Elfte Scene.
Die Vorigen ohne Scalosúb.
Sophie.
Moltschálin, sprechen Sie, was haben Sie gemacht!
Ich weiß nicht, wie ich noch bei Sinnen,
Ach hätten Sie an mich gedacht,
Sie setzten nicht Ihr — mir so theures Leben
So muthwillig auf’s Spiel.
Doch sagen Sie — wie ist’s mit Ihrem Arm?
Hat sich der Schmerz gegeben?
Zum Doktor schicken Sie vor allen Dingen,
Soll man nicht Tropfen bringen?
Moltschálin.
Seitdem der Arm in dieser Binde
So schmerzt er nur noch ganz gelinde.
Es ist ja nichts, ich will gleich wetten!
Die Binde steht ihm nur so gut —
Doch wer kann Sie vor bösen Zungen retten,
Ich bitt’ Sie, sei’n Sie auf der Hut.
Denn Tschatzki — ach, der kann’s schon machen,
Daß über Sie die Leute lachen;
Und wenn der Oberst erst sich in die Haare fährt
Um sein Toupé recht schön
Zurecht zu drehn,
Dann fängt er sicher an, die Ohnmacht zu erzählen
Und an Verschönerungen wird’s nicht fehlen.
Selbst dieser Mensch will witzig sein!
Ach Gott! Wer ist nicht witzig heut zu Tage!
Sophie.
Als ob nach diesen Zwei’n ich frage!
Wer mir gefällt, den mag ich
Und was ich will, das sag’ ich.
Moltschálin ach, wie hab’ ich mich bezwungen!
Als Sie in’s Zimmer traten,
Mich um Verzeihung baten,
Wie hab’ ich da im Innersten gerungen!
Vor jenen durft’ ich es nicht wagen
Sie anzusehn, Sie zu befragen.
Moltschálin.
Und doch — Sie müßten besser sich verstellen.
Sophie.
Wie sollt’ ich das, wenn alle Pulse schwellen!
Ich wollt’ hinaus zum Fenster springen,
Ich war halb todt und sollte mich bezwingen.
Es mag die Herrn da ärgern und verdriessen,
Was geht’s mich an, was mach’ ich mir aus diesen,
Aus irgend jemand, aus der ganzen Welt!
Mag sie doch reden, wie es ihr gefällt?
Moltschálin.
Möcht’ diese Offenheit uns nur nicht Schaden bringen!
Sophie.
Man wird Sie doch nicht zum Duelle zwingen?
Moltschálin.
Ach schlimmer wohl als Degen und Pistolen
Sind scharfe Zungen.
Lisette.
Bei Ihrem Vater sind die Beiden drin,
Wie wär’s, Sie gingen gleich dahin
Und stellten sich ganz unbefangen,
Wir glauben gern, was wir verlangen. —
Den Tschatzki müssen Sie vor allen Dingen
Zum Schwatzen bringen —
Indem Sie jene Jugendzeit berühren.
Ein bischen Liebelei, ein Wort, ein Blick
Damit kann man zum Glück
Bequem Verliebte an der Nase führen.
Moltschálin.
Ich wage Ihnen nicht zu rathen —
(Küßt Sophiens Hand.)
Sophie.
Wie?
Auch Sie?
Sie wollen’s also auch?
Ach, liebenswürdig sein, mit Augen ganz in Thränen?
Ich kann mich an Verstellung nicht gewöhnen,
Es fällt mir nichts so schwer.
Was schickte Gott doch diesen Tschatzki her!
(Geht ab.)