3. Erntebereitung.

(Beneficio.)

Die «Erntebereitung» ist der dritte, nicht minder wichtige Teil der Arzneipflanzenkultur.

Schon das einfache Trocknen der eingesammelten Arzneidrogen ist keine so ganz einfache Sache. Das wußten schon die Alten und gaben daher Vorschriften dafür. Besonders wußte man, daß die meisten Arzneipflanzen im Schatten getrocknet werden müssen. Wie wir aus hieroglyphischen Inschriften wissen, unterschieden bereits die Ägypter 2000 v. Chr. zwischen frischen, an der Sonne und im Schatten getrockneten Arzneipflanzen.

Fig. 101.
Kaffeetrockenkästen auf Porto Rico.
[Underwood phot.]

SALADINUS VON ASCOLO bemerkt in seinem Compendium aromatariorum in der quinta particula: «Dico ulterius quod herbae sunt exiccadae ad umbram. Semina vero ad lentum Solem. De radicibus vero distingue, quia quaedam sunt at Solem exiccandae, sicut sunt radices magnae, valde crassae; quia densae substantiae, ut radix begoniae, rheupon., aristo., gentianae, mandrag., et sic de consimilibus. Sed radix ireos, petroselini, apij, foeni., garyophyl., asari, et consimilium, quae sunt rarioris substantiae, debent ad umbra exiccari, et omnia praedicta, scilicet herbae, flores, semi. et radices, nunquam sunt apponenda, nisi sint debito modo et congruo tempore exiccata alioqui putrescerent.»

Auch das Circa instans des PLATEARIUS gibt bisweilen Sammel- und Trockenvorschriften, vom Absinth sagt es z. B.: «in fine veris colligitur, in umbra exsiccatur, per annum servatur», bei Esula: «in vere colligitur per biennium in magna efficacia servatur».

Fig. 102.
Die Kaffeetrockenkästen in Nicaragua zum Trocknen des Kaffees an freier Luft.
[Aus Les grandes cultures.]

Fig. 103.
Macedonische Tabakarbeiter. Oben die aufgehängten Blätter.
[Kew Museum.]

Fig. 104.
Cacao-Trockenhaus in Surinam mit herausgezogenem Trockenwagen. Kulifrauen auf dem Wagen beim Wenden des Cacao.
[Aus Preuß, Central- und Südamerika.]

Wo es sich um kleine Mengen handelt, ist auch heute noch der an beiden Enden mit Luftzuführung versehene schattige Trockenboden im Estrich der Apotheke ein idealer Trockenraum. Wenn die Arzneipflanzen in dünner Schicht ausgebreitet und täglich gewendet werden und dauernd Zugluft darüber streicht, trocknen die Pflanzen unter dem warmen Dache bei schneller Abführung des Wasserdampfes rasch, ohne sich stark zu verfärben und ohne viel von ihren flüchtigen Bestandteilen zu verlieren. Schwieriger wird die Sache bei größeren Mengen. Hier greift man oft zu dem Aushilfsmittel, die Pflanzen oder Pflanzenteile zu bündeln und in Reihen an einem schattigen Orte aufzuhängen. So sieht man es in Cölleda mit Angelica und Alant. Dann auch beim Tabak ([Fig. 103]). Der Kaffee wird entweder auf Tennen (in Ceylon: barbacues, [Taf. XII]) oder in eigenartigen Hürden ([Fig. 101] u. [102]) getrocknet, der Cacao in Südamerika auf Tennen ([Fig. 104]). In Indien bedient man sich zur Trocknung oft der aus Rotang geflochtenen runden Bambuteller (Tampirs, [Fig. 78]). Die Chinarinde wird in Java auf Hürden ausgebreitet, die, auf Rollen laufend, während der sonnigen Tagesstunden ins Freie geschoben und bei Eintritt der Nacht oder vor Regenwetter wieder unter das schützende Dach zurückgerollt werden ([Fig. 105][107]). Ähnliche herausschiebbare Tennen benutzt man in Surinam zum Trocknen des Cacao ([Fig. 104]). Die Kulturchina Boliviens wird auf Gerüsten getrocknet.

Der Rhabarber wird in China auf Schnüre gezogen und aufgehängt, und ebenso verfährt man mit den Salepknollen in Kaltennordheim, der Angelica in Cölleda und dem Paprika in Ungarn ([Fig. 109]). Der Rhabarber wird in Szetchuan entweder in der Sonne (sun dried) oder auf erhitzten Steinen oder über Buschfeuer getrocknet (hight dried).

In Scheiben geschnitten wird Rad. colombo, Rad. bryoniae, Tub. colchici, längs halbiert (oder gevierteilt) Rhiz. enulae, Rad. cichorii, Rhiz. calami, wohl auch Levisticum, Valeriana und Angelica. Die Chinesen haben besondere Handschneidemaschinen, mit denen sie die Drogen, besonders die Wurzeln, in sehr feine Querscheiben zerschneiden. Ich sah in den chinesischen Apotheken fast alle Drogen, die diese Behandlung erlauben, in dieser Form. Beim Irisrhizom wird behufs Herstellung der Sorte «pro infantibus» das Rhizom künstlich gestreckt und gepreßt.

Fig. 105.
Die auf Rollen aus dem Schuppen herausgefahrenen älteren Trockengestelle für Chinarinde in der Regier. Kina-Onderneming in Lembang auf Java.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Man hat aber auch vielfach zu künstlichen Trockenapparaten gegriffen. Solche liefert die Maschinenindustrie in vielen Formen (z. B. die MAYFARTHsche Darre). Aber nicht alle sind richtig konstruiert. Die Teetrockner, wie sie in Ceylon und Java benutzt werden, überhitzen meines Erachtens die Droge und auch anderwärts wird die Temperatur nicht niedrig genug gehalten, um Zersetzungen zu verhindern. Nelken können z. B. nicht in Trockenöfen getrocknet werden, wie Versuche (1898) in Sansibar lehrten, da nur in der Sonne getrocknete biegsam bleiben. Hauptsache ist, daß Vorrichtungen bestehen, den gebildeten Wasserdampf rasch abzuführen. Künstliche Wärme und eigenartige Trockenapparate werden in Süd- und Mittelamerika auch beim Kaffee und Cacao angewendet.

Ich halte eine Temperatur von 35–50° als günstigste Trockentemperatur für die meisten Arzneidrogen. AGNELLI fand 35° gut für Mentha, Melisse, Ruta, 45–50° für Carduus benedict. Übereinanderschichten nicht ganz trockener Drogen ist immer schädlich.

MAUSIER empfiehlt (Pharm. Post. 1901) früh und abends bei möglichst niedriger Temperatur (12–15°) zu pflücken und unter Überleiten von trockener Luft bei 15° (nicht höher) zu trocknen. Das ist ein Vorschlag, der ganz gut gemeint, aber nicht durchführbar ist, besonders nicht dort, wo große Mengen rasch getrocknet werden müssen.

Die Farben der Blüten werden durch sehr rasches Entfernen des Wasserdampfes — rasches Trocknen bei starker Ausbreitung — am besten konserviert und lassen sich durch Trockenhalten der nicht zu dicht übereinandergeschichteten Blüten, z. B. über Kalk, lange unverändert erhalten. Denn die Bestandteile des Zellsaftes — und ganz besonders ihre Lösung — sind es, die verändernd auf die Farbstoffe einwirken.

Fig. 106.
Die großen Trockengestelle der Particulier-Kina-Onderneming Gamboeng in Java, herausgeschoben. Vorn Thea assamica.
[Schröter phot.]

Die grüne Farbe der Blätter wird ebenfalls am besten durch rasches Trocknen der gut ausgebreiteten Blätter unverändert erhalten. Doch ist die Erhaltung einer rein grünen Farbe ganz abhängig von der Acidität des Zellsaftes und dieser wieder von dem Standorte der Pflanze. Wie ich gezeigt habe (Einige praktische Ergebnisse meiner Untersuchung. über das Chlorophyll, Arch. Pharm. 1884), besitzen Wasserpflanzen und Pflanzen feuchter Standorte einen neutralen oder nur sehr schwach sauren Zellsaft. Da nun die Verfärbung des Chlorophylls, d. h. die Umbildung des rein grünen Chlorophylls in die braungrüne Phyllocyaninsäure, durch Säuren, auch die schwächsten, bewirkt wird, also um so rascher vor sich gehen muß, je saurer der Zellsaft ist (TSCHIRCH, Untersuchung. über das Chlorophyll, Berlin 1884), so werden sich die Blätter von Pflanzen feuchter Standorte (z. B. Menyanthes) beim Trocknen weniger verfärben als solche trockener Standorte, und von diesen wieder die mit stark saurem Zellsaft (z. B. Rumex) stärker als die mit schwächer saurem (z. B. Digitalis). Der saure Zellsaft wirkt in der lebenden Zelle auf die in Plasma eingebetteten und selbst mit einer Plasmahaut umgebenen Chlorophyllkörner nicht ein — das lebende Plasma reagiert alkalisch —; erst nach dem Absterben der Zelle wird die Plasmahaut permeabel. Also kann eine Veränderung erst beim Trocknen der abgelösten, abgestorbenen Blätter eintreten. Andererseits wirken die Pflanzensäuren des Zellsaftes nur in gelöstem Zustande auf das Chlorophyll. Daraus ergibt sich, daß es notwendig ist, so rasch wie möglich das Lösungsmittel zur Verdunstung zu bringen, d. h. rasch zu trocknen, wenn man die Blätter grün erhalten will.

Nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Drogen wird in frischem Zustande verwendet. Die meisten dieser frischen Drogen werden aber auch nicht als solche gebraucht, sondern zur Bereitung der Succi recentes und anderer pharmazeutischer Präparate (Extrakte, Sirupe, Tinkturen usw.) benutzt, wie z. B. Herb. cochleariae officinalis, Herb. Nasturtii officinal., Rad. armoraciae, die für Sirup. cochleariae cps. gebraucht werden, und auch Rhizoma Filicis, das nur im frischen Zustande verarbeitet ein ganz wirksames Extrakt liefert. Von den Drogen wird eigentlich nur noch die Scilla in den Apotheken frisch vorrätig gehalten. Einige Drogen sind in frischem Zustande sehr viel wirksamer als im trockenen, z. B. Cort. rad. Granati, Rhiz. Filicis.

Die getrocknete Pulpa der Früchte von Aegle Marmelos ist wirkungslos. Die Pulpa der frischen Frucht ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen Dysenterie. Ein singhalesischer Arzt hat mich durch dies Mittel, als ich im Hochlande von Ceylon an einer schweren Dysenterie erkrankt war, vom Tode errettet.

Die meisten Drogen werden getrocknet, ja das «Getrocknetsein» ist eigentlich unzertrennlich vom Begriff «Droge» ([S. 15]).

Die Ausbeuten beim Trocknen sind verschieden. Ich teile im folgenden eine Liste mit, aus der ersichtlich ist, wieviel Trockensubstanz einige Arzneipflanzen liefern, wenn sie nach dem Trocknen an der Luft (oder im Trockenschrank) lufttrocken gewogen werden.

Tabelle
über die ungefähre Ausbeute von 100 Gewichtsteilen einiger frisch gesammelter, meist einheimischer Drogen an Trockensubstanz.

Boletus cervin. 25
Bulbus Scillae 18
Cort. Mezerei 50
— Quercus 40
Flos Acaciae 25
— Arnicae 20
— Carthami 20
— Chamomillae roman. 25
— — vulg. 26
— Lamii alb. 20
— Lavandulae 39
— Malvae arbor. 20
— — vulg. 26
— Roeados 18
— Rosae 24
— Sambuci 25
— Tiliae 31
— Verbasci 19
Fol. Althaeae 15
— Belladonnae 18
— Digitalis 20
— Farfarae 19
— Juglandis 30
— Malvae 20
— Melissae 22
Fruct. Myrtilli 16
Gemma Populi 36
Herb. Absinth. 25
— Card. bened. 25
— Centauri 26
— Cochlear. 8
— Conii 25
— Hyoscyami 20
— Meliloti 28
— Serpylli 36
— Thymi 33
— Violae tricolor 24
Rad. Althaeae 25
— Angelicae 20
— Belladonnae 38
— Helenii 25
— Levistici 38
— Liquiritiae 33
— Ononidis 36
— Saponariae 32
— Taraxaci 22
Rhiz. Calami 25
— Filicis 32
— Graminis 40
— Imperatoriae 22
— Tormentillae 42
— Valerianae 24
Stipit. Dulcamarae 33
Tubera Colchici 34

Schon das Trocknen verändert aber das Objekt. Schon bei dieser Operation gehen, selbst wenn sie noch so vorsichtig vorgenommen wird, an den Bestandteilen Umsetzungen vor sich (vgl. z. B. SCHOONBRODT, Jahresber. d. Pharm. 1869, S. 20). Wir können dies bei einigen Drogen direkt durch den Geruch feststellen. Frisches Irisrhizom riecht krautig, der Veilchengeruch tritt erst beim Trocknen hervor. Frische Aconitknollen riechen nach Rettig, frische Digitalis- und Hyoscyamusblätter widerlich. Der Wanzengeruch frischen Corianders weicht einem angenehmen Geruche beim Trocknen, frische Menthablätter, frische Rosenblätter, frische Vanillefrüchte, frische Orchisknollen, frisches Veratrumrhizom riechen anders als trockene. Dasselbe finden wir bei Rhiz. arnicae und Rhiz. valerianae. Viele werden durch Trocknen geruchlos.

Fig. 107.
Die neue Trockenvorrichtung für Chinarinde auf der Regierungschinaplantage in Tjibitong (Java). Die Trockenkästen laufen auf Rollen und können unter das Schutzdach geschoben werden.
[Aus Verslag des Gouvernements Kina-Onderneming Java.]

Fig. 108.
Paprika bauende Bulgaren bei Szeged in Gyála (Ungarn).
[Aus der Zeitschr. A Kor, Szabó phot.]

Nur aus frischer Enzianwurzel kann man Enzianschnaps bereiten, nicht aus trockener. Daß die frischen Arzneipflanzen oft Substanzen enthalten, die beim Trocknen ganz oder fast ganz verloren gehen, zeigte auch neuerdings die Untersuchung frischer Baldrianrhizome durch POUCHET ET CHEVALIER (Bull. sc. pharmacol. 1907), die in der frischen Pflanze ein Alkaloid und ein Glykosid fanden, die beide nicht oder nur in Spuren in den Drogenauszügen nachzuweisen waren.

Viele pharmazeutische Präparate (Spir. cochlear, Sir. cochlear cps., Sir. mori, Sir. rhamn. cathart., Ph. helv. IV) werden nur aus der frischen Pflanze dargestellt (s. oben). Aus trockener bereitet, sind sie wirkungslos. Andererseits wissen die Destillateure, daß man bei einigen Kräutern (Mentha) bessere Ausbeuten erhält, wenn man das getrocknete Kraut benutzt, bei anderen (Rosa) aber frische Pflanzenteile destillieren muß.

Bei einigen Drogen zeigt schon der Farbenwechsel, die Verfärbung, daß das Trocknen allein schon verändernd wirkt. Ich habe (s. [oben]) gezeigt, daß sich alle die grünen Pflanzenteile, die einen sauren Zellsaft besitzen, rasch olivengrün bis braungrün färben. Bei den weißen oder rosafarbenen Kolanüssen tritt beim Trocknen Rotfärbung ein, die helle Chinarinde wird schon nach wenigen Sekunden rot. Bei diesen beiden tritt zweifellos ein Ferment in Aktion und bedingt die Rotfärbung. Durch fermentative Spaltung eines Glukosides wird hier Chinarot, dort Kolarot gebildet. Denn wie mich Versuche gelehrt haben, unterbleibt die Rotbildung, wenn man das Ferment abtötet, bevor die Kola getrocknet oder die Chinarinde abgelöst wird. Etwas ähnliches findet offenbar bei dem Tormentillrhizom, der Weiden- und Eichenrinde, den Nelken, der Ratanhiawurzel statt, die alle sich beim Trocknen in Rot verfärben.

Fig. 109.
Das Trocknen der Paprika-Früchte bei den ungarischen Bauern in Szeged.
[Aus d. Zeitschr. A Kor, Schwalm gez.]

Der Standard-Versuch ist von mir 1905 publiziert worden (Schweiz. Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1905, Nr. 10). Ich berichtete daselbst folgendes:

«Bei der Chinarinde hatte ich in Java 1889 beobachtet, daß die Rinde unmittelbar nach dem Ablösen farblos ist, sich aber schon nach fünfzehn Sekunden rötet. Ich habe nun durch Versuche festzustellen gesucht, ob die nach dem Ablösen eintretende Rötung unterbleibt, wenn man vor dem Ablösen der Rinde den Zweig bis zu einer Temperatur erwärmt, bei der Fermente abgetötet werden.

Die Versuche sind nach meinem Plane in der Gouvernements Kina Onderneming in Mitteljava und zwar in der Plantage Tirtasari (Bandoeng) zuerst von Herrn Dr. VAN LEERSUM, dann von Herrn J. VICTOR SIBINGA ausgeführt worden.

I. Versuchsreihe. Die Zweige wurden abgeschnitten und sofort in ein Becherglas mit Wasser von 80° gebracht. Sie blieben darin 1½ Stunden. Wurde nun die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie farblos und blieb farblos auch bei nachherigem Trocknen (selbst in der Sonne). Der Versuch mit halbstündigem oder einstündigem Eintauchen in Wasser von 80° lieferte das gleiche Resultat.

II. Versuchsreihe. Die Zweige wurden abgeschnitten, sofort in einen Dampfsterilisationsapparat gebracht und während 1½ Stunden dem Dampfe von ca. 80° ausgesetzt, ohne mit dem Wasser selbst in Berührung zu kommen. Wurde alsdann die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie farblos und blieb farblos, auch nach nachherigem Trocknen (selbst in der Sonne). Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig ½ oder eine Stunde im Dampf verweilte.

III. Versuchsreihe. Ein dünner Zweig wurde, ohne von der lebenden Pflanze abgetrennt zu werden, in eine Schale mit Wasser von 80° eingebogen und darin ½ Stunde gelassen. Die vom Holzkörper abgelöste Rinde war farblos und blieb farblos, auch nach dem Trocknen. Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig fünfzehn Minuten im Wasser verweilte.

Die gleichzeitig ohne vorherige Behandlung mit Wasser von 80° oder Dampf vom gleichen Zweige abgelöste Kontrollrinde färbte sich stets rot.

IV. Versuchsreihe. Abgeschnittene Zweigstücke wurden im Luft-Trockenschrank bei 80° ½, 1, 1½, 2 und 3 Stunden gehalten. Stets trat nach Ablösen der Rinde Rötung ein. Doch nahm die Rötung parallel der Dauer des Versuches ab. Diese Rötung trat sogar noch ein, wenn der abgeschnittene Zweig im Luft-Trockenschranke ½ Stunde auf 100° erhitzt wurde.

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß in der Tat ein Enzym die Rötung der Chinarinde bedingt und zwar ein Enzym, das durch Wasser von einer Temperatur von 80° schon nach einer 15 bis 30 Minuten dauernden Einwirkung zerstört wird, resp. nach dieser Zeit nicht mehr wirksam ist, das aber trockener Wärme länger widersteht.

Wahrscheinlich handelt es sich in der Chinarinde um ein Glukotannoid, das nach dem Ablösen der Rinde durch das Enzym gespalten und dessen einer Spaltling entweder das Chinarot selbst ist, oder der zu Chinarot umgebildet wird.

Jedenfalls sind wir aber schon jetzt berechtigt vorauszusagen, daß es sich bei der Bildung der anderen, ‚Rote‘ ebenso verhalten wird wie bei Cola und China

Den pflanzlichen Enzymen, die von SCHÖNBEIN entdeckt und in neuerer Zeit besonders von BACH, CHODAT, SCHÄR und BOURQUELOT zum Teil gerade mit Rücksicht auf Arzneipflanzen studiert wurden, kommt offenbar eine große Bedeutung nicht nur im Leben der pflanzlichen Zelle, bei der Stoffbildung und dem Stoffumsatz, sondern auch bei den postmortalen Veränderungen innerhalb der Arzneidrogen zu. Wir wissen freilich noch wenig über die chemische Natur dieser Substanzen. Wir kennen nur einige ihrer Eigenschaften. Ich habe gezeigt, daß sie alle die Pyrrol- und die Furfurol-Reaktion geben, also wohl Übergangsglieder zwischen den Eiweißsubstanzen und den Hemicellulosen darstellen.

Tafel XI

Der gestapelte Tabak in der Fermentierscheune in Sumatra.
[Nach Haarsma, Der Tabaksbau in Deli.]


GRÖSSERES BILD

Fig. 110.
Das Innere einer Fermentierscheune für Tabak in Sumatra mit den Pressen.
[Phot. im Kew Museum.]

Fig. 111.
Brechen des Cacao auf Samoa.
[Aus Deutsch. Kolonialzeit.]

Tafel XII

Coffee Pulping Mill inmitten einer Kaffeeplantage im Hochlande von Ceylon.
Links Trocknen der Samen auf Matten, vorn rechts die Haufen der Fruchtschalen.


GRÖSSERES BILD

Eine ganze Anzahl von Drogen werden nach dem Einsammeln noch einer besonderen Behandlung unterworfen, die direkt auf eine chemische Veränderung der Drogen hinzielt. Die wichtigste dieser Prozeduren ist das sog. Fermentieren. In vielen Fällen handelt es sich hierbei wohl um einen Gärungsprozeß, wie schon die Erwärmung zeigt, die dabei regelmäßig beobachtet wird. Bisweilen lassen sich, wie bei dem Cacao, sogar noch die Gärungspilze, die Saccharomyceten, in dem anhaftenden Fruchtfleisch der Droge nachweisen, von denen es freilich zweifelhaft ist, ob sie die Erreger oder nur Begleiter der eigentlichen Fermentierung sind (s. [unten S. 118]). In anderen Fällen scheint aber keine eigentliche Gärung, sondern eine andere Fermentwirkung hierbei in Frage zu kommen. Die durch Übereinanderschichten der Droge erzielte Temperatur steigert dann nur die Wirkung des in den Zellen der Droge selbst enthaltenen Fermentes. So haben wir uns nach meinem Dafürhalten z. B. die Fermentierung des schwarzen Tees in der Weise verlaufend zu denken, daß das Kaffeinglukosid durch das Ferment, welches in den Teeblättern nachgewiesen ist, gespalten und Kaffein und Teerot, dem der schwarze Tee seine Farbe verdankt, gebildet wird. Diese Auffassung erhält dadurch ihre Stütze, daß die Teerotbildung nach Abtöten des Fermentes unmittelbar nach der Pflückung, wie es beim grünen Tee stattfindet, auch bei nachträglichem «Fermentieren» in der Tat unterbleibt. Auch bei der ersten Operation, der die Yerbablätter unterworfen werden, bei der sie über nicht rauchendem Feuer erhitzt werden — der sog. Sapecaje — scheint ein Ferment abgetötet zu werden. Denn so behandelte Blätter verfärben sich nachher nicht mehr, während dies unbehandelte tun.

Fig. 112.
Gärungshaus für Cacao in Trinidad. Der Raum enthält 16 mit Holz verkleidete Gärkasten (sweatbox) von 1,5 m Höhe, 2 m Länge und 1,5 m Breite. Als Wärmeisolator dient eine 20 cm dicke Gras-Lehmschicht.
[Preuß phot.]

Eine Fermentwirkung scheint auch bei der Vanillebereitung vorzuliegen, wenn die Früchte in Tücher geschlagen «gären» gelassen werden. Auch hier wird ein Glukosid gespalten. Beim Tabak dürfen wir etwas ähnliches annehmen. Ja, bei dem ubiquistischen Vorkommen der Fermente darf angenommen werden, daß die Mehrzahl der Pflanzen, wenn man sie übereinandergeschichtet einige Zeit sich selbst überläßt, bei der hierbei eintretenden Erwärmung eine fermentative «Gärung» erleiden wird.

Daß bei der Fermentierung des Tabaks ([Fig. 110] und [Taf. XI]) Mikroorganismen beteiligt sind, hat J. BEHRENS wahrscheinlich gemacht. Sollten es nicht, falls Bakterien wirklich beteiligt sind, durch diese erzeugte Fermente sein, wie ich dies auch bei der Gummibildung annehme?

WAGHEL (Chem. Zeit. 1903) vertritt die Ansicht, daß auch das Teearoma durch eine besondere Hefeart bei der Fermentierung erzeugt werde. Bei der Fermentierung des Ceylon-Cacao ist eine Hefe, die AXEL PREGNER (Tropenpfl. 1901) Saccharomyces Theobromae nannte, beteiligt.

Das Fermentieren des Cacao erfolgt, nachdem die Früchte «gebrochen» sind. Das «Brechen» geschieht entweder in der Weise, daß man die Früchte auf einen Stein legt und mit einem Knüttel oder flachem Holzstück darauf schlägt oder dadurch, daß man sie durch den Schlag mit einem stumpfen Messer (cutlas, machete, Arit, Gaman) öffnet ([Fig. 99] u. [111]). Die von den als Düngemittel brauchbaren Fruchtschalen getrennten Samen werden so rasch wie möglich in die Fermentierscheunen ([Fig. 112][115]) gebracht, denn gebrochener Cacao darf niemals über Nacht draußen bleiben. Hier werden sie in große viereckige, am besten aus Cedernholz (oder Zementsteinen) hergestellte Kästen gebracht, deren etwas geneigter Boden durchlöchert ist und die mit einer Isolierschicht versehen sind. Die Schicht der Samen soll nicht mehr als 80 cm betragen. Sie wird mit Bananenblättern bedeckt und mit Brettern beschwert. Die Gärungszeit ist verschieden bei den Sorten und beträgt 1½–10 Tage. Ein Zeichen, daß sie normal verläuft, ist das regelmäßige Abfließen des dem Fruchtmus (der Pulpa) entstammenden «Cacaoessigs» aus den Löchern am Boden. Alle 24 oder 36 Stunden wird «umgeschaufelt», d. h. der Cacao in einen anderen Fermentierungskasten hinübergebracht ([Fig. 114]). Die Temperatur darf nie so hoch steigen, daß sie der in der Mitte des Haufens hineingesteckten Hand lästig wird. Man kontrolliert den Fortgang der Fermentierung durch Aufbrechen einiger Bohnen und sieht, ob die Nibs (d. h. die Cotyledonen) schon die richtige Farbe haben. Durch das Fermentieren ändert sich nämlich die Farbe in hellbraun oder violett, gleichzeitig wird die Bitterkeit herabgemindert und die Keimkraft der Samen geht verloren.

Fig. 113.
Vorrichtung zum Herausnehmen des Cacao aus dem Gärungshaus in Trinidad.
[Preuß phot.]

Die aus den Fermentierkästen herausgenommenen fertig gegorenen Samen gelangen dann in die Trockenhäuser ([Fig. 116]), werden hier durch Kneten mit den Füßen, «Tanzen», voneinander isoliert — sie kleben, da sehr schleimig, leicht zu Ballen aneinander und man wäscht sie daher bisweilen vorher — und werden dann an der Luft oder mit künstlicher Wärme getrocknet.

Läßt man die gepflückten Früchte auf Haufen liegen, so geraten sie auch in Gärung. Diese Gärung vermeiden aber die Pflanzer. Die Frucht wird möglichst bald verarbeitet.

Das Fermentieren in Fässern, Säcken oder Erdgruben führt zu schlechteren Produkten und kommt immer mehr außer Gebrauch (L. KINDT, 1904).

Bei dem Prozesse scheinen zwei Vorgänge sich abzuspielen. Eine durch Saccharomyceten, die man auch auf der Droge noch leicht nachweisen kann, bewirkte Alkohol- und dann Essiggärung (s. [oben]) in dem den Samen außen anhaftenden Fruchtmuse und eine im Innern der Zellen der Cotyledonen des geschlossenen Samens sich abspielende «Fermentierung», bei der wohl Enzyme (hydrolytische und Oxydasen) in Frage kommen. Ob diese letztere, eigentliche Fermentierung, auf die es ankommt, von der erstgenannten bedingt oder beeinflußt wird, läßt sich nicht sagen.

Fig. 114.
Das Innere eines Cacao-Fermentierraumes auf Trinidat. Die Fermentierkästen und das Umschaufeln.
[Aus Les grandes cultures.]

Das Fermentieren des Tees erfolgt in Java und Ceylon, wo ich es selbst studieren konnte, nachdem das Blatt an der Luft auf Bambu-Tampirs ([Fig. 78]) oder aufgespannter Sackleinewand «gewelkt» und in Maschinen «gerollt» wurde in der Weise, daß man die gerollten, nunmehr graugrünen Blätter zu Haufen übereinanderschichtet oder in Fermentierungskästen — flachen, übereinanderstehenden Kästen mit niedrigem Rand (mal.: ajakan pejeum) — solange liegen läßt, bis die Masse eine rotbraune, sog. «Kupferfarbe» angenommen hat. Dieser Zeitpunkt ist entweder schon nach 20 Minuten oder erst nach 3–3½ Stunden erreicht. Es hängt dies von der Lufttemperatur ab. In den höheren Lagen fermentiert der Tee sehr viel langsamer, in den niederen kühlt man die Teeschichten durch darüber gelegte nasse Tücher. Der Fortgang des Prozesses, auf dessen richtigen Verlauf alles ankommt, wird von einem Aufseher fortdauernd kontrolliert ([Fig. 117]). Die Temperatur steigt meist nur einige Grade. Nach dem Fermentieren kommt der Tee in die Trockenmaschinen. Tee muß an einem Tage fertig gemacht werden.

Der grüne Tee wird nach schwachem Welken sofort in flachen eisernen Pfannen (Sangrajan), die zu mehreren in gemauerten Behältern sitzen und durch Holzkohlen erhitzt werden, unter allmählicher Steigerung der Temperatur «gebraten», dann nach dem Abkühlen gerollt und zu Klumpen geballt fermentiert. Er verändert beim Fermentieren seine graugrüne Farbe nicht. Nach dem Fermentieren wird er mit der Hand fertig gerollt — meist zu Kügelchen — und getrocknet.

In China und Japan werden die in Bambukörben befindlichen Blätter in eigenartigen Ziegelöfen über dem Feuer unter Umrühren eine halbe Stunde «gewelkt», dann auf viereckigen Brettern oder Bambuhürden mit erhobenem Rande mit der Hand oder den Füßen «gerollt» — wobei der sog. «Teesaft» austritt und vom Tische abfließt. Falls das Rollen nicht genügend durchführbar war, wird nochmals in flachen Schalen über dem Feuer erwärmt und schließlich auf flachen Bambutellern fermentiert. Die Fermentation dauert höchstens eine Stunde. Die Blätterschicht darf nur 2–3 cm betragen. Man bedeckt sie während der Fermentation mit baumwollenen Decken. Unmittelbar nach dem Fermentieren wird der Tee in flachen Schalen oder in auf gußeiserner Platte ruhenden Bambukörben ohne Böden unter Umrühren «geröstet», d. h. vorsichtig unter Umrühren über rauchfreiem Feuer getrocknet ([Fig. 118][120]).

Fig. 115.
Cacao-Fermentierhaus, Seitenwand fortgenommen. a Hölzerner, unterer, fester Boden aus Cedernholz. b Pfeiler aus hartem Holz. c auf a aufliegende Cedernholz-Querbalken. d Oberer durchlöcherter, wegnehmbarer Boden aus Cedernholz. f Innenwand aus Cedernholz. g und h in Boden und Decke eingelassene Pfähle aus Hartholz. i äußere Wand. k mit schlechtem Wärmeleiter ausgefüllte Isolierschicht. t Doppeltür. m gemauerte Steinlage. n Rinne zum Auffangen des «Essig».
[Aus Kindt, Kultur des Cacaobaumes.]

Beim Kaffee wird der im Pulper der Pulping-Mill ([Taf. XII]) enthülste, d. h. von der äußeren weichen Fruchtschale befreite Samen in Zisternen ([Fig. 121] u. [122]) 2–3 Tage lang «fermentiert» — eigentlich faulen gelassen — besonders zur Zerstörung des schleimigen Mesocarps, dessen Reste dann in der Washing-Cistern vollends entfernt werden. Von der «Pergamenthülle» (dem Endocarp) befreit man die Samen dann im «Peeler».

Bei der Vanille unterscheidet man das mexikanische oder trockene Verfahren und das Heißwasser-Verfahren. Das trockene Verfahren sei zuerst beschrieben, das die Spanier bereits vorfanden, als sie die Küstendistrikte von Veracruz betraten, wo die Vanillebereitung auch heute noch (besonders bei Papantla und Misantla) ihr Zentrum hat.

Die Erntebereitung (el beneficio) der Vanille erfordert große Geduld, Sorgfalt, Genauigkeit, Umsicht und Erfahrung. Der Vainillero braucht in Mexico zum Benefizieren: Plattformen, Matten, dunkele wollene Decken, Kästen zum Schwitzen (event. einen Ofen), gut ventilierbare, große trockene Zimmer mit Regalen an den Wänden, Thermometer und Blechkästen (PREUSS). Zunächst werden die 24 Stunden an der Luft getrockneten gelbgrünen, nicht ganz reifen Früchte auf wollene, auf der Plattform ausgebreitete Decken in einfacher Schicht nebeneinander gelegt und mehrere Stunden der Sonne ausgesetzt, dann in den vorgewärmten, mit Decken ausgeschlagenen Schwitzkasten gebracht, wo die Schoten durch das Schwitzen («sudor») in c. 20 Stunden braun werden. Der Prozeß wird mehrfach wiederholt und ist in 3–14 Tagen beendet. Dann wird die Vanille auf Regalen getrocknet. Bei schlechtem Wetter benutzt man Schwitzöfen (poscoyon), ähnlich den Öfen zum Brotbacken. In diese Öfen wird die Vanille in Paketen (maleta) zu 400–600 Früchten gebracht, die mit wollenen Decken umhüllt sind. Man steigert die Temperatur bis über 100°, bisweilen (bei vielen — über 30 — maletas) bis auf 125°. Die Früchte bleiben 16–22 Stunden im Ofen. Dann werden sie noch 20–30 Tage der Luft ausgesetzt.

Fig. 116.
Mit Schornsteinen und verschiebbarem Dach versehenes Cacaotrockenhaus auf Trinidad, das mit dem Gärungshaus (links) durch Schienen verbunden ist.
[Nach Preuß.]

Fig. 117.
Das Fermentieren des Tees in Ceylon. Der Arbeiter kontrolliert den Fortgang der Fermentation.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Fig. 118.
Teebereitung in China über freiem Feuer.
[Kew Museum.]

Fig. 119.
Teefabrikation in Japan. Rollen, Trocknen, die Teebecken über der Feuerung, die Teekisten.
[Aus Les grandes cultures.]

Das trockene mexikanische Verfahren ist auch nach Réunion gebracht worden, hat dort aber einige Abänderungen erfahren. Man verwendet in Réunion in den Öfen bedeutend niedrigere Temperaturen (70–80°), erhitzt aber längere Zeit (24–36 Stunden) und besonnt die Früchte nach der Ofenbehandlung oder bringt sie in einen besonderen Schwitzofen (étuve). Aus diesem gelangt sie in den sechoir.

Auch auf Java wird das trockene Verfahren geübt, doch benutzt man dort nur Sonnenwärme. Auf Tahiti wird die Vanille nach dem trockenen Verfahren, aber ohne Anwendung künstlicher Wärme bereitet.

Das Heißwasser-Verfahren stammt aus Südamerika und wurde früher viel in Réunion geübt. Es besteht darin, daß man zunächst die in Rotang-Körben befindlichen Früchte einmal in Wasser von 85–90° kurze Zeit (15–20 Sekunden) eintaucht oder das Eintauchen mehrmals wiederholt, aber kürzere Zeit (3–4 Sekunden) dauern läßt. Dann läßt man schwitzen und setzt endlich die Früchte, in Wolldecken eingeschlagen, der Sonne aus oder bringt sie in Schwitzkästen usw. Auch dem Dampf sind die Früchte ausgesetzt worden, doch ist man bald davon abgekommen.

In Java wird die Vanille bisweilen erst in siedendes Wasser getaucht, dann abgetrocknet, auf Matten gelegt und mit einer wollenen Decke bedeckt der Sonne ausgesetzt, dann noch warm in wollene Decken gewickelt. Dies wird täglich wiederholt.

Bei dem Verfahren in Guiana werden die Schoten in Asche gelegt, bis sie anfangen runzelig zu werden, worauf man sie abwischt, mit Olivenöl bestreicht, am unteren Ende aufhängt und an der Luft trocknet.

In Peru taucht man die Schoten in siedendes Wasser und hängt sie dann 20 Tage lang an der Luft auf.

Fig. 120.
Fermentieren des Tees in China.

Eine besondere Behandlung erfahren die breiten brasilianischen Vanillen. Nachdem sie in Baumwolle fermentiert worden sind, werden sie in der Mitte aufgespalten. Dann wird Zucker eingestreut, der ausfließende Saft abtropfen gelassen und die Früchte darauf schnell getrocknet.

Das Ölen der Vanille scheint nur in Südamerika (Columbia, Venezuela, Guiana, Peru, Brasilien) noch üblich zu sein; weder in Mexico noch auf Réunion wird es geübt.

Von der Pflanze genommene unreife Früchte der Vanille enthalten kein Vanillin, dasselbe entsteht erst im Fermentierungsprozesse, nach LECOMTE durch eine Oxydase und ein hydrolytisches Ferment. Es würde also erst Spaltung und dann Oxydation erfolgen, wie bei der Entstehung des Vanillins aus Coniferin.

Es ist übrigens noch zweifelhaft, ob die Bildung des Vanillins in der Vanille während des Bearbeitungsprozesses mit «Fermentation», d. h. der Wirkung eines Fermentes, sei dasselbe nun organisiert oder nicht, etwas zu tun hat. Es könnte sich auch um eine beim Absterben der Zellen eintretende Spaltung handeln, bei der Fermente gar nicht beteiligt sind — also um ähnliche Vorgänge, wie sie sich bei der Cumarinbildung in Ageratum mexicanum nach MOLISCH und ZEISEL beim Absterben abspielen und wie sie auch bei Liatris eintreten. Manches spricht sogar eher für letzteres, da die Temperaturen bei der Vanillebereitung oft über die Temperatur steigen, bei der Fermente noch aktiv bleiben, bisweilen sogar 90–125° erreichen, aber ausgeschlossen ist es keineswegs, daß trotzdem Fermente hier wirksam sind.

Fig. 121.
Grundriß einer Kaffeebereitungsanstalt.
[Nach Semler, Tropische Agrikultur Bd. I, S. 319.]

Fermentierungsprozesse sind es auch, die bei der ehedem so wichtigen Waidbereitung und der noch jetzt in beschränktem Maße geübten Krappfabrikation in Betracht kommen (s. [Pharmakochemie]).

Bei der Entstehung des Indigotins aus Indikan gelegentlich der Indigofermentierung scheinen Mikroorganismen im Spiele zu sein (SCHULTE AM HOFE). MOLISCH und VAN LOOKEREN-Campagne (1899) schreiben jedoch den Bakterien bei der Indigofabrikation keine entscheidende Rolle zu, obwohl Bakterien aus Indikan Indigo zu bilden vermögen. Nach MOLISCH handelt es sich um einen rein chemischen Vorgang. ROWSON spricht (1899) von einer diastatischen Gärung.

Eine eigenartige «Gärung» machen auch die in Indien stets nur halbtrocken in Ballen verpackten Patchoulyblätter während der Reise nach Europa im Schiffsraum durch und diese «Gärung» scheint, um ein erstklassiges Produkt zu erhalten, geradezu notwendig zu sein.

Die Temperatur, die bei den Fermentationen innegehalten wird — jede Fermentierung ist ja mit einer Temperaturerhöhung verbunden — ist natürlich bei den einzelnen Objekten verschieden. Beim Cacao hält man im allgemeinen die Temperatur unter 45° für die beste. Auch die Zeitdauer variiert sehr, selbst bei ein und demselben Objekt (s. [oben]).

Fig. 122.
Kaffeebenefiz in Südamerika. Fermentierbassins. [Aus Preuß, Zentral- und Südamerika.

Fig. 123.
Teefabrik (Mill) in Ceylon mitten in einer Teeplantage.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Bisweilen, z. B. beim Kaffee, hat aber das «Fermentieren» einen ganz anderen Zweck. Es werden nämlich die Früchte, nachdem sie den Pulper verlassen haben, in Zisternen der Gärung überlassen (s. [oben]). Diese sog. Gärung bewirkt aber nur ein Abfaulen der anhängenden Fruchtschalreste und scheint auf die Samen selbst ohne Einfluß zu sein. Daß es sich bei der Fermentierung des Kaffees nur um einen «äußerlichen» Prozeß handelt, den die Bestandteile der Bohnen nicht tangiert, geht schon daraus hervor, daß der nicht nach dem nassen oder westindischen, sondern nach dem trockenen, sog. gewöhnlichen Verfahren bereitete Kaffee, bei dem die getrockneten Früchte direkt geschält, d. h. von der Fruchtschale befreit werden, sich nicht von dem anderen unterscheidet.

Das, was die Fermentierung beim Tee, Cacao und der Vanille bewirkt, d. h. Spaltung der Primärkörper, wird beim Kaffee durch das Rösten, bei der Kola durch den Speichel gelegentlich des Kauens bewirkt.

Die Coca, sowohl die bolivianische (Hatun Yemka) als die peruvianische (Ypara) wird in den Kulturen bisweilen einem merkwürdigen Prozesse unterworfen. Man läßt die gewelkten Blätter beregnen, bringt sie in Haufen und durchknetet diese mit den Füßen. Ob bei der Bereitung dieser dunklen Coca pisada eine Fermentierung stattfindet, kann ich nicht sagen. Die Farbenänderung deutet auf etwas ähnliches.

Mehrfach ist schon die Frage aufgeworfen worden, als was eigentlich die «Fermentation» zu betrachten ist. Wie schon aus Vorstehendem hervorgeht, werden mit diesem Namen sehr verschiedene Prozesse verstanden, denen aber allen offenbar das gemeinsam ist, daß sie von Enzymen bedingt oder eingeleitet werden, seien es nun solche, die in der Pflanze vorhanden sind oder solche, die durch Mikroorganismen (Bakterien, Hefe) erzeugt werden. Faßt man den Begriff Fermentation so weit, so fällt auch die oben erwähnte des Kaffee noch darunter. Unter «Fermentation im engeren Sinne» wären dann die Prozesse zu verstehen, bei denen eine mehr oder weniger tiefgreifende Veränderung in den Zellen der Droge durch ein in diesen vorgebildetes Enzym an ebenfalls vorgebildeten Primärkörpern (meist wohl Glykosiden) vor sich geht. Diese Veränderung kann und wird sehr mannigfaltig sein, je nach der Natur des Enzyms (ob eine Oxydase, ein hydrolytisches Ferment oder ein anderes Enzym vorliegt) und je nach der Natur der Bestandteile des der Fermentation unterworfenen Pflanzenteils.

Fig. 124.
Links das Messer zum Schneiden der Zimtzweige (Cinnamon cutter, Catty), rechts die Messer zum Abschaben des Korkes (Scraper). Ceylon.
[Tschirch phot.]

Fig. 125.
Scratching the poppy-head (Anschneiden der Mohnfrüchte) in Vorderindien.
[Hooper phot.]

Fig. 126.
Opiumgewinnung in Persien (Ispahan und Jesd).
Der erforderliche Dünger für die Mohnfelder wird teils aus Abfällen, teils in «Taubentürmen» gewonnen (auf dem Bilde links), die entweder vom einzelnen Landeigentümer für den eignen Bedarf oder auf Gemeindekosten behufs gleichmäßiger Verteilung der Düngermassen an die Gemeindeglieder erbaut sind.
[Aus Meyers histor.-geogr. Kalender.]

Fig. 127.
Behandlung des Opiums vor der Ballenformung in Bengalen (Knetung).

Fig. 128.
Herstellen der Ballen oder Kugeln (balls oder cakes) in Bengalen.

Fig. 129.
Trockenraum der Kugeln in Bengalen.

Fig. 130.
Ballenmagazin in Bengalen.
[Aus Wiselius, De Opium, 1886.]

In vielen Fällen dürfte es sich um komplizierte Prozesse handeln, namentlich um hydrolytische Spaltungen und Oxydationen. Aber auch Synthesen und Abbau, Entstehung neuer und Vernichtung vorhandener Körper sind möglich. Sehr oft scheinen die Tannoide eine Rolle zu spielen, wie ja auch meine eigenen Beobachtungen (s. [oben S. 110]) und die Versuche von SCHULTE AM HOFE am Tee (Ber. d. pharm. Ges. 1901) lehren, die nach exakten Methoden wiederholt und auf andere Drogen ausgedehnt werden sollten.

Der Prozeß, dem die Citronen unterworfen werden, wird zwar auch als Fermentierungsprozeß bezeichnet, ist aber wohl mehr ein Nachreifungsprozeß. Die Citrone wird grün gepflückt, dann im «Fermentierhaus» 2–3 Wochen bei einer Temperatur von c. 50° gehalten, wobei der Zucker «ausschwitzt» (?) und die Schale dünn und gelb wird. Dann wird die Frucht noch einige Monate einer niedrigeren Temperatur ausgesetzt.

Das Fermentieren, wie überhaupt die weitere Behandlung der geernteten Roh-Droge, wie z. B. das Auspressen des Cocosöls (auf Ceylon), die Destillation des Zimt- und Sternanis-Öls (in China), die Sublimation des Camphers (auf Formosa), findet dort, wo Europäer die Erntebereitung leiten, in der sog. Mill statt ([Fig. 123]), die entweder in der Plantage (Estate, Onderneming) selbst (Cacao, Kaffee, Vanille) oder in der Nähe des Hafenplatzes (Cocosöl) liegt, wohin das Rohprodukt — beim Cocosöl die Copra — gebracht wird.

Fig. 131.
Opiumbereitung in Indien. Kleinbetrieb.
[Aus Meyers Histor. geograph. Kalender.

Die Mehrzahl der Drogen wird aber nur getrocknet, einige allerdings ziemlich scharf über dem Feuer (Mate, [Taf. XIII]). Viele werden allerdings zuvor der Schälung unterworfen, «geschält», ein Verfahren, daß bei Rinden (Zimt, Caneel, China plana regia), Rhizomen (Kalmus, Iris, Ingwer), Wurzeln (Belladonna, Althaea) die Korkschicht (eventuell nebst den Wurzeln), bei Früchten (weißer Pfeffer, Coloquinthe) die äußere Schicht der Fruchtschale entfernt. Beim Rhabarber wird die ganze Rinde bis fast zum Cambium abgeschält. Umgekehrt ist z. B. bei einigen Citrusdrogen die äußere Fruchtschale, die man abschält, das Wertvolle, das durch den Schälprozeß von den weniger wertvollen inneren Partien abgelöst wird. Bei Iris und dem Ceylonzimt werden die Schälabfälle zur Öldestillation benutzt.

Fig. 132.
Das Kneten und Formen des Patnaopiums.

Das Ablösen der äußeren Fruchtwandpartie bei der Darstellung des weißen Pfeffer geschieht meist in der Weise, daß man die Früchte einige Minuten in heißes Wasser bringt und dann durch Schütteln und Reiben in Bambuskörben die Schicht entfernt, also «abreibt».

Fig. 133.
Naschtars (Nush-turs, Mahurnees) mit Schnur umwickelt zum Anschneiden der Mohnfrüchte in Indien.
[Tschirch phot.]

Fig. 134 a–c.
Türkische Mohnritzer, in Kleinasien gebräuchlich. ½ nat. Größe.
[Nach Linde.]

Fig. 135 a–c.
Türkische Mohnritzer, in Kleinasien gebräuchlich, mit Sägeklinge. a und b ½ nat. Größe, c Klinge 15 cm lang.
[Nach Linde.]

Fig. 136.
Mohnritzer nach Hesse, nat. Größe.

Fig. 137.
Naschtar.

Die zum Schälen benutzten Messer haben oft eine eigenartige Form. So z. B. sind die beim Ceylonzimt benutzten ([Fig. 124]) halbkreisförmig gekrümmt und haben an jedem oder einem Ende eine Handhabe. Man schält also meist gleichzeitig mit beiden Händen (vgl. [S. 89]). Der chinesische Zimt dagegen wird mit einem hobelartigen Instrumente geschält ([S. 90]).

Das indische Opium verdankt einer sehr eigenartigen Bearbeitungsmethode seine Eigenschaften: der von den Einschnitten gesammelte Milchsaft wird entweder mit den Füßen oder mit Stangen solange durchgeknetet ([Fig. 131] u. [132]), bis keine Flüssigkeit mehr austritt und dann erst zu «balls» (cakes) in Bengalen ([Fig. 127] bis [130]) oder rechteckigen Kuchen in Patna ([Fig. 132]) geformt, während bei dem kleinasiatischen Opium die Brote direkt aus den abgesammelten Tränen geformt werden. Auch in Persien wird das Opium einer Massage unterworfen, «geknetet».

Die Formung der Cakes in Indien ist ein ziemlich umständlicher Prozeß. Zunächst wird in eine metallene Hohlhalbkugel eine Schicht von Mohnblumenblättern gebracht, die mit Lewah und Pussewah, d. h. dem bei der Bereitung erhaltenen Waschwasser zusammengeklebt wurden. Ist die Blattschicht dicht genug, so drückt man das weiche, durch Mischen auf einen bestimmten Gehalt gebrachte Opium in die Halbkugel ein und vereinigt dann zwei solche Halbkugeln. Die Cakes, die c. 2 kg wiegen, sind also von einer dicken Blatthülle umgebene Kugeln.

Noch umständlicher ist die Darstellung des Rauchopiums.

Fig. 138.
Situahs (scoops) in Indien zum Abkratzen der eingetrockneten Milchsafttropfen von den verwundeten Mohnkapseln benutzt.
[Tschirch phot.]

Eine sehr merkwürdige Behandlung, die sog. «Kristallisation», erfahren die vom «Serrapiero» aus den aufgeschlagenen Früchten herausgelösten und dann getrockneten Tonkosamen. «Man füllt die ‚Bohnen‘ in Fässer von 300 Liter Inhalt bis ungefähr ein Fuß unter den Rand, dann füllt man das Faß mit Rum und bedeckt es mit Sackleinewand. Nach 24 Stunden zieht man den Rum, der nicht absorbiert ist, wieder ab und trocknet die Bohnen an der Luft. Wenn die Bohnen die Fässer verlassen, sind sie fast schwarz und aufgeblasen und wenn sie getrocknet sind, sieht man auf ihrer Oberfläche weiße glänzende Kristalle» (von Cumarin).

Eine besondere Behandlung erfahren die Guaranasamen, die mit heißem Wasser zu einem Brei zerquetscht werden. Ebenso wird Curare und Haschisch erst durch eine nachträgliche Behandlung und unter Zusatz verschiedenster Substanzen erhalten.

Ganz anders sind dann wieder die Methoden, die bei der Darstellung der Stärkedrogen benutzt werden. Hier wird das stärkehaltige Gewebe entweder herausgekratzt, dann in einen Spitzbeutel getan, mit Wasser ausgewaschen und die Milch in einer Rinne entlang geführt, in der sich die Stärke allmählich absetzt (Sagomehl) oder die stärkeführenden Organe werden erst zerquetscht, dann der Brei ausgewaschen, die Milch sedimentieren gelassen und das Sediment getrocknet oder gekörnt (Tapioca, [Fig. 140][143]). Da die Körnelung oft über leichtem Feuer erfolgt, findet eine geringe Verkleisterung statt (Sago).

Bisweilen geht dem Auswaschen der zerquetschten Organe eine gelinde Gärung voraus (Triticum).

Fig. 139.
Bereitung des Sagomehls auf den Key-Inseln bei Neu-Guinea.
Rechts sieht man zwei Eingeborne, der linke gießt Wasser auf und zerklopft das Mark der Sagopalme mit einem Stock, der rechte rührt die Masse auf dem durch den gebogenen Stab straff gehaltenem Siebe um, so daß ein gleichmäßiger Strom der Stärkemilch in die an den Bambustäben aufgehängte, aus einem aufgespaltenen und ausgehöhlten Sagopalmstamme bestehende Rinne fließt. In ihr setzt sich die Stärke zu Boden. Rechts das ausgewaschene «Mark».
[Warburg phot. Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Die vorzügliche Beschaffenheit des Maranta-Arrowroot rührt von einer peinlich-sorgfältigen Bereitung her. Die gereinigten Rhizome werden sorgfältig geschält, dann gewaschen und zu Brei verrieben und das ausgewaschene Stärkemehl entweder in mit Gaze bedeckten Kupferpfannen (Bermudas) oder auf Holzhorden (Jamaica) an der Sonne getrocknet.

Das Koontimehl wird in Florida aus der Zamia integrifolia in der Weise gewonnen, daß die Wurzel von den Eingeborenen in mörserartigen Löchern eines Baumstammes zerstoßen, der Brei mit Wasser angerieben und durch eine Tierhaut geseiht wird. Die abgesetzte Stärke wird auf Palmettoblättern getrocknet.

Fig. 140.
Tapioca-Faktorei in den Straits Settlements. Wäsche.
[Ridley phot. 1899.]

Fig. 141.
Tapioca-Faktorei in den Straits Settlements. Schlemmerei und Sedimentiererei.
[Ridley phot. 1899]

Fig. 142.
Tapioca-Faktorei in den Straits Settlements. Körnelung.
[Ridley phot. 1899.]

Fig. 143.
Tapioca-Faktorei in den Straits Settlements. Trocknen.
[Ridley phot. 1899.]

Fig. 144.
Zuckerrohrmühle in den Padangschen Bovenlanden (Sumatra).
[Aus Chun, Tiefen des Weltmeers.]


GRÖSSERES BILD

Fig. 145.
Rösten des Crocus über heißer Asche in Spanien.

Fig. 146.
Die abgeschnittenen Yerba-Zweige werden durch das Feuer gezogen (Paraguay).
[Aus Hengstenberg, Weltreisen.]

Tafel XIII

Yerba Mate in dem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüste (Girao) über mäßigem Feuer getrocknet.
[Nach einer Photographie.]


GRÖSSERES BILD

Die Darstellung des Sago, des Reis und der Tapioca ist in meinen Indischen Heil- und Nutzpflanzen eingehend geschildert.

Die Gewinnung des Sago in Singapore schildert SCHLECHTER (1901) wie folgt:

Hat die Anpflanzung der Sagopalmen ihre Reife erreicht, so wird die Aberntung an Eingeborene verpachtet. Der Pächter läßt in der Pflanzung einen kleinen Schuppen, unter dem das Raspeln der Stämme vorgenommen wird, und eine Rohsago-Wäscherei primitivster Art herstellen. Dann werden die einzelnen Stämme gefällt, ihrer Krone entblößt und in 4–6 Fuß lange Stücke zerschnitten, die nun auf Sago-Blattrippen, die infolge ihrer Glätte dazu geeignet sind, nach dem Raspelschuppen gerollt werden, unter dem ein Bock, ähnlich einem primitiven Sägebock, aufgestellt ist. Nachdem die Sago-Stammstücke geschält sind, werden sie auf diesen Block gelegt und nun geraspelt, bis sie vollständig in grobe Flocken verarbeitet sind. Das hierbei in Anwendung kommende Instrument besteht aus einem etwa 1,5 m langen und ein Fuß breiten Brette mit zwei Handgriffen, durch welches kurze Nägel getrieben sind, deren hervorragende Spitzen ähnlich wie eine Stahlraspel sehr bald den fast korkigen Sagostamm vollständig in grobe Flocken zerreiben können. Die so gewonnenen Flocken werden zunächst auf einer Matte von Sagoblättern durch Spülen und Treten gesiebt, das durchfließende Wasser, welches die Stärke ausspült und in eine Rinne abführt, wird in ein längliches Becken geleitet, in dem dann die sämtlichen Stärketeile, die sich nicht schon früher am Grunde der Rinde abgesetzt haben, zu Boden sinken, so daß das überfließende Wasser ziemlich stärkefrei ist. Nachdem eine genügende Menge Rohsagospäne in dieser Weise ausgewaschen ist und das Wasser in Rinne und Becken sich allmählich geklärt hat, wird nach Abfluß des Wassers der nun fertige Rohsago aus Becken und Rinne entfernt und aufgestapelt, bis genügend vorhanden ist, um in den Sagofabriken weiter verarbeitet zu werden. Die in dem Mattensieb zurückbleibenden Überreste, die aus den Fasern des Sagostammes und einer nicht unbedeutenden Menge daran haftenden Sagos bestehen, werden entweder sofort entfernt oder mit frischen Spänen noch einmal gewaschen und dann als Schweinefutter verkauft.

Fig. 147.
Das Sammeln des Weihrauch.
[Aus Cosmographie universelle Paris 1675.]

Die Sagofabriken kaufen den Rohsago von den Eingeborenen an und reinigen ihn. Der Rohsago wird zu diesem Zwecke unter Wasser zum größten Teile gelöst und durch dünne Leinentücher mit lockeren Maschen getrieben. Zurück bleiben die Holzteile, welche als «Sago-Refuse» beiseite geschafft werden. Der durch die Tücher getriebene Sago setzt sich am Grunde des Kübels ab, das Wasser wird entfernt und das Sagomehl in anderen Kübeln wieder mit Wasser aufgerührt. Dasselbe kommt nun in lange, nach ihrem Ende zu etwas abfallende Rinnen mit fließendem Wasser, welche am unteren Ende durch dichte Tücher, durch welche zwar das Wasser, aber nicht das Sagomehl hindurch laufen kann, verschlossen sind. Je nach der Höhe des sich am Grunde der Rinne absetzenden Sagomehls werden die Enden der Rinne durch dicht aufeinanderliegende Stäbe verschlossen. Nachdem so das Ende der Rinne vollständig geschlossen ist, wird das Wasser abgelassen und das Sagomehl in Blöcken entfernt. Ist hiernach das Mehl noch nicht rein genug, so wird die Prozedur wiederholt. Schließlich werden die Blöcke, nachdem sie halb getrocknet sind, zerstoßen und das Mehl durch ruckweises Hin- und Herschütteln in einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens herabhängenden Seilen befestigt ist, in kleine Kugeln, «Perlen», geformt. Die diese Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da von der Art des Schüttelns die Größe der Sagokügelchen abhängt. Durch Siebe mit verschiedenen Maschen werden diese gesondert und nun auf heißen Schalen unter beständigem Rühren gedämpft. Nachdem die Kügelchen vollständig durchgedämpft sind, werden sie durch wiederholtes Sieben in die gewünschten verschiedenen Größen sortiert oder alle nur zu einer Qualität verarbeitet. Der noch feuchte Perlsago wird auf großen Öfen ausgebreitet und vollständig bei mäßiger Hitze getrocknet (vgl. auch [Fig. 141][143]).

Die Darstellung des Sago auf den Key-Inseln geht aus der Abbildung ([Fig. 139]) hervor.

Fig. 148.
Die Gewinnung der Asa foetida durch Abtragen von Scheiben vom freigelegten Wurzelkopf mittelst eines eigenartigen Messers.
[Aus Kämpfer, Amoenitat. exotici. Lemg. 1712.]

Ganz anders wieder ist die Darstellung der Zuckerdrogen. Hier werden die zuckerhaltigen Pflanzenteile zerquetscht, zermahlen ([Fig. 144]) oder zerschnitten, dann entweder durch Auswaschen oder Diffusion ihres Zuckers beraubt und die Zuckerlösung eingedampft (Zuckerrohr, Zuckerrübe, Zuckerhirse), oder der Blütenstand bez. der obere Teil des Stammes vor dem Austreiben ab- bez. angeschnitten und der austretende Zuckersaft eingeengt (ZuckerpalmeArenzucker), oder endlich die Stämme im Frühjahr angebohrt und der ausfließende Saft eingedampft (ZuckerahornAhornzucker). Von Ahornzucker werden noch jetzt jährlich 5000 t in Nordamerika erzeugt, meist aus dem Steinahorn (rock maple), im Westen auch aus dem Weichahorn (swamp maple).

Fig. 149.
Verwundungsarten behufs Gewinnung der pflanzlichen Sekrete.
Bei 1 Benzoë, 2 Tolubalsam, 3 Perubalsam, 4 Lärchenterpentin, 5 a und b amerikan. Terpentin, 6 französischer Terpentin, 7 Mayrs verbessertes Harzgewinnungsverfahren, 8 Dammar, 9 Gummigutt, 10 Manna, 11 japan. Lack, 12–15 Kautschuk. (Details in Tschirch, Harze und Harzbehälter. 2. Aufl. 1906.)
[Tschirch gez.]


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Tafel XIV

Amerikanisches Harzungsverfahren.
Wald von Pinus palustris in Nord-Carolina (Nordamerika), der Harzung unterworfen, die Stämme mit Lachen und Box versehen.


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Tafel XV

Französisches Harzungsverfahren.
Seestrandfichten im Depart. des Landes «en gemmage à vie». Der «pot» ist an der «carre» befestigt.
[Oesterle phot.]


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Etwas ganz Besonderes ist das Brühen einiger Drogen. Dasselbe wird vornehmlich bei unterirdischen Reservebehältern angewendet, z. B. beim Salep, dem grauen Ingwer, dem ostasiatischen Ginseng, einigen indischen Aconitknollen und des Curcuma, und verfolgt den Zweck, die Organe abzutöten und am nachträglichen Austreiben zu verhindern. Denn da in den Knollen und fleischigen Rhizomen reichlich Reservematerial und genügend Wasser vorhanden ist, so werden sie, wenn die Knospen intakt sind, leicht wieder austreiben, jedenfalls durch einfaches Trocknen an der Luft nicht gänzlich abgetötet. Bei einigen Drogen wird der gleiche Effekt durch Erhitzen über freiem Feuer erzielt. Bei diesen Drogen ist natürlich die Stärke entweder ganz (Salep) oder teilweise (Jalape) verkleistert. Bei der Jalape wird das Gleiche erzielt durch Trocknen der mit Einschnitten versehenen Knollen über einem Feuer. Auch Sarsaparille wird manchmal am Feuer getrocknet, da das feuchte Klima in Mittelamerika dies verlangt. Bei der Scilla, die zudem sehr schwer trocknet, wird dagegen das Ziel dadurch erreicht, daß man die weichen Zwiebelschalen vor dem Trocknen in Streifen schneidet. Übrigens ist Halbieren oder Vierteln (Alant) oder in Scheiben schneiden (Colombo, Bryonia) auch sonst bei dickeren Drogen gebräuchlich, um ein schnelleres Trocknen zu erzielen — aber nicht immer zulässig (Kalmus, Filix). Nur bei den chinesisch-japanischen Gallen hat das hier gelegentlich geübte Brühen den Zweck, die die Galle erzeugenden Tiere (Aphiden) abzutöten.

Fig. 150.
Verfahren, die Einschnitte für die Mannagewinnung in Sizilien zu machen.
[Benedicenti phot.]

Bisweilen hat aber das Eintauchen in heißes Wasser oder das Erhitzen über dem Feuer wohl auch einen anderen Zweck. So handelt es sich meines Erachtens beim Eintauchen der Vanille in heißes Wasser und beim Erhitzen der frisch gepflückten Blätter bei der Bereitung des grünen Tees um Abtötung eines Fermentes.

Einer leichten Röstung über heißer Asche wird der Safran ([Fig. 145]) unterworfen.

In einigen Gegenden (Sierra de Santa Marta) röstet man auch die Cocablätter leicht, und auch der Mate wird leicht geröstet, richtiger über dem Feuer getrocknet.

Die Röstung der Yerba Mate erfolgt an den Röstplätzen (Fogão) in der Weise, daß die vom Baume gelösten Zweige zunächst zum Welken (und Abtöten eines Fermentes?) durch ein nicht rauchendes Feuer gezogen («Sapecaje», Sapecar, [Fig. 146]), dann in einem speziellen Ofen (Barbacuá) 18–36 Stunden weiter erhitzt — neues Verfahren — oder in Bündel geschnürt in einem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüst (Girao) über mäßigem Feuer getrocknet ([Taf. XIII]) werden. Dann läßt man sie «schwitzen» (fermentieren?). Schließlich werden die auf glatter, mit einem Tuche belegter Tenne ausgebreiteten Zweige durch Schlagen mit hölzernen Stäben oder Säbeln (Espada) grob gepulvert oder in Mühlen gemahlen ([Fig. 206]). Die nicht durch die Sapecar-Prozedur vorbehandelten Blätter werden beim Dörren schwarz.

Fig. 151.
Altes Harzungsverfahren in Nordamerika. Abkratzen des Harzes, Ausschöpfen des Box, Einfüllen in die Fässer und Verladen derselben.
[Tschirch, Harze und Harzbehälter.]

Fig. 152.
Lange Zapfstelle mit aufgelegtem Sauglappen bei einem Perubalsambaume, San Salvador.
[Preuß phot.]

Fig. 153.
Geschälter Baum von Myroxylon Pereirae mit aufgelegtem Lappen in San Salvador.
[Preuß phot.]

Die Samen von Paullinia Cupana werden bei der Guaranabereitung vor dem Zertrümmern sechs Stunden geröstet.

Einige Harze und Balsame sind in der Pflanze als solche enthalten. Man braucht also nur das Organ zu verletzen und das austretende halbflüssige Sekret entweder in Gefäßen aufzusammeln (Copaivabalsam, Straßburger Terpentin) oder am Baume erhärten zu lassen (Mastix, Sandarac, Olibanum, [Fig. 147]), um die Droge zu erhalten (primärer Harzfluß). Das Gleiche gilt von Kautschuk und Guttapercha, die sich als Milchsäfte in der Pflanze finden und beim Anschneiden ausfließen. Doch wird wenigstens bei einigen Sorten des Kautschuk der ausgeflossene Saft durch Koaleszenzmittel koaguliert, erfährt also noch eine nachträgliche Verarbeitung (s. [S. 140]).

Zu den nach Anschneiden ([Fig. 125] u. [126]) ausfließenden und dann erhärtenden Milchsäften sind auch Opium, Lactucarium, die Gummiharze der persischen Umbelliferen (Asa foetida, Galbanum, Ammoniacum) und Euphorbium zu zählen, und im weiteren Sinne das Gutti.

Fig. 154.
Amerikanisches Terpentingewinnungsverfahren.
Die Wundfläche mit Harzbalsam bedeckt.

Die bei der Gewinnung des Opiums benutzten Messer sind sehr eigenartig. In Kleinasien werden zum Anschneiden der Mohnköpfe Messer aller möglichen Formen benutzt, einmal solche, denen die Spitze abgebrochen wurde ([Fig. 134]), dann solche mit gesägter Klinge ([Fig. 135]), aber auch Uhrfedern, Glasscherben u. a. mehr. Die Benutzung der letzteren erklärt besonders einleuchtend das ständige Vorkommen von Fruchtwandepidermisfetzen im kleinasiatischen Opium, da die Wand der Frucht durch sie nicht eigentlich geritzt, sondern eingerissen wird. In Kleinasien wird nur ein Horizontalschnitt geführt.

Fig. 155.
Manikot mit Messerstichen angezapft (Indien).
[F. O. Koch phot.]

In Vorderindien (Bengalen) bedient man sich des Naschtar (Nushtur, [Fig. 133] u. [137]), das aus drei, vier, seltener fünf schmalen Eisenblechen von etwa 15 cm Länge und der Dicke einer Federmesserklinge besteht, die oben 2,5 cm breit, dort tief eingekerbt und in scharfe Spitzen ausgezogen sind, und durch Umwickeln mit starken Baumwollfäden c. 1,5 mm auseinandergehalten werden. Es werden Vertikalschnitte ausgeführt ([Fig. 125]) und zwar an 2 bis 6 Stellen der Kapsel, in Intervallen von 2–3 Tagen. In Persien wird ein ähnliches Messer benutzt und die Kapsel horizontal, schräg oder vertikal nach und nach an allen Seiten angeschnitten ([Fig. 126]).

Fig. 156.
Guttaperchagewinnung auf Sumatra.
Der zweite Kuli von links trägt die Instrumententasche und das Beil (baliung), das zum Fällen des Baumes benutzt wird. Der vierte macht mit dem breiten Messer (lading) die Einschnitte. Der erste und dritte kratzen den ausgeflossenen Milchsaft mittelst eines spitzen Kratzers in den aus den Blättern von Areca Catechu hergestellten Spitzbeutel.
[Tschirch phot.]

In China werden die Kapseln mit einem dreischneidigen Messer an 3–5 Stellen vertikal angeschnitten. Auch in Ägypten wird der Naschtar oder die kleinasiatische Methode benutzt, jedoch zwei oder drei Einschnitte gemacht.

Mehrklingige Messer, die zum Teil bis auf die Spitze mit Schnur umwickelt waren oder abgerundete Spitzen besaßen, wurden bei Erfurt, bei Clermont Ferrand, bei Darmstadt und in Württemberg benutzt (LINDE, Zur Gewinnung des Opiums, Apoth. Zeit. 1905).

Die Entwicklungsphase der Kapsel, bei welcher sie angeschnitten wird, ist nicht überall die gleiche. In Kleinasien und in Vorderindien werden die jungen Früchte einige Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter, in Armenien 20–25 Tage nach dem Abblühen (GAULTIER), in Ägypten, sobald sie ihre normale Größe erlangt haben (SAVARESI), in Persien, wenn sie sich der Reife nähern, angeschnitten. Der beste Zeitpunkt ist 10–14 Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter (HESSE).

Zum Abkratzen der eingetrockneten Tropfen bedient man sich in Indien eines schaufelartigen Instrumentes (Situah [Fig. 138]).

Fig. 157.
Halbspiralschnitt an einer kultivierten Hevea brasiliensis in Indien.
[F. O. Koch phot.]

Fig. 158.
Fischgrätenschnitt an kultivierter Hevea brasiliensis in Indien.
[F. O. Koch phot.]

Fig. 159.
Colophoniumdestillerie in den Wäldern von Carolina (U. S. A.).

Fig. 160.
Das Innere einer nordamerikanischen Harzdestillerie. Im Mittelgrunde sieht man einen Destillierapparat und (rechts) das große Kühlfaß.
[Aus Tschirch, Harze und Harzbehälter.]

Fig. 161.
Die Lavendelöldestillateure auf den Alpen (Alembics voyagants.)
[Aus Roure-Bertrand fils Berichte.]

Fig. 162.
Citronellaöldestillation in der Nähe von Galle auf Ceylon.
[Aus Roure-Bertrand fils Berichte.]

Fig. 163.
Rumelische Rosenöldestillerie in Papazoglou, links: Füllen der Destillierblasen.

Fig. 164.
Schuppen mit Destillierblasen für Rosenöl in Bulgarien. Links der Destillateur das Öl abhebend.

Fig. 165.
Entleeren der Citronen (Limoni) mittelst kleiner Löffel. Die Mädchen umwickeln die Hand, mit der sie die Citrone halten, mit einem Tuch. Fruchtfleisch und Schale werden gesondert verarbeitet. (Vergl. [Fig. 166] und [176].)
[Prof. Benedicenti in Messina phot.]

Fig. 166.
Citronenölgewinnung mittelst der Spugna-Methode. Die Schalen werden an einen Schwamm gedrückt.
[Prof. Benedicenti in Messina phot.]

Fig. 167.
Bergamottölbereitung mit der Maschine, erste Operation.
[Aus Roure-Bertrand fils Berichte.]

Fig. 168.
Bergamottölbereitung mit der Maschine, zweite Operation.
[Aus Roure-Bertrand fils Berichte.]

Fig. 169.
Enfleurage, Darstellung der «Pomades» auf kaltem Wege in der Fabrik Roure-Bertrand fils in Grasse.

Fig. 170.
Maceration, Darstellung der «Pomades» auf warmem Wege in der Fabrik Roure-Bertrand fils in Grasse.

Auch bei der seit Jahrhunderten gleichgebliebenen Methode der Gewinnung der Asa foetida durch Abtragen dünner Scheiben vom Kopfe der großen freigelegten Wurzel von Ferula Assa foetida bedient man sich eines eigenartigen keilförmigen Messers, das vorn stark verbreitert ist ([Fig. 148]).

Bei der Herstellung der Einschnitte in die Rinde der Mannaesche bei der Mannagewinnung werden eigenartige, sichelförmig gekrümmte Messer benutzt ([Fig. 150]).

Andere Drogen der Gruppe der Harzbalsame sind als solche nicht in der normalen Pflanze enthalten, sondern entstehen erst infolge von Verwundungen (sekundärer Harzfluß). Ich habe durch Versuche in Indien und Europa gezeigt, daß Benzoë, Peru- und Tolubalsam, Styrax, Dammar und die meisten Terpentine der Koniferen erst sich bilden, nachdem man tiefgreifende Verletzungen am Baume angebracht hat und ein reichverzweigtes System pathologischer Kanäle im Neuholz entstanden ist (Gesetz des Harzflusses).

Fig. 171.
Eine finländische «Tervahauta» (Teergrube), die Art der Teergewinnung in Finland.

Fig. 172.
Ecuelle à piquer.
[Tschirch phot.]

Als pathologische Produkte, die bisweilen schon freiwillig, in größerer Menge aber durch (wenn auch nicht infolge von) spontan entstehenden oder künstlich angebrachten Wunden austreten, sind auch das Gummi und der Traganth zu betrachten.

Sehr mannigfaltig ist die Form, die man den Verwundungen ([Fig. 149]) und den dazu benutzten Instrumenten gibt und die Art, wie man die Wunde nachher behandelt. Bald wird ein V-Schnitt hergestellt (Tolubalsam, [Fig. 149], 2), bald Längsschnitte (Benzoë, [Fig. 149], 1) oder zahlreiche übereinander stehende, horizontale Einschnitte (Manna, Japan. Lack, [Fig. 149], 10 u. 11), bald Spiralschnitte (Gutti, [Fig. 149], 9), bald eine breite, wie ein M — oder O — geformte Lache (amerikan. und französ. Terpentin, [Fig. 149], 5 u. 6), bald wird zum Auffangen des Balsams ein Topf angehängt ([Fig. 149], 2, 6, 12–14), bald ein Box in den Baum geschlagen ([Fig. 149], 5 u. 8). Auch Schwelen und Aufsaugen des Balsams in Lappen kommt vor (Perubalsam, [Fig. 149], 3, [152] u. [153]). Bei der Lärche wird ein Loch gebohrt ([Fig. 149], 4), mit einem Pflock verstopft und nach einiger Zeit der angesammelte Balsam abgelassen. Die größte Mannigfaltigkeit in der Verwundungsart findet sich aber bei den Kautschukbäumen. Bald wird hier nur mit Messerstichen angezapft ([Fig. 155]), bald werden Spiralschnitte, Halbspiralschnitte ([Fig. 157]), kurze, längs- oder schräggestellte mit eigenartigen meißelartigen Messern hergestellte Schnitte ([Fig. 149], 12), gemacht, bald wird der Grätenschnitt ([Fig. 149], 13 u. [158]), der Doppelkandelaberschnitt ([Fig. 149], 14) oder Varianten dieser geübt (das Detail siehe in meinem Buche: Die Harze und die Harzbehälter, 2. Aufl. 1906; dort sind auch die Instrumente abgebildet). Zu einem allgemein adoptierten System ist man noch nicht gekommen. Noch werden Versuche gemacht, welches das beste ist.

Bei der Guttapercha wird der Stamm des gefällten Baumes in horizontaler Lage auf der Oberseite in bestimmten Entfernungen mit breiten Einschnitten versehen, aus denen man dann den ausgetretenen Milchsaft herauskratzt ([Fig. 156]).

Eine Besonderheit ist die Darstellung des Churus. Der Churus (Indisch-Hanfharz) wird nach BONATI in der Weise gewonnen, daß man die in Blüte stehenden Zweigspitzen der weiblichen Pflanze von Cannabis indica stundenlang kräftig auf groben wollenen Teppichen reibt, so daß das dickflüssige Harz sich auf der Oberfläche ablagert, von wo es mittelst eines Messers abgelöst und zu kleinen Kugeln oder länglichen Stäbchen geformt wird.

Es erinnert dies in etwas an die ehedem beim Ladanum gebräuchliche Gewinnungsweise, bei der man langbärtige Ziegen durch die harzduftenden Cistusgebüsche trieb, das an den Bärten haften bleibende Harz absammelte, und nachdem es in Wasser erweicht war, zu den bekannten Spiralkörpern formte.

Eine besondere Stellung nimmt das Ammoniacum ein. Es werden nämlich bei ihm die ganzen zur Zeit der Fruchtreife geschnittenen Stengel der Pflanze nach Bombay gebracht und erst hier die Droge abgelesen.

Tafel XVI

Alte Cocosnuß-Ölmühle in Ceylon.
[Aus «Der Mensch u. die Erde».]


GRÖSSERES BILD

Tafel XVII

Cocos-Mühle auf Diego Garcia.
[Aus Chun, «Tiefen des Weltmeeres».]


GRÖSSERES BILD

Sehr eigenartig ist die Teerbereitung, das Teerbrennen (Tervanpoltto) in Finland.

Der Holzteer wird in Finland auf folgende Weise von Fichten gewonnen. Der Stamm der Fichte wird Mitte Juni von Ästen und Rinde — letztere bis zum Holz — in der Höhe von etwa 2½ m befreit; nur an der nördlichen Seite des Baumstammes wird ein etwa 5 cm breites Band der Rinde gelassen, um den Baum am Leben zu erhalten. Dann läßt man den Baum 2–5 Jahre stehen, worauf die Rinde wieder auf dieselbe Weise von dem Stamme abgeschält wird, jetzt etwa 1½ m höher, so daß der Stamm jetzt 4 m hoch kahl ist, mit Ausnahme der nördlichen Seite. Zwei Jahre lang läßt man den Baum so stehen. Der kahle Teil des Stammes ist jetzt mit einer dicken Lage Harz bedeckt. Dann schneidet man den an der nördlichen Seite gelassenen Rindenstreifen los; der Baum wird im Oktober oder November gefällt und das so behandelte Holz zum Meiler gebracht, wo es etwa 1,8 m hoch aufgestapelt wird. Im Winter, wenn die Kälte groß und das Holz dadurch leicht spaltbar ist, werden die abgehauenen, c. 4 m langen, harzreichen Baumstämme der Länge nach gespalten und in 3½ m breiten und 2 m hohen Stapeln rings um den Meiler geordnet. Im folgenden Sommer werden sie in den Meiler eingesetzt.

Der Teermeiler oder die Teergrube (Tervahauta, [Fig. 171]) ist eine kreisrunde, der Mitte zu tiefer werdende Grube in der Erde. Sie ist gewöhnlich 12–13 m im Durchschnitt (36 m im Umkreis) und in der Mitte etwa 1½ m tief. In die Mitte der Grube wird ein Holzkasten ohne Boden — 15 cm hoch und 1½ m im Durchschnitt — eingesenkt, in welchem der Teer sich ansammelt. In die Wand des Kastens ist ein Holzrohr eingesetzt, aus dem der Teer ausfließt. Dieses Holzrohr ist schräg in den Boden eingesenkt und reicht über die Peripherie der Grube hinaus zu einem Kanale, wo sich die Sammelgefäße befinden. Der Boden der Grube ist fest mit Ton oder Moorerde bedeckt, um das Aufsaugen des Teers in die Erde zu vermeiden.

Über die auf diese Weise hergerichtete Grube wird das Teerholz kreisförmig, die Enden der Holzstücke der Mitte zu gerichtet, aufgestapelt, bis der Meiler einen kuppelförmigen, oben abgeplatteten Bau bildet. Das Ganze wird dann mit Moos, Erde und Torf bedeckt. An der Peripherie werden mehrere kleine Öffnungen dicht nebeneinander gelassen, bei welchen der Meiler gleichzeitig angezündet wird. Diese Öffnungen werden gleich nach dem Anzünden wieder mit Erde und Torf bedeckt. Den auf diese Weise angezündeten Teermeiler läßt man so 1–2 Tage ohne Luftzutritt brennen, worauf der Pfropfen von der oben erwähnten Holzröhre abgenommen wird. Jetzt beginnt der Teer auszufließen. — Wenn der Meiler auf diese Weise an der Peripherie angezündet wird, so sammelt sich der Teer in dem in der Mitte der Grube befindlichen Holzkasten und fließt durch das Rohr aus. Das Brennen des Meilers — unter fortwährendem Ausschluß von Luft — dauert 4 bis 5 Tage; dann ist aller Teer abgeflossen.

Nach dem Öffnen des Rohres fließt gewöhnlich erst eine Menge dicker und dunkler Teer aus; dann folgt das Ausfließen des richtigen, hellbraunen und dünneren Teers. Ist die Hitze im Anfang größer und dauert das Brennen etwas länger als einen Tag, ehe das Rohr geöffnet wird, so fließt nach dem Öffnen erst eine geringere Menge sogenanntes klares «Teerwasser» aus und gleich darauf der richtige, hellbraune Teer, ohne daß sich erst dicker, pechartiger Teer bildet. Auf diese Weise wird der Holzteer in Kulunoniemi, dem größten Produktionsort in Finland, gewonnen. Ein Teermeiler von dieser Größe liefert c. 7500 Liter Teer. (Nach brieflichen Mitteilungen von Frl. RICHTER in Helsingfors.)

Fig. 173.
Fiskolo. Der geflochtene, oben und unten offene Korb zum Pressen der Oliven.
[Tschirch phot.]

Fig. 174.
Italienische Oliven-Ölmühlen und -Pressen. Rechts die Fiskoli unter der Presse.
[Aus Chemist and Druggist.]

Andere Drogen, wie die fetten Öle und Fette, werden durch Auspressen, noch andere, wie die ätherischen Öle, durch Destillieren mit Wasserdampf aus den Pflanzenteilen oder Harzbalsamen herausgezogen. Das Auspressen, selbst warmes, dürfte die Fette kaum stark verändern. Etwas anderes ist es mit den ätherischen Ölen. Es darf als sicher angenommen werden, daß die ätherischen Öle in der Form, wie wir sie im Handel kennen, nicht in der Pflanze vorhanden sind. Ich habe schon 1890 darauf aufmerksam gemacht, daß der Wasserdampf seine verseifende Wirkung zweifellos auch hier geltend machen wird und daß die Alkohole, die wir in den ätherischen Ölen des Handels finden, in der Pflanze offenbar mit jenen flüchtigen Fettsäuren, die wir im unter den Ölen stehenden Destillationswasser finden, verestert sind, diese Ester, die zum Teil wohl «gemischte» sein dürften, aber durch die verseifende Wirkung des Wasserdampfes gespalten werden. Eine solche Spaltung dürfte übrigens bisweilen auch schon beim Trocknen eintreten.

Fig. 175.
Baumölgewinnung im XVI. Jahrh.
Nach einem Kupferstich — gez. von J. Stradanus, gestoch. von Ph. Galle um 1570 — der sich im germanischen Museum in Nürnberg befindet.
[Aus Peters, pharm. Vorzeit.]

Fig. 176.
Pressen des Citronensaftes. Das von der Schale getrennte Fruchtfleisch wird ausgepreßt und der Preßsaft später auf Calciumcitrat verarbeitet.
[Prof. Benedicenti in Messina phot.]

Fig. 177.
Schneiden und Trocknen der Gambierwürfel in einer Gambierfaktorei in Singapore.
[Ridley phot.]

Fig. 178.
Aloëgewinnung am Kap.
Der Arbeiter schneidet mit einem gekrümmten Messer die Blätter von Aloe ferox ab.

Fig. 179.
Aloëgewinnung am Kap.
Die aus den abgeschnittenen Blättern von Aloe ferox gebildete Mulde.

Sehr eigenartig sind die Methoden der Gewinnung der ätherischen Öle ausgebildet worden. Die alte Methode der Destillation mit Wasserdampf ([Fig. 159] bis [164]), deren bis ins Unendliche modifizierte Apparatur wir schon bei BRUNSCHWIJK bewundern (vgl. auch [Fig. 9]) und die jedem alten chemischen Laboratorium einen so eigenen malerischen Reiz verleiht, ist zwar auch heute noch die wichtigste Darstellungsmethode geblieben (vgl. das Kap. [Pharmakochemie]), wie außerordentlich aber die Apparate vervollkommnet wurden, zeigt ein Blick in die Destillierräume einer modernen Fabrik ätherischer Öle. Daneben sind jedoch für die Öle, die die doch ziemlich rohe Methode der Dampfdestillation nicht vertragen, die ja nur Öle mit kräftiger Konstitution aushalten und die uns so gut wie niemals das Öl in der Form liefert, wie es in der Pflanze vorhanden ist, andere Methoden eingeführt worden: die in Grasse geübte Enfleurage ([Fig. 169]), bei der Fette in der Kälte das ätherische Öl aufnehmen und der procédé pneumatique, bei dem die Blüten nur ihren Duft an kaltes Fett abgeben. Die ältesten wohlriechenden Öle waren (wohl warm bereitete) Auszüge von Pflanzen mittelst fetten Ölen. Das Verfahren wird noch jetzt geübt und «Macération» genannt ([Fig. 170]). Das Anstechen der Früchte mit der Ecuelle à piquer ([Fig. 172]) oder das Andrücken der Fruchtschalen an einen Schwamm (Spugna, Scorzetta-Prozeß, [Fig. 165] u. [166]), wie es in Italien bei einigen Aurantieenfrüchten geübt wird oder die höchst eigenartige, wenn auch primitive Macchina ([Fig. 167] u. [168]), mit der das Bergamottöl kalt herausgequetscht wird, sind solche sich der Eigenart gewisser Öle anpassende Methoden.

Ganz dezentralisiert ist die Gewinnung des Rosenöls in Bulgarien, wo über zahlreiche Dörfer, besonders in der Gegend von Kezanlik, hunderte von primitiven Destillierblasen zerstreut sind, die nur zur Zeit der Rosenblüte in Tätigkeit gesetzt werden ([Fig. 163] u. [164]). Dann auch die Fabrikation von Oleum pini pumilionis in der Schweiz (z. B. im Emmental). «Flottante Destillierblasen», Alembics voyageants ([Fig. 161]) finden wir bei den wandernden Destillateuren von Lavendelöl, die die duftenden Berge Südfrankreichs durchziehen und für kurze Zeit dort ihre Destillerie errichten, wo sie gerade gute Erträge zu erzielen hoffen. In größeren Fabriken zentralisiert ist dagegen die Fabrikation der ätherischen Öle bei Miltitz (SCHIMMEL & CO., [Taf. III]), Pirna (HÄNSEL), Grasse (ROURE BERTRAND FILS u. and.).

In die Reihe der Destillationen mit Wasserdampf (s. auch das Kapitel [Pharmakochemie]) gehört auch die Kampferdestillation in Japan und China, der dann eine Sublimation des Produktes und — häufig auch — eine Komprimierung folgt, die Colophoniumgewinnung durch Destillation der Terpentine ([Fig. 159] u. [160]) — aber nicht die Darstellung des «Harzöles», das vielmehr durch trockene Destillation des Colophoniums gewonnen wird. (Vgl. das Detail in meinem Buche: Harze und Harzbehälter, 1906).

Fig. 180.
Aloëbereitung am Kap. Der in die Ziegenfellmulde ausgeflossene Saft wird in Kanister ausgegossen.

Das Auspressen der fetten Öle, das zuerst, wie es scheint, bei der Olive (2000 v. Chr. oder noch früher), sehr früh auch bei der Mandel geübt wurde, ist jetzt durch Einführung der hydraulischen Plattenpressen, die schon vor 20 Jahren ihren Weg selbst in die Cocosölpressereien von Ceylon gefunden hatten — ich sah in den Mills in Colombo nur noch mit ihnen Öl pressen — auch in außereuropäischen Ländern sehr vervollkommnet worden. Wenig, z. B. auf entlegenen Inseln, findet man noch die alte Cocosölpresse ([Taf. XVI] u. [XVII]), in italienischen und südfranzösischen Dörfern die primitive Olivenölpresse ([Fig. 174]) mit dem Fiscolo ([Fig. 173]), auf den Bandainseln und auf Java noch die alte Presse für Muskatbutter, wie sie schon vor 200 Jahren dort üblich war.

Die Oliven kommen in Italien erst in steinerne runde Rinnen mit rundumlaufenden Mühlsteinen (Frantojo, [Fig. 174] links). Dort werden sie zu Brei gemahlen und dann in die eigenartigen, aus Halphagras und Baststreifen geflochtenen Körbe, die sog. Fiscoli ([Fig. 173]) geschoben. Diese werden, 20–25 Stück übereinander, unter einer Holzpresse aufgetürmt und dann gepreßt (erste Pressung). Dann kommt der Preßrückstand in eiserne hydraulische Pressen mit eisernen durchlöcherten Mänteln, die zu öffnen sind (zweite Pressung), die Trester liefern dann mit Schwefelkohlenstoff noch 10% Öl (Sulfuröl), der Rest ist gutes Brennmaterial für Dampfmaschinen. Man rechnet 30% des Gewichts der Oliven Öl, 20% Feuchtigkeit. Das Öl wird in eigenartigen Filtrierapparaten filtriert, in denen sich zahlreiche Zylinder aus durchlochtem Blech, die mit einem Siebboden unten geschlossen und mit Baumwolle gefüllt sind, befinden. Das Öl kommt dann in eine gemauerte Zisterne (postura). Neuerdings ist mit Erfolg das Pressen der Olive durch Zentrifugieren der erwärmten geöffneten Früchte ersetzt worden. Das Verfahren erschöpft die Frucht vollkommen. Das beste Öl liefern ein wenig vor Vollreife gesammelte Oliven, das meiste, von normaler Beschaffenheit, genau reife.

Fig. 181.
Einkochen des Saftes der Aloe ferox in Kesseln durch Kaffern. Im Hintergrunde die blühende Pflanze.

Daß die Gewinnung des Olivenöls in Italien — unter Benutzung von Strohkörben — sich mindestens seit dem XVI. Jahrh. nicht wesentlich geändert hat, zeigt die [Abbildung 175].

Die Olivenölpressung ist in Italien und der Provence ganz dezentralisiert. Jeder Bauer, der eine gewisse Anzahl von Olivenbäumen besitzt, hat auch seine kleine Ölmühle (trappeto).

Neuerdings wird als Ersatz des Olivenöls viel Arachisöl und Baumwollsamenöl gepreßt.

Eigenartig ist die Gewinnung des Ricinusöls in Indien. Die Samen werden zuvor erhitzt («geröstet»), durch sanften Druck von den Schalen befreit und zwischen warmen Plattenpressen gepreßt. Das bei 20–30° gepreßte ist das beste. Dann steigert man die Preßtemperatur. Das Öl wird sodann solange mit Wasser gekocht, bis alles «Eiweiß» abgeschieden ist, die Abscheidung abgeschöpft und das Öl in flachen Gefäßen einige Tage stehen gelassen. Dann wird es in c. 70 Liter fassende Tonkrüge gefüllt, die bis zur Öffnung in Erde eingegraben werden (SCHULTE AM HOFE).

Durch Auspressen des von der Schale getrennten Fruchtfleisches der Citrone wird übrigens auch der Citronensaft gewonnen ([Fig. 176]).

Einige Drogen werden durch Auskochen der betreffenden Pflanzenteile (Catechu, Agar-Agar) oder durch Anschneiden und Eindicken des ausgeflossenen Saftes (Capaloë) dargestellt. Dabei geht man dann in der Weise vor, daß man die eingedickte, halb erkaltete Masse, sei es in Würfel (Gambier, [Fig. 177]), sei es in schmale oder prismatische Stücke (Agar-Agar) schneidet oder in Kisten bezw. Kalebassen ausgießt und in diesen vollends erkalten und erhärten läßt (Aloë).

Fig. 182.
Kessel zum Auskochen und Presse zum Auspressen der Lappen bei der Perubalsamgewinnung in San Salvador.
[Preuß phot.]

Die Gewinnung der Aloë aus den Blättern der Aloë ferox habe ich (1907) nach Berichten von DR. MARLOTH in Kapstadt, wie folgt, geschildert.

«Die Gewinnung des Saftes geschieht noch immer nach der alten primitiven Methode. Eine flache Vertiefung im Boden wird mit einer Ziegen- oder (wo möglich) Pferdehaut bedeckt. Die abgeschnittenen Blätter ([Fig. 178]) werden rings herum zu einem kuppelartigen Bau von 1 m Höhe aufgepackt ([Fig. 179]). Nach einigen Stunden werden die Blätter einfach beiseite gestoßen und der ausgelaufene Saft in ein Gefäß gegossen, das meistens ein leerer Petroleumbehälter ist ([Fig. 180]). Am Abend wird dann der Saft in eisernen Töpfen über freiem Feuer ziemlich achtlos eingekocht ([Fig. 181]). Diesem Umstande verdankt die Droge ihre dunkle glasige Beschaffenheit.

Das Eintrocknen über freiem Feuer ist eine sehr beschwerliche Arbeit, denn es muß fortwährend gerührt werden, um das Anbrennen zu verhindern. Dabei greift aber der entweichende Dunst die Augen der Arbeiter sehr an. Wird nicht genügend eingekocht, so läuft die Masse nachher zusammen, wird zu lange gekocht, so brennt sie teilweise an. Aus diesem Grunde scheinen viele der Aloë-Sammler es jetzt vorzuziehen, den Saft an Fabriken zu verkaufen, anstatt ihn selbst einzukochen.

Neuerdings hat nämlich ein Unternehmer die Sache insofern verbessert, als er von den Eingeborenen den Saft kauft und ihn in flachen Holztrögen an der Sonne eintrocknen läßt, nachdem er einer gelinden Gärung überlassen wurde. Diese neue Sorte kommt unter der Marke «Crown-Aloë» in den Handel.

Leider war der erste größere Posten dieser neuen Marke in London mit dem Namen Uganda Aloë belegt worden, doch ist dies, wie ich schon neulich mitteilte, ein willkürlich erfundener Name. Diese neue und durchaus rationelle Darstellungsweise hat eine Zukunft. Die Crown-Aloë erzielt in London sehr gute Preise. Sie sieht freilich ganz anders wie Cap-Aloë aus, ist aber entschieden viel besser.» (TSCHIRCH, Schweiz. Wochenschr. 1902, Nr. 23.)

Fig. 183.
Aus Kautschuk geformtes Gefäß in Gestalt eines Tieres vom Amazonas.
[Tschirch phot.]

Fig. 184.
Bottle Rubber Para. Aus Kautschuk geformte Gefäße vom Amazonas.
[Tschirch phot.]

Fig. 185.
Aus Kautschuk geformter Schuh vom Amazonas. Die Form, in der vor 60 Jahren der meiste Kautschuk exportiert wurde.
[Tschirch phot.]

Fig. 186.
Teller aus Nelken geformt.
[Tschirch phot.]

Fig. 187.
Aus Nelken geformtes Kästchen aus Amboina.
[Tschirch phot.]

Fig. 188.
Aus Nelken geformtes Schiff von Amboina.
[Tschirch phot.]

Ein Auskochen findet auch bei der Perubalsam- und Styrax-Darstellung statt. Hier werden nach erfolgter Verwundung des Baumes und Bildung von Balsam im Neuholz aus der Wundnähe stammende Holz- und Rindenteile abgeschabt und dann mit Wasser ausgekocht. Bei der Perubalsamgewinnung werden auch die aufgelegten Lappen dieser Prozedur unterworfen. Nach dem Auskochen wird dann abgepreßt ([Fig. 182]).

Ein natürliches Bleichen am Licht findet bei der Macis, die frisch karminrot, am Licht getrocknet rötlichgelb, und beim Carrageen, das frisch kirschrot, gebleicht gelblich ist, statt.

Das Bleichen des Carrageen an der Sonne erfolgt erst, nachdem man den größten Teil des roten Farbstoffes durch Einlegen und Rollen der Algen in mit Süßwasser gefüllten Fässern entfernt hat.

Um die Ingwerrhizome der geschälten Sorten schön weiß zu erhalten, werden die gewaschenen und vorsichtig geschälten Rhizome eine Nacht in Wasser liegen gelassen, dem man oft noch Kalkmilch, Zitronensäure oder Essig zusetzt.

Künstliches Bleichen durch chemische Hilfsmittel gilt bei Drogen als unzulässig. So dürfen z. B. Ingwer, Cardamomen und Carrageen nicht mit Chlor oder schwefliger Säure gebleicht werden. Nur Sonnenbleiche ist zulässig. Auch das Bestreuen oder Bestreichen geschälter weißer Drogen mit Kreide oder Gips, das hie und da bei Iris und Ingwer beobachtet wurde, ist unzulässig.

Das Kalken der Muskatnüsse dagegen ist durchaus zulässig. Es hat nicht den Zweck, die Keimkraft zu vernichten, die bei den Samen, besonders den geschälten, rasch erlischt, sondern dient als wirksamer Schutz gegen Insektenfraß, wie besonders auf diesen Punkt gerichtete Versuche, die ich vor einigen Jahren angestellt habe, bewiesen haben.

Die Gewinnung der Gespinstfasern gehört schon in das Gebiet der technischen Rohstoffe. Sie beruht, soweit es sich um Bastfasern handelt, auf der möglichst vollständigen Isolierung derselben und Beseitigung der begleitenden Gewebe, bisweilen (Lein) unter Zuhilfenahme eines eigenartigen «Fermentierungsprozesses» (Flachsröste), der wohl darauf beruht, daß durch den Einfluß von Bakterien die Interzellularsubstanz pektinisiert und dadurch die Zellen leichter isoliert werden.

Die Entfernung der Samen aus der Baumwolle (das Egrainieren) bedarf besonderer Vorrichtungen.

Bisweilen werden die erzielten Drogenprodukte noch geformt. Aus dem Kautschuk und der Guarana-Pasta formte man ehedem alle möglichen Figuren ([Fig. 183][185]), jetzt werden aus ersterem meist nur Kuchen, aus letzterem, ebenso wie aus dem erweichten Drachenblut Stengel gebildet. Das indische Opium wird, wie schon oben beschrieben, entweder zu großen Kugeln (balls [Fig. 128]) oder zu rechteckigen Stücken ([Fig. 132]) geformt. Der Gambierwürfel wurde schon oben gedacht ([S. 135]). Aus Nelken werden in Amboina die zierlichsten und kunstvollsten Gebilde hergestellt: Büchsen, Teller, Kassetten, Schiffe ([Fig. 186] bis [188]). Doch ist dies eigentlich mehr eine Kuriosität und Spielerei.

Auch die früher vielfach übliche kunstvolle Verschlingung von Wurzeln ist nur noch bei der Angelica «in Zöpfen» in Gebrauch geblieben und von den zahlreichen eigenartigen Packungsarten der Sarsaparille sind fast nur noch die «Puppen» der Honduras jetzt im Handel.

Auch von den vielen oft kunstvollen Gefäßen, in denen früher besonders weiche Drogen in den Handel gebracht wurden, haben sich nur wenige erhalten: die kleinen Kalebassen des Tolubalsams (jetzt selten) und einer Curareart, die grossen der Curaçao-Aloë, die Töpfe des Tubocurare und die Bamburöhren des Röhrencurare, die wir aber eigentlich schon zu den Packungen (s. [Pharmakodiakosmie]) rechnen müssen.

Fig. 189.
Die Bereitung des Palmweins am Kongo. Der Kuli rechts ist im Begriff, den Schnitt am Gipfel zu machen.
[R. Visser phot.]

Eine ganz besondere und eigenartige Gruppe bilden Indigo und Lackmus, die als solche in den Stammpflanzen nicht vorhanden sind, sondern erst bei einem eigenartigen Behandlungsprozesse aus den in den Pflanzen enthaltenen Chromogenen entstehen. (Vgl. das Kapitel Pharmakochemie.)

Ein Nachfärben (mit Berlinerblau oder Indigo, dem Gips oder Talkum zugesetzt wurde) findet bisweilen beim grünen Tee statt.

Fig. 190.
Indianer bei der Pulquebereitung. Aufsaugen des angesammelten Saftes mittelst Hebers.
[Aus Preuß, Zentral- und Südamerika.]

Ein «Beduften» (Scenting) scheint beim schwarzen Tee hie und da in der Weise geübt worden zu sein, daß man dem fertigen Produkt wohlriechende Blüten beimengte und diese dann, nachdem sie ihren Duft abgegeben hatten, wieder aussiebte. Als solche Blüten wurden genannt: Aurantieen, Aglaia odorata, Chloranthus inconspicuus, Gardenia florida, Jasminum paniculatum und Sambac, Osmanthus fragrans. Wie TISCHOMIROFF durch Erkundigungen in China erfuhr, wird das «Beduften» des schwarzen Tees nicht oder doch (1893) nicht mehr geübt. Nur in die Kisten, die «Tee zu Geschenken» enthalten, wird auf den Boden bisweilen eine fingerdicke Schicht Aglaiablüten geschüttet. In Szeschuan werden bisweilen, aber nur für den örtlichen Gebrauch, die süßen Zweigspitzen von Viburnum phlebotrichum dem Tee beigemischt.

In Java und Ceylon fand ich (1889) weder Färben noch Beduften in Gebrauch.

Einige Drogen, wie das Curare und der Haschisch gehören schon zu den Präparaten, sind also eigentlich nicht mehr Simplicia, sondern Composita. Doch wird sie wohl jeder zu den Drogen im weiteren Sinne rechnen, trotzdem sie künstliche Gemische sind.

Die Herstellung von gegorenen Getränken aus Pflanzensäften fällt schon aus dem Gebiete der Pharmakognosie heraus. Doch kann man den Palmenwein ([Fig. 189]), den Cognac, den Arac und die Pulque ([Fig. 190]) wohl noch im weiteren Sinne zu den den Pharmakognosten interessierenden Objekten rechnen. Wenn sie auch natürlich keine eigentlichen Drogen sind, so werden sie doch ebenso wie der Wein auch gelegentlich zu Heilzwecken verwendet.

Bei der Pulquebereitung schneidet der Arbeiter die Knospe des Blütenstandes der Agave americana, bevor sich derselbe entwickelt, ab und saugt mit einem eigenartigen Instrument ([Fig. 190]) den zuckerhaltigen Saft an, der dann nach dem Vergären die «Pulque» liefert.

Bei der Palmweingewinnung schneidet man ebenfalls die Blütenstandknospe ab oder macht Einschnitte in den oberen Teil des Stammes ([Fig. 189]), sammelt den austretenden zuckerreichen Saft und läßt ihn vergären.

Fig. 191.
Die Räucherung des Kautschuks mit Palmnüssen (Defumaçao da borracha) im Amazonasgebiet unter Anwendung kleiner «Ruder» zur Herstellung kleiner Kuchen.
[Aus Hubers Arboretum amazonicum.]

Daß man Drogen auch durch eine rationellere Erntebereitung verbessern kann, unterliegt keinem Zweifel, und man sollte gerade diesem Umstande besondere Aufmerksamkeit widmen. Das Standardbeispiel bildet der Hevea-(Para-)Kautschuk, der von in Ceylon, Sumatra und Malacca kultivierten Heveaarten gewonnen, durch rationelles Koagulieren und Strecken der Abscheidung zu Fellen jetzt schon in so vortrefflicher Qualität am Markte ist, daß er im Preise an der Spitze aller Sorten steht und schon höher wie bester brasilianischer Para bezahlt wird.

Die Koagulation der Kautschuk-Milchsäfte ([Fig. 191] u. [192]) ist jetzt schon eingehend studiert.

Fig. 192.
Kochen des Latex und der Kautschukkuchen in Lusambo (Kongo).

Man unterscheidet hier folgende Koaleszenzmittel:

  1. Natürliche Methoden:
    1. Einfaches Verdunstenlassen an warmer Luft
    2. Verdunstenlassen am menschlichen Körper.
  2. Mechanische Methoden:
    1. Durch Schlagen, Buttern bei 50°;
    2. Durch Zentrifugieren nach BIFFEN.
  3. Chemische Methoden:
    1. Räucherung, z. B. mit der Räucherungsmaschine von CARDOCO DANIN;
    2. Einfache Kochmethode;
    3. Zusatz eines großen Quantums Wasser;
    4. Durch Salzwasser;
    5. Durch Vegetabilien, wie die Samen von Aurantiaceen, der Saft von Sachacamote, Bossasangasaft, die Wurzelknollen von Ipomoea bona nox;
    6. Durch Chemikalien, wie Alaun, Schwefelsäure, Seesalz, Seifenwasser, Alkohol, Sublimat, Calciumchlorid, Salzsäure, Phönicinschwefelsäure, Aceton, Eisessig, Ameisensäure, mit H2SO4 versetzte 4% Phenollösung;
    7. Durch Urin;
    8. Durch Sterilisieren mit Formaldehyd, Guajacol- oder Thymollösung, dann Verdünnen mit Wasser und Versetzen mit Oxalsäure, Ameisensäure, Zitronensäure oder mit wässerigen Extrakten der Termiten und Ameisen. (Vgl. TSCHIRCH, Harze und Harzbehälter 1906.)

Die Sitte, frische Pflanzenteile mit Zucker einzukochen — sog. Condita darzustellen, — die früher bei zahlreichen Heilpflanzen üblich war, z. B. auch bei Rhiz. Enulae, ist jetzt nur noch beim Ingwer, den dickschaligen Citrusarten (z. B. C. medica) — Citronat, Cedrat — und bei Angelica (in Clermont Ferrand) erhalten geblieben.

Fig. 193.
Die Fabrikation des Indigo.
[Nach Pomet, Hist. des drogues, 1694.]

Fig. 194.
Moderne Indigofabrik in Indien.
[Aus Roscoe-Schorlemmer, Lehrb. d. Chemie.]

Fig. 195.
Sortieren des Tabak in Sumatra.
[Kew Museum.]

Fig. 196.
Zurechtschneiden der Ceylon-Zimtröhren auf eine Länge.
[Kew Museum.]

Fig. 197.
Sortieren des Tees in China.
[Aus Illustrierte Welt.]

Fig. 198.
Auslesen von Muskatnüssen auf Java.
[Kolonial-Museum Haarlem.]

Fig. 199.
Auslesen der Chinarinde und Trocknen derselben auf Bambutellern (Tampirs) in Lembang auf Java.
[Tschirch phot.]

Fig. 200.
Auslesen der Rosenblumenblätter in Grasse.

Auch die arabische Sitte, eingedickte PflanzensäfteRoob, Rob, Rubb — darzustellen, ist heute nur noch bei wenigen Früchten (Sambucus, Juniperus) beibehalten worden. Das Dorf Trimmis (Graubünden) erzeugt jährlich mehrere 100 kg Succus Sambuci.

Man ist übrigens wie bei der Verpackung auch bei der Erntebereitung ziemlich konservativ. Das Umbaopopanax scheint auch heute noch auf die gleiche Weise dargestellt zu werden wie im Altertum. Das gleiche gilt wohl von der Aloë.

Wie konservativ man bei der Indigofabrikation geblieben ist, lehrt der Vergleich zwischen der Abbildung der Indigobereitung, die ich aus POMET, Hist. gener. des drogues 1694 wiedergebe ([Fig. 193]) und einer modernen Anlage ([Fig. 194]), die ich dieser gegenüberstelle.

Oft ist das geerntete Produkt nicht ganz rein und es muß dann ein Auslesen oder Sortieren erfolgen. Dies geschieht bei vielen Drogen schon beim Produzenten. Die Teeblätter ([Fig. 197]), die Muskatnüsse ([Fig. 198]) und die Chinarinde ([Fig. 199]) werden «verlesen», bevor man sie verpackt, Rosenblätter ([Fig. 200]), bevor man sie destilliert. Besonders sorgfältig geschieht das Sortieren beim Deckblattabak in Sumatra ([Fig. 195]). Bei der Cubebe, den Umbelliferenfrüchten u. a. werden die Stiele entfernt. Die Gummis und Harze werden sortiert. Vielfach geschieht das Auslesen aber auch erst in den Stapel- und Hafenplätzen oder gar erst in den Einfuhrhäfen in Europa oder bei den inländischen Großdrogenhäusern. Das gehört dann also schon in das Kapitel «Behandlung der Droge im Einfuhrhafen» ([s. d.]).

Eine besondere Form des Auslesens ist das «Reppeln», das darauf beruht, daß man die groben wertlosen Teile von der eigentlichen Droge durch Rüttelsiebe abtrennt. So wird die Kusso gereppelt, d. h. die zarten Blüten von den derben Infloreszenzaxen getrennt, so werden durch Reppeln auf Rüttelsieben die Sekretdrüsen und die Büschelhaare, die die Kamala bilden, von den Früchten des Mallotus philippensis und jene, die das Lupulin bilden, von den Fruchtschuppen der weiblichen Infloreszenz der Hopfenpflanze abgelöst.

Bei der Baumwolle werden die Fruchtschalreste entfernt. Dann werden die Haare und Samen getrennt (Egrainieren). Die Samenschalhaare bilden die Baumwolle, der Samen liefert das Baumwollsamenöl.

Fig. 201.
Stampfen der zerkleinerten Chinarinde, um ihr Volumen zu verringern, auf Java.

Einige Rinden werden auch schon im Produktionslande auf eine bestimmte Länge zurechtgeschnitten. Bei den Chinarinden geschieht dies in Java, um sie gut und mit möglichster Raumersparnis in den Kisten unterbringen zu können. Beim Ceylonzimt werden die aus mehreren zusammengeschobenen Rinden gebildeten Röhren meist genau auf 1 m gebracht ([Fig. 196]), aus denen dann die Fardelen gebildet werden. Fardello bedeutet Bündel. Schon in PAXIS Taripha (s. [Geschichte]) findet sich: «Canelle longe in fardo». Die Packung scheint also sehr alt zu sein.

Fig. 202.
Einstampfen des Yerba Mate in Paraguay.
[Nach Hengstenberg, Weltreisen.]

Fig. 203.
Hydraulische Presse zur Herstellung der Chinarindenballen in Colombo (Ceylon).
[Tschirch phot.]

Fig. 204.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte Chinarindenballen in Hultsdorf Mill, Colombo (Ceylon).
[Tschirch phot.]

Fig. 205.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte Baumwollenballen zum Verladen bereit (St. Louis).

Da die Dampferlinien die Fracht nach dem Volumen und nicht nach dem Gewicht berechnen — eine Ausnahme machen nur die Metalle — so hat der Versender ein Interesse, das Volumen zu verringern. Dies geschieht in primitiver Weise dadurch, daß man die Drogen einstampft. Etwas derartiges sehen wir z. B. bei den als Fabrikrinden bezeichneten Chinarinden, bei denen es nicht auf schönes Aussehen ankommt ([Fig. 201]). Beim Mate erfolgt das Pulvern durch Schlagen mit hölzernen Stäben ([Fig. 202]). Oder man bedient sich zum Zusammenpressen hydraulischer Pressen. Dies geschieht z. B. bei der Chinarinde in Ceylon ([Fig. 203] u. [204]) und der Baumwolle ([Fig. 205]). Doch dies gehört schon in das Gebiet der Verpackungen ([s. d.]). Bei dem Mate ([Fig. 206]) und bei dem zur Ziegelteebereitung benutzten Teepulver ([Fig. 207]) bedient man sich auch eigenartiger Mühlen, um das Material zu Pulver zu mahlen. Die Reismühle dagegen entfernt die Spelzen und die Schale, «schält» also nur.

Fig. 206.
Primitive Yerba-Mühle in Paraguay.
[Nach Hengstenberg, Weltreisen.]

Fig. 207.
Teemühle zur Bereitung des Ziegeltees.

Ganz einzig in seiner Art ist das Zeichnen der noch an der Pflanze hängenden Vanillefrüchte zum Schutz gegen Diebstahl. Die Pflanzer in Bourbon zeichnen nämlich mit Hilfe von Nadeln alle Früchte noch am Stock. Die Anordnung der Stiche ist auf den Plantagen verschieden, aber jede hat ihre besonderen Zeichen. Bald bilden die Stiche zusammen genommen arabische Ziffern (5, 6, 8, 10), bald Buchstaben (D bedeutet z. B. die Plantage von Dureau de Vaulcomte), und viele dieser Zeichen sind auf dem Gerichte als «Schutzmarke» eingetragen. Werden nun gestohlene Früchte angeboten, so wissen die Händler sofort, wo sie gestohlen sind und wem sie gehören.

Die Abfälle der Erntebereitung werden bei vielen Drogen verwertet. Die Preßrückstände der Öldrogen, z. B. die Cocospreßkuchen, die Sesam-, Mohn- und Senfpreßkuchen werden als stickstoffreiches Futtermittel benutzt, ebenso die extrahierten und getrockneten Rübenschnitzel der Zuckerfabriken. Die Destillationsrückstände der Fabrikation ätherischer Öle dienen als Düngemittel, ebenso die Fruchtschalen des Kaffee und der Muskatnüsse. Letztere dienen aber auch, in Gruben der Zersetzung unterworfen, als Nährboden für den Muskatpilz (djamur pala), einem beliebten Leckerbissen auf den Bandainseln. Die Abschabsel beim Schälen der Zimtrinde werden zur Öldestillation benutzt.

An der Gewinnung der Drogen beteiligen sich alle Rassen und fast alle Nationen der Welt, wie man leicht beim Durchsehen der Abbildungen dieses Buches feststellen kann, auf denen sich Vertreter aller Völker dargestellt finden: Kaffern, Neger, Singhalesen, Tamils, Malaien, Javanen, Chinesen, Japaner, Türken, Brasilianer, Mittelamerikaner und alle Nationen Europas (Spanier, Griechen, Italiener, Bulgaren, Deutsche, Franzosen, Engländer, Holländer usw.).

Aus fernen Landen bringen die Galeeren Gold, Weihrauch und Gewürze sonder Zahl, Heilkräft’ge Kräuter, Balsam, Silphium, Myrrhe —