allen Sprachen, Zungen und Völkern bis zu den Enden der Erde zu tragen. Nicht nur in Deutschland allein, sondern in Nord-, Süd- und Mittelamerika, im fernen Australien, auf den Inseln des Stillen Ozeans, in Persien, in Syrien, im kalten Sibirien und Kleinasien, ebenso im Innern von China, in Korea, in Japan und Indien, ja selbst im Herzen von Afrika stehen unsere Missionare und verkünden die Heilsbotschaft von dem rettenden Sünderheiland, ihnen zu sagen, daß auch sie „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ haben, um gerettet zu werden. Tausende und Abertausende werden zu Gott, ihrem Heilande, bekehrt und lassen sich darauf willig in den Wasserfluten durch die Taufe begraben, als Zeichen, daß sie von nun an dieser Welt abgestorben sind und allein für Gott in einem neuen, ihm völlig geweihten und geheiligten Leben wandeln wollen.

Eine Taufszene in Afrika.

Wir sind nun das Altertum, Mittelalter sowie die neuere Zeit bis auf die Gegenwart durchgegangen. Durch die Verhandlungen der Konzilien und Rituale waren wir imstande, unumstößliche Beweise zu erbringen, daß dreizehnhundert Jahre lang die Taufe fast durchweg auf die ursprüngliche Weise, d. h. durch Untertauchung verrichtet worden ist; ja selbst nach dem 13. Jahrh. lassen sich trotz der allgemeinen Einführung der Besprengung bis auf den heutigen Tag ununterbrochene Spuren nachweisen, daß es ganze Kirchen und verschiedene Gemeinschaften gab, die die Taufe nach Christi Gebot zur Ausführung brachten.

Die dreimalige Untertauchung.

Der Taufritus war im Zeitalter der Apostel höchst einfach, jedoch eine feierliche und bedeutsame Handlung. Der Täufling wurde zum Wasser geführt und dort auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes getauft, und zwar durch einmaliges Untertauchen. Man findet dabei kein starres System von unzähligen gedankenlosen Zeremonien. Man liest nichts von Mysterien, da ist keine Spur von einer sogenannten unmittelbaren „magischen Wirkung“ bei der Taufhandlung. Bei den Aposteln ging alles schlicht und natürlich vor sich. Daß in der ersten Christengemeinde nur eine einmalige Untertauchung stattfand, geht schon daraus hervor, daß die jüdische Proselytentaufe sowie die Johannestaufe nur diesen Ritus kennen. Paulus kennt durchaus keine dreimalige Untertauchung. Wäre ihm jene schon bekannt gewesen, so hätte er nie die Taufe mit Christi Tod und Auferstehung verglichen; denn Christus wurde nur einmal begraben und ist nur einmal auferstanden. Auf diese Tatsache sich stützend, schreibt Paulus: „So wir aber samt ihm [Christo] gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein.“[151] Daß „gepflanzt werden“ mit Christo bezieht sich auf die Art und Weise der Taufe und ist so zu vollziehen, daß sie mit dem Begräbnis und der Auferstehung Jesu identisch ist. Dies kann aber nur durch ein einmaliges Untertauchen geschehen, vollzieht man sie aber auf eine andere Weise, so ist es eine Handlung, für die man im N. Testament auch nicht die geringste Andeutung vorfindet. Dies zeigt uns auch aufs klarste Eph. 4, 5, wo der Apostel behauptet, daß es nur „einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe“ (Untertauchung) gebe. Prof. Drews kann es ebenfalls nicht einsehen, wie man dazu kommen kann, die dreifache Untertauchung als schon in der Urkirche bestandenen Gebrauch zu erklären. „Aus welchem Grunde“, schreibt er, „man von dem dreimaligen Untertauchen, wenn es allgemein christlich von Anfang an gewesen wäre, hätte abgehen sollen, ist nicht einzusehen.“[152]

Trotzdem sich die Bibel in diesem Punkt so klar ausdrückt, gibt es doch kirchliche Gemeinschaften, die die dreimalige Untertauchung angenommen haben und die behaupten, daß drei Untertauchungen nötig seien, um das Gebot, im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes zu taufen, im vollen Sinne zu erfüllen, d. h. für jede Person der Gottheit eine Taufe oder Untertauchung vorzunehmen. In neuerer Zeit hat dies besonders der vor einem Jahrzehnt verstorbene John Alexander Dowie in Amerika zu behaupten gesucht und an seinen Anhängern auf diese Weise in Anwendung gebracht.[153] Er ist, wie bekannt sein dürfte, der Begründer der Sekte, die heute in Deutschland unter dem Namen „Zionisten“ bekannt ist. Auch die sogenannten Tunker (ihr Name wird von tunken, tauchen abgeleitet), eine christliche Gemeinschaft in Nordamerika, die aber auf deutschem Boden entstanden, und nach Pastor H. Mallet eine Abzweigung des deutsch-niederländischen oder mennonitischen Baptismus ist, welche im Jahre 1720 nach Pennsylvanien auswanderten, üben die Taufe „durch dreimalige Untertauchung des knienden Täuflings aus“.[154] Die Tunker selbst erklären in ihrer „Platform“ von 1881, auch daran festhalten zu wollen, daß „das Taufen von bußfertigen Gläubigen durch dreimaliges Untertauchen, indem beide, der Verwaltende und der Taufkandidat, in den Fluß gehen, mit Handauflegen und Gebet im Wasser“ zu vollziehen sei.[155]

Um die Richtigkeit ihrer Ansicht zu beweisen, weisen uns die Verteidiger der dreimaligen Untertauchung auf die griechische Kirche hin, die das dreimalige Untertauchen ausübt. Die Griechen müssen im Recht sein, sagt man, da sie doch ihre eigene Sprache am besten verstehen. Wir fragen aber, wo findet sich im griechischen N. Testament eine Erwähnung einer dreifachen Untertauchung vor? Nirgends lesen wir davon. Da ist nur ein Gebot, sich nach vorausgegangener Sinnesänderung taufen zu lassen, und die Griechen lassen sich in Befolgung dieses Gebotes taufen durch Untertauchen. Soweit können wir der Kenntnis ihrer Sprache völliges Vertrauen entgegenbringen. Aber das Griechische sagt auch in Eph. 4, 5: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (hen baptisma), d. h. eine Untertauchung. Wenn nun die griechische Kirche von dieser klaren Vorschrift abgeht und dafür das dreifache Taufen ausübt, dann geht sie vom Text ihrer eigenen Sprache ab, und hier brauchen wir ihr durchaus nicht zu folgen. Es ist sicherlich ein großer Unterschied zwischen dem „Gebrauch“ und dem „Mißbrauch“ einer Sprache. Wir legen keinen Wert auf die Gewohnheit einer Gemeinschaft oder Kirche, und mag sie noch so alt sein, ausgenommen sie ist in Übereinstimmung mit den bestimmten Vorschriften der hl. Schrift.

Sehr unvernünftig scheint uns die Schlußfolgerung zu sein: Da die Taufe auf die drei Namen der Gottheit vollzogen werden müsse, sei eine dreifache Untertauchung erforderlich. Wie unrichtig diese Ansicht ist, mag uns ein Beispiel an dieser Stelle klar machen. Ein Agent reist für eine aus drei Personen bestehende Firma. Wenn nun dieser Agent auf seiner Geschäftsreise ein Geschäft abschließt, so tut er es einmal im Namen aller. Auch kann er eine Schuld von 1000 Mark, die er im Auftrage der Firma einzukassieren hat, nicht dreimal einfordern, d. h. einmal für jede Person der Firma, sondern ebenfalls nur einmal im Namen der drei Personen. Wenn Jesus seine Vertreter in alle Welt sendet mit dem Auftrage zu predigen und die Bußfertigen im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes zu taufen, so bedeutet dies dasselbe, was uns das Beispiel zeigt, nämlich die Taufe einmal im Namen der drei Personen zu vollziehen.

Doch die Vertreter und Praktiker der dreimaligen Untertauchung machen sich gar nichts daraus, wenn auch ihr System im krassesten Gegensatz zu den klaren Verordnungen Jesu und dem Brauch der Apostel steht. Ihre eigene Theorie ist nicht in Übereinstimmung mit ihrer Praxis, denn sie lehren, daß „Taufe“ mit „Untertauchen“ gleichbedeutend sei. Wenn nun Taufen wirklich Untertauchen meint, dann ist der Ausdruck: eine Taufe mit drei Untertauchungen ebenso inkorrekt, als wenn sie behaupten würden: eine Taufe mit drei Taufen oder eine Untertauchung mit drei Untertauchungen.

Trotzdem man den Verteidigern der dreimaligen Untertauchung von allen Seiten die Unrichtigkeit ihrer Behauptung beweist, halten sie doch an dem plumpen Irrtum fest. Anstatt der Wahrheit die Ehre zu geben, ziehen sie es vor, lieber noch weiter im Nebel umherzutappen, und da es zur Begründung ihrer Idee an Schriftzeugnissen fehlt, versuchen sie mit fieberhafter Tätigkeit aus dem Labyrinth menschlicher Traditionen Beweismaterial für ihre Sache herbeizuschaffen. Doch was ihnen ein Beweis zu sein scheint, dient nur dazu, noch ein paar der spärlichen Flämmchen auszulöschen, die hier und dort brennen. So wird zum Beispiel ein Dokument herangezogen, das man als „die Lehren der zwölf Apostel“ bezeichnet. Daraus will man den „unumstößlichen“ Beweis erbringen, daß die dreimalige Untertauchung schon apostolische Praxis gewesen wäre. Natürlich kann dies nur für solche ein Beweis sein, die dieses Schriftstück wirklich als „ein letztes Vermächtnis der zwölf Apostel an die Kirche“ anerkennen. Die Historiker sind sich heute aber vollständig klar und einig darüber, daß diese sogenannten „Lehren der zwölf Apostel“ auf keinen Fall von den Aposteln selbst herstammen, sondern ein Produkt der späteren Jahrhunderte sind. Das Schriftstück ist aber für uns insofern von nicht geringem Nutzen, da wir dadurch die gleichgültige und oberflächliche Denkungsart jener Zeit kennen lernen. Dieses fragliche Dokument wurde im Jahre 1883 durch einen gewissen Philoteos Bryennios, damals Rektor einer höheren griechischen Schule in Konstantinopel, in der Bibliothek des Klosters zum allerheiligsten Grabe von Jerusalem in Konstantinopel entdeckt. Die ganze Sammlung wurde ins Deutsche von Prof. A. Harnack übersetzt und in der „Theologischen Literaturzeitung“ vom 9. Februar 1884 veröffentlicht. Zwei Jahre später nahm er vom 12. Juni ab durch eine Reihe von Artikeln eine skeptische Stellung zu dieser Sammlung ein. Er legte der ganzen Sache wenig Wert bei, weil man weder über das Datum der Entstehung noch über den Verfasser derselben etwas Genaues wissen könne. Wie weit die verschiedenen Festsetzungen der Abfassungszeit dieser Schrift zeitlich auseinander gehen, geht klar aus einer interessanten Zusammenstellung von Prof. A. Harnack hervor. Er schreibt: „Der erste setzt die neuentdeckte Schrift vor die paulinischen Briefe, ja vor das Apostelkonzil (Sabatier), der zweite in die Zeit des Paulus, der dritte bald nach der Zerstörung Jerusalems (Bestmann), der vierte in die letzten Dezennien des 1. Jahrh. (eine sehr beliebte Datierung), der fünfte unter Trajan (ebenfalls beliebt), der sechste unter Bar-Kochba, der siebente in die Zeit der Antonine, der achte etwa unter Commodus (Krawutzky), der neunte in das dritte Jahrhundert, der zehnte in das vierte, und es gibt auch noch solche, die das fünfte und noch spätere Jahrhunderte empfehlen. Das wäre die Abfassungszeit. Es steht an keinem andern Punkte besser..... Dies wäre eine kleine Musterkarte; sie könnte beliebig vermehrt werden, wenn man auf die Adresse und Aufschrift des Buches, auf die einzelnen in ihm enthaltenen Stücke usw. eingehen wollte.“[156]

In dem 7. Kapitel der „Lehren der Apostel“ soll also der Beweis für das dreimalige Untertauchen liegen. Prof. Drews sagt: „Wir können daraus auf ein dreimaliges Untertauchen schließen: bei jedem Glied der Formel findet eine Untertauchung statt.“[157] Zu dieser Hypothese kommt man nur dadurch, daß die „Lehren der Apostel“ außer der Untertauchung auch noch bei Mangel an Wasser die dreimalige Begießung zulassen. Damit aber der werte Leser selbst urteilen kann, wie unberechtigt diese Schlußfolgerung ist, geben wir den in Frage kommenden Abschnitt hier vollständig wieder, und zwar in der Übersetzung von Prof. A. Harnack: „Was aber die Taufe betrifft, so taufet so: Taufet, nachdem ihr obige Lehren alle (d. h. die moralischen Unterweisungen, Kap. 1–6) vorher mitgeteilt, auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes in fließendem Wasser. Wenn du aber fließendes Wasser nicht hast, so taufe in anderem Wasser; wenn kein kaltes Wasser da ist, in warmem. Wenn du aber beides nicht hast, so begieße das Haupt dreimal mit Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Vor der Taufe aber soll der Täufer und der Täufling fasten und wer es sonst noch vermag. Dem Täufling aber sollst du befehlen, daß er einen oder zwei Tage vorher faste.“[158]

Wir fragen nun jeden unparteiischen und wahrheitsliebenden Leser: Steht hier auch nur ein Wort von einer dreimaligen Untertauchung? Jeder Aufrichtige wird genötigt sein, die Frage zu verneinen. Hier lesen wir nur, falls nicht genügend Wasser vorhanden sei, solle der Täufer das Haupt des Täuflings dreimal mit Wasser begießen. Übrigens scheint der Verfasser dieses merkwürdigen Dokumentes ein, wie man heute sagen würde, sehr liberaler Mann gewesen zu sein. Sein Rat lautet: „Taufet in fließendem Wasser, wenn ihr könnt; wenn ihr aber nicht könnt, dann in anderem. Wenn ihr kein kaltes habt, nehmt warmes, und wenn ihr überhaupt nicht „taufen“ könnt, dann besprengt ihr eben, es tut’s auch.“ Also solche Regeln und Grundsätze wagt man als „apostolisch“ zu stempeln. Wir möchten dann doch gerne wissen, was nicht apostolisch ist. Hier hat man es vielmehr mit den „Kohlensäcken der Väter“ zu tun, von denen Luther in seinen „Tischreden“, 2586, spricht, und dafür danken wir bestens. Auch überlassen wir den Anhängern der dreifachen Taufe sehr gerne alle Ehre, welche sie sich durch Gebrauch derartiger „Geschichtsquellen“ aneignen.

In nachapostolischer Zeit wird Justin der Märtyrer (100–166), der älteste christliche Kirchenvater, zitiert, und man will aus seiner ersten Apologie (Verteidigungsschrift), die er etwa ums Jahr 147 schrieb, welche an den Kaiser Antoninus Pius gerichtet ist, in der er eine ausführliche Beschreibung von den gottesdienstlichen Handlungen der Christen liefert, und darin auch die trinitarische Taufformel erwähnt, schließen, daß zu seiner Zeit auch die dreimalige Untertauchung im Gebrauch gewesen wäre. Die Stelle, worin Justin sich über diesen Punkt äußert, lautet: „Hierauf werden sie (die Täuflinge) von uns hingeführt, wo Wasser ist, und werden in jener Art und Weise wiedergeboren (getauft), wie auch wir selbst wiedergeboren (getauft) worden sind; im Namen Gottes, des Vaters und Herrn aller Dinge, und unseres Heilandes Jesu Christi und des hl. Geistes empfangen sie nämlich dann die Abwaschung (das Taufbad) im Wasser.“[159] Justin sagt hier gar nichts von einer dreifachen Taufe oder von einem dreimaligen Untertauchen; auch kann diese Idee nicht der Sprache des Schreibers entnommen werden. Trotzdem ist man schnell dabei und setzt fest: „Die Taufe selbst bestand in der Regel in vollem dreimaligen Untertauchen in fließendem Wasser unter Aussprechen der trinitarischen Taufformel.“[160] Wir geben diese unberechtigte Schlußfolgerung dem werten Leser als Muster eines Argumentes, wie es zugunsten der dreimaligen Untertauchung gebraucht wird.

Irenäus, Bischof zu Lyon (140–202), der noch den Unterricht des Apostelschülers Polykarp (gest. 167) genoß, der ihm „von seinem Umgang mit Johannes und mit den andern, die den Herrn gesehen hatten,“ erzählte, wie Irenäus selbst in seinem Briefe an seinen Freund und Jugendgenossen Florinus erwähnt,[161] und der, wie Dr. Schaff schreibt,[162] „der Vorkämpfer kirchlicher Rechtgläubigkeit im Gegensatz zur gnostischen Häresie und der Vermittler zwischen der morgen- und abendländischen Kirche“ war, erwähnt ebenfalls nichts in seinen zahlreichen Schriften, das uns den Anlaß geben könnte, zu glauben, daß in seinen Tagen die dreimalige Untertauchung in Anwendung gebracht worden wäre.

Die erste Spur einer dreimaligen Untertauchung

finden wir bei Tertullian (gest. 230), welcher ausdrücklich in seiner Schrift gegen Praxeas, Kap. 26, sagt: „Wir werden nicht einmal, sondern dreimal bei Nennung jedes einzelnen Namens auf die einzelnen Personen untergetaucht.“ Ebenso bestätigt er dies in seiner Abhandlung „Vom Kranze des Soldaten,“ Kap. 3, welches wir hier in der Übersetzung von Prof. Kunze geben: „Um mit der Taufe zu beginnen, so beteuern wir beim Eintritt ins Wasser ebenda, aber auch schon etwas früher in der Gemeinde (Kirche) unter der Hand des Priesters, daß wir dem Teufel, seinem Gefolge und seinen Engeln entsagen; alsdann werden wir dreimal untergetaucht, indem wir ein etwas Mehreres antworten (oder erfüllen), als der Herr im Evangelium [nämlich Matth. 28, 19] angeordnet hat.“[163] Man beachte, Tertullian redet hier von dem Gebrauch der dreimaligen Untertauchung als von etwas dem Evangeliumsbefehl Hinzugefügtem. Klar zeigt er die Quelle, aus der dieses Taufverfahren entsprungen ist. Er sagt: „Wenn dieselbe [die dreimalige Untertauchung] auch durch keine Stelle der Schrift bestätigt wird, so ist sie doch sicher durch die Gewohnheit befestigt, und diese ist ohne Zweifel aus der Tradition erflossen.“[164] Ebenso in Kap. 4 derselben Schrift: „Wenn du für diese und andere Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der hl. Schrift verlangen wolltest, so wirst du keine auftreiben können. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon.“ Eine Schriftbestimmung für den Ritus der dreimaligen Untertauchung gibt es nach Tertullians eigener Aussage nicht, sondern nur die Macht der Gewohnheit, welche aus der Tradition geflossen war, ist als die einzige Urheberin zu bezeichnen. Also bleibt er nur eine rein menschliche Einrichtung.

Auch Basilius der Große (gest. 379) bemerkt in seinem Buche „Vom hl. Geiste“, Kap. 27, daß die verschiedenen Gebräuche in der Kirche, unter denen er auch das dreimalige Untertauchen bei der Taufe erwähnt, nicht in der hl. Schrift, sondern in der Tradition ihren Grund haben. Er erklärt: „Wir begnügen uns nicht mit dem, was die Apostel oder das Evangelium uns mitteilen, sondern wir haben noch eine ungeschriebene Lehre. Woher ist es genommen,“ fragt er darauf, „daß wir den Täufling dreimal untertauchen? Aus welchem Buche haben wir die übrigen Taufgebräuche, wie unter anderem, daß dem Teufel und seinen Engeln entsagt wird? Rühren sie nicht aus jener verborgenen Geheimlehre her, welche unsre Väter in der Stille aufbewahrten?“[165] Ebenso erwähnt der Bruder des Basilius, Gregor von Nyssa (gest. 395), die dreimalige Untertauchung.[166]

Und Cyrill von Jerusalem (gest. 386), der eine ausführliche Beschreibung der in der Kirche des Altertums gebräuchlichen Taufzeremonien liefert, führt ebenfalls daß dreimalige Untertauchen an, in dem er, nicht wie Tertullian,[167] eine Beziehung auf den dreieinigen Gott sieht, sondern eine besondere Beziehung auf den dreitägigen Aufenthalt Jesu im Grabe erblicken will. Seine Ausführung lautet: „Ihr bekanntet das heilbringende Bekenntnis und tauchtet dreimal ins Wasser unter und wieder auf, und deutetet hiermit sinnbildlich daß dreitägige Begrabensein Christi an.“[168] Dieser Deutung traten auch noch andere Kirchenväter bei, so Gregor von Nyssa in seiner Katechese, Kap. 35, sowie Athanasius u. a. m.

Von Papst Gregor dem Großen (590–604) wird das dreimalige Untertauchen ausdrücklich vorgeschrieben. Seine Anordnung lautet wörtlich: „Der Priester soll unter dreimaligem Untertauchen, wobei er ebenso oft die heilige Dreieinigkeit anruft, taufen mit folgenden Worten: Ich taufe dich im Namen des Vaters, und tauche ihn einmal unter, und des Sohnes, und tauche ihn zum andern Male unter, und des hl. Geistes, und tauche ihn zum dritten Male unter.“[169]

Und aus der Synode zu Worms im Jahre 868 erklärte man: „Sowohl die einmalige als auch die dreimalige Untertauchung bei der Taufe ist erlaubt, letztere wegen der Dreiheit der Personen, erstere wegen der Einheit der Substanz.“[170]

Die morgenländische Kirche blieb bei der dreimaligen Untertauchung bis auf den heutigen Tag. So heißt es im „Rechtgläubigen Bekenntnis“ der griechischen Kirche: „Die Taufe ist eine Abwaschung und Wegnehmung der Erbsünde durch dreimalige Untertauchung ins Wasser.“[171] Im „Ausführlichen Katechismus“ der russischen Kirche, verfaßt von Erzbischof Philaret wird gelehrt, daß das Allerwichtigste in der heiligen Taufhandlung „das dreimalige Untertauchen im Wasser im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes“ sei.[172]

Während die morgenländische Kirche ein dreimaliges Untertauchen übt, bringt „die abendländische Kirche ein dreimaliges Besprengen oder Überschütten eines Kopfteiles des Täuflings beim Vollziehen der Taufe in Anwendung. In beiden Kirchen vollzieht sich die eine Taufe im dreimaligen Untertauchen oder im dreimaligen Besprengen mit Wasser.“[173]

Aus dem Bisherigen ersehen wir, daß die dreimalige Untertauchung im N. Testament nicht zu finden ist, somit an eine Ausführung derselben durch die Apostel durchaus nicht zu denken ist. Auch die der apostolischen Zeit am nächsten lebenden Kirchenväter wissen nichts von einem derartigen Brauch. Erst am Ende des 2. und anfangs des 3. Jahrh., und zwar in den Tagen Tertullians, brachte man diese Neuerung auf und gründete sie, da es an Schriftzeugnissen fehlte, einfach auf die Tradition. Noch später wurde es durch die strengen Erlasse der Synoden jedem Täufer zur unerläßlichen Pflicht gemacht, die Taufe nach diesem Modus zu vollziehen, bis sie schließlich im Laufe der Zeit in ein dreimaliges Begießen oder Besprengen verwandelt wurde. Wir gelangen zu dem Schluß, daß die dreimalige Untertauchung wohl von den verschiedenen Kirchen in Anwendung gebracht wurde, unter keinen Umständen darf sie aber auf einen Befehl Christi und der Apostel zurückgeführt werden.

Die Begießung und Besprengung.

Wie bei der dreimaligen Untertauchung, so versucht man auch den Ritus der Begießung und Besprengung als schon von den Aposteln in Anwendung gebrachte Sitte zu erklären. Man zitiert sogar Bibeltexte, aus denen „klar“ hervorgehen soll, daß zur Zeit der Apostel außer der Regel der Untertauchung auch durch Übergießen oder Besprengen getauft worden wäre. Um nachzuweisen, wie haltlos diese Behauptung ist, unterziehen wir die in Frage kommenden Bibelstellen einer genauen Untersuchung.

Die erste Stelle wäre Apg. 1, 5 in Verbindung mit Apg. 2, 17. 33. Man glaubt, in der Taufe des hl. Geistes ein Argument zugunsten der „Übergießung“ gefunden zu haben, denn der hl. Geist wurde „ausgegossen“.[174] Diese Schlußfolgerung wird aber vollständig durch die Tatsache entkräftet, daß, trotzdem der hl. Geist am Pfingsttage ausgegossen wurde, „erfüllte er das ganze Haus,“ worin die Apostel versammelt waren.[175] Wenn nun Wasser in einen Raum ausgegossen werden würde, bis der Raum ganz „gefüllt“ wäre, so würden alle Personen in demselben von Wasser umgeben oder in demselben „untergetaucht,“ „begraben“ sein. Dies war auch der Fall bei der Ausgießung des hl. Geistes am Tage der Pfingsten. Zu beachten ist noch, daß das Wort „ausgießen“ (ekchèo) in der vorliegenden Stelle (Apg. 2, 17) nur da gebraucht wird, wo es vom hl. Geist spricht; wenn aber die Schrift von den Personen spricht, die mit dem hl. Geist getauft werden sollen, so gebraucht sie das Wort „baptizein“,[176] welches, wie schon oben aufs klarste bewiesen wurde, stets „untertauchen“, „begraben“ und „versenken“ bedeutet. Dies wurde auch in Wahrheit dadurch bewerkstelligt, daß der Geist Gottes den ganzen Raum „füllte“, in dem die Jünger versammelt waren. Nehmen wir den Grundtext zur Hand, so sind wir allen Schwierigkeiten enthoben, denn wir lesen da in Apg. 1, 5; Matth. 3, 11 und Mark. 1, 8 nicht „mit“ sondern „im“ hl. Geist getauft werden, d. h. in den hl. Geist hineingetaucht werden. So erklärt auch Bischof Jakobson von der englischen Hochkirche diese Stelle: „Erfüllte das ganze Haus, d. h. wie ein Bad mit Wasser gefüllt wird, so daß sie untergetaucht werden konnten in dem hl. Geist zur Erfüllung von Apg. 1, 5.“[177] Somit haben wir in diesem Text einen starken Beweis für die Praxis der „Untertauchung“, nie aber für das „Aufgießen“.

Die nächste Stelle, die einen Beweis für die Besprengung enthalten soll, ist Apg. 2, 41. Hier berichtet Lukas von der Bekehrung und Taufe der Dreitausend. Man behauptet, 1. sei es nicht möglich gewesen, daß so viele an einem Tage untergetaucht worden seien[178], und 2. konnte es nicht geschehen, weil Jerusalem sehr arm an Wasser und Privatbädern war.[179] Mit welcher Berechtigung man die Taufe der Dreitausend an einem Tage einfach als unmöglich erklärt, ist uns unverständlich. Die Erfahrung und Geschichte lehrt vielmehr die Möglichkeit einer solchen zahlreichen Taufe an einem Tage. So schreibt Dr. Brenner in seiner „Geschichte der Taufe,“ S. 236, daß Remigius, Erzbischof von Rheims (gest. 533), 3000 an einem Tage getauft habe. Und Pfarrer Kranz (seit 1892 Missionar in China) berichtet in seiner Schrift „Einundzwanzig Gründe“, S. 30: „Zwei Beispiele aus der neueren Missionsgeschichte beweisen die Möglichkeit der Taufe von mehreren Tausend Personen an einem Tage. Am 3. Juli 1878 wurden bei Vilumpilly zwischen Ongole und Hyderabad (Südindien) 2222 Personen im Gundalacumaflusse getauft. Nur je zwei Prediger, welche jede Stunde von zwei anderen abgelöst wurden, vollzogen die Taufe, und die dazu gebrauchte Zeit war von 6 bis 10 Uhr vormittags und von 2 bis gegen 6 Uhr nachmittags. — Am 28. Dezember 1890 wurden 1671 Personen im Baptisterium des Dr. Clough in Ongole getauft, die dazu nötige Zeit war 4 Stunden und 25 Minuten.“

Was nun die zweite Einwendung anbetrifft, wo behauptet wird, daß Jerusalem sehr arm an Wasser sei, und deshalb die Taufe der 3000 nicht durch Untertauchung, sondern durch Übergießen oder Besprengen vollzogen worden sei, so tut es uns leid, sagen zu müssen, daß diese Behauptung den geschichtlichen Tatsachen nicht entspricht. Wer das Vorrecht hatte, Jerusalem selbst in Augenschein zu nehmen, wird zugeben müssen, daß in Jerusalem und in seiner nächsten Umgebung so viele Teiche sind, daß man ohne jegliche Schwierigkeit Tausende durch Untertauchen taufen könnte. Pfarrer Kranz gibt nach Dr. Hiscox folgende Teiche an: „1. Teich Bethesda, 360 Fuß (engl.) lang, 130 Fuß weit, 75 Fuß tief. 2. Teich Siloah, 53 Fuß lang, 18 weit, 19 tief. 3. Der „Obere Teich“, 316 Fuß lang, 218 weit, 18 tief. 4. Der „Teich des Hiskia“, 240 Fuß lang, 144 weit. 5. Der „Untere Teich“, 592 Fuß lang, 260 Fuß weit, 40 Fuß tief (während der Kreuzzüge noch voll Wasser). 6. Außerdem gab es mehrere kleine Teiche.“[180] Dr. Winer erwähnt ebenfalls alle diese Teiche.[181] Und Kirchenpropst Caspers führt aus: „Weder die Unmöglichkeit noch die Unwahrscheinlichkeit einer Taufe mit dem Untertauchen des ganzen Leibes ist objektiv darzutun, denn es befanden sich in Jerusalem viele Teiche, welche das Untertauchen leicht ermöglichten.“[182]

Der Teich Bethesda.

Auch Apg. 8, 36–39, wo die Taufe des Kämmerers der Königin Kandaze aus Mohrenland berichtet wird, wird angeführt, wobei das Bedenken laut wird, ob in diesem Fall genügend Wasser vorhanden war, um das Untertauchen vornehmen zu können, denn Vers 26 sagt von der Gegend, daß sie, „wüste“ war. Das Wort „Wüste“ bezeichnet in der Bibel fast immer eine unbewohnte Gegend, die aber nicht notwendigerweise trocken oder eine nackte Sand- und Steinfläche ohne Wasser und Vegetation zu sein braucht.[183] Als Beweis sei hier auf Matth. 14, 13–19 hingewiesen. Hier wird erzählt, daß Jesus sich in eine „Wüste“ zurückzog, wohin ihm viel Volks nachfolgte. Als nun die Nacht hereinbrach, verlangten die Jünger von Jesu, daß er die Menge wegschicken sollte, damit sie in die Märkte gehen und sich Nahrung verschaffen möchten. Aber anstatt der Jünger Verlangen zu willfahren, befahl er, daß sich das Volk ins „Gras“ setze, woselbst er sie mit fünf Broten und zwei Fischen speiste. Man beachte ferner, daß in Apg. 8, 36 es ausdrücklich heißt: „Und als sie zogen der Straße nach, kamen sie an ein Wasser.“ Diese Tatsache wird auch noch durch die Erklärung des Kämmerers bestätigt, indem er sagt: „Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, daß ich mich taufen lasse?“ In Vers 38 lesen wir, daß beide, der Kämmerer sowie Philippus, in das Wasser stiegen, und er taufte ihn — katébesan amphòteroi eis to hùdor — und gleich der nächste Satz lautet, daß sie nach Vollzug der Taufe aus dem Wasser stiegen — ote dé anébesan ek tou hùdatos. Wenn, wie man hier gerne behaupten will, die Taufe durch Aufgießen oder Besprengen vollzogen worden sei, so möchten wir doch gerne fragen, wozu wäre dann ein Hineinsteigen in das Wasser nötig gewesen? All die Umstände, welche die Taufe des Kämmerers begleiten, passen auf keine andere Art der Ausführung derselben als nur auf die des Untertauchens. Der Bericht ist so klar und unzweideutig, daß er weder mißverstanden noch umgedeutet werden kann. Und wer noch ein wenig Achtung vor der hl. Schrift besitzt, wird auch nie versuchen, solch klare Zeugnisse durch seine Ideen und Meinungen zu verdunkeln.

Dr. Doddridge faßt sein Urteil, dem auch wir nur beipflichten können, in folgenden Worten zusammen: „Es würde ganz unnatürlich sein, wenn man annehmen wollte, daß sie bloß deshalb in das Wasser hinabgestiegen wären, damit Philippus davon ein wenig in seine Hand nehmen und es über den Kämmerer ausgießen könnte. Ein Mann von solchem Stande hatte auf der Reise durch ein wüstes Land ohne Zweifel mancherlei Gefäße bei seinem Geräte, in welchem Wasser hätte nach dem Wagen gebracht werden können; eine solche Vorsicht ist in jenen Ländern durchaus notwendig für Reisende und wird niemals von ihnen unterlassen.“[184] Und Calvin bemerkt in seinem Kommentar zu Apg. 8, 38: „Hier sehen wir, wie die Taufe bei den Alten verrichtet wurde, denn sie tauchten den ganzen Leib in das Wasser.“ Dasselbe bezeugt auch Starke zu dieser Stelle.[185]

Reisende und Forscher, die den Weg von Jerusalem nach Gaza zurücklegten, berichten, daß genügend Quellen und Teiche auf der Strecke vorhanden seien, um eine Taufe durch Untertauchen vornehmen zu können. Der Pilger Pourdeaux beschreibt nach kaum 300 Jahren, 333 n. Chr., die Sachlage wie folgt: „Von hier (Bethlehem) bis Bethazsora sind 14 Meilen, wo sich der Teich befindet, in dem Philippus den Kämmerer taufte.“[186]

Der Beschreibung von G. W. Samson entnehmen wir denselben schlagenden Beweis. Er berichtet: „Von Jerusalem ausgehend und oben erwähnte Route einschlagend, laßt uns die Möglichkeit für eine Taufe durch Untertauchen der Straße entlang betrachten und speziell an der Stelle, die die Überlieferung als den Platz bezeichnet, wo der Kämmerer getauft wurde. Zu Pferde reisend mit der Beweglichkeit von 3 Meilen die Stunde, kommt man nach 2 Stunden und 30 Min. zu den drei großen Teichen Salomos, von denen das Wasser nach Jerusalem geleitet wurde. In den Tagen Jesu waren es klare Seen, denn die drei bedecken heute noch etwa 3 Acker Land, und wenn voll, so liefern sie alle notwendigen Möglichkeiten für eine Taufe durch Untertauchen, indem sie offen sind und in einem zurückliegenden Tal liegen. Selbst heute noch ist eine solche Quantität von Wasser im untern Teich vorhanden, daß ein passenderer Platz für eine Untertauchung kaum gefunden werden könnte. Von hier über Berg und Tal weiter ziehend, kommt man durch ein langes Tal, das wegen seiner vielen Brunnen von den Maultiertreibern „Wady el Beer“, das Tal der Brunnen, genannt wird. Eine Stunde und 50 Min. machen wir an einer Anhöhe Halt, um unsere Pferde zu tränken, und um bei einem großen überdachten Reservoir, aus dem das Wasser mit einem Eimer hochgezogen wird, selbst einen Trunk zu tun. Von diesem Platze sagt Dr. Robinson: Die Straße, welche die Anhöhe hinaufführt, ist künstlich; halbwegs oben befindet sich eine Zisterne mit Regenwasser und ein freier Platz für durchreisende Mohammedaner zum Beten. An dieser Stelle würde eine Taufe durch Untertauchung nicht schwierig sein. Wenn man von dort oben in das schöne Tal vor uns hinabsteigt, dasselbe kreuzt und an der entgegengesetzten Seite wieder hinaufsteigt, so erreicht man in 35 Minuten die Ruinen einer alten Stadt, die unsere Treiber „Howoffner“ genannt haben, welches aber Dr. Robinson mit „Aber Fid“ bezeichnete. Das Regenwasser-Reservoir liegt im offenen Feld mit Gras umsäumt und Olivenbäumen in der Nähe. Dasselbe ist 50–60 Fuß im Geviert und ist jetzt Ende April noch voll Wasser und zwar 3–5 Fuß tief. Es scheint sehr alt zu sein, die Mauern sind von großen gehauenen Steinen aufgebaut. Einen passenderen Platz für eine Taufe könnte man nicht finden. Indem wir durch eine offene, wohlangebaute Gegend weiterziehen, gelangen wir in einer Stunde und fünf Minuten an den Fuß eines langen und steilen Hügels mit den Ruinen einer Kirche oder Festung zur Linken der Straße. Vor derselben ist eine feine sprudelnde Süßwasserquelle und breite Steintröge, an denen wir die Pferde tränkten. Diese Stelle wurde von Dr. Robinson als das von Jerome und Eusebius genannte Bethsur bezeichnet, wo der Kämmerer getauft wurde. Der Boden vor der Quelle und die Struktur hinter derselben ist so zerrissen und mit Steinen bedeckt, daß man schwerlich bestimmen kann, was einst hier war. Es ist jetzt noch eine leichte Senkung mit sandigem kiesigem Boden dort. Es ist kaum anzunehmen, daß in den Tagen Herodes, des Brunnenbauers, diese günstig gelegene Quelle nicht dazu benutzt worden sein sollte, um einen großen Teich zu speisen, da das Terrain sehr günstig dazu war. Selbst heute noch fließt genug Wasser, um ein solch Reservoir zu speisen.“[187]

In Apg. 10, 47. 48 will man ebenfalls ein Argument für das Begießen gefunden haben. Prof. Stuart gibt die Worte Petri in folgender Lesart: „Kann jemand verbieten, daß Wasser hereingebracht werde und diese Personen getauft werden?“ Dies ist ein sehr kennzeichnendes Beispiel, wie man Worte der hl. Schrift umzudeuten sucht, damit sie in die eigene Theorie passen. Die Aussage Petri enthält auf keinen Fall diesen Sinn. Damit der werte Leser selbst urteilen kann, lassen wir hier den Text unverändert folgen: „Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese getauft werden, die den hl. Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn.“

Bei der Taufe Pauli sei auch die Begießung in Anwendung gebracht worden, da in Damaskus kaum hinreichend Wasser zur Untertauchung gefunden werden konnte. Wie unrichtig und unberechtigt diese Vermutung ist, geht aus den Worten des syrischen Feldhauptmanns Naeman hervor, der auf die Aufforderung des Propheten Elisa, seinen aussätzigen Leib zu waschen und sich siebenmal in den Fluten des Jordans zu taufen, antwortete: „Sind nicht Amana und Pharphar, die Flüsse von Damaskus, besser denn alle Wasser in Israel? Kann ich nicht in ihnen baden, daß ich rein sei?“[188] Von dem Amanafluß schreibt Oberkonsistorialrat Frohnmeyer: „Amana, ein den südlichen Antilibanus durchströmender, durch Damaskus fließender und sich in die östlich von Damaskus gelegenen Seen ergießender Fluß, jetzt Barada. Er hat ein sehr kühles Wasser. Sein Gewässer, das sich westlich von Damaskus in sieben Arme teilt, wird vor allem zur Bewässerung der herrlichen Baumgärten von Damaskus, wie für zahlreiche Wasserleitungen innerhalb der Stadt benutzt.“[189]

Ferner behauptet man, daß der Kerkermeister zu Philippi, von dem in Apg. 16, 33 berichtet wird, nur übergossen worden sei, da im Gefängnis, wo die Taufe vorgenommen wurde, nicht so viel Wasser vorhanden gewesen sei, daß dieselbe durch Untertauchen hätte vollzogen werden können. Wir müssen vor allem von vornherein in Abrede stellen, daß die Taufe überhaupt im Gefängnis vollzogen wurde. Beachten wir die Ereignisse in ihrer genauen Reihenfolge, so ergibt sich folgendes:

1. Der Kerkermeister führte Paulus und Silas zunächst aus dem Gefängnis und nahm sie in sein Haus auf. Verse 30–33.

2. Sie verkündeten ihm hier das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. Vers 32.

3. Er wusch ihnen die Striemen ab, und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald. Vers 33.

4. Er führte sie in sein Haus und setzte ihnen Speise vor. Vers 34.

Aus dieser Erzählung geht klar hervor, daß die Taufe nicht im Gefängnis geschah. Eine Tatsache ist es, daß es in den Häusern oder im Hofe der Griechen und Römer jener Zeit stets geräumige Badebassins gab, in denen man eine Taufe durch Untertauchen leicht ausführen konnte. So schreibt z. B. Adam: „Die alten Römer hatten Bäder, kalte und warme, in ihren eigenen Häusern.“[190] Ebenso Dr. Winer: „Man badete nicht nur in Flüssen sondern auch zu Hause, indem der Hof bei Vornehmen immer auch ein Bad umschloß.“[191] „Selbst in Festungstürmen waren zuweilen Bäder angebracht. Josephus bell. jud. 5, 4. 3.“[192] Und der Geograph Dr. Arendts schreibt in seinem Bericht von den Ausgrabungen der Stadt Pompeji: „Man hat die Absicht, diese in ihrer Art einzige Stadt durchgängig aufzugraben, um das häusliche Leben der Römer... zu enthüllen; bis jetzt ist mehr als ein Viertel derselben aufgegraben. Es gibt keine Ruinen, welche ein höheres Interesse einflößten, als die von Pompeji; alles findet sich hier so, wie es am Tage vor der schrecklichen Katastrophe bestand, welche im Jahre 79 nach Chr. diese Stadt unter eine Decke vulkanischer Asche begrub, die jedoch kaum einige Fuß hoch die Giebel der verschütteten Gebäude überragt. Noch sind im Straßenpflaster die Wagengeleise zu sehen. Schon schreitet man in ihren zu beiden Seiten mit Trottoirs eingesäumten Straßen einher und über die mit schönen Gebäuden gezierten Plätze hinweg; schon besucht man ihre Tempel und die Paläste der Großen; man tritt in ihre Theater und untersucht die Verkaufsgewölbe, die Schenken und die Häuser von Privatpersonen jeder Klasse. Diese letzteren gleichen alle einander; die größten, sowie die kleinsten haben im Innern einen Hof, in dessen Mitte sich ein Bassin befindet.“[193] Apg. 16, 13 zeigt, daß sich in der Nähe des Gefängnisses auch ein Fluß befand. Würde der Apostel die Taufe durch Besprengung vollzogen haben, so hätte er auf keinen Fall dem Gesetze der Verordnung gemäß gehandelt, denn Jesus sagt: „taufet“ (tauchet), nie aber „sprenget“.

Ein römisches Privathaus mit einem Badebassin im Hof.

Überschauen wir nun noch einmal das ganze Beweismaterial, welches zugunsten der Besprengung angeführt wird, so gelangen wir zu der Überzeugung, daß keines der angeführten Beispiele als Beweis für die Form der Taufe durch Besprengung oder Begießung dienen kann, sondern daß es nur schwache Rohrstäbchen sind, auf die man baut, um ja nicht seine „Lieblingsdogmen“ und eigenen Ideen opfern zu müssen.

Als letzten biblischen Beweis für die Besprengung zieht man 1. Kor. 10, 2 an — als letztes schwaches Rohrstäbchen, an das man sich verzweifelnd als den Hoffnungsanker zu klammern sucht. Hier wird die Idee verteidigt, daß die Israeliten durch die Wolke über ihnen und durch das Meer „besprengt“ wurden und daß dies beweise, daß besprengen gleichbedeutend sei mit taufen. Die Sprache sowie die Tatsache lassen eine solche Zusammenstellung gar nicht zu, denn wir lesen nicht: besprengt mit der Wolke und mit dem Meer, sondern: „getauft in der Wolke und in dem Meere“.[194] Auch war die Wolke, mit der die Israeliten bedeckt waren, keine Regenwolke, noch finden wir irgend einen Anhaltspunkt dafür, daß die Kinder Israel durch die Wasser des Meeres besprengt wurden, denn es heißt, daß sie mitten im Meer auf dem „Trockenen“ gingen.[195] Die Tatsache ist einfach die: Als Mose seinen Stab ausstreckte, teilte sich das Wasser und türmte sich auf beiden Seiten wie eine Mauer auf und bildete auf diese Weise ein tiefes Grab, über ihnen die Wolke, mit der sie bedeckt wurden. Der Psalmist sagt: „Er breitete eine Wolke aus zur Decke und ein Feuer, des Nachts zu leuchten.“[196] Auf diese Weise waren die Israeliten im Meer und in der Wolke gänzlich begraben, welches den vollen Sinn von Taufen, d. h. Untertauchen gibt. Wie man nun ein solches Bild zugunsten der Besprengung verwendet, ist unverständlich und vor allem unberechtigt.

Gataker gibt folgende der Tatsache entsprechende Erklärung zu 1. Kor. 10, 2: „Wie in dem christlichen Ritus die zu taufenden Personen von dem Wasser überflutet und gleichsam darin begraben werden, — und wiederum, wenn sie herauskommen, wie aus einem Grabe heraufsteigen, so konnte es scheinen, daß die Israeliten, als sie durch das Wasser des Meeres gingen, welches höher denn ihre Häupter war, von demselben überflutet und gleichsam darin begraben waren; und wiederum, daß sie auftauchten und erstanden als sie das andere Ufer erstiegen.“[197] Ebenso J. G. P. Schmid: „Die Israeliten wurden bei ihrem wundervollen Durchgang durchs Rote Meer von der sie begleitenden Wolke und dem auf beiden Seiten aufgelaufenen Meer bedeckt wie der Täufling beim Untertauchen. So wurden sie durch jene auffallenden Zeichen auf Mose getauft oder zur Folgsamkeit gegen ihn, als einen göttlichen Gesandten, verpflichtet.“[198]

Israels Durchgang durchs Rote Meer.

Wenn Besprengung oder Begießung vorzuziehen wäre, wie man immer behauptet, warum haben dann Jesus und die Apostel, wenn sie von dieser bedeutsamen Handlung sprachen, nicht ein Wort gebraucht, welches den Sinn von Besprengen oder Begießen hatte? Oder, wenn Jesus und die Jünger der Art der Handlung einen so großen Spielraum geben wollten, d. h. daß es ganz gleichgültig wäre, in welcher Art und Weise man die Taufe vollziehe, so fragen wir wiederum, warum gebrauchten sie dann nicht die verschiedenen Wörter, welche in Wahrheit „Sprengen“, „Tauchen“ und „Schütten“ bedeuten? Die Schreiber des N. Testaments erwähnen den Ritus der Taufe fünfundsiebenzigmal, und jedesmal gebrauchen sie das Wort „baptizein“, welches nur die spezielle Bedeutung von Untertauchen hat.[199] Fünfzehnmal wird Johannes als der „Baptistés“ (Täufer) bezeichnet, weil er diese Handlung an den bußfertigen Seelen ausführte.[200] Trotzdem sie so oft auf die Taufhandlung hinweisen, gebrauchen sie nie eine Bezeichnung für dieselbe, die uns den Sinn von Besprengen (rhantizein) oder Übergießen gibt. Die Wahrheit ist also die, daß die Lehrer der Urkirche in keiner andern Weise die Taufe vollzogen als durch Untertauchen, und wer es ihnen doch andichten will, der wisse, daß die Apostel solche Weise nicht hatten und die Gemeinde Gottes auch nicht.[201]

Ursprung der Begießung und Besprengung.

Je mehr die Kirche sich ihres weltgeschichtlichen Berufs und ihrer weltbeherrschenden Macht bewußt wurde, desto mehr wich sie von den klaren Verordnungen der Schrift ab und änderte dieselben in anbequemender Weise um, da viele der Meinung waren, daß sie dem begonnenen Siegeslauf der Kirche hinderlich wären. Diese Meinung hegte man besonders in Afrika. Afrika war schon zu Tertullians Zeit, besonders aber später, ein wahres Treibhaus für allerlei abergläubische und unbiblische Neuerungen. Wie die dreifache Untertauchung, so hat auch die Besprengung und Begießung Nordafrika als Heimat. Das göttliche Original wurde in frevelnder Weise beiseite geschoben, um den eigenen menschlichen Erfindungen Platz zu verschaffen. Wir haben aus Tertullians Schriften bereits nachgewiesen, daß Tertullian selbst die Taufe durch Untertauchung vollzog und daß diese Weise in seinen Tagen als allgemeine Regel galt. Doch erwähnt Tertullian bei der Gelegenheit einer Disputation über die Frage, ob die Jünger mit der Taufe des Johannes getauft waren oder mit einer anderen, die Besprengung und Begießung. Er sagt: „Andere hingegen machen, allerdings gezwungen genug, geltend, als die Apostel im Schifflein von den Wellen bespritzt und überschüttet wurden, so habe dies bei ihnen die Stelle der Taufe vollständig vertreten, und Petrus namentlich sei, als er über dem Meer einherwandelte, genügsam eingetaucht worden.“[202] Durch diese Äußerung will man behaupten, daß die Besprengung schon zur Zeit Tertullians im Gebrauch war. Dies kann aber der Bemerkung Tertullians auf keinen Fall entnommen werden, sondern nur soviel, daß die „Besprengung“ als genügend erachtet wurde, um die Taufe zu ersetzen. Tertullian ist aber dieser Ansicht entgegen, indem er erklärt: „Aber ich meine, etwas anderes ist es, durch die Heftigkeit und Gewalt des Meeres durchnäßt oder hinweggerissen zu werden, und etwas anderes ist eine in Untertauchung bestehende Religionshandlung.“[203] Es verhält sich mit der Frage der Besprengung in den Tagen Tertullians ebenso wie mit der Kindertaufe. Man hat beides in Erwähnung gebracht, aber nie in der Praxis ausgeübt. Für diese unsere Behauptung haben wir genügenden geschichtlichen Beweisgrund, auf den wir uns stützen können.

Interessant ist es, zu sehen, auf welche Weise die Besprengung und Begießung entstanden sind und ihre Aufnahme in die Kirche gefunden haben. Das erste, was wir von einer Besprengung oder Übergießung finden, ist zur Zeit, als Cyprian in Karthago das Episkopat inne hatte. Cyprian — nebenbei gesagt — hatte für solche Neuerungen ein weites Herz. Dies geht klar aus einem Briefe eines gewissen Magnus hervor, der sich an Cyprian mit der Frage wandte, was er von „jenen halte, welche auf dem Krankenbette die Taufgnade empfangen haben, ob sie nämlich, da sie vom Heilswasser nicht gewaschen sondern nur übergossen worden sind, als rechte Christen angesehen werden könnten“.[204] Auf diese Frage antwortete Cyprian: „Die Wasserbesprengung ersetzt das heilsame Bad; denn wahrlich, der hl. Geist wird nicht nach Maß (des Taufwassers) gegeben, sondern völlig ausgegossen.“[205] Er war der Meinung, daß, wo der Glaube vorhanden wäre, könne die Taufe ohne weiteres anstatt durch Untertauchung auch durch Besprengung vollzogen werden. Die Besprengung ist also nach diesen beiden Briefen dadurch entstanden, daß man die Kranken und Sterbenden nicht nach der biblischen Regel untertauchte, sondern auf dem Bette, wo sie lagen, einfach besprengte oder übergoß. Dies nannte man klinische Taufe. Auf diese Weise wurde Novatus getauft, den der römische Bischof Cornelius (gest. 252) in seinem Synodalbrief an den Bischof Fabius von Antiochien in Erwähnung bringt, indem er sagt: „Novatus wurde im Bette besprengt und erhielt so die Taufe, wenn ein solcher Empfang diesen Namen verdient.“[206]

Den Anlaß, die Taufe bis auf das Krankenlager hinauszuschieben, gab offenbar die Lehre, daß die Taufe die Wirkung habe, alle Sünden wegzunehmen und die Gnade und Seligkeit erteile; ferner — und das war das Schlimmste, — daß die nach Empfang der Taufe begangenen Sünden nicht vergeben werden können.[207]

Die Krankenbegießung.

Wenn auch einzelne Kirchenväter, wie zum Beispiel Cyprian, die klinische Taufe als vollkommenen Ersatz für die Taufe durch Untertauchung erklärten, „so hielten sie dagegen andere für eine unvollständige Taufe und wollten den Kliniker, wenn er gesund wurde, mit Ausnahme dringender Notfälle vom Klerikate ausgeschlossen wissen“.[208] So wird z. B. auf dem Konzil zu Neu-Cäsarea im Jahre 314, Kanon 12, beschlossen: „Wer die Krankentaufe erhielt, könne nicht zum Priester befördert werden; — denn nicht aus freiem Entschluß, sondern aus Not (Furcht vor dem Tode) legte er das Glaubensbekenntnis ab.“[209] Dasselbe beschließt die Reformsynode zu Paris im Jahre 822.[210] Papst Stephan II. (752–757) wurde von den Mönchen zu Cressy betreffs der Gesetzlichkeit, ein Kind in der Not, die durch Krankheit veranlaßt wäre, zu taufen, indem man ihm Wasser mittels eines Bechers auf den Kopf gießt, befragt. Der Papst erwiderte: „Eine solche Taufe, in einer solchen Not und im Namen der hl. Trinität vollführt, soll als bündig gelten.“[211]

Dieser Taufmodus wird durch mehrere Grabmäler aus dem 3. und späteren Jahrhunderten, auf denen, wie auch auf Gemälden, Abbildungen mit dieser Art der Taufhandlung vorkommen, bestätigt. Dr. Brenner schreibt z. B.: „Auf einem sehr alten bei Neapel vorgefundenen Sarkophage sind zwei gekrönte nackende Personen verschiedenen Geschlechts in einem Kessel stehend abgebildet, und an ihrer Seite eine männliche Figur aus einem Becken Wasser über den Kopf der ersteren schüttend, wodurch nach einigen Kritikern die Taufe der bayrischen Prinzessin Theodolinde und ihres königlichen Gemahls Authar vorgestellt sein soll. Dies wäre somit noch am Ende dieser Periode (des 6. Jahrh.) ein merkwürdiges Beispiel von einer Taufe durch Aufgießung.“[212]

Auf dem englischen Konzil am 27. Juli 816 zu Celchyt wurde das Begießen ausdrücklich verboten.[213] Und das Konzil von Nemours 1284 beschränkt es auf Notfälle. Erst das Konzil zu Ravenna vom Jahre 1311 läßt zwischen Untertauchung und Begießung die freie Wahl. Seit dem Ende des 13. Jahrh. ist die Besprengung die allgemeine Regel in der abendländischen Kirche geworden. Prof. Drews schreibt: „Bis zu Cyprians Zeit war die Untertauchung herrschende Sitte, außer in besonderen Fällen. Seit dem 4. Jahrh. wird es in einigen Kirchen üblich, die Untertauchung durch eine reichliche Begießung des Hauptes zu ersetzen; dabei steht aber der Täufling im Wasser.“ „Die Besprengung des Kopfes, wie wir sie üben, wird erst im 13. Jahrh. der allgemeine Brauch, aber nur im Westen. Die östliche Kirche hält noch heute an der vollen Untertauchung fest.“[214] Bald darauf (nach dem 13. Jahrh.) finden wir Synodalbeschlüsse, welche die Besprengung streng vorschreiben. So wird dieser Ritus nach Dr. Höflings Angabe auch ausdrücklich vorgeschrieben in der Pommerischen Kirchenordnung vom Jahre 1563, sowie auch in der Österreichischen vom Jahre 1571, der Hohenlohischen von 1578, der Straßburger von 1601 und 1605, der Hanauischen, Ulmischen und Badischen.[215]

Die geschichtliche Tatsache ist also die, daß der Ritus der Besprengung und Begießung nicht apostolische Praxis war, sondern erst in der ersten Hälfte des 3. Jahrh. in den Tagen Cyprians entstanden ist, und man sie anfänglich nur an schwerkranken und sterbenden Personen in Anwendung brachte. Später, nach Cyprians Zeit, finden sich Spuren davon, daß man auch gesunde Personen, wenn auch sehr selten, durch reichliches Übergießen taufte oder, wie Dr. Augusti in seiner christlichen Archäologie VII, S. 231, berichtet, auch dadurch, daß man den Kopf des Täuflings ins Wasser tauchte, wobei er aber im Wasser stand, und da man die Sache eben noch bequemer haben wollte, so wandelte man die Taufhandlung schließlich in ein bloßes Besprengen der Stirn des Täuflings um.[216]

Man kann sich aus dem Lauf der Dinge ein klares Bild machen, wie nach und nach aus dem Seltenen und Ausnahmsweisen eine strenge, allgemein kirchliche Regel geworden ist, an der auch nicht ein Jota verändert werden darf. Wie konnte nur die westliche Kirche von der uralten Sitte des Untertauchens, offenbar und unbestritten apostolischer Praxis, abgehen, und wie ist diese Abweichung zu verstehen und zu rechtfertigen?