2. Einsammlung.
Obwohl das Einsammeln wildwachsender Pflanzen nicht eigentlich in das Kapitel Pharmakoërgasie (Arzneipflanzenkultur) gehört, sei doch auch dieses Zweiges der Drogenkunde an dieser Stelle gedacht, da bei weitem die Mehrzahl der heimischen Drogen von wildwachsenden Pflanzen gesammelt wird. Die Kräutersammler oder Kräutersammlerinnen bringen ihre Ausbeute entweder den Drogisten in den Städten oder den Landapothekern, die ihren Überschuß dann an Grossisten weitergeben. Das Trocknen besorgt meist der Apotheker, bisweilen aber auch der Kräutersammler.
«Übrigens sollte», sagt J. C. EBERMAIER, «billig ein jeder Apotheker diejenigen Vegetabilien, welche in seiner Gegend in zureichender Menge einheimisch sind, selbst sammeln lassen und sie nicht etwa der Bequemlichkeit wegen schon trocken von anderen Orten verschreiben, weil man nicht wissen kann, ob dieselben zu rechter Zeit eingesammelt und gehörig getrocknet wurden und ob sie auch wirklich frisch sind.»
Fig. 62.
Alraungräber nach einer Handzeichnung aus dem XVI. Jahrh. im German. Museum.
[Aus Peters, pharm. Vorzeit.]
Bereits PLINIUS SECUNDUS gibt einige ganz verständige Vorschriften für die Einsammlung. Er sagt z. B.: «Der Thymian muß während seiner Blütezeit gesammelt und im Schatten getrocknet werden». Er erwähnt auch die merkwürdige Einsammlung des Ladanum mittelst der Bärte der Ziegen.
Auch die römischen Schriftsteller der Landwirtschaft aus der ersten Zeit nach Christi Geburt und später, besonders COLUMELLA und PALLADIUS (s. [S. 75]) gedenken der Kultur und Einsammlung der Heilpflanzen; ebenso der Kalender des HARIB (961), der z. B. vorschreibt, daß Scilla im April zu sammeln ist. Auch in dem Minhag ed dukkân des ABUL MUNA aus dem Jahre 1260 (arab. Text 1881 in Bulacq bei Kairo gedruckt) befindet sich ein Kapitel, «zu welcher Zeit und von welchem Orte sie (die simplicia) geerntet und bezogen werden sollen, wie und in welchen Gefäßen man sie aufbewahrt».
In SALADINS Compendium aromatariorum (1488) handelt der fünfte Abschnitt ausführlich und ganz vernünftig von den Regeln beim Einsammeln der einzelnen Vegetabilien. Unvernünftig, aber ganz im Geiste jener Zeit sind dagegen die Vorschriften, die SCHRÖDER in seiner Pharmacopoea medico-physica (1641) im Kapitel «de colligendi tempore secundum constitutionem» gibt, das mit den Worten beginnt: «Macrocosmica constitutio rerum nativarum colligendarum spectatur, partim qualitatibus universalioribus seu manifestioribus, partim influentis stellarum specialioribus seu occultioribus».
Zur «Zeit des pharmakologischen Barok», wie FRISTEDT die Periode der Pharmakognosie nennt, in der der Drogenschatz Europas auf 6000 gestiegen war (XVI. bis XVIII. Jahrh.), wurde der Einsammlung ein großes Gewicht beigelegt und genaue Vorschriften gegeben. Aus dieser Zeit stammt das Werk von HEISTER, de collectione simplicium (Helmstadii 1722) und auch ANTOINE BAUMÉ beschrieb in seinen Elements de pharmacie, Paris 1762, die Einsammlung der Arzneipflanzen.
Besonders enthält aber des ZACUTUS LUSITANUS (1575–1642) Pharmacopoee aus dem Jahre 1641 (vgl. die Besprechung von RICH. LANDAU Janus, 1899) sehr genaue Vorschriften über Einsammlung und Trocknung der Vegetabilien.
Auch die Lehren der chinesischen Pharmakologie, die sonst viel Phantastisches enthalten, betrachten die Wirksamkeit einer Heilpflanze als abhängig vom Boden, von der Einsammlungszeit, der Art des Trocknens. «Man soll die zu Heilzwecken bestimmten Pflanzenteile im Frühjahr früh morgens und im Herbst abends einsammeln. Früchte, Blätter, Blüten und Stengel müssen in ganz reifem, ausgebildetem Zustande geerntet werden.»
Fig. 63.
Orangenblütenernte in Bar sur Loup bei Grasse.
[Aus Roure-Bertrand fils Berichte.]
Daß man Arzneipflanzen nicht zu jeder beliebigen Zeit einsammeln dürfe, war also schon den Alten bekannt. Die Rhizotomen (s. [Geschichte]) wußten auf diesem Gebiete offenbar gut Bescheid, doch hat THEOPHRAST, der selbst einige Regeln über das Einsammeln der Wurzeln und Früchte gab, sicher Recht, wenn er meint, daß von den Vorschriften der Rhizotomen und Pharmakopolen «einiges zweckmäßig, anderes marktschreierisch», und man kann hinzufügen, noch anderes auf Aberglauben beruhend ist. Die Rhizotomen gaben nämlich nicht nur Vorschriften über die Zeit der Einsammlung — welche Pflanzen bei Nacht, bevor die Sonne darauf scheint, welche bei Tage zu graben sind, sondern erachteten auch manchen Hokuspokus dabei für erforderlich: Thapsia solle man mit Öl gesalbt vom Winde abgewandt graben, vor der Einsammlung der Nießwurz solle man Lauch essen, beim Graben der Kentauris (Centaurea Centaur.) müsse man sich vor der Weihe hüten.
Fig. 64.
Einsammlung der Veilchen in einem Olivenhain in Grasse.
«Auch den Mandragoras (vgl. [Fig. 62]) solle man dreimal mit dem Schwerte umziehen und gegen Abend gewandt abschneiden; ein anderer aber solle rings um ihn her tanzen und viel von Liebeswerken reden. Gleicherweise solle man beim Kümmel, wenn man ihn sät, Lästerungen reden. Auch um die schwarze Nießwurz solle man einen Kreis beschreiben, sich gegen Mittag stellen und beten und sowohl rechts wie links auf den Adler acht geben, denn er bringe dem Grabenden Gefahr; käme er ihnen nahe, so stürben sie in demselben Jahr.» «Das alles», sagt schon THEOPHRAST, «scheint ungereimt zu sein».
Doch spielt das mit geheimnisvollen Zeremonien umgebene Graben und Verarbeiten von Heil- und Giftpflanzen auch im Volksaberglauben der nördlichen Völker noch in viel späterer Zeit eine große Rolle (vgl. z. B. MACBETH).
Durch PARACELSUS ist die Beziehung der Einsammlung zum Stande der Gestirne betont worden und bei SCHRÖDER finden wir ein sehr langes Kapitel, in dem diese Beziehungen auf das ernsthafteste eingehend behandelt werden. Für die Einsammlung gibt nämlich J. CHR. SCHRÖDER in seiner Pharmacopoea medico-physica 1641 (s. [oben]) auf astrologische Erwägungen gegründete Vorschriften in dem Kapitel, das überschrieben ist: «de colligendi tempore secundum influentias particulares». Für die Einsammlungszeit ist die Stellung der Gestirne, die Nativitätsstellung, maßgebend. «Tempus colligendi nativa influentiarum siderearum ratione censetur aptius, quo Planeta rei colligendae familiaris in suis fuerit fortitudinibus, idque tanto convenientius judicatur, quanto plures fortitudines Planeta idem obtinuerit.» (Ähnlich in CRÜGENER Neu verm. Chymischer Frühling, sambt einer Astrolog. Continuat. d. Gewächse zu samblen, Nürnberg 1654 u. Chymischer Sommer 1656.) Aber bereits SALADIN VON ASCOLO bezeichnet diese astrologische Methode des Einsammelns lange vor SCHRÖDER als eine «doctrina speculativa».
THURNEYSSER, ein Anhänger des PARACELSUS, schreibt in seinem Kräuterbuche Historia und Beschreibung Influentischer, Elementischer und natürlicher Wirkungen aller fremden und heimischen Erdgewächse, auch ihrer Subtilitäten usw., Berlin 1578:
Verbeen, Agrimonia, Medelger, charfreytags graben
hilft dir sehr, daß dir die fraven werden hold,
doch brauch kein eisen, grabs mit goldt!
Außerdem muß es liegen bleiben bis Morgentau darauf fällt, der Sammler muß bis Sonnenaufgang dabei bleiben und dann erst es aufheben. Mit Eisen darf es nicht in Berührung kommen.
Fig. 65.
Sammeln der Rosenblüten in Bulgarien.
Aber ganz ist diese Form des Aberglaubens auch heute noch nicht im Volke, selbst von Europa, ausgerottet, wie Gerichtsverhandlungen unserer Tage gelegentlich enthüllen. Und erst recht nicht bei den halbzivilisierten Völkern Asiens. A. G. VORDERMAN zeigte (Planten-animisme op Java, Teysmannia 1896), wie auch auf Java der Volksglaube einer Beseelung der Pflanze zu finden ist und sich oft in naiver Weise äußert. So wirkt nach javanischem Glauben die Pflanze Sarcolobus narcoticus zwar auf Tiger und Wildschweine giftig, nicht aber auf den Menschen. Wer also diese Pflanze als Tigergift sammeln will, muß die Pflanze zu dem Wahne bringen, daß sie von einer wilden Bestie, nicht aber von einem Menschen gepflückt werde, damit Sarcolobus seine höchste Giftigkeit auch richtig äußere. Der Sammler nähert sich also der Pflanze nachts, auf allen Vieren kriechend und Tierlaute nachahmend! Ist einmal die als Gift benutzte Rinde eingesammelt, so muß man sich hüten, dieses Gift in die Nähe einer Leiche zu bringen, sonst denkt der Sarcolobus, er habe bereits seine Schuldigkeit getan und verliert seine Giftigkeit. GRESHOFF glaubt, daß gerade bei Sarcolobus die Idee einer Pflanzenseele so ausgeprägt ist, weil diese auf Java in großem Umfange benutzte Giftpflanze oft ihre Wirksamkeit — auf der Anwesenheit einer harzigen, leicht zersetzlichen, coniinartig wirkenden Substanz Sarcolobid beruhend — bei längerem Aufbewahren einbüßt und man sich mit dieser wohlbekannten Erfahrung abfinden wollte.
Fig. 66.
Einsammlung der Cassieblüten bei Grasse.
Fig. 67.
Safran-Ernte. Ablösen der Safrannarben von den Blüten.
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GRÖSSERES BILD
Im Mittelalter hatte man die merkwürdigsten Anschauungen über die Einsammlungszeit. In der wohl aus dem IV.–VI. Jahrh. stammenden Schrift HERMETIS TRISMEGISTI περὶ βοτανῶν χυλώσεως werden z. B. die Arzneipflanzen direkt nach den Sternbildern benannt, in deren Zeichen sie zu sammeln sind, um ihre beste Arzneiwirkung zu üben. Eine Pflanze, die im Mai, wenn die Sonne im Zeichen des Stieres steht, gesammelt werden muß, um wirksam zu sein, heißt «Kraut des Stieres», eine, die im November zu sammeln ist, wenn die Sonne in dem Zeichen des Skorpions steht: «Kraut des Skorpions». So ist Anagallis: Kraut des Schützen, Aristolochia: Kraut der Fische, Calaminthe: Kraut der Jungfrau, Cyclaminos: Kraut des Löwen, Elelisphacos (Salvia): Kraut des Widder, Lapathon (Rumex): Kraut des Steinbock, Marathron: Kraut des Wassermann, Peristereon hyptios (Verbena supina): Kraut der Zwillinge, Scorpiurus: Kraut der Wage, Symphytos: Kraut des Krebses. Dann wird an gleicher Stelle auch ein Kraut des Saturn (Sempervivum), ein Kraut des Merkur (Phlomos = Verbascum), ein Kraut des Mars (Peucedanus), ein Kraut der Venus (Panaces, Adiantum), ein Kraut der Sonne (Heliotropion), ein Kraut des Jupiter (Eupatorium), ein Kraut des Mondes (Aglaophotis) erwähnt.
Fig. 68.
Safranernte. Sammeln der Blüten.
Fig. 69.
Pflücken der Tabakblätter auf einer Tabakplantage Jamaikas.
Gegenüber all diesem Aberglauben ist wieder das, was DIOSKURIDES vor fast 2000 Jahren über das Einsammeln sagte, von größter Sachlichkeit, es klingt ganz modern.
«Vor allem», sagt er, «ist es notwendig, mit Sorgfalt bedacht zu sein auf die Aufbewahrung und das Einsammeln eines jeden Mittels zu der ihm angepaßten geeigneten Zeit. Denn davon hängt es ab, ob die Arzneien wirksam sind oder ihre Kraft verlieren. Sie müssen nämlich bei heiterem Himmel gesammelt werden; denn es ist ein großer Unterschied darin, ob die Einsammlung bei trockenem oder bei regnerischem Wetter geschieht, wie auch, ob die Gegenden gebirgig, hoch gelegen, den Winden zugängig, kalt und dürr sind, denn die Heilkräfte dieser Pflanzen sind stärker. Die aus der Ebene, aus feuchten, schattigen und windlosen Gegenden sind zumeist kraftloser, um so mehr, wenn sie zu ungeeigneter Zeit eingesammelt werden oder aus Schlaffheit hingewelkt sind. Auch ist freilich nicht außer acht zu lassen, daß sie oft durch die gute Bodenbeschaffenheit und das Verhalten der Jahreszeit früher oder später ihre volle Kraft haben. Einige haben die Eigentümlichkeit, daß sie im Winter blühen und Blätter treiben, andere blühen im Jahre zweimal. Wer hierin Erfahrungen sammeln will, der muß dabei sein, wenn die neuen Sprossen aus der Erde kommen, wenn sie sich im vollen Wachstum befinden und wenn sie verblühen.»
«Die zarten Pflanzen, z. B. Schopflavendel, heller Gamander, Polei, Eberreis, Seebeifuß, Wermut, smyrnäischer Dosten und ähnliches muß man sammeln, wenn sie im Samen stehen, die Blüten aber vor ihrem Abfallen, die Früchte, wenn sie reif sind, und die Samen, wenn sie zu trocknen beginnen vor dem Abfallen. Die Pflanzensäfte muß man bereiten aus den Stengeln, wenn sie eben ausschlagen. Ähnlich verhält es sich mit den Blättern. Die ausfließenden Säfte aber und die Tropfenausscheidungen muß man gewinnen, indem man die Stengel anschneidet, wenn sie sich noch in voller Kraft befinden. Die zum Aufbewahren und zum Saftausziehen, sowie zum Abziehen der Rinde bestimmten Wurzeln sammelt man, wenn die Pflanzen anfangen die Blätter zu verlieren.»
Fig. 70.
Einsammlung der Pfefferminze bei Mitcham (U. S. A.). Schneiden mittelst Maschine und Binden zu Ballen.
[Nach John Jakson.]
Fig. 71.
Ernte des Zuckerrohrs in Amerika (New Orleans).
Eine richtige Beobachtung liegt auch der Forderung der Alten zugrunde, daß Thapsia (Th. Silphium und garganica) nur gegraben werden dürfe, nachdem die nackten Teile der Haut gehörig eingesalbt worden waren, denn hier konnte der Milchsaft reizend wirken. Auch die Vorschrift, die sich bei MACBETH findet: «Root of hemlock digg’d i’ the dark» stimmt, wie LANDER BRUNTON hervorhebt, mit den pharmakophysiologischen Ergebnissen überein.
Daß Arzneipflanzen erst durch eine besondere Weihe seitens der Kirche ihre wahre Heilkraft erhalten, ist in katholischen Gegenden Deutschlands auch heute noch ein allgemein verbreiteter Glaube. Mariä Himmelfahrt (15. August), der Festtag, an dem auf dem Lande die Heilkräuter geweiht werden, heißt im Volke ausdrücklich «Frauenkräutltag» und der Kräutlweih ist ein im XX. (!) Jahrh. verfaßtes, übrigens recht hübsches Gedicht einer katholischen Schriftstellerin gewidmet, die unter dem Namen M. HERBERT schreibt. Es lautet:
Ich ging am Frauenkräutltag
Zur Nacht hinaus in tiefem Schweigen.
Es war kein Mensch im weiten Rund
Und auch kein Sternlein wollt sich zeigen.
So muß es sein! In Nüchternheit
Und ganz allein und ungesprochen
Seit Mitternacht, da hab ich mir
Zur Weih die Kräuter abgebrochen.
Den Hauswurz brach ich, daß er mir
Vorm Blitz behüte meine Seele —
Vorm Blitz, der dir im Auge flammt,
Daß er mir nicht den Frieden stehle.
Den Baldrian ins Gürtelschloß:
Daß ich in Züchten geh’ und Treue,
Daß ich im letzten Stündelein
Mein leichtes Leben nicht bereue.
Den Gundermann als Zauberschutz,
Daß nicht mein Fuß vom Wege irre,
Daß nicht um dein geliebtes Haupt
Zu häufig der Gedanke schwirre.
Den Wermut übers Einfahrttor,
Daß ich das Leben lerne leiden
Auch wenn dein Fuß auf ewig wird
Des Hauses fromme Schwelle meiden.
Wir haben also keinen Grund, auf den Aberglauben des klassischen Altertums und des deutschen Mittelalters oder den der Naturvölker hochmütig herabzublicken. Er blüht mitten unter uns, entbehrt aber nicht der Poesie.
Die Behörden haben wohl nur selten dem Einsammeln von Arzneipflanzen ihre Aufmerksamkeit gewidmet.
Über das Sammeln der Heilkräuter in Rußland bis zur Zeit Peters des Großen berichtet LACHTIN (Russ. Arch. 1902) und teilt mit, daß es tributartig besorgt werden mußte und sich die Bauern gern der lästigen Pflicht zu entziehen suchten. Unter staatlicher Aufsicht wurden die pflanzlichen Heilmittel in die Apotheken Moskaus abgeliefert. Dies ist der einzige mir bekannte Fall einer zwangsweisen Einsammlung von Heilpflanzen.
Fig. 72.
Schneiden und Entblättern des Zuckerrohrs auf Jamaika.
[Nach Stromeyer & Wyman.]
HERZOG ERNST DER FROMME von Sachsen-Gotha erließ 1655 eine Verordnung an seine Forstbeamten, die in den einzelnen Forstbezirken seines Landes vorkommenden «nützlichen Kräuter», d. h. die Arzneipflanzen, zu verzeichnen und nachzuweisen. Auf der Gothaer Bibliothek gibt es zu dieser Verordnung mehrere solcher Verzeichnisse, dazu auch zwei Herbarien von Kräutern «so zur Apothek von nötun», aus dem Bezirk von Heldburg mit 58 verschiedenen Pflanzen und vom Amt Königsberg mit 71 (G. ZAHN, Aus Koburg-Gothaischen Landen 1903). Beim Nachsuchen werden sich wohl auch in anderen Gegenden noch solche Verordnungen finden.
Eine norwegische Medizinalverordnung vom Jahre 1672 förderte die Errichtung von Kräutergärten bei den Apotheken und Klöstern.
Fig. 73.
Geschlagenes Zuckerrohr der Plantage Solidad. Guantanamo auf Kuba.
[Nach Stromeyer & Wyman.]
Fig. 74.
Das geschnittene und entblätterte Zuckerrohr wird auf Ochsenkarren verladen und in die Mill gebracht (Kuba).
[Nach Stromeyer & Wyman.]
Wie GROSIER 1787 aus China berichtete, wurde der Ginseng, den nur der Kaiser sammeln durfte, alljährlich durch eine kaiserliche Armee von 10000 Soldaten eingesammelt, für die eine peinliche Ordnung bestand und die während der sechs Sammelmonate im Freien kampieren mußte.
Die Einsammlung der heiligen Mistel durch die Druiden in Gallien wurde mit großem Pompe durchgeführt (CHÉRUEL). «Nil habent», sagt auch PLINIUS, «Druides visco et arbore in que gignetur, si modo sit robur, sacratius.»
Die Einsammlung der arzneilich angewendeten Pflanzen und Pflanzenprodukte war ehedem, soweit es sich um einheimische handelte, ausschließlich Sache der Apotheker oder von diesen beauftragter Leute. Heutzutage, wo nur in einigen Gegenden noch der Apotheker selbst sich damit beschäftigt und die Drogen von den Händlern gekauft werden, ist die Einsammlung meist Sache der Drogenhandlungen geworden, die die Landbevölkerung zu dem Geschäfte heranziehen. So werden in jede Drogenhandlung vom Frühjahr bis zum Herbst zahlreiche, meist kleine Posten eingeliefert, die auf dem flachen Lande von den wildwachsenden Pflanzen gesammelt wurden. In größerer Menge werden in Deutschland von wildwachsenden einheimischen Pflanzen jetzt eigentlich nur noch die sogenannten narkotischen Kräuter (Digitalis, Belladonna, Conium, Hyoscyamus) und Samen, sowie einige Wurzeln und Rhizome (Gentiana, Filix, Calamus, Taraxacum) gesammelt (vgl. im übrigen die Tabellen auf [S. 65]). Die Einsammlung, meist seit altersher in den Händen einiger Familien, geschieht im allgemeinen zu einer Zeit, die der Höhe der arzneilichen Wirksamkeit des betreffenden Pflanzenteils entspricht, so daß gegen die Art dieser Einsammlung im großen und ganzen nichts einzuwenden ist. Auch vor Verwechslung wissen sich die betreffenden Sammler, trotzdem ihnen eigentliche botanische Kenntnisse abzugehen pflegen, zu bewahren. Langjährige praktische Erfahrung ersetzt hier das wissenschaftliche Verständnis. Immerhin kommen Verwechslungen doch noch da und dort vor. So wird, um nur ein Beispiel anzuführen, vielfach das aspidinhaltige Rhizom von Aspidium spinulosum an Stelle des Filixsäure enthaltenden Rhizoms von Asp. Filix mas gesammelt. Um sich vor diesen Verwechslungen zu bewahren, sollte zwar der Drogist mit ausreichenden botanischen Kenntnissen ausgerüstet sein. Da er es jedoch oftmals nicht oder nur in geringem Maße ist, so liegt es dem Apotheker ob, die von dem Drogisten aus zweiter Hand gekauften Waren auf ihre Identität und Reinheit zu prüfen. Damit er dies kann und sich also vor Benachteiligung oder gar vor schwerem Schaden zu bewahren vermag, muß er pharmakobotanisch gut geschult sein. Jedenfalls darf es der Apotheker niemals unterlassen, die gekauften Drogen einer sorgfältigen Prüfung zu unterwerfen, da es oft genug vorgekommen ist, daß ganz unschuldigen Kräutern giftige beigemengt waren.
Fig. 75.
Cane Shed. Das geerntete, von den Blättern befreite Zuckerrohr vor der Verarbeitung (New Orleans).
[Mugnier phot.]
«Die Einsammlung der nicht narkotischen Kräuter, Wurzeln, Samen usw. geschieht ebenfalls von der Landbevölkerung. Die «Kräutersammler, Wurzelgräber, Botaníker» — mit dem Ton auf dem i — wie sich die Leute nennen, suchen die oft nur ihnen bekannten Standorte der betreffenden Pflanzen zu der Zeit auf, die als die beste durch die Tradition bezeichnet wird. Selten ist es möglich, sie eines Besseren zu belehren, wenn die Zeit, in der sie seit altersher die Droge sammelten, sich vielleicht durch systematische wissenschaftliche Untersuchungen als unvorteilhaft erwiesen hat. Mit der ganzen Zähigkeit, die den Landmann auszeichnet, halten sie an ihren Vorurteilen fest, und es ist um so schwerer, auf diese Sammler durch Belehrung einzuwirken, da sie auch jetzt noch, wennschon in viel geringerem Maße als früher, beim Volke selbst in einem gewissen Ansehen stehen, da ihnen «der Pflanzen Wirkung und Heilkraft» bekannt ist. Sie sind gewissermaßen die Erben der Rhizotomen Griechenlands und der mittelalterlichen Naturärzte und fungieren als solche auch auf dem Lande oft genug noch jetzt.
Ein großes, wissenschaftlich noch wenig bebautes Feld der Drogenkunde ist das, welches sich mit der Frage beschäftigt: in welchem Monate besitzt die betreffende Droge die größte Menge ihrer wirksamen Bestandteile? Es ist dies eine Aufgabe der Pharmakophysiologie ([s. d.]). Erst für eine verhältnismäßig kleine Anzahl Drogen kennen wir den Zeitpunkt ihres maximalen Gehaltes genau und doch ist die Kenntnis desselben das Hauptmoment für die Wahl der richtigen Einsammlungszeit. Auch hier hat freilich der natürliche praktische Sinn und ein gewisses naturwissenschaftliches Taktgefühl mit divinatorischem Scharfblick oft das Richtige erraten, was nachträglich durch die Wissenschaft bestätigt wurde (s. oben [S. 82]). Bei vielen unterirdischen Reservebehältern z. B. verrät sich die Erfüllung mit Reservematerial oft schon durch das pralle Aussehen. Immerhin wird darauf stets Bedacht zu nehmen sein, daß dieselben nur zu der Zeit gesammelt werden, die der maximalen Erfüllung mit Reservestoffen entspricht, also zu einer Zeit, wo sie weder noch nicht vollständig erfüllt, noch bereits zum Teil entleert sind.
Fig. 76.
Einsammlung der Chinarinde in Südamerika.
[Nach Weddell.]
Aber auch viele oberirdische Organe, z. B. die Blätter, erreichen nur zu einer bestimmten Zeit das Maximum ihres Gehaltes an bestimmten Stoffen. Durchaus nicht immer fällt dies Maximum mit der Höhe der Entwicklung des betreffenden Organs zusammen. Manche Blätter sind z. B. an Alkaloiden im jungen Zustande reicher als im ganz alten. Doch kann man auch hier als Regel aufstellen, daß das Maximum des Gehaltes bei Blättern kurz vor der Entleerung liegt, die auch das Blatt notwendig bei der Bildung der Blütenteile erfahren muß. Man kann also ganz allgemein sagen, daß, während für Knollen, Rhizome und Wurzeln die günstigste Einsammlungszeit das zeitige Frühjahr oder der späte Herbst ist, also die Zeit, wo sie noch nicht entleert oder schon wieder gefüllt sind, Blätter im allgemeinen kurz vor dem Blühen der Pflanze zu sammeln sind. Die Dauer der Blütezeit ist meist eine so kurze, daß eine Zeitangabe für die Blüten überflüssig erscheint» (TSCHIRCH in Real-Enzyklopädie d. ges. Pharm.).
Fig. 77.
Pflücken des Tees in Ceylon.
[Nach Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Fig. 78.
Ablösen der Chinarinde, Sortieren und Stampfen in der Cinchonenplantage Lembang auf Java. Links fertige Ballen und Kisten.
[Tschirch phot.]
«Digitalisblätter sind vor der Blütezeit ärmer an wirksamen Bestandteilen als nachher, die Blätter des ersten Jahres daher ganz verwerflich. Ebenso zieht man, wenigstens in England, bei Hyoscyamus die Blätter des zweiten Jahres vor. SCHROFF hat (1870) gezeigt, daß Fructus Conii unmittelbar vor der Reife die größte Menge Coniin enthält. Ebenso verdanken wir demselben den Nachweis, daß Tuber Colchici bloß zur Blütezeit der Pflanze kräftig wirkt. Rhizoma Filicis darf nach alten Erfahrungen nur im Spätsommer gesammelt werden. Auch das absolute Alter der betreffenden Teile kommt oft in Betracht. So ist zweijährige oder dreijährige Radix Belladonnae reicher an Atropin als siebenjährige oder noch ältere, was wohl hauptsächlich dadurch bedingt ist, daß dieses Alkaloid vorzüglich der Rinde angehört, welche bei älterer Wurzel weniger in das Gewicht fällt als bei jüngerer; nicht so schwankend ist der Gehalt der Belladonnablätter. Daß manche Früchte und Samen vor der Reife Amylum, später mehr Zucker, Öl und andere Stoffe enthalten, sei gleichfalls erwähnt. Im Safte des Ecballium Elaterium kommt im Juli reichlich Elaterin vor, aber im September fehlt dieser stark drastische Körper darin. Pfeffer, Cubeben, Gewürznelken sind vor der Reife reicher an ätherischem Öle, Chinarinden können bisweilen arm an Chinin sein oder sogar keines enthalten» (FLÜCKIGER-TSCHIRCH, Grundlagen).
Fig. 79.
Ablösen der Zweigrinde in einer jungen Cinchonenpflanzung auf Java.
[Schröter phot.]
In den Kulturen der Arzneipflanzen, besonders in Cölleda, ist auch die Einsammlungszeit genau geregelt. Leider vertragen die narkotischen Kräuter den Anbau nur schwer ohne Beeinträchtigung ihrer arzneilichen Wirksamkeit. Sie entwickeln sich bei guter Pflege zwar üppiger, verlieren aber an Gehalt. Das liegt hauptsächlich daran, daß die Kultur meist eine ungeeignete ist und nicht genügend Rücksicht auf die natürlichen Wachstumsbedingungen der betreffenden Pflanzen genommen wird (s. oben [S. 45]).
Fig. 80.
Instrumente, die bei der Gewinnung der Chinarinde benutzt werden. b Sägeartiges Messer, mit dem die Rinde quer und längs eingeschnitten und abgeteilt wird. a Abgerundete Messer zum Ablösen der Rinde.
[Aus Tschirch, Indische Heil- u. Nutzpflanzen.]
Die Einsammlung der fremdländischen Drogen ist noch weniger geregelt als die unserer einheimischen. Unter genauerer Kontrolle stehen auch hier nur die Kulturen. Bei besonders wertvollen Drogen, wie z. B. der Chinarinde, dem Opium, wird auf die Wahl der geeigneten Einsammlungszeit und Einsammlungsart großes Gewicht gelegt. Im allgemeinen geht man aber, besonders in den Bezirken, in denen die Natur in unerschöpflicher Fülle immer von neuem produziert, ziemlich rücksichtslos vor, sowohl was Zeit als Methode betrifft, und da viele fremdländische Drogen nicht aus Kulturen stammen, sondern von den Einheimischen, meist wilden oder halbwilden Völkern, gesammelt werden, so kann es nicht überraschen, daß sowohl in unverantwortlicher Weise dabei vergeudet wird, als auch die Einsammlungsart weder geregelt, noch auf irgend welchen Erwägungen tieferer Art aufgebaut ist. Man sammelt meist, was und wie man es findet, aufs Geratewohl und verarbeitet die Droge auf die roheste Weise. Wieviel z. B. jährlich Kampfer, Aloë, Guttapercha und Kautschuk vergeudet wird, läßt sich gar nicht in Zahlen ausdrücken. Hier ist ein Punkt, wo die Kolonisationsbestrebungen einzusetzen haben.
Beim Einsammeln der Drogen ist wohl darauf zu achten, daß nur derjenige Teil der Pflanze gesammelt wird, der wirksam ist, daß z. B. die meist wertlosen Stiele krautiger Pflanzen entfernt werden. Wird dies vom Sammler selbst verabsäumt, so muß der Drogist oder Apotheker durch Auslesen das Versäumte nachholen. Nur in den Fällen, wo anhängende Organe gute diagnostische Merkmale abgeben, die der Droge selbst abgehen, läßt man sie daran, wie z. B. bei der Rad. Hellebori viridis und nigri die Wurzelblätter, bei der Digitalis das mitgerissene Stück Stengelepidermis u. a. m.
Fig. 81.
Instrumente, die bei der Gewinnung des Ceylonzimt benutzt werden. a Hackmesser zum Kappen der Sprosse. b Rundholz aus Zimtholz, mit dem nach dem Ringeln die Oberfläche gestrichen wird, um den Zusammenhang von Holz und Rinde zu lockern. c Falzbeinartiges Messer zum Ablösen der Rinde. d Messer zum Abschaben des Korkes. e Längenmaß für die Fardelen.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Die Ernte selbst wird natürlich in sehr verschiedener Weise besorgt, je nach der Natur des Ernteproduktes.
Die Kräuter werden meist mit der Sichel geschnitten, die Blätter mit der Hand abgelöst. Besondere Sorgfalt wird auf das Ablesen der Blüten verwendet, die einzeln abgelesen und dann in Körben locker übereinander geschichtet werden, da sie sich sonst leicht verfärben oder an Duft verlieren (Rosa, [Fig. 65], Orangenblüten [Fig. 63]). Die Crocusblüten werden in Spanien in toto gepflückt ([Fig. 68]) und die Narben dann erst zu Haus herausgelöst ([Fig. 67]). Bisweilen werden die Blütenknospen, da wertvoller, an Stelle der aufgeblühten Blüten gesammelt (Flos. naphae, Caryophylli).
Bei großen umfangreichen Kulturen, wie z. B. denen der Pfefferminze bei Mitcham (U. S. A.), werden zum Schneiden des Krautes Mähmaschinen benutzt ([Fig. 70]). Vielfach (z. B. bei Artemisia pontica) bedient man sich der Sense.
Das Zuckerrohr wird vor eintretender Blüte ziemlich dicht über dem Boden geschnitten [Fig. 71]), von den Blättern befreit ([Fig. 72] u. [73]) und bis zur Verarbeitung in Schuppen aufgestapelt ([Fig. 75]).
Fig. 82.
Abschlagen der Stengel und Beseitigen der Seitensprosse und Blätter in einer Ceylonzimtplantage auf Ceylon.
[Phot. im Kew Museum.]
Fig. 83.
Ablösen der Rinde des Ceylonzimtes.
[Phot. im Kew Museum.]
Was von den Blättern und wie es gepflückt werden soll, hängt von der Pflanze ab. Oft weichen die Blätter verschiedenen Alters im Gehalt voneinander ab. Bei der Teepflanze z. B. ist die terminale Blattknospe am gehaltreichsten. Beim Pflücken, das mit dem Fingernagel erfolgt, läßt man hier die Achselknospe stehen, damit eine Erneuerung stattfinden kann. Das hat natürlich nur bei einer immergrünen Pflanze wie Thea einen Sinn.
Beim Pflücken des Tee ([Fig. 77]) kommt es also sehr darauf an, was gepflückt wird. Das wertvollste ist die geschlossene Gipfelknospe (in Java: Pecco rünen; rünen = schwanger), die durch reichliche Behaarung silbergrau erscheint (daher Pecco, von Peh-hán = Milchhaar). Hat sich das Blatt eben von der Knospe abgehoben, so heißt es Pecco burung (d. h. hohl). Je älter die Blätter sind, um so weniger sind sie wert. Mehr als Blatt 1–4 wird nie gepflückt. Bei der Alus-Pflückung in Java wird Blatt 2–4 oder 3½–4 gepflückt, oder wenn Pecco nicht im Vormonat gesammelt wurde, Pecco und 1–2. Bei der Katilu-Kotjop-Pflückung Blatt 1–3. Stets wird Sorge getragen, daß die Achselknospe intakt bleibt, da sich aus ihr Seitensprosse entwickeln. Über die Pflückung wird genau Buch geführt.
Das Ablösen der Yerbazweige zur Mategewinnung erfolgt in Paraguay entweder mit langen Messern (machetones) oder eigenartigen Scheren (secateurs) in ziemlich roher Weise.
Das Ablösen der Rinde geschieht entweder am stehenden Baume selbst (bei den Ships und Shavings der Chinarinde) oder von dem gefällten Baume oder dessen Zweigen bez. Stockausschlägen (Chinarinde [Drogistenrinde], Ceylonzimt).
Fig. 84.
Schälen des Ceylonzimtes.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Bisweilen werden hierbei eigenartig geformte Messer benutzt ([Fig. 80], [81], [85]). Bei den gerbstoffhaltigen Rinden muß Sorge getragen werden, daß nur eisenfreie, also entweder kupferne oder messingne Messer in Anwendung kommen.
Als Beispiele mögen die Gewinnung der Chinarinde ([Fig. 78]–[80]) der Cascara Sagrada und des Ceylonzimt beschrieben werden.
«Mit einem sägeartigen Messer ([Fig. 80, b]) wird der Stamm der Cinchone in Entfernungen von ½ oder ¼ m erst horizontal und dann auch der Länge nach eingeschnitten ([Fig. 78]), so daß ein rechteckiges, ¼, ⅓ oder die Hälfte des Baumumfanges breites Stück Rinde abgeteilt ist. Dann fährt der Arbeiter oder die Arbeiterin — denn es sind meist Weiber, die das Schälgeschäft besorgen — mit einem stumpfen, breiten und langen und oben abgerundeten dünnen, kupfernen oder messingenen Messer ([Fig. 80, a]) (Eisen wird des Gerbstoffes wegen tunlichst vermieden) zwischen Holz und Rinde und hebt letztere vorsichtig ab. Anfangs rein weiß, färbt sich die Innenfläche der Rinde in 15 Sekunden — wie ich mit der Uhr in der Hand feststellen konnte — schön rotbraun, indem die Chinagerbsäure in Chinarot übergeht, und bald beginnt auch, da die Rindenspannung ausgelöst ist, das Einrollen zu einer Röhre. Das «Schälen» geschieht besonders in der Regenzeit, da sich dann die Rinde am leichtesten loslöst. Ganz anders verfährt man bei den Ästen und Wurzeln. Hier wird die Rinde mit krummen Messern regellos von dem Holze abgeschabt. Man legt unter den zu schälenden Ast einige Pisangblätter oder einen runden Teller, einen Bambutampir, und schabt drauf los, während die Abschabsel auf die Unterlage fallen» (TSCHIRCH, Indische Heil- und Nutzpflanzen).
Die Ernte der Cascara Sagrada-Rinde schildert ZEIG (1905) folgendermaßen: «Die Ernte beginnt gewöhnlich im April oder unmittelbar nach der Regenzeit, weil da die Bäume am saftreichsten sind und die Rinde sich am leichtesten abheben läßt und dauert bis Juli. Man macht um den Stamm ringförmige Einschnitte, immer 2–4 Zoll voneinander entfernt und schält dann die Rinde bis ungefähr einen Fuß über dem Erdboden; dann wird der Baum geschlagen und die Äste in gleicher Weise geschält.»
Fig. 85.
Instrumente, die bei der Gewinnung des Zimt in Südchina benutzt werden. Links das Messer zur Herstellung der Längs- und Quereinschnitte in die Rinde. Rechts das Hornmesser zum Ablösen der Rinde vom Stamm. In der Mitte der Hobel zum Abschälen des Korkes.
[Kew Museum.]
Die Gewinnung des Ceylonzimt ([Fig. 81]–[84]) habe ich (Indische Heil- und Nutzpflanzen) wie folgt geschildert: «An den von den Blättern befreiten ([Fig. 82]) Schößlingen werden an den Grenzen der Internodien zunächst mit einem scharfen Messer Rundschnitte gemacht, gleich als wolle man den Sproß ringeln. Dann fährt der Arbeiter mit einem fingerförmigen, 1–1½ dcm langen, aus Zimtholz gefertigten, runden Holzstücke [Fig. 81, b]) wiederholt über die Oberfläche hin, das Reibholz fest andrückend. Dadurch wird der Zusammenhang der Rinde mit dem Holze in der Cabiumzone etwas gelockert. Hierauf macht der Arbeiter mit einem gewöhnlichen Messer gerade Längsschnitte von Knoten zu Knoten ([Fig. 83]), von Rundschnitt zu Rundschnitt und hebt durch geschicktes Einschieben eines stumpfen, oben abgerundeten, kupfernen, falzbeinartigen Messers ([Fig. 81 c]) die Rinde vom Holze ab. Die Wahl des Kupfers oder Messings ist hier wie bei der China durch das Vorhandensein von Gerbstoffen gerechtfertigt; eiserne Instrumente würden die Rinde schwärzen. Nachdem die Rinde auf diese Weise kunstgerecht und ohne Verletzungen oder Zerreißungen vom Holze abgelöst ist, läßt man sie bis zum anderen Tage frei oder übereinandergepackt welken. Man spricht hierbei wohl auch von einem «Fermentieren», allein ich glaube nicht, daß wirklich eine Gärung eintritt. Am anderen Tage werden nun die Rindenröhren von dem Korke befreit. Dazu dient ein eigentümliches stumpfes Schabemesser, welches von gekrümmt-halbmondförmiger Gestalt ist ([Fig. 81 d]) und über die Rinde in folgender Weise geführt wird. Man legt die gewelkte, daher sehr biegsame Rindenröhre über einen runden, aus Zimtholz gefertigten und geglätteten Stock, dessen Durchmesser größer ist als der des Zimtschößlings, von dem die Rinde genommen wurde. Dadurch wird bewirkt, daß die Rinde nur die obere Krümmung des Stockes bedeckt, nicht sich ringsum legt. Dieser Stock ruht auf einem aus drei Bambu- oder Holzstöckchen gebildeten Dreifuß ([Fig. 84]). Der Arbeiter oder die Arbeiterin stellt nun den Dreifuß so vor sich hin, daß der Stock mit der daraufliegenden Rindenröhre gegen den Körper gerichtet ist, setzt den rechten Fuß, um das Ganze zu stützen, oben auf den Stock und schabt mit dem Halbmondmesser vorsichtig den Kork und die grüne Rinde ab. Auch dies muß sehr sorgfältig gemacht werden, es darf weder zu viel noch zu wenig entfernt werden. Dann läßt man die geschabten Rindenstücke wiederum über Nacht liegen und schiebt sie alsdann zu mehreren (8–10) so in- und aneinander, daß die Enden der einzelnen Röhren aufeinander stoßen und man schließlich ein Röhrenbündel von gewünschter Länge erhält. Diese Länge ist auf jeder Estate fest bestimmt, übrigens nicht überall gleich. Sie wird durch einen Stab markiert, an dessen Ende sich ein Holzklötzchen befindet ([Fig. 81 e]). An diesen Stab werden alle Röhrenbündel gelegt und oben und unten mit einer Schere auf die Länge des Stabes gekürzt. Das hierbei Abfallende wird als geringwertigere Ware in den Handel gebracht oder wandert mit dem Abschabsel (Kork und Mittelrinde), den Ships oder Shavings, in die Distillerien des ätherischen Zimtöles.»
Die beim chinesischen Zimt benutzten Messer sind ähnlich ([Fig. 85]), doch erfolgt das Abschälen des Korkes mit einem hobelartigen Instrument.
Fig. 86.
Schälen der Korkeiche.
Besondere Ernteverfahren finden wir bei den Cinchonen Javas, wo man entweder den Baum stehen läßt und die Rinde partiell abschabt (Ships, Shavings, Schafsel) oder den Baum fällt (Coppicing) und aus den Wurzelstuppen ähnlich wie beim Schälwaldbetrieb neue Triebe sich entwickeln läßt oder endlich den Baum samt der Wurzel herausnimmt (Uprooting). Letzteres Verfahren wird jetzt am meisten geübt. Das Mossedverfahren, das darauf beruht, daß man Streifen der Rinde ablöst ([Taf. VI]), den Baum mit Moos umwickelt und darunter die Rinde sich aus dem Cambium erneuern läßt (Renewed bark), ist als zu teuer verlassen (s. im Kap. [Pharmakophysiologie]).
Bei der Gewinnung des Korkes handelt es sich nicht um Ablösung der ganzen Rinde, sondern nur der Korkschicht (die Praktiker sprechen allerdings von «Korkrinde»). Bei der Korkeiche ([Fig. 86] bis [91]) wird, nachdem zunächst der «jungfräuliche» Kork entfernt ist, nach 8–10 Jahren der männliche Kork geerntet, der sich dann immer wieder aus dem Phellogen regeneriert. Man kann also am Stamm alle 8–9 Jahre ernten. Der Baum wird zuerst geklopft und dann nach Herstellung von zwei Längs- und zwei verbindenden Quereinschnitten der Kork von der Rinde in großen Platten vorsichtig abgelöst ([Fig. 86] u. [89]). Dann wird die äußere rauhe Schicht durch Schaben (Abraspeln) entfernt und der Kork meist nach vorherigem Brühen (oder Erhitzen über Kohlen) «geglättet», d. h. die gebogenen Platten durch Beschweren gerade gestreckt ([Fig. 88] u. [90]).
Fig. 87.
Fortschaffen des abgelösten Korkes aus dem Walde.
Fig. 88.
Ausbrühen des abgelösten Korkes.
Die Wurzeln und Rhizome werden mit einfachen Grabscheiten gegraben oder mit breiten Messern «gestochen». Dies Ausgraben der Wurzeln, Rhizome und Ausläufer ist nicht immer eine leichte Sache. Beim Süßholz z. B. war das Ausgraben einer Wurzel nebst allen ihren Ausläufern das Meisterstück der Gärtnerzunft in Bamberg. In Rußland nimmt man dazu den Pflug zu Hilfe.
Oft folgt dem Graben ein Waschen, d. h. ein Befreien von Erde und Steinen. Das Waschen der Krappwurzeln war im XIV. Jahrh. nur unter Kontrolle des «stad gherichte» erlaubt, um sicher zu gehen, daß alle Steine entfernt waren, da durch sie leicht die Krappmühlen in Brand gerieten.
Fig. 89.
Bei der Kork-Ernte in einem Korkeichenwalde.
Fig. 90.
Aufstapeln der Korkplatten zum «Plätten», d. h. Geradestrecken.
Das Ablesen der Früchte wird nicht überall in der gleiche Weise besorgt. Die Olivenbäume werden meist geschüttelt und die Früchte auf unter die Bäume gelegten Tüchern ([Fig. 92]) aufgesammelt oder mit Stangen abgeschlagen. Die Muskatnüsse werden in an langer Stange befestigten, eigenartig geformten Körbchen (Gai-Gai) gesammelt, die oben eine das Pflücken besorgende Gabel besitzen ([Fig. 93]). Diese reißt die Frucht vom Stiel und sie fällt alsdann (durch die Öffnung rechts) in das Körbchen. Diese Sammelmethode hat ihren bestimmten Grund. Ich fand nämlich in Indien den Glauben verbreitet, daß, wenn man die Früchte in brüsker Weise abschlägt, der Baum im folgenden Jahre nicht trägt. Weniger sorgfältig verfährt man in Java mit den Cacaofrüchten, die, wo sie mit der Hand nicht erreichbar sind, mit langen Bambusstäben abgeschlagen werden ([Fig. 94]). Anders ist das Verfahren in Südamerika.
Fig. 91.
Abraspeln der abgelösten Korkplatten.
«Das Abernten der Cacaofrüchte geschieht in Ecuador in dem unteren Teile des Stammes mit dem Buschmesser. Für die hochhängenden Früchte treten die «Tumbadores» in Arbeit. Dieses sind in der Regel geschicktere, besser bezahlte, alte Arbeiter, welche die Früchte vermittelst langer, dünner, sehr leichter Bambusstangen, an deren Ende ein Messer befestigt ist, herunterholen. Das Messer, «podadera», hat die [nebenstehende Gestalt]. Es ist an einem etwa 2 m langen Bambusstab, «palanca», befestigt. Außer der «palanca» trägt der Tumbador noch ein kleines Bündel von Reservebambusstäben oder Verlängerungsstücken, «embonos», in seiner linken Hand. Die «embonos» sind so eingerichtet, daß sie mit den Enden ineinander gesteckt und auch ebenso mit der «palanca» verbunden werden können. Der «Tumbador» ist so imstande, durch Aus- und Einschachteln verschiedener Reservestäbe in kurzer Zeit sich eine den jeweiligen Bedürfnissen entsprechende lange Stange herzustellen. Mit dem am Ende der Stange sitzenden Messer trennt er durch einen Stoß von unten die Früchte vom Stamm und den Ästen ab. Bisweilen sind die gesamten «embonos» bei der Höhe der Stämme nicht ausreichend. In solchen Fällen wirft der «Tumbador» die Stange mit einem kurzen Ruck von unten und trifft auch in der Regel so gut, daß das Messer den Fruchtstiel durchschneidet, die Frucht herabfällt und gleichzeitig die Stange senkrecht wieder herunterkommt.» (PREUSS). Die gewöhnlichen Sammler des Cacao heißen Recogedores (recogér = sammeln), die Herausschäler Sacadores (sacár = herausnehmen).
Unter den Olivenbäumen wird in Italien ein Tuch ausgebreitet (s. oben), auf welches die Früchte beim Schütteln des Baumes fallen. In Portugal bedient man sich aber auch hier eines gestielten Körbchens, ähnlich dem Gai-Gai ([S. 94]).
Die Baumwollfrüchte werden von der strauchartigen Pflanze in Körbe abgelesen ([Fig. 95]–[97]). Das Pflücken der Baumwolle geschieht in der Weise, daß man die geöffnete Fruchtkapsel am Strauche läßt und nur den «Bausch», d. h. die mit den Haaren bedeckten Samen herauszupft. Neuerdings sind erfolgreiche Versuche gemacht worden, den Bausch statt mit der Hand zu pflücken mit einer hydraulischen Saugmaschine aus der geöffneten Kapsel anzusaugen.
Der Pfeffer wird von den auf Leitern stehenden Kulis abgelesen ([Taf. X]). Beim Kaffee erreicht man die Früchte mit der Hand ([Fig. 98]). Die Umbelliferenfrüchte werden oft mittelst eigenartiger Kämme «abgekämmt».
Dort, wo man nur den Samenkern haben will, wird die Samenschale mit flachen Hölzern aufgeschlagen, z. B. bei der Muskatnuß, oder das Endocarp zertrümmert, wie bei der Cocosnuß, deren Endosperm die Copra bildet. Die Cacaofrüchte werden mit Messern oder Hölzern «aufgeschlagen» ([Fig. 99]).
Fig. 92.
Olivenernte in Italien. Unter dem Baume ist ein Tuch ausgebreitet.
Fig. 93.
Gai-Gai. Körbchen mit Gabel zum Einsammeln der Muskatnüsse.
Fig. 94. Cacaoplantage in Java. Ein malaiischer Arbeiter ist im Begriff, die Früchte mit einer Bambustange abzuschlagen.
[Tschirch phot.]
Die Ernte des Carrageen erfolgt in der Weise, daß man zur Zeit der Ebbe die Pflanzen mittelst eiserner Rechen vom Boden abreißt. Zur Zeit des auf die Springfluten folgenden tiefsten Wasserstandes wird auch mit der Hand «gepflückt». Die frischroten Algen werden dann in Fässern mit Süßwasser gerollt und an der Sonne gebleicht. Die Einsammlung der Algen zur Agar-Agarbereitung ist in [Fig. 100] dargestellt.
Die Gewinnung der Harze, Balsame und Milchsäfte wird unter «Erntebereitung» geschildert (s. [weiter hinten]).
Im folgenden teile ich einen Sammelkalender mit, in dem besonders die wildwachsenden Kräuter Deutschlands berücksichtigt wurden.
Sammelkalender.
- Monat Februar.
- Ligna varia.
- Radix Hellebor. nigr.
- Radix Hellebor. nigr.
- Monat März.
- Cortex Frangulae.
- — Hippocastani.
- — Mezerei.
- — Pruni Padi.
- — Quercus.
- — Salicis.
- — Ulmi.
- — Taxi.
- Gemmae Populi.
- Radix Althaeae (2 jährig).
- — Angelicae (2 jährig).
- — Bardanae (2 jährig).
- — Consolidae maj.
- — Enulae.
- — Lapathi.
- — Levistici.
- — Ononidis.
- — Paeoniae.
- — Petroselini.
- — Taraxaci.
- — Tormentillae.
- Rhiz. Ari.
- — Arnicae.
- — Calami arom.
- — Caricis arenar.
- — Graminis.
- — Imperatoriae.
- — Polypodii.
- — Valerianae.
- Stipites Dulcamarae.
- Sumitates Sabinae.
- Monat April.
- Cortex Quercus.
- — Salicis.
- Flores Farfarae.
- — Violae.
- Folia Uvae Ursi.
- Gemmae Populi.
- Herba Hepaticae.
- — Pulmonariae.
- — Pulsatillae.
- — Taraxaci c. rad.
- Lichen islandicus.
- Radix Bardanae.
- — Caryophyllatae.
- — Cichorei.
- — Enulae.
- — Levistici.
- — Ononidis.
- — Paeoniae.
- — Petroselini.
- — Pimpinellae.
- — Saponariae.
- — Taraxaci c. herba.
- — Tormentillae.
- Rhiz. Arnicae.
- — Calami.
- — Graminis.
- Monat Mai.
- Flores Convallariae.
- — Lamii albi.
- — Lilii candidi.
- — Persicae.
- — Primulae veris.
- — Rosmarini.
- — Violae.
- Folia Malvae.
- — Pulmonariae.
- Herba Brancae ursinae.
- — Capilli Vener.
- — Chelidonii maj.
- — Cochleariae.
- — Conii maculat.
- — Farfarae.
- — Fumariae.
- — Hederae terrestr.
- — Jaceae.
- — Millefolii.
- — Pulmonariae.
- — Rutae.
- — Salviae.
- — Tanaceti.
- — Taxi baccatae.
- — Trifolii.
- Radix Actaeae spic.
- — Belladonnae.
- Rhiz. Caricis.
- Summitates Sabinae.
- Turiones Pini.
- Monat Juni.
- Flores Althaeae.
- — Arnicae.
- — Borraginis.
- — Calendulae.
- — Chamomill. rom.
- — Chamomill. vulg.
- — Cyani.
- — Malvae vulg.
- — Rhoeados.
- — Rosarum.
- — Sambuci.
- — Tiliae.
- Folia Aurantii.
- — Belladonnae.
- — Cichorei.
- — Digitalis.
- — Farfarae.
- — Hyoscyami.
- — Juglandis.
- — Laurocerasi.
- — Malvae.
- — Arnicae.
- — Melissae.
- — Menthae crisp.
- — Menthae piper.
- — Mercurialis.
- — Salviae.
- — Uvae Ursi.
- Formicae.
- Folia Aurantii.
- — Aconiti.
- — Arnicae.
- — Borraginis.
- — Capilli Veneris.
- — Centaurii minor.
- — Clematidis.
- — Cochleariae.
- — Fumariae.
- — Gratiolae.
- — Hyssopi.
- — Lapathi acut.
- — Ledi palustr.
- — Marrubii alb.
- — Matricariae.
- — Millefolii.
- — Polygalae amarae.
- — Rhois Toxicodendr.
- — Rosmarini.
- — Rutae.
- — Saponariae.
- — Scabiosae.
- — Scolopendrii.
- — Scordii.
- — Serpylli.
- — Stramonii.
- — Thymi.
- — Veronicae.
- — Violae tricoloris.
- Semen Colchici.
- Monat Juli.
- Baccae Ribis.
- — Myrtilli.
- Capita Papaveris.
- Flores Aurantii.
- — Carthami.
- — Chamomillae roman.
- — Hyperici.
- — Lavandulae.
- — Lilii.
- — Malvae arbor.
- — Tiliae.
- — Verbasci.
- Folia Althaeae.
- — Juglandis reg.
- — Laurocerasi.
- — Menth. crisp. et piper.
- — Nicotianae.
- Formicae.
- Fructus Juglandis immat.
- — Cerasi nigr.
- — Rubi Idaei.
- Herba Absynthii.
- — Capilli Veneris.
- — Cardui benedicti.
- — Centaurii min.
- — Chenopodii ambr.
- — Cichorei.
- — Euphrasiae.
- — Galeopsidis grandifl.
- — Hyperici.
- — Lactucae viros.
- — Linariae.
- — Marrubii alb.
- — Majoranae.
- — Meliloti c. fl.
- — Origani vulg.
- Herba Pulegii.
- — Saturejae.
- — Scordii.
- — Scabiosae.
- — Tanaceti.
- — Verbasci.
- Nuclei Cerasorum.
- Secale cornutum.
- Tubera Salep.
- Monat August.
- Baccae Mori.
- — Myrtilli.
- — Rubi Idaei.
- — Sambuci.
- Flores Althaeae.
- — Lavandulae.
- — Malvae arbor.
- — Meliloti.
- Formicae.
- Folia Laurocerasi.
- Fructus Cannabis.
- — Conii macul.
- — Cynosbati.
- — Elaterii.
- — Hippocastan.
- — Phellandrii.
- Glandes Quercus.
- Herba Absynthii.
- — Artemisiae.
- — Gratiolae.
- — Meliloti.
- — Saturejae.
- — Virgaureae.
- Lactucarium.
- Lycopodium.
- Radix Hellebori albi.
- Rhiz. Arnicae.
- Semen Hyoscyami.
- — Lini.
- — Melonum.
- — Papaver.
- — Sinapis.
- Tubera Colchici.
- — Salep.
- Monat September.
- Baccae Berberidis.
- — Ebuli.
- — Juniperi.
- — Sambuci.
- — Spinae cervinae.
- Cortex nucum Jugl.
- Fructus Anisi.
- — Petroselini.
- — Pruni.
- Lupulinum.
- Poma acidula.
- Radix Artemisiae.
- — Belladonnae.
- — Cichorei.
- — Enulae.
- — Gentianae.
- — Liquiritiae.
- — Rubiae tinct.
- — Saponariae.
- — Taraxaci.
- Rhiz. Arnic.
- — Calami arom.
- — Filicis maris.
- — Tormentillae.
- — Valerianae.
- Semen Sinapis nigr.
- — Stramonii.
- Stipites Dulcamarae.
- Monat Oktober.
- Baccae Berberidis.
- — Ebuli.
- Baccae Juniperi.
- — Sambuci.
- — Spinae cervinae.
- Cortex nucum Jugl.
- Fructus Anisi.
- — Petroselini.
- — Pruni.
- Lupulinum.
- Poma acidula.
- Putamina nuc. Jugl.
- Radix Angelicae.
- — Althaeae.
- — Artemisiae.
- — Asparagi.
- — Belladonnae.
- — Bryoniae.
- — Cichorei.
- — Enulae.
- — Gentianae.
- — Gratiolae.
- — Lapathi acut.
- — Levistici.
- — Liquiritiae.
- — Rubiae tinct.
- — Saponariae.
- — Taraxaci.
- — Tormentillae.
- Rhiz. Ari.
- — Arnicae.
- — Calami arom.
- — Filicis maris.
- — Graminis.
- — Iridis flor.
- — Imperatoriae.
- — Valerianae.
- Semen Cydoniae.
- — Sinapis nigr.
- — Stramonii.
- Stipites Dulcamarae.
Doch ist mit diesem Kalender nicht viel gesagt. Die Hauptsache ist die Erfahrung. Ob man ein Kraut vor dem Blühen ernten muß (z. B. Card. benedict.) oder bis zur beginnenden oder Vollblüte warten kann, das hängt von der Pflanze ab. Jedenfalls wird man gut tun, bei Kräutern nicht die Voll- oder Strohreife abzuwarten. Samen erleiden auch nach dem Ablesen noch eine sog. «Trockenreife». Die größeren Wurzeln (Levisticum, Angelica) werden erst im zweiten oder dritten Jahre gesammelt, Rad. saponariae kann man das ganze Jahr sammeln, Liquiritia, Rubia, Valeriana sammelt man am besten im Herbst, Geum im Frühjahr.
SALADIN bemerkt (1488): «radices in autumno quia tunc tote virtus herbarum in radicibus est reposita». Bei ihm findet sich auch der erste umfangreichere Sammelkalender. Auch der Ricettario fiorentino (1567) gibt Sammelvorschriften. Noch älter sind die Angaben im Kalender des HARIB (961).
In LOUIS PLANCHON, Indications générales sur la récolte et la conservation des drogues exotiques (Bull. Soc. Languedocienne de Geogr. 1898) findet sich eine recht gute Anleitung, wie man sammeln soll.
Die Sammler haben bisweilen besondere Namen. Die Chinarindensammler in Südamerika heißen Cascarilleros, die Yerbasammler in Südamerika Cuadrillas, die Cacaosammler in Ecuador Recogedores.
Fig. 95.
Pflücken der Baumwolle in Georgia U. S. A.
[Nach Stromeyer & Wyman.]
Das Einsammeln der wildwachsenden Arzneipflanzen ist in Deutschland jetzt gegen früher erschwert. Flur- und Forstgesetze schaffen den Sammlern Schwierigkeiten, wie sie auch den Harzern das Leben sauer machen. Es müssen Erlaubnisscheine gelöst oder Zutrittsbewilligungen erworben werden. Selbst Lindenblüten dürfen nicht mehr in den öffentlichen Anlagen ohne weiteres gebrochen werden. Das Geschäft des Kräutersammelns ist unrentabel, wird durch Regen und Mißernten gestört und wirft höchstens einen Tagesverdienst von zwei Mark ab. Es sind daher meistens Frauen und Kinder, die ihm obliegen. Besser wie in Deutschland sind die Bedingungen in Rußland, Böhmen, Mähren, Ungarn und Tirol, die daher steigende Mengen wildwachsender Arzneidrogen nach Deutschland importieren — Rußland z. B. Flor. tiliae, Flor. chamomillae, Fruct. sambuci, Lycopodium. Auch die Schweiz kann ihren Bedarf an Arzneidrogen nicht selbst decken.
Fig. 96.
Baumwollernte in Amerika (New Orleans).
[Mugnier phot.]
In Deutschland werden wildwachsende Arzneidrogen besonders im Thüringer Wald, in Franken, im Fichtelgebirge, dem Harz, Erzgebirge und im Elsaß gesammelt. In Thüringen und Franken wird dieser Erwerbszweig seit Jahrhunderten betrieben. Die dort gesammelten Arzneidrogen fließen einerseits in Leipzig, Halle und Dresden, andererseits in Nürnberg zusammen.
Die Harzer Arzneipflanzen gehen nach Goslar, Ermsleben, Gernrode, Pansfelde, die württembergischen nach Ebingen (bei Sigmaringen) am Fuße der Rauhen Alp. In Ebingen, einem alten Zentrum für heimische Arzneidrogen, fließen auch die Sammelerträge der benachbarten Bezirke (Schwarzwald, Hegau, bayrischer Allgäu, sogar Tirol) zusammen. Das «Wurzelstechen» füllt die Pause zwischen der Getreideernte und dem Winter aus. Der Ebinger Händler versendet im Frühjahr seine Desideratenlisten an die ihm bekannten Sammler oder die Ortsbehörden, verschickt auch wohl Abbildungen der schwieriger zu erkennenden Pflanzen oder läßt die Gegenden bereisen und die Einsammlung überwachen. Die Hauptsammelzeit ist Juni bis August. Nach Ebingen liefern etwa 3000 Familien Arzneipflanzen. Der Monatsverdienst einer Sammlerfamilie beträgt nur etwa 40 Mark.
Fig. 97.
Toting cotton (Baumwollernte) New Orleans.
[Mugnier phot.]
Tafel X
Pfeffer-Ernte in Indien (Rioux-Lingga).
Von den möglichst niedrig gehaltenen, um die Stütze sich entwickelnden Büschen werden die Früchte unter Benutzung kurzer Stehleitern in Körbchen geerntet.
[Nach Tschirch, Indische Heil- u. Nutzpflanzen.]
⇒
GRÖSSERES BILD
Der Gesamtwert aller der Hunderte in Deutschland von heimischen wildwachsenden Pflanzen gesammelten Arzneidrogen wird auf etwa 2–3 Millionen Mark geschätzt (W. BREITFELD, Der deutsche Drogenhandel, Leipzig 1906).
Nachstehende Tabelle gibt eine auf Erkundigungen oder authentische Quellen gestützte Übersicht über die außerhalb Deutschland gesammelten wildwachsenden Arzneipflanzen (die deutschen siehe oben Tabelle auf [S. 65]).
Ausserhalb Deutschlands gesammelte wildwachsende Arzneipflanzen.
Schweiz.
Im Kanton Bern werden (nach Angabe von Apotheker MOSIMANN in Langnau) folgende Drogen von wildwachsenden Pflanzen gesammelt:
Flos Acaciae (Prunus spinosa), Fl. und Herb. Arnicae, Fl. Bellidis, Fl. Farfarae, Fl. Hyperici (c. Herb.), Fl. Millefolii, Fl. Pedis Cati (Gnaphal. dioic.), Fl. Primulae (von Primula elatior u. P. veris), Fl. Rhododendri, Fl. Sambuci, Fl. Spiraeae (s. Ulmariae), Fl. Tiliae, Fl. Violae tricolor, Fl. Urticae, Folium Farfarae, Fol. Malvae, Fol. Fragariae, Fol. Rubi fruticos., Fol. Salviae (von S. offic. und S. pratens.), Fol. Trifolii fibr., Herba Aronis, H. Allii ursini, H. Asperulae, H. Centauri minor., H. Chelidonii, H. Geranii, H. Nasturtii, H. Saniculae, H. Serpylli, H. Veronicae, H. Violae tric., H. Arnicae (frische A.-Pflanze mit Stengel u. Wurzeln zu Tinktur), Fructus Carvi, F. Juniperi, F. Myrtilli, F. Rubi Idaei, F. Sambuci, Radix Althaeae (natur. ad. us. vet.), R. Carlinae, R. Consolid. maj., R. Pimpinell., R. Valerianae, R. Taraxaci, Rhiz. Tormentill., Lycopodium, Secale cornut., Lichen island., Morchella esculent.
In der übrigen Schweiz außerdem (nach SIEGFRIED-Zofingen): Fol. uvae ursi, Herb. sabinae, H. artemisiae, H. convallariae, Fol. rhododendri, Fol. Jugland., Rad. gentian. (Wallis, Graubünden, Jura, Uri, Schwyz), Herb. Scolopendrii, H. Achilleae moschat., Sem. siler. montan., Viscum alb., Rhiz. asari, Rhiz. graminis, Herb. und Flos monard., Tub. aconit., Sem. colchic., Rhiz. veratri, Herb. cochleariae, Fruct. Rubi idaei, Flos rhoeados, F. verbasci, Fol. und Rad. belladonn., Rhiz. filicis, Herb. Serpylli, Cort. Quercus, Turio pini, Succus Sambuci (Trimmis in Graubünden).
Frankreich.
L. PLANCHON fand in Nimes bei den Herboristen von Juni bis Oktober:
Rosenschwamm (Bédégars), Wacholderbeeren, Binse (Jonc), Mauerkraut (Pariétaire), Nußblätter, Spieke (Aspic), Andorn (Marrube), Rosmarin, Petit chêne, Thé de campagne (versch. Pflanz., oft Sideritis hirsuta L. u. scordioïdes L.), Natterkraut (Vipérine), Gentian, Blutkraut (Salicaire), Fenchel, Klette (Bardane), Lorbeer, Wegerich (Plantain), Ampfer (Patience), Salbei, Sauge sauvage (Phlomis), weiße Nessel (Ortic blanche), Thymian, wilder Majoran (Origan), Mentha, Quendel (wilder Thymian, Serpolet), Eisenkraut (Verveine), Nachtschatten (Douce-Amère), Schafgarbe (Achillée), Granatapfel (Grenade), wilde Erdbeere (Potentilla), Christdorn (Paliure), Johanniskraut (Millepertuis) usw. usw.
In Lyon: Hopfen (Houblon), Epheu (Lierre terrestre), Beifuß (Armoise), Königskerze (Bouillon-blanc).
Die Küste liefert: Carrageen und Laminaria.
Fig. 98.
Kaffeeernte in Brasilien.
[Nach Hengstenberg, Weltreisen.]
Ungarn.
Wildwachsende Arzneipflanzen Ungarns, die gesammelt werden (nach AUGUSTIN):
Acorus Calamus (Com. Baranya), Alcanna tinctoria (kommt auf sandigen Stellen der Alföld vor, gesammelt Com. Pest), Althaea officinalis, Althaea rosea, Artemisia Absynthium (in großen Quantitäten, fehlt an den sandigen Stellen der Alföld), Atropa Belladonna (in Nord- u. Ostungarn), Conium maculatum (in größeren Quantitäten auf der Insel Csepel in der Nähe von Budapest), Datura Stramonium u. Erythraea Centaurium (überall), Gypsophila paniculata (Com. Temes, Torontál, Haupthandelsplatz: Szeged), Helleborus niger (Com. Szabolcs-Naqy-Kálló), Hyoscyamus niger (überall), Juniperus communis (Nord- u. Südungarn in großen Quantitäten), Malva silvestris u. rotundifolia (an vielen Stellen), Marrubium vulgare (Westungarn u. in den nördlichen Teilen der Alföld), Matricaria Chamomilla (überall in großen Quantitäten, große Ausfuhr), Menyanthes trifoliata (in Mittel- u. Westungarn), Papaver Rhoeas (an vielen Stellen), Sambucus nigra (überall), Secale cornutum (an manchen Stellen in Oberungarn in geringen Quantitäten), Taraxacum officinale (überall), Tilia platyphyllos u. cordata (an vielen Stellen), Tussilago Farfara (überall), Veratrum album (in Südungarn u. in Slavonien), Verbascum Thapsus (an vielen Stellen).
Mähren.
Flos. tiliae, Flos. chamom. vulg., Fol. Salviae, Rhiz. asari.
Böhmen.
Rhiz. filicis.
Belgien.
Wildwachsende Arzneipflanzen Belgiens:
Digitalis, Lindenblüten (gute Qualität), Sambucus (Blüten u. Früchte), Juniperus (wenig), Mutterkorn (wenig).
Fig. 99.
Das Brechen des Cacao in Trinidad.
In der Mitte ist der große Haufen reifen Cacaos sichtbar, rechts davon die auf Bananenblätter aufgeschütteten, aus der Fruchtschale herausgelösten Samen. Um den Haufen sitzen vor den runden Körben die Negerinnen, der Neger rechts ist im Begriff, mit seinem cutlas die in seiner linken Hand ruhende Cacaofrucht zu öffnen. Im Hintergrunde links schüttet ein Arbeiter die Samen in die auf einem Esel befestigten Tragkörbe.
[Aus Kindt, Kultur des Cacaobaumes.]
Rußland.
Wildwachsende Arzneipflanzen Rußlands (zusammengestellt von W. K. FERREIN):
Gouvernement Moskau: Flor. Chamomill. vulgar., Fol. Belladonnae, Cardui Benedic., Cardui Mariae, Digitalis u. Petroselini, Herba Tanaceti, Balsamit., Basilici u. Centaurii minor.,] Herba u. Flor. Millefolii, Flor. Verbasci Rossic., Bacc. Juniperi, Fragariae, Frangulae, Myrtillorum, Pruni Padi, Rubi Idaei, Vaccini Myrtilli, Sorbi Aucupar. u. Viburni Opuli, Cort. Betulae, Frangulae, Populi, Populi Tremul., Pruni Padi, Quercus, Salicis u. Ulmi, Flor. Convallar. Majal., Cyani, Farfarae, Lamii albi, Primulae ver., Pruni Padi, Pulsatillae, Sorbi Aucup., Syringae, Tanaceti vulg., Tiliae u. Viburni Opuli, Fol. Asari Europaei, Betulae, Betonicae, Convallar. Majal., Cardui Mariae, Cynoglossi, Absynthi, Farfarae, Digitalis, Fraxini, Hyoscyami, Malvae, Populi tremul., Trifolii fibr., Ribis nigri, Nicotianae, Tanaceti, Balsam. u. Verbasci, Herba Chenopodii, Cochleariae, Estragoni, Hyssopi, Violae tricolor., Levistici, Majoranae, Matricariae, Melissae, Menthae pip., Menthae crisp., Rutae u. Salviae, Herb. Abrotani, Absynthii, Artemisiae, Basilici, Bidentis trip., Bursae Pastor., Campanulae glomeratae, Campanulae rotundifoliae, Centaurii minor., Chelidonii, Chenopodii, Cicutae, Cochleariae, Equiseti arvens., Equiseti palustris, Estragoni, Fragariae, Fumariae, Galeopsidis, Gentianae cruciat., Geranii pratens., Erodii Cicutar., Lycopodii, Hederae tenrestr., Helianthi annui, Hyperici, Hyssopi, Jaceae, Jacobeae, Lepidii ruderal., Levistici, Linariae, Majoranae, Matricariae, Meliloti, Melissae, Menthae pip., Menthae crisp., Millefolii, Myrtillor., Nasturtii aquat., Origani vulg., Persicariae, Fragariae vescae, Plantaginis, Potentill. anser., Polygoni avicul., Pulmonariae, Pulsatillae, Rutae, Salviae, Saponariae, Secal. cereal., Scabiosae, Spiraeae ulmar., Tanaceti vulg., Taraxaci, Telephii, Veronicae, Veronicae Beccabung., Virgaureae, Vitis Idaei, Urticae, Bidentis tripartit., Vaccinii Myrtilli, Hyperici, Artemisiae, Equiseti arvensis et palustris, Taraxaci, Persicariae, Saponariae rubrae, Jaceae u. Millefolii, Lichen islandicus, Radix Artemisiae, Asari europaei, Calami aromat., Caricis arenar., Filicis mar. (pro Extract.), Graminis, Petroselini, Saponariae, Spiraeae ulmar., Taraxaci, Saponariae rubrae, Valerian. Rossic. u. Urticae, Stipites Dulcamarae u. Viburni Opuli, Turiones Pini.
Gouvernement Jaroslaw: Herba Bidentis tripartit., Hyperici, Fragariae vescae, Thymi vulg. u. Millefolii, Fol. Salviae, Absynthi u. Trifolii.
Gouvernement Poltawa: Herba Bidentis tripartit., Conii maculati, Bursae pastoris, Asperulae odorata, Equiseti arvensis et palustris, Herniariae glabrae, Scordii, Adonis vernalis u. Meliloti citrini, Fol. Cynoglossi, Juglandis regiae u. Hyoscyami, Flor. Sambuci nigri, Tiliae, Millefolii u. Verbasci rossic., Cort. Nuc. Juglandis, regiae, Rad. Ononidis spinos. u. Valerianae rossic.
Gouvernement Wladimir: Bacc. Vaccinii Myrtilli u. Fragariae vescae.
Gouvernement Polen: Bacc. Vaccinii Myrtilli.
Gouvernement Tschernigow: Herba Meliloti citrini u. Adonis vernalis.
Gouvernement Samara: Rad. Liquiritiae.
Gouvernement Pjatigorsk: Herba Ephedrae vulg.
Gouvernement Archangelsk (Pinega): Agaricum.
Ostseeprovinzen: Rhiz. calami.
Aus vielen Teilen Rußlands: Secale cornutum, Lycopodium.
Nordamerika.
Wildwachsende Arzneipflanzen der Ver. Staaten von Nordamerika: (Hauptsächlich nach HENRY KRAEMER. Text-Book of Botany and Pharmakognosy 1907).
Abies balsamea, Acorus Calamus, Agrimonia Eupator., Agropyrum repens, Ailanthus glandulosa, Alsine media, Althaea off., Anagallis arvensis, Angelica Archangelica, Anthemis Cotula, Apocynum androsaemifolium, Apocynum cannabinum, Aralia hispida u. nudicaulis, Arctostaphyllos Uva Ursi, Anhalonium Lewinii, Arctium Lappa, Arctostaphyllos glauca, Arisaema triphyllum, Aristolochia Serpentaria, Artemisia Absynthium, frigida u. vulgaris, Asarum canadense, Asclepias incarnata u. syriaca, Asima triloba, Lindera Benzoin, Berberis Aquifolium, Echinacea angustifolia, Brauneria purpurea (nördl. Texas, Kansas, Nebraska), Borago officinalis, Cannabis sativa, Capsella Bursa pastoris, Cnicus benedictus, Castalia odorata, Caulophyllum thalictroides, Ceanothus americanus, Chamaelirium luteum, Chelidonium majus, Chelone glabra, Chenopodium anthelminticum, Chimaphila umbellata, Chrysanthemum Parthenium, Carduus arvensis, Cimicifuga racemosa, Collinsonia canadensis, Comptonia peregrina (Myrica asplenifolia), Coptis trifolia, Corallorhiza odontorhiza, Cornus circinata u. stolonifera, Cunila origanoides, Cytisus Scoparius, Datura Stramonium, Bicuculla canadensis, Dioscorea villosa, Drosera rotundifolia, Aspidium marginale u. Filix mas, Solanum Dulcamara, Equisetum hiemale, Erechtites hieracifolia, Erigeron canadense, Eriodiclyon californicum, Erythraea Centaurium, Eupatorium perfoliatum u. purpureum, Frankenia grandifolia, Fragaria vesca, Frasera carolinensis, Galium aparine, Garrya Fremontii, Gaultheria procumbens, Gentiana quinquefolia, Geum rivale, Gnaphalium obtusifolium, Grindelia robusta u. squarrosa, Hedeoma pulegioides, Helianthemum canadensis, Helonias bullata, Heracleum lanatum, Hydrastis canadensis, Hypericum perforatum, Hyssopus off., Impatiens aurea, Jeffersonia diphylla, Kalmia latifolia, Koellia incana u. virginiana, Lactuca virosa, Leonurus cardiaca, Leptamnium virginianum, Leptandra virginica, Levisticum off., Liatris odoratissima, Lobelia inflata, Lycopus europaeus u. virginicus, Malva rotundifolia, Marrubium vulgare, Matricaria Chamomilla, Melilotus off., Mentha spicata, Menyanthes trifoliata, Micromeria Douglasii, Mitchella repens, Monaroa punctata, Nepeta Cataria, Nymphaea advena, Oenanthera biennis, Oxydendrum arboreum, Papaver Rhoeas, Parthenocissus quinquefolia, Penthorum sedoides, Phoradendron flavescens, Phytolacca decandra, Pimpinella Saxifraga, Plantago major, Podophyllum peltatum, Polygonum punctatum, Polymina Uvedalia, Rhus toxicodendron, Polytrichum juniperinum, Populus candicans, Pterocaulon pychnostachyum, Rubus canadensis, strigosus u. nigrobaccus, Rumex Acetosella u. crispus, Serenoa serrulata, Sabbatia angularis u. Elliottii, Sanguinaria canadensis, Saponaria officinalis, Sarracenia flava u. purpurea, Scrophularia marylandica, Scutellaria lateriflora, Senecio aureus, Silphium terebinthaceum, Smilax herbacea, Smilax Pseudo-china, Solanum carolinense, Solidago odorata u. Virgaurea, Spigelia marylandica (südl. Staat. u. Mississippi-Gebiet), Limonium carolianum, Stillingia sylvatica, Stylosanthes biflora, Spathyema foetida, Tanacetum vulgare, Taraxacum off., Thelesia uniflora, Trilisa odoratissima, Tsuga canadensis, Tussilago Farfara, Umbellularia californica, Urtica dioica, Veratrum viride, Verbascum Thapsus, Verbena hastata, Veronica officinalis, Polygala Senega (im nördl. Minnesota, Manitoba usw., Winnipeg u. Minneapolis Hauptverkaufszentren; südl. Senega auch aus der Appalachian region). Artemisia anthelmintica (früher nur wild in Maryland; Verkaufszentren Baltimore u. Westminster), Ginseng (in den dichten Wäldern der östl. Ver. Staaten bis Missouri u. Arkansas), Cascara Sagrada (im nördl. Californien u. Nevada bis zum Nordende der Vancouver Insel).
Fig. 100.
Japanese Collecting Seaweed.
[Aus Pharm. Journ.]
Außer diesen bei KRAEMER angegebenen wildwachsenden Arzneipflanzen fand ich in den Berichten d. U. S. Department of Agriculture noch folgende:
Acer rubrum, Achillea Millefolium, Actaea alba, Actaea rubra, Adiantum pedatum, Aesculus glabra, Aesculus hippocastanum, Agrimonia hirsuta, Aletris farinosa, Alnus rogosa, Ambrosia artemisiaefolia, Anagallis arvensis, Anthemis Cotula, Aplectrum spicatum, Apocynum androsaemifolium, Apocynum cannabinum, Aquilegia vulgaris, Aralia racemosa, Aristolochia reticulata, Artemisia abrotanum, Asclepias tuberosa, Aster puniceus, Athyrium filix-femina, Baptisia tinctoria, Betula lenta, Brassica nigra, Butneria florida, Cassia marylandica, Castanea dentata, Celastrus scandens, Cephalanthus occidentalis, Cercis canadensis, Chamaenerion angustifolium, Chenopodium ambrosioides, Chenopodium botrys, Chionanthus virginica, Chrysanthemum leucanthemum, Cichorium intybus, Cicuta maculata, Clematis virginiana, Conium maculatum, Convallaria majalis, Cornus amomum, Cornus florida, Cracca virginiana, Crataegus oxyacantha, Cynoglossum officinale, Cypripedium hirsutum u. parviflorum, Daphne Mezereum, Daucus Carota, Delphinium consolida, Digitalis purpurea, Diospyros virginiana, Dirca palustris, Epigaea repens, Epilobium palustre, Erigeron philadelphicus, Eryngium yuccifolium, Erythronium americanum, Evonymus atropurpureus, Eupatorium ageratoides u. aromaticum, Euphorbia corollata, ipecacuanhae, nutans u. pilulifera, Fagara clava-herculis, Fagus americana, Fragaria virginiana, Fraxinus americana u. nigra, Fumaria officinalis, Gelsemium sempervirens, Gentiana saponaria u. villosa, Geranium maculatum, Glechoma hederacea, Gnaphalium uliginosum, Hamamelis virginiana, Helenium autumnale, Hepatica acuta u. hepatica, Heuchera americana, Hicoria ovata, Hieracium venosum, Hydrangea arborescens, Hyoscyamus niger, Ilex opaca, Impatiens biflora, Inula Helenium, Ipomoea pandurata, Iris versicolor, Juglans cinerea, Juniperus communis, Sabina u. virginiana, Kalmia angustifolia, Koellia montana u. pilosa, Lacinaria scariosa, spicata u. squarrosa, Lactuca canadensis, Larix laricina, Ledum groenlandicum, Ligustrum vulgare, Limonium carolinianum, Liquidambar styraciflua, Liriodendron tulipifera, Lobelia cardinalis, Lycopodium clavatum, Magnolia acuminata, tripetala u. virginiana, Malva sylvestris, Melissa officinalis, Menispermum canadense, Mentha piperita, Monarda didyma u. fistulosa, Monotropa uniflora, Myrica cerifera u. gale, Nabalus albus u. serpentarius, Nyssa aquatica u. opeche, Onosmodium virginianum, Osmunda regalis, Ostrya virginiana, Oxalis acetosella, Passiflora incarnata, Peramium pubescens u. repens, Picea mariana, Pinus Strobus, Polemonium reptans, Polygala nuttallii, Polygonatum biflorum, commutatum u. hydropiper, Polypodium vulgare, Populus alba u. tremuloides, Porteranthus trifoliatus, Potentilla canadensis, Prunella vulgaris, Prunus serotina, Psoralea pedunculata, Ptelea trifoliata, Pulsatilla hirsutissima, Quercus alba u. rubra, Rhamnus cathartica u. purshiana, Rhododendron maximum, Rhus aromatica, Rhus glabra u. radicans, Robinia pseudocacia, Rubus cuneifolius, nigrobaccus, occidentalis, procumbens, trivialis u. villosus, Rudbeckia laciniata, Rumex obtusifolius, Salix alba u. nigra, Sambucus canadensis, Sanicula marylandica, Sassafras variifolium, Satureia hortensis, Serenoa serrulata, Silphium laciniatum u. perfoliatum, Sinapis alba, Sorbus americana, Spathyema foetida, Spiraea tomentosa, Symphytum officinale, Thuja occidentalis, Tiarella cordifolia, Tilia americana, Trifolium pratense, Trillium erectum, Triosteum perfoliatum, Turnera microphylla, Typha latifolia, Ulmus fulva, Uvularia perfoliata, Vagnera racemosa, Valeriana officinalis, Veronica virginica, Viburnum dentatum, lentago, opulus u. prunifolium, Viola odorata, pedata u. tricolor, Washingtonia longistylis, Xanthium spinosum, Xanthorrhiza apiifolia, Xanthoxylum americanum. Die Küste liefert: Carrageen.
Aus Californien auf den Markt gebrachte Arzneipflanzen (Liste von A. WECK Company):
Berberis aquifolium root, Cascara sagrada bark, California laurel leaves, Damiana leaves, Eucalyptus globulus leaves, Eschscholtzia californica, Grindelia robusta, Grindelia squarrosa, Kava kava root, Manzanita leaves, Rhus toxicodendron, Yerba buena, Yerba reuma, Yerba santa, Wild potato root (man in the earth), Mullen leaves, Mullen flowers, Skunk cabbage root, Skunk cabbage leaves, Wild cucumber root, Angelica root, May weed herb, Scouring rush, Pine buds, Pine needles, Plantain leaves, Wormwood herb, Horehound herb, Linden flowers, Sage, Thyme, Summer savory, Sweet marjoram, Red clover flowers, Peach leaves, Raspberry leaves, Strawberry vine, Garden lettuce, Hops, Orange flowers, O. peel, O. pits, Apricot pits, Red rose leaves (petals), Pale rose leaves (petals), Pumpkin seeds, Watermelon seeds, Mustard seed, Canary seed, Rape seed, Hemp seed, Flax seed, Law mallow, Wild sage, Spikenard, Burdock root, Buckeye bark, Buckeye leaves, Milk weed, Horse radish, Cherry Stems, Poppy heads, Coriander, Fennel, Caraway.
Der panamerikanische Kongreß 1896 hatte einen Ausschuß eingesetzt, welcher einleitende Schritte für ein systematisches Studium der amerikanischen Arzneipflanzen tun sollte. Die Subkommission für die Vereinigten Staaten hat sich dann mit der Smithsonian Institution in Washington in Verbindung gesetzt und mit deren Hilfe ein Zirkular erlassen, in welchem sie für jede einzelne Pflanze um genaue Angabe über einheimischen Namen, örtliche Verwendung, geographische Verbreitung, Sammlung für den Markt, Kultur, Verfälschung usw. bat.
Über das Verhältnis der Einsammlungszeit zur Güte der gesammelten Droge, wie über andere damit zusammenhängende Fragen vgl. das Kapitel [Pharmakophysiologie].
Raubbau wird noch heute bei der Einsammlung des Mate in Paraguay und Paraná, des Kautschuk in Südamerika und in Afrika, der Guttapercha in Sumatra, des Campher in Formosa getrieben. Bei letzteren beiden fällt stets der ganze Baum zum Opfer, Ilex geht bisweilen infolge unsorgfältiger Behandlung zugrunde.
Dem Raubbau bei der Kautschukgewinnung arbeiten neuerdings staatliche Verordnungen, z. B. in den deutschen Kolonien, am Congo und auch sonst — zunächst freilich mit wenig Erfolg — entgegen.
Der Fall, daß eine viel begehrte Arzneipflanze durch zu reichliches Sammeln ganz ausgerottet wurde, ist jedenfalls selten. Beim Silphium scheint im Altertum etwas derartiges stattgefunden zu haben, denn es war schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in Kyrene nicht mehr zu finden. Auf großen Strecken Südamerikas ist der Chinarindenbaum ganz verschwunden, in einigen Gegenden der Schweiz Gentiana lutea ausgerottet. Die Gefahr der Ausrottung besteht zurzeit bei Hydrastis, der Cascarilla und den Guttaperchabäumen. Auch (wegen des großen Bedarfes in China) beim Ginseng in Amerika. Doch wird jetzt meist der Gefahr der Ausrottung durch Anpflanzung der gefährdeten Pflanzen vorgebeugt.