Dritter Abschnitt (S. 50-67).
[1]: Paramaribo wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Engländer angelegt und bestand bei der Uebernahme der Colonie durch die Holländer nur aus wenigen Häusern. Ueber den Ursprung ihres Namens ist man noch nicht im Reinen. Man meint aber, dass ihm dieser zu Ehren des Lord Porham, der unter König Karl dem Ersten von England Besitzungen hier hatte, gegeben wurde. Die Indianer nennen die Stadt Pramorbo, was in ihrer Sprache Blumenplatz bedeuten soll.
[2]: An den Ufern des Tapanahoni wohnen die Aucaner Buschneger, von denen ich später reden werde. Wenn man ihren Aussagen Vertrauen schenken darf, so kann man diesen Fluss noch vierzehn Tagereisen aufwärts fahren, worauf man ihn verlässt und über Berge und Savannen zieht, deren Boden aus spitzigen Steinen besteht, wesshalb sie sich mit aus Moos geflochtenen Schuhen versehen. Nach einem dreitägigen Marsche kommen sie an die Dörfer der Indianer, von welchen sie gegen Messer, Beile, Glasperlen u. s. w. künstlich geflochtene Hängematten und vortreffliche Jagdhunde mitbringen, welche letztere sie auf den Pflanzungen theuer verkaufen. Ich habe durch Buschneger Arbeiten von diesen Indianern bekommen, deren Geschmack und Schönheit ich bewunderte. Es waren Kronen und Schürzen von Federn, meist des Tukans, der Arras und Cassicus und eines hier ganz unbekannten gelben Papageyen. Haben die Buschneger ihre Waaren vertauscht, so helfen die Indianer ihnen das Gekaufte bis an den Tapanahoni tragen, wobei die Buschneger die Stärke dieser Indianer besonders rühmen. Sie sollen, versichern die Buschneger, wenn sie ermattet sind, sich mit einer Schneckenschale die Haut aufritzen und in das Blut ein weisses Pulver reiben, wodurch ihre Kräfte sich sogleich wieder erneuern und sie ihre Reise wieder fortsetzen können. (Etwas Aehnliches fand Schomburgk auf seinen Reisen im britischen Guyana.) Diese Indianer, welche die Buschneger Acouri und Trio nennen, stehen wieder mit den weiter aufwärts wohnenden Salmoës in Verbindung, welche letztere die Pflanzungen der Portugiesen am Amazonenstrome besuchen. Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Indianer, mit welchen die Buschneger Handel treiben, die Taruma oder Barokotos sind, die unterm Aequator und zwischen dem 57.-58. Längengrade von Greenwich wohnen. Die Länge des Weges erklärt dieses, denn obwohl die Buschneger sehr langsam reisen, wobei theilweise die Wasserfälle und Strömungen der inneren Gewässer schuld sind, so müsste doch in kürzerer Zeit in jeder anderen Richtung ein französisches oder portugiesisches Etablissement erreicht werden.
[3]: Vor mehreren Jahren, ich glaube im Jahr 1832, ehe man einen Communikationsweg nach dem Posten Armina aus der oberen Comowyne angelegt hatte, ging jeden Monat regelmässig eine Patrouille, welche die militärischen Papiere zu besorgen hatte, vom Posten Prinz Willem Frederik nach Oranje. Es waren jedesmal drei Soldaten, die auf den Sandbänken längs der Küste liefen, bis etwa halbwegs die schlammigen Ufer anfingen, die bis zu dem Posten Oranje sich ausdehnen. Man schlug, wenn man an diese Schlammbänke kam, den Weg landeinwärts ein, um eine Sandritze zu finden, die ebenfalls bis an diesen Posten sich hinzieht. Dabei schlief man eine Nacht im Walde und erreichte am andern Tage den Posten. Im Jahr 1832 nun machte ein erst vor Kurzem aus Europa gekommener Korporal die Reise mit und blieb, um ein natürliches Bedürfniss zu befriedigen, hinter seinen Begleitern zurück. Da er nicht nachfolgte, so kehrten seine Kameraden um, ihn zu suchen, fanden aber keine Spur mehr von ihm, und da sie keinen Vorrath an Wasser hatten, so konnten sie ihre Nachforschungen nicht weiter ausdehnen. – Obwohl man sogleich von Oranje Soldaten aussandte, ihn aufzusuchen, so war doch alle Mühe fruchtlos und man nahm an, dass er verirrt und dem Durste erlegen sey. Ein Jahr darauf landeten Caraiben, die aus Paramaribo nach der Marowyne zurückkehrten, bei stillem Wetter am Seestrande und liessen, während sie Krabben fingen, ihre Weiber im Boote. Plötzlich wurden die Weiber von Wegläufern überfallen, die ihnen ein junges zehnjähriges Mädchen raubten, und ehe die Männer auf das Hülfegeschrei der Weiber herbeieilen konnten, mit ihrer Beute flüchteten. Es kehrten nun sogleich alle Indianer nach Paramaribo zurück und baten den Gouverneur, eine Militär-Patrouille in diese Gegend machen zu lassen, wozu sie ihre Hülfe anboten. Es wurde nun sogleich mit den Indianern eine starke Militär-Patrouille ausgesandt, um das geraubte Kind zu finden und die Dörfer der Wegläufer zu zerstören. Man fand auch ein bedeutendes, und es glückte, mehrere Neger und Negerinnen lebend zu fangen. In einer der Hütten fand man die Uniform des vermissten Korporals, sein Gewehr und die Ueberbleibsel seiner goldenen Uhr, aus deren Gehäuse die Neger Ringe gemacht hatten. Die Gefangenen erzählten auch ohne Scheue, dass sie den unglücklichen Verirrten nahe bei ihren Dörfern gefunden, ihn geschlachtet und gegessen hätten.