1.
Als sie den Purpur von seinen Schultern gerissen und ihn in seinem ärmlichen Gewand auf die Gasse geführt hatten, als er unter dem Geschrei und Pfeifen der erregten Menge nach der Schädelstätte getrieben ward, — da wußte alle Kreatur davon: es wußte es der Wald, wo der Dornstrauch stand; es wußte es das Meer, wo der Schwamm wuchs; es wußten es die Tiere und der Weingarten, die Berge und das Feuer, das die Nägel und den Speer geschmiedet hatte. Nur die heilige Jungfrau wußte es nicht.
Das ganze jüdische Volk verlangte nach seinem Blut:
„Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“
Das reine Blut des Heilands tropfte in den Straßenstaub, während er in der Dornenkrone unter der Last des schweren Kreuzes vorwärtsschritt; — schon stand die Sonne feuerrot über Jerusalem und verkündete einen heißen blutigen Tag — — wie viel hatte sich ereignet! — — und die heilige Jungfrau wußte nichts.
Die heilige Jungfrau schlief.
Die ganze Nacht hatte sie kein Auge zugetan, und erst gegen Morgen war sie am Fenster sitzend eingeschlafen.