Zweiter Abschnitt (S. 22-50).

[1]: Matrosenponten oder Ponten nennt man viereckige, etwa 60' lange und 15' breite Fahrzeuge mit plattem Boden und einem Dache von Palmblättern. Es werden damit von den Pflanzungen die Produkte, als: Zucker, Kaffee, Melassin u. s. w. abgeholt und an Bord der Schiffe gebracht. Die Eigenthümer dieser Ponten sind meistens Juden, die in der Stadt ansässig sind. Die Miethe eines solchen Fahrzeuges mit 4 Rudernegern ist 10 fl. per Tag. Ein Weisser oder freier Farbiger, die ihren Lebensunterhalt auf keine andere Weise mehr verdienen können, führt darüber die Aufsicht und hat seine Wohnung in einem kleinen Verschlage im Fahrzeug. Ausser dem kärglichen Lohne, den er von dem Eigenthümer der Pont empfängt, lebt er hauptsächlich von den Geschenken, die man ihm aus Mitleiden auf den Pflanzungen reicht und vom Schleichhandel, den er mit den Negern treibt.

[2]: Das Auffallende, dass eine Stadt von höchstens 16,000 Einwohnern 8 Kirchhöfe hat, lässt sich dadurch erklären, dass jede Confession ihren eigenen Ruheplatz besitzt. Der Orangers-Kirchhof, »Niemde Oranjetuin«, ist nur für wohlhabende Protestanten, ein zweiter für weniger vermögende. Die Katholiken haben einen, die Juden zwei, die Soldaten, Neger und Herrnhuter jeder einen, die, die zwei ersten in der Stadt selbst befindlichen ausgenommen, alle im Umkreise derselben liegen, wodurch bei der Auferstehung kein Rangstreit vorkommen kann.

[3]: Die Bevölkerung Paramaribo's besteht aus etwa 2000 Weissen und 4500 freien Farbigen, also etwa 6000 freien Personen und die Sklaven aus etwa 9000, zusammen gegen 15,000 Menschen; durch den Abgang nach und die Ankunft von den Pflanzungen wechselt diese Bevölkerung beständig.

[4]: Dass man sich in Surinam nicht nach dem Range, sondern nach dem Vermögen einrichtet, ist sehr in die Augen fallend, und der Unterschied besonders zwischen hier und Deutschland sehr gross.

Der Bürger und Handwerker in Europa, wenn er auch grosses Vermögen besitzt, wird doch stets eine bürgerliche Haushaltung führen, die in keinem Vergleiche steht zu der eines höheren Beamten, der blos von seinem Gehalte leben kann. Hier findet unter den Reichen kein Unterschied statt. Ich kannte einen Handwerker in Paramaribo, der, als er nach Europa abreiste, zur Versteigerung seines Hausrathes ein Inventarium anfertigen liess, wo blos sein Silberzeug mehrere Blattseiten füllte.

[5]: Die Vertheilung der Pflanzungen besteht in 8 Divisionen, die nach den Flüssen, an welchen sie liegen, benannt sind. In jeder Division befindet sich ein Hauptmann, Offiziere und Unteroffiziere, die entweder Eigenthümer, Directoren oder Blankoffiziere sind und auf den Pflanzungen in ihren Divisionen wohnen. – Es sind blos zeitliche und unbesoldete Aemter, die sie verlieren, wenn sie von den Pflanzungen abgehen oder nach anderen ausserhalb ihres Distrikts liegenden versetzt werden. Der Hauptmann ist vom Gouvernement beauftragt, alle vorkommenden Fälle, als Geburten, Todesfälle, Weglaufen von Negern u. s. w. in seiner Division den betreffenden Behörden in Paramaribo mitzuteilen. Auf den Nickerie-Distrikten werden diese Beamten Landdroste genannt und beziehen, da sie in keinem particulären Dienste stehen, einen lebenslänglichen Gehalt von der Regierung.

Die Sklavenbevölkerung der Pflanzungen wird nicht viel über 40,000 betragen, während die Weissen oder Freien, welche auf den Pflanzungen wohnen, auf etwa 1000 Personen angeschlagen werden können.

[6]: Effect nennt man Alles, was zu einer Pflanzung, als: Boden, Gebäude, Sklaven, Revenüen u. s. w. gehört.

[7]: Der giftige Saft der bittern Cassavewurzel (Jatropha Maniok) hat, wenn er zu einem Syrop eingekocht ist, die Eigenschaft, das darein Gelegte, als Fleisch und Fisch, zu conserviren. Es werden desshalb die Ueberreste der Mahlzeit in einem irdenen Topfe in diesen Syrop »Cassiripo« genannt, gethan, und mit spanischem Pfeffer (Copsicum) stark gewürzt. Vor jeder Mahlzeit wird dieser Pfeffertopf auf das Feuer gesetzt und aufgewärmt. Gereinigt oder geleert wird derselbe nie und man hat Beispiele von Veteranen solcher Pfeffertöpfe, die zehn Jahre lang täglich auf die Tafel kamen und nie leer wurden.

[8]: Man nennt diese Barken Tentboote und wenn sie kleiner sind Tentcorjaalen. Die grösseren sind etwa 40 Fuss lang und 7 Fuss breit und werden durch acht Neger gerudert. Zwei Drittheile der Länge werden durch die Ruderneger eingenommen, auf dem letzten Drittheil befindet sich eine bedeckte, mit Jalousien und Fenstern versehene Kajüte, in der sich an beiden Seiten breite Bänke befinden, die mit Matrazzen bedeckt werden, auf denen man sitzt oder liegt. Die Barken sind von innen und aussen hübsch angestrichen und gefirnisst, manchmal mit Schnitzwerk und Vergoldungen verziert und kosten nicht selten bei 3000 fl. Die Ruderer derselben sind, besonders wenn sie höhere Beamte oder Eigenthümer von Pflanzungen führen, meistens in Livrée gekleidet und eine grosse holländische Flagge weht vom Hintertheil der Barke.

[9]: Die Kostäcker der Pflanzungen werden meistens blos von einem alten Neger bewacht, der am Eingang in dieselben eine Hütte von Palmblättern bewohnt. Einige Hühner sind sein ganzer Reichthum. Da nun häufig vorkommt, dass fremde Neger der benachbarten Pflanzungen des Nachts in seinen ihm zur Bewachung übergebenen Aeckern Bananen und Erdfrüchte stehlen, er selbst aber zu alt ist, um dagegen etwas zu thun, so bedient sich mancher dieser Wächter einer List, die den Dieben sehr übel bekommt. Er schnitzt aus hartem Holze 3-4 Zoll lange Stifte, die sehr spitzig in ein Brettchen eingeschlagen werden, so dass die Spitze etwa 3 Zoll hervorragt. Auf einem Brettchen befinden sich manchmal zwanzig solcher Spitzen. Diese Brettchen werden nun überall im Grase und an den Gräben versteckt, wo die Diebe vorbeigehen oder darein springen müssen. In diesem Falle durchstechen sie den Fuss, brechen ab und verursachen, besonders wenn nicht schnelle Hülfe angewendet wird, meistens den Brand. Die weggelaufenen Sklaven verstecken diese »Pennen« überall im Umkreise ihrer Schlupfwinkel, als Vertheidigungsmittel vor Ueberfällen der Buschpatrouillen.

[10]: Wie gross die Dieberei der Neger ist, will ich blos durch Folgendes zeigen. Eine Pflanzung in der Matappica-Kreek lieferte die jede Woche nöthigen Bananen für den Posten Gouverneurslust, was etwa 80 bis 100 Busche betrug und die in einer kleinen Pont durch drei Neger und einen Guiden auf jener Pflanzung abgeholt wurden. Die Lieferungszeit war zu Ende und ich wurde vom Kommandanten beauftragt, irgendwo auf einer andern Pflanzung wieder einen neuen Akkord einzugehen. Es war im Monat Mai 1838, als ich von Gouverneurslust nach der Matappica-Kreek reiste und auf der Pflanzung Constantia, woher wir unsere Bananen bisher bezogen hatten, mich nach andern Lieferanten erkundigte. Es befand sich da gerade ein Director, der in der Nähe wohnte und mir versprach, den Akkord mit dem Posten einzugehen. Er schickte auch sogleich durch seinen Voeteboy Befehl an den Bastian seiner Pflanzung, die nöthige Anzahl Bananen abhauen zu lassen, bis wir am Abende selbst kommen würden. Da ich nun den Mittag über auf Constantia blieb, so liess ich meine Pont voraus nach jener Pflanzung Bruinendaal gehen, um am Abend selbst zu Fusse mit dem Director dahin zu kommen. Bei unserer Ankunft lag die benöthigte Anzahl Bananen bereits am Landungsplatze, um, nachdem der Director sie nachgesehen hatte, in meine Pont geladen zu werden. Als ich aber in dieses mit einem Pinadache bedeckte Fahrzeug trat, fand ich bereits über hundert Busche Bananen, die, wie mir der Guide offenherzig gestand, er von den Plantagenegern eingehandelt hatte und mich um Gotteswillen bat, dem Director nichts davon zu sagen. Ich unterliess es auch, weil ich befürchtete, dass mein eingegangener Akkord dadurch zu Nichte gehen könne. Mit diesen Bananen wird dann auf den höher gelegenen Pflanzungen wieder Handel getrieben und von den Sklaven der Zuckereffecte Zucker, Likker oder Dram eingetauscht und letzteres auf dem Posten zu Geld gemacht.

[11]: Die Hauptgemeinde der Herrnhuter ist aber in Paramaribo, wo in dem grossen Bethause dieser Missionäre jeden Tag Schule gehalten und jeden Freitag gepredigt wird. Wenn es ihnen auch nicht gelingt, allen Aberglauben und heidnische Begriffe unter ihrer Gemeinde zu vertilgen, so muss man doch bekennen, dass sie eifrig bemüht sind, denselben, die aus dem grössten Theil der freien Neger und Farbigen, und einem grossen Theil der Sklaven Paramaribo's besteht, Ordnung und häusliche Tugenden beizubringen und ihre Sitten zu verbessern. Es sitzt im Neger leider zu wenig Geist und Energie, um eine Religion anzunehmen, die er nicht begreifen kann; wenn ihm dieselbe nicht dazu nützt, dass ihm seine Arbeit erleichtert wird, so wird er trotz allen Belehrungen nie einen Werth auf sie legen. Dasselbe flaue Christenthum findet man auch unter den französischen Negern, wo die katholischen Priester dieselben mit dem grössten Eifer unterrichten und keine noch so ekelhafte Krankheit scheuen, um sie zu besuchen und zu unterrichten, und welchen Dank sie haben, wird man im Laufe dieser Skizzen sehen.

Vernunft und gute Eigenschaften, wie sie der Weisse besitzt, kommen beim Neger beinahe nie vor und Charaktere, wie der gute Onkel Tom, sind Chimären. Man sehe die Neger in den nördlichen Staaten der Union, wo sie schon seit Generationen frei sind und eben den Unterricht sich verschaffen können, den der Weisse geniesst. Schwingen sie sich je über den Rang eines Bedienten?

[12]: Und es ist nicht allein Gefahr, seine Gesundheit zu verlieren und ein Opfer der Lepra zu werden, es ist der schlechte Charakter der Neger selbst, der ihm am meisten droht. Erst im October 1851 wurde der Priester des Etablissements Batavia, ein Mann, der auf diesem so abgesonderten Platze unermüdet und eifrig in ihren physischen und moralischen Leiden ihnen beistand, von einem dieser Elenden, weil er ihm, um der Trunkenheit vorzubeugen, einen Krug Dram abgenommen hatte, aus Rache vergiftet.