XIII.
Finne. Schrecke. Schmücke.
Die Steilwände an der östlichen Thalseite sind die Abbrüche der Querfurter Platte, die mit der kleinen Ziegelrodaer Platte (höchster Punkt 296 m) ein Ganzes bildet und nordwärts vom Rohnethal und dem Hornburger Sattel begrenzt wird, dem Übergang vom Rohnethal in das Becken des ehemaligen Salzigen Sees. Westlich der unteren Unstrut dehnt sich von Südost nach Nordwest die Finne aus, eine Buntsandsteinplatte von 270 m mittlerer Höhe, die gegen das Unstrutthal sanft geneigt und durch zahlreiche bewaldete Thäler, die nahe ihrer Mündung ins Unstrutthal meist ausgedehnte Obstanlagen aufweisen, zerschnitten ist. Die Oberfläche ist leicht gewellt, der mit einem Muschelkalkgürtel besetzte Westrand bricht aber steil ab und ist auf seiner Höhe bewaldet. Im Nordwesten trennt das Thal der Helder das Gebirge in zwei Äste, die sich verschmälern und kammartig entwickeln: die Schmücke und die Schrecke, beide mit schönen Buchenwäldern bedeckt. Hier erheben sich auch die höchsten Punkte, der Kinselsberg mit 384 m, und der Steiger 362 m Höhe. Der Name Finne (im XII. Jahrhundert Vinne oder Uinna d. h. fenna oder fenni = Kot, Sumpf) deutet auf die Undurchlässigkeit der im Sandstein vorhandenen wagerechten Mergel- und Thonschichten hin, die auch den Ackerbau ungünstig beeinflussen. Die Bevölkerung dieses Gebiets spricht deshalb von der »kalten Finne«. Schrecke oder Hohe Schrecke (von scricchan und screcchôn = springen) bedeutet emporspringender Berg, wegen seiner Steilheit; Schmücke (wahrscheinlich von smiugan = schmiegen) im Gegensatze hierzu einen sich schmiegenden, sanft ansteigenden Berg.
Burgscheidungen. Querfurt. Nebra.
Oberhalb Freyburg liegt in weiter wiesenreicher Thalebene, umgeben von reichen Obstbaumpflanzungen, das Städtchen Laucha, (2400 Einw.), ursprünglich wohl eine slawische Gründung, im XII. Jahrhundert zuerst urkundlich erwähnt. Die bedeutendsten Zuflüsse von der Finne her sind der Haselbach und Biberbach, in dessen Thal Bibra (1500 Einw.) liegt, ein kleines schon im VIII. Jahrhundert erwähntes Städtchen mit Stahlbad. Auf einem Sandsteinkegel, von der Unstrut halbinselartig umflossen, ragt Burgscheidungen (Scidingi = »an der Scheide« des geteilten thüringischen Reiches) empor, wo 531 die Franken und Sachsen das Königreich Thüringen in Trümmer schlugen. An Stelle der alten Befestigungen sind jetzt schöne Gartenanlagen getreten, das alte Schloß erhielt seine jetzige Gestalt im XVIII. Jahrhundert. Auf der mittleren Fläche der Platte, nur 160 m hoch, liegt die Stadt Querfurt (5200 Einw.), die Furt an der Querne, vom großen Verkehr abseits und eine alte Stadt, die nebst dem Gebiete der Kreise Querfurt und Eckartsberga 1815 an Preußen fiel. Vom linken Felsufer der Unstrut glänzt das neue Schloß Vitzenburg ([Abb. 118]) in die Lande hinaus, wo ehemals eine Reichsburg stand, die schon im VIII. Jahrhundert erwähnt wurde. Gegenüber liegt am hohen rechten Ufer Nebra (2300 Einw.), eine Gehängesiedelung an der Stelle, wo die Straße von Eckartsberga nach Querfurt den Fluß überschreitet. Die feste Brücke bestand mindestens seit dem XIII. Jahrhundert, der Ort selbst war eine im VIII. Jahrhundert gegründete Slavensiedelung, die aber unten am Flusse unterhalb der heutigen Stadt lag. Der feinkörnige wertvolle Sandstein der Nebraer Steinbrüche wird weithin verfrachtet.
Abb. 119. Schloß Heldrungen im Jahre 1645 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).
Memleben. Wiehe. Roßleben. Artern.
Die Thalränder treten hier an der Steinklöbe, dem Durchbruch der Unstrut durch den Sandstein, eng aneinander, weichen von Memleben an auf dem rechten Ufer aber weit zurück. Hier breitet sich die Aue des Unstrutrieds aus, ehemals Sumpffläche, auf Veranlassung des Mainzer Erzstifts und der Cistercienser entsumpft und dem Landbau gewonnen. Im Dorfe Memleben bestand am Anfang des X. Jahrhunderts ein befestigter Königshof, wo 936 König Heinrich I., 973 sein Sohn Otto I. starben. Die epheuumrankten Ruinen der zum ehemaligen Benediktinerkloster gehörigen Kirche deuten auf ein Bauwerk vom Anfange des XIII. Jahrhunderts. Am Fuß der Berge liegt das Städtchen Wiehe (1150 Einw.), schon am Ende des X. Jahrhunderts eine Reichsburg. Die Stadt ist Geburtsort des Geschichtsschreibers Ranke. Oben im Bergwald finden sich die Reste der Burg Rabenswald und an den Hängen des Kinselsberges diejenigen der Monraburg. Beim Dorfe Donndorf (900 Einw.) auf einem Hügel steht eine Erziehungsanstalt, früher ein Cistercienser-Nonnenkloster. Auf niederem Kalkfelsen am linken Ufer erhebt sich das Kammergut Wendelstein, deren Gebäude früher eine befestigte Burg bildeten. Ein hier bestehendes Gestüt hatte ein Ende, als 1813 Theodor Körner als Führer einer Reitertruppe sämtliche Pferde als Beute für die Lützowsche Freischar entführte. Am Eisenbahnübergang über die Unstrut liegt das bedeutende Dorf Roßleben (2300 Einw.), berühmt durch seine sogenannte Klosterschule, die im großen Gebäude an der Stelle eines Augustinerklosters 1554 errichtet wurde. Auf der Höhe der Sandsteinplatte liegt das Dorf Ziegelroda und die Mauerreste der Lutisburg. An der Mündung des Riedgrabens liegt die Salinenstadt Artern (4900 Einw.), schon im VIII. Jahrhundert erwähnt, einer der ältesten Orte der Goldenen Aue. Unter dem Gips des oberen Zechsteins ist hier ein etwa 130 m mächtiges Steinsalzlager erbohrt, aus dem eine Solquelle entspringt, deren Wasser versotten oder zu Badezwecken gebraucht wird. Das Gebiet ist reich an Salzpflanzen, die hier wie bei Kölleda, Weißensee, Artern, Numburg, Luisenhall bei Erfurt und Salzungen vorkommen.
Abb. 120. Die Sachsenburgen.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Rastenberg. Heldrungen.
Am südlichsten Punkt der Finne bildet das Thal der Emse einen bequemen Zugang ins Thüringische Becken, wo in der Nähe des Dorfes Auerstädt 1806 die für Preußen so unglückliche Schlacht geschlagen wurde. Bei Eckartsberga (1900 Einw.), einem freundlichen Städtchen, ist im Gelände eine Einsenkung, die Eckartsbergaische Pforte, der Durchgangspunkt der alten Handelsstraße. Am Ausgang des lieblichen Mühlthales liegt die weimarische Stadt Rastenberg (1200 Einw.) mit Stahlbad. In der flachen Thalmulde des Helderbaches ist Heldrungen (2700 Einw.) erbaut, nach seinem alten Schlosse auch Schloßheldrungen genannt ([Abb. 119]). Das Schloß ist von breiten Wassergräben umgeben und gibt mit seinen Türmen ein mittelalterliches Bild. Am gegenüberliegenden Unstrutufer liegt das weimarische Dorf Oldisleben (2000 Einw.), mit Mühlen und Zuckerfabrik. Das im XI. Jahrhundert gegründete Benediktinerkloster wurde im Bauernkriege zerstört. Oberhalb der Wippermündung erheben sich am Berghange 254 m hoch die Sachsenburgen ([Abb. 120]), von deren Turm man einen weiten Blick in die thüringische Landschaft genießt. Sie wurden im XIII. Jahrhundert erbaut, sind also nicht als Grenzbefestigungen der Sachsen gegen die Franken aufzufassen, die im Thale des Solgrabens Frankenhausen erbaut haben sollen.
Abb. 121. Sondershausen um 1650 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).
Hainleite. Dün.
In gleicher Streichrichtung von Finne und Schmücke erstreckt sich der Gebirgswall der Hainleite, an der oberen Wipper in ostwestliche Richtung übergehend in den Dün, der mit dem Eichsfeld und dem Hainich im Norden und Westen dann das Thüringische Becken umgrenzt. Der östlichste Teil der Hainleite gipfelt mit 331 m und wird vom übrigen Gebirgsteil durch den Durchbruch der Wipper, die in engem gewundenen Thale sich den Weg zur Unstrut gebahnt hat, getrennt. Westlich der Wipper steigt der Kamm allmählich höher, im aussichtsreichen Possen 424 m, in der Wetternburg 465 m, im Katzenstein 471 m. Außer dem Wipperdurchbruch ist die Hainleite noch mehrmals schluchtartig durchbrochen, vom Hachsbach beim Dorfe Hachelbich, und vom Bebrabach bei Sondershausen, der Übergangsstelle der Bahn Erfurt-Nordhausen. Nach der Mitte Thüringens fällt das Gelände in sanfter Abdachung, nach Norden bricht es in steiler Wandung zum Wipperthale ab, von Friedrichslohra bis zum Kloster Reifenstein einen 20 km langen ununterbrochenen Rand bildend, der schon zum Dün gehört. Hier steigt die höchste Erhebung im Köhlerberg bis 494 m an, im Hockelrain bis 517 m. Der Dün reicht bis Heiligenstadt und geht südwestlich langsam in das Eichsfeld über. Die aus Wellenkalk bestehenden untersten Schichten des Muschelkalks verleihen der Hainleite und dem Dün ihre eigentümlichen Formen und bilden eine deutliche Stufe, wenn sie sich auch nicht überall zu einer kleinen Hochfläche erweitert, wie dies südlich von Sondershausen der Fall ist. Die an den steileren Hängen der Hainleite und auch der nördlich der oberen Wipper sich erhebenden Muschelkalkgruppe der Ohmberge (höchster Punkt die wilde Kirche 523 m) emporstrebenden Äcker und Berggräben verdanken ihren thonigen Boden dem Röth oder oberen Buntsandstein. Von Wichtigkeit sind auch die Thonschichten an der oberen Grenze des Röths, weil auf ihnen eine Reihe von Quellen zu Tage gehen. Einige wechsellagernde Schaumkalkschichten, sowie Dolomitbänke des oberen Muschelkalks liefern Straßen- und Bausteine. Der aus der Zersetzung der Wellenkalkschichten hervorgehende Boden ist Träger und Ernährer der schönen Buchenwälder, dagegen nur selten lohnender Ackerboden; die Äcker des mittleren und oberen Muschelkalks sind zwar fruchtbarer, aber oft thonig und mit zahllosen Steinen übersät. Eine Ausnahme findet sich in der Nähe der Wipperquelle in den Ohmbergen, wo in einer Höhe von 450 bis 490 m dem Wellenkalk eine Abteilung der Kreideformation auflagert.
Abb. 122. Sondershausen, vom Waldschlößchen aus gesehen.
Sondershausen. Der Kyffhäuser.
Beim Dorfe Göllingen ist von der Wipper ein Stollen abgezweigt, durch den der Stadt Frankenhausen Wasser zugeführt wird, da in der sogenannten kleinen Wipper zu wenig Wasser vorhanden ist. Der bedeutendste Wohnplatz im Wipperthale ist Sondershausen (7000 Einw.), die Hauptstadt des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, in freundlicher Lage und von Bergen umrahmt ([Abb. 121] und [122]). Das aus dem XVI. Jahrhundert stammende Schloß ist von schönen Parkanlagen umgeben. Auf dem Possen steht ein fürstliches Jagdschloß und ein 50 m hoher Turm, der hoch über den Buchenwipfeln eine umfassende vom Thüringerwald bis zum Harz reichende Rundsicht bietet. Vom Sandsteinplateau der alten Grafschaft Hohnstein entwickelt sich der Gebirgszug der Windleite, im Paßberg 352 m hoch, nördlich von Sondershausen zwischen Wipper und Helme sich von Ost nach West erstreckend und durch zahlreiche Bäche mannigfach gegliedert. Östlich davon erhebt sich als kleines, nur 75 qkm umfassendes Massengebirge der Kyffhäuser, der seinen Steilabfall nach Norden hat und auf seiner platten welligen Oberfläche im Lengefelde 466 m Höhe erreicht. Am Nordrand tritt ein schmaler Gürtel altkrystallinischer Gesteine zu Tage: die aus Granit bestehenden Heidekraut tragenden Bärenköpfe am Nordfuße des von der Kyffhäuserruine gekrönten Berges, und Gneis (Hornblendegneis an der Rotenburg). Als Hauptmasse des Gebirges folgt dann Rotliegendes, stellenweise zu quarzitischen Konglomeraten vergröbert und mit Schieferthonlagen durchsetzt. Im Westen und Süden lehnt sich daran ein breiter Zug der Zechsteinformation mit landschaftlich wirkungsvollen Gipsfelsen. Löß deckt mantelartig das Gebirge, besonders im Osten und an den Thalgehängen. Trotz armer Bewässerung ist seine Bewaldung üppig und deckt 55 vom Hundert der Fläche, vorwiegend Rotbuche und Eiche; erst seit 60 bis 70 Jahren sind Fichten angepflanzt worden. Bei der aus dem Zechstein kommenden Salzquelle in der Nähe von Numburg sind 25 echte Salzpflanzen nachgewiesen, ein Beweis für die Abhängigkeit der Pflanzenverbreitung von der chemischen Natur des Bodens. Der Kyffhäuser ist ferner eine Heimstätte lebender Nachkommen der in der sogenannten Steppenperiode oder der Lößzeit (wahrscheinlich zwischen der ersten und zweiten Vereisungsperiode) aus Südosten eingewanderten Gewächse. Fast die Hälfte dieser dem Osten und Südosten Europas als Stammland angehörige Pflanzen finden hier ihren äußersten nordwestlichen Standpunkt; hierher gehört das »Kyffhäufergras« genannte Fiedergras.
Abb. 123. Die Rothenburg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Der Kyffhäuser gehörte mit dem nahe an seinem Ostfuße gelegenen preußischen Dorfe Tilleda (1100 Einw.) zu den Krongütern, welche die Kaiser der älteren Zeit in fast allen Teilen des Reiches besaßen. Wann eine Reichsburg auf dem Kyffhäuser erbaut wurde, weiß man nicht; sicher ist nur, daß die kaiserliche Burg Kufese 1118 von den aufständischen thüringischen und sächsischen Fürsten zerstört, bald nachher aber wieder aufgebaut wurde. Rudolf von Habsburg ernannte 1290 den Grafen Friedrich von Beichlingen-Rothenburg zum Burggrafen von Kufese, dessen auf der Rothenburg sitzendes Geschlecht indessen 1373 seine Herrschaft Schulden halber an den Landgrafen von Thüringen abtrat. Diese verpfändeten sie 1378 an die Grafen von Schwarzburg, die seitdem im Besitz der Herrschaft verblieben. Die Burg verfiel im Mittelalter, doch wurde 1433 die Burgkapelle erneuert und blieb bis zur Reformation ein viel besuchter Wallfahrtsort. Von Norden aus gesehen bilden die Reste der Rothenburg ([Abb. 123]), die um 1100 gegründet wurde, und der alte Kyffhäuserturm ([Abb. 124]) die Eckpfeiler des Gebirges. Neben dem alten Turm erhebt sich auf 96 m langer und 61 m breiter Plattform das von Deutschlands Kriegern 1890–1896 errichtete Denkmal für Kaiser Wilhelm I. ([Abb. 125]). An der Rückseite eines viereckigen Hofes, der mit seiner kräftigen Architektur das aus dem Berge gestiegene Schloß des sagenhaften Staufenkaisers versinnbildlicht, befindet sich das Standbild Friedrich Barbarossas. Am Oberbau des Denkmals, das von der Plattform bis zur Spitze 69 m hoch ist, tritt über dem Standbilde Barbarossas das mächtige Reiterstandbild Kaiser Wilhelms heraus, weit hinausblickend in die deutschen Lande ([Abb. 126]). Bei der Kyffhäusersage soll es sich ursprünglich nicht um Friedrich I. Barbarossa, sondern um den in Italien 1250 plötzlich verstorbenen Friedrich II. gehandelt haben, an den sich später Prophezeiungen von einstiger Eroberung des heiligen Grabes und allgemeine Besserung kirchlicher und gesellschaftlicher Zustände knüpften. Die letzteren Vorstellungen verblaßten nach der Reformation, von da ab saß Kaiser Rotbart drunten am Tisch von Marmelstein und wachte alle hundert Jahre nur einmal auf. Dann mußte sein Zwerg zur Welt hinaufsteigen, um zu schauen, ob die Raben noch immer fliegen. Und dann versank der alte Held wieder in tiefen Schlaf. Mit Rückerts bekanntem Liede: »Der alte Barbarossa« empfing die Sage und das Sehnen im deutschen Volke neue Kraft. Mit dem Wiedererstehen des geeinigten Deutschen Reiches hatte sich endlich die Verheißung der Sage erfüllt. Das mächtige Denkmal ist uns ein Markstein in der Geschichte des deutschen Volkes geworden und ein kraftvolles Erinnerungszeichen an die Macht und Größe des Vaterlandes.
Abb. 124. Kyffhäuserturm.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Frankenhausen.
Auf dem Rücken des Gebirges liegt 384 m hoch auf einer Waldwiese das Jagdschloß Rathsfeld. Am Südwestfuße unterhalb der Reste der Falkenburg befindet sich die Barbarossahöhle, durch einen 178 m langen Stollen zugänglich gemacht. Ein Teil des Raumes wird von kleinen Teichen eingenommen, und von der Decke hängen vielgestaltige Gips- und Anhydritbildungen, vielfach aufgehängten Fellen ähnlich. Frankenhausen (5950 Einw.) ist die Hauptstadt der schwarzburg-rudolstädtischen Unterherrschaft ([Abb. 127] und [128]), am Südfuße des Kyffhäusers gelegen. Hier wurde in einer Tiefe von 400 m ein Steinsalzlager erbohrt, dessen Quellen für Badezwecke benützt werden. Außerhalb der Stadt erhebt sich der Schlachtenberg, wo 1525 dem Bauernkrieg ein Ende gemacht wurde: 5000 Erschlagene lagen in den Feldern und Straßen umher, 300 Bauern wurden vor dem Rathause enthauptet. Thomas Münzer, der Anführer der Aufständischen, wurde hier gefangen und auf dem Hochgericht von Mühlhausen enthauptet. Am Abhange des Berges steht der Hausmannsturm, der Rest der alten Frankenburg. Frankenhausen wurde in Verbindung mit Salzgewinnung seit dem X. Jahrhundert genannt. Das Flußthal ist wohl angebaut, so daß die Dörfer wohlhabend sind; Ringleben hat 1300 Einw.
Abb. 125. Kaiserdenkmal auf dem Kyffhäuser.
(Nach eigener Photographie der Verlagshandlung.)
Goldene Aue.
Der Kyffhäuser sendet seine westlichen Ausläufer bis Auleben und Badra vor, wo der jüngere Zechsteingips unter den steil abbrechenden Schichten des unteren Buntsandsteins der Windleite verschwindet. Bei Badra steht Gips und der Hauptdolomit des Zechsteins an, der auch am Galgen- und Schlachtenberge bei Frankenhausen entwickelt ist. Vom Badraer Sattel schiebt sich ein kleiner Höhenzug nach Südosten und zwingt dort die Wipper, die Hainleite zu durchbrechen. Nördlich vom Kyffhäuser breiten sich die fruchtbaren auf Buntsandstein liegenden Diluvialablagerungen der Goldenen Aue aus. Am Anfang des XII. Jahrhunderts war das Helmethal von Nordhausen bis Artern noch ein sumpfiges wenig bewohntes Land, in das die Cistercienser vom Kloster Walkenried erst Kultur brachten. Die Mönche zogen Vlämen ins Land, die nach niederländischer Art urbar machten und eine Anzahl Ortschaften gründeten. In diesen vlämischen Kolonistendörfern (Horne, Ellre, Weydenhorst und die Orte mit der Endung »riet«) lagen die Bauernhöfe am Flusse entlang, an dem sich auch die einzige Fahrstraße hinzog; seitwärts von den Bauernhöfen am Eingang des Dorfes stand die Kirche. Hinter den Höfen schloß sich in langen Streifen, so breit wie das Gehöft, der Acker an. Die Form der Bauernhöfe war die fränkische. Die Entwässerung des oberen Riets (oder Rieds) geschah durch tiefe Gräben, neben denen hohe Dämme erbaut wurden. Querdämme schlossen die Gebiete der einzelnen Ortschaften ab. Im unteren Riet war längs des linken Ufers der kleinen Helme ein Flutgraben gezogen worden.
Abb. 126. Der Kyffhäuser mit Blick in die Goldene Aue.
(Nach eigener Photographie der Verlagshandlung.)
Abb. 127. Frankenhausen um 1650 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).
Das Eichsfeld.
Am Fuße der Rothenburg liegt das stille Städtchen Kelbra (2700 Einw.). Die Goldene Aue bietet eine für den Verkehr wichtige Niederung, die von der Eisenbahn Halle-Cassel benutzt wurde. Die Helme, die gewissermaßen Thüringen vom Harz scheidet, hat eine Länge von 84 km und ist einer der wichtigsten Nebenflüsse der Unstrut, da sie aus dem Harz viele wasserreiche Zuflüsse aufnimmt; ihr Ursprung ist auf der niederen Wasserscheide zwischen Elbe und Weser, westlich vom preußischen Dorfe Stöckey. Die Wipperquelle liegt in der Stadt Worbis am Südfuße der Ohmberge, nur wenig entfernt von den Quellen der Hahle und Leine. Nach Aufnahme der Ohne durchströmt die Wipper bei Sollstedt das Eichsfelder Thor, wo die Muschelkalkhöhen der Bleicherodaer Berge und der Hainleite nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind. Westlich von Worbis (2000 Einw., davon ¾ katholisch) dehnt sich bis zum Grabeneinbruch des Leinethales (oder der Göttinger Senke) das meist aus Buntsandstein bestehende Untere Eichsfeld aus, von einer mittleren Höhe von 380 m. In den Thälern finden sich frische Wiesengründe, auf den Höhen sorgsam gepflegte Äcker, die neben Getreide und Kartoffeln auch Tabak, Flachs und Zuckerrüben tragen. Trotzdem sind aber bei einer verhältnismäßig dichten Bevölkerung und dem Mangel größerer gewerblicher Anlagen die Ortschaften ziemlich arm.
Abb. 128. Frankenhausen.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Heiligenstadt.
Der Hauptort des Eichsfeldes ist Heiligenstadt (6700 Einw., davon 5/6 katholisch), das schon 1227 vom Erzbischof von Mainz Stadtrechte erhielt. Seine drei Stadtkirchen sind im XIII. und XIV. Jahrhundert erbaut worden. Das obere Eichsfeld ist die vom Dün nach Westthüringen hinüberleitende Muschelkalkplatte, im Mittel etwa 450 m hoch und klimatisch ungünstiger als das untere Eichsfeld; der Warteberg steigt bis 512 m empor. Die steil abfallenden Wände sind vielfach von Thälern durchschnitten, so vom Lutterbach im Norden und dem Frieda- und Rosapp-(Roseppe-) Bache im Süden, und die halbinselartig geformten Randstücke der Muschelkalkplatte sind zumeist von schönen Buchenwäldern geschmückt. Westlich dieser Thäler erhebt sich auf einem Buntsandsteinsockel der vielfach von Bächen eingeschnittene Muschelkalkrücken der Goburg, im Hohenstein (566 m) den höchsten Punkt des ganzen Eichsfelds tragend. Der Landbau ist auf dem Kalkboden nur dürftig, so daß viele arme Gebiete vorhanden sind, deren Bewohner dann Weberei treiben oder allsommerlich als Feldarbeiter nach der Provinz Sachsen gehen. Bei Küllstedt wird das obere Eichsfeld in 400 m Höhe von diesem Tunnel durchbrochen, durch den eine Bahnlinie führt, die Dingelstädt mit Eschwege verbindet.
Abb. 129. Lutherdenkmal in Möhra.
Abb. 130. Salzungen.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Treffurt. Creuzburg. Südvorland.
Nach Südosten streckt sich vom oberen Eichsfeld der breite Muschelkalkrücken des Hainich, dessen Höhen mit prächtigen Buchenwäldern bewachsen sind und nirgends 500 m Höhe erreichen. Der Muschelkalk reicht hier südlich bis zur Hohleite (387 m), den Hörselbergen und den Krahnbergen westlich von Gotha. An einigen Stellen lagern über den Triasschichten in unbedeutender Entwickelung Thone mit Sandstein und Kalkbänken, die dem Lias (Jura) zugehören, so auf der Hohleite und dem Moseberg (nordwestlich von Eisenach), am Seeberg (bei Gotha) und am Röhnberg (in der Nähe der drei Gleichen). Der Muschelkalk reicht westlich weit bis ins hessische Gebiet; in zahllosen Schlangenwindungen hat sich die Werra ihr tiefes Bett in den Muschelkalk eingesägt. Hier liegt das preußische Städtchen Treffurt (2000 Einw.), nördlich bewacht von der Burgruine Normannstein, südlich vom steil bis 501 m aufragenden Heldrastein. Das alte Creuzburg (1800 Einw.) ist weimarisch und war einst die Sommerhauptstadt der thüringischen Landgrafen. Die alte Verkehrsstraße zog früher über Creuzburg nach Frankfurt, seit Eröffnung der thüringischen Eisenbahn ist der Ort aber von allem Verkehr verlassen und ein stilles Landstädtchen geworden. Nahebei liegt das kleine Solbad Wilhelmglücksbrunn. Am Durchbruch der Werra liegt in anmutiger Gegend das Dorf Hörschel, urkundlich schon im X. Jahrhundert genannt, der westliche Endpunkt des Rennsteigs. In der Nähe des Dorfes Lauchröden ragen die Ruinen der Brandenburg empor.
Abb. 131. Schloß Landsberg.