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Die
Eroberung von Peru.

Historische Originalnovelle

von

Don Pablo de Avecilla

General-Kriegsauditeur.


Aus dem Spanischen übersetzt

von

Adolf Knabenhans.

Erfurt, Zürich, Leipzig.

Verlag von Eduard Moos.
1894.



Einleitung.

Wenn wir im sechszehnten Jahrhundert auf alle europäischen Festländer, auf die ganze alte Welt einen philosophischen Blick werfen, zieht sich die Seele eines jeden gefühlvollen Menschen schwermüthig zusammen und sein Herz pocht bewegt. Denn nicht nur in Spanien war es, wo man unter dem Geklirre sarazenischer Waffen mit Entsetzen das harte Joch der Feudalherrschaft und hernach die Tyrannei der Könige verspürte; nicht nur die spanischen Grenzgebiete schauderten bei der Betrachtung der gräßlichen Auftritte, womit der düstere Fanatismus die reine und süße Religion Perus mit Blut befleckte; in dichte Nebel der Unwissenheit gehüllt, bot die alte Welt, wo man hinsah, den trostlosesten Anblick dar, und das Betragen der in jenem traurigen Zeitabschnitt der Oeffentlichkeit angehörenden Männer, nach der Moralität und Philosophie unseres Jahrhunderts zu bemessen, hieße in sehr schwere Irrthümer gerathen. Der allergrößte Held des sechszehnten Jahrhunderts wäre der, der vereinigt mit der wilden, persönlichen Verwegenheit in den Kämpfen, in heldenmüthigerem Grade den religiösen Fanatismus seiner Zeit besäße.

In so düstern Augenblicken war es, als die Kühnheit der Europäer sie bis nach dem Festlande der neuen Welt führte. Jene entlegenen Gestade, voller Unschuld und Arglosigkeit, bildeten den schrecklichsten Gegensatz zu den verfinsterten Herzen ihrer Entdecker. Aber nein; ferne von uns der Gedanke, die schändlichen Auftritte zu beschreiben, die der gefühlvolle Philosoph Raynal in seiner Geschichte der europäischen Niederlassungen beider Indien geschildert hat; ferne von uns, den Fußstapfen Robertsons in seiner Geschichte von Amerika zu folgen, weit entfernt endlich, mit feuriger Begeisterung den Greuel kläglicher Zeitabschnitte überladen zu wollen. Wenn die Pflicht jedoch geschichtlicher Novellenschreiber uns Thatsachen berühren hieße, mag es mit möglichster Leichtigkeit geschehen, und ohne deren düstere Farben zu überladen.

Alle Nationen Europas gründeten mehr oder weniger wichtige Niederlassungen in der neuen Welt, und alle Europäer verheerten deren Grenzgebiete; aber nur die Spanier beherrschten in ihr ausgedehnte Reiche und ungeheure Länderstriche, und die Kampfplätze der neuen Gestade werden kaum genügen, die Thaten der Tapferkeit und die Heldenthaten der spanischen Heroen aufzuzählen. Vertraut mit dem Kriege in achthundert Jahren der Kämpfe mit den Sarazenen; an die Verfolgung und Ausrottung der Gläubigen Mahomets gewohnt, mußten sie in den neuen Gebieten mit den Anbetern anderer Götter jenen selben Charakter des Schreckens und der Rohheit entfalten, der ihnen im Verlaufe so vieler Jahrhunderte bereits eigen und

angeboren war. Die berühmten Ritter, in denen die wenigen Tugenden jenes Zeitabschnittes glänzen konnten, überließen, noch an die glänzenden Kreuzzüge gewohnt, die Gefahren der Wellen habsüchtigen Abenteurern, die sich mehr nach Gold und Reichthümern, als nach den frühern Lorbeeren der Kampfplätze von Palästina sehnten.

Wohl hausten die Spanier mit den wilden Naturtrieben jener Jahrhunderte entsetzlich auf dem neuen Festlande; ihre Verbrechen aber wären immer Verbrechen des sechszehnten Jahrhunderts, Verbrechen, die allen Europäern gemein waren, welche die neue Welt überflutheten; eigentliche Verbrechen des Fanatismus jener Zeiten der Unwissenheit und des Irrthums; kurz, Verbrechen von Abenteurern, die wie alle europäischen Abenteurer, den Tod oder ihren Ehrgeiz an den Schätzen des jungfräulichen Amerikas zu sättigen suchten; wenn uns aber die ersten Blätter der Geschichte der neuen Welt beschwerlich fallen könnten, verdankten doch am Ende jene Regionen den Spaniern die Liebe zur Freiheit, und das wahre Christenthum, die sie zur Civilisation und Unabhängigkeit geführt haben. Und heute können wir zufrieden ganz Europa sagen: Sie nennen uns unsere Brüder!

Inhalts-Verzeichniß.


Einleitung.Seite
Kap.
1. Die katholischen Könige[1]
2. Columbus[7]
3. Mexiko[14]
4. Pizarro, Luque und Almagro[27]
5. Peru[39]
6. Tumbez[51]
7. Huldigung[61]
8. Fromme Bräuche[70]
9. Waffenstillstand[80]
10. Leichenbegängniß[89]
11. Taufe[98]
12. Feindseligkeiten[109]
13. Atahulpa[122]
14. Cajamalca[134]
15. Knechtschaft[145]
16. Verstärkung[156]
17. Cuzco[163]
18. Botschaft[172]
19. Sieg[188]
20. Duell[198]
21. Staatsklugheit[210]
22. Verurtheilung[223]
23. Die Anden[238]
24. Rache[254]
25. Schluß[269]

Kapitel 1.
Die katholischen Könige.


Es ließe sich unsern Lesern die vollkommene Uebereinstimmung der peruanischen Handschriften und Texte, welche uns bei Abfassung dieses Werkes gedient haben, schlecht vor Augen führen, wenn wir den politischen Stand der alten Welt im sechszehnten Jahrhundert nicht mit kurzen, leichten Strichen zu schildern und den Hof der katholischen Könige und dessen innere wie äußere Lage nicht etwas zu ergründen suchten.

Spanien, dieser von der schönsten Sonne Europa’s beschienene Boden, ist zu allen Zeiten der Tummelplatz gewesen, worauf mit Waffengewalt die Schicksale der alten Welt entschieden worden sind. Nachdem sich die kriegerische Republik Karthago auf den keltiberischen Schlachtfeldern besiegt sah, unterlag auch die römische Hoheit auf ihren Kampfplätzen; und wenn der Thron der Gothen im Verlaufe von Jahrhunderten auf unserm Boden an Volksthümlichkeit und Macht zunahm, so öffnete die Weichlichkeit der Höfe Witizas und Rodrigos den hinterlassenen Söhnen Libyens die

Thore Spaniens und duldete, damit ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit und sogar ihren religiösen Glauben verlierend, während acht Jahrhunderten das harte, verhängnißvolle Joch der Sarazenen.

Aber der spanische Löwe sollte nicht immer niedergeschlagen zu Füßen seiner Unterdrücker brüllen; das Vaterland der Heroen erhob sein furchtsames Antlitz und Damaskus erbebte. Der Trieb zur Freiheit und die Liebe zum Vaterlande, eins mit dem Fanatismus und dem Aberglauben, reizten die alten Keltiberen und Lusitaner bei Cueba Donga auf und Pelayo eröffnete den hartnäckigsten und blutigsten Feldzug, den die Geschichte jemals bekannt gab. Siebenhundertachtzig Jahre der Kämpfe und dreitausendsiebenhundert Schlachten hatten die Sarazenen von den kantabrischen Gebirgen bis zu den Bergen vor Toledo hinabgetrieben, von den Bergen vor Toledo in die unwegsamen Sierras [1] von Andalusien und hatten sie endlich bis vor die Mauern von Granada gebracht. Ferdinand und Isabella behielt das Schicksal den Ruhm vor, die Kreuzesfahne auf den Zinnen der Alhambra flattern zu lassen und wenigstens für einmal machte der Fanatismus mit der Freiheit gemeinsame Sache.

Zu so einem ungeheuren Feldzuge mußten von ihm mächtige Heere auf dem Fuße gehalten werden, da er, selbst mit genügenden Hülfsquellen für ausgedehnte Pläne, nicht einmal ein System öffentlicher Angelegenheit geschaffen hätte. Obschon die katholischen Könige,

alle Jahre die Fluren der Sarazenen verwüstend, mit fünfzig- bis siebzigtausend Mann einzogen, bestanden diese Heere doch nur aus Vasallen, welche ihnen in früherer Zeit die feudalen Herren liehen, oder dann aus Fanatikern, die der Herr im Vatikan im Namen Gottes vierzig Tage lang aufwiegelte. Das französische Heer Karls VII. war die erste stehende Macht, welche Europa kannte, und welche den bedeutenden Umschwung vorbereitete, den Adeligen die Führung der staatlichen Militärgewalt zu entziehen. Die Könige waren machtlos; ihre Staatskasse war so schwach, daß sie sich weder auf Kosten noch auf Unternehmungen einlassen konnten, und gingen sie das Volk darum an, leistete dasselbe ihnen nur geringen Beistand.

Am zweiten Tage des Jahres 1493 zogen Ferdinand und Isabella als Sieger in Granada ein; um die Herrschaft der Sarazenen war es in Spanien geschehen und durch die Vereinigung der Krone von Aragonien und Castilien in Folge Vermählung dieser beiden Fürsten wurden, wiewohl sie keine unumschränkte Macht besaßen, ihre Besitzungen sehr ausgedehnt. Die gesetzgebende Gewalt lag in den [Cortés] und die ausführende des Königs war sehr begrenzt. Das romantische Zeitalter war noch nicht ganz zu Ende; die Herzhaftigkeit, Leutseligkeit und Tapferkeit waren das Unterscheidungszeichen der adeligen Ritter, das Feudalwesen aber erfreute sich unumschränkter Macht; die lehenspflichtigen Herren waren die Könige und die Monarchen hohle Truggestalten ohne Glanz und ohne Pracht. Doch Ferdinand, der die Frucht von viertausend Siegen

einheimste, wußte die Vortheile, welche ihm die politische Lage darbot, auszunutzen. Von hohem Verständniß in der Zusammenstellung seiner Pläne, zehrte die Thätigkeit, die Standhaftigkeit und Entschlossenheit zu deren Ausführung, das Werk des Tyrannen, das ihm sein Herz eingegeben und sein Stolz vorgeschrieben hatte, auf. Ferdinand, vom Hofe in Rom nur der Katholische genannt, weil er ihn fürchtete, beraubte die frommen Väter, das eine Mal unter verschiedenen Vorwänden, das andere Mal unter Anwendung grausamer Gewaltthätigkeiten und viele Male durch Urtheilssprüche der Gerichtshöfe, eines Theiles der Besitzungen, die sie von der unbesonnenen Großmüthigkeit der früheren Monarchen und hauptsächlich von der Schwachheit und Verschwendungssucht seines Vorgängers, Heinrichs IV., erlangt hatten. Prächtig gestaltete er seinen Hof und flößte den Großen mit Flitter und Prunk Achtung ein. Er einverleibte der Krone die mächtigen Würden der Orden von Santiago, Alcantara und Calatraya, und er war (wiewohl seine Macht noch geringer als die anderer Herrscher Europas war) beständig ein scharfsinniger Tyrann, wo es galt, das Volk seiner Freiheiten zu berauben. Spanien war, bis auf die vollständige Niederlage, auf den Schlachtfeldern von Villalar frei.

Wenn so viele Vortheile den Thron Ferdinands riesenhaft zu gestalten vermochten, so schwächten jedoch seine politischen Mißgriffe dessen Macht. Die Bekehrungswuth, das unzertrennliche Attribut der Fanatiker, beherrschte Ferdinand, oder beherrschte zum

mindesten dessen Politik, denn kaum flatterte die Fahne Zions auf den Mauern Granadas, als eine unsinnige Verordnung den in allen spanischen Provinzen zerstreuten Juden und Mohamedanern anbefahl, sich binnen vier Monaten taufen zu lassen oder aus den spanischen Besitzungen hinauszugehen. Wenige wurden getauft, aber achthunderttausend jeden Alters und Geschlechts suchten unter anderen Himmelsstrichen Duldung für ihren Glauben. Die durch den Krieg verheerten Fluren, der in wenigen Händen befindliche Grundbesitz, die kurze Ausdehnung des Handels und die geringe Entfaltung des innern Verkehrswesens, Alles machte, daß der Ackerbau nachließ und der öffentliche Reichthum sehr spärlich wurde. Ein verheerender Krieg von acht Jahrhunderten, eine schreckliche, vom Fanatismus vorgeschriebene Auswanderung, die den feudalen Rechten eigenthümliche Lähmung der Ehen, Alles trug zur Entvölkerung und zur Spärlichkeit der Arme für die Pflege der Künste und Wissenschaften bei.

Das war Spaniens politischer und innerer Zustand, als Columbus vor die spanischen Monarchen hintrat und ihnen ein ungeheures Reich anbot, dessen Vorhandensein ihm sein Antrieb eingegeben hatte. Obschon ein wenig über den Trümmern der Feudalherrschaft erhaben, war Ferdinand ein Herrscher, dessen schwache Staatskasse den inneren Anforderungen nicht genügte; ein Monarch, der nicht allzusehr auf die Liebe seines Volkes rechnete; ein Monarch endlich von größerer Pracht und Eitelkeit an seinem Hofe als Macht für

ausgedehnte Unternehmungen, und da seine ganze Aufmerksamkeit von der Niederlage der Sarazenen in Anspruch genommen war, war es nicht leicht, daß er einem Manne, den ganz Europa für einen Träumer hielt, Gehör schenkte.

Wenn diese politische Lage den tugendhaften Entdecker der neuen Welt auch nicht gerade begünstigte, so stellte sich ihm die Unwissenheit und der Fanatismus als ein beinahe unüberwindliches Hinderniß entgegen. Die Unfehlbarkeit des Papstes hatte diejenigen, welche an das Vorhandensein der Antipoden glaubten, mit dem Kirchenbann belegt, und Spanien, wie alle Nationen, in Dummheit und religiöser Furcht begraben, war es nicht leicht, der Meinung eines dunkeln Mannes zu folgen, wo Papst und Genesis jede Zuverlässigkeit aufgaben. Es wäre schwierig, die Wegräumung so vieler Hindernisse zu erforschen, ohne dem Ehrgeiz der Könige nachzuspüren; die heftige Begierde aber, zu regieren, und das großartige Gepränge, ganze Reiche an den Siegeswagen zu befestigen, welche die katholischen Könige zu beherrschen schien, ließen sie dem unerschrockenen Columbus Gehör schenken, und indem sie der Genesis und dem Papste Stillschweigen geboten, warfen sie sich, auf der Suche nach Sklaven und Schätzen, der Wuth unbekannter Meere in die Arme.

Kapitel 2.
Columbus.

Durch die Eroberungen, welche sie täglich den Händen der Sarazenen entrissen, stolz, und in Folge der Triumphe, die sie, um ihre oberherrliche Macht damit zu vergrößern, über ihre Vornehmsten und den Adel, denen sie ihre alten, verbrieften Rechte entrissen, davontrugen, übermüthig geworden, hielten die katholischen Könige verwegen Ausschau auf den Ocean und ließen sich leicht von dem angenehmen Taumel bethören, daß es hinter jenen beweglichen Bergen von Wogen noch andere Reiche und andere Kronen gäbe, um damit ihre Stirnen zu schmücken und ihre Macht zu vergrößern. Es war ein kühner Mann, der, größer als sein Jahrhundert, eine neue Welt zu ihren Füßen niederlegte, und die frühere Halbinsel war schon eng begrenzt, um die Macht der Könige von Aragonien und Castilien in sich zu schließen. Columbus schmeichelte der Eitelkeit dieser gewaltigen Herrscherpaare und Papst und Genesis mußten vor dem unbeugsamen Willen der Eroberer Granadas, die an den riesigen Thron Karls V. noch eine neue Welt knüpfen wollten, verstummen.

Christoph Columbus, von Geburt ein Genuese, hatte sein kostbares Dasein mit mehr oder weniger wichtigen Seereisen zugebracht. Dieser unbekannte Mann, an Kenntnissen in der Astronomie und der Schifffahrt weiter fortgeschritten als sein Jahrhundert, wußte wie aus eigenem Antriebe, daß es noch einen andern Erdtheil haben mußte, und daß ihm der ewige Ruhm, denselben zu entdecken, vorbehalten blieb. Die Antipoden, welche die Vernunft als ein Hirngespinnst und der Aberglaube als einen Irrthum und als eine Gottlosigkeit hinstellten, waren für diesen außerordentlichen Mann eine unbestrittene Wahrheit. Von dieser Idee, der großartigsten, die je ein Mensch erdachte, besessen, schlug er seiner Vaterstadt Genua vor, eine andere Erdhälfte unter deren Gesetzgebung zu stellen. Von dieser schwachen Republik, von Portugal, wo er lebte, von England, das stets für irgend ein überseeisches Unternehmen bereit zu sein schien, verachtet, setzte er die einzigen Hoffnungen seiner Pläne auf Isabella.

Die Minister dieser Prinzessin hielten den Mann, der eine neue Welt entdecken wollte, gleich anfangs für einen Träumer, und lange Zeit hindurch behandelten sie ihn, wie gewöhnliche Menschen inmitten ihrer Glücksgüter Männer von Genie zu behandeln pflegen, von oben herab. Columbus jedoch schrak angesichts der Schwierigkeiten nicht zurück. Er besaß, wie alle diejenigen, welche außergewöhnliche Pläne schmieden, die Seelenhoheit und die Begeisterung, die sie gegen irrige Meinungen, gegen höhnische Verachtung des Stolzes,

das Erniedrigende des Müßiggangs belebt. Entschlossen, energisch und muthig, triumphirte seine Klugheit und seine Geschicklichkeit über alle Hindernisse. Isabella verkaufte ihr Geschmeide und ihre Edelsteine, sie berief sich auf ihren Hof, und nachdem drei Fregatten mit neunzig Mann Besatzung für ihn ausgerüstet worden waren, ging Columbus am 3. August 1493 unter Segel, um die Welt in Erstaunen zu setzen.

Christoph Columbus gedachte die alte Welt umzugestalten und sein Unternehmen erforderte hohen Muth. Nach einer langen Seefahrt fingen die Mannschaften, entsetzt ob der ungeheuren Entfernung, welche sie von ihrem Vaterlande trennte, an, mißtrauisch darüber zu werden, an das Ziel ihrer Wünsche zu gelangen, und mehrmals wollten sie Columbus in’s Meer werfen, um wieder nach Spanien zurückzukehren. Der Admiral verstellte sich, so viel es ihm möglich war, bis daß, als er bereits den Ausbruch mit dem entsetzlichen Knalle bedrohen sah, er vorschlug, daß, wenn sie in drei Tagen kein Land entdeckten, sie nach Europa segelten. Glücklicherweise wurde noch vor dem dritten Tage, im Monat Oktober, die neue Welt entdeckt. Columbus landete auf der Insel San Salvador und nahm im Namen Isabellas Besitz von ihr. Kein Mensch hielt es damals in Europa für ungerecht, sich eines nicht von Christen bewohnten Landes zu bemächtigen! Bei dem Anblick der Schiffe und der von ihnen so sehr verschiedenen Menschen verwirrt, flohen die Inselbewohner entsetzt in die Tiefen der Wälder. Die Spanier konnten einige packen, die

reichlich beschenkt und geherzt zurückkehrten, um ihre Horden zu schicken, was genug war, sich das ganze herumirrende Volk zuzuziehen.

Unter fröhlichem Gejauchze liefen die unglücklichen Bewohner der neuen Welt an das Gestade und erkannten die Schiffe und herzten die Europäer. Die Europäer hingegen, als sie kupferfarbene Menschen, ohne Bart in ihrem Gesicht, ohne Flaum an ihrem Körper, in natürlicher Einfachheit sahen, sahen dieselben für unvollkommene Thiere an, die zu ihrem Abscheu und dazu geboren waren, um sie an das Halseisen zu befestigen, um sie auf den Märkten zu verkaufen und sie zu ewiger Knechtschaft zu verdammen.

Die Insulaner, welche, die Wälder bewohnend, nach wildwachsenden Früchten der Natur suchten und ihrer Scham mit einfachen Geweben genügten, wußten nichts von dem Werthe der Metalle, und das verächtliche Kupfer und das ersehnte Gold stillten gleicherweise ihren einfältigen Stolz; sie zierten ihre Tempel und erhöhten den Liebreiz ihrer Schönen. Die Eindringlinge warfen inzwischen, auf der Suche nach kostbaren Metallen und Edelsteinen, durchdringende Blicke um sich her und sahen lächelnd die mit Schätzen beladenen Indianer in ihrem Zierrath und im Innersten ihres Herzens sannen sie auf Raub und Mord. Oh, erhabener Columbus! niemals wird die Geschichte deine Tugenden beflecken. Der Wissensdrang, nicht die Geldgier, gab dir das Vorhandensein neuer Erdtheile ein; hättest du das Buch der Schicksale der Völker aufschlagen können, so läge Amerika in ewiger Vergessenheit

da, und du würdest nicht die Wogen ruhiger und entfernter Gestade stören, um sie nachher von Blut geröthet zu sehen. Gefühlvoll, weichherzig und tugendhaft, warst du die Liebe der einfachen Inselbewohner und der Haß des Hofes von Castilien, und dein Gedächtniß soll, indeß die Erinnerung an deine Tugend in den Herzen fortlebt, der neuen Welt theuer sein.

Columbus’ unermüdlicher Eifer für Entdeckungen und der Anreiz des Goldes in den Spaniern brachte sie nach der Insel Santo Domingo und nach andern Festländern Amerikas. So lange als Columbus an der Spitze der Mannschaften stand, stieß der Ehrgeiz der Expeditionäre auf einen unüberwindlichen Damm. Da er aber wieder an den spanischen Hof zurück mußte, da er sich zu neuen Entdeckungen der Unendlichkeit des Meeres überlassen mußte, ließen die widerrechtliche Besitzergreifung, der Fanatismus, die Grausamkeit und Unmenschlichkeit ihre Wuth an den unschuldigen Sonnenanbetern aus. Ohne andere Waffen als ihren Bogen und ihre Pfeile von Holz oder aus Fischgräten wagten die Indianer vergebens Zusammenstöße mit Feinden, deren Waffen, deren Mannszucht denselben so große Vortheile gewährten. Von ihren schwachen Opfern wie Götter angesehen, stimmten dieselben, bevor sie kämpften, den Sieg an und ihre Trophäen waren unmenschlich von Blut geröthet. Columbus jedoch warf die Ruchlosen zu Boden und war der Schutzengel der Indianer. Columbus aber würde der erste tugendhafte Kriegsheld sein, der nicht ein Spielball der Höflinge wäre und der schließlich nicht den Fußstapfen Belisars

nachfolgte. Die Verleumdung richtete ihre grausamen Geschosse auf ihn und nachdem man ihn in Santo Domingo in Ketten zu legen befohlen hatte, wurde er wie der Gemeinste der Verbrecher nach Spanien geführt. Ueber so ein schimpfliches Vorgehen beschämt, ließ ihn der Hof zwar frei, jedoch ohne ihn an seinen Verleumdern zu rächen und ohne ihn wieder in seine Titel und Aemter einzusetzen. Das war das Ende dieses außerordentlichen Mannes! Die öffentliche Erkenntlichkeit hätte wenigstens diesem neuen Erdtheil den Namen des kühnen Schifffahrers, der ihn entdeckte, geben dürfen, und es wäre die geringste Huldigung, die zu seinem Gedächtnisse beitragen könnte; bald aber entrissen ihm der Neid, bald die Undankbarkeit, bald die Launen des Glückes, die also über den Ruhm gebieten, das Geschenk, welches ihm das Schicksal gewährt hatte, und sprachen es Florentino Vespucci zu, der nur seinen Fußstapfen nachfolgte. Der erste Augenblick, in dem Amerika für die übrige Welt bekannt wurde, wurde mit einer Ungerechtigkeit besiegelt. Verhängnißvolle Vorbedeutung derer, deren Schauplatz jene unglückseligen Länder werden sollten!

Nach dem Falle Columbus’ und dem Tode Isabellas fingen die Insulaner an, die ganze Entsetzlichkeit des sie bedrohenden Schicksals zu fühlen. Die Religion und die Politik des sechszehnten Jahrhunderts dienten dem gottlosen Gesetze, das Ferdinand der Katholische im Jahre 1506 erließ, in welchem er die Indianer den Eroberern zutheilte, damit sie dieselben bei den Ausbeutungen der Bergwerke und bei den

allerbeschwerlichsten Arbeiten verwenden sollten, zum Vorwande. So lange wir, sagten sie sich in der freien Ausübung ihres Aberglaubens, diese Barbaren lassen, werden sie weder das Christenthum umarmen, noch dem Gehorsam den Nacken beugen. Oh! würdige Politik des sechszehnten Jahrhunderts!... Die Inseln wurden in eine Menge von Bezirken eingetheilt, und jeder Expeditionär erlangte, je nach seinem Grade, seiner Gunst oder seiner Geburt mehr oder weniger Boden, und von diesem Augenblick an waren die Indianer Sklaven, die ihrem Herrn ihren Schweiß und ihr Blut schuldeten, und diese entsetzliche Verordnung wurde, da die Krone unerhörte Abgaben über die Arbeiten an sich nahm, auf allen Niederlassungen der neuen Welt befolgt.

Die Auszügler befriedigten ihren Ehrgeiz auf einige Augenblicke; aber die schwächlichen, einer unerträglichen Arbeit nicht gewachsenen und der Härte unmenschlicher Strafen erliegenden Indianer verschwanden von ihren fruchtbaren Gefilden, und kaum blieben noch Arme dafür übrig, wann der Augenblick der Rache donnerte. Umsonst berief man sich im sechszehnten Jahrhundert auf gute Colonisationsprinzipien; umsonst flehte man die Rechte der Menschlichkeit an; das gezückte Schwert und der Name des Eroberers; das Crucifix in der Linken und die Fackel in der Rechten; die Sklaverei oder der Tod; das Christenthum oder der Scheiterhaufen; das waren sie alle die großen Grundsätze des katholischen Hofes, wie aller Höfe Europas, in dem verhängnißvollen sechszehnten Jahrhundert.

Kapitel 3.
Mexiko.

Fanatismus und religiöse Vorurtheile entschieden im sechszehnten Jahrhundert in Vielem die Schicksale der Völker, und wenn, nachdem sie verschiedenen philosophischen Systemen und verschiedenen Glaubensansichten gehuldigt, die Völker der alten Welt sich sozusagen um das Kreuz geschaart hatten, waren doch die Nationen der neuen Festländer Opfer der falschen Prophezeihungen ihrer Priester und Propheten und die religiöse Furcht trug zur Herrschaft jener Reiche so viel bei, wie der Schrecken vor den Waffen ihrer Eroberer. Ehe wir uns daher den Gestaden Perus, dem Schauplatze unseres unsterblichen Vorläufers zuwenden, werden wir über das erste von den Spaniern eroberte Festland Amerikas und insbesondere über das von dem auf immer unsterblichen Fernando Hernan Cortés eroberte, ungeheure mexikanische Reich, philosophische Umschau halten müssen. Die Reiche Mexiko und Peru vereinigen in ihren religiösen Voreingenommenheiten und in den Weissagungen ihrer Propheten viele

Berührungspunkte unter sich. Im einen wie im andern Reiche sah man großen Revolutionen, welche von Osten her kommen sollten, entgegen, und diese Aehnlichkeit der Prophezeihungen wird unsern Lesern um so mehr auffallen, da dieselben ursprünglich Religionen und Priester hatten, welche unter sich den schrecklichsten Gegensatz bildeten. In Mexiko verehrte man falsche und grausame Götzenbilder und Menschenfresser, deren Priester die heiligen Altäre mit Menschenblut bespritzten. In Peru betete man die erhabene Gottheit der Sonne an und die Priester brachten ihr im Tempel unschuldige Opfer von Früchten dar, womit sie ihre Anbeter so reichlich beschenkte. Oh! unaussprechliche Geheimnisse der Verirrungen menschlicher Vernunft!

Nach dem Tode Columbus’ gründeten die Spanier in Jamaica, Puerto Rico und Cuba bedeutende Niederlassungen und Francisco Hernandez de Cordoba und Juan Grijalda erwarben im Jahre 1517 und 1518 in Betreff des mexikanischen Reiches, über dessen Macht, dessen Ausdehnung, dessen Sitten und Gesetze etc ausgedehnte Kenntnisse.

Die öffentliche Stimme jauchzte Fernando Cortés, der damals mehr wegen seiner Hoffnungen, die er versprach, als wegen der Thaten, die er aufzuzählen vermochte, bekannt war, als dem Eroberer Mexikos zu. Stark, kräftig, beredt, kühn, verschlagen, von der ganzen Begeisterung für den Ruhm, der die erste Tugend des Helden ausmachte, beseelt, sollte Cortés die Fahne Castiliens auf den Trümmern des Thrones von Montezuma aufpflanzen. So eine schmeichelhafte Aussicht

bot, wenn nicht noch schwerere Verbrechen so großen Ruhm verdunkeln würden, der erste Held Amerikas dar.

Nachdem er die Hindernisse, welche Neid und Haß wider ihn erregten, überwunden hatte, ging er am 10. Februar 1519 mit fünfhundertachtzehn Soldaten, hundertneun Matrosen, einigen Pferden und einiger Artillerie unter Segel. So ein schwaches Heer wollte einen Feldzug von drei Jahrhunderten eröffnen! So kleine Auslagen auch so geringfügige Expeditionen verursachten, gab die Regierung doch nichts her; Alles geschah auf Kosten von Privatleuten, die sich zu Grunde richteten und unglücklich wurden, daß nur ja ihr guter Erfolg das Reich der Metropole immer mehr ausdehnen half. Von den ersten Expeditionen an hatte der Hof niemals den Plan dazu entworfen, niemals seine Schätze aufgethan, niemals Mannschaften ausgehoben; der Durst nach Gold, der abenteuerliche Geist, der dazumal herrschte, trieben die Industrie und die Thätigkeit an.

Cortés landete glücklich und griff die Indianer von Tabasco an, besiegte sie und machte sie zu seinen Verbündeten. Die nüchternsten, die an Mühen abgehärtesten, mehr wie kein anderes Volk Europas an die Witterungsverhältnisse eines brennenden Klimas gewöhnten Spanier waren damals die einzigen, welche die Beschwerlichkeiten eines Krieges in der heißen Zone ertragen und sich zu ungleichem Feldzuge rüsten konnten. Kaum erschien Cortés an der Küste Mexikos, so konnte Montezuma, der mit unumschränkter Macht

daselbst regierte, den Schrecken, der ihm in die Glieder fuhr, nicht verbergen. Diese Furcht, die einem so gewaltigen Monarchen eine Hand voll Abenteurer einjagte, sollte, außer man erklärte denn Muthmaßungen und Ueberlieferungen für genügend, jede Wahrscheinlichkeit übertreffen.

Die scheinbare oder wirkliche Bewegung der Gestirne um ihre Bahnen, die überraschenden Wirkungen der größern oder geringern Krümmungen der Erdoberfläche, die Ebbe und Fluth des Meeres und als erster Träger dieser Naturerscheinungen der ewige Streit der Elemente, stürzen die Bewohner des Weltalls in eine empfindliche Gefahr und in beständige Sorgen um ihr Schicksal. Der Aberglaube und der Fanatismus haben diese physischen Umwälzungen vergöttert und demzufolge ist auch, vor Allem bei den fühlbareren und kürzlicheren Anzeichen dieser Naturerscheinungen, der Schrecken der Völker gewesen.

Solch ein Bild bietet Amerika dar, wo die Ueberschwemmungen, die vulkanischen Ausbrüche und die großen Erdbeben in der Natur häufiger sind; ausgedehnte Meerbusen, unendliche Seen, unzählige Inseln, mächtige Ströme, sehr hohe Berge, Alles zeugt von den Schlägen, von den Trübsalen, womit die Natur diese Welt heimgesucht hat; dieser ganze Schrecken rührt von der Trostlosigkeit dessen her, daß zu allen Zeiten die Lüge Mißbrauch getrieben hat, um auf Erden zu regieren. Wie nichts geschieht, das nicht unter dem Anscheine irgend eines Sternbildes stünde,

so hat man zu den Sternen gegriffen, um das Unheil, von dem man die Ursache nicht kannte, zu erklären und die einfachsten Beziehungen der Lage von Planeten zueinander haben für den menschlichen Geist, der den Ursprung des Bösen immer in der Finsterniß sucht, bei allen Umwälzungen einen unmittelbaren und nothwendigen Einfluß.

Vor Allem wurden die politischen, als die für den Menschen allerwichtigsten Ereignisse in naher Beziehung zu den Gestirnen geglaubt. Daher die falschen Prophezeihungen und die eigentlichen Befürchtungen, welche die Welt beherrscht haben und die immer mehr zunehmen, und im Verhältniß zur Unwissenheit fest wurzeln. Diese Krankheiten des menschlichen Geistes fanden sich bereits in der neuen Welt vor und man weiß nicht, warum sich in Santo Domingo und in Peru und in anderen Regionen Nordamerikas eine Ueberlieferung zeigte, daß Fremde von Osten her kommen sollten, die jene unglücklichen Länder zerstören würden. Nicht, weil sie von unserm Dasein Kunde hatten, sondern weil, wie alle Völker der Erde, daran gewohnt, ihre ersten Blicke dahin zu richten, von wo die Sonne kommt, sie sich einbildeten, daß die sie bedrohenden Umwälzungen ebenfalls von jenem Punkte der Erde ausgingen.

Dieser Aberglaube, der einen Theil der Dogmen Mexikos ausmachte, arbeitete, gestützt auf einige kürzliche, recht sonderbare Ereignisse, mächtig in der von Natur aus unruhigen Seele Montezumas, als die

Spanier in seinen Staaten landeten. Was er im Allgemeinen von diesen Fremden befürchtete und im Besondern davon sagen hörte, verwirrte seinen zerrütteten Geist so sehr, daß er den durch die Gestirne, den Propheten seiner Nation, angezeigten verhängnißvollen Augenblick für gekommen hielt. Er schickte Abgesandte, um Cortés den Beistand, dessen er bedurfte, anzubieten und um ihn zugleich zu bitten, er möchte aus seinen Besitzungen hinausgehen; der Anführer der Spanier jedoch erwiderte stets, daß er kommen müsse, um mit dem Kaiser von Seiten des Machthabers im Osten zu sprechen. Vergebens bedrohten ihn die Kundschafter mit der riesigen Macht des Reiches, die Hartnäckigkeit führte zum Streit und Cortés, der, um zu siegen oder zu sterben, die Schiffe verbrannte, marschirte, ohne bei seinem Heereszuge auf großen Widerstand zu stoßen, auf Mexiko zu.

An den Grenzen der Republik Tlascala angelangt, bat er vergebens um Durchzug und er mußte kämpfen. Die Tlascalteken waren tapfer und mächtig, sie gingen muthig in den Tod, es fehlte ihnen nur an Waffen, um zu siegen.... Da das Land in viele Cantone eingetheilt war, befehligten Vizekönige, die man Caziken nannte: Sie stellten sich im Kriege an die Spitze ihrer Unterthanen, legten Abgaben auf, handhabten die Gerechtigkeit; ihre Gesetze und Erlasse aber mußten von dem Senate in Tlascala, der aus Bürgern, welche in Volksversammlungen in jedem Canton gewählt wurden, zusammengesetzt, der eigentliche Machthaber war, bestätigt werden.

Cortés, der diese kriegerische Nation auf Kosten von tausend Gefahren angriff und besiegte, machte dieselben, da sie den Mexikanern, die sie ihrer Herrschaft unterwerfen wollten, von früherer Zeit her feindlich gesinnt waren, durch seine Triumphe und seine Politik zu seinen Verbündeten, sodaß sie ihm Truppen und Hülfe aller Art verschafften. Mit diesem Beistand marschirte Cortés mitten durch ein von lieblichen Strömen bewässertes und mit Städten und Gärten bedecktes, reiches Land. Das an unbekannten Pflanzen fruchtbare Gefilde, die voller Vögel mit prächtigem Gefieder bevölkerte Luft, die angenehme und herrliche Natur, die gemäßigte Atmosphäre, der heitere Himmel, die in farbigem Blumenschmucke prangenden Fluren, Alles athmete Unschuld, Fröhlichkeit und Zauber. Aber so viele Schönheiten rührten die Auszügler in Nichts, sie waren unempfindlich für ein derartig neues Schauspiel; sie sahen blos, wie das Gold zur Verzierung der Häuser und Tempel, zur Verschönerung der Waffen der Mexikaner und dazu diente, mit seinem Gewichte die Schönheit zu ermüden und der Ehrgeiz verzehrte ihre Sinne und sie sehnten sich nur nach Gold.

Montezuma sah mit Schrecken, daß Cortés nicht davon abließ, an seinen Hof zu kommen, und seine von Betrachtungen niedergeschlagene Seele dachte nicht an die Mittel der Vertheidigung. Er befahl über dreiunddreißig Caziken, die mächtige Heere ausgerüstet hätten. Seine Reichthümer waren unermeßlich, seine Macht unumschränkt, sein Volk geschickt und fleißig, und wie damals die Europäer, kriegerisch und ehrenhaft.

Wenn er seine Macht in Bewegung gesetzt haben würde, sicherte er seinen Thron; aber Montezuma, der das Scepter durch seine Tapferkeit erlangt hatte, zeigte, als er trotz ihrer Waffen und ihrer Mannszucht mit seiner ganzen Macht hätte über die Feinde herfallen und sie vernichten können, nicht die geringste Geistesgegenwart und er zog es vor, die Treulosigkeit gegen sie anzuwenden.

Während er sie in Mexiko mit Geschenken und Liebkosungen überhäufte, beabsichtigte er, um den Rückzug zu sichern oder Unterstützungen zu empfangen, sie in Veracruz, einer von den Spaniern gegründeten Niederlassung, zu nehmen. Cortés, der es erfuhr, schreckte seine Gefährten auf. »Wir müssen,« so sagte er zu ihnen, »diese Barbaren mit einer überraschenden That in Verwunderung setzen; ich habe beschlossen, den Kaiser zu ergreifen und mich seiner Person zu bemächtigen.« Nachdem die Absicht gut geheißen und von seinen Offizieren ausgeführt worden war, ging er zum Palast des Kaisers und deutete ihm die Wahl zwischen Tod oder ihnen zu folgen an. Aus einer Niederträchtigkeit, die der Verwegenheit seiner Feinde gleich kam, ließ sich dieser Fürst gefangen nehmen, er verurtheilte die Generäle, die ihm nur Gehorsam erzeigt hatten, zum Tode und huldigte dem König von Spanien.

Der Neid hatte Cortés’ Feinde erregt und Narvaez landete auf Geheiß der Regierung mit bewaffneter Macht an der Küste von Veracruz, um ihn seines Befehles zu berauben. Cortés suchte seinen Gegner auf,

brachte ihm eine Niederlage bei und nahm ihn gefangen, und da er durch sein Zutrauen und seinen Edelmuth die Soldaten anzog, vergrößerten die Streitkräfte Narvaez’ seine Reihen, und er kehrte nach Mexiko zurück, woselbst er zweihundert Mann als Wache bei dem Kaiser zurückgelassen hatte.

Die Mexikaner hatten nichts Barbarisches als ihren Aberglauben, ihre Priester jedoch waren Ungeheuer, die mit dem abscheulichen Gottesdienste, den sie der Leichtgläubigkeit des Volkes aufgedrungen hatten, grauenhaften Mißbrauch trieben. Sie anerkannten statt diesen nutzbringenden Lehren von Gemeinheiten und Entsetzlichkeiten ein höchstes Wesen, ein zukünftiges Leben mit seiner Belohnung und Bestrafung. Mit Abschluß eines jeden Jahrhunderts erwarteten sie das Ende der Welt und in jenem Jahre gaben sie sich ganz der Fröhlichkeit und Freude hin. Sie beteten Schutz- und Halbgötter an, kannten Sühne und Bußen, zählten Wunder auf und hatten Propheten.

Die Priester, stets Menschenfresser, ließen auf den Altären Menschenopfer verbluten. Sie brachten die Kriegsgefangenen im Tempel des Gottes der Schlachten dar und die Priester aßen von denselben und schickten dem Kaiser und den Vornehmsten des Reiches Stücke. Wenn der Frieden lange Zeit andauerte, sagten die Priester zum Kaiser, daß die Götter Hungers stürben, und es wurde aus dem einzigen Grunde Krieg erklärt, um Gefangene zu machen und sie dann auf den Altären hinzumorden. Alle diese Bräuche waren schaurig

und blutig; die gräßliche, entsetzliche Religion stürzte die Menschen in Schrecken und mußte sie unmenschlich und die Priester allmächtig machen.

Indeß sich Cortés mit Narvaez schlug, war der mexikanische Adel über die Gefangennahme ihres Fürsten und ob des Uebereifers der Spanier, welche bei einem Feste zu Ehren der Götter des Landes die Altäre umstürzten und die Anbeter und Priester niederhieben, entrüstet; Alles hatte das Volk zu den Waffen aufgefordert. Man konnte den Eindringlingen ihren Widerspruch gegen so barbarische Glaubenslehren nicht zum Verbrechen machen, wenn sie dieselben nur nicht zerstört hätten, indem sie über das wehrlose Volk herfielen, um es umzubringen, und wenn sie nicht die Adeligen ermordet hätten, um sie zu berauben.

Bei der Rückkehr Cortés’ nach Mexiko fand er seine Gefährten auf das Aeußerste bedrängt und nach harter Anstrengung betrat er ihr Lager. Die Mexikaner thaten Wunder der Tapferkeit und Montezuma, der hinaus ging an die Mauer, um sie von dem guten Einverständniß mit ihren Unterdrückern zu überzeugen, starb von den Pfeilen seines Volkes getroffen. Cortés erkannte die Nothwendigkeit, sich zurückzuziehen; seine mit Gold beladenen Soldaten konnten sich nicht Alle dem Rückzuge anschließen und es kamen viele im Thale von Otumba um; Allen drohte der Tod, endlich aber gelangte der tapfere und mächtige Cortés in das Land der Tlascalteken, seiner Verbündeten.

Das politische System und die religiösen Anschauungen hatten die Zwietracht in dem Reiche gesät

und geschickt wußte Cortés aus diesem Vortheil Nutzen zu ziehen. Mit geringen Unterstützungen von den spanischen Inseln und einigen Truppen, die er von der Republik Tlascala erlangte, machte er neue Verbündete und griff die Hauptstadt des Reiches abermals an. Mexiko war eine in Mitten eines großen Sees gelegene Insel, welche zwanzigtausend Häuser, ein zahlreiches Volk und prächtige Gebäude enthielt. Gärten, Springbrunnen, Bäder, Verzierungen, prächtige Tempel, dreitausend Cazikenpaläste, Alles gab der Hauptstadt eine ungeheure Ausdehnung. Rings um den See herum waren an die sechszig Städte; zweimalhunderttausend Canoes durchschifften die Wogen und unterhielten einen lebhaften Verkehr, und solid angelegte Kunststraßen machten den Stolz mexikanischen Gewerbefleißes aus. Das Reich war wählbar, und nach dem Tode Montezumas bestieg Guatimazin den Thron, ein tapferer und verwegener Krieger, der die Hauptstadt in einen glänzenden Vertheidigungszustand setzte.

Cortés fing den Feldzug damit an, indem er sich der Caziken versicherte, welche in den Städten an den Ufern des Sees regierten. Etliche vereinigten ihre Truppen mit denen des Siegers, die andern wurden überwältigt und Cortés bemächtigte sich der drei Hauptverkehrsstraßen Mexikos. Er wollte sich ebenfalls der Schifffahrt auf dem See bemächtigen; er ließ Briggen herstellen, die er mit einem Theile seiner Artillerie ausrüstete, und so Mexiko beschießend, hoffte er, der Hunger würde ihm das Reich der neuen Welt übergeben.

Guatimazin machte außergewöhnliche Anstrengungen, um die Blokade aufzuheben; seine Vasallen kämpften wüthender denn je, die Spanier aber unterhielten ihre Laufgräben und jagten und verfolgten den Feind bis in das Innere der Stadt hinein.

Als die Mexikaner den Sieg bezweifelten und es ihnen bereits an Lebensmitteln fehlte, wollten sie wenigstens ihren Kaiser retten, der gerne hierin einwilligte, um den Krieg im Norden seiner Staaten fortzuführen. Ein Theil des Heeres ging, um ihm den Rückzug zu erleichtern, den Feind zerstreuend und ihm zu schaffen machend, muthig in den Tod; aber eine Brigg bemächtigte sich des Bootes, worin der großmüthige und unglückliche Herrscher war. Julian Alderete, ein spanischer Offizier, glaubte, daß Guatimazin geheime Schätze berge, und um ihn zu einem Geständniß zu nöthigen, ließ er ihn auf glühende Kohlen legen. Da wiederholte der amerikanische Held jene berühmten Worte: »Ha, ich bin in einem Bett voll Blumen!« Ein Tod, der mit allen denen, welche die Geschichte der Bewunderung der Menschen übermittelt hat, zu vergleichen ist. Wenn die Mexikaner eines Tages die Lebensbeschreibungen ihrer Märtyrer und die Geschichte deren Verfolger aufstellen, so wird man Guatimazin sehen, wie er halbtodt aus einem glühenden Ofen herausgezogen und unter dem Vorwand, es auf seine Zerstörer abgesehen zu haben, öffentlich auf drei Jahre hin gehenkt wird.

Bei willkürlichen Regierungen zieht der Tod oder die Gefangennahme des Herrschers und die Einnahme

der Hauptstadt allgemein die Unterwerfung des ganzen Staates nach sich. So war es mit der Eroberung von Peru. Das ganze Reich unterwarf sich den Spaniern, deren Ehrgeiz, obschon es fünfhundert Meilen in der Länge und beinahe zweihundert in der Breite hatte, immer noch nicht befriedigt war. Neue Welten, neue Reiche, andere Helden, andere Siege sollten an den glorreichen Thron Castiliens neue Welten hinzufügen.

Kapitel 4.
Pizarro, Luque und Almagro.

Sobald Columbus seine geringen Mannschaften auf der Insel Santo Domingo verstärken und eine kleine Niederlassung gründen konnte, die ihm als Vorposten für seine großen Ausflüge diente, worüber er nachdachte, ging er, seinem Drängen nachgebend, von Neuem unter Segel. Bei einem seiner Forschungszüge entdeckte er den Orinoko, und bei einem andern die Bai von Honduras. Er begriff, daß jene Länder ein Festland bildeten, und schloß auch daraus, daß weiterhin noch ein Ocean sein müsse, der die Gestade Ost-Indiens bespülte, und daß die beiden Meere unter sich in Verbindung ständen, welche der kühne Schifffahrer begierig suchte. Er sondirte die Küsten, landete, wenn es ihm möglich war, und stets gerecht und menschlich erwarb er sich die Liebe der Bewohner aller Länder. Die Landenge von Darien zog insbesondere seine Aufmerksamkeit auf sich; er folgte den Strömen nach, die sich hier in einen Zufluß des Oceans ergießen, der die Meere von Nord- und Südamerika

durch eine Meerenge verband, und er glaubte seinen Plan bereits verwirklicht; sah jedoch seine Hoffnungen getäuscht und beschränkte sich darauf, eine Niederlassung zu gründen. Aber die Habsucht und die Unvorsichtigkeit seiner Gefährten vereitelten ihm den guten Willen jener Bewohner, welche die Auszügler angriffen, und Columbus mußte sich wieder einschiffen und auf seinen schwachen Fahrzeugen, die, beschädigt und geborsten, zu keinen Unternehmungen mehr taugten, entfliehen.

Diese Expeditionen waren jedoch nicht fruchtlos. Americ, Ojeda, Nino, Bastidas und andere verfolgten die Richtung, die ihnen Columbus angegeben hatte; Abenteurer aber, welche von der Regierung nichts erhielten, als die bloße Erlaubniß, Entdeckungen zu machen, dachten weder daran Kolonieen zu gründen, noch an etwas Anderes, als ihren Ehrgeiz und ihren Hochmuth zu befriedigen. Das Gold und das Blut flossen von einer Welt zur andern. Unter der Menge von Abenteurern, die jene unglücklichen Küsten plünderten und verheerten, befand sich ein Mann, Vasco Nunez de Balboa, dem die Natur ein angenehmes Aeußere, einen kräftigen Körperbau und volksthümliche Beredsamkeit verliehen hatte, und in dem die Erziehung edle Gefühle hatte keimen lassen. Er gründete in Darien, wo Ueberfluß an Reichthümern war, eine Kolonie. Eines Tages aber, als er mit einem seiner Genossen Gold vertheilte, fingen sie heftig an zu zanken. Da zog ein Wilder, der sie bediente, entrüstet die Wage weg, indem er zu den beiden Spaniern sagte: »Und so einer verächtlichen Sache wegen zankt ihr?« Wenn

ihr dieses feilen Goldes halber euer Vaterland verlaßt, um die Ruhe so vieler Völker zu stören, kommt, ich will euch dahin bringen, wo ihr gesättigt werden sollt. Er hielt sein Wort und führte sie an die Küste des südlichen Meeres.

Panama, das im Jahre 1518 gegründet wurde, eröffnete der Unruhe und Habgier der Europäer eine neue und ausgedehnte Laufbahn. Der Ocean, der seine Mauern bespühlte, führte nach Peru, dessen Reichthum man nur auf eine flüchtige Art erwog, und obschon die Kriegsmacht dieses großartigen Reiches übertrieben wurde, schüchterten sie die Habgier, die seine Schätze erregten, doch nicht ein. Drei in Niedrigkeit aber für große Unternehmungen geborene Männer dachten darüber nach, auf ihre Kosten einen Thron zu stürzen, der viele Jahrhunderte des Ruhmes zählte.

Francisco Pizarro, der bekannteste unter ihnen, war von kräftigem Körperbau, unerschrockenen Muthes und von einem grenzenlosen Ehrgeiz und einer Seele, zur Tugend und zum Verbrechen geneigt. Von nerviger und riesenstarker Muskulatur, mit langem schwarzen Barte, der seine breite Brust bedeckte, von würdevoller und ungezwungener Gestalt, großen, schwarzen funkelnden Augen, nahe an den vierziger Jahren, zeigte seine ganze herausfordernde Haltung jene unwiderstehliche Anmaßung an, die von den eigenen Kräften herrührt. Immer furchtlos und thätig, war er bei allen Expeditionen der neuen Welt zugegen gewesen, und in allen hatte er sich ausgezeichnet, und in allen war der Name Pizarros geachtet. Der Gebrauch, den er von seinen

physischen und moralischen Kräften gemacht hatte, flößte ihm den Dünkel ein, daß es nichts Höheres gebe als ihn selbst, und die Eroberung Perus schien ihm ein, seinen Hülfsquellen nach, weit geringeres Unternehmen zu sein.

Diego de Almagro, sein Genosse, war ein in Stürmen und Gefechten abgehärteter Krieger, und immer nüchtern, unermüdlich und geduldig, verachtete er die Gefahren und zog, mit den wenigen Tugenden des sechszehnten Jahrhunderts geschmückt, muthig in den Sieg. Von zierlicher, schlanker Gestalt, rundlichem, hübschem Aussehen, und lebhaften, weitgeöffneten Augen, bildete er, kaum vierundreißig Jahre, die Vereinigung einer stattlichen, mehr wegen seiner Geschicklichkeit in der Handhabung der Waffen, als wegen den außergewöhnlichen Kräften, die er erreichte, bemerkenswerthen Person. So beträchtlich aber das Glück dieser beiden Soldaten war, so genügte es doch nicht, den Aufmerksamkeiten der ausgedehnten Eroberung, die sie im Sinne hatten, gerecht zu werden, und sie verbanden sich noch mit Fernando Luque, einem habsüchtigen Geistlichen, der mit allen Mitteln, die der Aberglaube seinem Stande im sechszehnten Jahrhundert verlieh, verschwenderisch ausgestattet war. Im Alter von fünfzig Jahren, klein und bucklig, mit einer großen Adlernase, schwarzen, buschigen Augenbrauen, tiefliegenden Augen und ungestalten Zügen, war Luque eine abschreckende und sogar ekelhafte Persönlichkeit. Diese drei berühmten Männer bildeten, indem Pizarro und Almagro den militärischen und Luque den religiösen Theil auf sich

nahm, eine zu gleichen Theilen feierliche Verbindung zur Eroberung Perus. Sie sollten das peruanische Reich unter sich vertheilen, und dieser ehrgeizige Plan wurde, indem Luque öffentlich eine Hostie weihte, die für ihn und seine Gefährten in drei Theile getheilt wurde, noch durch den Fanatismus besiegelt; und eine Vereinigung, die Plünderung und Zerstörung zum Zwecke hatte, wurde im Namen des friedlichen Gottes bestätigt, indem sie bei dem göttlichen Blute schwuren, sich trotz Strömen von Menschenblutes zu bereichern. Oh, verbrecherischer Mißbrauch des Christenthums im sechszehnten Jahrhundert!

Am 14. November 1525 ging Pizarro mit einem schwachen Fahrzeug und hundertzwölf Mann an Bemannung und Waffen endlich unter Segel; Almagro sollte ihm Verstärkungen zuführen, und Luque blieb, bis daß der Ehrgeiz die drei Genossen in den Thälern Perus vereinigte, um sehnlichst ihre Beute zu vertheilen, an der Spitze der Beziehungen in Panama. Ohne genaue Kenntnisse über die Theorie der Winde und der Strömungen irrte Pizarro siebzig Tage lang auf den Wogen umher, bis er endlich an verschiedenen Gestaden des Festlandes anfuhr und sich von der Unannehmlichkeit des Landes, das ihm schon Andere so wahr geschildert hatten, überzeugte. Flaches, sumpfiges Erdreich, von undurchdringlichen Wäldern bedeckte Gebirge, wenige und dafür um so wildere und tapferere Einwohner, das war es, was sein Ehrgeiz entdeckte. Der Hunger, die Müdigkeit, die häufigen Kämpfe mit den Eingebornen des Landes und mehr noch die

den feuchten Ländern allgemein eigenen Krankheiten schwächten und zerstörten beinahe sein verächtliches Expeditionsheer, und er sah sich genöthigt, an der Insel Cuchamá, der Perleninsel gegenüber, zu landen, woselbst er von Panama Verstärkungen und Vorräthe zu empfangen hoffte.

Inzwischen ging auch Almagro, der in Panama Leute vereinigte, mit sechszig Mann unter Segel, um seinen Gefährten aufzusuchen und ihm Hülfe zu leisten. Vergebens landete er, dem Aufenthaltsort Pizarros nachspürend, ebenfalls mehrere Male auf festem Boden; die Indianer griffen ihn an und vernichteten ihn; und vertrieben und sogar verwundet, die gleichen Gebrechen wie sein Gefährte ertragend, fand er sein Heil in der Flucht, das Schicksal aber führte ihn nach Cuchamá, wo ihn sein Freund erwartete. Am 14. Juni war es, als die ersterbende Mannschaft Pizarros ein Fahrzeug jene unbekannten Meere durchfurchen sah, und beim Flattern der Fahne Panamas bemächtigte sich der entmuthigten Herzen gegenseitig ein göttliches Entzücken und nach langen Monden entstand der Trost in den geängstigten Gemüthern. Nach stummer Umarmung trösteten sie sich, einander ihre traurigen Abenteuer und erlittenen Schiffbrüche erzählend, und jeder tiefe Seufzer, den sie ausstießen, ergoß eine unüberwindliche Tapferkeit in ihre Seele.

Weder die Erinnerung an die Gefahren noch der Anblick des Todes an unbekannten und düstern Gestaden entmuthigten jene für große Unternehmungen geborenen Seelen. Almagro brach in der Absicht,

neue Anwerbungen zu machen, nach Panama auf und Pizarro überließ sich, auf der Suche nach dem Goldlande, abermals der Ungunst der Winde. Nachdem er dieselben Trübsale wie bei seinem ersten Auszug erlitten hatte, segelte er längs der Bucht von San Mateo an der Quitoküste hin und landete in Tamanes, fruchtbareren und civilisirteren Gegenden, als diejenigen, welche er an der Küste des südlichen Meeres erkannt hatte. Er folgte dem Laufe seiner Nachforschungen, als der fürsorgliche Himmel, seine Schleußen öffnend, dem Donner und den Blitzen gebot, das schwache Fahrzeug, die Ueberbringerin so vielen Schreckens, zu begraben, und die Blitze kreuzten sich und die Wogen brüllten mit Entsetzen und zerschellten das gebrechliche Schiff. Ein gnädiges Schicksal bot den Schiffbrüchigen die nahe Gorgona- oder Hölleninsel an, wo der größte Theil derer, die Himmel und Meer zum Tode zu verdammen schienen, sich retten konnte.

Auf dieser wegen der Unbeständigkeit ihres Klimas, ihrer undurchdringlichen Wälder und ihrer abschüssigen Gebirge, wegen der Unmenge von Insekten und Thiere, die ihren Boden bedecken, wegen der ewigen Nacht, wozu sie die dichten Nebel verdammen, allgemein die Hölleninsel genannten Insel, hielt sich Pizarro, nicht um aufzuathmen und an seine Rettung zu denken, sondern um sein Schiff wieder in Stand zu setzen und neue Gefahren aufzusuchen, fünf Monate lang auf. Es wäre schwierig, die Qualen zu schildern, welche die Spanier an jener Stätte des Todes zu erdulden hatten;

aber ihre Kraft war noch nicht gebrochen, sie gingen zum dritten Mal auf die Suche nach reichen Gestaden aus und entdeckten am zwanzigsten Tage die Küsten von Peru.

Nachdem er verschiedene unbedeutende Punkte berührt hatte, landete er in Tumbez, einer unter dem dritten südlichen Grade des Aequators gelegenen, ziemlich bevölkerten Stadt, wo sie einen großen Tempel und einen Palast der Inkas, der Beherrscher jenes Landes, vorfanden. Hier bewunderten die Spanier, da sie eine bevölkerte und mit Industrie betriebene Gegend und die Eingebornen anständig gekleidet sahen, zum ersten Mal den Anblick der Ueppigkeit und Civilisation des peruanischen Reiches; insbesondere aber zog ein solcher Ueberfluß an Gold und Silber die Aufmerksamkeit auf sich, daß diese Metalle nicht allein zur Verzierung der Tempel, sondern auch als gewöhnliche Gefäße und Geräthschaften zu häuslichem Gebrauche dienten, was keinen Zweifel ließ, daß in dem Lande ein ungeheurer Ueberfluß sein mußte. Pizarro und seine Gefährten hielten ihre Hoffnungen bereits für verwirklicht, sie zweifelten nicht, sie glaubten im Besitze ausgedehnter Gebiete und unerschöpflicher Schätze zu sein.

Pizarro jedoch erkannte, daß er ein großes Reich nicht mit einer so schwachen Kolonne bedrängen konnte; er unterdrückte seinen Ehrgeiz, untersuchte, in der besten Eintracht mit den Bewohnern lebend, die Küsten und erlangte von deren Großmüthigkeit für tausend Aufmerksamkeiten einige Hausthiere, einige silberne und

goldene Gefäße und einige Werke der Industrie; sichere Proben, die er als Beweis der Entdeckung der neuen Continente vorzulegen gedachte, und er segelte nach Panama, woselbst er nach dem dritten Jahre seiner Abfahrt landete. Nein, kein Abenteurer hat so viele Drangsale erlitten, noch so vielen Gefahren getrotzt, wie Pizarro auf seiner dreijährigen Pilgerfahrt, und seine Geduld und seine Tapferkeit übertrafen alle Heldenthaten, die uns die Geschichte der neuen Welt aufweist.

Weder die Beziehungen, die Pizarro mit den von ihm entdeckten Ländern unterhielt, noch alle Anstrengungen der Verbündeten vermochten den Statthalter von Panama zu verpflichten, daß er ihnen irgend welchen Schutz angedeihen ließ; im Gegentheil, er glaubte, daß die Colonie nicht im Stande war, ein mächtiges Reich zu überfluthen, und er weigerte sich, eine Expedition zu ermächtigen, welche die seinem Befehle übertragene Provinz, ihr so die Arme, deren sie benöthigte, entreißend, zu Grunde richten könnte; sein Widerspruch aber vermochte den Eifer der drei Genossen nicht zu schwächen. Sie wußten, daß sie der Ausführung ihres Planes ohne den Schutz des Statthalters folgen, oder aber von ihrem Landesherrn die Erlaubniß, die ihnen vom Verwalter der Provinz verweigert wurde, einholen mußten, und Pizarro flog nach Madrid, um ihre gemeinschaftlichen Wünsche zu erlangen.

Die ausführliche Geschichte seiner Leiden und die schwülstigen Berichte, welche er über die von ihm

entdeckten Länder abgab, bestätigt durch die von Tumbez mitgebrachten Erzeugnisse, machten auf Karl und seine Minister einen derartigen Eindruck, daß sie nicht nur den Plan einer neuen Expedition bewilligten, sondern den Anführer noch dazu ermunterten, dieselbe zu verwirklichen. Pizarro wurde zum Statthalter und Oberbefehlshaber ernannt, und über alle Länder, die er entdeckte, mit einer sowohl in Civil- als in Militärsachen unumschränkten Vollmacht mit allen bis dahin den Eroberern der neuen Welt zugestandenen Vorrechten ausgestattet; Almagro zu seinem Stellvertreter und Luque zum Generalverweser aller Besitzungen Pizarros. Mit so gutem Erfolge am spanischen Hofe kehrte er von Neuem nach Panama zurück, um sich mit seinen Genossen zusammen zu thun und um die letzten Anstrengungen zu machen.

Trotz alledem fehlte es ihnen bereits an Geld, und obschon sie ungeheure Opfer brachten, vereinigten sie nur drei kleinere Fahrzeuge und hundertfünfundneunzig Soldaten mit siebenunddreißig Pferden; eine solche Ueberlegenheit flößten jedoch den Spaniern damals ihre Siege in Amerika ein, daß Pizarro nicht daran zweifelte, das mächtige Reich, das durch seinen Ehrgeiz und seine Habsucht geplündert werden sollte, mit einer so schwachen Truppenmacht anzugreifen. Im Februar 1671 ging er unter Segel, und von der Gewalt der Winde und Strömungen getrieben, gedachte er in der Bucht von San Mateo zu landen; er wandte sich aber, ohne vom Ufer abzulassen, nach Süden, um mit desto größerer Leichtigkeit den Entsatz, den er von

Panama erwartete, zu empfangen. Neue und große Entbehrungen bewiesen bei diesem Aufbruch seine Tapferkeit und Geduld. Anstatt sich das Vertrauen der Bewohner zu erwerben, griff Pizarro dieselben thörichter Weise an und nöthigte sie, aus ihren unschuldigen Zufluchtsorten zu entfliehen, und der Krieg, der Hunger, die Ermüdung und die dem Lande eigenen Krankheiten brachten die Eindringlinge in so eine grausame Nothlage, wie sie sie bei der ersten Expedition erlebt hatten. Die Küste von Peru ist an einigen Stellen unfruchtbar, ungesund und wenig bevölkert, die mächtigen Ströme, reißend und gefahrvoll zu überschreiten, durch den Muth aber, der von ihrem Ehrgeiz beseelten Spanier, war ihnen Alles möglich und leicht, und wenn ihnen der Sieg Beute und Ruhm sicherte, war der Triumph ihnen.

Sie gelangten endlich in die Provinz Coaque, und die Bewohner der Hauptstadt überraschend, bemächtigten sie sich der goldenen Gefäße und Verzierungen im Werthe von dreißigtausend Pesos [2] und vieler anderer Reichthümer, die das Mißtrauen, das sie angesichts der unfruchtbaren Gebiete, welche sie durchzogen hatten, gefaßt haben mochten, verschwinden ließen. Voll Vertrauen setzten sie, die ruhigen Einwohner, die sich unterwarfen, oder in das Innere des Landes flüchteten, ungestüm angreifend, ihren Marsch fort. Dieses plötzliche Erscheinen von Fremden, die in ihr Land einfielen, deren Gestalt und deren Sitten ihnen

gleicherweise außergewöhnlich waren, und denen kein Mensch widerstehen konnte, machte auf die Peruaner denselben Eindruck des Schreckens, den es bei den andern Nationen Amerikas hervorgebracht hatte. Kämpfend, siegend und verwüstend kam Pizarro endlich in Pinca und in Tumbez an, wo er seine Truppen rasten ließ und auf Almagro und Luque wartete. Das waren die Männer, das Heer und die Hülfsquellen, womit man die Eroberung eines viertausend Meilen von der Metropole entfernten Reiches unternahm.

Ewiger Ruhm und Ehre solchem Muth und solchem Wagniß! Ewiger Ruhm den Spaniern und der glorreichen Regierung Karl des Fünften, die zur Zeit, als deren siegreiche Waffen den Hochmuth ganz Europa’s demüthigten, auch noch eine neue Welt eroberten und den entferntesten Zeiten eine nie versiegende Fülle von Glück und Seligkeit eröffneten!!!

Kapitel 5.
Peru.

Südamerika zählte im sechszehnten Jahrhundert auf seinem ungeheuren Territorium, von der Landenge von Panama bis zum Kap Horn, eine Unmenge von Volksstämmen und Nationen, die zu jenen Zeiten größtentheils unbekannt waren, ohne daß die Spanier in ihren glorreichen Triumphen weiter als über die Punta Rumena und den Rio Colorado vordrangen. Als Pizarro an den Gestaden des stillen Oceans landete, war das große Reich Peru, das sich von Norden nach Süden, der ganzen Küste des südlichen Eismeeres entlang, fünfhundert Meilen weit erstreckte, und das von Osten nach Westen von den riesigen Gebirgen der Anden, die sich ihrer ganzen Länge nach von einem Ende bis zum andern ausdehnen, eingeschlossen war, die mächtigste und ausgebreitetste Nation.

Ursprünglich war Peru, wie die ganze neue Welt, in herumziehende und unabhängige Stämme eingetheilt, die sich sowohl in ihren Sitten als auch in ihrer grotesken Art und Weise von einander unterschieden. Ohne

Kultur und ohne Industrie, ohne gesellschaftliche Rechte noch Pflichten, zogen die Peruaner der Vorzeit wie wilde Horden, die besonders von der Jagd und vom Fischfang lebten, herum. Aber so wie alle Völker der Erde ihre ursprüngliche Civilisation gehabt haben, so verdankten auch die Peruaner zweieinhalb Jahrhunderte vor dem Erscheinen der Spanier an ihren Küsten dem Zufall zwei gerechte, einmüthige und erleuchtete Wesen, die sie sanft der Geselligkeit zuführten.

Wirklich erschienen während der Zeit der neuen Aera an den Ufern des großen Tititaka-Sees zwei erhabene Wesen von majestätischer Gestalt und gebildeten Manieren, die sich vornahmen, die Civilisation jenes Reiches durchzuführen; und wie alle berühmten Gesetzgeber, verfielen sie, um über den Menschen zu stehen, welchen sie zu befehlen hatten, auf den Aberglauben. Vergebens würden unter Völkern, denen kaum die Vernunft bekannt war, diese Legislatoren, um anfänglich die Aufmerksamkeit der Wilden auf sich zu ziehen, zu erhabenen und metaphysischen Theorieen gegriffen haben, und sie mußten daher zu natürlichen Dingen, die unter dem Reiche der Sinnesgefühle standen, ihre Zuflucht nehmen. Nichts Sichereres, als zu dem majestätischen Vater des Tages, dessen göttlicher Beeinflussung die Wilden zugänglich waren, die Augen zu erheben. Wenn der rosige Osten in herrlichem Purpur erstrahlt, lichtet sich die düstere und schwermüthige Finsterniß, die Vögelein entfalten ihre hellstimmigen Schnäbel, der Wald belebt sich, die Blumen blühen und es herrscht lauter Fröhlichkeit. Dann

spannt der Wilde seinen Bogen und schärft seine Pfeile, wirft seine Netze aus und verehrt den Gott des Lichtes. Der erhabene Kultus der Sonnenanbetung lag im Bereiche der Bewohner der neuen Welt, und die weisen Gesetzgeber kündigten sich als Söhne dieser wohlthätigen Gottheit an, welche, mitleidig auf die Uebel der menschlichen Geschlechter herabschauend, sie, wie sie sagten, schickte, um dieselben zu belehren, sie zu bilden und glücklich zu machen. Vereint mit der Achtung, welche die Gottheit, in deren Namen sie sich anzeigten, einflößte, bestimmten jene Ermahnungen viele herumziehende Wilde, sich unter sich zu vereinigen, und da sie die Unterweisungen dieser beiden außergewöhnlichen Wesen als himmlische Befehle empfingen, folgten sie ihnen nach Cuzco, wo sie sich niederließen und eine Stadt gründeten.

Manco Capac und Mama Ocollo (das waren die Namen der beiden als Söhne der Sonne Angekündigten), so viele nomadisirende Stämme vereinigend, gründeten unter den Peruanern diese gesellschaftliche Verbindung, welche, indem sie das Ziel der Wünsche vervielfacht und die Kräfte der menschlichen Abart verbindet, zur Industrie antreibt und die Fortschritte aller Klassen belebt; sie gaben denselben weise Gesetze und flößten ihnen jene gesunde Moral ein, die an dem Glücke der Nationen wirkt, und Manco Capac wäre vielleicht der erste aller Legislatoren, wenn Confuzius ihn nicht darin überträfe, sich nicht des Aberglaubens bedient zu haben, um Moral und Gesetze empfangen und befolgen zu lassen.

Manco Capac stiftete die Sonnenanbetung, und es wurden Tempel errichtet und die Menschenopfer abgeschafft, und nur seine Nachkommen waren als Söhne der Sonne, dieser wohlthätigen und beschützenden Gottheit des Reiches, die ersten Priester des peruanischen Volkes. Manco Capac gab seinem Volke weise und strenge Gesetze, die seine Unterthanen von der Sonne, welche ihre Thaten erleuchtete, ausgegangen glaubten; die Uebertretung eines Gesetzes war eine Entweihung und bei ihren religiösen Handlungen offenbarten sie deren geheimste Umgehungen und verlangten deren Bestrafung. Die Inkas (Herren oder Könige von Peru), ebenfalls Nachkommen Manco Capacs und Mama Ocollos und daher Söhne der Sonne, waren die Tugendhaftesten im ganzen Reiche; ihr Betragen war das Vorbild der Thaten ihrer Unterthanen und niemals beging ein Inka ein Verbrechen. So wohlthätige Herrscher hätten ihre unumschränkte und auf jede Art und Weise in deren Hände gelegte Macht niemals mißbrauchen können, und durch weise, einfache, in unvollkommenen Hieroglyphen oder Quipos geschriebene Vorschriften bestimmte man die verschiedenen gesellschaftlichen Rangordnungen und die unverjährbaren, jedoch stets mäßigen und gelinden Abgaben für die Unterhaltung des Kaisers und der übrigen Beamten des Reiches, sowie für das prunkhafte Gepränge des Sonnenkultus und zur Erbauung seiner prächtigen, kuppelgewölbten, goldenen und silbernen Paläste.

Die Inkas, oder Herren von Peru, waren unumschränkt wie die Beherrscher Asiens, und nicht nur

wie Monarchen, sondern auch wie Gottheiten verehrt. Ihr Blut galt als heilig; man ließ nicht zu, daß es sich durch irgend welche Vermischung herabwürdigte, und die Ehen zwischen dem Volke und den Inkas waren, obschon man ihnen eine Menge Konkubinen gestattete, damit sich das Geschlecht der Söhne der Sonne vermehrte, verboten. Ihre Familie zeichnete sich durch Kleidungen und Verzierungen aus, die kein Mensch gebrauchen durfte; niemals zeigte sich der Monarch ohne die Abzeichen des Thrones vor dem Publikum und er empfing von seinen Unterthanen Achtungsbezeugungen, die beinahe an Verehrung kamen.

Diese unbegrenzte Macht aber der Herrscher Perus war stets mit einer zärtlichen Bemühung für die Glückseligkeit seines Volkes vereint. Wenn wir den indianischen Texten glauben sollen, trieb nicht die Eroberungssucht die Inkas dazu an, ihr Reich auszudehnen, sondern der Wunsch, die Vortheile der Civilisation und die Kenntniß der Künste unter die barbarischen Völker, welche sie unterwarfen, auszubreiten. In der Aufeinanderfolge von zwölf Reichen war kein Inka von dieser wohlthätigen Denkungsart abgewichen, kein Inka hatte es unterlassen, sein Volk glücklich zu machen.

Eine so schöne moralische Aussicht bot Peru dar, als die Spanier an seinen Gestaden landeten, und die Pracht seiner Tempel und Paläste, seiner großartigen Straßen, seiner Brücken, kurz, seiner Denkmäler, deren Ueberreste das siegreiche Volk, das sie in den Staub stieß, noch bewundert, bewiesen die Fortschritte der

Peruaner in den Künsten, der Industrie und der Mechanik. Unglückseligerweise aber kannten sie die Schrift nicht, und gerade ihre Gesetzgebung und Geschichte sollte noch alle die verhängnißvollen Folgen der nationalen Ueberlieferungen verspüren, weßwegen, falls wir beim Uebersetzen des Quipos oder der peruanischen Alphabete, die viel unvollkommener als die mexikanischen Hieroglyphen sind, in dieser Geschichte irgend eine Ungenauigkeit begängen, wir mit um so größerem Recht die Güte unserer Leser verdienen.

Mit diesen leichten Andeutungen werden wir uns von dem physischen und moralischen Zustande des ungeheuren Reiches, das der verwegene Pizarro sich vornahm, an den Siegeswagen des mächtigen Karl V. zu binden, leicht einen vollständigen Begriff machen und klar ableiten können, wie die Vorurtheile und der Fanatismus der einen und der andern Völker im sechszehnten Jahrhundert die Streitkräfte des großartigen Reiches mit den Streitkräften Pizarros, gefolgt von einer Hand voll Abenteurer, maßen.

Die Sanftmuth der Religion des Reiches trug über die Maßen zur Reinheit seiner Sitten und seines Glückes bei. Manco Capac leitete den ganzen frommen Kultus natürlichen Dingen zu. Die Sonne, als die erste Quelle des Lichtes, der Fruchtbarkeit der Erde und der Glückseligkeit ihrer Bewohner, war der erste und hauptsächlichste Gegenstand ihrer Verehrung; und alsdann erlangten der Mond und die Sterne, welche die Sonne in ihrem wohlthätigen Einfluß [unterstützten],

die Huldigung der Peruaner. So lange der Mensch, die Ordnung und die Herrlichkeit, welche in der Natur wirklich vorhanden sind, betrachtend, eine höhere Macht anbetet, ist der Geist des Aberglaubens mild und lieblich; im Gegentheil aber, hat man, die Welt regierend, Werke der Einbildung und des Schreckens der Menschen unterschoben, dann nimmt der Aberglaube die grausamsten und greulichsten Formen an.

Die erste dieser Religionen war diejenige der Peruaner und die zweite die der Mexikaner. Die an das strahlende Gestirn, das durch seine universelle und belebende Kraftfülle das schönste Sinnbild göttlicher Wohlthätigkeit ist, gerichteten gottesdienstlichen Bräuche waren milde und menschlich. Sie boten der Sonne einen Theil der Früchte, welche die Erde durch deren Wärme hervorgebracht hatte, dar, sie opferten zum Beweise ihrer Dankbarkeit einige Thiere, von denen sie aßen und deren Dasein sich durch ihren Einfluß vermehrte. Sie boten ihr ausgewählte und kostbare Werke des Gewerbefleißes aus ihren von deren Licht erleuchteten Händen dar. Niemals bespritzten die Inkas die Altäre mit Menschenblut, niemals bildeten sie sich ein, daß die Sonne, ihr Vater, Gefallen daran finden könnte, so barbarische Opfer zu empfangen. So verdankten die Peruaner, weit entfernt von diesem blutigen Kultus, der die Empfindsamkeit abstumpft und angesichts der Leiden der Menschen die Gefühle des Mitleidens erstickt, selbst dem Geiste ihres Aberglaubens einen sanfteren Nationalcharakter, als den der übrigen Völker Amerikas.

Dieser Einfluß der Religion erstreckte sich sogar auf ihre bürgerlichen Einrichtungen. Die Macht der Inkas wurde, obschon die willkürlichste der Gewaltherrschaften, durch den Einfluß der Religion gemildert. Die Seele der Unterthanen fühlte sich bei dem Gedanken an eine einem ihm ähnlichen Wesen gegenüber gezwungene Unterwürfigkeit weder gedemüthigt noch gering geschätzt. Der Gehorsam, den sie ihrem mit göttlichem Ansehen bekleideten Herrscher leisteten, war freiwillig und würdigte sie nicht herab. Ueberzeugt, daß die achtungsvolle Unterwerfung seiner Unterthanen davon herrührte, daß sie ihn für himmlischen Ursprungs hielten, verlor der Monarch die Gründe, die ihn dazu bewegten, das wohlthätige Wesen, das er vorstellte, nachzuahmen nicht aus den Augen und so findet man in der Geschichte Perus kaum eine Revolution gegen den regierenden Fürsten und keiner von den zwölf Inkas war ein Tyrann.

In den Kriegen, die sie unter einander führten, benahmen sie sich auf ganz andere Art, als die der andern Nationen Amerikas. Sie kämpften weder wie die Wilden, um zu zerstören und zu vertilgen, noch wie die Mexikaner, um die Gefangenen fortzuschleppen und die Altäre barbarischer Gottheiten mit Blut zu bespritzen. Sie führten Krieg, um die Besiegten zu civilisiren und um Künste und Wissenschaften auszubreiten. Sie setzten die Gefangenen nicht den Beschimpfungen und den Qualen aus, wozu sie bei allen Völkern der neuen Welt bestimmt waren. Die Inkas nahmen die Völker, welche sie unterwarfen, in ihren

Schutz und ließen sie an allen Vergünstigungen, deren sich ihre Unterthanen erfreuten, theilnehmen. Dieses, der amerikanischen Wildheit so sehr entgegengesetzte und der Menschlichkeit der gebildetsten Nationen so würdige Verfahren mußte einzig dem Schutzgeiste ihrer Religion zugeschrieben werden. Die Inkas, welche die irgend einem andern Gegenstande als dem auf der Höhe der himmlischen, von ihnen verehrten Macht stehenden gezollten Huldigung als gottlos betrachteten, hielten unter sich das Banner der Bekehrung hoch, sie führten aber die Götzenbilder der besiegten Völker im Triumphe nach dem großen Tempel von Cuzco, wo sie als die Macht der beschützenden Gottheit des Reiches zeigende Trophäen aufgestellt wurden, und das Volk behandelte man mit Milde und unterwies es in der Religion der Eroberer, um den Ruhm zu haben, die Zahl der Sonnenanbeter zu vermehren. Wenn auch diese reinen und altväterischen Gebräuche der Peruaner im sechszehnten Jahrhundert sie innerlich zu einem glücklichen Volke gestalteten, so war ihre materielle Macht doch sehr beschränkt. Da ihre Bedürfnisse mit den Erzeugnissen des Bodens gedeckt waren, wußten sie durchaus nichts vom Handel und ihre Gestade waren allen übrigen Völkern unbekannt, und sie kannten weder die Schifffahrt noch andere Länder, noch andere Menschen, noch andere Sitten, noch andere Götter, noch andere menschliche Sinnesänderungen. Wenn sie auch mit den umliegenden Stämmen Krieg geführt hatten, war ihnen doch die Herstellung und der Gebrauch von Hieb- und Stichwaffen durchaus unbekannt; ihre zahlreichen

Heere wußten nichts von Taktik und Strategie der Bewegungen, die Anzahl und die Tapferkeit, nicht die künstlichen Hülfsmittel der europäischen Heere, verhalfen ihnen zum Siege; und die Verwendung von Infanterie, Artillerie und Kavallerie und die Zuflucht der militärischen Bewegungen waren für die Peruaner jenes Jahrhunderts viel höhere Dinge, was sie bei aller Kriegskunst nicht einmal zu fassen vermocht hätten.

Die Spanier im Gegentheil waren, in achthundert Jahren der Kämpfe mit den Sarazenen an den Krieg gewohnt, von auf den Schlachtfeldern und in den Schiffbrüchen abgehärtetem Körper, in jenem Jahrhundert der Schrecken ganz Europas. Mit Helm und Panzer ausgerüstet, die sie gegen die schwachen Pfeile und Speere der Peruaner unverwundbar machten, ausschließliche Besitzer in jenen Gegenden, der schrecklichen Wirkung der Entzündung des Pulvers, mit einiger Artillerie versehen, gewandt und taktisch in den militärischen Bewegungen, sandten sie auf zweihundert Schritte den Tod aus ihren Waffen, wobei der Knall der Kanone dem Donner glich, der ihren Feinden den Zorn ihres Gottes anzeigte; kurz, Alles gab denselben in jenen Gegenden eine solche Ueberlegenheit, daß sich jeder Abenteurer ein Gott däuchte, welcher in seinem Zorne das ganze Reich der Inkas fürchterlich bedrohte.

Andrerseits haben wir bereits den Einfluß gesehen, den bei der Eroberung Mexikos die Prophezeihungen hatten, welche anzeigten, daß von Osten Kommende dem Reiche große Umwälzungen brächten, und in Peru waren ähnliche Prophezeiungen darüber, daß von Osten

Kommende dem Lande neue Gesetze geben würden, vorhanden. So schnell wie Pizarro im Reiche landete, war die Prophezeihung, daß andere Söhne der Sonne den göttlichen Auftrag hätten, dem Lande neue Gesetze zu geben, in Erfüllung gegangen. Der Schrecken, welcher sich in Mexiko Montezumas bemächtigte, erstarrte auch Atahulpa (den Inka von Peru) und sein ganzes Reich, und die moralische Macht, welche diese Prophezeihungen Pizarro verliehen, setzten ihn, wenn er seinen geheiligten Charakter zu wahren wußte, in die vortheilhafteste Lage.

Ebenfalls haben wir die religiöse Scheu beobachtet, womit die Peruaner die Familie und das Geschlecht der Inkas betrachteten, weil sie als Abkömmlinge Manco Capacs und Mama Ocollos Söhne der Sonne, Söhne Gottes waren, den sie anbeteten; und da die von Osten Kommenden auch für Söhne der Sonne gehalten wurden, mußten die Peruaner es als eine Entheiligung ansehen, sie anzugreifen und mit Pfeilen zu beschießen, die stets machtlos gegen die eisernen Panzer und Waffen der Spanier sie mehr und mehr in der Voreingenommenheit bestärkten, daß sie als Söhne ihres Gottes unverwundbar waren. Die Eindringlinge im Gegentheil, gewohnt, auf jedem Festlande der neuen Welt kupferfarbene Menschen, bartlos, wie sie waren, und fast wie sie die Natur erschaffen hatte, anzutreffen, welche entsetzt beim Knall der Gewehre flohen, verschmähten beinahe, sie für Menschen anzusehen und hielten sie eher für Thiere, die dazu geboren waren, ihren Ehrgeiz und ihren Hochmuth

zu sättigen. Andrerseits rottete, in den blutigen, düstern Deckmantel religiösen Fanatismus eingehüllt, das sechszehnte Jahrhundert mit Feuer und Schwert alle Glaubenslehren, welche von der des Kreuzes abwichen, aus; und wenn in Europa die Gläubigen Muhameds wüthend verfolgt wurden, so tilgte man auf dem amerikanischen Festlande erbarmungslos die Sonnenanbeter und alle andern Gottheiten aus, da die Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts so vor den [Augen] ihres Gottes, den sie als ebenso barbarisch wie ihr Jahrhundert hinstellten, wohlgefällige Werke zu verrichten glaubten. Die Peruaner glaubten daher, mit unverwundbaren Göttern zu kämpfen. Die Eindringlinge mit verächtlichen Wesen in Menschengestalt, deren Schweiß und [Blut] Karls V. mächtiger Thron und der auf der Schädelstätte gestorbene Gott beanspruchte.

Kapitel 6.
Tumbez.

Geschickt streute Pizarro die unermeßlichen Reichthümer, welche er der Hauptstadt von Coaque entzog, über Panama und die umliegenden Niederlassungen aus und machte so binnen kurzem, daß man in allen jenen Ländern die vortheilhaftesten Begriffe von den Schätzen Perus hegte; das Gerücht verbreitete sich und tausend Abenteurer strömten, begierig die reiche Beute zu theilen und ihre Habsucht zu sättigen, von allen Seiten herbei. In Tumbez einquartiert, erwartete er, um die Eroberung des Reiches zu unternehmen, die Ankunft seiner Gefährten und machte sich inzwischen mit den Gebräuchen der Peruaner bekannt, lernte ihre Sprache und bereitete sich auf den Triumph vor.

Die Peruaner konnten sich von der Absicht, in der die Spanier ihr Land besetzten, keinen genauen Begriff machen und sie ergingen sich in tausend Vermuthungen. Sollten sie diese Fremdlinge für übernatürliche Wesen ansehen, die gekommen waren, ihre Vergehen zu bestrafen und an ihrem Glücke zu arbeiten, oder wohl als Feinde ihrer Ruhe und ihrer Freiheit? Die Betheuerungen,

womit sie die von Osten Gekommenen überhäuften, daß sie jenes Land besetzt hatten, um sie zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen, gaben der ersten Meinung einige Wahrscheinlichkeit; in Erwartung ihrer Gewaltthätigkeit, ihrer Habgier und ihres Betragens aber konnten sie nicht umhin, vor solchen Fremdlingen bange zu sein. Unter keinen Umständen ist die Seelenruhe mit dem Aberglauben und den Vorurtheilen vereinbar. Die Peruaner hielten die Sonne, ihren Gott und Vater, für beleidigt, die Spanier für ihre Rächer und sie mußten bestürzt sein.

Sobald als Pizarro sein Quartier in Tumbez aufgeschlagen hatte, sandte er an Luque und Almagro ausführliche Berichte hinsichtlich der Hoffnungen, welche die Goldländer, die er besetzte, versprachen. Voll Ehrgeiz und Fanatismus, schickten sich, bald um die großen Auslagen der Expedition zu erstatten, bald um ihre religiöse Lehre auszubreiten und um ihre Namen zu verewigen, diese beiden Seelen an, in Gefahr zu fliegen. Von dem Statthalter der Kolonie unabhängig, gingen sie gemäß den von Pizarro am Hofe von Madrid erlangten Vergünstigungen in aller Freiheit vor und waren in ihren Unternehmungen rasch und tüchtig. Die Schätze, welche die Abenteurer Mexikos nach Hause brachten, die neuen Nachrichten von den Reichthümern der peruanischen Küste und die auf den berühmten Namen Pizarros gestützten wirksamen Versprechungen Almagros und Luques, Alles, Alles half dazu, daß andere Abenteurer, begierig, auf den Raub auszugehen, nach Panama strömten.

In wenigen Tagen konnten sie dreihundert Mann zusammen bringen, die sich in aller Eile einschifften, um nach Tumbez zu marschiren. Auf zwei leichten Fahrzeugen segelten sie nach San Mateo ab, wo Pizarro eine kleine Abtheilung gelassen hatte. Obschon Almagro bereits in jenen Gewässern kundig war, machten sie, tausend Gefahren trotzend, die Ueberfahrt in siebenzehn Tagen, während derer die Führer alle Mittel in Bewegung setzten, in ihren Soldaten den Anreiz, der sie verzehrte, zu beleben, und der Kapitän sie mit dem Tode vertraut machte, und der Verweser ihnen im Namen Gottes ewigen Ruhm versprach, wenn sie bei der Zerstörung der Götzenbilder der unschuldigen Sonnenanbeter umkommen sollten.

Sie landeten endlich in San Mateo, umarmten zärtlich ihre Gefährten und folgten ihrem Wege nach Tumbez. Hier erwartete sie Pizarro mit Ungeduld, da er, obgleich besonnen, sich bei dem Durchmarsch von Coaque dadurch in übeln Ruf gebracht hatte, daß er die wehrlosen Indianer angriff und tausend Gewaltthätigkeiten verübte; der Schrecken aber, den die von Osten Gekommenen als Söhne der Sonne den unschuldigen Bewohnern der neuen Welt eingeflößt hatten, hielt alle Gemüther in Erwartung, und es war noch nicht zum Bruche gekommen. Atahulpa, der Herrscher von Peru, stand mit einem prächtigen, vortrefflichen Heere in Cajamalca, einer zwölf Tagereisen von Tumbez entfernten Stadt, aber die religiöse Furcht und die Betheuerungen Pizarros machten, daß er sie wie höhere, von seinem Gott gesandte Wesen ansah,

um die Verbrechen des Bürgerkrieges, der in dem Reiche entbrannt war, zu bestrafen, und weit entfernt, zum Angriff überzugehen, trug er seinen Unterthanen auf, sie als Gesandte der Sonne zu behandeln. Ein einziger Augenblick jedoch konnte die Peruaner dieser traurigen Befangenheit entreißen und ihre Angreifer konnten sich vernichtet sehen. Immerhin waren sie in bedenklichen Umständen und Pizarro und seine Gefährten gaben bereits dem mächtigen Triebe ihrer Habgier und ihres gewaltthätigen Charakters nach und nur die Schätze und die Götzenbilder Perus vermochten ihre Sehnsucht zu stillen.

In diesem Augenblicke langten Almagro und Luque in Tumbez an, und ihre erlittenen Drangsale und Gefahren vergessend, gaben sie sich, da sie den Augenblick, ihre Wünsche zu vollbringen, nahe sahen, den lebhaftesten Fröhlichkeitsergüssen hin. Pizarro hatte zweihundert Soldaten behalten, die mit den dreihundertundneun als Verstärkung Angekommenen das Heer der Eindringlinge ausmachten, welches ein ungeheures Reich beherrschen sollte. Unter dieser geringen Anzahl von Kämpfern zählten sie sechsundsechszig Pferde und drei Stücke Artillerie kleineren Kalibers; alle mit Feuerwaffen und verwegen, todesmuthig, fanatisch und ehrgeizig.

Es würde scheinen, daß man sich mit einer so schwachen Abtheilung vergebens unterfinge, ein in Civilisation fortgeschrittenes und sehr bevölkertes Land von ungeheurer Bodenfläche zu plündern und zu zerstören, wenn wir uns nicht auf die betreffenden, bereits

angezeigten moralischen Heereskräfte verließen. Atahulpa hatte in Cajamalca sechszigtausend Streiter, welche tapfer und kriegerisch, aber ohne Mannszucht und ohne Kenntnisse in der Kriegsführung, und ohne andere Waffen waren, als einfache Bogen und Pfeile von geringer Festigkeit, die umsonst gegen die Rüstungen und Panzer der Spanier, die sie unverwundbar machten, anzukommen suchten; indem das einfache Leinen, womit sich die Peruaner bekleideten, die schneidende Schärfe der europäischen Waffen nur abstumpfte. Obschon die Peruaner ihre Wohnsitze und ihre Freiheit vertheidigten, fühlten sie doch den ganzen Muth vaterländischer Begeisterung, und die Habsucht und der Fanatismus, welche in den Herzen der Europäer brannten, trieb dieselben ebenso unerschrocken in den Tod. Der Ruhm als Sieger Mexiko’s flößte den einen die Gewißheit der Siege ein, indeß die andern, von einer religiösen Furcht beherrscht, es für eine Gotteslästerung hielten, ihre Pfeile auf ihre Gäste zu richten, und wie wenn ein vom Himmel entfesselter Blitz über ihren Häuptern niedergefahren wäre, warfen sie sich, als sie den todbringenden Knall der Kanone vernahmen, bei dem dumpfen Donner, der ihnen den Zorn Gottes, des Lichtes, verkündete, zitternd auf die Kniee nieder.

So ungeheuer der Unterschied der numerischen Stärke der Heere war, so ungeheuer war auch der Unterschied der moralischen Stärke und der Sieg zweifelhaft. Die Einen wie die Andern rechneten auf kriegerische, tapfere Anführer und die einen wie die

andern Helden trachteten nach dem Siege und nach der Unsterblichkeit. Ruhig und tapfer, wußte Atahulpa den Gefahren zu trotzen; muthig und verwegen stürzte sich Pizarro in den Tod. Almagro empfand in Mitten seiner Kraftfülle den Zauber der Unsterblichkeit. Huascar, voll jugendlichen Feuers, auf den Schlachtfeldern erzogen, hatte den ganzen edlen Stolz eines Kriegers. Luque, das Cruzifix in der Linken und die Fackel in der Rechten, riß mit seiner Beredsamkeit die fanatische Menge mit sich fort und die peruanischen Priester wußten, den Weihrauch auf ihren Altären verbrennend, den religiösen Eifer ihrer Proselyten zu rühren. Das waren die Anführer und die Heeresmächte der kriegerischen Parteien.

Als die Genossen bereits über den Feldzugsplan nachdachten, kam in Tumbez eine prunkvolle Abordnung Atahulpas an, um die von Osten Gekommenen zu begrüßen und sie zu bitten, jene Gebiete zu verlassen und wieder in ihre Heimath zurückzukehren. Der Kaiser konnte den Schrecken, den sie beim Betreten seiner Besitzungen einflößten, nicht verhehlen. An der Spitze der Abordnung war der Prinz Huascar, ein Jüngling aus der Familie der Inkas, der im Namen Atahulpas die Spanier als seine Verwandten, als Söhne der Sonne, anerkannte und ihnen seitens des Kaisers Früchte, Korn, silberne und goldene Gefäße und tausend smaragdne Kostbarkeiten überbrachte. So den Spaniern ihre Aufwartung erzeigend, wollten sie die Sonne, welche sie mit Peru erzürnt vermutheten, versöhnen; alle Völker überhäuften sie um die Wette

mit Geschenken, liehen denselben ihre Dienste und trieben ihre Achtung bis zur Verehrung.

Umsonst bat Huascar im Namen seines Kaisers Pizarro um befriedigende Erklärungen wegen seines Verbleibens in Tumbez und wegen seines feindseligen Betragens; er konnte nur als Antwort darauf erlangen, daß er seitens seines Gebieters, des großen Königs im Osten, dem Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen hätte, und da er die ganze Macht seiner vortheilhaften Lage kannte, sprach Pizarro sanften aber prophetischen und erhabenen Tones mit Huascar. Noch ehe er weg ging, befahl er, seine Abtheilung zu versammeln, und lud den kriegerischen Peruaner ein, das Martialische der Vasallen des Königs im Osten zu sehen. Wirklich, als die Spanier anfingen, ihre Schwenkungen zu machen, schaute der tapfere Huascar mit Erstaunen die Pracht der Waffen, die Schnelligkeit der Pferde und die Einheit und Gleichförmigkeit der Bewegungen der Massen; beim Knattern der Gewehre aber und bei dem Donner der Kanone bemächtigte sich ein Schrecken seiner Blicke und in stumpfsinniger Ehrfurcht verabschiedete er sich von Pizarro und marschirte, in düstere Vorahnungen versunken, seinem Hofe zu.

Pizarro beschränkte sich nicht blos darauf, ihm zu sagen, er habe dem Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen, er hatte hinzugefügt, daß er dringend auf dessen Erlaubniß wartete, um nach Cajamalca zu ziehen und mit ihm zu sprechen, und daß er andernfalls den Weisungen gemäß, die er von seinem Herrn, dem König im Osten, empfangen hatte, handeln würde.

Zu gleicher Zeit, als er angesichts Huascars seine Soldaten schwenken ließ, wollte er ihn mit seiner Artillerie erschrecken, damit man ihn für den Herrn der Blitze hielte, und er erreichte seinen Zweck. Als Huascar bei Hofe angekommen war, legte er Atahulpa den festen Vorsatz Pizarros, nach Cajamalca zu gehen, um mit ihm zu sprechen, dar, schilderte ihm mit Furcht und Zagen den Anblick und die Waffen der Spanier, und gab ihm durch das dumpfe Getöse des zwischen den [hohen] Klippen der Anden dahinrollenden Donners einen Begriff von dem Knall der Kanone. Huascar, der tapferste Krieger Perus, war der Feigheit nicht verdächtig und er machte Atahulpa schaudern.

Der Kaiser versammelte die Klügsten und Aeltesten, um über den Ausbruch des Krieges oder die Duldung der von Osten Gekommenen zu berathschlagen; der Schrecken aber, der in ganz Peru allgemein war, und die freundschaftlichen Anerbietungen Pizarros ließen sie das Auskunftsmittel annehmen, einen neuen Boten nach Tumbez zu senden, daß die von Osten Gekommenen vor die Mauern Cajamalcas kämen. Wirklich ging eine neue Abordnung, Pizarro den Bescheid zu überbringen und das Reich erwartete mit der größten Angst den Ausgang eines so verworrenen Dramas. Die drei Genossen erkannten alsbald das Ehrwürdige, daß die Vorurtheile ihren Namen gemacht hatten, und sie zweifelten keinen Augenblick daran, ihren Marsch zu unternehmen.

Kaum durchbrach eines Morgens im Oktober 1532 die Morgenröthe das Dunkel der Nacht, als, nachdem

sich die Spanier vereinigt hatten, Luque mit dem ganzen religiösen Gepränge das Opfer der Messe feierte und die spanische Division ihren Marsch unternahm. Dem peruanischen Heere wäre es vielleicht ein Leichtes gewesen, die günstigen Stellungen, welche ihnen der Weg darbot, zu besetzen, die Spanier zu überraschen und in die Flucht zu schlagen, aber die Schlauheit Pizarros, die ihm die Freundschaft des Inkas gewann oder ihn mit Schrecken erfüllte, sicherte ihnen einen so schwierigen Durchzug. Die einsamen Ebenen zwischen Tumbez und Motupe erstrecken sich, ohne weder Wasser noch einen Baum, noch eine Pflanze, noch irgend welches Grün auf dieser entsetzlichen Strecke versengten Bodens anzutreffen, achthundert Meilen weit, die unglücklichen Peruaner aber, welche der Division als Lastthiere dienten, verschafften ihnen in dieser grauenhaften Einöde alles Nöthige. Von Motupe aus wandten sie sich den Gebirgen zu, die den untern Theil Perus umgeben, und kamen durch einen so schmalen und unzugänglichen Engpaß, daß eine geringe Anzahl von Soldaten ihn gegen ein mächtiges Heer hätte vertheidigen können: Aber durch die unvorsichtige Leichtgläubigkeit stellte sich den Auszüglern nicht das geringste Hinderniß entgegen, und ruhig nahmen sie Besitz von einer Festung, die diesen wichtigen Uebergang vertheidigte.

Endlich langten sie vor Cajamalca an, wo auf einer ausgedehnten Ebene grobe Lagerzelte mit genügenden Vorräthen an Lebensmitteln zubereitet worden waren, in denen sie sich sehr bequem dem Schlafe

und der Ruhe hingeben konnten. Bei ihrer Ankunft ließ Atahulpa sie ihre Freundschaftsschwüre erneuern und schickte ihnen noch reichere und auserlesenere Geschenke als zuvor und Pizarro, welcher die Denkungsart und die Großmüthigkeit der unschuldigen Bewohner der neuen Welt bereits kannte, überließ sich, in Erwartung des neuen Tages, wo er seinen Plan der Zerstörung und der Eroberung in’s Werk setzen konnte, dem Schlafe und der Ruhe. Die Peruaner kamen ihrem Schwure nach, weil sie es mit Göttern zu thun zu haben glaubten; die von Osten Gekommenen hielten sich nicht zu dieser religiösen Auffassung verpflichtet, weil sie Götzendienern schwuren, die im sechszehnten Jahrhundert verfluchte und verabscheuungswürdige Ungeheuer waren.

Kapitel 7.
Huldigung.

Das Reich schwankte zwischen Vertrauen, Furcht und Zweifel; alle Peruaner wollten die neuen Söhne der Sonne, die von Osten gekommen, sehen und bewundern; aber ein unerklärlicher Schrecken hielt sie ebenfalls in den Mauern von Cajamalca zurück, und sie wagten nicht, sich dem Lager ihrer Gastfreunde zu nähern. Schon hatte die Nacht ihren schwarzen Schleier ausgebreitet, als die Eindringlinge ihre Zelte bezogen, und die Bewohner jener bevölkerten Stadt konnten die Sehnsucht nicht stillen, die Männer, welche nach ihrer Annahme den Göttern gleich kamen, weder zu sehen, noch zu unterscheiden. Doch der neue Tag fing an, den Horizont zu erhellen, und die Zinnen und die Anhöhen der Stadt erschienen von einem ungeheuren Volke überdeckt, das seine Blicke erstaunt auf das Lager der von Osten Gekommenen heftete.

Es wäre Pizarro ein [Leichtes] gewesen, von dem Inka den Eintritt in die Stadt zu erlangen und sich seines Palastes zu bemächtigen, es schien ihm aber klüger, kein solches Opfer zu fordern, da er wegen der

Vortheile, die ihm seine Kavallerie und Artillerie gab, vorziehen mußte, sich auf freiem Felde zu schlagen, als sich mit einem Volke einzulassen, das er nicht kannte, wo er nicht mit so großer Unbefangenheit handeln konnte. Um seine geheimen Pläne vorwärts zu bringen, schickte er an jenem selben Morgen Almagro mit einem glänzenden Gefolge ab, damit sie den Inka beglückwünschen, ihn von Neuem ihrer friedlichen Anordnungen versichern, und um mit ihm den Zweck, der die Söhne der Sonne in sein Land brachte, ausführlicher zu besprechen, ihn um eine Zusammenkunft bitten sollten. Seine Abordnung wurde mit allen den Aufmerksamkeiten der Gastfreundschaft empfangen, welche die Peruaner den besten Freunden erweisen konnten. Atahulpa umarmte Almagro, empfing ihn mit den zärtlichsten Ausdrücken und ließ ihn bei Tafel von Prinzen seines Geblütes bedienen, verhehlte aber das Verlangen nicht, welches er hatte, daß die Spanier sein Land verlassen möchten, und um das Alles zu ordnen, versprach er ihm, Pizarro am folgenden Morgen besuchen zu wollen.

Die anständige Tafel des Monarchen, die Ordnung, welche an seinem ganzen Hofe herrschte, die Achtung, mit der sie mit ihm sprachen und dessen Befehle entgegennahmen, wunderte die Spanier, welche noch nichts als schwache Caziken herumziehender Stämme gesehen hatten. Noch mehr aber hefteten sie ihre Aufmerksamkeit auf die ungeheuren Reichthümer, welche so verschwenderisch den Palast schmückten, den kostbaren Zierrath des Inkas und seines ganzen Hofes, die Gefäße und goldenen und silbernen Tafelgeschirre, die

Menge aller Art Geräthschaften aus kostbaren Metallen, Alles war für die Boten ein Anblick, der jede Idee, welche sich ein Europäer aus dem sechszehnten Jahrhundert von der Ueppigkeit machen konnte, bei Weitem übertraf.

Inzwischen vermochte Almagro, obwohl auf den Schlachtfeldern aufgewachsen und unter Blut und Greuel großgezogen, die durchdringenden Reize der schönen Coya, einer ebenso verführerischen wie kriegerischen Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, nicht unempfindlich zu sehen. Angethan mit einem kurzen, luftigen Unterkleide von weißem Leinen, mit quer umgehängtem Köcher, und in der Linken den Bogen, stand sie an der Spitze der peruanischen Krieger, welche hinausgezogen waren, um die Abgesandten aus dem spanischen Lager zu empfangen. Weiß, wie die Gipfel der schneeigen Anden, frisch wie eine Nelke im Monat Mai, schlank und niedlich wie ein flüchtiges Reh, im achtzehnten Frühling ihres Alters, wogte ihr welliges Haar in der Gewalt der leichten Winde, ihre Blicke durchdrangen die eisernen Waffenrüstungen, kein Mensch widerstand ihrem Zauber und Alle fielen als Sklaven ihrer Liebe nieder. Noch jung und von Natur aus hübsch, fühlte Almagro die ganze Macht der Schönheit Coyas und im Innersten seines Herzens brannte die Liebe mit unauslöschlichem Feuer.

Endlich ging die Botschaft aus Cajamalca heraus und kehrte in das Lager Pizarros zurück. Mit von dem Anblick, dessen Zeugen sie gewesen waren, noch entflammter Einbildungskraft machten die Botschafter

ihren Gefährten von dem, was sie gesehen hatten, eine so verführerische Beschreibung, daß Pizarro in dem Vorsatz, worüber er bereits nachgedacht hatte, bestärkt wurde. Durch das, was er an den Sitten der neuen Welt beobachtete, wußte er, wie vortheilhaft es für ihn wäre, sich der Person des Inkas zu bemächtigen, und er entwarf einen Plan, der ebenso große Kühnheit als Geistesgegenwart erforderte. Mit Umgehung des ernsten Charakters, den er annahm, wenn er sich als Gesandten eines großen Machthabers anzeigte, der mit dem Inka ein Bündniß einzugehen wünschte, mit Umgehung der wiederholten Freundschaftsbetheuerungen, die er an ihn verschwendet und der Anerbietungen, die er ihm gemacht hatte, beschloß er, sich der leichtgläubigen Einfalt, womit Atahulpa seinen Betheuerungen vertraute, zu bedienen und sich bei der Zusammenkunft, zu der er ihn eingeladen hatte, der Person dieses Fürsten zu bemächtigen.

Am Morgen des 16. November 1522, als der Inka ihn besuchen sollte, bereitete er die Ausführung seines Planes mit so großer Kaltblütigkeit und so geringem Bedenken vor, wie wenn nicht andern Tags seine Entehrung und der Schandfleck der Waffen seines Vaterlandes sein könnte. Er theilte seine Kavallerie in zwei von Soto und Benalcazar, verwegenen Offizieren, befehligte Flügel, welche die Flanken seiner zum Kampfe entfalteten Infanterie bedeckten; in der Mitte behielt er zwanzig seiner unerschrockensten Gefährten, die ihm bei dem gefährlichen Unternehmen, das er sich vorbehielt, halfen, seine Artillerie brachte

er gegenüber dem Wege, durch den der Inka kommen mußte, unter und gab der Division Befehl, nicht anzugreifen, bis daß seine Stimme das Zeichen zum Ausbruch gäbe. Bedauern wir den Fanatismus und die Rohheit des sechszehnten Jahrhunderts, um ein so großes Verbrechen zuzudecken!...

In aller Frühe fingen peruanische Regimenter an, aus der Stadt zu ziehen und sich auf dem Felde aufzustellen, und das ganze Volk war in der größten Aufregung, weil Atahulpa Pizarro in aller Pracht besuchen wollte. Obschon die Vorbereitungen sehr frühzeitig begannen, war die Feierlichkeit und das Gepränge so groß, daß der Morgen bereits zu Ende ging und der Inka nicht in das Lager seines Gastfreundes kam. Ungeduldig, befürchteten die Eindringlinge bereits irgend ein Mißtrauen seitens des Kaisers, das ihre Pläne vereitelte, als der unschuldige Inka, von fünfhundert auf das Prächtigste ausgerüsteten Adeligen umgeben, die beim Tone einfacher Militärmusiken einherzogen, mit der ganzen Majestät unschuldigen Stolzes erschien. Atahulpa, der auf einem goldenen, mit prächtigen, vielfarbigen Federn verzierten und mit Edelsteinen beladenen Throne saß, wurde im Mittelpunkte des Hofes auf den Schultern der edelsten Höflinge getragen und hinterher folgten ihm desgleichen seine ersten Beamten. Ganze Truppen von Tänzern und Musikbanden gingen einem so feierlichen Aufzuge voran und belebten ihn und die mit mehr als dreißigtausend Soldaten bedeckte Flur bot das Bild des mächtigen Reiches dar.

Der Tag war ruhig und heiter und die strahlende Sonne stand hoch am Himmel. Ein lieblicher Wind bewegte sanft die farbigen Federn und die weißen und faltigen Gewänder des prunkhaften Hofes, und in den Strahlen der reinen Sonne Perus erglänzten die goldenen Tragbahren und die todbringenden Waffen der Eindringlinge. Als Atahulpa sich dem Lager Pizarros näherte, ertönten lärmend die dumpfen Trommeln und die schmetternden Trompeten und die spanische, mit dem prächtigen rothen Kreuz verzierte Fahne entfaltete sich im Winde. Wenn die Peruaner überrascht den Achtung gebietenden Anblick der von Osten Gekommenen, ihre mit langen Bärten bedeckten Gesichter und die Pracht und die Herstellung ihrer grimmigen Waffen betrachteten, sahen Pizarro und seine Gefährten nicht weniger mit Erstaunen den Glanz und die Pracht des peruanischen Hofes und die anscheinende Mannszucht ihrer unzähligen Soldaten. Der goldene Thron jedoch und die ungeheuren Reichthümer, welche ihnen ein Sieg anbot, erregten zu sehr deren Einbildung, als daß sie die Gefahren der Entzweiung berechneten. Inzwischen langte Atahulpa, indem er fortwährend zu seinen ersten Beamten sagte: »Es sind vom Himmel Gesandte, hütet euch wohl, sie zu beleidigen,« im Lager seiner Feinde an.

Kaum hatte er den Lagerplatz betreten, als Luque, das Cruzifix in der Linken und sein Brevier in der Rechten, auf den Inka zulief und dem Monarchen in einer langen Rede und den dunkeln Glaubensansichten des sechszehnten Jahrhunderts nach die Lehre von der

Schöpfung, den Sündenfall des ersten Menschen, die Menschwerdung Jesu Christis, die Erwählung, welche Gott an dem heiligen Petrus vollzog, damit er sein großer Stellvertreter auf Erden werde, die auf die Päpste übertragene Macht des heiligen Petrus und die vom Papste Alexander, dem König von Castilien gemachte Schenkung aller Ländereien der neuen Welt darlegte. Nachdem er diese ganze Lehre auseinandergesetzt hatte, lud er Atahulpa ein, die christliche Religion zu umarmen, die Machtvollkommenheit des Papstes anzuerkennen, sich dem König von Castilien als seinem rechtmäßigen Oberherrn tributpflichtig zu erklären, und wenn er also thäte, er zu regieren fortfahren und der König, sein Gebieter, Peru unter seinen Schutz nehmen würde; er ihm aber, wenn er zu gehorchen sich weigerte und auf seiner Gottlosigkeit bestünde, unter Androhung der fürchterlichsten Rache den Krieg erklärte.

Atahulpa verstand wenig von dieser sonderbaren Rede, da sie unbegreifliche Mysterien und unbekannte Thatsachen enthielt, wozu die ganze menschliche Beredsamkeit nicht ausreichte, einem Peruaner in so kurzer Zeit deutliche Begriffe beizubringen. Auf die allereinfachsten Dinge jedoch, die er verstanden hatte, antwortete er mit höchster Mäßigung, daß er mit dem größten Vergnügen ein Freund des Königs von Spanien, aber niemals sein Tributpflichtiger wäre, daß der Papst auch gar zu unverschämt sein mußte, um so freigebig das zu verschenken, was ihm nicht gehörte; daß er seine Religion niemals verließe und daß, wenn die Christen ihren auf der Schädelstätte

am Kreuz gestorbenen Gott anbeteten, er die erhabene Sonne verehrte, die niemals stürbe; und schließlich frug er den Verweser, wo er das, was er ihm von Gott und der Schöpfung gesagt hatte, gelernt habe. In diesem Buche,antwortete Luque, ihm das Brevier darreichend, bereits entflammt. Atahulpa nahm das Buch mit Verwunderung, besah es von allen Seiten, hielt es an sein Ohr und bestätigte dem Redner: »Das, welches ihr mir da gebt, spricht nicht, sagt nichts,« und er warf es verächtlich weg. Da wandte sich Luque, wüthend, an seine Gefährten, indem er schrie: Rache, ihr Christen; das Wort Gottes ist entweiht worden, rächt diese Schmach, verzehrt diese Ungläubigen.

Pizarro, der kaum die Ungeduld seiner Soldaten zügeln konnte, um sich über die Reichthümer herzustürzen, die ihnen in die Augen stachen, gab das Zeichen zum Angriff und die Trommeln und Trompeten spielten zum Einhauen. Die Infanterie und Artillerie gab eine geschlossene Salve ab, die Kavallerie griff mit dem Säbel in der Hand an und Pizarro mit den zwanzig Auserwählten warf sich kurz entschlossen auf den Inka. Voller Schrecken ergriffen die Indianer verzagt die Flucht, so unerklärlich waren ihnen die Pferde, welche sie niederrannten, sowie das Getöse der Infanterie und Artillerie, die sie zerfleischte und wie ein unsichtbarer Strahl versengte, und die Eindringlinge richteten auf der ganzen ausgedehnten Flur eine Niederlage und ein wahres Blutbad an. Vergebens umgaben, mit ihren wehrlosen Brüsten eine Mauer für

ihn bildend, den Inka seine Edeln. Sie fielen alle unter der Wucht der Klinge Pizarros, welcher den Monarchen an den Haaren schleppte und ihn gefangen nahm, und die Kavallerie fuhr bis zur Tagesneige mit dem Gemetzel fort. Eine Menge Prinzen von dem Geschlechte der Inkas, die Minister, die Blüthe des Adels, Alles, was den Hof Atahulpas ausmachte, und viertausend Soldaten und Frauen, Kinder und Greise, welche hinausgegangen waren, um die prächtige Feier zu sehen, fielen unter der Wucht der Waffen auf dem Schlachtfelde von Cajamalca; es war nichts als Tod, Trostlosigkeit und Entsetzen.

Die Nacht breitete ihren traurigen Schleier aus und das von Blut geröthete, leichenbedeckte Feld bot für das jungfräuliche Amerika den entsetzlichsten Auftritt dar. Einige der Angreifer drangen noch in die Stadt hinein, aber vereinzelt und zerstreut, mußten sie wieder zu ihren Zelten zurückkehren, wo in Ketten gebunden der Unglücklichste aller Sterblichen, jener Herrscher seufzte, der, von einem prunkvollen Hofe umgeben, von den ersten Adeligen des Staates auf den Achseln getragen, einen Augenblick vorher ein Bild der Götter schien. Eine schreckliche, nur von dem Wehklagen der Verwundeten unterbrochene Stille herrschte auf dem Felde der Niederlage, bis daß, nachdem sich die Eindringlinge wieder in ihre Zelte zurückgezogen hatten, der von den tiefen Seufzern der Sterbenden untermischte Siegestaumel die Umkreise zu betäuben begann.

Kapitel 8.
Fromme Bräuche.

Die wenigen Adeligen und Höflinge, welche sich vor dem Gemetzel retteten, und das ganze Heer der Peruaner schlossen sich, als schon die Nacht ihren schwarzen Schleier ausgebreitet hatte, in den schwachen Mauern Cajamalcas ein. Da beweinte der Vater den Sohn, der Gatte die Gattin, die Jungfrau ihren Angebeteten, das Volk seinen Herrscher, und traurige und tiefe Seufzer ertönten in Mitten des frommen Schreckens, der die neue Welt beschäftigte. Die Seufzer der Stadt vermischten sich mit dem Wehklagen der Verwundeten, die ihr Leben auf dem Felde der Niederlage aushauchten, und als der trübselige Mond aufging, erfüllte er die unschuldigen Sonnenanbeter mit Entsetzen. Weder das Rachegeschrei, noch die verzweifelten Verwünschungen trösteten die Betrübten in ihren reichlichen Thränen; sie hielten jene Ausrottung für ein Werk des Himmels, sie hielten die Europäer für Söhne Gottes, des Lichtes, und wenn sich ihre Seufzer dem Innersten der Seele entrangen, hefteten sie ihre Blicke nur auf die Erde

und wagten nicht, dieselben zum grauen Himmelszelt zu erheben.

Das Volk, der Adel, die Inkas, die Priester und die unzähligen, auf den Plätzen und in den Straßen vermengten Krieger waren wie in einer tiefen Betäubung versteinert und kein Mensch unterbrach jene fromme Scheu. Schon neigte der verschwiegene Mond sein fahles Angesicht der Erde zu und der erste Schimmer des Morgensterns fing an, den Horizont zu erhellen, als Vericochas, der älteste Priester des Reiches, sich, ohne sein Schluchzen zu unterdrücken, an das Volk wandte und mit gebrochener Stimme anhub: »Peruaner, der erhabene Gott des Tages,« rief er in Thränen gebadet aus, »durchbricht das Dunkel der Nacht und taucht die Gebirge in Purpurroth. Vielleicht erzürnt, sein Antlitz von lebendigem Lichte geröthet, fährt der grollende Donner und der zuckende Blitz vor ihm her und die Himmel entbrennen. Beugen wir uns demüthig vor seiner Macht, lobpreisen wir seine Allmacht und flehen wir ihn um Erbarmen an. Eilen wir in den allerheiligsten Tempel, bringen wir ihm unschuldige Opfer dar und besänftigen wir seinen Zorn.« So sprach er und ruhigen Schrittes ging er auf den Tempel zu; die Priester umringten ihn und das Volk und die Krieger folgten ihm nach.

Der Tempel von Cajamalca, geräumig und weit, faßte eine ungeheure Menge. Mit prächtigen Federn verziert, mit Gold und Silber ausgeschlagen und einem Fußboden von kostbarem Marmor, trug er den ganzen Reichthum Perus, die ganze fromme Verehrung der

Peruaner zur Schau. Ein einfacher, aber geschmackvoller Altar stand im Hintergrunde jenes majestätischen Raumes; ein in Mitten des Altars aufgestelltes Sinnbild der Sonne war die Gottheit, vor der sich Herrscher, Volk und Priester niederwarfen, und zu dessen Seiten standen, einfach bekleidet, die Büsten der Inkas und der Bürger, die es ihrer ausgezeichneten Tugenden wegen bis zur Nachahmung der wohlthätigen Gottheit gebracht hatten.

Kaum barg der Tempel die Menge, als harmonische Laute das Gepränge der religiösen Ceremonie verkündeten und zahlreiche Chöre den neuen Tag begrüßten.

Hymne an die Sonne.

1. Chor.

Oh Vater des Tages! Oh Gott des Lichtes!
Nach Osten erhebe den Strahlenkranz;
Erleuchte die in Finsterniß seufzende Erde,
Erhabene Gottheit, gieße aus deinen Glanz.

2. Chor.

Am rauschenden Strome des göttlichen Feuers
Entstehet die Liebe und die Schatten entflieh’n;
Und die Welt belebt sich, es wachsen die Blumen
Und es kleidet der Wald sich in herrliches Grün.

1. Chor.

Oh Sonne! die du hoch am Himmel thronest
Und Alles erfüllest mit deinem Schein,
Du weißt, das deine Söhne das Feuer verehren,
Ruhig, ohne Verbrechen und rein.

2. Chor.

Es segnet der Gerechte dein leuchtendes Antlitz,
Und stumm im Finstern siehet die Welt;
Den elenden Bösewicht, der die Schatten suchend,
Lichtscheu, sich dem Verbrechen gesellt.

1. Chor.

Fackel, die du ewig am Himmel erglühest,
Ruhe spendest der Welt und Glück,
Heiter leuchtend, dein Volk zu trösten,
Ziehe dich nicht hinter Wolken zurück.

2. Chor.

Wenn trübe deinen Zorn du der Erde verkündest,
Brauset die See in tiefer Wuth,
Wenn heiter du glänzest, verbreitest du Stille
Und Meer und Wald athmen Liebesgluth.

Die Hymne an die Sonne ertönte durch die weiten Rundbogengewölbe, indeß das leuchtende Gestirn bereits ruhig und heiter am Horizonte glänzte. Gefolgt von vier Priestern, schritt Vericochas auf den Altar der wohlthätigen Gottheit zu und brachte mit prunkvollen und einfachen Bräuchen seinem Gotte in goldenen Gefäßen schöne Früchte als unschuldiges Opfer dar und das Volk fiel auf die Kniee nieder und es herrschte die tiefste, feierlichste Stille. Der Priester hob nachher seine schwermüthigen Augen auf und in friedlichem Widerscheine erglänzte die Sonne an den Rundbogengewölben. »Oh! ewiger Gott,« rief er begeisterten Tones aus, »dein strahlendes Licht erfülle deine unschuldigen Söhne mit Hoffnung; versage ihnen nicht, von nebligen Dünsten bedeckt, deinen göttlichen Einfluß, noch verkündige ihnen deinen Zorn.«

Wenn in der Religion der Peruaner sich die Sonne in ihrem ersten Dämmerschein bewölkt darbot, so war der Gott erzürnt und kündete seinen Zorn an; erschien sie, wiewohl nachher hell und klar erglänzend, drei Tage lang undurchsichtig, so zeigte er seine Rache an und das Reich erbebte. Bot sie sich im Gegentheil

heiter und glänzend dar, war Alles Lust und Freude, weil die Gottheit sich zufrieden zeigte. Als die Peruaner die Sonne glänzen sahen, lächelte ihre Hoffnung, da sie den Zorn ihres erzürnten Gottes nicht befürchteten. Die grauenhafte Niederlage ihres Hofes jedoch, die Gefangennahme ihres Monarchen, dessen Loos sie nicht kannten, der Gedanke, daß die Eindringlinge übernatürliche Wesen waren, ein Eindruck, den die Kavallerie und die Artillerie ihnen verursacht hatte, Alles stürzte sie in eine unergründliche Verwirrung und in die schwermüthigsten Betrachtungen.

Betäubt, entzückt vor dem Altare knieend, verharrte Vericochas lange Zeit hindurch in einer tiefen Entzückung, als er endlich mit hohlem Echo, das dem Innersten seiner Seele entdrungen schien, ausrief: »Nein, Peruaner, das Verbrechen und die Gottheit sind unbegreiflich. Diese von Osten Gekommenen sind weder von dem Geschlechte der Inkas, noch können sie Söhne des immerwährenden Gestirnes sein.«

Das Volk horchte erstaunt auf und der Priester fuhr mit begeisterter Beredsamkeit fort: »Nein Peruaner, Verbrechen und Gottheit sind unbegreiflich. Diese Fremdlinge haben tausendmal bei ihrem Gott geschworen, daß sie kamen, um an der Wohlfahrt des Reiches zu wirken; unter tausend heiligen Schwüren versprachen sie einem unschuldigen Monarchen und einem einfältigen Volke, die im Vertrauen auf Versprechungen von Gottheiten arglos in deren Arme liefen, die schuldige Gewährleistung, als sie, die vernichtenden Waffen treulos verbergend, auf eure Krieger

und euren Hof einhieben und euern Beherrscher an den Haaren schleppten! Strahlend leuchtet die Sonne, nicht in Dünste eingehüllt, verkündigt sie ihren Zorn.« Und ein heftiges Gemurmel rührte das Volk.

»Es ist wahr, noch sehe ich die schnellen Scheusale unsere Krieger niederrennen; noch ertönt in meinen Ohren der fürchterliche Donner, der unsere Reihen zerstörte, aber Alles kann das Werk eines boshaften Geistes sein, Alles kann, bei dem Willen dieses Gottes, der uns erleuchtet, unterliegen. Kommt, Peruaner, schwört vor dem Altare, daß wenn uns der Himmel nicht enthüllt, ob es seine Söhne sind, und wir unserm Schicksal weichen müssen, wir eher die fruchtbaren Fluren mit unserm Blute besprengen, als uns unsere Gesetze, unsere Freiheit und unsern Gottesdienst entreißen lassen werden.« Aber das vor Schrecken erstarrte Volk seufzte nur bei der Stimme seines angebeteten Priesters.

»Und ihr bezweifelt es noch,« fuhr Vericochas fort, »ich hörte es aus deren Munde, wir kamen, um euch die Geheimnisse des Christenthums einzuflößen, um euch dem gebieterischen Sonnenkultus zu entreißen und um euch den Heiland am Kreuze anbeten zu lassen, und damit ihr den großen König im Osten als Herrscher und Gebieter anerkennt.« Die Edelleute, die den Monarchen umgaben, welche das Gespräch, das Luque an ihn richtete, hören konnten, waren auf dem Felde vor der Wucht der Waffen gefallen. Vericochas und Huascar waren die Einzigen, die, wegen ihres Adels in unmittelbarer Nähe stehend, sich vor dem

Tode gerettet hatten und die mit Bewunderung den Vorschlag hörten, sich dem Herrscher im Osten zu ergeben und dem erhabenen Sonnenkultus zu entsagen. Vericochas erpreßte dem Volke Thränen und Huascar rief entzückt aus: »Peruaner, ich habe es auch gehört.« Ein dumpfes Geflüster fing an, in dem geräumigen Tempel zu herrschen, die gerührte Menge gab bereits ihre Begeisterung zu erkennen, und Vericochas machte mit Aufbietung der ganzen Macht der Beredsamkeit das Volk mit der Nothwendigkeit, das Loos des unglücklichen Monarchen zu erforschen, bekannt, Huascar zum Oberbefehlshaber des Heeres zu ernennen und die Eindringlinge, wenn es nöthig wäre, anzugreifen oder wenigstens die Mauern von Cajamalca zu vertheidigen, um ihre Reichthümer, ihre Gesetze, ihre Freiheit und ihre Tempel zu retten.

Den Schrecken, der es erstarrte, ein wenig abschüttelnd, eilte das Volk endlich im Getümmel nach den Altären, und vor dem Sinnbild der Sonne liegend, schwuren alle Peruaner Vericochas in die Hand, den Triumph der Eindringlinge nicht zu überleben. Huascar, der Edelste aus dem Geschlechte der Inkas, derjenige, welcher mit dem meisten Rechte darnach trachten konnte, als Herrscher gewählt zu werden, der tapferste Krieger, wurde zum Häuptling von Peru ernannt, und um den Tempel nicht mit dem Rachegeschrei zu entweihen, lief das Volk nach den prächtigen Säulenhallen, und hier entflammten Vericochas und Huascar ihren Zorn und machten sie damit bekannt, daß das Verbrechen und die Gottheit unbegreiflich

seien, daß die von Osten Gekommenen nicht Söhne der Sonne sein konnten, daß es Sterbliche waren und der Tapferkeit erlägen.

Der Rath der Aeltesten, welcher einberufen wurde, berathschlagte bedächtig über das Verhalten, das man mit den von Osten Gekommenen zu wahren hatte, und über die Art, den Krieg zu führen und sich kräftig auf die Rache vorzubereiten. Sie kamen überein, daß eine Botschaft in das Lager Pizarros abgehen sollte, um, wenn er noch nicht gestorben war, das Schicksal des Monarchen bestimmt zu erfahren und um jeden Preis seine Freilassung zu erwirken; aber an den Mangel an Glauben der Eindringlinge erinnernd, glaubte man mit Recht, daß sie die Abordnung umbrächten und sie in keiner Weise ihren Zweck erreichen würde. So groß jedoch war die Liebe der Peruaner zu ihren Inkas, so groß das Interesse an der Gesandtschaft, so groß die Vaterlandsliebe jener unschuldigen Bewohner, daß sich, so sicher sie ihrem Tode entgegensahen, Alle anerboten, in das Lager Pizarros zu gehen. Die Umsicht des Rathes durfte nicht gestatten, daß sich die Abordnung aus den ersten Persönlichkeiten des Reiches zusammensetzte, aber dessen ungeachtet konnten sie den flehentlichen Bitten Ocollos und Coyas nicht widerstehen.

Ocollo, die Schönste, die Tugendhafteste von Atahulpas Konkubinen, diejenige, welche am Meisten die Liebe des Monarchen verdiente, stellte sich, in Trauer gekleidet und in Thränen gebadet, dem Rathe vor und trug ihren Entschluß vor, in das Lager Pizarros

zu gehen, um das Schicksal des Inkas, den sie verehrte, zu erfahren, und um, wenn er in Ketten seufzte, sich zu Füßen seiner Unterdrücker zu werfen, um mit ihren heißen Thränen deren Mitleid zu rühren. Coya, die berühmte Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, jene schöne Coya, welche dem stattlichen, artigen Almagro so große Liebe eingeflößt hatte, war bei den schmachtenden und durchdringenden Blicken des kriegerischen Spaniers ebensowenig unempfindlich gewesen, sie liebte ihn im Innersten ihres Herzens, sie hatte erkannt, daß sie geliebt wurde, und sie verlangte nach dem Augenblicke, ihren Angebeteten wieder zu sehen.

Die beiden unschuldigen Opfer der Liebe überredeten den Rath und man verfügte, daß sie in das Lager der von Osten Gekommenen gehen sollten. Die Aeltesten kannten die heiße Liebe Ocollos zu Atahulpa sehr wohl und sie waren überzeugt, daß die Europäer ihre Waffen nicht so leicht an einer Schönheit mit Blut besudeln würden und hielten es für vortheilhaft, daß sie die Botschaft auf sich nahm. Nicht so meinten sie von Coya, die, vertraut mit den Gefahren, tapfer in den Schlachten, mit zarter Hand geschickt die Pfeile zu lenken wußte, sich der Liebe des Heeres erfreute und muthig die Krieger in den Tod trieb. Berühmt durch ihre Geburt, ihrer Reize wegen angebetet, würde, wenn sie Ocollo nicht nothwendig begleiten müßte, ihr Tod das Reich in Trauer versetzen. So wiederholt und rührend waren aber ihre Bitten beim Rathe, der die Ursache, welche dieselben

hervorbrachte, nicht kannte, daß er am Ende nachgab und die beiden Schönen ziehen ließ.

Die Sonne war bereits nahe der Mitte ihrer friedlichen und strahlenden Laufbahn, sie belebte mit ihrem göttlichen Einflusse die Peruaner, welche, ein wenig von ihrem Schrecken erholt, auf besseres Glück hofften, wie es ihnen die wohlthätige Gottheit in ihrem Glanze verkündigte. Schon bereiteten sich die Krieger, welche die Mauern besetzten, von Neuem vor, beim Zischen der Strahlen der Eindringlinge zu fallen, aber ihre Furcht war nicht so groß, weil sie anfingen zu bezweifeln, daß es Götter waren. Bei der Betrachtung der Niederlage ihres ganzen Hofes und ihres Adels bot das mit Leichen bedeckte Feld mit dem Lager Pizarros, worin Schwelgerei und Gelächter herrschten, den schrecklichsten Gegensatz dar. Nachdem die Botschaft vorbereitet, richteten die unschuldigen Bewohner von Cajamalca, in schwermüthige Erinnerungen versunken, von einem stürmischen Uebel der Beunruhigung erfaßt, die sehnsüchtigsten Blicke an ihren Gott, und die beiden Schönen schickten sich an, nach dem Lager der Sieger zu gehen.

Kapitel 9.
Waffenstillstand.

Müde, auf den Feldern Cajamalcas zu schlachten, zogen sich die Eindringlinge, als die erschrockenen Peruaner sich bereits in den Mauern eingeschlossen hatten, und die Nacht ihren dunkeln Schleier über den mit Blut bespritzten Kampfplatz ausbreitete, abermals in ihre Zelte zurück. Eine unermeßliche Beute war die Frucht jenes berühmten Tages, so unermeßlich, daß sie die riesigen Begriffe und Hoffnungen, welche die Abenteurer von jenen reichen Gebieten gefaßt hatten, bei Weitem übertraf. Der prächtige, goldene Thron Atahulpas, die ungeheuer vielen Edelsteine, welche den Monarchen, seinen Hof und seine Adeligen bedeckten, Alles fiel in die Gewalt der Sieger, die sich in einem günstigen Augenblicke sozusagen der Reichthümer des Reiches bemächtigten. Obwohl unter sanften Vorstellungen und [Gebärden], wurde der gefangene Kaiser, indem man ihm sagte, daß dieses, da es der Papst Alexander ihm überlassen hatte, dem großen König im Osten gehörte, aller seiner Reichthümer, womit er sich schmückte, beraubt, und wie es bei allen Siegen natürlich

ist, zerstreuten sich die Sieger über das Schlachtfeld und beraubten und entkleideten beim Scheine des flimmernden Mondes die Leichen und Verwundeten. Es waren Ketzer, die unglücklichen Sonnenanbeter, denen das sechszehnte Jahrhundert nichts als Entsetzen, Verachtung, Tod und Verderben gewährte.

Durch den Schrecken, den sie ihren Gegnern eingeflößt hatten, sicher, gaben sich die Eindringlinge, ohne Furcht, angegriffen zu werden, in Mitten ihrer üppigen Beute der Schwelgerei und dem Lachen hin, und unverzüglich schritt man, gewissenhaft einen Fünftel für den König von Spanien bei Seite legend, entsprechend den militärischen Abstufungen zur Vertheilung so großer Schätze, und nach den besten peruanischen Texten entfielen auf jeden einfachen Soldaten Beträge von fünfzehntausend Duros. [3] Der Lärm und die Fröhlichkeit ertönten in einem mit dem Wehklagen der Verwundeten und den Seufzern Atahulpas, und so zog die schweigsame Nacht bereits ihren Schleier ein und der Morgenstern erhellte den Horizont.

Der Inka konnte in den ersten Augenblicken seiner Gefangennahme, in Mitten seines Erstaunens, kaum an einen so unerwarteten und überraschenden Erfolg glauben; gar bald aber sah er die ganze Entsetzlichkeit seines Schicksals ein und seine Niedergeschlagenheit entsprach der Höhe, von wo er gefallen war. Pizarro, der die Vortheile, welche ihm der Besitz eines so ansehnlichen Gefangenen einbringen mußte, zu verlieren befürchtete,

bemühte sich, ihn mit Liebes- und Achtungsbezeugungen zu trösten, und andrerseits erklärte ihm Luque bedächtig die Geheimnisse des Christenthums und ermahnte ihn, den Heiland am Kreuze anzubeten. Aber der Inka bat ihn in Mitten seines Entsetzens innigst, seine Ermahnungen einzustellen, da sie späterhin mit Bedacht über den Gegenstand sprächen, weil jene Augenblicke Gefühls- und nicht Verstandessache seien.

Pizarro indessen befahl seinen Soldaten, den Kaiser mit aller der einem so hohen Gefangenen gebührenden Aufmerksamkeit zu behandeln und zu bedienen, und kaltblütig berechnete er die Vortheile, welche er durch ihn aus einem ihre Herrscher vergötternden Volke ziehen konnte. Seitdem sich Pizarro der Person Atahulpas bemächtigt hatte, hielt er sich für den unumschränkten Herr des Reiches, er mußte sich aber noch so lange verstellen, bis daß ihm die Zeit sein Verhalten bezeichnete. Endlich, da er seinen Versprechungen nicht nachkam, triumphirte er, und trotzdem er den frommen Schrecken kannte, den seine Ankunft im Reiche verursacht hatte, konnte er doch nicht voraussehen, wie sich die Peruaner verhalten würden, und umsonst mochte er unter hundert Vermuthungen seinen Feldzugsplan entwerfen.

Das war der Zustand des feindlichen Lagers, als sie, nachdem bereits der Abend eingetreten war, ein kurzes und einfaches Gefolge aus der Stadt herausgehen sahen. Die schwachen, von einem unermeßlichen Volke gekrönten Mauern Cajamalcas zeigten die Erregung seiner Bewohner und die Wichtigkeit der Abordnung, worauf sie ihre Blicke hefteten; und Pizarro

durchschaute alsbald, daß dieser Schritt ihm großen Aufschluß für seine Absicht geben würde. Wirklich kamen Ocollo und Coya mit einem kurzen Gefolge aus der Stadt heraus und lenkten ihre Schritte nach dem Lager der Eindringlinge. Aus einiger Entfernung sandten sie eine Botschaft an Pizarro, indem sie um Erlaubniß baten, ihn sprechen zu dürfen, was ihnen alsbald gewährt wurde, worauf sich die Peruanerinnen dem Lagerplatze näherten.

Nichtsdestoweniger überraschte es ihn, daß nur zwei schöne Frauen der Abordnung vorstanden, worauf, wie er glaubte, das Schicksal des Reiches beruhte; aber er verbarg sein Erstaunen während eines einzigen Augenblicks, als Ocollo zögerte, sich ihm vor die Füße zu werfen. »Sohn der Sonne«, rief sie aus, »welches ist das Schicksal Atahulpas, lebt dein Bruder, der Inka, noch?« Verwirrt hob sie Pizarro vom Boden und sagte zu ihr: »Er lebt noch, schöne Peruanerin, er lebt noch, und noch ist es Zeit, um ihn zu retten; stille deine Erregung.« Almagro heftete seine Blicke auf die göttliche Coya: Er fühlte die Liebe, welche sie ihm bereits eingeflößt hatte, immer heftiger entbrennen, und in tiefer Betäubung wahrte er das beredteste Stillschweigen. Coya durchdrang die Seele Almagros; arglose jungfräuliche Schamröthe erglänzte auf ihren Wangen, und die Flamme der reinsten Liebe loderte in ihrem Herzen.

Durch die tröstenden Worte Pizarros wurde Ocollo wieder beruhigt und sie bat ihn inständig, er möchte ihr erlauben, mit dem Monarchen zu sprechen. Sie

sagte ihm ausführlich, wer sie war, die Liebe, welche sie zum Inka hatte, daß der Inka sie verehrte und die Zufriedenheit, welche ihm ihr Anblick verursachen würde; aber von seiner Freilassung, noch von dem Zustande Cajamalcas und des Reiches sagte sie ihm nichts. Pizarro sah die Schönheit und Reize Ocollos nicht mit [Gleichgültigkeit]; wenn auch ehrgeizig und stolz, war er am Ende doch ein Mensch und der Liebe empfänglich. »Ja, Ocollo«, sagte er zu ihr, »du kannst den Monarchen, den glücklichen Sterblichen, der sich deiner Reize erfreut, wohl sehen....« Und die Augen des Kriegers funkelten, ohne ihren rohen Stolz zu verlieren, vor lauter Liebe. Er befahl, sie in das nahe Zelt der Inkas zu führen, trug aber der Wache auf, daß sie nicht von deren Seite wiche, bald damit sie keine Liebkosungen austauschten, auf die Pizarro schon neidisch war, bald damit Atahulpa keine wichtigen Mittheilungen machte.

Almagro und Coya seufzten, von der Liebe, die sie im Innersten ihres Herzens verbargen, bedrängt; aber von hundert Zeugen umgeben, war es ihnen nicht möglich, ihre Schmerzen zu beklagen, noch ihre Leidenschaft auszulassen. Almagro jedoch benutzte einen Augenblick und sagte zu Coya, daß, wenn sie diese Nacht mit einigen Regimentern auf das Feld hinausginge, er die Flur durchstreifen und sie sehnlichst suchen würde, um ihr wichtige Geheimnisse zu enthüllen. Die Schöne durchschaute Almagros ganzen Gedanken, sie nahm die Bestellung an, und die Stille schien in diesen beiden beunruhigten Herzen einzukehren.

Ocollo wurde an das Zelt des unglücklichen Inkas geführt, der unter einer zahlreichen Bewachung seufzte, und als sich die beiden Ehegatten sahen, liefen sie, von einem höhern Antrieb, als ihrer Niedergeschlagenheit und ihrer Gefahr, hingerissen, sich an einander zu schmiegen. Trotz der sie umstehenden Spanier und Peruaner schmiegten sich ihre Herzen zärtlich aneinander, und ihre brennenden Lippen schlossen sich in hundert Liebesküssen. Lange Zeit herrschte, ähnlich der Windstille der Wogen nach schweren Gewitterstürmen, in dem Zelte und im Lager der Sieger ein tiefes Schweigen; reichliche Thränen benetzten die unschuldigen Ehegatten, und die Liebe, die Freude und großes Herzeleid glänzte auf den Gesichtern und lähmte die Lippen. Ocollo brach endlich das Stillschweigen, indem sie den Inka mit süßeren Liebkosungen als die Luft an heißen Sommerabenden tröstete, und Atahulpa frug nach seinen Edlen und seinen Kriegern, und jedes Mal, wenn ihm gesagt wurde, daß einer auf dem Schlachtfelde von Cajamalca getödtet worden sei, wandte er die Augen zur Sonne und rief geängstigt aus: »Gott des Lichtes, und du willst noch, daß ich lebe.« Ocollo versüßte seine Leiden, sie berichtete ihm die Aufmerksamkeitsbezeugungen, womit Pizarro sie empfangen hatte, sie wiederholte ihm die Liebe seiner Unterthanen und den Auftrag, den sie vom Rathe mitbrachte, seine Freiheit um jeden Preis zu erwirken.

Der Inka, der gesehen hatte, wie man ihn der Schätze beraubte, womit er geschmückt war, der gesehen hatte, wie man den Leichen die Edelsteine entriß,

welche sie bedeckten, der den Ehrgeiz der von Osten Gekommenen befühlt hatte, faßte begründete Hoffnungen, auf Kosten von Schätzen seine Freiheit zu erkaufen. Als Ocollo und der Inka bereits ein wenig ruhiger geworden waren, kam Pizarro an das Zelt heran und erfüllte mit seinen gewohnten Achtungsbezeugungen die beiden bekümmerten Seelen mit Hoffnung. Atahulpa sagte ihm, daß sie ihn insgeheim sprechen müßten, und der Spanier befahl denen, die sie umgaben, sich zurückzuziehen und flößte ihnen Freiheit ein, damit sie ihm vertrauensvoll ihr Herz eröffneten.

Das Wohl des Reiches, sagte der Inka zu ihm, beruht einzig darauf, daß der Monarch wieder zu seinem umtrauerten Throne zurückkehrt. Ich und mein Volk schlagen einen, deiner und des großen Herrn im Osten, würdigen Loskauf vor. Wenn du dem Herrscher Perus die Freiheit giebst, füllt man dir dieses Zelt bis zu Mannshöhe mit Gold. Trotz den großartigen Begriffen, welche Pizarro von dem Reichthum Perus hatte, mochte ihn nichtsdestoweniger ein so herrliches Angebot verwundern und überraschen; das Zelt war zweiundzwanzig Fuß lang und dreizehn Fuß breit, die Summe war ungeheuer, und Pizarro zögerte, obwohl er immer zum Inka sagte, er müsse die Bestätigung des Königs im Osten abwarten, dessen Gemüth wohl ebenfalls zur Annahme hinneigen würde, keinen Augenblick mit dem Zugeständniß eines Lösegeldes, das seinen Ehrgeiz erfüllte. Er ging zu seinen Gefährten, theilte ihnen das unermeßliche Angebot mit und sie freuten sich schon sehnsüchtig auf

den Augenblick, die Schätze der neuen Welt zu vertheilen, und Ocollo und Atahulpa gaben sich, als sie sahen, daß sie um den Preis eines blassen Metalles von Neuem zu den zärtlichsten Liebkosungen und zu dem stillen Glück zurückkehren würden, den reinsten Fröhlichkeitsergüssen hin. In Begleitung Luques kehrte Pizarro nach dem Zelte zurück und sie kamen überein, die Feindseligkeiten einzustellen und das Gold in den Zelten zusammenzubringen, bis daß Pizarro von seinem Herrn, dem König im Osten, die Bestätigung des Abkommens empfinge, ohne dessen Gutheißen er nicht für sich allein entscheiden konnte. Man versprach sich, da die beiden Heere untereinander verkehren durften, überdies gegenseitig die freundschaftlichsten Beziehungen, indem man den Auszüglern bis zu zehn an der Zahl den Eintritt in Cajamalca gestattete und die Peruaner bis zu hundert an der Zahl an die europäischen Zelte herankommen durften; daß das Lager Pizarros mit [Lebensmitteln] zu versehen war und man in jener Nacht den Sonnenpriestern gestattete, die Leichen, welche die Flur bedeckten, zu begraben.

In der Hoffnung, seine Freiheit wieder zu erlangen, sandte Atahulpa, vor Freude hingerissen, Boten nach Cuzco, [Quito], [Tititaka] und andern goldreichen Ländern, damit man, um den Preis seines Lösegeldes aufzubringen, bald von den Tempeln, bald von den Palästen der Inkas, alle Schätze sammelte und sie nach Cajamalca überführte; und Ocollo, vor Lust und Freude aufathmend, zog nach der Stadt, um den Rath und das Volk von dem glücklichen Erfolge ihrer Botschaft in Kenntniß zu setzen.

Von Neuem umarmte sie Atahulpa, der ein wenig getröstet blieb, und da die Verbindung offen war, trennte sie nicht mehr die stumme Abwesenheit. Almagro, mit seinen durchdringenden Blicken der schönen Coya folgend, hatte mit ihr das Stelldichein wiederholt, und die beiden Geliebten flehten die Nacht an, baldigst ihren schwarzen Schleier auszubreiten. Die Bewohner Cajamalcas, welche auf den Mauern thronten, zeigten die Ruhe, die im Lager der von Osten Gekommenen herrschte, von glücklicher Vorbedeutung an und zweifelten, als sie Coya und Ocollo zurückkommen sahen, nicht, daß die Sonne, welche das Reich den ganzen Tag rein und schön erleuchtet hatte, ihre flehentlichen Bitten anhörend, ihnen das Ende ihrer Leiden zu berühren gewährte. Schließlich stellten sich die beiden Schönen dem Rathe vor; die Aeltesten des Reiches und ein zahlreiches Volk hofften sehnlichst, das Ergebniß der Botschaft zu erfahren, und als sie vernahmen, daß der Inka lebte, als die Schönen die gegenseitigen Schwüre berichteten, welche Pizarro und Atahulpa sich vor ihren Göttern geleistet hatten, herrschten Freude und Jubel in den Umkreisen der Stadt; einfache Laute bewegten harmonisch die nächtliche Luft, das Volk und die Krieger stimmten Freiheitslieder an und die Priester erhoben göttliche Gesänge als Dankgebet zu ihrem Gott, der sein wohlthätiges Licht über sie ergoß.

Kapitel 10.
Leichenbegängniß.

Die Nacht hatte ihren düstern Schleier ausgebreitet, die glänzenden Sterne sandten ihr spärliches Licht auf die Erde und schwarze Schatten bedeckten, obschon in friedlicher Ruhe, den Horizont. Ocollo hatte den Rath von dem mit Pizarro getroffenen Abkommen und demzufolge von der Freiheit, worin die Priester waren, die Leichen der Peruaner zu bestatten, verständigt. Vericochas verlor keinen Augenblick, um die ehrwürdigen Sonnenpriester zu der frommen Feier zu versammeln, und das bereits beruhigte Volk, das sich von Neuem auf die Verheißungen der Söhne der Sonne verließ, fand sich in Trauergepränge im Tempel ein, um ihre traurigen Stimmen mit dem Grabgesang der Priester zu vereinigen; aber die schöne Coya nahm, obschon sie ihr geliebtes Vaterland innig verehrte, in tiefe Betäubung versunken, kaum Theil an der allgemeinen Zufriedenheit, welche in Cajamalca herrschte: Die dunkle, stille Nacht folgte ihrem unveränderlichen Lauf, die Augenblicke verflogen und um zwölf Uhr

sollte sie ihren artigen Almagro sprechen. Die reinste Liebe einer unschuldigen Jungfrau brannte in ihrem gütigen Busen und die köstlichste Unruhe bekämpfte ihr gefühlvolles Herz.

Nachdem sich die Priester in dem Tempel versammelt hatten und das Sinnbild des Mondes auf sehr reiche Bahren untergebracht worden war, ertheilte Huascar die nöthigen Befehle, damit zehn Bataillone auf dem Felde aufgestellt würden, welche das Gepränge des kriegerischen Begräbnisses erhöhten, und wobei Coya die militärischen Bewegungen leitete. Im Augenblick bereitete sich die Kriegsmacht vor; beim Tone von Trauermusiken zogen sie aus der Stadt hinaus und stellten sich, ohne Ueberstürzung, auf dem Felde, das der Schauplatz so großen Schreckens gewesen war, auf. Der junge, herzhafte Almagro streifte, von tausend Aengsten bewegt, im Lager der Spanier umher. Obschon unter Blut und Greuel der neuen Welt auferzogen, hatte er ein edles, gefühlvolles und großmüthiges Herz und Coya flößte ihm die reinste unauslöschlichste Liebe ein. Mit Sehnsucht erwartete er die zwölfte Stunde, um seine Angebetete zu sprechen, er befürchtete aber, seine Liebe verschmäht und sie ihrer politischen Lage entsprechend zu sehen. Im Lager Pizarros schlief indessen Alles ruhig und die peruanischen Bataillone zogen zur Stadt hinaus und stellten sich auf der Flur auf. Die Eindringlinge konnten im Augenblick den Zweck jener militärischen Bewegung nicht begreifen und beim plötzlichen Schall der Trommel machten sie sich über die Waffen her

und zündeten große Scheiterhaufen an, welche die Schatten der Nacht ein wenig erhellten.