Michael de Ruyter.


Seekriege und Seekriegswesen

in ihrer
weltgeschichtlichen Entwicklung
Mit besonderer Berücksichtigung der großen Seekriege des XVII. und XVIII. Jahrhunderts
von
Rudolph Rittmeyer
Kontre-Admiral z. D.

Erster Band
Von den Anfängen bis 1740
Mit zahlreichen Porträts, Abbildungen und Skizzen
Berlin 1907
Ernst Siegfried Mittler und Sohn
Königliche Hofbuchhandlung

Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901 sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten.


Vorwort.

Die Literatur über Seekriegsgeschichte ist in deutscher Sprache sehr gering. In fremden Sprachen ist sie reichhaltiger und besonders in den letzten Jahren angewachsen. Aber auch hier gibt es kaum ein Werk, das die gesamte Seekriegsgeschichte behandelt. Es sind Geschichten der einzelnen Marinen, Lebensbeschreibungen berühmter Seeleute, Bearbeitungen einzelner Kriege, Betrachtungen über das Wesen und die Bedeutung des Seekrieges an der Hand einzelner Kriege oder kriegerischer Ereignisse; Arbeiten der letzten Art finden wir jetzt auch häufiger in Deutschland.

Als Sammelwerk besteht nur das des französischen Autors du Sein: „Histoire de la marine de tous les peuples“, in dem zwar alle Kriege und ihre wichtigsten Ereignisse aufgenommen sind, jedoch mehr aufzählend, nur selten genau beschreibend. Ein ähnliches Werk, Randaccio: „Storia navale universale antica e moderna“ ist noch kürzer gefaßt.

Ein vollständigeres derartiges Werk habe ich besonders während meiner Tätigkeit als Lehrer der Seekriegsgeschichte an der Marine-Akademie sehr vermißt. Auch sonst ist der Mangel empfunden worden. So griff ich gern die mir im Jahre 1898 von seiten der Inspektion des Bildungswesens der Marine zu teil gewordene Anregung auf, eine allgemeine Geschichte der Seekriege zu verfassen. Um so mehr wuchs mir die Arbeit ans Herz, als der Herr Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts, Admiral v. Tirpitz, der Verwirklichung des Planes, von seiner Nützlichkeit überzeugt, lebhaftes Interesse und wertvolle Förderung schenkte.

Eine Seekriegsgeschichte aller Völker und aller Zeiten würde eine Arbeit erfordert haben, die nur in langen Jahren von einer Person zu bewältigen gewesen sein würde. Deshalb habe ich mir in dem vorliegenden Buche engere Grenzen gesteckt und die Hauptaufgabe gestellt, die großen Kriege der Segelschiffszeit von der Mitte des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts genauer zu schildern, die von den seemächtigen Staaten dieser Zeiten um die Herrschaft auf dem Meere geführt sind: von Holland, England und Frankreich. Diese Kriege haben eine große Rolle in der Weltgeschichte gespielt und den größten Einfluß auf das Seekriegswesen geübt, denn ihnen verdanken die modernen stehenden Marinen ihren Ursprung und zugleich den Antrieb zu ihrer Entwicklung auf allen Gebieten: im Schiffbau, in der Bewaffnung, dem Personal und der Taktik. Die Kenntnis dieser Kriege ist mithin am notwendigsten, ihre Betrachtung am lehrreichsten.

Um den Leser in den Stand zu setzen, zu jeder Zeit die Kriegsmittel, ihre Gefechtskraft und (auf Grund dessen) die Kriegstaten beurteilen zu können, schicke ich jedem Abschnitt eine Betrachtung des Standes des Seekriegswesens und jedem Kriege eine Schilderung des jeweiligen Zustandes der beteiligten Marinen voraus.

Bei dem großen Mangel in unserer Literatur erschien es jedoch wünschenswert, sowohl auf die früheren Zeiten zurückzugreifen als auch die kleineren Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts in die Darstellung mit hineinzuziehen, ja die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien von 1588 (der Zug der „Armada“) bis 1648 schon genauer zu behandeln, weil in ihnen eine neue Kriegführung zur See auftritt und durch diese Kriege die bisherige Seeherrschaft Spanien-Portugals gebrochen wird. So wird das Buch doch gewissermaßen eine Gesamt-Seekriegsgeschichte und vermag Anregung und Fingerzeige zu Sonderstudien über andere Kriege oder Fragen des Seekriegswesens zu bieten. Zu diesem Zweck füge ich ein Verzeichnis aller mir bekannten wichtigeren Quellen bei.

In den Auslassungen über die Entwicklung des Seekriegswesens mußte auf Kürzung und Zusammenfassung besonderes Gewicht gelegt werden, so daß Unvollständigkeiten sich hier nicht vermeiden ließen. Auch ist der Anlage des Buches entsprechend die Entwicklung der Marinen nur für die drei großen Seemächte genauer durchgeführt, über die der anderen Staaten sind nur die notwendigsten Angaben gebracht.

Um noch größere Nachsicht muß ich in Betreff der Betrachtungen bitten, die sich auf die politischen Verhältnisse beziehen. Dem Einfluß, den die Seekriege auf die Geschichte gehabt haben, wird in den allgemeinen Geschichtswerken kaum je genügend Rechnung getragen, anderseits sind in den Werken über Seekriegsgeschichte die politischen Verhältnisse meist völlig übergangen; erst in neuerer Zeit ist jene Wirkung der Seekriege zum Gegenstand eingehender Forschung geworden, wie vor allem die bekannten Werke des Captain Mahan über den „Einfluß der Seemacht auf die Geschichte“ bezeugen. Seinem Beispiel folgend habe ich versucht, die politischen Verhältnisse, unter denen die Seekriege geführt sind, und ihre Folgen klarzulegen; wohl wissend, daß meine Kenntnisse nicht hinreichen, hierin Vollkommenes oder auch nur Neues zu bieten.

Bei der Bearbeitung der Kriege war ich bestrebt, die Quellenwerke — englische, französische und auch holländische — die häufig national gefärbt erscheinen, sorgfältig gegeneinander abzuwägen, um ein unparteiisches Urteil zu gewinnen; waren Auslassungen oder Angaben in zwei sonst schätzbaren Werken nicht in Einklang zu bringen, so gebe ich sie aus beiden. Außergewöhnlich hohe Angaben über Stärke und Verluste der Streitkräfte, wie sie besonders in den ersten großen Kriegen von einigen Autoren der gegnerischen Seite gemacht werden, schließe ich von der Wiedergabe ganz aus.

Den zweiten Band, der die Zeit von 1740–1815 umfassen wird, hoffe ich in nicht zu langer Frist folgen lassen zu können.

Wenn auch der Inhalt des Werkes in erster Linie allen denen, die in enger Beziehung zu maritimen Berufen stehen, Interesse bieten dürfte, so geht mein Wunsch doch auch dahin, daß es gleichfalls im Laienpublikum, dessen Verständnis für alle maritimen Fragen in erfreulichem Wachsen begriffen ist, Aufnahme finden und Belehrung und Aufklärung ermöglichen möchte.

Hannover, Herbst 1906.

Rittmeyer
Kontre-Admiral z. D.


Inhaltsverzeichnis.

Seite
Vorwort[III]
Wichtigste Quellen-Literatur[XVIII]
Verzeichnis der Abbildungen[XXIX]
Erster Abschnitt.
Altertum und Mittelalter.
Erstes Kapitel: Das Seewesen Im Altertum[1–25]

Einleitung S. [3]. — Ausdehnung der Schiffahrt. Nautik S. [4–6]. — Schiffeim allgemeinen S. [7–9]. — Kriegsschiffe der Phönizier und Griechen S. [9–13]. —Zur römischen Zeit S. [13–17]. — Die Seekriege S. [17–21]. — Kampfweise undTaktik S. [21–24]. — Schlußbemerkung S. [25].

Zweites Kapitel: Das Seewesen im Mittelalter[26–52]

Ausdehnung der Schiffahrt. Die ersten Entdeckungsfahrten derPortugiesen. Nautik (Kompaß, Karten, Instrumente) S. [26–31]. — DieSchiffe: im Mittelmeer S. [32–34]; im Norden bis 1300 S. [34–35]. — Entwicklungder Segelschiffe 1300–1500. Werften S. [36–40]. — Waffen (Auftretender Pulverwaffen) S. [40–42]. — Die Seekriege: im Mittelmeer, der HansaS. [42–43]. — Englisch-französische Kriege S. [44–47]. — Kampfweise und TaktikS. [47–49]. — Stärke und Zusammensetzung der Flotten S. [50–51]. — Bemannung.Admirale S. [51–52].

Zweiter Abschnitt.
Die Zeit von 1492–1648.
Erstes Kapitel: Einleitung. Die großen Entdeckungen. Das Heraustretender Engländer und Holländer (Franzosen) in die Ozeane.Die Unsicherheit auf den Meeren[55–95]

Einleitung S. [55]. — Die großen Entdeckungen: Stand derGeographie um 1492 S. [57–58]. — Der Weg der Portugiesen nach Südosten.Teilung der Welt; Vertrag von Tordesillas. Vasco de Gamas erste ReiseS. [59–60]. — Das Festsetzen der Portugiesen im Osten. Ausdehnung ihrerMacht bis 1540. Ihr Rückgang S. [61–64]. — Der Weg der Spanier nach Westen.Die Reisen des Kolumbus S. [65–68]. — Spanische Entdeckungen und Kolonienin Westindien und Südamerika; ihre Verwaltung S. [69–70]. — Der Südwestwegnach Indien. Magalhaes' Weltumsegelung S. [71–73]. — Kolonien derPortugiesen in Brasilien, der Spanier in den La Plata-Staaten, auf denMolukken und Philippinen S. [74–75]. — Der Nordwest- und der Nordostweg,Entdeckungen und Niederlassungen in Nordamerika, Weißen Meer,Spitzbergen (Fischerei) S. [76–77].

Das Heraustreten der Engländer und Holländer(Franzosen) in die Ozeane. Niedergang der Hansa. Engländer undHolländer gehen nach dem Süden S. [78–79]. — Fahrten und Freibeutereider Engländer (Francis Drake); ihre Niederlassungen in Indien (ostindischeKompagnie), Nordamerika und Westindien S. [80–85]. — Die Holländer inIndien (ostindische Kompagnie); in Afrika, Nordamerika, Westindien und Südamerika(westindische Kompagnie) S. [85–88]. — Die Franzosen in Brasilien,Nordamerika, Westindien und Afrika. Dänen und Schweden S. [89–90].

Die Unsicherheit auf den Meeren: Seeraub, Korsaren derBarbareskenstaaten, Flibustier S. [91–92]. — Freibeuter und Kaper; dasConvoiwesen. Einfluß der Unsicherheit auf Schiffe und Seeleute S. [93–95].

Zweites Kapitel: Schiffe, Waffen, Nautik[96–106]

Die Schiffe von 1492–1648. Weiterentwicklung an Größe undGefechtskraft (Beispiele „Regent“ und „Great Harry“) S. [96–97]. — SchiffsbestandEnglands 1522, 1548, 1603, 1649 (die ersten Zwei- und Dreidecker„Royal Prince“ und „Royal Sovereign“) S. [98–101]. — Galeren undGaleassen S. [102]. — Staatswerften S. [103].

Die Waffen. Vermehrung der schwereren Artillerie (die KaliberEnglands 1580). Handwaffen S. [104–105].

Fortschritte der Nautik im 16. Jahrh. (Karten, Instrumente usw.) S. [106.]

Drittes Kapitel: Die Seekriege, Kampfweise und Taktik, diewichtigsten Kriegsmarinen 1492–1648[107–154]

Die Seekriege von 1492–1648. Was muß man unter einem Seekriegeverstehen? (Kennzeichnung der älteren Kriegführung) S. [107]. — Kriegeim Mittelmeer: Türkei, Venedig, Frankreich, Spanien S. [108–109]. — Kriegein der Ostsee: Hansa, Schweden, Dänemark S. [109–111]. — Kriege Englandsund Frankreichs S. [111–112]. — Kriege Englands und Hollands gegenSpanien. Aufstand der Niederlande S. [113]. — Vorgeschichte der Armada(Drake gegen Cadiz) S. [114–116]. — Die Instruktion für die Armada S. [117bis 118]. — Stärke und Zusammensetzung der Armada, Hollands und EnglandsRüstungen (die englische Flotte) S. [119–122]. — Abwägung der Kräfte derGegner S. [123–124]. — Die Armada-Woche:Beabsichtigte Strategie und Taktik der Gegner S. [124]. — Fahrt der Armada zum Kanal S. [125]. — Gefechtebei Plymouth (21. Juli 1588), bei Portland (23. Juli) S. [126 bis 127]. —Gefecht bei Wight (25. Juli), Armada ankert vor Calais (27. Juli), wird vondort durch Branderangriff vertrieben (28. Juli) S. [128–130]. — Niederlageder Armada bei Gravelines (29. Juli) S. [130]. — Rückfahrt der Armada,ihre Verluste S. [131–132]. — Gründe des Mißerfolges der Armada S. [132].

Die Kriegführung Englands nach Abwehr der Armada: Englandin den spanischen Gewässern; Belagerung von Lissabon; CliffordsZüge; die Cadiz-Expedition; Frieden mit Spanien 1604 S. [133–137]. —Hugenottenkriege; zweite Expedition gegen Cadiz; die englische Marinebei Ausbruch der Revolution 1649 S. [138–139]. — Die KriegführungHollands nach Abwehr der Armada: Expeditionen gegen Spanien; Waffenstillstand1609–1621 S. [139]. — Blutiger Krieg mit Dünkirchen von 1621ab (Streitkräfte Dünkirchens); Sieg über die Spanier auf der Schelde (1631)und in den Downs (Tromp über d'Oquendo 1639, eine zweite Armada-Affäre)S. [140–141]. — Unterstützung Portugals 1641; Holland in der OstseeS. [142]. — Schlußbetrachtung über die Seekriege 1492–1648: Anfang einerneuen Seekriegführung S. [143].

Kampfweise und Taktik 1492–1648: Ruderschiffe; dieSchlachten bei Lepanto (1571) und Genua (1638) S. [144–145]. — Segelschiffe:der Kampf in der Querabrichtung, die Kiellinie, GefechtsgruppenS. [146.]

Die wichtigsten Kriegsmarinen 1492–1648. Portugal-Spanien,Schweden, Dänemark S. [147–148]. — Holland S. [149–150]. —England S. [151–152]. — Frankreich S. [153]. — Kriegsschiffspersonal dieserZeit S. [154].

Dritter Abschnitt.
Die Zeit von 1648–1739.
Erstes Kapitel: Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt[157–159]

Bedeutung des Abschnittes für die Entwicklungdes Seekriegswesens S. [160].

Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seekriegswesens[161–188]

Weiterentwicklung der Schiffe von 1648–1739: Zunahmeund Vervollkommnung des Kriegsschiffbaues („Constant Warwick“,„Speaker“, „Royal Louis“). Beiboote. Wichtige Verbesserungen (Zwischendeck,Schiffsbodenschutz, Ruderrad). Nautische Hilfsmittel S. [161–167].

Waffen: Geschützarten. Geschosse. Handwaffen. Aufstellungund Verteilung der Geschütze an Bord S. [168–170]. — Planmäßige Armierungder Schiffe S. [171–172]. — Brander und Mörserboote S. [173–174].

Schiffsklassen: Ihre Entwicklung, Schiffsbestände der englischenMarine nach solchen um 1624, 1653, 1688, 1727. Das Linienschiffund Schiffe zu besonderen Zwecken (Kreuzer) S. [174–179].

Das Personal: Entstehung des Seeoffizier-, Deckoffizier- undUnteroffizier-Korps; letztere beide für die verschiedenen Dienstzweige. DieMannschaft (Werben, Pressen, Seesoldaten) S. [180–182]. — Geist des PersonalsS. [183].

Kampfweise und Taktik. Weiterentwicklung: Kampf inder Querabrichtung, Luvstellung, Flottenkiellinie aus Gruppen, Einteilungeiner Flotte, Gruppentaktik. Kiellinie aus Einzelschiffen, Einteilung einerFlotte, Kiellinie beim Winde S. [184–187]. — Das Gefecht nimmt einen andernVerlauf. Wert der Brander S. [188].

Drittes Kapitel: Der erste englisch-holländische Krieg 1652–1654[189–235]

Die Kriegsgründe (Navigationsakte, Flaggengruß, der ersteZusammenstoß) S. [189–191].

Die Streitmittel der Gegner (Entwicklung der holländischenund englischen Marine). Holland: Die ersten Rüstungen, Schiffsbestand,Neubauten, Personal S. [192–194]. England: Vergleichende Angaben.Abwägung S. [195–197]. — Verwendung der Flotten Englands undHollands 1648–1652 S. [198].

Der Verlauf des Krieges. Mängel in den Quellen über dieKriege S. [199]. — Das Gefecht bei Dover 29. Mai 1652 (Tromp gegen Blake)S. [200–203]. — Ereignisse vor der Kriegserklärung S. [204]. — Das Gefecht beiPlymouth 26. August 1652 (Ruyter gegen Ayscue) S. [205–207]. — Blake vernichtetein französisches Geschwader 7. September 1652 S. [208]. — DerKrieg im Mittelmeer. Gefecht bei Elba 6. September 1652 (van Galen gegenBadiley). „Phönix“ vor Livorno durch Boote genommen S. [208–209].— Die Schlacht bei Kentish Knock 8. Oktober 1652 (Witte de Witt gegen Blake)S. [210–211]. — Niederlage der Engländer bei Dungeness 10. Dezember 1652(Tromp gegen Blake) S. [212–213]. — England räumt das Mittelmeer. Gefechtvor Livorno 14. März 1653 (van Galen gegen Appleton) S. [214]. — DieSchlacht bei Portland 28. Februar 1653 (Tromp gegen Blake), die Engländerverfolgen Tromp mit seinem Convoi S. [215–218]. — Rüstungen und Unternehmungenim Frühjahr 1653 S. [219–220]. — Zusammensetzung der engl.Flotte im Juni 1653 (als Beispiel einer großen Flotte jener Zeit) S. [220–221].— Die Schlacht bei Northforeland-Nieuport 12./13. Juni 1653 (Tromp gegenMonck), die erste Schlacht mit taktischen Bewegungen S. [222–224]. — DieGegner suchen den Entscheidungskampf, Gefecht bei Kattwijk 8. Augustund Schlacht bei Scheveningen 10. August 1653 (Tromp gegen Monck). TrompsTod S. [225–227]. — Folgen der Schlacht. Frieden von Westminster 1654S. [228–229].

Bemerkenswertes im ersten Kriege, Umschwung in der KriegführungS. [229–231]. — Über Strategie, Rückblick auf den Krieg.Schlußfolgerung S. [232–235].

Viertes Kapitel: Nebenkriege 1654–1665[236–247]

England: Krieg mit Spanien 1654–1659. Penn erobertJamaica (1655) S. [236]. — Blake vernichtet eine tunesische Flotte (1655)und die Silberflotte vor Teneriffa (1657), beide im Schutz von BefestigungenS. [237–238]. — England bei Dünkirchen, in der Ostsee, in Tanger S. [238].

Holland: Krieg mit Portugal 1656–1661 S. [239].

Der schwedisch-polnische (-brandenburg-dänische)Krieg 1655–1660. Allgemeiner Verlauf des Krieges. (DasHaager-Koncert. Frieden von Roeskild 1658. Frieden von Kopenhagen 1660)S. [240]. — Beteiligung Hollands: Entsatz Danzigs 1656. Die Schlacht imSunde 8. November 1658 (Wassenaer gegen Wrangel). England in derOstsee S. [241–244]. — Eroberung Fünens, Beschießung Nyborgs (Ruyter)1659 S. [245].

Holland im Mittelmeer 1661–1664 S. [246].

Krieg Frankreichs gegen Spanien 1635–1659. Dünkirchenin spanischem, englischem, dann französischem Besitz. Der PyrenäischeFrieden S. [246–247].

Venedig und die Türken 1645–1669 S. [247].

Fünftes Kapitel: Der zweite englisch-holländische Krieg 1665–1667[248–306]

Die politische Lage um 1662. Kriegsgründe S. [248–250]. —Die äußeren Anlässe zum Kriege. Gegenseitige Angriffe in den Kolonien(Holmes und Ruyter in Westafrika und Nordamerika 1663–1665) S. [251–253]. —England greift den Smyrna-Convoi an 1664. Die Kriegserklärung S. [254].

Die Streitmittel der Gegner (Entwicklung der holländischenund englischen Marine). Holland: Neubauten von 1654–1666; Verbesserungder Armierung; Personal (Vermehrung der Admirale) S. [255–257]. — England:Schiffsbestand 1654, 1665, 1666. Vergleich der Armierungs- und Bemannungsstärke.Werften S. [258–260]. — Stand der Taktik (Gefechtsinstruktionen)S. [260–261]. — Abwägende Beurteilung des Personals S. [262]. — Hinweis aufdie Marine Frankreichs S. [263].

Der Verlauf des Krieges. Die ersten Bewegungen S. [263–265].— Die Schlacht bei Lowestoft 13. Juni 1665 (Herzog von York gegenWassenaer), die erste Schlacht mit Kiellinien beim Winde, Schilderung undBeurteilung S. [266–268]. — Weitere Ereignisse 1665. (Verdienste Jan de Witts;Ruyter Oberbefehlshaber) S. [269–270]. — Englischer Angriff auf Kauffahrer inBergen 12. August 1665 S. [271]. — Verhalten Frankreichs und DänemarksS. [272]. — Stärke der Flotten 1666 S. [273]. — Die Viertage-Schlacht 11. bis14. Juni 1666 (Ruyter gegen Prinz Rupert und Monck): Strategischer Fehlerder Engländer, Schilderung der Schlacht (Moncks berühmter Angriff am11., Tromps Fehler am 12., Verfolgungsgefecht am 13., Niederlage der Engländeram 14. S. [273–282]. — Die zweite Schlacht bei Northforeland 4. bis5. August 1666 (Schlacht vor der Themse; St. James Fight. Die gleichenFührer wie vorher): Ruyter erkundet die Themse; Niederlage der Holländeram 4., Ruyters Rückzug am 5. S. [283–286]. — Weitere Ereignisse 1666: DieEngländer im Vlie-Strome 19. August; Ruyters Versuch, sich mit den Franzosenzu vereinigen; erfolglose Friedensverhandlungen S. [287–289]. — DasJahr 1667. England beabsichtigt, nur Kreuzerkrieg zu führen, Holland dieThemse anzugreifen S. [289–291]. — Ruyters Angriff auf Themse und Medway17./23. Juni (Order, Disposition und Ausführung) S. [292–294]. — Blockadeder Themse und Beunruhigung der englischen Küsten, Sommer 1667 S. [295bis 296]. — Frieden zu Breda 21. Juli 1667. S. [296].

Bemerkenswertes beim zweiten Kriege: Unterlegenheit Hollandsin Material und Personal. Fortschritte in der Taktik (die Kiellinie beim Winde)S. [297–299]. — Über Strategie in diesem Kriege, Rückblick S. [300–304]. —Militärischer Wert des Kreuzerkrieges S. [305]. — Über die Angriffe aufdas feindliche Land S. [305].

Vergleich des ersten und zweiten Krieges S. [305].

Sechstes Kapitel: Der dritte englisch-holländische Krieg 1672–1674[307–361]

Die politischen Verhältnisse vor dem Kriege: LudwigsXIV. Devolutionskrieg, Dreibund gegen ihn, seine strategische Politikzu dessen Lösung und zur Isolierung Hollands. (Leibniz' Concilium Aegyptiacum.)Kriegserklärung Englands und Frankreichs gegen Holland S. [307bis 312].

Die Streitmittel der Gegner (Entwicklung der englischen,holländischen und französischen Marine). Holland und England: Bestand derFlotten 1666 und 1672; Organisationsänderungen; Disziplin und Geist S. [312bis 314]. — Die französische Marine: Schnelle Entwicklung unter Colbert(Colberts Wohlfahrtspolitik); Schiffsbestand 1640, 1666, 1669; Schiffe,Armierung, Bemannung; das Kontingent zum Kriege 1672; Kennzeichnungdes Offizierkorps S. [315–319]. — Verwendung der drei Marinen 1667–1672S. [319].

Der Verlauf des Krieges. Kriegspläne der Verbündeten (Landung).Holland in Not S. [320]. — England greift vor Kriegserklärung denSmyrna-Convoi an 23. März 1672 S. [321]. — Hollands Pläne und Unternehmungenim Frühjahr 1672 S. [322–324]. — Die Schlacht bei Solebay7. Juni 1672 (Ruyter gegen York und d'Estrées) verhindert LandungsversuchS. [325–328]. — Verlauf des Landkrieges 1672 (neuer Landungsversuch). InnereZustände Hollands (Volkserhebung, Ermordung de Witts, Deiche durchstochen)S. [329–332]. — Wendepunkt im Landkriege, Holland erhält HilfeS. [333]. — Das Jahr 1673. Neue Bedrängnis Hollands. Ruyter versucht,die Themse zu sperren, nimmt dann eine offensive Defensive auf S. [334–335].— Erste Schlacht bei Schooneveld 7. Juni 1673 (Ruyter gegen Prinz Rupertund d'Estrées) S. [336–338]. — Zweite Schlacht bei Schooneveld 14. Juni;beide Schlachten strategische Erfolge Ruyters S. [339–341]. — Die Schlachtbei Texel 21. August 1673; Ruyter vor der Themse, dann wieder in Defensivstellung,Verbündete haben Landung vorbereitet; werden bei Texel geschlagen(Ruyters überlegene Taktik) S. [342–348]. — Verhalten der Franzosen(d'Estrées) S. [349]. — Die Schlacht führt zum Frieden S. [350]. — Der kleineKrieg S. [350]. — Verlauf des See- und Landkrieges 1673–1674. Der Friedenvon Westminster Februar 1674 S. [351–352].

Bemerkenswertes im dritten Kriege in Hinsicht auf Materialund Taktik (Ruyters Verdienste) S. [353–355]. — Verhalten der Franzosen.Schwächen von Bündnissen S. [356]. — Über Strategie: Wie die Gegnerihre Aufgaben lösten (ihre Kriegführung; Ruyters Strategie) S. [357–360]. —Zusammenstellung der Hauptereignisse des Krieges S. [361].

Siebentes Kapitel: Nebenkriege 1674–1688[362–409]

Verlauf des zweiten Eroberungskrieges Ludwigs XIV. von 1674 bis zudem Frieden von Nymwegen 1678 und Fontainebleau 1679; er bringt zweigroße Nebenkriege S. [362–363].

Der französisch-holländische (spanische) Krieg1674–1678 (die Fortsetzung des Krieges 1672–1674 seitens Frankreichsund Hollands). Tromp an der französischen Küste und im Mittelmeer 1674S. [364–367]. — Ruyter in Westindien 1674 (Martinique) S. [368–369]. — Westindien1676–1677. Der Kampf um Tabago. Angriffe auf die Insel (Binckesgegen d'Estrées) S. [370–371]. — Der Krieg im Mittelmeer 1675–1678. Kampfder Franzosen und Spanier um Sicilien (Gefecht bei Stromboli 1675) S. [372bis 373]. — Holland (Ruyter) unterstützt Spanien. Die Schlacht bei Stromboli8. Januar 1676 (Ruyter gegen du Quesne, Vorteile der Leestellung) S. [374bis 380]. — Der Kampf um Messina. Schlacht bei Agosta 22. April 1676(Ruyter gegen du Quesne. Ruyters Tod. Angaben über Ruyter) S. [381–384].— Die Schlacht bei Palermo 2. Juni 1676 (den Haen und d'Ybarra gegenGraf v. Vivonne. Größter Erfolg der Brander) S. [385–386]. — Die weiterenEreignisse 1676–1678 (der Seekrieg lau) S. [387]. — Frankreich räumt SicilienS. [388]. — Der kleine Krieg gegen den Handel (Dünkirchen) S. [389]. — Rückblickauf den Krieg 1674–1678: Über die Kriegführung der Gegner. MittelbareFolgen des Krieges für England, Holland, Frankreich S. [390–393].

Der schwedisch-dänische (holländisch-brandenburgischeKrieg) 1675–1679. Stand der dänischen, schwedischenund brandenburgischen Marine; Stärke der holländischen Hilfsgeschwader(Tromp in dänischen Diensten) S. [394–395]. — Die Schlacht bei Bornholm5. Juni 1676 (de Almonde und Niels Juel gegen Creutz und Ugla) S. [396]. —Schlacht bei Ertholm 11. Juni (Tromp gegen Creutz). Dänische Landungin Schonen S. [397]. — Dänische Siege unter Niels Juel bei Gjedser und in derKjögebucht 1677 S. [398]. — Tromp und Niels Juel greifen Kalmar an. Verwüstungder Küsten 1677. Dänemark beherrscht die Ostsee S. [399]. — DerKrieg in Pommern 1677–1678: Erste Eroberung Rügens unter Christian V.und Tromp. Tätigkeit der brandenburgischen Flottille 1676–1677. Hollandtritt zurück, Tromp entlassen S. [400]. — Die zweite Eroberung Rügens 1678(der Große Kurfürst, Derfflinger, Tromp, Niels Juel) und seine Folgen.Friedensschluß S. [401]. — Weitere Geschichte der brandenburgischen MarineS. [402].

Kämpfe gegen die Barbaresken 1674–1688. VorgehenEnglands (gibt Tanger auf) und Hollands S. [402–403]. — Unternehmungender Franzosen: du Quesne vernichtet Schiffe in Chios 1681; bombardiertAlgier 1682 und 1683 (neue Mörserboote von Renau-d'Eliçagarey) S. [403–407].— d'Estrées gegen Tunis, Tripolis und Algier 1685–1688 S. [408].

Angriff der Franzosen auf Genua 1684 S. [408].

Venetianisch-türkischer Krieg 1684–1699. S. [409].

Achtes Kapitel: Der französisch-englisch-holländische Krieg 1688–1697d. i. die Kriegführung zur See im Pfälzischen Erbschaftskriege[410–485]

Die politischen Verhältnisse, die den Krieg herbeiführten.Ludwigs XIV. Reunionen und Ansprüche auf die Pfalz; derAugsburger Bund 1686; Wilhelm von Oranien König von England; dieWiener Allianz 1689 S. [410–412]. — Fehler der Könige Ludwig und JakobS. [413]. — Allgemeiner Verlauf des Pfälzischen Erbschaftskrieges, Friedenvon Ryswijk (Gründe der Erschöpfung Frankreichs). Die Verwendung derFlotten S. [413–417].

Die Streitmittel (Entwicklung der englischen, holländischenund französischen Marine). England: Mißstände in der Verwaltung; Stellungder Marine zur Revolution; Schiffsbestand 1688 und 1692 S. [417–419].

Holland: Neubauten unter Wilhelm von Oranien; Bestand 1692; Armierung;Indienststellungen während des Krieges; über den Vorwurf, Oranienhabe die Marine vernachlässigt S. [419–422].

Frankreich: Fortschritte unter Colbert, Bestand 1681; Beginn des Verfallsnach 1683; die Amtstätigkeit der Minister de Seignelay und de Pontchartrin;Schiffsbestände bis 1696 S. [422–425].

Der Verlauf des Seekrieges. Wilhelm von Oraniens Übergangnach England 1688 S. [425–427]. — Jakobs II. Einfall in Irland und dieOperationen 1689 S. [428–429]. — Gefecht bei Bantrybay am 11. Mai 1689(Herbert gegen Château-Renault). Rooke in der Irischen See. Laue Tätigkeitder Gegner im Kampfe um Irland S. [430–431]. — Das Jahr 1690:Rüstungen der Gegner; Admiral Killigrew versucht vergeblich das Toulongeschwaderfestzuhalten; Wilhelm III. landet in Irland (Sorglosigkeit beiderGegner in Hinsicht auf Verbindung mit Irland) S. [432–434]. — Tourvillesucht die Flotte der Verbündeten, Herbert weicht aus, bis er Befehl zumSchlagen erhält (seine Einwendungen) S. [435–436]. — Die Schlacht bei BeachyHead 10. Juli 1690 (Tourville gegen Herbert); Gründe der Niederlage derVerbündeten; Tourville nutzt seinen Sieg nicht aus S. [437–439]. — Folgender Schlacht; weitere Ereignisse 1690 S. [440]. — Das Jahr 1691: TourvillesHochsee-Kreuztour und ihre Folgen. Frankreich im Mittelmeer S. [441–444].— Ludwig XIV. plant Einfall in England 1692, Vorbereitungen und Befehlean Tourville; Rüstungen der Verbündeten S. [445–446]. — Die Schlacht beiCap Barfleur 29. Mai 1692 (Tourville gegen Russell). Gegenbefehle erreichenTourville nicht; Stärke der Gegner; Tourvilles Gründe zum Angriff; Beschreibungder Schlacht. Rückzug der Franzosen S. [447–453]. — Vernichtungvieler französischer Schiffe bei La Hogue und Cherbourg 1.–3. Juni 1692S. [454–455]. — Die Ereignisse der Jahre 1693–1697 — Art der Kriegführung.Vertrag der Verbündeten mit Spanien S. [456]. — 1693: Rüstungen; Tourvillevernichtet den Smyrna-Convoi bei Lagos; die Engländer vor St. Malo (Infernals)S. [457–460]. — 1694: Die Verbündeten im Mittelmeer und vorfranzösischen Häfen (Brest, Dieppe, Dünkirchen, Calais) S. [461–462]. — 1695:Ähnliche Unternehmen (St. Malo, Dünkirchen [Rauchschiffe und Infernals]Calais) S. [463–464]. — 1696: Die Verbündeten geben das Mittelmeer auf.Ludwig XIV. plant Landung in England. Die Verbündeten greifenFrankreichs Westküste an S. [465–466]. — 1697: Friedensunterhandlungen.Frankreichs Erfolge in Spanien und Westindien (de Pointis vor Cartagena)S. [466 bis 467].

Der kleine Krieg: Dünkirchen; Eigenart des französischen Kreuzerkrieges(Taten Jean Barts) S. [467–470]. — Über das Wesen des KreuzerkriegesS. [471–472]. — Die Zusammenstöße in den Kolonien (Westindien,Nordamerika) S. [472–473].

Bemerkenswertes in diesem Kriege (Material und Taktik S. [474].)

Über Strategie: Rückblick auf die Kriegführung zur See (HerbertsVerhalten bei Beachy Head), Schlußbetrachtungen S. [475–485].

Neuntes Kapitel: Der Spanische Erbfolgekrieg 1702–1713[486–576]

Die politischen Verhältnisse vor dem Kriege: Verhandlungenüber die Thronfolge in Spanien; Philipp von Anjou König vonSpanien; Bund der Seemächte und des Kaisers gegen Ludwig XIV., Kriegsplan;Karl von Österreich als Gegenkönig aufgestellt, Änderung im Kriegsplan;Stellung Portugals (Methuen-Vertrag) und Savoyens S. [486–491]. —Der allgemeine Verlauf des Krieges und die Tätigkeit der Seestreitkräfte inihm S. [491–496]. — Die Bedingungen des Friedens von Utrecht S. [497].

Die Streitmittel (innere Geschichte der drei großen Marinen
bis 1739).

Die holländische Marine: Beginn des Verfalls; Indienststellungenwährend des Krieges; Verfall nach Utrecht; Schiffsbestand 1740; über PersonalS. [498–501]. — Die französische Marine: Amtstätigkeit Jerôme de Pontchartrinsvon 1699; Tätigkeit der Flotte während des Krieges; Entwertungdes Personals; Schiffsbestand 1712. Weiterer Rückgang während der Regentschaft(1715–1723; Schiffsbestand 1729) und unter Minister Maurepas (1723bis 1742); Stärke 1742 S. [502–504]. — Die englische Marine: Schiffsbestände1688, 1702, 1727, 1740. Personal (Kennzeichnung der Seeoffiziere des18. Jahrh.) S. [505–507].

Der Verlauf des Seekrieges. 1701: Rüstungen, Absichtenund Bewegungen der Gegner S. [507–509]. — Das Jahr 1702: Der Angriffauf Cadiz, Vorgeschichte S. [509–510]. — Rüstungen der Verbündeten (lau;Hinhalten der Unternehmungen durch Rooke), Rüstungen der FranzosenS. [511–512]. — Erfolgloser Angriff der Verbündeten auf Cadiz (unter Rooke);Rooke beschließt Heimkehr; Befehle für ihn S. [513–515]. — Vernichtung derSilberflotte in Vigo 23. Oktober 1702. Wirkung dieses Erfolges S. [516–518].— Die Jahre 1703–1704: Plan der Verbündeten für 1703, laue Tätigkeit undgeringe Erfolge, Verluste durch Sturm S. [519–521]. — 1704: Vertrag der Seemächtemit Portugal; Karl III. nach Portugal; Rüstungen und Pläne derGegner (letzte große Rüstung Frankreichs) S. [522–523]. — Angriff der Verbündetenauf Barcelona; Graf Toulouse vereinigt die Brest- und Toulon-FlotteS. [524–525]. — Rooke erobert Gibraltar 3. August 1704. BeurteilungRookes S. [526–528]. — Graf Toulouse naht zur Wiedernahme, Rooke decktGibraltar S. [529–530]. — Die Schlacht bei Malaga 24. August 1704 (Rookegegen Toulouse): Stärke der Flotten; Bedeutung der Schlacht für die Taktik(Corbett über den Stand der Taktik); die Schlacht und ihre Folgen S. [530–536].— Gibraltar belagert, durch Leake 1704 verstärkt und 1705 entsetzt (de Pointisvernichtet) S. [536–539]. — Die Jahre 1705–1706: Barcelona durch Prinzvon Hessen, Peterborough und Shovel erobert 1705 S. [540–541]. — Die Stadtvon Marschall Tessé und Toulouse belagert, durch Leake entsetzt 1706. EineLandung in Rochefort geplant S. [541–544]. — 1706: Erfolge der Verbündetenim Mittelmeer S. [545]. — Die Jahre 1707–1708: Angriff auf Toulon (Shovelund Prinz Eugen); Gefecht am Var; Erfolglose Belagerung Toulons (ShovelsUnglück bei den Scillys) 1707 S. [546–549]. — Die Verbündeten besetzen Sardinienund erobern Port Mahon (Leake und Stanhope) 1708 S. [550–552]. —Einfallsversuch der Franzosen in Schottland (Forbin) 1708 S. [552]. — Dieletzten Kriegsjahre 1709–1712: Stilles Wirken der Seestreitkräfte; Mißerfolgeder Franzosen gegen Sardinien, der Verbündeten gegen Cette 1710— Ende des Seekrieges im Mittelmeer 1712 S. [553–555]. — Französische Expeditiongegen Rio (Trouin) 1712 S. [556]. — Der Verlust an Schiffen im Kriege S. [557].

Der kleine Krieg: Tätigkeit, Verluste und Erfolge der Gegner;Taten berühmter französischer Freibeuter (Saint Pol; Forbin; Trouin; duCasse; Cassard) S. [558–562]. — Die Zusammenstöße in den Kolonien: Westindien(Gefecht vor Cartagena: Benbow gegen du Casse 29. August bis 3. September1702), Nordamerika (Walkers Angriff auf Quebec 1711) S. [562–566].

Schlußbetrachtungen: Unzulänglichkeit der Streitmittelfür die Aufgaben; Englands Klage über Hollands geringe Leistung; Standder Taktik S. [566–567]. — Über Strategie: die Aufgaben der Marinen undwie sie diese lösten (Rückblick auf den Krieg), Frankreichs KriegführungS. [568–570]. — Die Kriegführung der Verbündeten S. [570–574].

Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer S. [575–576].

Zehntes Kapitel: Nebenkriege 1689–1739[577–593]

Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung desFriedens von Utrecht 1718–1720: Spanien (Kardinal Alberoni)will die verlorenen Provinzen wiedergewinnen, besetzt Sardinien; Bund Englands,Frankreichs, Hollands und des Kaisers S. [577–578]. — Spanien besetztSicilien; Admiral Byng vernichtet die spanische Flotte bei Cap Passaro11. August 1718. Spanien aus Sicilien vertrieben; spanische Unternehmengegen englische und französische Küsten, Einfälle dieser Staaten in Spanien;der Haager Frieden 1720 S. [581–582].

Der Nordische Krieg 1700–1721: Die dänische und schwedischeMarine S. [582–583]. — Gründung der russischen Marine (Peter derGroße) S. [583–585]. — Der Verlauf des Krieges 1700: Rußland, Polen, Dänemarkbedrohen Schweden; Karl XII. wirft Dänemark mit Hilfe einer englisch-holländischenFlotte nieder (Belagerung Kopenhagens, Frieden vonTravendal) S. [585–586]. — Karls XII. Landkrieg 1700–1709 (sein Aufenthaltin der Türkei) S. [587]. — Erfolge der Gegner Karls 1709–1715 (Beteiligungder Seestreitkräfte in diesen Jahren; Schweden verliert seinen festländischenBesitz) S. [588–589]. — Karls XII. Feldzüge gegen Norwegen 1716–1718(Karls Tod; Tordenskiold) S. [589]. — Rußlands Einfälle in Schweden 1719bis 1721 S. [589]. — Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege.Tätigkeit ihrer Flotten 1715–1721 S. [590–591].

Venedig und die Türken: Kriege 1645–1669 um Kreta,1684–1699 und 1714–1718 um Morea. Venedig auf das Adriatische Meerbeschränkt S. [591–592].

Die Barbaresken-Staaten 1715–1740: Hollands, Englandsund Frankreichs Maßnahmen gegen den Seeraub S. [592].

Hinweis auf: Angriff Spaniens auf Gibraltar (1727) und PolnischerErbfolgekrieg (1733–1735) S. [593].

Elftes Kapitel: Die Zeit von 1721–1739. (Übergang zum Abschnitt IV, Band II)[594–598]

Die politischen Verhältnisse bleiben gespannt:Gründe (Pragmatische Sanktion); Friedenspolitik Fleurys und Walpoles(Wirken Laws in Frankreich) S. [594–595].

Bedrohung des Friedens 1725: Bund Österreich-Spaniengegen Frankreich-England-Holland-Preußen; wirkungsvolles Auftreten Englandszur See (spanischer Angriff auf Gibraltar 1727) S. [596].

Der Polnische Thronfolgekrieg und seine FolgenS. [597].

Der Bourbonische Familienvertrag und die SpannungSpaniens und Englands in Westindien führen zum nächsten großen Seekriege1739S. [598].

Zwölftes Kapitel: Geschichte der Kolonien von 1648–1740[599–622]

Mittel- und Südamerika, Westindien. Die spanischenKolonien: Schlechte Verwaltung; Belästigung durch die Kriege; Flibustier;englischer Schmuggelhandel; Stärke der Bevölkerung; der spanische Besitzum 1740 S. [599–601]. — Die englischen Kolonien: Angaben über ihre Entwicklung,Einwohnerzahl und Handel S. [602]. — Die französischen Kolonien:desgleichen S. [603–604]. — Holland, Dänemark, Portugal S. [604–605].

Nordamerika. Die englischen Kolonien: Innere Entwicklung;Ausbreitung; Stärke der Bevölkerung zu den Zeiten der Kriege mit FrankreichS. [605–607]. — Die französischen Kolonien in Kanada und Louisiana:desgleichen S. [608–611].

Ostindien. Niedergang der Macht Portugals, Wachsen der Hollands(holländisch-ostindische Kompagnie) S. [611–614]. — Kurze Geschichte derenglisch-ostindischen Kompagnie S. [614–616]. — Die Ostender Kompagniedes deutschen Kaisers S. [616]. — Frankreichs Kolonien in Indien S. [617–618].— Spanien auf den Philippinen S. [618].

Afrika. Verlust der Portugiesen an Kolonien S. [619]. — BesitzungenHollands (Kapland) S. 619–620. — Niederlassungen Englands (westafrikanischeKompagnien) S. [620]. — Besitzungen Frankreichs (Senegambien; Mißerfolgin Madagaskar; Bourbon und Isle de France) S. [621–622].

Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten[623]
Sach- und Namensverzeichnis[627]
Berichtigungen[642]

Wichtigste Quellen-Literatur.

A. Werke allgemeinen Inhalts.

Abkürzung, im
Text gebraucht:
[1]A. du Sein, Professeur de l'école navale: Histoire de la Marine de tous les peuples depuis les temps les plus reculés jusqu'à nos jours. Paris 1879. 2 Bde.du Sein.
Nach Völkern geordnet; Aufzählung sämtlicher Operationen, Beschreibung einiger Schlachten usw.; die Unterabteilungen der Geschichte einer jeden Marine durch kurzen Überblick der politischen Verhältnisse eingeleitet. Im ersten Kapitel „du Navire“ Angaben über die Schiffe des Altertums und Mittelalters, besonders die verschiedenen Ansichten über Einrichtungen der mehrreihigen Ruderschiffe betreffend, mit Abbildungen. Geeignet für allgemeinen Überblick; nicht immer zuverlässig.
C. Randaccio: Storia navale universale antica e moderna. Roma 1891.
Übersicht aller Seekriege, der Zeit nach durchlaufend geordnet. Kürzer als du Sein, Aktionen nicht beschrieben.
[1]L. v. Henk, Vizeadmiral z. D.: Die Kriegführung zur See in ihren wichtigsten Epochen. Berlin 1881.v. Henk.
Nach Zeitaltern und Völkern geordnet, eine kurze Schilderung der Tätigkeit aller Marinen; Hauptschlachten beschrieben.
[1]W. Laird Clowes; The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. London 1897/1901. 6 Bde. Nach Zeitabschnitten geordnet: Bd. I 60 v. Chr. bis 1603; Bd. II 1604–1714; Bd. III 1715–1783.Clowes.
Neueste, genaueste und unparteiischste Geschichte der englischen Marine; die Unterabschnitte — Military History, Voyages and Discoveries, Civil History — jedes Zeitraumes schildern die Tätigkeit der Marine an der Hand der englischen Geschichte, mit Benutzung früher nicht zugänglicher amtlicher Urkunden, sowie ihre innere Entwicklung und damit die des Seewesens überhaupt; reiche Quellenangabe besonders über das Material (Schiffe, Artillerie usw.).
[1]P. H. Colomb, Rearadmiral: Naval Warfare. Its ruling principles and practice historically treated. London 1891.Colomb.
Abhandlungen über die Kriegführung zur See. Die Kapitel I–IV, „Struggle for the command of the sea,“ und VI–IX, „Attempts to gain command of the sea with definite ulterior purpose“, beschreiben die großen Seekriege oder besondere Lagen in diesen. Die Kapitel X–XV, „The conditions under which attacks on territory from the sea succeed or fall,“ geben die Schilderung des Armadazuges sowie vieler Unternehmungen gegen feindliches Land im 17. und 18. Jahrh. Im Kapitel V, „The differentiation of naval force“, die Entwicklung der Schiffsklassen für die verschiedenen Kriegszwecke.
Julian S. Corbett: England in the Mediterranean, a study of the rise and influence of British power within the streets. London 1904.Corbett
„Mediterranean“.
Die Betrachtungen umfassen die Zeit von 1603–1713, zeigen das Bestreben Englands, im Mittelmeer festen Fuß zu fassen; lesenswert und wichtig für die Kriege des 17. Jahrh., aber besonders für den Spanischen Erbfolgekrieg 1702–1713. (Nach früher nicht zugänglichen Urkunden in englischen Archiven.)
[1]J. C. de Jonge: Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen. Haarlem 1858. 10 Bde.de Jonge.
Wohl das bedeutendste Werk über die holländische Marine, beginnend im Mittelalter, genau von 1665 (zweiter englisch-holländischer Krieg) an. Kriege unparteiisch behandelt; innere Geschichte der Marine (Material und Personal) sehr eingehend und lehrreich; reiche Quellenangabe. Für Deutsche nach einiger Übung leicht zu lesen.
Comte de Lapeyrouse Bonfils: Histoire de la Marine Française. Paris 1845. 3 Bde.Bonfils.
Genaue Geschichte von 1643 an.
C. Chabaud-Arnault, Capitaine de Frégate: Histoire des flottes militaires. Paris et Nancy 1889.Chab.-Arnault.
Kurze (500 Seiten) aber sehr übersichtliche Geschichte der wichtigsten Marinen, ihre Entwicklung und Verwendung; gut für Überblick, genauer und sehr lesenswert in Hinsicht auf die französische Marine.
[1]O. Troude (publié par P. Levot): Batailles navales de la France. Paris 1867–1868. 4 Bde.Troude.
Seeschlachten vom Jahre 520 an; in der Einführung Angaben über Artillerie und Schiffsklassen der französischen Marine zu verschiedenen Zeiten.
A. T. Mahan, Captain U. S. Navy: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte. Erster Band 1660–1783. 2. Aufl. Übersetzung Berlin 1898.Mahan.
Lehrreich in Hinsicht auf die politischen Verhältnisse vor, während und nach den großen Seekriegen sowie auf die Strategie in diesen; die Kriege werden mehr in großen Zügen behandelt, jedoch auch verschiedene Schlachten beschrieben.
P. Hoste, Kaplan des französischen Admirals Tourville: L'art des armées navales, ou traité des évolutions navales. Lyon 1697.Hoste.
Dieses erste Werk über Seetaktik, nach Anweisung Tourvilles geschrieben, gibt den Stand der Taktik um 1700 nach den Erfahrungen der großen Kriege des 17. Jahrh. Es enthält Regeln über: Marsch- und Gefechtsordnungen, Übergänge; Manövrieren um die Luvstellung; Kampf vermeiden, den Gegner zum Kampf zwingen; Dublieren und dieses hindern; Durchbrechen usw. (ein Flotten-Exerzier-Reglement). Zur Erläuterung der Lehren sowie zum Beweise aufgestellter Grundsätze sind verschiedene Schlachten beschrieben.
Julian S. Corbett: Fighting Instructions 1530–1816. Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX. London 1905.
Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der englischen Marine.
E. K. Rawson: Twenty famous naval battles, Salamis to Santiago. London 1900.
Für den ersten Band: Salamis; Aktium; Lepanto; Gravelines (Armada); Dungeness; Kap Barfleur-La Hogue.
[1]Francis Steinitz: The Ship, its origin and progress. Being a general history from its first invention to the latest improvements; forming a complete account of the naval events of the ancients, the middle ages and the modern epochs, to the close of 1848. London 1898.Troude.
Bemerkenswert durch zahlreiche Abbildungen von Fahrzeugen aller Zeiten, durch einen Anhang mit Erklärung der Namen vieler Schiffsarten aller Völker. In Hinsicht auf die „naval events“ nur genauer für die englische Marine und für die Kriege Venedigs mit den Türken, die sonst selten zu finden sind.
J. Campbell und seine Fortsetzer: Lives of the British admirals and naval history of Great-Britain from the day's of Caesar to the present time. London 1873.
>Von neueren Schriftstellern oft angezogenes Werk schon frühen Ursprungs, mehrfach neu herausgegeben. (In der Bibliothek der Marineakademie eine deutsche Übersetzung von 1755, Leipzig, und eine englische Ausgabe von 1813.)
R. Southey: Lives of the British admirals with an introductory view of the naval history of England. London 1833–1840. (5 Bände.)
Isaac Schomberg[2], Captain R. N.: Naval chronology; or an historical summary of naval and maritime events, from the time of the Romans to the treaty of peace 1802. London 1802. 5 Bde.
Joseph Allen[2], R. N.: Battles of the British navy. London 1852. Von 1200 an.Allen.
C. D. Yonge[2]: The history of the British Navy from the earliest period (700) to the present time. 2. ed. London 1866.Allen.
[1]Ch. de la Roncière: Histoire de la Marine française. Paris. Teil I 1899, Teil II 1900.Roncière.
Teil I, „Les Origines,“ umfaßt die Zeit vom Altertum (römische Zeit) bis 1360; Teil II, „La guerre de cent ans,“ die Zeit bis 1483 und „Révolution maritime,“ d. i. die Veränderungen im Seewesen, durch die großen Entdeckungen und die Einführung der Artillerie hervorgerufen. Verspricht bei Fortsetzung das genaueste Werk über die französische Marine zu werden.
E. Chevalier: Histoire de la marine française depuis les débuts de la monarchie jusqu'au traité de paix de 1763. Paris 1902.
>Nur 405 Seiten.
Eugène Sue: Histoire de la marine française. Paris 1835–1837. Fünf Teile.Sue.
Von neueren, besonders französischen, Schriftstellern oft angezogen, aber auch mehrfach als ungenau in einzelnen Angaben (romantisch) bezeichnet.
L. Guérin: Histoire maritime de France. Paris 1851. 6 Bde.
Wird oft angezogen, besonders z. B. von de Jonge[3].
Prince de Joinville: Histoire générale de la marine, comprenant les naufrages célèbres, les voyages autour du monde, les découvertes et colonisations, l'histoire des pirates et corsaires; exploits des marins illustres, guerres et batailles navales jusqu'au bombardement de Tanger et la prise de Mogador. Paris. 4 Teile in 2 Bdn.
Das Werk gibt die Geschichte der Schiffahrt aller Völker, die der Marinen unter Hauptberücksichtigung der französischen.
A. Barbou: Les Grands Marins de France. Histoire populaire de la marine française depuis les temps anciens jusqu'à nos jours. Paris 1885.
Kurz gefaßt (377 Seiten), gut illustriert.
F. C. Duro: Armada Española desde la unión de los reinós de Castilla y de Léon et Aragon. Madrid 1895–1903. 9 Bde.
Genaueste Geschichte der spanischen Marine.
C. A. Gyllengranat: Sveriges sjökrigs-historia i sammandrag. Carlskrona 1840. 2 Bde.Gyllengranat.
H. G. Garde: Den Danske og Norske Sömagts historie 1535 bis 1814. Kjöbenhavn 1852–1861. 2 Bde.Garde.
J. G. Tuxen: Den Danske og Norske Sömagt fra de aeldste Tider indtil vose Dage. laere Skildringer. Kjöbenhavn 1875.Tuxen.
Nauticus: Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen. Berlin.Nauticus.
Aufsätze im Jahrgang 1900: Entwicklung der englischen Seemacht; Blüte und Verfall der holländischen Seemacht; die skandinavischen Völker als Seemächte; aus der Geschichte Venedigs. Jahrgang 1901: Frankreichs Blütezeit als See- und Kolonialmacht; Blüte und Verfall der spanischen Seemacht. Jahrgang 1902: Blütezeit der dänischen Seemacht; Seemacht Rußlands unter Peter dem Großen.
Carl Rodenberg, Professor der Geschichte an der Universität Kiel: Seemacht in der Geschichte. Stuttgart 1900.
Bespricht kurz (33 Seiten), aber fesselnd den Einfluß des Besitzes der Seemacht durch eine starke Marine auf die Geschichte von der Zeit der Hansa an; die hohe Bedeutung der großen Seekriege wird veranschaulicht.
Dr. A. Zimmermann: Die Europäischen Kolonien. Schilderung ihrer Entstehung, Entwicklung, Erfolge und Aussichten. Band I: Portugal und Spanien. Band II und III: England. Band IV: Frankreich. Band V: Holland. Berlin 1896 (I), 1898/9 (II, III), 1902 (IV), 1903 (V).Zimmermann.
Bemerkenswert für die zunehmende Ausdehnung der Schiffahrt und für die Kämpfe um die Kolonien.
L. Arenhold, Marinemaler und Kapitänleutnant der Reserve: Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891.Arenhold.
30 Heliogravüren mit erläuterndem Text veranschaulichen die Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der Armierung.
J. Charnock: A History of marine architecture, including an enlarged and progressive view of the nautical regulations and naval history, both civil and military, of all nations, especially of Great-Britain. London 1800–1802. 3 Bde.
In den besten Werken über Seekriegsgeschichte als Quelle für Entwicklung des Seewesens vielfach benutzt.
A. Jal: Archéologie navale. Paris 1840. 2 Bde.

B. Werke besonderen Inhalts.

1. Altertum und Mittelalter.

Abkürzung, im
Text gebraucht:
Adolf Ermann: Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum. Tübingen 1885.
In den Kapiteln XIX und XX bemerkenswerte Angaben über das Seewesen der alten Ägypter.
Dr. F. C. Movers: Die Phönizier. Berlin 1856.Movers.
Band II, Teil III, Kapitel VIII: Seehandel, Seewesen und Schifffahrt der Phönizier.
Otto Meltzer: Geschichte der Karthager. Berlin 1896. 2 Bde.Meltzer.
Band II, Kapitel VII: Angaben über die Kriegsflotte der Karthager.
Dr. Iwan von Müller: Handbuch der klassischen Altertums-Wissenschaft. München 1893.
Band IV, Abteilung I, Hälfte II: Seite 330 ff. Angaben über die Flotte Spartas und seiner Bundesgenossen (Korinth). Seite 359 ff. sehr genau über die Flotte Athens, Organisation, Taktik, Schiffbau (ähnlich wie in du Sein eine Zusammenstellung aller Ansichten über die Rudereinrichtung auf mehrreihigen Schiffen). Seite 417 die Flotte Siciliens (Syrakus). Seite 440 die Marine zur Zeit Alexanders des Großen und Seite 458 zur Zeit seiner Nachfolger (größere Schiffe als Penteren). Band IV, Abteilung II: Seite 425 Angaben über die römische Flotte.
A. Cartault: La trière athénienne. Paris 1881.
Dr. A. Breusing: Die Nautik der Alten. Bremen 1866.Breusing,
Nautik.
Schiffahrt, Steuermannskunst, Bau und Takelung, die Reise des Paulus (als Schilderung einer Seereise, aus der man Schlüsse über Handhabung der Schiffe ziehen kann).
Dr. A. Breusing: Die Lösung des Trierenrätsels. Bremen 1889.Breusing,
Triere.
Berichtigungen zu vorstehendem Werke, Ansicht des Verfassers (sehr bemerkenswert) über die Rudereinrichtung der Trieren.
R. Haak: In Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Jahrgang 1895: Über attische Trieren.R. Haak.
Seite 165–174 die Rudereinrichtung eingehend besprochen.
Serre, Kontreadmiral: Les marines de guerre de l'antiquité et moyen age. 2 Bde. Paris 1885, 1891.Serre.
Teil I: Die verschiedenen Ruderschiffstypen des Altertums (seine Ansicht über Rudereinrichtung); Galeren des Mittelalters (mit einem Auszug aus Fincati). Teil II: Eingehender über dasselbe Thema; Angaben über Takelung und Ausrüstung.
Fincati, Kontreadmiral: Triremi Veneziani. Roma 1881.Fincati.
Schiffe des späteren Mittelalters; über Rudereinrichtung im Altertum (hiervon ein Auszug in Serre).
Dr. E. Heyk: Genua und seine Marine im Zeitalter der Kreuzzüge. Innsbruck 1886.
Über die Schiffe zur Zeit der Kreuzzüge, ihre Besatzung und Kampfweise.
[1]Jurien de la Gravière: La marine des anciens, la bataille de Salamine et l'expédition de Sicile. Paris 1886/87.
Die Hauptschlachten der griechischen Zeit (auch z. B. karthagische Expeditionen nach Sicilien) mit vergleichenden Schlüssen zu späteren Zeiten.
[1]Derselbe: La marine des Ptolémées et des Romains. Paris 1885. 2 Bde.
Die römische Marine und ihre Haupttaten vom Punischen Kriege bis Aktium; einiges über die Kaiserzeit und die gotischen Flotten.
[1]C. Manfroni: Storia della Marina Italiana dalle invasioni barbariche al trattato di Ninfeo. Livorno 1899.
Die maritimen Verhältnisse im Mittelmeer 400–1261; Begebenheiten bei der Völkerwanderung, zwischen den neuen Reichen, Araber und Normannen, Aufblühen der Städte und ihre Kämpfe, Kreuzzüge; über Schiffe, Personal, Nautik, Taktik usw.
G. de Veer: Prinz Heinrich der Seefahrer und seine Zeit. Danzig 1864.
Kurz die Unternehmungen und Kriege Portugals zur See von 1100 an; die Entdeckungen unter Prinz H. 1420–1460.
Th. Lindner: Die deutsche Hansa. Leipzig 1899.Lindner.
Ihre Geschichte und Bedeutung; kurz ihre Kriege gegen Dänemark und Schweden.
Dr. A. Schaefer: Die Hansa und die Norddeutsche Marine. Bonn 1869.Schaefer.
Gründung, Stellung und Kriege der Hansa. Von demselben Autor auch spätere Werke über die Hansa.

2. Neuere Zeit bis 1740.

Dassié: L'Architecture navale, contenant la manière de construire des navires, galères et chaloupes et la definition de plusieurs autre espèces de vaisseaux. Paris 1677.
Mit Plänen und Bildern; Erklärung technischer Ausdrücke; alte Segelanweisungen.
Jos. Furttenbach: Architectura navalis. Ulm 1629.
Über Galea, Bergantino, Fregatta, nave usw., alte Schiffstypen.
[1]Jurien de la Gravière: Les marins du XVe et du XVIe siècle. Paris 1879. 2 Bde.Jurien:
Les marins
du XV.
Ausdehnung der Schiffahrt im 15. und 16. Jahrh. Angaben über Schiffbau, Nautik, Personal verschiedener Marinen; „Die Grundlegung zu den modernen Marinen.“
[1]C. Manfroni: Storia della marina italiana dalla caduta di Constantinopoli alla battaglia di Lepanto. Roma 1897.
Kurzer Rückblick auf das 13. Jahrh., dann Fortsetzung des vorigen Werkes (siehe Seite XXIV), Kriege der Städte untereinander und gegen die Türken im 15. und 16. Jahrh.; Angaben über das Seekriegswesen.
Jurien de la Gravière: Doria et Barberousse. Paris 1886.
Teil I: Ereignisse im Mittelmeer 1250–1500: Kampf der Städte, Vordringen der Türken. Teil II: Franzosen und Spanier in Italien, Türken in Afrika (Kampf um die Herrschaft im Mittelmeer), repräsentiert durch Doria (Genua) und Barberousse (Herrscher in den Raubstaaten und türkischer Großadmiral).
Derselbe: Les corsaires barbaresques et la marine de Soliman le Grand. Paris 1887.Jurien:
Türken.
Blicke auf die Ereignisse im Mittelmeer um die Mitte des 16. Jahrh.
Derselbe: Les chevaliers de Malte et la marine de Philipp II. Paris 1887.Jurien:
Malta.
Ebenso, besonders die Belagerung Maltas durch die Türken.
Derselbe: La guerre de Chypre et la bataille de Lepante. Paris 1888.Jurien:
Lepanto.
Ebenso, besonders die Schlacht bei Lepanto 1571.
M. Richer: Vie d'Andrée Doria, Général des Armées de François I ensuite de l'Empéreur Charles-Quint. Paris 1789.
J. Mitchell: The history of the maritime wars of the Turks. Translated from the Turkish. London 1831.
J. P. Contarino, verdeutscht von G. v. Bartfeld. Historie von dem Krieg, welchen der türkische Kaiser Selim II. wider die Venediger erzeugt hat. Basel 1623.
Lepanto 1571 usw.
Jurien de la Gravière: Les Anglais et les Hollandais dans les mers polaires et dans la mer des Indes. Paris 1890. 2 Bde.
Rivalität beider Völker auf dem Nordwege nach Indien, 16. und 17. Jahrh. und in Ostindien.
Derselbe: Les gueux de mer. Paris 1893. 2. Ed.Jurien:
Geusen.
Abfall der Niederlande bis 1573.
Derselbe: Le siège de la Rochelle. Paris 1891.Jurien:
Rochelle.
Hugenottenkrieg 1628.
W. Stebbing: Sir Walter Raleigh, a biography. Oxford 1891.
Die Zeit 1552–1618.
C. F. Duro: La Armada invencible. Madrid 1884/85.
Genaue Schilderung der Armada-Expedition, der Laird Clowes viele Briefe und Berichte wörtlich entnommen hat.
Sheltema: De uitrusting en ondergang der onoverwinnelijke vloot.
Eine Schilderung der Armada-Expedition, die de Jonge oft anzieht.
Julian S. Corbett: Drake and the Tudor navy. With a History of the Rise of England as a maritime power. London 1898. 2 Bde.
Derselbe: The successors of Drake. London 1900.
Robert Southey: English Seamen. London 1904.
Teil I: Howard, Clifford, Hawkins, Drake, Cavendish. Teil II: Hawkins, Greenville, Devereux, Raleigh.
J. W. v. Archenholz: Die Geschichte der Flibustier. Tübingen 1803.
Veranlassung des Entstehens der Republik der Flibustier im 17. Jahrh.; ihr Wesen usw.
H. Pyle: The buccaneers and marooners of America. London 1892.
Taten berühmter Flibustier.
J. Bourney: History of the buccaneers of America. London 1891.
Les Flibustiers au XVII siècle. Limoges 1884.
Dr. E. Baasch: Hamburgs Konvoyschiffahrt und Konvoywesen. Ein Beitrag zur Geschichte der Schiffahrt im XVII. und XVIII. Jahrhundert. Hamburg 1896.
G. Brandt[4]: Leben und Thaten des fürtrefflichen und sonderbahren Seehelden Michael de Ruyter. Amsterdam 1687.„Leben
Ruyters.“
Ursprünglich in holländischer Sprache geschrieben, von den Söhnen des Verfassers ins Deutsche (und ins Französische) übersetzt, gibt nicht nur die Biographie Ruyters sondern auch eine genaue Beschreibung der Kriege Hollands von 1652–1676 (Seitenangaben im Text beziehen sich auf diese deutsche Ausgabe).
La vie de Corneille Tromp[4] (Verfasser nicht genannt). Haag 1694.„Vie de
Tromp.“
Auch ursprünglich in holländischer Sprache, ins Französische (darauf beziehen sich die im Text angezogenen Seitenzahlen) und auch ins Englische übersetzt. Neben der Biographie eine genaue Schilderung der holländischen Kriege von 1652–1692.
Dr. O. Klopp: Leben und Taten des Admirals de Ruiter. Hannover 1852.
Von Laird Clowes öfters angezogen.
H. Dixon: Robert Blake, Admiral and General at sea. London 1852.
Führer der englischen Flotte 1649–1657 (erster englisch-holländ. Krieg).
G. Penn: Memorials of the professional life and times of Sir William Penn. London 1833. 2 Bde.
Englischer Admiral 1650–1670 (erster und zweiter englisch-holländischer Krieg).
S. R. Gardiner: Letters and papers relating to the First Dutch War (1652–1654). London 1899/1900. 2 Bde.
Chabaud-Arnault, Revue maritime et coloniale, Jahrgang 1885.Revue
maritime 85.
Im Teil II, Seite 497, und Teil III, Seite 74, Aufsätze: Les batailles navales au milieu du XVII. siècle; Die Schlachten der drei englisch-holländischen Kriege, kritisch bearbeitet nach den hier angeführten Quellen, aber auch nach alten, erst kürzlich aufgefundenen Urkunden.
A. Jal: Abraham du Quesne et la marine de son temps. Paris 1873.Jal:
„du Quesne.“
Leben des Admirals und die Kriegsereignisse 1630–1688; Aktenauszüge, Privatbriefe und Notizen über Leben und Laufbahn anderer französischer Seeoffiziere gewähren Einblicke in die Verhältnisse der Marine.
J. Delarbre: Tourville et la marine de son temps; notes, lettres et documents 1642–1701. Paris 1889.Delarbre:
„Tourville“.
Auch hierin lesenswerte Einblicke in die Verhältnisse der Marine, besonders wichtig für den Krieg 1688–1697.
A. Badin: Jean Bart. Paris 1887.
Zeit 1672–1679.
Mémoires de monsieur Duguay Trouin (1672–1736), lieutenant général des armées navales de France. Amsterdam 1740.
Enthält u. a. ein kurzes Verzeichnis technischer Ausdrücke und Angaben über Anzahl der Offiziere und der verschiedenen Besatzungsteile auf den damaligen Schiffen.
Le Baron R. du Casse: L'Admiral du Casse 1646–1715. Etude sur la France maritime et coloniale. Paris 1876.
Burchett: Mémoires de tout ce, qui s'est passé sur mer, durant la guerre avec la France 1688–1697. Amsterdam 1704.
Aus dem Englischen übersetzt.
H. C. Garde: Niels Juel. Kjöbenhavn 1842.
J. C. Tuxen: Niels Juel og Tordenskjold. Kjöbenhavn 1875.
Leben des berühmten königl. dänischen Vizeadmirals Herrn Just v. Juels, nebst einer Nachricht von dem Bombardement dreyer feindlicher Flotten gegen die dänische Flotte Anno 1700. Kopenhagen und Leipzig 1756.
A. Petersen: Om Orlogsskibet Dannebrogs. Deeltagelse i Kampen i Kjöge Bugt den 4. October 1710. Kjöbenhavn 1867.
C. A. G. Bridge: History of the Russian Fleet during the reign of Peter the Great by a contemporary Englishman (1724). London 1899.Bridge.
Sir G. S. Clarke: Russia's Sea-Power past and present or the Rise of the Russian navy. London 1898.
Zählt kurz Rußlands Engagements zur See auf.
O. Wesselajo: Kurze Geschichte der russischen Flotte. St. Petersburg 1893/95.
Zwei Bände in russischer Sprache.
Dr. P. F. Stuhr: Die Geschichte der See- und Kolonialmacht des Großen Kurfürsten. Berlin 1839.
B. E. K.: Die Marine des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und die erste deutsche Expedition nach Westafrika. Leipzig 1895.
Graf von Borcke: Die brandenburg-preußische Marine und die Africanische Compagnie. Köln 1864.
Roeßel, Generalleutnant a. D.: Die erste brandenburgische Flotte im schwedisch-polnischen Kriege 1658–1660. Berlin 1903.

Fußnoten:

[1] Die auf diese Weise gekennzeichneten Werke seekriegsgeschichtlichen Inhalts enthalten auch bemerkenswerte Angaben über das Seekriegswesen.

[2] Diese älteren englischen Werke sind wohl von Laird Clowes überholt, der z. B. Schomberg den Vorwurf großer Ungenauigkeit macht, aber immerhin noch bemerkenswert.

[3] Von anderen Schriftstellern werden ferner noch folgende französische Werke angezogen: de Boismélé: histoire générale de la marine; Poncet de la Grave: précise histoire de la milice française; Daniel: histoire de la milice française.

[4] „Leben Ruyters“ und „Vie de Tromp“ sind die wichtigsten alten Quellen über die drei großen englisch-holländischen Kriege. Aus ihnen haben die meisten späteren Schriftsteller geschöpft; insbesondere soll „Vie de Tromp“ einem wichtigen alten englischen Werke, „Columna rostrata by Samuel Colliber, London 1783,“ als Hauptquelle gedient haben, das wiederum für spätere englische Autoren die Grundlage gewesen ist. In beiden Werken finden wir auch die Beteiligung Hollands am schwedisch-polnischen Kriege 1655–1660 und im „Vie de Tromp“ am schwedisch-dänisch (brandenburgischen) Kriege 1675–1679.


Verzeichnis der Abbildungen.

Bildnisse.

Seite
Michael de Ruyter. Nach G. Brandt, Leben und Taten des fürtrefflichen und sonderbaren Seehelden Michael de Ruyter (Holl.) Amsterdam 1687[Titelbild]
Prinz Heinrich der Seefahrer. Nach dem Miniaturgemälde in der 1448–1453 entstandenen Handschrift „Chronica do descobrimento e conquista de Guiné etc.“ in der National-Bibliothek zu Paris. Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. Berlin 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung[28]
Vasco de Gama. Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. Berlin 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung[59]
Christofel Colonus (Christoph Columbus). Nach einem Stich in einer alten Porträtsammlung der Königl. Bibliothek zu Hannover[65]
Ferdinand Magellanus. Ebendaher[71]
Francis Drake. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. I. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[80]
Lord Howard of Effingham. Nach J. Campbell, Life of the British admirals and naval history of Great-Britain from the days of Casear to the present time. London 1873[121]
Robert Blake. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[200]
Martin Tromp, der Ältere. Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858[201]
Jacob van Wassenaer. Ebendaher, Teil II[241]
Herzog von York. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[264]
Herzog von Albemarle (Monck). Nach J. Campbell, Life of the British admirals and naval history of Great-Britain from the days of Caesar to the present time. London 1873[274]
Prinz Rupert (Ruprecht von der Pfalz). Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[337]
Cornelis Tromp. Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858[365]
Abraham du Quesne. Nach Girard Edelinck gezeichnet von Th. Gide. Nach A. Jal, Abraham du Quesne et la marine de son temps. Paris 1873, Henry Plon[377]
Niels Juel. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[398]
Marschall de Tourville. Nach Delarbre, Tourville et la marine de son temps; notes, lettres et documents 1642–1701. Paris 1889[432]
Edward Russell (Earl of Oxford, Viscount Barfleur). Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[447]
Jean Bart. Nach L. Guérin, Histoire maritime de France. Teil III. Paris 1858. Dufour, Mulat et Boulanger[470]
John Leake. Nach Fabers Mezzotinto-Bildnis nach dem Porträt von G. Kneller (1712) in Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[549]
George Byng (Viscount Forrington). Ebendaher Bd. III. [580]

Abbildungen von Schiffen.

Seite
Segelschiff der ältesten Zeit mit halbem Winde. Nach D. A. Breusing, Die Nautik der Alten. Bremen 1886. Verlag von Carl Schünemann[8]
Triere. Längsschnitt, Teil des Längsschnittes, Teil des Querschnittes. Nach der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Berlin 1895. Selbstverlag des Vereins deutscher Ingenieure[11]
Kleines römisches Kriegsschiff um etwa 50 v. Chr. Nach L. Arenhold, Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius und Tischer[16]
Galere des XVI. Jahrhunderts. Nach Jurien de la Gravière, Les Marins du XV. et du XVI. siècle. Paris 1879. Plon & Cie.[33]
Wikingerschiff etwa 1000 n. Chr. Nach L. Arenhold, Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius und Tischer[34]
Englisches Fahrzeug um etwa 1190 (Kreuzfahrer). Ebendaher.[36]
Hansa-Kogge um etwa 1380. Ebendaher[37]
Holländische Kogge des XV. Jahrhunderts. Ebendaher[38]
Karavelle des XV. Jahrhunderts. Nach Jurien de la Gravière, Les Marins du XV. et du XVI. siècle. Paris 1879. Plon & Cie.[39]
Galeon des XV. Jahrhunderts. Ebendaher[39]
Englisches KriegsschiffHenry Grace à Dieu“. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[97]
Englisches KriegsschiffThe Royal Prince“. Nach J. Charnock, A history of marine architecture. London 1800–1802[100]
Englisches KriegsschiffThe Sovereign of the Seas“. Nach W. van der Velde. Ebendaher[101]
Englisches SchlachtschiffThe Speaker“. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[164]
Französisches LinienschiffRoyal Louis“. Nach Arenhold, Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius und Tischer[166]
Geschützaufstellung bei Drei- und Zweideckern. Nach einer Skizze des Verfassers[169]
Englischer DreideckerRoyal Charles“. Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.[172]
Französischer DreideckerLe Soleil Royal“. Ebendaher[172]

Schlachtpläne und Übersichtsskizzen.
(Nach Skizzen des Verfassers.)

Seite
Hafen von Cadiz 1596[136]
Gefecht bei Dover, 29. Mai 1652[202]
Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652[210]
Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653. Erster Zusammenstoß[215]
Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653. Hauptmoment[217]
Schauplatz des ersten englisch-holländischen Krieges 1652–1654[233]
Der 11. Juni der Viertageschlacht 1666[275]
Der 12. Juni der Viertageschlacht 1666[278]
Der 14. Juni der Viertageschlacht 1666[281]
Ruyter im Medway, 20.–23. Juni 1667[293]
Schauplatz des zweiten und dritten englisch-holländischen Krieges[301]
Schlacht bei Solebay, 7. Juni 1672[326]
Schlacht bei Texel, 21. August 1673[346]
Angriff auf Tabago, 3. März 1677[371]
Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676[378]
Bombardement von Algier, 1683[405]
Schlacht bei Beachy Head, 10. Juli 1690[437]
Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692[451]
Vigo, 23. Oktober 1702[517]
Bai von Gibraltar[526]


Erster Abschnitt.
Altertum und Mittelalter.

Erstes Kapitel.
Das Seewesen im Altertum.

Einleitung.

Im Altertum hat sich das Seewesen zu einer hohen Blüte entwickelt. Der Seehandel verband alle Völker am Mittelmeer auf das engste, die Herrschaft auf ihm spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Staaten, und infolgedessen wurden auch Seekriege geführt, die von großer Bedeutung waren. Der Bau von Kriegsschiffen — Ruderschiffen — erreichte eine bemerkenswerte Höhe, stehende Marinen wurden geschaffen, in denen die Ausbildung des Personals und die Taktik eine gewisse Vollendung erlangten.

Im Mittelalter tritt das Seekriegswesen gegen das Altertum zurück. Es stand im allgemeinen nicht auf gleicher Höhe, Seekriege von solcher Bedeutung wie dort sind im Mittelalter nicht geführt worden.

Zwischen dem Altertum und dem Mittelalter wurde die Entwicklung des Seewesens durch die Völkerwanderung gewaltsam unterbrochen; es mußte sich fast ganz von neuem ausbilden. Von dort an aber geht die Entwicklung ununterbrochen weiter bis zur Gegenwart, und es tritt, besonders auch für die Kriegsschiffe, die Segelschiffahrt nach und nach in den Vordergrund.

In den letzten Jahrhunderten (dem 14. und 15.) dieses Zeitabschnittes bereitet sich die Ausdehnung der Schiffahrt auf die Ozeane vor. Es erscheinen die Völker auf dem Meere, die seit der neueren Zeit als Seemächte eine Rolle spielen; es wird schließlich gegen das Ende des Mittelalters die Hauptwaffe der Gegenwart, die Artillerie, in größerem Maße an Bord der Schiffe eingeführt. So wird der Abschluß des Mittelalters auch in Hinsicht auf das Seewesen ein Zeitpunkt von höchster Bedeutung.

Die Ausdehnung der Schiffahrt. Schon in der frühesten Zeit haben die Phönizier den Grund zu einer umfangreichen Schiffahrt gelegt. Von etwa 1500 bis 1100 v. Chr. blühte ihr Handel unter der Führung der Stadt Sidon im Ostmittelmeer, sie waren aber auch schon ins Westmittelmeer vorgedrungen; von 1100 bis 800, zur Zeit der Vorherrschaft der Stadt Tyros, beherrschten sie die Seefahrt im Westmittelmeer durch harte Maßregeln. Von etwa 1100 an wurden sie im Osten nach und nach von den Griechen überflügelt, und als sie sich von 800 an, geschwächt durch beständige Kriege im Heimatlande, im Westmittelmeer nicht mehr halten konnten, traten dort ihre Pflanzstädte, besonders Karthago, an ihre Stelle. — Aber auch über das Mittelmeer hinaus erstreckte sich die Seefahrt. Die Phönizier schon und später ihre sowie griechische Pflanzstädte im Westen befuhren die Küsten des Atlantik, nach Süden bis zum Senegal und Gambia, wobei auch die Kanarischen Inseln entdeckt wurden (Karthago), nach Norden bis zum Englischen Kanal. Im weiteren Verlauf ging die Schiffahrt bis zum Norden Englands und in die Nordsee (der Massilier Pytheas umsegelte bereits um die Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. Großbritannien).

Im Osten besuchten die Ägypter schon um 2100 v. Chr. die Küsten Afrikas südlich vom Roten Meere; dieser Verkehr, durch Verfall des Reichs unterbrochen, wurde in der 18. Dynastie, etwa 1600 v. Chr., wieder aufgenommen und später durch Phönizier unter dem Schutz arabischer und ägyptischer Herrscher nach Osten bis Indien ausgedehnt; zur Ptolemäerzeit betrieben die griechischen Kaufleute Ägyptens regelmäßigen Seehandel nach Indien, sie sind wahrscheinlich sogar im 1. Jahrh. n. Chr. bis zur Mündung des Jangtsekjang vorgedrungen. Dieser Seeverkehr mit den Küsten Asiens — dem „Indien“ des Altertums und Mittelalters — ist bis in die byzantinische Zeit aufrecht erhalten, der von den Ptolemäern vollendete Kanal zwischen dem Mittelmeere und dem Roten Meere war mindestens bis ins 6. Jahrh. n. Chr. in brauchbarem Zustande; erst die Eroberung Ägyptens durch die Araber 640 n. Chr. brach die unmittelbare Seeverbindung der Byzantiner und damit auch des Abendlandes mit Indien ab.

Beim Ausgang des Altertums war den Kulturvölkern durch diesen Seeverkehr nach Norden und Osten, durch die Eroberungszüge Alexanders und der Römer und durch den uralten Landhandel über Persien usw. in das Innere Asiens ein großer Teil der Alten Welt bekannt; freilich hatte man infolge der mangelhaften Ortsbestimmungen von vielen Ländern und Küsten, besonders im Osten, nur unklare geographische Vorstellungen.

Die Nautik im Altertum.[5] Die Schiffahrt war zunächst reine Küstenfahrt, nur tiefe Buchten kürzte man ab und wagte Überfahrten nur, wo eine Insel in absehbarer Ferne lag. Diese Küstenfahrt erforderte umsichtige und tüchtige Seeleute, um den Gefahren der Untiefen und des Wetters beim Fahren auf Legerwall (d. h. Land gefahrdrohend in Lee)[6] zu begegnen. Zeitig kam der Gebrauch des Lotes auf, das Bezeichnen von Untiefen durch eingerammte Pfähle in eigenen oder oft besuchten und die Verwendung von Eingeborenen als Lotsen in fremden Gewässern, ferner die Benutzung von Landmarken, deren auch künstliche, z. B. Türme, auch Leuchttürme vor den Häfen, errichtet wurden. Frühzeitig auch gab es Segelanweisungen, welche die Entfernungen von Ort zu Ort, Beschreibungen der Küste, Angaben über Häfen, Rheden, Strandverhältnisse, Ankerplätze, Ankergrund, Wasserversorgung u. dgl. enthielten.

Zum Landen lief man anfangs, auch wohl später noch häufig, auf den Strand und schleppte bei längerem Aufenthalt die Fahrzeuge auf; wenn die Größe und Belastung der Schiffe oder sonstige Verhältnisse, z. B. Beschaffenheit des Strandes, Verhalten der Einwohner usw., solches verboten, wurde geankert; zweifellos hat es in einzelnen Häfen bald Bollwerke zum Festmachen gegeben; später wurden, besonders für Kriegszwecke, künstlich geschützte Häfen mit eingeteilten Bassins (Docks), Magazinen, Arsenalen und Einrichtungen zum Trockenlegen der Fahrzeuge gebaut.

Als man das ganze Mittelmeer kannte, sich vom Lande freizumachen verstand und kürzende weitere Überfahrten wagte, bei denen das Land aus Sicht kam, bestimmte man den Kurs nach dem Stand der Sonne und der Gestirne. Schon die Phönizier benutzten den Polarstern und schätzten die Fahrt nach dem Bugwasser und nach der Schnelligkeit des am Schiff vorbeifließenden Wassers, wie man es bei der Küstenfahrt zu beurteilen gelernt hatte. Da keine genauen Stundenmesser vorhanden, wurde die Fahrt für Tage angegeben; um einen Begriff von der Leistungsfähigkeit der Schiffe zu erhalten, sei erwähnt, daß das Etmal (d. h. der Weg in 24 Stunden) im Durchschnitt bei guten Schiffen zu 120 Seemeilen (1200 Stadien) angegeben ist, es entspricht dies einer Fahrt von 5 Knoten für die Stunde, auch solche zu 7 Knoten werden aufgeführt, doch der allgemeine Durchschnitt ist nur 2 bis 3 Knoten. Diese Art der Besteckführung war natürlich sehr ungenau und versagte ganz bei anhaltend trübem oder stürmischem Wetter, deshalb wurde die Schiffahrt im allgemeinen während der Wintermonate geschlossen. Zur Unterstützung dieser ungenauen Besteckführung sammelte man jedoch auch Erfahrungen, man nahm Tieflotungen mit Grundproben vor wie jetzt, man beobachtete die Wasserfarbe bei Annäherung an die Küste namentlich vor großen Strömen usw. Durch die Fahrten im Atlantik lernte man Ebbe und Flut und durch die nach Indien die Monsune kennen; die Schiffe nach Indien fuhren im Sommer mit N.W.-Monsun vom Roten Meere ab und kehrten, auch wenn sie dort im ersten Winter ihre Geschäfte erledigt hatten, erst im nächsten Herbst mit S.O.-Monsun von Indien zurück.

Die wissenschaftliche Nautik konnte aber erst größere Fortschritte machen, als ihre Hilfswissenschaften, die messende Erd- und Himmelskunde, zu einer gewissen Reife gelangt waren; auch hierzu ist im Altertum der Grund gelegt. Thales (600 v. Chr.), Pythagoras (550), Aristoteles (350) entwickelten die Theorie von der Kugelgestalt der Erde; Eratosthenes (Alexandria 250), Posidonius (Rhodus 100) berechneten den Erdumfang und Hipparch (Alexandria 150) überzog die Erdoberfläche mit dem Gradnetze von Meridianen und Breitenparallelen, dessen wir uns noch jetzt bedienen. Letzterer drang darauf, die Lage der Orte nach Länge und Breite festzustellen, bestimmte selbst mehrere Polhöhen und empfahl zur Längenbestimmung die genaue Beobachtung der Sonnen- und Mondfinsternisse. Wenn es bis dahin nur möglich war, rohe Darstellungen der Ländergestaltung und der Lage bekannter Orte nach ihrer ungefähren Richtung und Entfernung voneinander herzustellen, so konnten jetzt einigermaßen richtige Karten angefertigt werden.

Aber erst Marinus (Tyrus 100 n. Chr.) entwarf Karten nach wissenschaftlichen Grundsätzen und einer ihm eigentümlichen Projektion. Er zog Breitenparallele und Meridiane als gerade Linien aus, die sich rechtwinklig schnitten. Der Kugelgestalt der Erde trug er dadurch Rechnung, daß er den Abstand der Meridiane voneinander so ordnete, wie es dem Breitenparallel von 36° N. — im Altertum als die Mittelbreite der bewohnten Welt angesehen — entsprach, und sammelte sorgfältig aus den Tagebüchern der Reisenden Angaben zur Berechnung der Länge und Breite vieler Orte. Er ist also der Schöpfer der platten Karte.

Ptolemäus (Alexandria 150 n. Chr.) berichtigte und erweiterte diese Arbeit; an 8000 Orte sind in seinem geographischen Buche mit Länge und Breite verzeichnet, und 27 Karten sind ihm beigegeben; bei den Spezialkarten hat er als Mittelbreite die des betreffenden Landes angenommen; es sind dies die einzigen uns überlieferten Karten des Altertums. Mit Ptolemäus erreichte die messende Erd- und Himmelskunde für lange Zeit ihren Höhepunkt. Sein geographisches Werk hat leider während des ganzen Mittelalters in Vergessenheit geruht; sein zweites, astronomisches Werk (Almagest) aber, in dem er das nach ihm benannte astronomische System, das erst nach anderthalb Jahrtausenden vom Kopernikanischen verdrängt wurde, niederlegte, hat beim Wiederaufleben der Wissenschaft im Mittelalter der Erdkunde die größten Dienste geleistet.

Die praktische Navigation konnte jedoch im Altertum aus allen diesen wissenschaftlichen Fortschritten noch keinen Nutzen ziehen, solange wegen mangelnder Instrumente keine astronomischen Beobachtungen auf See (an Land wurden die Breitenbestimmungen mit dem Gnomon, dem Schattenzeiger, angestellt) gemacht werden konnten und man kein Mittel hatte, den Kurs jederzeit mit Sicherheit zu bestimmen — nämlich ohne Kompaß; man blieb auf ein nur ungenau geschätztes Besteck und somit auf Küstenfahrt angewiesen.

Es sei hier vorgreifend noch erwähnt, daß im Altertum die Ausdehnung der Alten Welt von West nach Ost auf den bekannten Breiten — also von Spanien bis China —[7] viel zu groß angenommen wurde infolge der ungenauen Längenbestimmungen namentlich in Asien. Marinus nahm sie zu 225°, Ptolemäus zu 180° an gegen etwa 130° in Wirklichkeit; die erstere Zahl hat wesentlich dazu beigetragen, Kolumbus zu seinem Plane zu ermutigen, die Ostküste Asiens auf dem Wege nach West zu erreichen.


Die Schiffe im allgemeinen und die Handelsschiffe.[7] Wie die Phönizier das erste Volk gewesen sind, das seine Seefahrt über das ganze Mittelmeer ausdehnte, so waren sie auch grundlegend für die Entwicklung des Seewesens aller Völker am Mittelmeer; auch die Ägypter, die schon früh das Rote Meer usw. befuhren, bildeten ihr Seewesen nicht weiter aus, sondern bedienten sich später ebenfalls in diesen Gewässern der Phönizier und dann der Griechen. Wenn auch wohl naturgemäß die anderen Küstenvölker, ehe sie mit den Phöniziern in Berührung kamen, aufs Wasser gegangen sind, so haben doch zweifellos die frühzeitiger technisch entwickelten Fahrzeuge der letzten überall zur Ausbildung des Schiffbaues den Anstoß gegeben.

Die Griechen haben sodann allerdings viel zur Entwicklung, besonders der Kriegsschiffe, beigetragen, aber alle griechischen Schriftsteller von Homer bis auf die spätesten stellen die Phönizier als Vorbild hin, was deren Schiffe, seemännische Umsicht, Genauigkeit und Erfahrung sowie ihre nautischen Kenntnisse anbetrifft; noch Xenophon lobt die praktische Einrichtung, die musterhafte Ordnung und Disziplin, die er auf phönizischen Schiffen — und zwar Handelsschiffen — gesehen hat. Im Westmittelmeer haben dann später auch die phönizischen Pflanzstädte (Karthago) im Verein mit den Griechen Siciliens die Entwicklung des Seewesens beeinflußt.

Die ersten Fortschritte im Schiffbau betrafen die Handelsschiffe. Aus den einfachen offenen Booten zum Rudern und Segeln, mit denen die Phönizier die ersten Fahrten an naher Küste und im Ägäischen Meer unternommen hatten, entwickelten sich gedeckte, größere Seeschiffe, namentlich als man die Fahrten nach Spanien aufnahm. (Die Tharsisfahrten, daher ist „Tharsisschiffe“ bald die Bezeichnung für alle größeren Seeschiffe.)

Diese Schiffe wurden tiefergehend, voller und somit seefähiger, hochbordiger, breiter und seefester gebaut, sogenannte „runde Schiffe“ im Gegensatz zu den später ausgebildeten „langen“ Kriegsschiffen; bei ihnen wurde die Menschenkraft an den Riemen (Rudern) als Hauptmotor zu teuer und nahm zu viel Platz fort; so waren die größeren in erster Linie zum Segeln bestimmt und besaßen nur einige Riemen, hauptsächlich zum Ein- und Auslaufen beim Besuch der Häfen; kleinere Handelsschiffe für kurze Küstenfahrt blieben wohl mehr Ruderfahrzeuge.

Die Takelage der Segelschiffe war während des ganzen Altertums sehr einfach. Die Schiffe hatten anfangs und lange Zeit nur einen Mast mit einem breiten, viereckigen Raasegel,[8] später trat bei den größeren Schiffen ein zweiter Mast hinzu, ganz vorn im Schiff, stark vornübergeneigt, mit losem (gewissermaßen breitfockähnlich) Raasegel; erst in der römischen Kaiserzeit ist noch eine Art dreieckigen Toppsegels über dem Raasegel des Hauptmastes hinzugekommen. Gesteuert wurden die Segelschiffe wie auch die Ruderschiffe mit zwei Riemen am Heck.

Verbesserungen kleinerer Art werden nach und nach in der Takelage und im Schiffbau stattgefunden haben, immerhin aber haben die Segelschiffe sich wenig entwickelt und gestatteten, unvollkommen in Bau, Takelage und Steuervorrichtung, keine gründliche Ausnutzung des Windes; man nimmt an, daß sie höchstens 8 Strich beim Winde (also mit halbem Winde) steuern konnten, auch müssen Steuervorrichtung und Takelage bei stürmischem Wetter bald versagt haben.

Segelschiff der ältesten Zeit mit halbem Winde.

Der Grund dieser geringen Entwicklung des Segelschiffbaues und der Segelkunst ist wohl in den besonderen Verhältnissen des Mittelmeeres zu suchen. Bei dem niedrigen Stande der Nautik mußte die Schiffahrt mehr oder weniger Küstenfahrt bleiben, und die begrenzten Gewässer des Mittelmeeres mit ihren vielen Inseln und langvorgestreckten Halbinseln erlaubten dies; die vielen Zufluchtsorte, die die Küsten boten, sowie die im größten Teile des Jahres günstigen Wetter- und Seeverhältnisse zwangen nicht so dringend zur Erfindung von Verbesserungen, durch die langwierige und beschwerliche Seereisen leichter zu überwinden gewesen wären; in der schlechten Jahreszeit legte man die Schiffe ja schon aus navigatorischen Gründen auf.

Was die Größe der Handelsschiffe anbetrifft, so kann man nach der Größe der Kriegsschiffe, die uns besser bekannt ist, nach den Angaben über Ladung, Passagiere und Truppentransporte wohl annehmen, daß solche von 100 bis 600 tons Deplacement gebräuchlich waren; man findet aber auch in späterer Zeit Angaben, die auf gelegentliche Verwendung (regelmäßige Getreide- und Passagier-Fahrten, Transporter) weit größerer Schiffe, ja bis zu 2000 tons, schließen lassen.

Um endlich noch einen Begriff von der Stärke alter Handelsflotten zu geben, seien die Mitteilungen Herodots über den Zug des Xerxes gegen Griechenland erwähnt. Die Kriegsflotte bestand aus 1200 Trieren und 3000 kleineren Kriegsfahrzeugen, die meisten waren gerade für diese Expedition außergewöhnlich stark bemannt. Da nun Herodot für die begleitende Transportflotte „mindestens“ die gleiche Besatzung wie für die Kriegsschiffe annimmt, und da das einzelne Handelsschiff doch schwächer bemannt gewesen sein wird als das einzelne Kriegsschiff, muß die Zahl der Handelsschiffe eine ungeheuere gewesen sein; nach dem Verhältnis der Trieren, von 1200 waren 300 phönizische, fällt mindestens ein Viertel der Transporter allein auf die phönizischen Städte des Mutterlandes.


Die Kriegsschiffe der Phönizier und Griechen. Die Kriegsschiffe der Alten waren Ruderschiffe, deren Bau eine hohe Blüte erlangte. Ihr Typ hat zu verschiedenen Malen große grundsätzliche Änderungen erfahren.

Die Phönizier besaßen anfangs keine eigentliche Kriegsflotte, da sie in den ersten Zeiten ihrer Macht nicht mit seetüchtigen Gegnern zu rechnen hatten; die größeren Handelsschiffe waren zu ihrem Schutz gegen Seeräuber und sich feindlich stellende Einwohner der besuchten Küsten genügend bemannt und armiert. Sie hatten aber auch in ihrer Begleitung große flache Ruderboote, denn sie selbst waren wegen ihres Tiefgangs nicht überall zur Küstenfahrt und zum Löschen und Laden der Waren geeignet; diese stärker bemannten Ruderfahrzeuge dienten gleichzeitig zur Bedeckung und zur Ausführung von Gewaltstreichen: See- und Küstenraub. Ähnliche Ruderschiffe waren auch wohl an den eigenen Küsten vorhanden, um die Städte gegen Seeräuber zu schützen.

Als nun aber die phönizischen Städte vom 9. Jahrh. an in die assyrisch-babylonischen und ägyptischen Kriege verwickelt wurden und von diesen Völkern, die sich selbst eine Seemacht zu gründen bestrebt waren, mittels der Ionier, Karier und schon unterworfenen Phönizier auch zur See bedroht wurden, bedurften beide Parteien einer wirklichen Kriegsflotte, und jetzt machte bei ihnen, im Verein mit den zu derselben Zeit aufblühenden Seestaaten der Griechen, besonders den asiatischen Kolonien, der Kriegsschiffbau schnelle Fortschritte.

Die erwähnten Ruderboote wurden im Vergleich zu den Kauffahrteischiffen weniger tiefgehend, länger, leichter, schlanker mit immer schöneren Wasserlinien gebaut; während die Frachtschiffe dreimal so lang als breit waren, wird bei den Kriegsschiffen das Verhältnis mindestens das Doppelte gewesen sein, wie man aus den Maßen der griechischen Schiffsschuppen schließen kann; mit diesen „Langschiffen“ erreichte man unter Riemen eine große Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit. Zunächst waren es offene, niederbordige, leicht zu rudernde und leicht aufzuschleppende Fahrzeuge, also große Boote, aber schon mit einem Deck vorn und hinten, zum Kampf und zur Unterkunft, versehen. Sie hatten eine Reihe Riemen auf jeder Seite und wurden benannt nach der Anzahl der Rudermannschaften: Eikosoren, Triakontoren, Pentekontoren. Die Pentekontore, den Fünfzigruderer, nimmt Kontre-Admiral Serre an als ein Fahrzeug von 18 m Länge, 22 tons Deplacement, 13 Ruderbänken = 26 Riemen, an jedem Riemen 2 Mann (am Bugriemen nur 1 Mann), also: (24 ⨉ 2) + (2 ⨉ 1) = 50 Ruderer.[9] Sie führte am Bug einen Sporn über Wasser. Diese Einreihenschiffe, besonders die Pentekontoren, die zuerst von den Phokäern erbaut sein sollen, blieben auch bei späterer Vergrößerung der Schlachtschiffe stets als Schiffe für Aufklärungs- und Nachrichtendienst im Gebrauch.

Mit zunehmender Größe der Fahrzeuge fügte man die Einrichtung für eine zweite und später für eine dritte Riemenreihe hinzu, so entstanden die Dieren und Trieren. Letztere sollen zuerst um 700 v. Chr. von den Korinthern erbaut sein, doch schreiben einige Forscher die Erfindung sowohl der Trieren wie auch der Pentekontoren den Phöniziern zu. Die Triere war in den Perserkriegen und im Peloponnesischen Kriege das Hauptschlachtschiff und erreichte im letzteren durch die Athener ihre höchste Vollendung, was Leichtigkeit, Formenschönheit und somit Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit anbelangt.

Die Trieren waren anfangs auch nur vorn und hinten, später jedoch ganz gedeckt; die Takelage, sonst wie bei den Handelsschiffen der entsprechenden Zeit, war nur eine Hilfstakelage für den Marsch, zum Gefecht wurde sie niedergelegt,[10] auch oft von Bord gegeben; die Schiffe konnten leicht aufgeschleppt werden, häufig sind sie sogar kurze Strecken über Land transportiert oder auch zur Herstellung befestigter Stellungen am Lande (Lager) benutzt.

Nach Serre war die gebräuchlichste attische Triere im 5. Jahrh. ein Fahrzeug von 40 m Länge über Deck, 4,4 m größter Breite und 1,1 m Tiefgang, 130 tons mit 200 Mann Besatzung. Sie hatte an jeder Seite und in jeder Reihe 24 Riemen, also = 144 Riemen und ebensoviel Ruderer. Andere Quellen geben die Triere etwas größer an bis zu 230 tons, 150 Ruderer, ganze Besatzung 220 Mann; doch hat es wohl auch größere und kleinere gegeben, besonders in anderen Staaten. Der geringe Rest der Besatzung nach Abzug der Ruderer enthielt die Offiziere, Matrosen und Soldaten (Hopliten). Zur Zeit des Peloponnesischen Krieges war eben das Schiff selbst, die schnelle und manövrierfähige Triere, die Hauptwaffe; der Sporn befand sich eine Zeitlang unter Wasser, wurde aber später aus seemännischen Gründen wieder über Wasser gelegt.

Triere, Längsschnitt.

Triere, Teil des Längsschnittes.

Triere. Teil des Querschnittes.
Zeichnung der Rudereinrichtung nach R. Haack.

Die Bedeutung der Namen der Vielreiher, Trieren, Penteren usw. richtig zu lösen, hat seit langem die Forscher beschäftigt. Die Schwierigkeit, festzustellen, wie die Ruderer, namentlich bei den Fünf- und noch höheren Ruder-Reihern, übereinandergesessen haben, hat zu der[12] Annahme anderer Anordnung der Riemen als gerade in parallelen Reihen übereinander geführt, um den betreffenden Namen zu erklären: Eine der Namenszahl entsprechende Anzahl von Gruppen der Riemen an verschiedenen Stellen des Schiffes in gleicher Höhenlage, in verschiedener Höhenlage, aber nicht übereinander, und Kombinationen davon mit teilweiser Lage von Reihen übereinander. Seemännisch erfahrene Forscher heben aber außerdem die Schwierigkeit, ja teilweise Unmöglichkeit, mit verschieden langen Riemen übereinander in gleichem Takt zu rudern und ihre Kraft gleichmäßig auszunutzen, hervor.

Es darf wohl als bewiesen angesehen werden, daß die Vielreiher mehrere Einrichtungen zum Gebrauch der Riemen übereinander gehabt haben, aber nicht mit dem Zweck, sie gleichzeitig zu benützen; man wollte sich vielmehr mit ihnen verschiedenen Verhältnissen anpassen können.

Nach Breusing hatte die Triere für einen jeden Riemen jeder der drei Reihen einen Ruderer, es wurde aber stets nur eine Reihe bemannt, den Verhältnissen entsprechend, d. h. je nach dem Seegang, oder der Geschwindigkeit, die man erzielen wollte: bei ganz glattem Wasser oder bei wenig Eile die unterste Reihe mit den kurzen, leicht zu bedienenden Riemen; bei etwas Seegang, wenn die Riemen und vor allem auch die Öffnungen für sie in der Schiffsseite zu nahe über Wasser kamen, die höher liegende zweite Reihe; bei viel Seegang oder wenn die höchste Fahrt erwünscht war, also stets im Gefecht, die oberste Reihe mit den längsten Riemen. Bei den Penteren glaubte man sich durch Einführung von noch mehr Reihen den Verhältnissen noch besser anschließen zu können.

Serre's Ansicht ist fast dieselbe, doch läßt er die unterste Riemenreihe von einem, die zweite von zwei und die oberste von drei Mann an jedem Riemen bedient werden. Bei den Penteren nimmt er auch nur drei Riemenreihen an und bezieht den Namen darauf, daß zur Bedienung der obersten Reihe fünf Mann am Riemen verwendet seien; ebenso bei noch höheren Riemenreihen, hier gibt er aber zu, daß mehrere Reihen gleichzeitig benutzt seien, da es infolge der Größe der Schiffe möglich gewesen sei, aber nie über drei Reihen.

Die Hypothesen Breusings und Serres sind auch insofern bemerkenswert, als durch sie andere, sonst zweifelhafte Punkte befriedigende Antwort erhalten. So ist bei ihnen eine regelmäßige Ablösung der Ruderer auf längeren Fahrten möglich, die sonst bei gleichzeitigem Gebrauch aller Riemen ausgeschlossen wäre, und es ist zu erklären, namentlich nach Breusing, daß Staaten imstande waren, so viele Trieren zu bemannen, wie es in einzelnen Fällen angegeben wird; wenn man in der Nähe der eigenen Küste focht, konnte man von Ablösung ganz oder teilweise absehen und brauchte nicht den vollen Etat der Ruderer einzuschiffen. Alte Reliefs zeigen zwar Schiffe mit drei Ruderreihen im Gebrauch, es ist aber möglich, daß man diese hierdurch nur als Dreireiher kennzeichnen wollte, oder daß „zur Parade“ alle Riemen ausgelegt wurden.[11]

Mit Beginn des 4. Jahrh. fing man an, die Schiffsseiten gegen den Rammstoß zu verstärken, ferner führte man die nach dem Peloponnesischen Kriege erfundenen Wurfmaschinen (Katapulte: große Bogen, die Lanzen, Pfeilbündel, Balken schossen; Ballisten: Vorrichtungen, die mit Hebelkraft schwere Gewichte warfen) auch nach und nach an Bord ein, es mußten jetzt die Decks sowohl behufs deren Aufstellung als auch zum Schutz gegen ihre Projektile verstärkt werden. Die Schiffe wurden größer und schwerer; man schritt zum Bau von Tetreren und Penteren; letztere ist wahrscheinlich zuerst in Syrakus, wo auch die Konstruktion der Wurfmaschinen besonders ausgebildet wurde, etwas nach 400 v. Chr. erbaut; jetzt wird die Pentere das Hauptschlachtschiff.

Nach Serre war die Pentere ein Schiff von 300 tons, 50 m Länge, 6,2 m Breite, 1,5 m Tiefgang mit 400 bis 500 Mann Besatzung, darunter 300 Ruderer für 60 Riemen in jeder Reihe. Andere Angaben sagen 550 tons, 168' lang. 26' breit 13 bis 14' tiefgehend; sie mögen auch später größer geworden bzw. verschieden groß gewesen sein; auch die Besatzungsangaben schwanken, doch mehr was die Nichtruderer anbetrifft, die Anzahl der einzuschiffenden Soldaten war aber wohl überhaupt nicht unbedingt festgestellt. Die Pentere war nicht so handlich und schnell wie die attische Triere, so bleibt denn auch, abgesehen von der Einführung der Wurfmaschinen, der Sporn nicht mehr allein Hauptwaffe wie bei dieser, und wir sehen die Zahl der Kämpfer an Bord bedeutend gewachsen.

Zu noch höheren Ruderreihern sind die Griechen wahrscheinlich nicht gegangen; in Ägypten aber, wo unter den Ptolemäern das Seewesen sehr gepflegt wurde, sind im 3. Jahrh. Vielreiher bis zu Okteren und Dekeren (nach Serre 800 tons, 840 Mann, 560 Ruderer bzw. 1000 tons, 1080 Mann, worunter 800 Ruderer) gebaut; noch größere Schiffe, die erwähnt werden, waren wohl nur unpraktische Luxusbauten, auch die Okteren verschwanden wieder.

Die größeren Schiffe waren aber sehr unbeholfen, weil sie allmählich mit Schutz- und Trutzwaffen überlastet wurden; denn die Wurfmaschinen und ihre Projektile, die man anfangs nur gegen Menschen verwendete, wurden immer schwerer, weil sie später auch zum Durchschlagen der Decks und Schiffswandungen bestimmt waren. Bei ihrem verstärkten Bau reichten auch Menschen als Triebkraft nicht mehr aus, den Gegner mit dem Sporn zu durchstoßen. So waren aus der Triere mit höchstem Offensivzweck Schiffe mehr defensiven Charakters geworden.

Die Kriegsschiffe zur römischen Zeit.[12] Phönizier und Griechen sind auch auf die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im Westmittelmeer von Einfluß gewesen. Die Karthager und sonstigen phönizischen Pflanzstädte haben die Errungenschaften des Seewesens von Phönizien mitgebracht, und bei ihrer ständigen Verbindung mit dem Mutterlande und mit den griechischen Städten Siciliens und Unteritaliens sind sie natürlich auch in betreff der späteren Vervollkommnungen und Veränderungen auf diesem Gebiet im Ostmittelmeer auf dem laufenden geblieben, ebenso die ebenerwähnten griechischen Kolonien; beide haben die Wandlungen mitgemacht, wenn auch vielleicht mit kleinen Abweichungen, wie auch in Griechenland die Schiffstypen, Trieren z. B., nicht immer in allen Staaten ganz gleich gewesen sind. Es ist wahrscheinlich, daß die Karthager ihre Trieren nicht so schnell, so formvollendet gebaut haben wie die Griechen im Laufe des 5. Jahrh., sondern mehr auf größere Seetüchtigkeit und größeres Fassungsvermögen Gewicht gelegt haben. Zur Zeit des höchsten Standes der attischen Triere wurde den Karthagern die Seeherrschaft in ihrem Bereich von keinem ebenbürtigen Nebenbuhler streitig gemacht, seefähigere Fahrzeuge waren dort aber erwünschter, namentlich bei den Expeditionen außerhalb des Mittelmeeres.

Von Syrakus nahmen die Punier frühzeitig die Penteren an, einen Schiffstyp, den der Tyrann dieser Stadt (Dionysius I.) gerade gegen sie selbst um 400 zuerst erbaut hatte. Auch bei ihnen wird die Pentere im 4. und 3. Jahrh. das Hauptschlachtschiff, wie aus den Angaben über die Zusammensetzung karthagischer Flotten hervorgeht. Zum Bau noch höherer Reihenschiffe zu schreiten, hat auch sie ihr seemännisch-praktischer Sinn gehindert; das Flaggschiff bei Mylae, eine Heptere, wird ausdrücklich als vorher dem König Pyrrhus abgenommen erwähnt. Die Karthager widmeten ihrer Flotte große Sorgfalt, die Bemannung scheint sich im Gegensatz zum Landheere stets der Hauptsache nach aus Stadt-Karthagern ergänzt zu haben, namentlich die Chargen und die Kämpfer.

Die Römer hatten während der ersten Jahrhunderte ihres Bestehens keine nennenswerte Kriegsflotte, sondern nur kleinere Fahrzeuge für den Küstendienst; die Unterwerfung Italiens vollzog sich ganz durch Landkriege. Als der Zusammenstoß mit Karthago sie zwang, eine Flotte zu schaffen, standen ihnen der Hauptsache nach nur die Schiffe der süditalienischen Bundesgenossen zur Verfügung, auch nur solche bis zur Größe der Trieren. Sie bauten deshalb nach dem Muster einer gestrandeten punischen Pentere die ersten Schiffe dieser Art. Daß sie diesen Typ nicht von ihren Bundesgenossen, den Syrakusern, entlehnten, muß politische Gründe gehabt haben, vielleicht wichen auch die punischen[13] Penteren etwas von den griechischen ab, und man wollte dem Feinde mit gleichen Waffen entgegentreten.

Aber unerfahren auf dem neuen Gebiet, war man dem Feinde in der Führung der Schiffe nicht gewachsen und unterlag der Taktik des seegewandten Gegners, nämlich der Ausnutzung des Manövrierens zum Riemenzerbrechen und Rammen. Um diese Schwäche auszugleichen, erfanden die Römer die Enterbrücke (manus genannt, vulg. corvus). Es war dies eine im Bug aufgestellte, drehbare Fallbrücke, die nach vorn und den Seiten fallen gelassen werden konnte, mit einem schweren, eisernen Haken in das Deck des sich nähernden feindlichen Schiffes einschlug und dies festhielt; über die Brücke hin stürmten die Legionäre. Wenn die Pentere (Quinquereme der Römer) bis dahin ungefähr dieselbe Besatzung gehabt hatte wie bei den Griechen, so erhöhten die Römer zu dieser neuen Kampfweise die Zahl der Soldaten bedeutend, nämlich auf 120 Mann Schwerbewaffnete. Diesem Vorgang wurde auch dort gefolgt, wo man die Enterbrücke nicht einführte; somit trat der Enterkampf in den Vordergrund.

Mit der weiteren Ausbreitung der Weltherrschaft der Römer ist dann wohl die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im ganzen Mittelmeer dieselbe gewesen. Wie schon (Seite [12]) gesagt, bildeten sich die Schiffe im allgemeinen in der Hinsicht weiter aus, daß Schutz- und Ferntrutzwaffen stetig verstärkt wurden. Der Fernkampf gewinnt an Bedeutung.

Der Schutz der Schiffsseiten wurde immer mächtiger, die Schiffe wurden behufs Überhöhung und Erschwerung des Enterns hochbordiger. Man schützte die Kämpfer und die Wurfmaschinen durch Brustwehren und Türme, vorn und hinten sowie an den Seiten auf Deck erbaut. Die Wurfmaschinen wurden vergrößert und vermehrt, neben Pfeilen und Lanzen gegen Leute sowie Balken und schweren Gewichten zum Durchschlagen der Schiffsseiten und Decks auch Brandprojektile eingeführt. Zum Heranholen des feindlichen Schiffes schleuderte man auch Enterdraggen, mit Leinen versehen, aus den Maschinen (harpax).[14]

Ganz stetig war diese Richtung in ihrer Entwicklung jedoch nicht. Als die Römer nach dem Falle Karthagos (146 v. Chr.) die Seeherrschaft unbestritten errungen hatten, vernachlässigten sie die Marine. Bei der durch Pompejus (67 v. Chr.) zur Ausrottung der Seeräuber neu ausgebauten Flotte wurde dem Zweck entsprechend wieder mehr auf Schnelligkeit der Schiffe gegeben; sie waren kleiner.

Auch Cäsar baute gegen die Veneter in der Bretagne eine besondere Art von Schiffen. Wenn sie auch kleine Türme hatten, so scheinen sie doch ähnlich den alten Pentekontoren gewesen zu sein; niedrig über Wasser, die Schiffe der Veneter überhöhten sie. Sie können nur klein gewesen sein, denn bei der Landung in Britannien liefen sie auf den Strand, um mit ihren Wurfmaschinen die Ausschiffung zu decken.

Gegen diese Flotte, die später der pompejanischen Partei diente, baute Oktavian sehr schwere Schiffe, solche, wie sie vorhin in ihrer höchsten Vollendung geschildert sind; diese wurden dann auch im Osten der Haupttyp. Wahrscheinlich waren es Penteren, jedoch baute Kleopatra auch wieder Okteren und Dekeren. Aber schon wenige Jahre später ist Agrippa (der Feldherr Oktavians) im Besitz ganz anderer Schiffe, der Liburnen, die er bei einem Seeräubervolk an der illyrischen Küste kennen gelernt hatte. Es waren leichtere, kleinere, sehr bewegliche Schiffe — nicht so schnell wie die attische Triere, aber segel- und seefähiger als diese — mit starker Besatzung und namentlich mit Brandprojektilen ausgerüstet; mit ihnen schlägt Agrippa bei Aktium (31 v. Chr.) die Kolosse des Antonius.

Die Liburnen waren nach einigen Ansichten Zwei- höchstens Dreireiher, nach anderen sogar nur Einreiher mit einem Mann am Riemen. Nach letzterer Annahme (Admiral Fincati) haben sich aus ihnen schon im Altertum die Ruderboote à zenzile entwickelt, die wir im Mittelalter bei den italienischen Staaten wiederfinden; bei solchen wurden bei schräg eingebauten Ruderbänken mehrere Riemen von einer Bank aus bedient. Serre rekonstruiert danach die Liburnen der späteren Kaiserzeit: Länge 31 m; Breite 4,4 m; Tiefgang 1,3 m; Deplacement 80 tons; Besatzung 120 Mann; 84 Ruderer auf 14 Ruderbänken, 42 Riemen an jeder Seite.

Kleines römisches Kriegsschiff um etwa 50 v. Chr.

Nach Aktium verschwinden die großen Schiffe. Zur römischen Kaiserzeit bestand die Flotte nur aus Trieren und Liburnen, da der Marine nur noch Nebenaufgaben zufielen (vgl. Seite [21]), besonders die Liburnen waren zur Ausübung der Seepolizei geeignet; bis zum Untergange des weströmischen Reiches ist sonst keine wichtige Änderung im Schiffbau zu verzeichnen.

Erwähnt sei noch, daß bei den Römern der Dienst in der Flotte nie dem im Heere an Ansehen gleichgestellt war. Die Mannschaft, seit dem zweiten Punischen Kriege besondere Seesoldaten, war stets die schlechtest besoldete und wenigst geachtete; bis zur späteren Kaiserzeit gab es keine eigene Laufbahn für die höheren Offizierstellen, erst Claudius hat die Marine militärisch organisiert.

Vorstehender kurzer Abriß gibt die Erklärung für den häufigen auffallenden Wechsel der Schiffstypen bei den Römern. Bis zur Kaiserzeit bauten sie, im allgemeinen dem Seewesen fremd gegenüberstehend, ihre Flotte immer nur aus, wenn sie ihrer bedurften, und dann dem augenblicklichen Zwecke entsprechend.

Die Seekriege des Altertums.[15] Entsprechend der Lage der Völker am Mittelmeer zueinander spielte bei ihren Kriegen auch die Kriegführung zur See eine große Rolle.

Die Phönizier haben zwar eigentlich als selbständiges Volk militärisch nie die See beherrscht. Als ihr Handel und ihre Gründung von Niederlassungen in der Hauptblüte standen, hatten sie keine Nebenbuhler zur See; im Osten sind sie dann von den Griechen hauptsächlich durch friedlichen Wettbewerb verdrängt; im Westen nahmen in ähnlicher Weise die eigenen Pflanzstädte (Karthago) ihre Stelle ein, als das Mutterland infolge innerer Wirren und äußerer Kriege diese nicht mehr halten konnte. So fallen in die ältesten Zeiten nur Raubzüge zur See und Völkerbewegungen, die auch zur See unterstützt wurden.

Aber mit den assyrisch-babylonisch-ägyptischen Kriegen, deren Kampfobjekt nicht zum geringsten Teil gerade Phönizien war, indem alle aufblühenden Staaten des Orients dieses reiche und seemächtige Land in ihre Gewalt zu bekommen und sich mit ihm und den sonstigen kleinasiatischen Küstenländern, Karien und Ionien, selbst eine Seemacht zu gründen strebten, beginnt die regelrechte Kriegführung zur See. Jetzt beginnt die Entwicklung des Seekriegswesens. Flotten beteiligen sich in den genannten Kriegen an den Heereszügen längs der Küste besonders zur Eroberung von Küstenstädten und Inseln und spielen auch gleichzeitig eine Rolle in den Fehden der griechischen Staaten und Kolonien. Hier sei nur auf die wichtigsten Kriege und Schlachten hingewiesen.

Bei den Ereignissen, die uns genauer überliefert sind, treten Seestreitkräfte zum ersten Male mit besonderer Wichtigkeit hervor, als die Flotte der ionischen Städte der gescheiterten Expedition des Darius gegen die Skythen (513 v. Chr.) den Rückzug über die untere Donau sichert; als die erste, in ihren Einzelheiten bekannte Seeschlacht gilt die Schlacht bei der Insel Lade (vor Milet, 494 v. Chr.), in der die phönizische Flotte im Dienst der Perser die der ionischen Städte schlägt. Durch sie wird die völlige Unterwerfung der Städte nach ihrem Aufstande gegen die persische Oberherrschaft besiegelt. Diese Schlacht ist noch insofern bemerkenswert, als hier zum ersten Male von der damals üblichen Kampfweise und Taktik berichtet sowie hervorgehoben wird, daß ein genialer Führer es versucht, die schwächere ionische Flotte durch Übungen dem überlegenen Feinde gewachsen zu machen.

Bekannt ist die Mitwirkung und Wichtigkeit der Flotten in den Perserkriegen. Wenn der erste Zug der Perser unter Mardonius (493 v. Chr.) an den Grenzen Griechenlands zum Stillstande kam, so hat der Verlust eines großen Teils der Flotte durch höhere Gewalt nicht wenig dazu beigetragen; das Landheer war in hohem Maße auf die Unterstützung der Flotte angewiesen, auch besonders was Zufuhren anbetraf. Der zweite Zug des Darius unter Datis und Artaphernes (490 v. Chr.) war ganz auf die Flotte gegründet. Daß es den Persern gelang, völlig unbehindert bis Euböa zu kommen und dort zu landen, ist nur der Uneinigkeit der Griechen, ihrer Schwäche zur See und vielleicht noch mehr ihrem Mangel an Vertrauen auf ihre schwachen Seestreitkräfte gegenüber dem übermächtigen Feinde zuzuschreiben; dieser teilweise Erfolg der Perser gab aber den Anlaß zur Verstärkung und Vervollkommnung der griechischen Flotten namentlich in Athen.

Der große Heereszug des Xerxes (480 v. Chr.), zwar für den Marsch des Landheeres durch Anlage fester Stützpunkte und Verpflegungsstationen gut vorbereitet, war wieder auf die Mitwirkung einer großen Flotte aufgebaut, indem diese die rückwärtigen Verbindungen aufrecht erhalten und die Offensive unterstützen sollte. Bei energischerer und richtigerer Verwendung der Flotte hätte der Kriegszug wohl einen günstigeren Verlauf genommen. Mit ganzer Kraft hatten die Perser schon bei Artemisium die Vernichtung der griechischen Flotte anstreben und später durch Einmarsch in den Peloponnes die Griechen aus der günstigen Stellung bei Salamis herausziehen und zur Schlacht im offenen Wasser zwingen müssen. Die Gefechte bei Artemisium und die Schlacht bei Salamis, jene die Feuertaufe der griechischen Flotten, diese die den Krieg entscheidende Schlacht, sind außerdem von hoher Bedeutung, da sie die Überlegenheit schnellerer und beweglicherer Schiffe und den Wert genialer Führer durch Wahl geeigneter taktischer Formationen und günstiger Aufstellung einem sonst überlegenen Feinde gegenüber zeigen.

Die weiteren Perserkriege (479 bis 449 v. Chr.), in denen die Griechen angriffsweise vorgehen und ihre Stammesgenossen auf den Inseln und an den Gestaden Asiens von der Oberhoheit Persiens befreien, wurden naturgemäß auf See und über See geführt. In diesen und den sie unterbrechenden Fehden der griechischen Staaten untereinander gewann Athen als Vorort des Seebundes der meisten Küsten- und Inselstädte des Ägäischen Meeres die Hegemonie zur See in Griechenland und überhaupt eine außerordentliche Macht im Verhältnis zu der Größe des Landes. Die Entwicklung Athens in dieser Hinsicht ist sehr lehrreich. Der Schöpfer der athenischen Flotte, der weitsehende Themistokles, hatte trotz der Erfolge der Perser unter Datis und Artaphernes schwer zu kämpfen, seine Pläne zu verwirklichen, da sonst einsichtige Männer das Heil des Landes nur in den Lanzen der Hopliten sahen, die bis dahin und so auch bei Marathon alles entschieden hatten; auch war es anfangs schwer, das Volk zu einer Weltpolitik zu begeistern. Als Athen sich nachher überall Stützpunkte für maritime Unternehmungen und für den Handel errungen hatte, war sein Einfluß auf die Politik aller Staaten des Ostmittelmeeres ein ungeheuerer; wir haben für alle diese Verhältnisse Analogien in der Jetztzeit.

Von höchster Bedeutung für die Seekriegsgeschichte ist aber die größte innere Fehde der Griechen, der Kampf Athens und Spartas um die Hegemonie, in den die gesamte griechische Welt verwickelt war, der Peloponnesische Krieg (431 bis 404 v. Chr.). In diesem Kriege fällt die Entscheidung in erster Linie dem Seekriege zu, man kann wohl sagen, daß in ihm Seekriegswesen und Seekriegführung ihren höchsten Stand im Altertum erreichen. Mit Hilfe der Flotten, großer Expeditionen (z. B. Athens Unternehmung gegen Syrakus 415 bis 413 v. Chr.) wird der Krieg auf verschiedenen weit auseinanderliegenden Kriegstheatern geführt; viele Gefechte zeigen den Wert einer ausgebildeten Taktik der Flotten und der Güte und Schulung des Einzelschiffs. (Das Schiff selbst ist Hauptwaffe.)

In den weiteren inneren und äußeren Kriegen der Griechen während des 4. Jahrh. und der makedonischen Zeit bis zur Herrschaft der Römer über die griechische Welt wird die erreichte Höhe nicht gehalten, wenn auch die Flotten immer eine wichtige Rolle spielen und einzelne größere Unternehmungen vorkommen.

Im Westmittelmeer beginnen die Seekriege für genaue Betrachtung gerade zu der Zeit wertvoll zu werden, zu welcher sie im Ostmittelmeer hierfür an Interesse verlieren, etwa von 400 v. Chr. an.

Zwar wird die karthagische Flotte von der Zeit an, in der Karthago im Westen an die Stelle des Mutterlandes trat und die phönizischen Kolonien zusammenfaßte (etwa 600 v. Chr.), schon eine Rolle gespielt haben zur Erringung und Erhaltung der Handelsherrschaft, zur Bekämpfung griechischer Pflanzstädte im Westen und vor allem in den Kämpfen gegen das Vordringen der Griechen auf Sicilien; aber genauere Aufzeichnungen über Stärke und Verwendung der karthagischen Flotten finden wir erst für die Kämpfe mit Syrakus (480, 405, 310 v. Chr.) und mit dem, von dieser Stadt zur Hilfe gerufenen König Pyrrhus von Epirus (278 v. Chr.). (Aus den Kriegen mit Syrakus um 400 v. Chr. stammen die Penteren in der punischen Flotte.)

Beim Zusammenstoß der Karthager mit den Römern tritt die bemerkenswerte Erscheinung auf, daß eine Landmacht, eigentlich dem Seewesen abgeneigt, gezwungen wird, zur Seemacht zu werden. Als Rom eine gebietende Macht in Italien geworden war, mußte es in Nebenbuhlerschaft mit der herrschenden Seemacht des Westens treten; wenn man die Karthager nicht in Sicilien angriff, mußte man gewärtig sein, sich ihrer in Italien zu erwehren, jedenfalls aber seine Interessensphäre in jeder Hinsicht auf Italien beschränkt zu sehen.

Rom schafft sich eine Flotte, und schon der erste Punische Krieg (264 bis 241 v. Chr.) wird der Hauptsache nach zur See entschieden; in ihm brechen die Römer, wenn auch mit ungeheuren Verlusten infolge ihrer seemännischen und militärisch-seemännischen Ungeübtheit, eigentlich schon die Seemacht Karthagos und eröffnen sich damit den Eintritt in die damalige Welt.

Auch hier kostete es der Partei, die den weitersehenden Standpunkt vertrat, große Mühe, durchzudringen und eine zur Ausführung ihrer Pläne nötige Flotte zu beschaffen; eine am Alten hängende Partei warnte nachdrücklich vor dem Hinaustreten in nicht ganz klar und nahe vor ihr liegende Verhältnisse. Ja, als die Flotte geschaffen war, aber nach anfangs großen militärischen Erfolgen bei der Unerfahrenheit auf dem neuen Gebiet ungeheure Verluste, besonders durch höhere Gewalt, erlitten hatte, wurde ihre Unterhaltung sogar wieder aufgegeben; sechs Jahre ungünstigster Kriegführung waren die Folge, bis eine Anzahl reicher Privatleute aus eigenen Mitteln eine Flotte baute, die die Entscheidung brachte und den ersten Grund zur Beherrschung des Mittelmeeres durch Rom legte.

Im ersten Punischen Kriege werden große Seeschlachten mit wechselndem Erfolge geschlagen, darunter Eknomos, die größte Schlacht des Altertums nach Salamis, zugunsten der Römer infolge der Einführung einer neuen Kampfweise: des Enterkampfes mittels der Enterbrücke an Stelle des Kampfes mit dem Sporn als Hauptwaffe.

In den späteren Punischen Kriegen, in den makedonischen und den sonst zur Erringung der Weltherrschaft von den Römern geführten Kriegen werden Seeschlachten von solcher Bedeutung wie im ersten Punischen Kriege nicht geschlagen, da so starke Gegner zur See nicht wieder gegenüberstanden; immerhin waren diese Unternehmungen solche über See zum Teil mit Landungen in größtem Maßstabe und erforderten die Beihilfe einer starken Flotte.

Der zweite Punische Krieg gibt aber auch ein Beispiel für die strategische Wichtigkeit der Herrschaft über die See. Captain Mahan führt in seinem Werke „Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte“ (S. IV und 14 ff.) eingehend und sehr einleuchtend aus, welche Rolle jene in genanntem Kriege gespielt hat. Er beweist, daß die römische Flotte die Meere nördlich einer Linie beherrscht hat, die man von Tarragona in Spanien nach Lilibaeum auf Sicilien, von da um die Nordseite der Insel herum bis Syrakus und endlich bis Brindisi ziehen kann. Er schließt dann, daß möglicherweise Hannibal dadurch gezwungen worden sei, seinen verlustreichen Zug durch Gallien und über die Alpen zu machen, daß jedenfalls die Römer infolge dieser Seeherrschaft imstande waren, den Krieg mit wichtigem Erfolge nach Spanien zu tragen, während es Karthago nur gelegentlich glückte, Hannibal in Italien kleinere Verstärkungen über See zuzuführen.

Zum zweiten Male aber tritt die Kriegführung zur See wieder besonders hervor zur Zeit der inneren Bürgerkriege unmittelbar vor der Schaffung des Kaiserreiches. Nach der Zerstörung Karthagos (146 v. Chr.) war die Flotte vernachlässigt, und ein Seeräuberunwesen herrschte im ganzen Mittelmeer. Es war im 3. Jahrh. an der Küste Ciliciens aufgetaucht und erstreckte sich anfangs auf das Ostmittelmeer, dehnte sich aber dann, besonders nach dem Niederwerfen der anderen Seemächte im Westen wie im Osten durch die Römer, noch auf das Westmittelmeer aus. Die Seeräuber hatten große Flotten, Heere, Städte, Arsenale und legten schließlich den ganzen Seehandel lahm. Im Jahre 87/86 v. Chr. schritten die Römer zum ersten Male gegen sie ein, erzielten jedoch trotz großer Opfer nur Teilerfolge. Als aber sogar der Stadt Rom die nötigen Zufuhren abgeschnitten wurden, reorganisierte Pompejus die Flotte (leichte Schiffe) und säuberte in kurzer Zeit (67 v. Chr.) durch eine sehr geschickte Verwendung seiner, wenn auch noch immer an Zahl den Seeräuberschiffen nicht gleichkommenden, Seestreitkräfte das ganze Mittelmeer. Auf diese Flotte stützte sich später die pompejanische Partei in den Kämpfen gegen Caesar, und Sextus Pompejus gründete mit ihr eine Seemacht von Sicilien aus gegen Oktavian.

Diese Macht wird durch Agrippa, den auch zur See tüchtigen Feldherrn Oktavians, in der Schlacht bei Mylae (Naulochus 36 v. Chr.) vernichtet, und derselbe Führer bringt durch den Sieg bei Aktium (31 v. Chr.) über Antonius und Kleopatra die Bürgerkriege zum Abschluß. Lehrreich ist, daß Agrippa bei diesen beiden Vorgängen ganz verschiedene Schiffstypen benutzte (vergl. S. [15]). Der Entwicklung des Schiffbaus entsprechend hat nach dem ersten Punischen Kriege nach und nach der Fernkampf mit Wurfmaschinen an Bedeutung gewonnen und tritt in diesen letzten Schlachten sogar in den Vordergrund.

Während der Kaiserzeit wurden zwar stehende und jetzt in jeder Hinsicht wohl organisierte Flotten unterhalten, aber ihre Verwendung war nur untergeordneter Natur; von zwei Hauptstationen aus, Neapel und Ravenna, üben Geschwader und Flottillen in allen Meeren und Flüssen die Seepolizei aus, sichern den Handel durch Konvoiieren und unterstützen die Heere durch Transporte und Verbindungen. Infolgedessen fehlt von dieser Zeit an eine weitere Entwicklung des Schiffbaus und der Kampfweise.

Kampfweise und Taktik. Die ursprünglichste Kampfweise war wohl der Kampf der starken Besatzungen mit Bogen, Speer und Schwert Bord an Bord, die Ruderer beteiligten sich nach dem Zusammenstoß am Kampf, wie dies auch später beim wiedereingeführten Enterkampfe teilweise gebräuchlich war; die Schiffe bildeten also nur den Kampfplatz. Schon frühzeitig wurde aber auch versucht, gelegentlich zu rammen, die Buge der Fahrzeuge waren stets zum Schutz beim Aufschleppen verstärkt gebaut bezw. auch mit Metall beschlagen; bald trat der Sporn hinzu. Diese Kampfweise mit dem Sporn bildeten die Griechen aus; schon bei Artemisium wird die Aufstellung mit besonderer Rücksicht darauf genommen, mit dem Sporn anzugreifen, denn schon um die Zeit der Perserkriege waren die neuen griechischen Schiffe den kleinasiatischen und phönizischen Schiffen an Manövrierfähigkeit überlegen. Im Peloponnesischen Kriege steht das Schiff selbst, die ganz auf Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit gebaute Triere, als Hauptwaffe da; man strebt zunächst nur dahin, das feindliche Schiff zu rammen oder ihm die Riemen zu zerbrechen und das dann unbewegliche mit dem Sporn zu vernichten; die Zahl der Kämpfer an Bord ist bedeutend geringer geworden. Bug und Heck sind offensiv und defensiv wesentlich stärker als die Seiten; sie sind stärker gebaut und hier ist der Platz für die Kämpfer, am Bug auch noch der Sporn. Die Seiten sind schwächer gehalten, um ein leichtes Schiff zu haben, an ihnen liegt der leicht verletzliche Motor; der Angegriffene versucht deshalb, den Stoß durch Ausweichen oder Entgegendrehen des eigenen Buges zu parieren. Die Kampfrichtung liegt also in der Kielrichtung. Gerammte Schiffe sanken oder fielen den Siegern in die Hände, da sie ohne Riemen und voll Wasser oder genötigt, auf den Strand zu laufen, leicht genommen werden konnten.

Mit der Verstärkung der Seiten, mit der Vergrößerung der Schiffe, mit der Aufstellung von Wurfgeschützen nimmt die Wirkung des Spornes ab; die Schiffe werden widerstandsfähiger gegen ihn und ungeeigneter zu seiner Verwendung. Im Westmittelmeer trat noch ein anderer Umstand hinzu, der in derselben Hinsicht wirkte. Die geübten karthagischen Seeleute gebrauchten den Sporn mit großem Erfolge, wenn auch ihre Schiffe wohl nicht von der Güte der attischen Trieren waren. Die seemännisch unerfahrenen Römer erfanden dagegen die Enterbrücke; wenn das feindliche Schiff zum Stoß herankam, fiel sie, hielt den Feind fest, Pilum und Schwert der Legionäre entschieden. Die Römer verpflanzten die Landkampfweise auf die Schiffe; die kämpfende Besatzung wurde naturgemäß nun auf beiden Seiten wieder wesentlich vermehrt.

Auch hier im Westen wurden die Schiffe mächtiger; Wurfgeschütze aller Art, auch auf weitere Entfernungen leistungsfähig, wurden eingeführt, die Vorrichtungen zur Ermöglichung des Enterkampfes vermehrt. (Enterhaken zum Festhalten, Wurfenterdraggen zum Heranholen des Feindes.) Gleiche Schiffe dieser Art fochten also auf weitere Entfernung mit Fernwaffen und versuchten die Entscheidung dann durch Entern herbeizuführen, vom Sporn nur mehr gelegentlich Gebrauch machend.

Mit solchen Schiffen besiegt Agrippa bei Naulochus die kleineren Schiffe des S. Pompejus; seine Schiffe sind defensiv stärker, mit Gürtelpanzer, hohem Bord und hohen Türmen, sie eröffnen das Gefecht mit Wurfgeschossen auf weitere Entfernungen, holen die feindlichen Schiffe heran und entern sie. Derselbe Führer erringt aber wenige Jahre später bei Aktium mit einem ganz anderen Typ den Sieg. Hier hat Antonius in seiner ägyptischen Flotte die schweren Schiffe und Agrippa in den Liburnen leichte, manövrierfähige und schnelle Fahrzeuge, allerdings auch stark bemannt. Diese, an Zahl überlegen, umschwärmen die schwerfälligen Kolosse, zerbrechen ihre Riemen und bekämpfen sie mit Wurfgeschossen, besonders Brandprojektilen. Zum Entern kam es weniger, da die großen Schiffe zu hochbordig waren, auch weniger zum Rammen, weil sie zu schwerfällig dazu waren und die Liburnen nicht schwer genug, um einen Erfolg gegen die massiven Kolosse zu versprechen. In beiden Schlachten haben wohl die Fähigkeit des Führers, die Güte und Schulung der Besatzungen das meiste zum Siege beigetragen, aber man muß doch annehmen, daß der einsichtige Agrippa den Vorteil von wieder zur Offensive geeigneten Schiffen erkannt hatte.

So haben wir von den Trieren bis zu den Liburnen gewissermaßen einen Kreislauf; die Triere führte den offensiven Nahkampf, dann folgen Schiffe mit zunehmend defensivem Charakter, die Liburne ist für den offensiven Fernkampf, Sporn und Entern gelegentlich benutzend. Stets aber blieben Bug und Heck defensiv und offensiv stärker, die Seiten schwächer, hauptsächlich wegen der Lage des Motors hier, und dementsprechend mußte der Taktik des Einzelschiffes und der Verbände von Schiffen der Hauptsache nach stets der Kampf in der Kielrichtung zu Grunde liegen.

Die Gefechtsformation der Schiffsverbände war deshalb bei den Ruderschiffen des Altertums grundsätzlich eine breite, die „Dwarslinie“ oder mehrere solcher hintereinander, in der alle Schiffe dem Feinde den Bug zukehrten und sich gegenseitig die Seiten deckten. Tiefe Aufstellungen würden ein Umfassen seitens des Feindes leichter möglich gemacht und mehr schwache Schiffsseiten dem Angriff ausgesetzt haben. Bei numerischer Überzahl wurden häufig die Flügel vorgezogen, um den Feind zu umfassen (die Sichelformation

); der Schwächere versuchte sich dadurch zu schützen, daß er die Flügel zurückzog (die Halbmond- oder Kreisformation

, welche die Deckung des einzelnen Schiffes durch seinen Hintermann erleichtert). Die Taktik bestand im übrigen darin, daß die Flotte auf Signal zugleich angriff, die feindliche Linie durchbrach, zurückwendete und wieder durchbrach; die Schiffe benutzten beim Passieren jede Gelegenheit zum Rammen, Riemenzerbrechen und in späteren Zeiten zum Bekämpfen mit Wurfgeschossen. Diese Kampfart mußte stets bald zur Mêlée führen, d. h. zu Einzel- oder Gruppenkämpfen mit allen Kampfweisen, bei denen jede Gefechtsleitung aufhörte. Zum Marsch wurden eine oder mehrere Kolonnen in Kiellinie formiert, da man aus dieser Aufstellung durch Wendung um 90° sofort die breite Gefechtsformation herstellen konnte.

An dieser Taktik ist im allgemeinen während des Altertums (und auch noch im Mittelalter) starr festgehalten, doch wichen auch geniale Führer davon ab in dem Bestreben, eigene Schwächen (Minderzahl, Deckung von Transportern u. s. w.) aufzuheben, eigene Stärken zur Geltung zu bringen (gute Schulung ihrer Schiffe), oder um das Gefecht möglichst lange nach bestimmtem Plane durchzuführen, indem sie ihre Kräfte länger in der Hand behielten oder einzelnen Unterverbänden besondere Aufgaben zuteilten. Solche Ausnahmen finden wir in den Gefechten bei Artemisium (480 v. Chr.), in den Gefechten bei Rhium (429 v. Chr.), in der Schlacht bei Eknomos (256 v. Chr.). Bemerkenswert, aber nicht zu verwundern, ist, daß Befehlshaber der Völker, die weniger seetüchtig und mehr Landkrieger sind, häufig defensiv stärkere Formationen einnehmen; aus Mangel an seemännischer Erfahrung solche, bei denen sie eine Hauptkraft aller Seestreitkräfte — die Bewegung — aus der Hand geben, oder solche, die sich infolge von Wind- oder Seegangseinflüssen nicht halten lassen; sie übertragen die Gefechtsweise des Landkrieges — damals auch vorzugsweise defensiven Charakters — auf die Seeschlacht. Zuweilen geschieht dies mit Erfolg (z. B. der Spartaner Eurybiades bei Artemisium), meist zum Nachteil (z. B. der Spartaner Brasidas im ersten Gefecht bei Rhium; die Römer bei Eknomos).

Die Schiffe des Altertums waren als Ruderschiffe nicht imstande, Proviant und Wasser etc. in genügender Menge an Bord zu nehmen, die Einrichtung zum Rudern und die große Zahl der Ruderer beanspruchten im Verhältnis zur Größe des Fahrzeuges zu viel Platz. Sie konnten deshalb größere Expeditionen nicht ohne Transporter oder Anlaufen von Ausrüstungspunkten ausführen, mußten überhaupt öfters ankern oder anlegen schon zur Erholung der Besatzungen namentlich der Ruderer; deshalb sind die meisten Seeschlachten in der Nähe der Küsten geschlagen.

Auch dieser Umstand wird von befähigten Führern verschieden verwertet. Bei Salamis wählt Themistokles das enge Gewässer zur Schlacht, um die Kenntnis der Örtlichkeiten, der Strömungen, der Windverhältnisse auszunutzen und um den übermächtigen Feind an der Entfaltung seiner Kräfte zu hindern, obgleich er die beweglicheren und besser geschulten Schiffe hat. In beiden Gefechten bei Rhium sucht Phormio den Kampf im freien Wasser herbeizuführen, um die Tüchtigkeit seiner Schiffe zu verwerten, obgleich er weit in der Minderzahl ist. Er erläßt folgenden Befehl an seine Kommandanten, um seine Kräfte in der Hand zu behalten: „Weil ich an Zahl stärkere, aber wenig geübte Gegner habe, werde ich nicht in engen Gewässern fechten, in welchen ich nicht manövrieren kann. Dort kommt es bald zum ungeordneten Kampf und die Überzahl siegt. Ich fechte im freien Wasser; an euch ist es, euere Plätze zu halten und auf Befehle zu achten. Ordnung und Ruhe ist stets die Losung im Kriege, ganz besonders in der Seeschlacht.“ Im zweiten Gefecht bei Rhium erringt sein Gegner Brasidas anfangs Erfolge dadurch, daß er durch Manövrieren einen Teil der athenischen Schiffe auf den nahen Strand drängt. Agrippa lockt bei Aktium den Feind aus der durch Land geschützten Stellung, um die größere Zahl und größere Beweglichkeit seiner kleineren Schiffe auszunutzen.

Die Transporter folgten den Kriegsschiffen, wenn angängig, unter Segel, bei ungünstigem Winde griffen sie zu den Riemen; da sie damit aber weit langsamer waren, mußten sie oft von den Kriegsschiffen in Schlepp genommen werden. Sie waren also eine große Last für die Flotte, ihre Begleitung und die Notwendigkeit, sie zu schützen, hat oft die betreffende Flotte beim Angriff des Feindes in ungünstige Lage gebracht; hiermit zusammenhängend sei noch darauf hingewiesen, daß sich schon im Altertum mehrfach zeigt, wie schwierig es ist, größere Expeditionen über See zu unternehmen, solange aktionsfähige feindliche Streitkräfte, wenn auch sonst schwächer als die eigenen, auf dem Meere vorhanden sind.

Die Seekriegsgeschichte des Altertums birgt wertvolles Material für ein eingehenderes Studium. Auch bieten die Verhältnisse in ihr manche Vergleichspunkte mit denen der Dampfschiffszeit. Die Führer der Ruderschiffe und -Flotten waren weit mehr Herr über die Bewegungen ihrer Streitkräfte auf dem Marsch und im Gefecht, als zur Zeit der Segelschiffahrt, da sie wie bei den Dampfschiffen unabhängiger vom Winde waren. Anderseits waren die Ruderschiffe abhängig von Transportern, Stützpunkten und Ausrüstungsstellen zur Auffüllung von Proviant, Wasser und zur Erholung der Besatzungen, wie es jetzt die Dampfschiffe zur Ergänzung von Kohlen und Maschinenmaterial sind; die Segelschiffe späterer Zeiten konnten weit leichter für längere Dauer mit allen Vorräten versehen werden und unabhängig von Transportern und Stützpunkten ihre Aufgaben durchführen.

Fußnoten:

[5] Hauptquelle: Breusing, Nautik.

[6] Lee (leewärts): die Seite, wohin der Wind bläst, im Gegensatz von Luv (zu Luward), woher der Wind kommt.

[7] Hauptquellen: Breusing, Nautik; Movers.

[8] Die sogenannten „lateinischen“ Segel des Mittelmeeres stammen erst aus dem Mittelalter.

[9] Andere Forscher nehmen an: 25 Ruderbänke und nur 1 Mann am Riemen; die Fahrzeuge müßten dann wohl länger gewesen sein.

[10] Der kleinere vordere Mast blieb stehen, um von ihm schwere Gewichte (Delphine) auf das Deck des Feindes fallen zu lassen, auch diente sein leicht zu setzendes Segel zur Unterstützung der Ruderer besonders bei der Verfolgung oder der Flucht.

[11] Hauptquellen: Breusing, Trierenrätsel; Serre mit dem Auszuge Fincatis, der annimmt, daß die Vielreiher des Altertums vielleicht die gleiche Rudereinrichtung gehabt haben wie die späteren Galeren à zenzile (vgl. Mittelalter Seite [32]); Arenhold, der sich Breusing anschließt; L. Müller; du Sein, Teil 1, Kapitel 1. Die beiden letztgenannten Verfasser geben eine Zusammenstellung der verschiedenen sonstigen Annahmen über die Rudereinrichtung der Trieren sowie vieler Quellen darüber. Die vielen verschiedenen Ansichten zeigen, wie wenig wir von den Schiffen des Altertums wissen; vollständige Beschreibungen sind nicht überliefert, und den künstlerischen Darstellungen ist nicht unbedingt zu trauen.

[12] Die Angaben über Karthager nach Meltzer; im übrigen die auf S. [12] angegebenen Quellen.

[13] Serre nimmt die punische Quinquereme zur Zeit des ersten Punischen Krieges als einen rein karthagischen Typ an: zu 50 tons, 70 Mann, 40 Ruderern, also Fahrzeuge von sehr geringen Abmessungen. Es widerspricht dies allen anderen Angaben. Außerdem sagen die Verfasser von Spezialgeschichtswerken unabhängig voneinander, daß die Pentere von Syrakus nach Griechenland und von Syrakus nach Karthago zur Vergrößerung des bis dahin dort üblichen Schiffstyps gekommen sei, was doch auf gleiche Penteren und auf gleiche vorherige kleinere Schiffe im Ost- und Westmittelmeer schließen läßt.

[14] Draggen, ein kleiner Anker mit 3 oder 4 Armen zum Greifen.

[15] Es ist eine reiche Literatur über die Seekriege im Altertum vorhanden vom Vater der Geschichte Herodot (Perserkrieg) an über Tukydides (Peloponnesischer Krieg) bis in die neueste Zeit. Von neueren Schriftstellern seien hervorgehoben: Jurien de la Gravière mit verschiedenen Werken (vgl. Quellenverzeichnis), und du Sein, die eine reiche Quellenangabe der klassischen Autoren enthalten; v. Henk gibt die Beschreibung der Hauptereignisse. Über Karthago auch Meltzer.


Zweites Kapitel.
Das Seewesen im Mittelalter.

Ausdehnung der Schiffahrt.[16] Das im Altertum zu hoher Blüte entwickelte Seewesen wurde durch die Völkerwanderung größtenteils vernichtet. Die weströmische Kriegsflotte war verschwunden, die germanischen Staaten in Italien, Spanien und Afrika haben wohl Flotten besessen, doch sind sie bei der kurzen Lebensdauer der Reiche kaum zu hohem Stande gelangt, wenigstens wissen wir nicht viel davon. Schiffbau und Nautik waren im Westen verlernt; wenn diese Wissenschaften sich auch bei den Byzantinern erhalten hatten, so wachte man hier eifersüchtig darüber, sie nicht zu verbreiten, um sich die Herrschaft über das Meer zu bewahren. Ihre Kriegsflotten spielten weiter eine Rolle in dem Kampfe gegen die germanischen Staaten und später gegen mohammedanische Feinde, aber Seekriege von solcher Bedeutung für die Seekriegsgeschichte, wie sie von der griechischen Zeit bis Aktium geführt waren, kamen nicht vor, es handelte sich nur um Expeditionen über See und Abwehr solcher. Auch der Seehandel, der im Altertum alle Länder am Mittelmeer eng verknüpfte, war wesentlich zurückgegangen. Die Verbindung des Westens mit dem Osten war nur noch schwach, die Fahrten außerhalb des Mittelmeeres durch die Straße von Gibraltar hatten ganz aufgehört, der von den Byzantinern noch länger aufrecht erhaltene Handel nach Indien brach mit der Besetzung Ägyptens durch die Araber um 640 ab. Die Araber übernahmen zwar den Seehandel mit Indien bis China und längs der afrikanischen Ostküste von Ägypten und Persien aus, sie entlehnten manche nautischen Verbesserungen — so den Gebrauch der Magnetnadel — von China, aber es hatte dies vorläufig keinen Einfluß auf die Verhältnisse und geographischen Kenntnisse des Abendlandes.

Die Schiffahrt im Mittelmeer wurde wieder belebt mit dem Auftreten der italienischen Handelsstädte: Amalfi, Pisa, Genua, Venedig etwa im 9. und 10. Jahrh., sowie durch die Araber in Spanien, als im 10. Jahrh. das Kalifat von Cordova mächtig dastand, hier trat später dann noch Aragonien (Barcelona) hinzu. Auch im Norden fing um diese Zeit das Seewesen an sich zu regen, beginnend mit den Raub- und Eroberungszügen der Normannen, die um das Jahr 1000 schon in Italien erscheinen. Vor allem nehmen die italienischen Städte während der Kreuzzüge die Verbindung mit dem Osten auf, und die Kriegszüge der nordischen Nationen zum heiligen Lande, auch zur See ausgeführt, bringen den Norden und das Mittelmeer einander näher, was gewiß durch Austausch der Erfahrungen dem Seewesen auf beiden Seiten von großem Nutzen wurde; ebenso werden Nord- und Ostsee, besonders in der Hand der Hansa, bald Wege für den Seehandel.

Aber immer noch blieb die Seefahrt der Hauptsache nach auf die Binnenmeere beschränkt. Zwar hatten Streifzüge der Normannen um das Nordkap geführt, die Faröer, Island und Grönland entdeckt, selbst Amerika (an der Küste von Massachusetts) berührt; der Atlantische Ozean belebte sich in Anlehnung an Legenden des Altertums mit phantastischen Inselgebilden; es mögen auch Fahrten, wie die der Normannen im hohen Norden, ins Ungewisse nach solchen „ins Dunkelmeer hinein“ unternommen worden sein; greifbare Ergebnisse mußten jedoch ausbleiben, solange man eines sicheren Führers im freien Meer entbehrte: war doch selbst der Verkehr am Rande des Ozeans nur ein gefährliches Tasten die Küsten entlang.

Erst als die polare Richtkraft des Magneten erkannt war und gegen das Ende des 13. Jahrh. als Magnetnadel allgemeiner verwendet wurde, konnte sich der Seemann freier bewegen. So ist um 1300 ein wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung des Seewesens zu datieren. Denn nun erwacht allmählich der Verkehr auf dem Ozean, die Völker des Nordens treten mit denen des Mittelmeeres auf dem Seewege in engere Verbindung, überall hebt sich der Seehandel, man beginnt neue Länder zu suchen; alles dieses ist wiederum von großem Einfluß auf die Ausbildung der Segelschiffahrt.

Zunächst eröffnen um diese Zeit die italienischen Städte den unmittelbaren Seeweg nach den Niederlanden, sie berühren dabei Portugal, Frankreich und England, ihr Beispiel spornt hier zur Nacheiferung an. Die Kanaren, Madeira und die Azoren werden gefunden, zuerst von verschlagenen Schiffen durch Zufall entdeckt, dann planmäßig wieder aufgesucht; die italienischen Städte Genua und Venedig dringen von Konstantinopel aus ins Schwarze Meer ein; von hier und von Syrien aus ziehen Missions- und Handels-Reisen in das Innere Asiens. Die berühmteste ist die 25 jährige Handelsreise des Venetianers Marco Polo 1271–1295 nach China, Japan und Indien. Sie bringen die verloren gegangene Kenntnis vom südlichen und östlichen Asien wieder, so daß man um 1350 den Stand der Kenntnis der Alten Welt, wie er im Altertum vorhanden gewesen war, wieder erreicht hatte.

Im weiteren Verlauf des Mittelalters nimmt nun der Seeverkehr in den bekannten Gewässern zu. In Nord- und Ostsee betreiben vor allem die Hansastädte mit ihren Kontoren an allen wichtigen Hafenstädten des Auslandes die Seefahrt, aber auch Engländer, Holländer und Dänen befahren schon eifrig diese Meere. Alle diese Völker liegen in großem Maßstabe der Seefischerei in den nordischen Gewässern bis nach Island hin ob. Wie die italienischen Städte zum Norden, so gehen auch die nordischen Nationen nach Portugal und selbst ins Mittelmeer — 1413 das erste englische Schiff nach Marokko, 1458 nach der Levante —, ihre Schiffe, besonders die Hansen, versorgten ganz Europa mit getrockneten Fischen und brachten vom Süden die Waren des Orients heim; schon im 14. Jahrh. sollen in Lissabon 400–500 Schiffe der verschiedenen Nationen des Nordens und Südens im Jahre verkehrt haben.

Prinz Heinrich, der Seefahrer.

Der Hauptseehandel mit dem Orient im Mittelmeer lag in den Händen Genuas über Konstantinopel und Kleinasien und Venedigs über Ägypten und brachte diesen Städten großen Gewinn, bis die Eroberung Konstantinopels 1453 und Ägyptens 1517 durch die Türken den Verkehr mit dem Innern Asiens und Afrikas sehr erschwerten, wenn auch Venedig mit seinen Besitzungen im Ostmittelmeer noch längere Zeit großen Nutzen aus dem Orienthandel zog. Indien und Ostafrika waren durch weitere Missions- und Handelsreisen bekannter geworden, letzteres bis Sansibar, vielleicht bis zu den Komoren hin, wodurch später die Hoffnung, Afrika umschiffen zu können, wesentlich bestärkt wurde.

Denn auch mit der planmäßigen Aufsuchung neuer reicher Länder wurde schon im Mittelalter begonnen und zwar war es Portugal, das den Drang dazu erweckte. Die ersten Unternehmungen gingen hier nicht von Kaufleuten aus, sondern von einem einzelnen, weitblickenden Manne, dem Infanten Dom Enrique. Prinz Heinrich, der Seefahrer, 1394 als fünftes Kind des Königs João I. geboren, beschäftigte sich eingehend mit mathematischen und geographischen Studien, er zog alle erreichbaren Nachrichten alter und neuerer Zeit ein und faßte den Plan, das goldreiche Guinea, das allerdings nur durch dunkle Gerüchte bekannt war, zu erreichen; politische und religiöse Erwägungen bestärkten ihn hierin. Er fand zunächst wenig Beifall. Den Seeleuten schienen die Gefahren an der Nordwestküste Afrikas zu groß — Portugals Schiffahrt war erst im Entstehen —, die Kaufleute versprachen sich nichts von Entdeckungen weiter im Süden, da nach den Überlieferungen des Altertums (Aristoteles, Ptolemäus) angenommen wurde, daß der heiße Erdgürtel unbewohnbar sei. Die ersten Fahrten schienen diese Einwürfe zu bestätigen: Mangel an Häfen, unsichtige Atmosphäre (Dunkelmeer), trauriges, dürres Aussehen des Landes, je weiter man nach Süden kam. Man hielt es für unmöglich, das Kap Bojador zu umschiffen.

Aber der Prinz ließ sich nicht abschrecken; seine Mittel als Großmeister des Christusordens setzten ihn in den Stand, immer neue Expeditionen auszurüsten, wenn auch die ersten wenig Erfolg brachten. Seine Ausdauer wurde belohnt: 1434 wurde Kap Bojador umschifft, 1441 Kap Branco erreicht, 1443 brachte man aus der Bucht von Arguin reiche Produkte und auch Goldstaub heim. Nun schlug die Stimmung um, und schon 1444 wurde eine Handelsgesellschaft für Westafrika gegründet. 1445 erreichte man Kap Verde, und die tropische Pracht, die man hier vorfand, stieß die alte Theorie von der Unwirtlichkeit der Tropenländer um, die Entdeckungen wurden nun eifrig weiter gefördert. Die Tatsache, daß sich die Küste vom genannten Vorgebirge nach Südosten zieht, scheint nun auch dem Prinzen Heinrich die Überzeugung gegeben zu haben, daß es möglich sei, auf diesem Wege Indien zu erreichen; ob ihn dieser Gedanke schon vorher geleitet, ist fraglich. Der Prinz starb 1460, er hatte seine Mittel völlig erschöpft, aber wahrlich nicht vergeudet: Portugal war zu einer leitenden Seemacht geworden, und schon João II. (1481–1495) bezog ansehnliche Einkünfte aus Afrika.

Päpstliche Bullen von 1441, 1454 und 1481 sprachen alle Entdeckungen zwischen Kap Bojador und Indien den Portugiesen zu, diese bauten an geeigneten Stellen Forts und errichteten Steinkreuze als Zeichen ihrer Hoheit, so 1484 am Kongo und bei Kap Croß; an dieser Reise nahm der deutsche Kosmograph Martin Behaim teil, man kam bis zu 22° Süd-Breite. 1486/87 passierte Bartolomeu Dias mit zwei kleinen Karavellen von 50 tons, von der St. Helenabucht weiter segelnd, das Kap der Guten Hoffnung, ohne es zu sichten. In einem Sturm südlich vertrieben, suchte er bei besserem Wetter die Küste mit Ostkurs wieder zu treffen, da er sie nicht fand, steuerte er nördlich und erreichte so die Fleshbay. Dann segelte er östlich weiter, errichtete auf der Insel St. Cruz in der Algoabay den letzten Wappenpfeiler und gelangte noch bis zum Greatfishfluß. Hier mußte er wegen Mangel an Proviant und wegen Unzufriedenheit seiner Mannschaft infolge der schweren Stürme bei Umsegelung des Kaps umkehren, bei der Rückfahrt sichtete er dieses und taufte es Cabo tormentoso. Aber der König änderte den Namen in Cabo da boa esperanza, denn der Umstand, daß sich die Küste vom Greatfishfluß nach Norden zog, gab ihm die feste Überzeugung, daß der Weg nach Indien — zu den Gold- und Gewürzländern — nun offen stehe; bald darauf eingehende Berichte von Portugiesen, die im Auftrage des Königs von Aden aus auf arabischen Schiffen Indien und die Ostküste Afrikas bis Sofala hin besucht hatten, bestätigten dies.

Indien“ war im Altertum und Mittelalter ein sehr weiter und unbestimmter Begriff, er umfaßte eigentlich alle Länder am Indischen Ozean bis nach China hin, die Ostküste Afrikas eingerechnet; der Hauptwunsch aller Entdeckungsfahrten war, die „Gewürzinseln“ zu erreichen. Neuen Anstoß, auf dem beschrittenen Wege fortzuschreiten, gaben für Portugal die ersten Entdeckungen Spaniens im Westen, es galt nun, diesem in Indien zuvorzukommen. Mit den Fahrten der Spanier und den nun weiter folgenden der Portugiesen treten wir in die eigentliche Epoche der großen Entdeckungen; die Seefahrt der westlichen Völker Europas verläßt die Küsten und durchquert die Ozeane, eines der Kennzeichen des nächsten Zeitabschnittes.

Die Nautik. Mit der Vernichtung des Seewesens im Westen des Mittelmeeres war auch die bisher erreichte Kenntnis der Nautik und ihrer Hilfswissenschaften verloren gegangen. Die Byzantiner, bei denen sie erhalten blieb, hielten sie geheim, und die Fortschritte der Araber in dieser Wissenschaft waren zunächst den Völkern am Mittelmeer noch nicht zugänglich. So stand die Nautik derjenigen Nationen, die erst mit der Seefahrt begannen, wohl lange auf der niedrigsten Stufe und entwickelte sich nur langsam aufs neue wie im Altertum, bis die Völker des Ostens, des Westens und des Nordens mehr miteinander in Verbindung traten und ihre Erfahrungen austauschten. Hierzu kam dann bald die Entdeckung der Richtkraft des Magneten.

Sicher dürfte sein, daß die Chinesen diese Kraft seit langer Zeit kannten und benutzten, und daß die Araber von ihnen am Indischen Ozean frühzeitig, vielleicht schon im 8. Jahrh., den Gebrauch übernahmen. Aber nicht sicher ist, ob diese Kenntnis dem Abendlande durch die Araber überkommen ist. Denn zum ersten Male wird ihrer in Frankreich um 1200 Erwähnung getan. Möglich ist also, daß die Entdeckung selbstständig auch im Westen der Alten Welt gemacht ist, wo um diese Zeit mit der Aufnahme des Studiums der Schriften des Aristoteles den Naturwissenschaften wieder Aufmerksamkeit zugewandt wurde. Die Verwendung des Magneten als Nadel mit Windrose findet sich zuerst Ende des 13. Jahrh. und um die Mitte des 14. ist der Kompaß, zunächst mit dem holländischen Ausdruck „Bussole“ bezeichnet, auf großen Schiffen vielfach im Gebrauch. Um diese Zeit scheint Flavio Gioja aus Amalfi irgend eine wesentliche Verbesserung, wohl zum praktischen Gebrauch an Bord, eingeführt zu haben, und deshalb wurde er lange als Erfinder des Kompasses genannt. Daß aber die Magnetnadel schon vor seiner Zeit benutzt ist, geht aus genauen Karten des Mittelmeeres, von 1320 überliefert, hervor; sie können nur mit diesem Hilfsmittel in längerer Zeitdauer aufgenommen sein.

Der Kompaß war ein großer Gewinn für die Navigation, aber auch in anderen Hinsichten machte diese große Fortschritte. Das Studium der Alten, besonders des Ptolemäus (vergl. S. [6]) brachte die Erdkunde und die Astronomie wieder auf den Standpunkt des Altertums und bildete die Grundlage zur weiteren Entwicklung, auch der Nautik; durch diese Wissenschaften im Verein mit dem Kompaß wurde die Kartographie wesentlich gefördert, besonders zunächst bei den Portugiesen.

Bereits im 13. Jahrh. war man nach den Schwankungen im früheren Mittelalter wieder allgemein zur Annahme der Kugelgestalt der Erde zurückgekehrt. Von den Arabern hatte man den Gebrauch des Astrolabs — zur Messung von Höhen der Gestirne, schon von Hipparch erfunden — kennen gelernt; Regiomontanus verbesserte dieses Instrument und berechnete Ephemeriden für die Sonnendeklination von 1473–1505, ebenso wurden in Portugal um diese Zeit Hilfstabellen zur Berechnung der Breite nach Polarsternhöhen und, als die Portugiesen weiter nach dem Süden vordrangen, auch Deklinationstabellen für südliche Breiten ausgearbeitet. Gute Breitenbestimmungen am Lande und der Kompaß ermöglichten die Herstellung immer besserer Seekarten, bei denen wieder die Marinische Projektion (durch die Portugiesen im 15. Jahrh.) benutzt wurde. Bei diesen „platten Karten“ wählten die Portugiesen den Äquator als Mittelbreite, da sich ihre Reisen etwa gerade soweit südlich wie nördlich von ihm erstreckten. Für Spezialkarten nahm man die entsprechende Mittelbreite als solche, für Karten der gesamten europäischen Gewässer behielt man nach Marinus den 36. Breitengrad bei, wohl weil das Verhältnis des Breiten- zum Längengrade, 4:5, am einfachsten war.

Die Ausrüstung der Schiffe mit Seekarten wurde mehr und mehr gebräuchlich. Zuerst erwähnt werden sie bei Mittelmeerschiffen um die Mitte des 12. Jahrh.; in Spanien sollte um 1359 jedes Kriegsschiff solche besitzen; von 1448 sind uns die älteste englische Karte von den britischen Inseln bis zu den Kapverden sowie Segelanweisungen für die Küsten von Schottland bis Gibraltar erhalten.

Bei Fahrten über die hohe See wurde aber noch länger dem Globus der Vorzug gegeben wegen der durch die Fehler der platten Karte hervorgerufenen Gefahren, bis diese durch Einführung der Mercator-Projektion (1537) gehoben wurden; auch ist erwähnenswert, daß die Hanseaten ihre Fahrten in den nordischen Gewässern scheinbar nur nach Segelanweisungen und Küstenbeschreibungen vornahmen. Seit etwa 1480 wurde das Astrolab, zu diesem Zwecke von Behaim verbessert, auch an Bord verwendet, und bald darauf konstruierte derselbe Gelehrte den Jakobsstab (croßstaff; auch schon von Regiomantanus erfunden) als ein für den Bordgebrauch einfacheres und geeigneteres Instrument für Höhenmessungen.

Mit allen diesen Hilfsmitteln wurde die Seefahrt frei von der Küste und konnte ins Weltmeer hinausgehen. Größere Sicherheit gewann sie allerdings erst durch Verbesserung der Karten und Instrumente im nächsten Zeitabschnitt; zeigten doch die Breitenbestimmungen auf See immer noch unvermeidliche Fehler bis zu 3 Graden.

Die Schiffe.[17] Der Mangel an zuverlässigen Überlieferungen läßt uns die Entwicklung des Schiffbaues, besonders der Segelschiffe, erst etwa vom Jahre 1000 an verfolgen, genauere Angaben erst von weit späterer Zeit machen; erschwert wird die Aufgabe dadurch, daß bei den verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten die Namen für ähnliche Schiffstypen verschieden sind oder umgekehrt die gleiche Bezeichnung für verschiedene Typen gebraucht wird. Es soll hier deshalb nur soweit darauf eingegangen werden, wie nötig ist, um den Wert der in den Kriegen zu den verschiedenen Zeiten gebräuchlichsten größeren Schiffe beurteilen und außerdem verfolgen zu können, wie sich aus den Haupttypen des Mittelalters nach und nach das spätere Segelkriegsschiff herausgebildet hat.

Im Mittelmeer war, wie erwähnt, das Seewesen nach der Völkerwanderung nur im Osten auf dem Standpunkt des Altertums stehen geblieben, im Westen war es vernichtet, die Kunst des Schiffbaues verlernt. Der Haupttyp der Kriegsschiffe im Osten (Byzanz) wurde die Dromone. Sie ist scheinbar ein Mittelding zwischen dem griechischen Vielreiher und der römischen Liburne gewesen, in der Größe mehr der letzteren entsprechend: Länge 36 m; Breite 4,4 m; Tiefgang 1,1 m Deplacement 100 tons. Zwei Ruderreihen zu 25 Riemen an jeder Seite, also in Summa 100 Ruderer, die obersten Ruderer waren nicht gedeckt; Gesamtbesatzung 130–150 Mann. Die Dromone war noch im Gebrauch bis ins 10. Jahrh., dann wurde sie verdrängt durch die Galere des Westmittelmeers, ein Erzeugnis des hier bei den italienischen Städten wieder gehobenen Seewesens.

Die Galere wird uns bekannt als das Kriegsfahrzeug dieser Städte, zunächst Venedigs, etwa seit dem Jahre 1000. Auch sie ist als eine Tochter der römischen Liburne anzusehen. Sie verdankt vielleicht ihren Ursprung den Überlieferungen aus altrömischer Zeit, es haben ja auch zur Zeit der Völkerwanderung in den germanischen Staaten am Mittelmeer Flotten bestanden, aber zu größerer Ausbildung ist der Schiffbau wohl nicht gekommen. Gerade das Seewesen braucht geordnete Verhältnisse, um zu gedeihen, und so blieb der Bau tüchtiger Kriegsschiffe erst wieder den aufblühenden Städten vorbehalten. Die Galere war ein Ruderfahrzeug mit einer Reihe Riemen. Zur Blütezeit Venedigs im 13. und 14. Jahrh. hatte sie sich dort zur Galere à zenzile ausgebildet (vergl. Liburnen und Anm. dazu S. [15]), d. h. von jeder der schräg zur Kielrichtung eingebauten Ruderbänke wurden mehrere Riemen von verschiedener Länge bedient. Die gebräuchlichste Galere dieser Art war, nach Serre, 41 m lang, 5 m breit, 180–200 tons, 25 Ruderbänke mit je einer Gruppe von 3 Riemen, für letztere je ein Ruderer. Da auf jeder Seite eine Gruppe ausfiel — an B. B. zur Unterbringung des Beibootes, an St. B. zur Aufstellung der Kombüse —, hatte man 48 Gruppen, also 144 Ruderer; Gesamtbesatzung etatsmäßig 220, jedoch wurden häufig mehr Soldaten eingeschifft.

Die an anderen Orten gebräuchliche, gewöhnliche Galere war im allgemeinen von denselben Größenverhältnissen. Sie führte auf jeder Bank nur einen langen Riemen, Summa 50 bezw. 48, der von 3 Mann bedient wurde. Sie war leichter durch weniger geübte Mannschaften oder angekettete Sklaven zu rudern, deshalb kehrten auch die Venetianer notgedrungen zu ihr zurück, als sie im 16. Jahrh. Mietlinge an Stelle der Bürger als Ruderer verwenden mußten. Die Galere à zenzile verschwand ganz im 17. Jahrh. Alle Ruderer der Galere waren von oben unbeschützt, nur seitlich durch eine leichte Brustwehr gedeckt; zum Schutz gegen das Wetter wurde bei Ruhe ein Zelt ausgespannt. Vorn und hinten hatten die Fahrzeuge eine Plattform für die Kämpfer und die Wurfmaschinen, später die Kanonen; wie im Altertum waren sie mit einem Sporn, später mit einem weit vorspringenden Gallion versehen, das als Enterbrücke, aber auch wohl weiter zum Rammen diente. Die Takelage bestand aus zwei Masten mit großem Lateinsegel, später trat ein kleiner dritter hinzu (mezzana, daher wohl der englische mizzen-mast); die Fahrzeuge waren sehr wenig stabil. Gegen Ende des Mittelalters, namentlich auch infolge der Einführung der Artillerie, wurden auch vereinzelt größere Galeren gebaut, bei denen die Riemen von 5 Mann, ja sogar bis zu 8, bedient wurden, auch à zenzile mit 4 Riemen kamen vor; sie hatten 500–600 Mann Besatzung, führten etwa 3 schwere Geschütze (36- und 24-Pfünder) und 4 leichte (6-Pfünder) auf den Plattformen, besonders nach vorn, und nach und nach auch eine große Zahl leichter Geschütze an den Seiten, die zwischen den Riemen durch Pforten feuerten. Ihre Takelage ist nur als Hilfsmotor anzusehen. Die Galeren waren wie die Kriegsschiffe im Altertum vorwiegend Ruderschiffe; unter Riemen liefen sie 3–4 Seemeilen, sie sollen aber 10–12 Stunden haben rudern können, ja bis zu 20 Stunden wird angegeben (ohne Ablösung? oder wurden dann die Riemen nicht voll besetzt?).

Galere des XVI. Jahrhunderts.

Die Galeren blieben im Mittelmeer noch lange Zeit im Gebrauch, sie spielen aber auch in den Kämpfen der ersten Periode der neueren Zeit eine Rolle im Atlantik und Kanal, obgleich sie sich stets in der Nähe der Küste halten mußten. Hier waren es zunächst von den italienischen Städten gemietete, aber auch die Franzosen und selbst die Engländer bauten sie nach. Erstere hatten vom Ende des 15. Jahrh. bis 1749 im Mittelmeer eine Galerenflotte mit eigener Organisation, Etat und Offizierskorps. Die erwähnten, vollständiger armierten Galeren gehören diesen späteren Zeiten[18] an, die[34] Armierung im Mittelalter entsprach natürlich der der anderen Schiffe dieser Zeit. Die Galeasse, die sich aus der Galere entwickelte, behandle ich im nächsten Abschnitt.

Über den Stand der Segelschiffe, Kauffahrer, im Mittelmeer Anfang des Mittelalters sind Angaben nicht vorhanden. Da Byzanz während der Völkerwanderung den Seehandel aufrecht erhielt, ist anzunehmen, daß das über die Segelschiffe im Altertum Gesagte auch für diese Zeit zunächst noch Gültigkeit hat. Verbesserungen mögen eingetreten sein, so die Einführung der lateinischen Segel. Wesentliche Fortschritte scheinen erst gemacht zu sein, als man mit dem Norden mehr in Verbindung trat. Jedenfalls haben die Nordvölker einen großen Einfluß auf die Entwicklung der Segelschiffahrt gehabt, waren sie doch durch Wetter- und Seeverhältnisse ihrer Gewässer mehr auf diese hingewiesen; bei ihnen ist eine vorwiegende Ruderschiffsperiode nur sehr kurz gewesen. Die Segelschiffe von 1300 an sollen deshalb später gemeinschaftlich betrachtet werden.

Wikingerschiff etwa 1000 n. Chr.

Die Schiffe im Norden bis 1300. Von den ältesten Fahrzeugen des Nordens haben wir durch Ausgrabungen einige Originale erhalten, so das 1863 in Nydam ausgegrabene Boot, das sich im Vaterländischen Museum zu Kiel befindet (Abbildung in Arenhold). Es wird als aus dem 3. Jahrh. n. Chr. stammend angenommen, ist 22,5 m lang, 3,2 m breit, 1,2 m hoch und führt 30 Riemen. Fast dieselben Größenverhältnisse hat ein am Sandfjord gefundenes Boot aus der Zeit etwa 900 n. Chr. stammend (Abbildung in Clowes I). Jenes hat sehr elegante Formen und ist nicht zum Segeln eingerichtet, dieses ist merklich breiter und hat einen Mast mit Raasegel. Übereinstimmend mit anderen Überlieferungen geben uns diese Boote einen Begriff von den Fahrzeugen, auf denen die Normannen (Wikinger) ihre Raub- und Eroberungszüge bis zum 11. Jahrh. unternommen haben. Sie benutzten die Riemen zum Ein- und Auslaufen sowie im Kampf, der Mast wurde dann niedergelegt. Die Fahrzeuge waren ungedeckt, hatten aber vorn und hinten ein Halbdeck für Aufstellung der Krieger im Gefecht, die Reeling wurde durch die dort aufgehängten Schilde erhöht und verstärkt. Ihre Besatzung betrug 50–100 Mann; größer waren sie nicht, ein Beweis dafür dürfte sein, daß Wilhelm der Eroberer 60000 Mann auf 700–1400 Fahrzeugen — soweit schwanken die Angaben — nach England hinüberführte.

Ähnlich bleiben die Schiffe des 12. und 13. Jahrh. Durch ihren spitzen Bau vorn und hinten zeigen sie immer noch ihren Ursprung aus Ruderbooten an, noch sind sie auf den Gebrauch von Riemen angewiesen, sobald es auf sicheres Manövrieren ankommt. Jedoch werden auch schon größere Schiffe gebaut, plumper und nun wohl schon ganz gedeckt und, wenn sie vorzugsweise zum Kampf bestimmt sind, mit Plattformen auf Pfählen für Kämpfer und Wurfmaschinen versehen; diese Gerüste wurden um 1300 zu festen Kastellen, die gleichzeitig der Besatzung als Unterkunftsräume dienten.

Dieser Art waren die 9 „größeren Schiffe“, die neben etwa 200 anderen in Richard Löwenherz' Kreuzfahrerflotte genannt werden. Sie hatten eine Besatzung von 1 Kapitän, 14 Seeleuten, 40 Rittern mit ihren Pferden, 14 Dienern, 40 Fußknechten und konnten für längere Zeit Proviant nehmen.

Auch die Takelage wurde verstärkt, der Mast war nicht mehr zum Niederlegen, sondern trug feste Mastkörbe zur Aufnahme von Schützen; die Zahl der Riemen wurde nicht vermehrt. Im Norden blieb noch länger nur ein Mast mit einem oder mehreren viereckigen Segeln in Gebrauch, während im Mittelmeer um diese Zeit schon zwei Masten mit lateinischen Segeln vorkommen, von denen der vordere sehr weit vorn stand und starken Fall nach vorn hatte.

Diese größeren Schiffe, wie sie der auf Seite [36] abgebildete Kreuzfahrer zeigt, müssen wir wohl als den Typ der Hochseeschiffe betrachten, auf dem sich die Entwicklung des Segelschiffes im Norden weiter aufbaut; ihre Größe war um die Mitte des 13. Jahrh. auf 80 tons, gegen das Ende vereinzelt schon bis zu 200 tons gewachsen. Neben diesem Typ gab es verschiedene andere für kleinere Fahrzeuge der Küstenfahrt und Fischerei u. s. w., und muß besonders erwähnt werden, daß auch im Norden die wenigen Schiffe, die die Staaten ausschließlich für ihre Zwecke — Kriegsdienst, vor allem aber Zolldienst, Seepolizei, Hafenverteidigung — bauten und hielten, vorwiegend noch Ruderfahrzeuge waren. Dementsprechend waren sie länger im Verhältnis zur Breite als die großen Segelschiffe und stärker bemannt; auch Richards Kreuzfahrerflotte enthielt 50 solcher galleys (Galeren?).

Die Entwicklung der Segelschiffe von 1300–1500. Eine Trennung der Schiffe in Kriegs- und Handelsschiffe erscheint in dieser Zeit nicht mehr am Platze. Die Staaten des Altertums, die Städte und Staaten des Mittelalters am Mittelmeer unterhielten große stehende Flotten von Ruderkriegsschiffen. Größere stehende Flotten von Segelkriegsschiffen werden in den jetzt aufblühenden Staaten des Westens und Nordens erst langsam im Laufe der nächsten Periode geschaffen. Zu Kriegszwecken griff man hier hauptsächlich auf Kauffahrer zurück, die man aushob, kaufte oder mietete. Wenn nötig, wurden sie dazu hergerichtet, indem man sie verstärkte, Kastelle aufbaute, sie stärker armierte. Der eigens für den Krieg gebauten Segelschiffe waren nur wenige und sie unterschieden sich zunächst kaum von den Handelsschiffen, da auch diese, wenigstens die größeren, zum eigenen Schutz stets armiert waren. Die Schiffe des Staates für sonstige Hoheitszwecke waren auch nach 1300 noch lange vorwiegend Ruderfahrzeuge. Zeitweilig wächst die Zahl der Kriegsschiffe in einzelnen Staaten, aber immer geht sie bald wieder zurück. So ist denn vorläufig die Entwicklung der Segelkriegsschiffe die gleiche wie die der Kauffahrteischiffe, erst im Laufe der nächsten Periode geht sie einen andern Weg.

Englisches Fahrzeug um etwa 1190 (Kreuzfahrer).

Bedeutendere Fortschritte machte der Segelschiffbau von 1300 an aus den S. [27] u. [34] angeführten Gründen. Eine große Errungenschaft war zunächst die Erfindung des festen Ruders mit der Pinne am Achtersteven etwa um 1300. Mit den alten Steuerriemen an der Seite des Schiffes hinten war das Steuern eines von den Segeln gepreßten Schiffes bei einigermaßen bewegter See nicht möglich, erst mit dem neuen Ruder konnte an eine Vergrößerung der Takelage gegangen werden. Die neue Rudereinrichtung hat sich sehr schnell allgemein eingeführt, schon um 1356 war sie auf allen größeren englischen Schiffen im Gebrauch. Nun werden zwei Masten mit viereckigen Raasegeln und einem Toppsegel gebräuchlich; bald schon kommen drei Masten vor, am hintersten Mast ein lateinisches Segel, um das Schiff besser am Winde zu halten. Es ist dies der Vorläufer des Besan; das Bugspriet führt noch keine Segel, es dient nur zur Stütze des weit nach vorn stehenden Fockmastes. Die Schiffe werden höher und seefähiger, die Kastelle wachsen; die Mitte des Schiffes blieb niedrig, solange man noch nicht ganz vom Gebrauch der Riemen absehen konnte. Auf den Kastellen standen kleine Wurfmaschinen, mittschiffs schwerere. Das gebräuchlichste Hochseeschiff im Norden war die Kogge, als Beispiel ist eine Hansa-Kogge von 1380 hier abgebildet: ca. 250 tons, 50 Seeleute, 100 Bewaffnete, 20 Pferde.

Hansa-Kogge um etwa 1380.

Um die Mitte des 14. Jahrh. werden im Mittelmeer die ersten leichten Geschütze an Bord eingeführt. Ende des Jahrhunderts auch im Norden. Im 15. Jahrh. nimmt mit ihrer Vervollkommnung die Verwendung der Artillerie zu, allerdings zunächst hauptsächlich nur an Anzahl der leichten Geschütze. Die Schiffe werden nun größer und tragfähiger, sie werden vorn und hinten rund. Die Kastelle, bisher turmähnlich, werden länger und reichen vom Heck bis zum Großmast, vom Bug bis zum Fockmast, das vordere ragt weit über den Vorsteven hinaus, sie erhalten Etagen mit Geschützpforten: alles, um die Artillerie vermehren zu können, besonders in der Breitseite.

Holländische Kogge, 15. Jahrh., 600 tons, 300 Mann.

Die Takelage wird weiter vervollständigt durch Stängen mit kleinen Marssegeln, der dritte Mast wird allgemeiner. Aber der Ausbau der Kastelle, ihre Höhe besonders, beeinträchtigte sehr die Segel- und Seefähigkeit; die Schiffe trieben stark vor ihnen. Wegen des hervorragenden Vorderkastells und des so weit vorn stehenden Fockmastes waren sie schlecht am Winde zu halten, man findet deshalb nun oft 4 Masten, an den beiden letzten Lateinsegel. 400–700 tons dürfte die Größe der großen Schiffe Ende des 15. Jahrh. gewesen sein. Die Namen dieses Typs der großen Seeschiffe waren, allgemein gesagt: im Norden „Kogge“ (engl. Cog), später bald „Schiff“ (Ship), in Spanien und Portugal „Galeon“ (auch Gallion), in Venedig und Genua „Karrak“. Vereinzelt kommen schon Fahrzeuge bis zu 1000 tons vor; Spanien (vorläufig Kastilien) und Portugal gingen hierin voran, doch müssen wir solche besser zur nächsten Periode rechnen.

Karavelle des 15. Jahrhunderts.

Segel- und Seefähigkeit der größeren, stark armierten Schiffe war sehr gering. Portugiesen und Spanier benutzten zu ihren ersten Entdeckungsreisen nicht einmal Fahrzeuge der sonst schon allgemeiner gebräuchlichen Größen sondern kleinere. Die „Karavellen“ des Kolumbus waren Fahrzeuge von 120–130 tons, 80–90' lang, 50 Mann, 3 oder 4 Masten, nur der Fockmast mit Raaen.

Kolumbus rühmt sie als gute Segler, auch beim Winde, als handliche und bequeme Seeschiffe.

Galeon des 15. Jahrhunderts.

Die vorzugsweise leichten Geschütze — noch 1514 führte der „Great Harry“, wenn man von den schweren Geschützen seiner zweiten Batterie absieht, nur 8 Geschütze über 3-Pfünder bei einer ungeheueren Zahl leichterer — waren also mit ihrer Vermehrung auf dem Deck, besonders aber in den Etagen der verlängerten Kastelle aufgestellt und zwar so, daß man nach vorn, nach hinten, nach den Seiten und gegen Entern über das Mittschiffsdeck feuern konnte; diese Verteilung ist gut zu ersehen aus der auf Seite [97] wiedergegebenen Abbildung des ebengenannten Schiffes. Noch im Mittelalter begann man aber, die Schiffe mit schwereren Geschützen zu armieren, scheinbar besonders in den südlichen Ländern. Diese fanden jetzt Aufstellung auf dem Hauptdeck des Schiffes, zuerst vorn und hinten, dann nach den Seiten, ja bald brachte man sie auch im Schiffsrumpf unter und feuerte durch Pforten in der Schiffswand. Wie durch die Verlängerung der Kastelle, so wird auch hierdurch die Kraft der Artillerie immer mehr in die Breitseiten verlegt, die neue Waffe wird durch ihre Vermehrung und Verstärkung mehr und mehr zur Hauptwaffe: zwei Punkte, die für den nächsten Zeitabschnitt kennzeichnend sind. Schiffe der neueren Art waren im Mittelalter noch sehr selten, im Norden kamen sie kaum vor; der Beginn der Fortbildung in dieser Hinsicht (vergl. Abschnitt II „Schiffe“) fällt aber schon an das Ende des 15. Jahrh. Die Abbildung auf S. [39] zeigt eine Galeon um die Wende des Jahrhunderts.

Wie auf die Belebung der Seefahrt überhaupt, so haben die italienischen Städte auch großen Einfluß auf die Entwicklung des Schiffbaues gehabt. Schon die christlichen Königreiche Spaniens zogen Genuesen und Venetianer zur Anlage von Werften heran, als sie im 12. Jahrh. anfingen, Schiffe für den Seehandel und seinen Schutz zu bauen, ebenso waren solche die Lehrmeister der Portugiesen, als diese im 14. Jahrh. zur See gingen. Die Schiffe der italienischen Städte werden auch als Muster zur Vervollkommnung der größeren Seeschiffe im Norden gedient haben, als sie von 1300 an häufiger in diesen Gewässern erschienen. Lange noch galten ihre Schiffe als besonders gut und wurden häufig nach dem Norden vermietet oder verkauft. Zu Ende des Mittelalters hatten die Niederländer im Norden einen hohen Ruf im Schiffbau errungen, ihre Schiffe und ihr Schiffbaupersonal waren jetzt gesucht, besonders in Schweden und Frankreich in der nächsten Periode, als in diesen Ländern das Seewesen staatlich begünstigt wurde.

Von staatlichen Werften hören wir im Mittelalter wenig; dies erklärt sich daher, daß keine Kriegsmarinen von Bedeutung bestanden. Wo größere stehende Ruderschiffsflotten vorhanden waren, also in erster Linie wieder in den italienischen Städten, hatte man natürlich auch Werftanlagen für diese, wie wir sie für das Altertum erwähnten: künstliche Häfen mit eingeteilten Liegebassins (nasse Docks), Vorrichtungen zum Trockenlegen der Schiffe, Arsenale für die Ausrüstung. Ähnliches wird auch in den anderen Staaten für die wenigen Regierungsschiffe vorhanden gewesen sein. So wissen wir von England, daß hier schon etwa um 1300 nasse Docks, schützende Schuppen und Ausrüstungshäuser für die königlichen Galleys in Portsmouth, Rye, Winchelsea, Storeham bestanden. Von eigentlichen Kriegswerften ist aber auch mit dem zunehmenden Gebrauch größerer Segelschiffe noch nicht die Rede, der Bau der staatlichen Schiffe blieb wohl fast ganz in Privathänden; überall werden nur Arsenale für Geschütze, Ausrüstungs- und Kriegsmaterial erwähnt, so in Portugal das Arsenal Heinrich des Seefahrers in Sagres, in England seit Heinrich VIII. die Arsenale in Woolwich und Deptford an der Themse, in Portsmouth, in Frankreich dort, wo die Küstenadmirale ihren Sitz hatten, und ähnlich in Holland; Kriegswerften erscheinen erst im nächsten Zeitabschnitt.

Waffen. Im Mittelalter finden wir, auch im Norden, sobald hier die erste Zeit des Kampfes nur mit Handwaffen überstanden war, überall die Waffen des Altertums wieder. Kleinere und größere Wurfmaschinen, größere Armbrüste, die sämtlich brennende Pfeile, Lanzen, Steine, eisenbeschlagene Pfähle und Wurfdraggen schleudern, sind auf den Kastellen, die schwereren Maschinen bei Segelschiffen auch mittschiffs, aufgestellt; Stinktöpfe und Gefäße mit ungelöschtem Kalk werden, besonders aus den Mastkörben, auf das feindliche Deck geworfen. Manche der Wurfmaschinen scheinen durch die Kreuzzüge nach dem Norden gekommen zu sein, wie denn auch erwähnt wird, daß die Schiffe von Richard Löwenherz das berühmte griechische Feuer[19] verwendet hätten. Die Bewaffnung der Kriegsleute war wie am Lande. Ritter und Knappen, durch Helm, Harnisch und Schild geschützt, führten Schwerter, Lanzen und Äxte, die Leichtbewaffneten Armbrüste, Hand- und Fußbogen. Berühmt waren die venetianischen und genuesischen Armbrustschützen, oft von anderen Ländern (Frankreich) gemietet, sowie die englischen Bogenschützen, die jenen noch überlegen gewesen sein sollen.

Die seit etwa 1325 im Landkriege verwendeten Pulvergeschütze wurden auch bald auf den Schiffen in Gebrauch genommen. Sie finden zuerst Erwähnung im Westmittelmeer, 1333 in einem Gefechte des Bey von Tunis gegen spanische Mauren, und bei den italienischen Städten, bald darauf auch bei den Hanseaten. Für England sind 1338 einige wenige Schiffe mit 2 bis 3 Geschützen, für Holland die ersten um 1396 angeführt. Die ersten schwereren Geschütze am Lande waren Mörser, dann etwas verlängert Bombarden, die mit geringer Ladung Steinkugeln bis zu 100 Pfund warfen. Lange Feuerwaffen waren zunächst nur kleineren Kalibers, eigentlich unbehilfliche Handfeuerwaffen von 1–2 Mann zu bedienen. Beide Arten wurden anfangs aus der Länge nach zusammengeschweißten und dann umringten Eisenstäben hergestellt, sie wurden von hinten geladen und durch Keile oder eine Ladebüchse, ein besonderes Verschlußstück, geschlossen. Um 1400 kam der Guß der Rohre aus Bronze auf, und die Stabeisengeschütze wichen mehr und mehr den später auch aus Eisen gegossenen. Nun konnte man den hinteren Abschluß des Rohres mit dem vorderen Teil in einem Gusse herstellen, infolgedessen die Ladung verstärken, und es entwickelten sich die längeren Geschütze auch schwereren Kalibers, die Kanonen. Bei leichteren Geschützen blieb die Hinterladung noch länger im Gebrauch, oft waren dann zur schnelleren Bedienung zwei Bodenverschlußstücke mit Ladekammer vorhanden.

Während des 14. Jahrh. machte die Einführung der Artillerie an Bord nur sehr geringe Fortschritte; 1421 hatten englische Schiffe von 400 bis 700 tons nur 3–6, kleinere nur 2 Geschütze, und wenn auch von der Mitte des 15. Jahrh. an überall häufiger solche — von Bronze und Eisen, mit Stein, Blei- und Eisengeschossen — erwähnt werden, sowie auch Handfeuerwaffen, so hatten doch die neuen Waffen die alten noch nicht verdrängt. Pulvergeschütze und Wurfmaschinen stehen nebeneinander auf den Schiffen, Handfeuerwaffen und Bogen werden gleichmäßig gebraucht. Die alten Waffen waren noch lange, bis ins 16. Jahrh. hinein, an Schußweite und Treffähigkeit überlegen; Geschütze, Lafetten und Pulver waren noch mangelhaft.

Wie gering die Bedeutung der Artillerie noch im Anfange des 15. Jahrh. war, kann man daraus ersehen, daß um diese Zeit zuweilen besonders hervorgehoben wird, es seien[42] in einem Gefecht auch Kanonen verwendet; sowie auch daraus, daß bei der Schlacht von Harfleur 1416 alle Waffen erwähnt werden, nur diese nicht, obgleich einige englische Schiffe dabei sicher Geschütze führten und vor allem die beteiligten genuesischen Karraks; von diesen wird nur gesagt, daß sie durch ihre Höhe im Gefecht Bord an Bord im Vorteil gewesen seien.

Immerhin aber nahm die Verwendung der Artillerie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. bedeutend zu; wir haben gehört, daß zu Ende des Mittelalters erbaute Schiffe eine große Zahl leichter Geschütze führten, und daß auch schon schwerere an Bord genommen wurden. Da aber die Artillerie eigentlich erst eine Waffe des nächsten Zeitabschnittes ist, so soll erst von dort ab näher auf sie eingegangen werden.

Ebenso verhält es sich mit einer Spezialwaffe, den Brandern. Auch diese werden schon im Mittelalter vereinzelt verwendet, so z. B. 1304 in einem Gefecht zwischen Franzosen und Flamändern gegen festgelaufene Schiffe, doch scheinen sie noch wenig Erfolg gehabt zu haben; ihre Blüte fällt gar erst in die Zeit unseres Abschnitts III.

Die Seekriege.[20] Daß im Mittelalter keine Seekriege von großer Bedeutung vorkommen, ist erklärlich. Das Seewesen im Mittelmeer war durch die Völkerwanderung größtenteils vernichtet, es konnte sich erst wieder heben, als die Völker zur Ruhe und wieder zu einer gewissen Kultur kamen; im Norden Europas wurde es jetzt erst geboren. Seemächte im eigentlichen Sinne gab es nicht. Die Kriegführung zur See beschränkte sich auf allerdings oft ganz bedeutende Eroberungszüge über See, sowie auf Raubzüge; später, als der Handel wieder eine größere Rolle spielte, wurde sie auch ein Mittel, um durch Störung der Schiffahrt und durch Brandschatzung von Küstenstädten dem Feinde Abbruch zu tun oder um für erlittene Unbill Repressalien zu nehmen. Auch hierbei kam es zu Kämpfen zur See, ja großen Seeschlachten, aber über ihren Verlauf bieten die Quellen selten genaueres.

Im Mittelmeer[21] fand die oströmische Flotte, die die Völkerwanderung überdauert hatte, im 5. und 6. Jahrh. Verwendung bei den großen Expeditionen gegen Vandalen und Goten in Italien und Afrika, die zu ihren Eroberungen ebenfalls Flotten geschaffen hatten; sie wirkte mit zur Abwehr der Barbaren im Osten und vor allem später gegen Araber und Türken, als diese auf den Inseln und längs der Küste sich ausbreiteten; sie mußte endlich auch den nach Osten vordringenden Normannen und den aufblühenden Seemächten Venedig und Genua entgegentreten. Während der Kreuzzüge und der Kämpfe der Türken gegen das oströmische Reich hatte sich Venedig eines großen Teils Griechenlands und der griechischen Inseln bemächtigt. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1452 ging das oströmische Reich zu Ende.

Seestreitkräfte, besonders Fahrzeuge der italienischen Städte, aber auch französische und selbst nordische — englische und hanseatische — spielten eine Rolle während der Kreuzzüge durch Überführung der Heere, durch Unterstützung der Belagerungen von Küstenstädten und durch Abwehr sarazenischer Flotten.

Als die wichtigsten Seekriege im Mittelmeer sind die Kämpfe der italienischen Städte unter sich — besonders Genuas gegen Pisa; Venedigs gegen Genua — im 12., 13. und 14. Jahrh. anzusehen, weil sie vorwiegend zur See und um die Vormacht auf der See ausgefochten wurden; sodann später die Kämpfe Venedigs mit den Türken um ihre Besitzungen im Osten, die noch in dem nächsten Zeitabschnitt, in den die Glanzzeit der türkischen Seemacht fällt, weitergeführt werden, ferner Kriege Genuas gegen die Mauren in Spanien, gegen die Raubstaaten in Afrika und gegen Aragonien.

Schließlich sind noch die Staaten auf der Pyrenäischen Halbinsel zu erwähnen. Als sich im 10. Jahrh. der Seehandel des Kalifats von Cordova entwickelte, wurde dort eine Kriegsflotte nötig, um ihn gegen die Seeräuber, die das Mittelmeer von Sardinien, Sizilien und der Nordküste Afrikas aus unsicher machten, zu schützen. Etwa zwei Jahrhunderte später entstanden aus demselben Grunde Flotten in den christlichen Reichen Kastilien und Aragonien, die Verwendung fanden in den Kämpfen der christlichen Staaten untereinander und mit den Mauren, bei der Eroberung der Balearen, Sardiniens und Siziliens durch das Königreich Aragonien, in Fehden mit den italienischen Städten und mit den Franzosen, von Kastilien aus sogar im Atlantik im Kampfe mit England als Nachbar der englischen Besitzungen in Frankreich. Auch Portugal bedurfte der Seestreitkräfte gegen die Ungläubigen.

Alle Kriegsschiffe im Mittelmeer waren Ruderschiffe, nur Portugal und die baskischen Provinzen Kastiliens verwandten, weil am Ozean gelegen, schon einige Segelschiffe; größere stehende Kriegsflotten besaßen eigentlich nur die Genuesen und Venetianer.

Im Norden Europas kann zunächst von einer Kriegführung zur See nicht die Rede sein. In die frühesten Zeiten vom 9. bis 11. Jahrh. fallen die Raub- und Eroberungszüge der Skandinavier, besonders von Dänemark und Norwegen ausgehend, nach allen Küsten der Ost- und Nordsee, nach England und Frankreich, nach Spanien und Portugal und bis ins Mittelmeer. Diese Volksflotten fanden im Norden nirgends nennenswerte gegnerische Seestreitkräfte vor, bis die Hansa sich des Handels im Norden bemächtigte, und in ihr ihnen ein überlegener Gegner erwuchs. Erst mit dem allmählichen Erstarken der nordischen Reiche war die Hansa gezwungen, um ihre wirtschaftliche Herrschaft zu kämpfen. Nur durch blutige Fehden zur See und über See, besonders gegen Dänemark, konnte sie diese behaupten; durch geschickte Einmischung in die inneren Kämpfe der Völker, hauptsächlich durch Unterstützung Schwedens gegen den Plan einer skandinavischen Union unter Dänemarks Führung, errang sie sogar eine politisch leitende bedeutende Stellung im Norden; diese Zeit der aufreibenden Kämpfe der beiden nordischen Nationen um die Aufrechterhaltung der Union, an denen sich auch schon niederländische Städte, anfangs auf seiten der Hansen, später auf der der nordischen Herrscher beteiligten, war die Periode der höchsten Blüte der Hansa. Über stehende Flotten geboten aber weder die nordischen Reiche noch die Hansa. Für besondere Gelegenheiten wurden die Streitkräfte erst aufgebracht, und so haben auch diese Kriege mehr den Charakter von Expeditionen, Überrumpelungen, Brandschatzungen und Repressalien.[22]

In der Geschichte Englands und Frankreichs wird der Seekrieg von Bedeutung in den Kriegen zwischen beiden Nationen um die Besitzungen Englands auf dem Festlande während des 13., 14. und 15. Jahrh. Die dänische Invasion vorher, der Alfred der Große durch eine bedeutende, aber bald wieder verfallende Flotte ein Ende machte, und die Eroberung Englands durch die Normannen sind gleichfalls unter die Eroberungszüge der Skandinavier zu rechnen. In diesen Kriegen, mit kürzeren oder längeren Pausen und wechselnden Erfolgen fast drei Jahrhunderte hindurch geführt, finden wir eine fortlaufende Reihe von Expeditionen über See. In erster Linie gehen diese natürlich von England aus, aber auch die Franzosen unternehmen oft größere Einfälle an der englischen Küste; der kleine Krieg, Brandschatzungen an den Küsten und Wegnahme von Schiffen, läuft durch die ganze Zeit; von 1243 an sind auch die ersten Freibriefe an einzelne Schiffe zur Schädigung des Feindes zu Wasser und zu Lande bekannt. Die Kriegsführung zur See ist des öfteren von großem Einfluß auf den Verlauf der Kriege. Es zeigt sich hier schon früh, daß große Ziele über See nur erreicht werden können, wenn man die See beherrscht, die feindlichen Seestreitkräfte vernichtet oder völlig lahm gelegt hat: französische Expeditionen scheitern oder werden im Keime erstickt, wenn englische Flotten, oft nur verhältnismäßig kleine, ihnen entgegentreten; der englische Krieg auf dem Festlande erlahmt infolge unsicherer Verbindung mit der Heimat, sobald die französischen Seestreitkräfte die mächtigeren sind.

Einige hervorragende Beispiele[23] aus dem 13. Jahrh. seien angeführt: 1212 sammelte Philipp II. in der Seine eine große Flotte von 1700 Segeln und führte sie nach Damme in Flandern, um von dort eine Exekutionsarmee gegen den vom Papst in den Bann getanen Johann nach England überzusetzen. Eine englische Flotte von nur 500 Segeln überraschte sie im Hafen und auf der Rhede, zum Teil von Mannschaften entblößt, vor Anker liegend und tat ihr solchen Abbruch, daß Philipp II. sein Unternehmen aufgeben mußte. 1216 dagegen, als Johann, mit seinen großen Vasallen im Streit, über keine Schiffe gebot, gelingt es den Franzosen, mit 700 Fahrzeugen ein Heer zur Unterstützung der Empörer und zur Einsetzung des von ihnen herbeigerufenen Prinzen Louis von Frankreich überzuführen; wiederum aber wird 1217 ein Transport von 180 Schiffen, der nach einer Niederlage der Barone und der Franzosen (bei Lincoln, nach Johanns Tode) Verstärkungen nach England bringen soll, von nur 40 englischen Schiffen unter Hubert de Burgh bei South-Foreland vollständig vernichtet. Dieses erste große Gefecht auf offener See, auch sonst in Hinsicht auf Taktik und Kampfweise bemerkenswert, zwang den Prinzen Louis zum Rückzug aus England und führte zu einem für England günstigen Frieden.

In den weiteren Kriegen Heinrichs III. und Eduards I. 1217–1307 gegen Frankreich finden wir keine so wichtigen Ereignisse. Die Seestreitkräfte wurden nur in dem allgemein gekennzeichneten Sinne verwendet; gegen Ende genannter Zeit und unter Eduard II. war England vorwiegend mit Schottland und Irland beschäftigt. Einige Begebenheiten seien aber angeführt, da sie einen Blick in die eigentümlichen damaligen Verhältnisse auf der See geben. Die Cinque-Ports Englands, der Hauptrückhalt der Krone in Beziehung auf Seestreitkräfte, trieben zur Zeit der Kämpfe der Barone gegen den König offene Piraterie und führten Privatkriege in Handelsinteressen gegen andere Nationen, auch wenn sonst Friede war; im Jahre 1275 herrschte sogar ein Freibeuterkrieg zwischen ihnen und den Bayonnesen, obgleich diese auch Untertanen Englands waren. Infolge eines Privatstreites englischer Seeleute in einem Hafen der Normandie wurde im Jahre 1293 in der Mitte des Kanals eine Seeschlacht geschlagen, in der 60 englische Schiffe — teilweise in Holland und Irland geworben — unter dem Gouverneur von Nottingham-Castle 240 normannische, französische, flämische und genuesische Schiffe unter dem Grafen von Valois, Bruder des Königs von Frankreich, völlig besiegten und reiche Beute machten. Die Folgen dieses Ereignisses, Verhandlungen und Repressalien, führten zu einem neuen Kriege.

Seeraub und völlige Nichtachtung fremden Eigentums auf See war überhaupt bei fast allen Küstenvölkern gebräuchlich; man liest von Seeräubern der Schotten und Iren, der Niederlande, der Bretagne, der Normandie und der Basken. Unterdrückung des Seeraubes war die Hauptaufgabe der wenigen Kriegsschiffe.

In den englisch-französischen Kriegen des 14. und 15. Jahrh.dem sog. Hundertjährigen Kriege — zeigt sich aufs neue der Einfluß der jeweilig überlegenen Seemacht. In der ersten Zeit seiner Regierung führte Eduard III., selbst ein Seemann, den Seekrieg energisch. Während vor und zu Beginn des Krieges (1339) die Franzosen zur See stark gewesen zu sein und den Engländern viel Schaden getan zu haben scheinen, hob Eduard 1340 eine große Flotte aus und versetzte den Feinden einen schweren Schlag. Frankreich hatte im Hafen von Sluys, jetzt einer holländischen Binnenstadt, nach den niedrigsten Angaben eine Macht von 190 Segeln, deren Kern eine größere Abteilung genuesischer Galeren bildete, und 35 000 Mann versammelt. Der Platz war als geeignet gewählt, um dem in Flandern stehenden englischen Heere die rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden und auch um einen Einfall nach England zu unternehmen. Eduard griff diese Flotte mit 250 Fahrzeugen aller Größen am 24. Juni 1340 an und vernichtete sie. Ein kurzer Friede war die unmittelbare Folge, aber wichtiger noch war das durch den Sieg gewonnene Übergewicht zur See. Nun gelang es den Engländern, 1347 Calais zu erobern und sich hierdurch, sowie durch einen neuen Sieg im Kanal 1350 über die 40 große und reichbeladene Schiffe starke Flotte des kastilischen Freibeuters Don Carlos de la Cerda die Seeherrschaft wieder dauernd zu sichern. Ihr Besitz, das Zusammenwirken von See- und Landstreitkräften hat viel zu dem günstigen Verlauf des Krieges in Frankreich bis zum Jahre 1360 beigetragen.

Lehrreich ist, daß Eduard — ähnlich wie wir es im Altertum in Athen und in Rom fanden — erst den Widerstand des Parlaments überwinden muß, als er die Flotte zu großen Offensivunternehmungen, dem Angriff auf Calais, heranziehen will; das Parlament ist anfangs noch der Ansicht, diese sei nur zur Verteidigung der Küsten da.

Nach diesen Erfolgen vernachlässigte aber Eduard III. die Kriegführung zur See, und die Folge davon war, daß sich schon 1360 die Franzosen wieder regten und die englische Küste brandschatzten.

Laird Clowes sagt darüber, dem Sinne nach: der Krieg von 1359–1360 zu Lande war nur eine Reihe von bei der Erschöpfung Frankreichs leicht errungenen Triumphen. Dies entsprach dem hitzigen Charakter Eduards mehr, als durch eine langsame, systematische Kriegführung auf dem Wasser, ohne große ruhmreiche Ereignisse, den Feind zur See weiter bis zur völligen Vernichtung niederzuwerfen. Trotz der Erkenntnis der Wichtigkeit der Seeherrschaft für England vernachlässigte er den Seekrieg und die Seestreitkräfte.

In den letzten Kriegen Eduards III. von 1369 an, wo Frankreich in Kastilien einen trefflichen Bundesgenossen zur See hat, zeigen sich dann weiter die Folgen dieses schweren Fehlers. Eine englische Flotte, die 1372 das belagerte La Rochelle entsetzen soll, wird dort von einer 40 Schiffe starken kastilischen Flotte vernichtet, und die Blockade der Stadt durch den inzwischen um 8 Galeren verstärkten Sieger beschleunigt ihren Fall. 1374 durfte eine nach Guyenne bestimmte Armee es nicht wagen, dorthin zu segeln, sondern war gezwungen, in Calais zu landen und einen verlustreichen Marsch durch Frankreich zu machen; so gingen denn auch bis 1374 fast alle englischen Besitzungen in Südfrankreich, außer Bordeaux und Bayonne, verloren.

Seit 1374 baute nun Frankreich auf Anregung Jeans de Vienne sogar zum ersten Male selbst eigens für den Krieg bestimmte Schiffe und erhielt dadurch ein Übergewicht, das sich während der lässig und ergebnislos geführten Kriege Richards II. besonders im kleinen Kriege im Kanal zeigte, wo Franzosen und Spanier die bei weitem größeren Erfolge aufzuweisen haben. Sie beherrschen soweit die See, daß es den Engländern oft nicht mehr möglich ist, Verstärkungen nur über den Kanal zu werfen. Während der Friedenszeit unter Heinrich IV. muß sogar die Verfügung erlassen werden, daß englische Schiffe nach Bordeaux nur in größeren Konvois segeln dürfen.

Noch einmal endlich spielt die englische Flotte unter dem tatkräftigen Heinrich V. (1413–1422) eine Rolle. Er geht im August 1415 mit 1400 Fahrzeugen aller Größen nach Harfleur, belagert und nimmt es im September, wobei die gefechtsfähigen Schiffe durch Blockade und Aufrechterhaltung der Verbindung mit England mitwirken — am 25. Oktober wird die Schlacht von Agincourt geschlagen. Als die Franzosen 1416 ihrerseits Harfleur belagern, wird ihre Blockade-Flotte vor dem Hafen durch die englische vernichtet.

Von besonderem Interesse ist eine Expedition Heinrichs V. im Jahre 1417. Eine Transportflotte von 230 Schiffen war in Southampton versammelt, aber vor dem Absegeln sendet der König erst ein Geschwader aus, um ein auf See befindliches feindliches zu suchen und zu schlagen. Die Schlacht fand am 25. Juli statt (Ort des Zusammentreffens und Stärke der Gegner ist unbekannt). Die Engländer siegten, und sofort nach Eintreffen der Nachricht geht die Transportflotte am 29. Juli in See und landet wohlbehalten in Frankreich. Heinrich zeigt hierbei volles Verständnis für die Wichtigkeit der Seeherrschaft und für die Schwierigkeit eines größeren Einfalles in Feindesland, solange eine feindliche Flotte die See halten kann. Um sich nicht mit dem Transport einer Schlacht auszusetzen, in der dieser gefährdet und seine Streitkräfte behindert gewesen wären, läßt er sich vorher den Weg freimachen; Clowes bezeichnet (Tl. I, S. 380) diese Expedition als das erste derartige Unternehmen, das auf wissenschaftlichen Grundsätzen beruhe. Mit der neu errungenen Seeherrschaft stellten sich auch die Erfolge am Lande wieder ein.

Nach des Königs frühem Tode 1422 trat völliger Verfall der Seemacht Englands ein, 1423 wurden sogar alle königlichen Schiffe bis auf zwei verkauft. Die englischen Besitzungen in Frankreich gingen bis 1456 mit Ausnahme von Calais sämtlich verloren. Die Bürgerkriege der beiden Rosen taten das übrige; England war ohnmächtig zur See, Einfälle von allen Seiten gelangen. 1472 plünderte auch eine hanseatische Flotte die Küsten und erzwang den Städten weitgehende neue Vergünstigungen. Erst unter den Tudors sollte sich die englische Seemacht wieder heben.

Kampfweise und Taktik. Die Kampfweise der Ruderschiffe im Mittelmeer war naturgemäß dieselbe wie im Altertum. Mit dem Motor an den Seiten, den Kämpfern und Wurfmaschinen hauptsächlich auf Bug und Heck, der Bug selbst durch Sporn oder langes Entergallion armiert — also die Seiten offensiv und defensiv schwach, die Schiffsenden stark —, lag die Kampfrichtung in der Kielrichtung. Da die Fahrzeuge nicht auf der Höhe der attischen Triere standen und auch sonst mit ihrer Armierung und starken Besatzung mehr den Schiffen des Altertums zur römischen Zeit entsprachen, so war ihre Kampfweise mehr dieser gleich: Eröffnungsgefecht mit Fernwaffen; Versuch, beim Anlauf die feindlichen Riemen zu zerbrechen, baldiges Entern, Verwendung des Rammstoßes, wenn die Gelegenheit günstig. Auch die Einführung der Artillerie, während des Mittelalters ja nur in geringem Maße, änderte nichts an der Kampfweise; die wenigen Geschütze waren gleichfalls im Bug und Heck aufgestellt.

Eine Taktik für Schiffsverbände gab es nach Ansicht aller Schriftsteller noch nicht. Wir finden die vom Altertum überlieferten breiten Gefechtsformationen — Dwarslinie, Sichel, Halbmond — formal angewendet mit dem Bestreben, möglichst bald ins Gefecht und zur Mêlée zu kommen. Von Beispielen angewandter Taktik, wie sie das Altertum zeigt, eine vorzügliche Ausbildung der Schiffe zu benutzen, um an einer Stelle das Übergewicht zu erringen, oder im Gefecht eigene eigentümliche Waffen (z. B. besondere Schiffstypen) mit Vorteil zu verwenden, wird nirgends berichtet. Alte Erfahrungen scheinen verloren zu sein, der Sinn für Taktik geschlummert zu haben. Vielleicht ist der Grund darin zu suchen, daß den jeweilig starken Seemächten, erst den oströmischen Flotten, später denen der italienischen Städte, keine ebenbürtigen Gegner gegenüberstanden, oder auch darin, daß sich die Kriegführung mehr auf Expeditionen über See als auf Schlagen auf See erstreckte.

Im Norden standen Kampfweise und Taktik am niedrigsten; die Flotten des Mittelmeeres waren wenigstens stehende Marinen mit größerer Erfahrung der Führer und mit beweglicheren Schiffen. Noch lange brauchten die Schiffe des Nordens auch im Gefechte die Riemen, ohne aber den Galeren als Ruderschiffe gleichzukommen; die ersten Segelschiffe aber waren für eine entsprechende Kampfweise und Taktik noch zu unbeholfen und unhandlich. Ihre Kraft lag allein in ihrer Größe, ihrer Höhe — je höher, desto günstiger für den Enterkampf, offensiv wie defensiv —, ihrer starken Besatzung. Auch ihre Kampfrichtung lag in der Kielrichtung; man trachtete danach, so schnell wie möglich den Nahkampf mit Rammen, Indengrundsegeln und vor allem Entern herbeizuführen.

Die Flottentaktik bestand auch nur darin, die Streitkräfte, in drei oder vier Geschwader geteilt, nach Möglichkeit geordnet an den Feind zu bringen; das vierte diente als Reserve und Verstärkung. Dann suchte sich jedes Schiff seinen Gegner, gebrauchte Enterdraggen und Enterhaken, und das blutige Handgemenge, bei dem kein Pardon gegeben wurde, begann. Es ist also derselbe Gefechtsverlauf wie bei den Ruderschiffen, ja bei den unhandlicheren Fahrzeugen wird von einer Verwendung der Schiffe selbst als Waffe noch mehr abgesehen, sie bilden eigentlich nur den Kampfplatz.

De Jonge gibt (I, S. 17) nach dem Bericht eines Zeitgenossen über den Verlauf einer Schlacht auf der Maas im Jahre 1351 etwa folgende Schilderung: „Das Anstimmen des Kriegsgeschreis — bei den Holländern: Holland! Holland! — gab das Zeichen zum Beginn des Kampfes. Unter dem Kampfruf, dem Schmettern der Trompeten und dem Schall der Posaunen gingen die Schiffe aufeinander los. Nach Abschießen der Wurfmaschinen sucht jedes Schiff einen Gegner; die Armbrüste und Bogen spielen, Draggen und Enterhaken werden geworfen und so der Feind festgehalten. Von diesem Augenblick an hörte sozusagen der Kampf auf ein Schiffskampf zu sein; nun mußte Zahl und Tapferkeit der Besatzung im Kampfe Mann gegen Mann entscheiden. Das Schwirren der Armbrüste, das Klirren der Schwerter, das Aneinanderschlagen der Schilde, das Brechen der Lanzen, das Krachen der geschleuderten Steine und das Kriegsgeschrei der Streitenden war schrecklich.“ — Da kein Pardon gegeben wurde, so war der Verlust in den Schlachten weit größer als in den späteren Zeiten.

Aber einige lehrreiche Ereignisse überliefert uns die Geschichte doch. Zunächst eins, das den wichtigsten Einfluß der Segel auf die Kampfweise zur See zeigt, nämlich den Vorteil des Gegners, der „zu Luward“ steht — d. h. „über dem Winde“, der den Wind zuerst empfängt. Dieser hat Beginn und Entfernung des Gefechtes in der Hand, ein Vorteil, der bald erkannt werden mußte. Daß ein Flottenführer auf das Gewinnen der Luvstellung vor dem Gefechte manövriert, wird uns zum ersten Male bei der Schlacht von Southforeland 1217 berichtet. In dieser ersten Schlacht, die England auf offener See ausfocht, steuerte Hubert de Bourgh so, daß die Franzosen glaubten, er wolle den Kampf vermeiden. Als er aber den Wind gewonnen hatte, hielt er ab und griff mit seinen Ruder- und Segelschiffen vor raumem Winde zunächst die feindliche Nachhut an, wobei mehrere feindliche Schiffe gerammt und übersegelt wurden. Er benutzte also die Luvstellung zur Verstärkung seines Stoßes und zur Wahl des Angriffspunktes in der feindlichen Aufstellung.

In der großen Schlacht bei Sluys 1340 ereignete sich ähnliches. Die französische Flotte, die in und vor dem Hafen gelegen hatte, lichtete bei Annäherung der Engländer Anker und ging in See. Sie war in vier Geschwader formiert, die einzelnen Schiffe der Geschwader waren miteinander durch Ketten und Kabel verbunden, um nicht durchbrochen zu werden — ein Beweis, wie sehr die Schiffe als Kampfplatz und nicht als Waffe angesehen wurden. Als Eduard III. auf das Gewinnen der Luvstellung manövrierte, nahmen die Franzosen auch hier wieder an, er wolle das Gefecht vermeiden, warfen die Ketten los und folgten.

Eduard wirft sich nun von Luward aus auf die Vorhut des Feindes, die aus den stärksten Schiffen besteht, und vernichtet diese; auch das zweite und dritte Geschwader, die anstatt einzugreifen entmutigt fliehen, werden einzeln geschlagen, nur das Geschwader der genuesischen Galeren entkommt. Bemerkenswert ist bei dieser Schlacht eine zweite taktische Maßnahme Eduards. Er hatte in seine erste Schlachtlinie die schwersten Schiffe gestellt, abwechselnd bemannt mit einer großen Zahl Bogenschützen und mit Schwerbewaffneten; jene erschütterten den Feind durch ihr Feuer, diese schritten dann zum Entern. Die leichteren Schiffe mit Bogenschützen standen in einer zweiten Linie als Reserve und griffen ein, sobald der erste Anprall erfolgt war. Endlich sollen auch bei dieser Schlacht zum ersten Male im Norden Wurfgeschütze in großem Maßstabe verwendet sein, dagegen keine Ruderschiffe mit Sporn.

Der Angriff von Luward in derselben Weise, d. h. zum Stoß, wird von jetzt an öfter erwähnt. Es fehlen aber alle Andeutungen, daß der Wind sonst zu taktischen Zwecken ausgenützt sei oder daß die aufkommende Artillerie Einfluß auf Kampfweise und Taktik gehabt habe. Wie gering die Bedeutung dieser noch im 15. Jahrh. war, ist schon früher (S. [42], Bemerkung über die Schlacht bei Harfleur) gekennzeichnet; Artillerie und Segelmanöver gewannen erst Einfluß, als die Geschütze in den Breitseiten aufgestellt waren und die Schiffe größere Segel- und Manövrierfähigkeit besaßen.

Stärke, Zusammensetzung und Bemannung der Flotten. Es ist verschiedentlich hervorgehoben, daß es im Mittelalter stehende Flotten nur in den italienischen Städten und vielleicht in einzelnen anderen Staaten am Mittelmeer gab.

Diese Städte, insbesondere Genua und Venedig, bedurften solcher, da ihre Interessen vorwiegend und andauernd auf der See lagen. Sie hielten ständig eine Flotte von Galeren im Dienst. Um 1472, die Zeit der höchsten Blüte, besaß Venedig einen festen Bestand von 45 Galeren mit 11000 Mann (daneben 3300 Kauffahrer mit 25000 Matrosen), doch haben sowohl Venedig wie Genua zu großen Unternehmungen 100, ja bis zu 200 Galeren aufgestellt. Auch die wohl nur kleinen Flotten Aragoniens und Kastiliens im Mittelmeer setzten sich, was die wirklichen Kriegsschiffe anbetrifft, aus Galeren und einigen kleineren Schnellseglern zusammen.

Bei den Völkern des Westens und Nordens kann vorläufig von stehenden Marinen nicht die Rede sein. Die Hansa, die einzige Macht mit großem Interesse auf See, gebot über keine feste einheitliche Marine, sie konnte selbst ihren Städten rechtlich nicht die Gestellung von Seestreitkräften auferlegen; freiwillige Bündnisse scharten die zum Kampf geeigneten Schiffe der einzelnen Gemeinwesen im Bedarfsfalle zusammen. In den anderen Staaten verfügte man über einzelne staatliche Schiffe für gewisse Zwecke — Hafenschutz, Zoll- und Polizeidienst —, kaum aber in erster Linie für den Krieg. Zunächst waren es meist Ruderschiffe, aber auch als sich später die Segelschiffahrt von 1300 an mehr entwickelte, sind Kriegsschiffe nur in geringer Zahl vorhanden gewesen.